Nicht Rücktritt: Eintritt!

Dienstag, 1. März 2011

Der Abgang des Freiherrn war so impertinent inszeniert, wie wenig von dem, was er sich davor erdreiste. Das Brimborium seines Abschieds, die selbstgerechte und überhebliche Rede, stellt wahrlich alles in den Schatten, was Guttenberg bis dato ablieferte. Sie war eloquent, gewiss - aber auch voll von Schuldabwälzungen und Verzierungen, die vom Tatbestand ablenken sollten.

So sucht er die Schuld für seinen Rücktritt nicht bei sich: er winkt die Medienlandschaft heran. Diese haben über seine Dissertation berichtet, nicht über die toten Bundeswehrsoldaten dieser Tage - weil dem so ist, braucht es einen neuen Verteidigungsminister, der aus der Stille heraus arbeitet. Ein Nachfolger muß nach dieser Lesart her, nicht weil der Vorgänger durch seine Betrügereien untragbar wurde, sondern weil die Medien zu viel über ihn als Person berichteten, was aber für das Amt des Verteidigungsministers untragbar sei - als seine Person mit positiven Aspekten die Schlagzeilen dominierte, störte er sich noch nicht an diesem Umstand. Andersherum mokiert sich Guttenberg zudem, habe man viel über die Gorch Fock berichtet, die Lage in Nordafrika sei dahinter verschwunden - hier wurde also das Handeln des Ministers zum Sujet der Medien, was ihm aber trotzdem nicht gefallen hat. Trefflicher ausgedrückt: die Medien, jedenfalls der größte Teil, tragen Schuld an seiner Entscheidung - hätten sie ihm freundlicher gesonnen berichtet, wären des Freiherrn Kräfte noch nicht aufgezehrt.

Die gesamte Rede strotzte von gefälligen Selbstzweifeln, die er süffisant im Raume verhallen läßt - denkerische Rhetorik, die Guttenberg zum kläglich gescheiterten Philosophenminister stempeln soll, zu einem, der zu sensibel, zu gescheit, zu nachdenklich für die Medienarena ist. Außerdem sei "Verantwortung" sein elfter Vorname - nur weil er Soldaten beerdigen musste, weil er sein Haus bestellen wollte, habe er am Sessel geklebt. Dergleichen kommt gut an in der Bevölkerung; man mag keine Machtbesessenen, kleben sie aber aus Verantwortungsgefühl heraus auf ihrem Posten, dann verehrt man sie. Und auch der Umstand, ein ganz klein wenig Schwäche zuzugeben, um seine Menschlichkeit, Allzumenschlichkeit zu unterstreichen, wird üblicherweise lohnend vergolten. Die Krone der ganzen Zumutung jedoch war, als Guttenberg sich bei der großen Mehrheit der Deutschen bedankte, die ihm angeblich vom Rücktritt abrieten - eine große Mehrheit, die eigentlich so nur bei der BILD-Zeitung stattfand. Aber als ein Minister, der durch BILD und mit BILD und in BILD zu seinen Meriten gelang, braucht man auch die Deutschen fernab der BILD-Zeitung nicht wahrzunehmen. Ein herzliches Dankeschön also an die fingierte Mehrheit aus dem Hause Springer!

Der Clou dieser ganzen Theatralik war, dass da einer so fachgerecht zurückgetreten ist, dass er als Märtyrer aus der Geschichte stolpern kann, womit seine politische Zukunft jedenfalls noch nicht begraben ist. Natürlich werden Haus- und Hofberichterstatter der von und zu Guttenbergs das Märchen vom Dolchstoß wachhalten; sie werden ihn als verantwortungsvollen und weitblickenden Politiker in Erinnerung halten und als einen, der von der Medienallmacht erwürgt wurde - einer wie er, so menschlich, so offen auch Schwächen zuzugeben, zudem ein Volkstribun, so einen kann man nicht auf Dauer am Rand versauern lassen; die Politik braucht doch solche Leute! Dieser selbstgefällige und reuelose Rücktritt, er war die Eintrittskarte zurück. Das Projekt Kanzlerschaft ist verschoben, aufgehoben aber nicht...



63 Kommentare:

Fleur 1. März 2011 um 13:44  

Das spricht doch alles nur dafür, dass wir ihn in einigen Jahren wiedersehen werden.

Mein Tipp: Er wird Justizminister. Mal sehen, ob bayrischer oder der des Bundes...

Thomas 1. März 2011 um 13:59  

Aber... waren im Nachhinein betrachtet die Kundus-Affäre und auch der Gorch-Fock-Skandal nicht schon Anzeichen dafür, wie sich der Baron aus der Affäre ziehen würde? Erste Opfer (seiner Schuldzuweisungen) waren doch der (ehemalige) Generalinspekteur der Bundeswehr Schneiderhan und der damalige Staatssekretär im BMVgPeter Wichert. Und während (nicht als Abschluß) des Gorch-Fock-Skandals der (jetzt in einem Bericht für unschuldig erklärte) Kapitän des Schiffes.
Leichen pflastern also seinen Weg. Gut, daß er gestoppt wurde.

Doxanthropos 1. März 2011 um 14:07  

Auch jetzt noch so viele Lügen aus seinem hochwohlgeborenen Munde. Ja, @Fleur, der wird wiederkommen und er kündigt es jetzt schon an, dass er dann seinen Charakter nicht geändert haben wird. Wie üblich in diesem Geschäft.

Margitta 1. März 2011 um 14:17  

Lieber Roberto,

eine wirklich sehr treffende Analyse der Rücktrittsrede von zu Guttenberg.

"Dieser selbstgefällige und reuelose Rücktritt, er war die Eintrittskarte zurück. Das Projekt Kanzlerschaft ist verschoben, aufgehoben aber nicht..."

Das sehr ich auch so. Allerdings gibt es auch noch die Möglichkeit aus dem Hintergrund die Fäden zu ziehen, was meines Erachtens um vieles effektiver ist. Hoffen wir also, dass es im politischen Wirken nicht still um Guttenberg wird, denn das würde mir viel mehr Sorge bereiten.

philgeland 1. März 2011 um 14:32  

Die Message der Rücktrittsrede in Buchform. Damit ist zu rechnen, wie ich fürchte ...

Micha 1. März 2011 um 14:54  

"So sucht er die Schuld für seinen Rücktritt nicht bei sich"

Hm, ich lese in der Rede immerhin:
"Ich habe, wie jeder andere auch, zu meinen Schwächen und Fehlern zu stehen. Zu großen und kleinen im politischen Handeln bis hin zum Schreiben meiner Doktorarbeit. ... Deswegen habe ich mich aufrichtig bei all jenen entschuldigt, die ich aufgrund meiner Fehler und Versäumnisse verletzt habe und wiederhole dies auch ausdrücklich heute."

Doxanthropos 1. März 2011 um 16:02  

@Micha: Womit er aber immer noch das Schreiben seiner Doktorarbeit behauptet. Hat er selbst inzwischen seinen "Fehler" eingeräumt, in enormem Umfang plagiiert zu haben?
Oder weiter zurück gefragt: Hat er zugegeben, seinen Lebenslauf für das Wirtschaftsministeramt aufgehübscht zu haben? usw.
Wenn er mal von eigenen Fehlern spricht, dann von dem "Versuch der Quadratur des Kreises".

ForenBoy 1. März 2011 um 16:31  

Ich denke nicht, dass der heuchelnde Betrüger politisch nochmal ein Bein auf den Boden bekommt:

die Universität Bayreuth wird am Ende der Woche verkünden, dass die Dr."Arbeit" des Freiherren nur so strotzt von Plagiaten, und somit den Tatbestand des Betrugs erfüllt.
In Folge wird es mindestens ein Gerichtsverfahren geben, in dem der Betrüger rechtskräftig verurteilt wird, das dürfte dann ausreichen, wer will schon einen vorbestraften Minister?
Nicht einmal die CSU!

Jo 1. März 2011 um 16:55  

Irgendwie hast du dir nur bestimmte Passagen aus der Rede herausgepickt und extra die überlesen, die nicht in dein Bild passen, Roberto... Nicht gut, das.
Siehe auch Kommentar von Micha.

Roberto J. De Lapuente 1. März 2011 um 16:57  

Ich denke, ich habe das Wesen der gesamten Rede erfasst. Das sehe nicht nur ich so...

Micha 1. März 2011 um 17:17  

Blick nach vorne: Nachfolger wird nun also entweder Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, oder Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt.
Was bedeutet das Neues?

Anonym 1. März 2011 um 17:26  

@Fleur
In der Tat ist nichts ausgestanden. Guttenberg hat die Gesellschaft weiter polarisiert, analog Sarrazin, und den Teil, der eine ideal stilisierte Führergestalt haben möchte, in seinen Vorurteilen gegen Anstand, Ehrlichkeit und Vernunft bestätigt. Es gehört in die Reihe des Absurden, dass jemand dieses gesellschaftlichen Elite-Status und dieses Privatvermögens auch und gerade von "kleinen Leuten" mit Vertrauen beehrt wird. Die Anhängerschaft dürfte aber inzwischen, wie man sagt, intellektuell nicht mehr erreichbar sein. Ob ihm in diesen Kreisen eine Verurteilung wegen Betrugs wirklich schadet, wage ich zu bezweifeln. Da wird wohl noch einiges auf uns zukommen, und ich bezweifle, dass es Gutes sein wird.

Trotz der eindeutigen Sachlage ist es immer noch möglich, wenngleich nicht wahrscheinlich, dass die Universität Bayreuth ihn schont, indem sie beispielsweise davon spricht, dass der Nachweis der vorsätzlichen Täuschung mit letzter Sicherheit nicht zu führen sei. Ich gehe auch davon aus, dass es sich bei der Arbeit um eine Zusammenstellung handelt, bei der zwar Dritte beim Zusammentragen sehr stark mitgeholfen haben, aber kein Ghostwriter im vollen Sinne existiert, sondern es sich letztlich um ein Familienprodukt handelt. Es ist nämlich unwahrscheinlich, dass sich Guttenberg tatsächlich einem Fremden als Ghostwriter derartig und auf immer in die Hände gegeben hat. Umgekehrt wäre es in meinen Augen nicht plausibel, anzunehmen, dass ein Ghostwriter, der das Material zusammenstellt, extrem viele Herkunftsangaben zu den Texten weglässt, um seinem Auftraggeber im Ernst zu suggerieren, er habe sich hundert und mehr Seiten an eigenen, wertvoll aussehenden Gedanken aus den Fingern gesogen. Das würde ihm niemand abnehmen. Die Methode war wohl die, Texte hintereinander zu reihen und dann durch Verschiebungen, Zerlegungen, Einschiebungen und Übergänge daraus etwas „Eigenes“ zu komponieren. Das haben Herr Guttenberg oder Mitglieder der (weiteren) Familie (Adel verpflichtet) dann mit begrenztem Aufwand selbst geleistet. Jedenfalls halte ich dies für das wahrscheinlichste Szenario.

Jo 1. März 2011 um 17:47  

In der Bevölkerung wird das ganze halt wie "Schummeln in der Schule" im größeren Stil gesehen, das kennt jeder, und jeder weiß, dass es schwerfällt sowas zuzugeben. Das Verständnis dafür ist größer als z.B. die Schwarzgeldaffäre. Guttenberg hat anders als Schäuble das "Pech", dass es mehr Instanzen gibt, die betroffen sind und ich gegen ihn wenden. Bei der Schwarzgeldaffäre gab es niemanden, der direkt betroffen war und sich zu Wort meldete...

Stimmvieh 1. März 2011 um 18:04  

Man kann nur hoffen, dass Guttenberg nicht irgendwann noch mal ein Comeback feiert - es sei nur an Otto Wiesheu erinnert, der ein paar Jahre nach seiner Verurteilung wegen Totschlags wieder am bayerischen Kabinettstisch Platz nehmen durfte und danach im Vorstand der Deutschen Bahn.

Anonym 1. März 2011 um 18:10  

Nachtrag zu meinem Kommentar von 17:26 Uhr

Man muss auch bedenken, dass es Persönlichkeiten gibt, die von Kind auf in ihrer Tendenz bestärkt werden, alles um sie herum Befindliche als auf natürliche Weise ihnen hörig und zugehörig zu betrachten. Daher müssen Guttenberg&Co. nicht einmal ein schlechtes Gewissen gehabt haben, es sind halt alles Lappalien, über die sich nur inferiore Naturen aufregen. Frau zu Guttenberg dürfte diese Einstellung in noch extremerer Form repräsentieren, man wird da zum Physiognomiker (mir war, als ich das erste Bild von Guttenberg vor Jahren sag, gleich klar, dass es sich um einen Blender handeln muss). Das Bedürfnis nach formalem Spitzenstatus in Allem und Jedem, die inhaltliche Substanzlosigkeit, der Mangel an Aufrichtigkeit gegenüber anderen, die Gewohnheit, andere zu funktionalisieren und auszunutzen, sowie die extreme Pflege des äußeren Erscheinungsbildes gelten zum Teil als Kennzeichen einer Persönlichkeitsstruktur, die in extremer Form als histrionische Persönlichkeitsstörung bezeichnet wird. Wenn Prof. Lepsius (dessen Stellungnahme meines Erachtens wesentliche Wirkung hatte) sagte, ihn würde die Meinung eines Psychologen interessieren, dann wird die Antwort vermutlich auch in diese Richtung weisen.

Jo 1. März 2011 um 18:16  

Es werden jetzt ja diverse Doktorarbeiten von Prominenten unter die Lupe genommen.
Nicht verwunderlich ist z.B., dass Gregor Gysis Arbeit über den Sozialismus nicht mal den Versuch macht, wissenschaftliche Kriterien zu erfüllen, da es eine Kampfschrift gegen den Westen ist, die sich axiomatisch auf das Parteiprogramm von SED und KP stützt.
Gysi ist ja bekannt dafür, gegen Unterstellungen sofort zu klagen, aber in diesem Fall hätte er nicht den Hauch einer Chance bei einer Klage gegen folgenden Vorwurf: "Der Doktortitel Gregor Gysis wurde nicht durch eine Arbeit erlangt, die wissenschaftlichen Kriterien genügt."
Er hatte nur damals eine politisch indoktrinierte Universität auf seiner Seite - anders als Guttenberg.

Jutta Rydzewski 1. März 2011 um 18:20  

@Jo

"Irgendwie hast du dir nur bestimmte Passagen aus der Rede herausgepickt und extra die überlesen, die nicht in dein Bild passen, Roberto... Nicht gut, das."

Dann picken Sie doch mal die vorgeblich überlesenen Passagen heraus, die in Ihr Bild passen. Mich würde das schon interessieren, zumal ich nicht nur die Guttenberg-Rede, sondern auch die merkelsche und ganz besonders die seehofersche als unerträglich verlogen und geheuchelt empfunden habe. Dieser schmierige, nach allen Seiten bekundete Respekt oder empfundene Schmerz, für sich selbst und andere, das Herzblut usw. was da ausgeschieden wurde, hat bei mir Übelkeit bewirkt. Das ist nicht nur eine gigantische Heuchelei sondern ekelhaft. Was da stattgefunden hat, und wohl noch weitere Tage stattfinden wird, ist an Verlogenheit nicht zu überbieten. Aber bitte, Ihr Auftritt. Sie werden doch sicherlich für Ihre andere Auffassung Argumente haben, oder? Übrigens, angeblich soll Guttenzwerg seit einigen Tagen wissen, dass gegen ihn strafrechtlich ermittelt wird/werden soll, höre ich gerade im WDR. Wenn das so sein sollte, ist es bei Guttenberg wie es immer war; er reagiert lediglich auf das, was ohnehin bekannt ist oder wird. Dieser Blender hat immer dann reagiert, wenn ihm nix anderes mehr übrig blieb, und dann mit seinem klebrigen, widerlichen Pathos. Doch nun sind Sie dran. Bitte schön.

mfg
Jutta Rydzewski

Anonym 1. März 2011 um 18:22  

bullshit jo. gysi hat nicht einfach abgeschrieben

Reinhard Sieber 1. März 2011 um 19:36  

Ich teile Herrn De Lapuentes Ansicht über zu Guttenbergs Rücktrittsrede voll und ganz, die der Kommentatoren Micha und Jo dagegen nicht. Wer nach allem glaubt, die "überlesenen Passagen" seien ein Beweis für einen Rest von Anstand und nicht etwa ein weiterer Versuch, Anstand vorzutäuschen, sollte beim Kauf eines Gebrauchtwagens auf jeden Fall einen Kfz-Sachverständigen mitnehmen.

Dennoch tut zu Guttenberg mir leid. Er muß ja einen Wahnsinnsschrecken bekommen haben, als er beim Lesen seiner Doktorarbeit feststellen mußte, daß er einem windigen Betrüger aufgesessen ist.

Ist eigentlich schon etwas über den Verfasser seiner Rücktrittsrede bekannt?

klaus baum 1. März 2011 um 19:41  

hier noch ein kommentar aus dem deutschlandfunk, der die inszenierung des rücktritts kritisch sieht

http://www.klaus-baum.info/2011/03/01/der-falsche-doktor-und-die-gesamte-christdemokratische-camarilla-um-die-kanzlerin-merkel/

Anonym 1. März 2011 um 19:44  

@Jutta Rydzewski

Danke für diese klaren Worte. Herr Guttenberg hat sich noch bis zuletzt bemitleidet, was angesichts des Umfangs der Täuschung schon ans Pathologische grenzt (über 400 monierte Stellen bei guttenplag; selbst wenn man 100 als Kleinigkeiten durchgehen ließe, bliebe das Zehnfache dessen übrig, was Nicht-Guttenbergs akademisch das Genick bricht). Und die Medien anzuklagen, die man systematisch selbst benutzt hat, als es opportun war, das spricht für sich selbst. Um ein Wort von Frau Winkelmann im „Freitag“ aufzugreifen: wer den Rassehund mimt, sich aber vorzugsweise mit Straßenkötern abgibt, wird eben selbst usw.

Was Erika Merkel anbelangt, dürfte man gewissermaßen von Charakterlosigkeit als zentralem Charaktermerkmal sprechen. Sie hat Politik in der DDR gelernt, also die nackte ideologisch verkleidete Machtausübung mittels Operieren im Hintergrund. Sie kennt die Bedeutung der Medienkontrolle, deshalb ist sie mit Springer so intim. Sie weiß, dass das Volk ab und an Orangen und Bananen braucht. Sie dürfte in der Histomat- und Diamet-Schulung den Kapitalismus stärker verinnerlicht haben als seine westlichen liberalen Kritiker. Das „Die Partei hat immer recht“ wurde durch „Das Kapital hat immer recht“ ersetzt. Ob diese Affäre für ihre Macht Konsequenzen hat, wird man sehen. Die Regierung ist aber inzwischen weitgehend autonom geworden und wird sich mit allen Kräften bemühen, in den verbleibenden zweieinhalb Jahren so viele praktisch irreversible (weil die Umkehrung extrem teuer wird) Entscheidungen zu treffen wie möglich. Jetzt darf man auf die Terrorismuswarnung gespannt sein, die in ca. 2 Wochen anstünde. Irgendwoher muss ja die Rettung kommen.

ForenBoy 1. März 2011 um 19:52  

genau, @Jutta Rydzewski, so sehe ich das auch:
Guttenberg ist genau wie mit der "Rückgabe" des Titels der Aberkennung der Uni zuvor gekommen, um die Schande zu mildern und mit Pathos "Einsicht" zu demonstrieren.
Mit dem Rücktritt von ALLEN Ämtern kommt er lediglich der zu erwartenden niederschmetternden Bewertung der Arbeit durch die Uni zuvor, die erklären wird, dass sie Straftatbestände erfüllt.
Er ist einfach nur clever, um den Schaden an seiner Person zu minimieren. Nur dass DIE LINKE da noch eine Zukunft sieht, halte ich ebenfalls für realitätsfremd.

In der Wirtschaft hingegen können so Blender und Betrüger recht erfolgreich werden.......

jürgen 1. März 2011 um 20:17  

Mit Guttenbergs peinlichem Abgang stirbt auch die Hoffnung, dass das ganze Narrenschiff der Lügner und Blender ZUSAMMEN Schiffsbruch erfährt...

Ich würde ja dafür plädieren, auch die, ihn bis zum würde-losen Schluss die Treue haltenden Bundeskanzlerin gleich mit zu entsorgen. Aber die klebt ja wie mit Doppel-UHU angetackert, an der Macht.
Wollen wir wetten: die ganze CDUCSU-Muschpoke wird die Lichtgestalt der Neuen Deutschen Politik in die Tiefkühltruhe packen und bei vermeintlichem Bedarf springt er wieder, wie Kai aus der Kiste, zum Wohle der deutsch-amerikanischen Hinter-den-Kulissen-Strippenziehern ins politische Geschäft. Leider…

Anonym 1. März 2011 um 20:26  

Noch einmal zur Kontrolle:

Man werfe einen Blick auf GuttenPlag, vor allem auf die neue Zusammenfassung vom 1.3. Was dort dokumentiert wird, ist aberwitzig und sprengt jeden Rahmen, den man sich vorstellen kann. Auf 82 % (324/393) der Seiten finden sich Plagiate, und zwar 891 Fragmente aus mehr als 120 Quellen. Ca. 72 Seiten reiner Text sind Komplettplagiate, ca. 70 % reiner Text verschleierte Plagiate. Dazu kommen viele Zeilen Übersetzungsplagiate usw. Insgesamt sind bislang 8061 von 16325 Zeilen Text, entsprechend 49 % der Arbeit, als offene oder versteckte Plagiate identifiziert worden. Man kann davon ausgehen, dass weitere Teile des Textes Plagiate darstellen, beispielsweise aus noch nicht analysierten Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages (die sich ja auch sehr gut zum Plagiieren eignen, soweit nicht öffentlich zugänglich).

Gerade weil diese „Fehler“ nach Angaben von Herrn Guttenberg „unbewusst“ erfolgt sind, stellen sich Fragen. Im normalen Verfahrensablauf jedenfalls würde man in Anbetracht dieser Umstände nach aller Wahrscheinlichkeit eine psychologische bzw. psychiatrische Untersuchung für indiziert halten. Es wäre daher für Herrn Guttenberg meines Erachtens unbedingt ratsam, die bewusste Täuschung einzugestehen. Allerdings muss man befürchten, dass er auch hier wieder zu spät kommt.

Jo 1. März 2011 um 21:45  

an anonym "bullshit jo. gysi hat nicht einfach abgeschrieben"

Ein Großteil ist von Marx und Lenin sowie dem Parteiprogramm der KP übernommen, aber alles korrekt ausgewiesen. Das reicht aber nicht für die wissenschaftliche Standfestigkeit von Thesen...

Micha 1. März 2011 um 21:56  

Alle reagieren hier nach dem gleichen Prinzip wie Guttenberg, nämlich nachträglich.
Alle zerreissen sich das Maul über einen Abgetretenen, keiner schaut darauf, was kommen wird.
Nicht ein eiziger hier faßt die kommende Realität ins Auge, die da kommt in Form von Frank-Jürgen Weise oder Christian Schmidt.
Alle haben durch passiven Medienkonsum eine Meinungsgrundlage verpaßt bekommen, die vorzutragen recht und billig ist.
Nicht ein einziger hier geht den Weg, auf dem einen die Meinung nicht vielstimmig in den Mund gelegt wird, sondern durch Eigenleistung (gezielte Recherche) erlangt wird, was im Falle der Nachfolger genau jetzt gefragt wäre...
Besitzt auch nur ein Einziger hier die Vermessenheit zu glauben, es könne sich bei dieser Passivität einmal irgendetwas verändern?

Anonym 1. März 2011 um 22:21  

Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, was Peter Struck als Verteidigungsminister geleistet hat außer den Satz "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt" zu prägen, und außer dass in seinem Ministerium umfangreiche Daten zu Auslandseinsätzen unter der SPD-Regierung "aus Versehen" gelöscht wurden?
Wie kann man heute so aus dem Schneider sein, wenn man Peter Struck heißt?

Anonym 1. März 2011 um 22:49  

Micha hat gesagt...
"Alle reagieren hier nach dem gleichen Prinzip...." "Alle zerreissen sich das Maul über einen Abgetretenen, keiner schaut darauf, was kommen wird."

Diese Beobachtung trifft leider auch auf viele andere Blogs, ob Ausgangskommentare oder Kommentierungen zu diesem Thema, zu.
Daher habe und werde ich mich zu diesem Quark innerhalb der Deutschland beherrschenden Eliten auch nicht weiter äußern.
Ein Diener dieses Systems wird durch einen anderen Diener dieses Systems ersetzt werden..., und DAS soll interssant, gar wichtig sein?

MfG Bakunin

Jacques Roux 1. März 2011 um 23:23  

"Er hatte nur damals eine politisch indoktrinierte Universität auf seiner Seite - anders als Guttenberg."

Na wie gut, das die Uni Bayreuth nicht politisch indoktriniert ist ;-)


Weise oder Schmidt ? Werden die etwa auch schon als künftige Kanzler gehandelt ?

Könnten die auch, analog zu Guttenberg, bei DSDS mitmachen ?

Jo 2. März 2011 um 00:08  

Guttenberg ist jetzt in der Öffentlichkeit vorgeführt und geächtet worden, wie wohl noch nie ein Doktor-Plagiator vor ihm.
Aber seine Gegner können es auch nicht gut sein lassen, als wären sie persönlich auf's Schwerste angegriffen. Diese Maßlosigkeit, wie hier jemand für vogelfrei erklärt wird, stimmt mich nachdenklich. Ich möchte gar nicht wissen, wie rigoros Ihr in Eurem privaten Umfeld zuschlagt, wenn da jemand menschlich versagt.

Ich erinnere mich an den Scharlatan, der mit gefälschten Papieren Direktor eines Klinikums wurde, erst nach Jahren durch Zufall aufflog und dann noch durch Talkshows zog, um über Fehler des Systems herzuziehen - von der Presse eher wohlwollend als ein Till Eulenspiegel aufgenommen.
Hieran wird überdeutlich, wie mit zweierlei Maß gemessen wird.

Roberto J. De Lapuente 2. März 2011 um 06:25  

Der armearme Freiherr... da kommen mir gleich die Tränen...

pillo 2. März 2011 um 10:35  

Ja, es steht tatsächlich zu befürchten, daß uns der adrette Baron in einigen Jahren wieder "beglücken" wird. Dabei hängt sicher viel davon ab wie sich das Merkel in den kommenden Monaten und Jahren schlagen bzw. behaupten wird. Gehen in diesem Jahr viele Landtagswahlen zu Ungunsten der CDU aus und droht ihr bei der nächsten Bundestagswahl eine Niederlage, könnte zu Guttenberg schon 2013 reaktiviert werden.

Ich persönlich rechne mit einer Rückkehr des "blendenden" Freiherrn in die Politik erst nach der BT-Wahl 2013. Er soll, so war immer mein Eindruck, für eine Kanzlerschaft ab 2017 aufgebaut werden.

Wenn Merkel spätestens 2013/14 abgewirtschaftet hat, wird der strahlende Held aus Franken zurückkommen. Dann wäre auch eine gewisse Schamfrist verstrichen und das Geschehen des Jahres 2011 in den Köpfen des Pöbels längst kalter Kaffee von vorgestern. Im Gegenteil, man wird Guttenbergs Scheitern von heute in der Zukunft als ein Zeichen der Stärke umdeuten. Dieser "Fehler", dieser gebrochene Lebenslauf - hat ihn das nicht erst so richtig menschlich und stark gemacht? Ich kann mir schon heute die Schlagzeilen in BILD, B.Z., Welt und den so genannten Qualitätmedien ausmalen.

Stefan R. 2. März 2011 um 10:49  

Was wirklich zum k***en ist, ist der Eifer, mit dem die Neocons an einer Dolchstoßlegende 2.0 stricken: Der arme Gutti, da hat er sich schon entschuldigt und dann wird er vom selben linken Mob, der schon Sarrazin gelyncht hat - der bedauernswerte Mann ist inzwischen ja völlig mundtot, wir erinnern uns - förmlich zu Tode gehetzt. Ich frage mich immer öfter, was man mit solchen klinisch paranoiden Realitätsausblendern (so sie keine astroturfenden Mietschreiber sind) eigentlich noch diskutieren soll. Wo will man da anfangen? Oder erleben wir gerade die Anfänge der Fox-News-Methode in Deutschland?

Jutta Rydzewski 2. März 2011 um 11:23  

@Jo 2. März 2011 00:08

Wenn das alles ist, womit Sie Ihre Kritik, im Hinblick auf den Eingangsbeitrag des Blogbetreibers, begründen können, dann muss ich mir ja keine Sorgen machen.;-) Ihre Trauer (Ähnlichkeiten mit der Grabrede gestern von Seehofer sind unverkennbar);-) um diesen klebrig pathetischen Lügenbold und Blender, der sich im Übrigen, wegen seiner offenkundigen, eklatanten Wahrnehmungsprobleme, dringend in therapeutische Hände begeben sollte, tut mir zwar leid, vermag ich aber nicht zu teilen. Der Schwindel- und Lügenbaron ist auch nicht öffentlich vorgeführt, und schon mal gar nicht geächtet worden, sondern hat sich, schlicht und ergreifend, selbst demaskiert, und das sogar mehrfach. Guttenberg ist auch kein Gegner, zumindest nicht für mich. Dieser Flummi war für mich schon immer eine aufgeblasene Lachnumer, vergleichbar mit einem prall gefüllten Luftballon; einmal kurz hineingepieckst, übrig bleibt ein kleines Stücken verschrumpeltes Gummi. Was der Begriff "vogelfrei" wirklich bedeutet, scheint Ihnen genauso wenig bekannt zu sein, wie dem Lügenbaron Eigenschaften wie Anstand, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit usw.. Von Bescheidenheit oder gar Demut möchte ich bei diesem aufgeblasenen Pinsel erst gar nicht reden. Trauern Sie weiter, ich reiche Ihnen symbolisch ein Tempo, zum Trocknen Ihrer Tränen. Schnief, schnief.;-)

mfg
Jutta Rydzewski

PS: Übrigens, Ihr gefallener Held wird sicher schon mehr wissen als Sie oder ich, hinsichtlich staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen, der zu erwartenen Feststellungen der Uni Bayreuth, betreffend bewusster Täuschung, usw. usw.. Guttenberg hat also (mal wieder) lediglich reagiert, auf das was kommen wird. So lässt sich auch sein öffentlich bekundeter großer Schmerz, und seine "Bereitschaft bei der Aufklärung mitzuarbeiten" erklären.

Wolf Widuwilt 2. März 2011 um 11:41  

@ Jo 1. März 2011 21:45
Lichtgestalten sind oft halt Blender.
Von Wissenschaft scheinst Du kaum Ahnung zu haben; aus der FAZ und anderen Blättern abzupinseln reicht auch nicht zur wissenschaftlichen Standfestigkeit von Thesen. Ob Thesen haltbar sind oder nicht, wird in der wissenschaftlichen Diskussion entschieden. Hier geht es lediglich darum, ob Deine Lichtgestalt ein übler intellektueller Hühnerdieb ist. Und das ist er.

Jo 2. März 2011 um 12:30  

Und, atmen jetzt alle durch über den Nachfolger?

Jo 2. März 2011 um 12:53  

Ich sehe hier folgendes Szenario:
Ein überführter Sünder steht umringt von vielen Menschen, die ihn nicht gehen lassen, die ihn bespucken, schließlich zu Boden stoßen und treten.
Ein Mann steht mit einem Megaphon mittendrin und feuert die Menschen in ihrem wütenden Tun an, indem er mit flammenden Worten die Verwerflichkeiten des Sünders hervorhebt.
Ich stehe etwas abseits davon und beobachte das Treiben... und stelle fest, dass nun Zivilcourage gefragt ist. Dass ich mich durch die Menge hindurchkämpfen muss, mir den Sünder über die Schultern legen und ihn in ein Krankenhaus bringen muss.
Ich weiß nicht, ob es allein mir so geht, aber dies ist das klare Bild, das ich von der Sache hier vor Augen habe, und es erscheint mir menschlich.

Anonym 2. März 2011 um 14:10  

Jutta Rydzewski, Sie haben jetzt Thomas de Maizière bekommen.
Herzlichen Glückwunsch!

Jutta Rydzewski 2. März 2011 um 15:26  

@ Anonym

"Jutta Rydzewski, Sie haben jetzt Thomas de Maizière bekommen.
Herzlichen Glückwunsch!"

Was ja wohl heißen soll, dass eine des Betruges und Diebstahls überführte schwarze politische Birne, als Bundesminister im Amt bleiben kann oder soll, weil er ohnehin durch eine andere schwarze politische Birne ersetzt wird. Wenn das Ihre Logik ist: Herzlichen Glühstrumpf! Im Übrigen habe ich schon gestern gewusst, dass der "Terrorwarner" Nachfolger des Lügenbaron wird. Ich werde Ihnen aber die Quelle für mein frühes Wissen nicht verraten, betone aber, um hier nicht den Guttenberg zu machen, dass ich eine (Quelle) habe.;-))

mfg
Jutta Rydzewski

@Jo

Was denn jetzt, haben Sie sich durch die Menge gekämpft, und den bespukten, getretenen, zu Boden gestoßenen Sünder auf Ihre Schulter legen können (ich hoffe, auf die rechte), und in ein Krankenhaus (natürlich katholisches) gebracht?

Jo 2. März 2011 um 16:05  

Jutta Rydzewski,
ich teile jedenfalls nicht Ihre Gehässigkeit.

midrow 2. März 2011 um 16:42  

Gab es schon mal einen Rücktritt, bei dem sofort an fast allen Stellen über ein mögliches Comeback gesprochen wurde?

Und das, wo es selten einen Typen gab, der so dummdreist und in diesem Ausmaß eine Dissertation zusammenkopierte und hernach glaubte, gegen alle vorgeblich geltenden Werte die Kritik mit Unterstützung von Bild und Vox populi aussitzen zu können?

Wie kann man einem Typen, der bis heute behauptet, die erwiesenen Täuschungen unbewusst durchgeführt zu haben, in Zukunft irgendeine verantwortliche Position anvertrauen?

Jeder Vernunft zum Trotz gibt es da aber die "Hart aber fair"-Redaktion, die allen Ernstes fragt: "Geht da ein Lügner oder ein Märtyrer?"

Und weiter: "Mit dem Rücktritt von Superstar zu Guttenberg fragen sich viele Bürger: Musste er gehen, weil er sich zu sehr in Lügen verstrickte, oder weil ihn Neider und Medien zur Strecke gebracht haben?" Man kann es kaum glauben! Dieselben dämlichen "Argumentationsmuster" wie vor dem Abgang!

"Und regiert jetzt in Berlin nur noch das Mittelmaß [...]?" Es wird also weiter suggeriert, dass KTzG in irgendeiner Form mehr als (unterstes) Mittelmaß war! Ich glaube inzwischen, dass wir so etwas auch dann noch hören würden, wenn ihm irgendein Kapitalverbrechen nachgewiesen werden könnte ...

Welche Geister sitzen da eigentlich in der Redaktion dieser Sendung? Und wie kann so eine Sendung unter dem Label "WDR" laufen?

Anonym 2. März 2011 um 17:36  

midrow, naja, wissen wir denn wirklich so umfänglich über Guttis tagtägliche Arbeit Bescheid? Mitarbeiter aus dem Ministerium, die mehrere Minister erlebt haben, ordnen ihn höher ein als seine Vorgänger. Auch in der Truppe herrscht offenbar der Tenor, dass sich keiner der letzten Minister so um die Truppe gekümmert habe wie Guttenberg. Das muß ja auch gar nicht angezweifelt werden, weil es auch nicht das Entscheidende in dem ganzen Fall ist.

Anonym 2. März 2011 um 18:03  

Wenn KTzG sich und seinem Charakter treu bleibt (das ist ja sein von ihm gestern selbst bekundetes Ziel) und er mit diesem nun öffentlich überall bekannten Täuschungshintergrund als Jurist mit nur erstem Staatsexamen mit der Note 3 kein not-leidendes Industrie- oder Dienstleistungsunternehmen findet, das ihn aufnimmt, um mit ihm Werbung bzw. Staat zu machen, dann wird folgendes geschehen:

a) Er wird 'Wetten, dass' übernehmen

b) er gründet und leitet eine neue Stiftung (vermutlich für das künftig aus Afghanistan oder Afrika waagerecht heim-kommende Berufs-Kanonenfutter)

c) Er macht in Kirche (Pressesprecher einer Wohlfahrtsorganisation oder so)

d) er macht in 'Privatier'

e) Er wird Kolumnist bei einer (Bild)Zeitung

f) er macht seinen Doktor, wenn er noch einen Doktorvater und eine Universiät findet

g) ... .

Anonym 2. März 2011 um 18:42  

@ Anonym, 17:36:

Ihr Kommentar zu Midrow: "midrow, naja, wissen wir denn wirklich so umfänglich über Guttis tagtägliche Arbeit Bescheid? Mitarbeiter aus dem Ministerium, die mehrere Minister erlebt haben, ordnen ihn höher ein als seine Vorgänger. Auch in der Truppe herrscht offenbar der Tenor, dass sich keiner der letzten Minister so um die Truppe gekümmert habe wie Guttenberg. Das muß ja auch gar nicht angezweifelt werden, weil es auch nicht das Entscheidende in dem ganzen Fall ist.":

Dafür hat er im Fernsehen mehr als einmal auf Minderheiten im Volk eingedroschen, um Beifall, Stimmvieh, usw. zu bekommen.

Hm, er wird vielleicht ein vergleichsweise!! besserer, vermutlich wesentlich lockerer Chef gewesen sein als andere vor ihm. Man ist aber bei Beschäftigten/ Untergebenen sehr schnell beliebt, wenn man sie bei jedem Besuch als erstes fragt: "Was braucht ihr hier alles? Wie kann ich euch helfen?"
Die hätten ihn mal längere Zeit als Boss erleben müssen ... .

Allerdings: Ein Bekannter von mir hat über 'Beckmann' erfahren, dass sein Kreiswehrersatzamt im Zuge der Abschaffung der Wehrpflicht abgeschafft wird und sein dortiger Arbeitsplatz, ein Führungsposten, damit dort auch futsch sein wird.
zG hat weder betriebliche Führungserfahrung noch hat er wenigstens mehrjährige Berufserfahrung in der Zusammenarbeit. Eine gute Führungskraft informiert zuerst die eigenen Leute und erklärt ihnen die Motive, von mir aus erst einen Tag vor einer offiziellen Verkündigung.

Micha 2. März 2011 um 19:00  

Guttenberg hat einen Bezug zu den jüngeren Generationen, er hat während der Weltwirtschaftskrise gegen die Linie von Partei und Kanzlerin auf Insolvenzverfahren statt auf staatliche Subvention gesetzt (durchgezogen bei Opel, Quelle/Acandor, ..), er war wohl wie kaum ein Minister vor ihm für die Belange der ihm Anvertrauten, der Truppe, tätig, und unter seiner Ägide lief ja auch die aktuelle Bundeswehrreform, die nun sein Nachfolger in diesen Wochen vorstellt.
Das alles nun überhaupt nicht anzuerkennen und postmodernistisch alles durch den Kakao zu ziehen ist auch nicht mehr als verdorbener Stil.

Roberto J. De Lapuente 2. März 2011 um 21:06  

Ave Guttenberg gratia plena...

Wie fest installiert die Mär von der Jahrhundertreform der Bundeswehr doch ist... quer durch die Schichten wird dergleichen mit solcher Inbrunst geglaubt, dass man gerade so tut, als habe Guttenberg die Reform entworfen und nicht die (Fach-)Köpfe, die darüber befinden, die Beamten und so...

Anonym 2. März 2011 um 23:51  

Ich bin so verbittert.... Ihr verdient es nicht besser, als in Eurer Schreibmaschinen-Passivität an diesem System jämmerlich zu verrecken!
Jeder einzelne hier trägt persönliche Schuld, dass die Verhältnisse so sind, wie sie sind. Jeder Einzelne! Diese Bewußtlosigkeit ist das eigentlich unfaßbar Schreckliche.
Was tut ihr denn über Betroffenheitsbekundungen hinaus? Ihr seid alle selbstgefällige Wichser, die nicht selbst anpacken, sondern sich auf Lebzeiten hinter ihren Tastaturen verschanzen und Maulaffen feilhalten! Nichts als Maulaffen!

Anonym 3. März 2011 um 00:48  

Und was hat sagen wir Peter Struck als Verteidigungsminister geleistet, dass er ungeschoren davonkommt?
Außer dass er den Satz "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt" geprägt hat und in seinem Ministerium umfangreiche Daten zu Auslandseinsätzen unter der SPD-Regierung gelöscht wurden?
Ave Peter Struck gratia plena?

Norbert Schnitzler 3. März 2011 um 06:15  

Diese Rücktrittsrede war nicht überraschend, sie paßte zum bisherigen Auftreten des ehemaligen Ministers, bei denen er sich vor allem vorwarf, sein Hochmut habe ihn glauben lassen, ihm könne die Quadratur des Kreises gelingen. Er wird gewußt haben, daß er gerade in der Situation seine vorerst letzte große Chance in einem politischen Amt nutzen mußte. Wenn er sich mit unabhängigen Ratgebern besprochen hätte, hätte er vielleicht etwas anderes versucht, und mehr zugegeben als ohnehin schon bekannt war. Aber vermutlich zeichnet die Ansprache aus, was der Dissertation fehlte - daß er sie allein selbst geschrieben hat, ohne fremdes Gedankengut zu benutzen.

Aber die Rede kann durchaus in einem Schulbuch landen - als Beispiel für Verschleierungstechniken, als Quelle für Deutsch- und Geschichtsunterricht nur für SchülerInnen, die den PISA-Test gut bestehen und Grundlagen der Diskursanalyse schon beherrschen.

Wenn KTG jetzt noch mit etwas überraschen kann, dann mit der Auswahl der Titel für die "Serenade" beim Großen Zapfenstreich. Da wünschte Gerhard Schröder u.a. "My Way" und Horst Köhler den "St. Louis Blues". Leider werden die Wünsche nur instrumental erfüllt. Zum Freiherrn würden gut Zeilen wie
"Große Ziele, Träume
alles liegt so weit zurück
vertane Zeit, verpaßte Chancen
und oft unverdientes Glück
Zuviel von dem, was ich mir wünschte,
habe ich niemals erreicht"...
(Hannes Wader)
oder
"auch dich haben sie schon genau so belogen, wie sie es mit uns heute immer noch tun"
(Hannes Wader, Es ist an der Zeit)
oder
"Du hast mir oft gezeigt, daß Schwäche stark sein kann.
Gib mir ein wenig Zeit, daß ich Mensch werden kann.
Nicht mehr siegen, und das als Mann
nicht mehr siegen, ob ich das kann?"
(Pete Wyoming Bender 1981, aber da war KTG wohl noch zu jung)
gut passen.

Roberto J. De Lapuente 3. März 2011 um 07:09  

Ist klar, verbitterter Anonymus. Wir sind alle selbst schuld, weil wir nicht als Anonyme durch die Lande tippen, dass wir verbittert sind, wie du es machst... erst so wird eine gute Gesellschaft gemacht, wenn man anonym herumwettert und die Schuld abwälzt. Kluges Persönchen!

Struck war nicht Guttenberg - das an die Adresse des Anti-Struckerianers. Struck ist nicht sympathisch und sein Abgang war nicht zu beweinen damals. Aber jetzt fiel Guttenberg - warum Abgängen von einst nachweinen? Um Karlchen zu entlasten? Ihn reinzuwaschen? Was für eine kurde und verlogene Tour! Warum ziehen Sie nicht gleich Rippentrop heran?

Anonym 3. März 2011 um 12:59  

"Aber jetzt fiel Guttenberg - warum Abgängen von einst nachweinen? Um Karlchen zu entlasten? Ihn reinzuwaschen? Was für eine kurde und verlogene Tour! Warum ziehen Sie nicht gleich Rippentrop heran?"

Das hat nichts mit Nachweinen zu tun. Ohne vergleichende Einordnung fehlt einer Bewertung der Amtszeit doch etwas Wesentliches. Was ist daran eine verlogene Tour?
Vergleichende Einordnung wird doch nur dann abgelehnt, wenn einem das Runtermachen wichtiger ist als der Realitätsbezug.
Und nochmal: Welche von den beiden Optionen (Einordnung bzw. Nichteinordnung) ist die verlogene Tour?

ForenBoy 3. März 2011 um 13:24  

Nicht zu Guttenberg ist das Problem, sondern die Gesellschaft, in der er lebt.

Er selbst ist nur die populistische Inkarnation einer "schönen" Täuschung, mit der sich genau der Teil der Gesellschaft identifiziert, der ihm jetzt nachweint und dabei selbst das eigentliche Problem darstellt.

A.R. 3. März 2011 um 14:57  

Erinnert sich noch jemand an Gert Postel? Der Postbote, der jahrelang in diversen Kliniken als vorgeblicher Doktor arbeitete und bis zur Position des leitenden Oberarzts aufstieg. Er wurde nach seinem Auffliegen wohlwollend von der Presse aufgenommen und tingelte als "Aufklärer" von Mißständen und Buchautor durch die Talkshows.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Postel
"in zahlreichen Veröffentlichungen herrscht eine relativ positive Tendenz der schmunzelnden Anerkennung gegenüber Postels Köpenickiaden vor"

Dies zeigt in bestechender Deutlichkeit die Verlogenheit der Presse, in die sich Ad Sinistram voll einreiht.

Anonym 3. März 2011 um 19:36  

Schon krass:
"Die Pro-Guttenberg-Welle, sie rollt unaufhörlich. Im Internet platzen die Unterstützer-Gruppen aus allen Nähten, bei Facebook fordern Hunderttausende seine Rückkehr, am Wochenende wollen die Hartgesottenen ein paar Städte mit Demonstrationen überziehen."
www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748853,00.html

Die "Junge Freiheit" kommentiert in ihrer heutigen Wochenausgabe übrigens den Fall Guttenberg mindestens so kritisch wie Roberto.
Das Fazit von JF-Chef Dieter Stein ist, dass Guttenberg ein Blender sei, der seine Ideale verraten und nichts mehr in der Poltik verloren hätte. Und er fügt noch etwas hinzu, was ich in allen Kommentierungen vermisse:
Guttenberg konnte es nur deswegen überhaupt so weit bringen, weil das sonstige Personal so schwach sei.

Ein Polit-Blog könnte sich ungeheurere Meriten verdienen, wenn es mal mögliche gute Politiker/innen für die Zukunft vorstellen würde, also Leute zwischen sagen wir Ende 20 und Ende 30, die eine echte Option wären.
Das wäre so sehr viel hilfreicher als "Was wäre wenn"-Storys mit Bertold Brecht...
Ich bitte also darum und würde mich sehr bedanken!

W.W.

Roberto J. De Lapuente 4. März 2011 um 08:24  

@ WW

Das war nie die Aufgabe ad sinistrams und wird auch nicht die Aufgabe sein. Die Schaffung neuer Volkstribune steht nicht auf der Agenda dieser Plattform.

Wenn Sie eine echte Option suchen, dann sicherlich nicht in den Jugendkadern der politischen Parteien... aber das nur nebenher.

Ob sich ein Blog Meriten damit verdient steht auf einem anderen Blatt - ad sinistram ist keine Werbeplattform für Politiker, gleich welcher Farbe. Auch nicht der LINKEN, um das klarzustellen...

Jutta Rydzewski 4. März 2011 um 09:43  

@W.W.

"Ein Polit-Blog könnte sich ungeheurere Meriten verdienen, wenn es mal mögliche gute Politiker/innen für die Zukunft vorstellen würde, also Leute zwischen sagen wir Ende 20 und Ende 30, die eine echte Option wären."

Welche echte Option? Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Spahns, Mistfelders usw. einerseits, und den von Dohnaniys, Schmidts, Vogels, Münteferings usw. andererseits. Eher ganz im Gegenteil. Das politische Personal von 20 bis 90 und darüberhinaus ist eine (un)geistige Mischpoke. Allerdings ist da schon was dran, die Besoffenheit in weiten Teilen des Volkes (wenn das tatsächlich stimmen sollte) hinsichtlich dieses Flummis Guttenberg, und den beliebig austauschbaren Birnen, die da in der Politik herumschwirren. Auch wenn das hier, übrigens völlig zu recht, keine Bewerbungsplattform für junge Poliker ist, ich wüsste ohnehin nicht, wen ich vorschlagen könnte. Übrigens, auch nicht von den LINKEN. Was aus ehemaligen Jusos und sonstigen "Revoltionären" geworden ist, ist am "eindrucksvollsten" an Schröder und Fischer zu sehen. Also, vergessen Sie es, eine junge Frau, oder ein junger Mann, sieht Politik nicht als Berufung, um u.U. etwas zu verändern bzw. wieder gerade zu rücken was schräg und schräger geworden ist, sondern als Ort um Karriere und vor allen Dingen Kohle zu machen. So war es bei den Alten, und so ist es erst recht bei den Jungen. Besonders die so genannten Grünen sind auf diesem Gebiet führend. Politik ist heute nur noch Lobbyismus und Korruption, der so genannte Drehtüreffekt. Ob das früher oder ganz früher immer so war, weiß ich nicht. Da gab es mich noch nicht, oder war noch zu klein.;-)

ForenBoy 4. März 2011 um 10:16  

@Jutta Rydzewski,

ziemlich oberflächlich und dumm, diese undifferenzierten Verallgemeinerungen, oder kennen Sie alle Politiker persönlich?

Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit den extremen Rändern der politischen Landschaft allerdings eher eine Bruchlandung hinlegt, dürfte jedoch groß sein.

ForenBoy 4. März 2011 um 10:23  

KenFM über den Sturz Guttenbergs und das "System Merkel":

http://www.youtube.com/watch?v=uc6V79Vk4D4


sehr hörenswert!

Anonym 4. März 2011 um 11:50  

@ Roberto und Jutta

Auf der einen Seite die Devise "nach links", auf der anderen Seite kategorisch ausschliessen, dass es keine fähigen/aufrechten Menschen gibt, die die gewünschte Politik betreiben könnten?
Das macht mich doch sehr ratlos, auch bezüglich der Funktion eines Politblogs. Auf Mißstände hinweisen aus der Position heraus, dass es aber doch keine anderen Optionen gibt?

W.W.

Jutta Rydzewski 4. März 2011 um 12:15  

@ForenBoy

ziemlich oberflächlich und dumm, diese undifferenzierten Verallgemeinerungen, oder kennen Sie alle Politiker persönlich?

Wenn Sie bereit wären richtig zu lesen, hätte Ihnen auffallen müssen, dass ich konkrete Beispiele und auch Namen genannt habe. Demzufolge stelle ich fest,
dass Ihre Bwertung ziemlich oberflächlich und dumm ist.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit den extremen Rändern der politischen Landschaft allerdings eher eine Bruchlandung hinlegt, dürfte jedoch groß sein."

Hä. Was soll das denn heißen? Wenn Sie allerdings meinen, dass die Wahrscheinlichkeit der öffentlichen Verblödung, durch die öffentlich-rechtliche Talkshowverblödungsindustrie, wo dieser Guttenberg-Flummi u.a. sogar als Märtyrer bezeichnet wird, weiterhin anwächst, dann stimme ich Ihnen natürlich zu.

ForenBoy 4. März 2011 um 15:01  

Nun steht der Ruf der Uni Bayreuth auf dem Spiel:


http://www.nachdenkseiten.de/?p=8560#more-8560

ForenBoy 5. März 2011 um 09:40  

@Jutta Rydzewski,

wer lesen kann ist echt im Vorteil:
vielleicht sollten Sie Ihren Beitrag nochmal lesen und dann vielleicht löschen, denn eine größere verallgemeinernde Alternativlosigkeit kann man ja kaum zum Ausdruck bringen.

Und so etwas ist nun mal dumm und wenig zielführend, zumal es hier nicht um eine allgemeine Schelte zu Politikern geht, sondern um einen Politiker und dem unterschiedlichen Umgang der Gesellschaft mit diesem.

Anonym 8. März 2011 um 10:58  

@ Anonomy, 3.3.11, 19:36:

zu "Guttenberg konnte es nur deswegen überhaupt so weit bringen, weil das sonstige Personal so schwach sei."


Hm, stimmt!

Teile der Bevölkerung trauen sich vor sich selbst nicht, sich das einzugestehen. Deshalb die Idealisierung.

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