Da haben wir den ganzen Fortschritt!

Freitag, 11. März 2011

Man könnte nun ja sagen, man wolle den Armen nur vor sich selbst, vor seiner Gewinn- oder Spielsucht schützen, womit das gerichtliche Verbot, Hartz IV-Beziehern Lottospielschein auszuhändigen, einen fürsorglichen Anstrich erhielte. Man könnte aber auch von einem demokratischen Notstand sprechen, der Empfängern des Arbeitslosengeld II Entmündigung erteilt.

Das Urteil mag in nächster oder letzter Instanz nichtig sein. In welche Richtung in deutschen Gerichten gedacht wird, das offenbart es aber trotzdem. Der Erwerbslose erhält von der öffentlichen Hand Geld - und damit, so schlußfolgert man, habe die Öffentlichkeit ein Recht darauf, über die Ausgabeposten des jeweiligen Leistungsbeziehers Rechenschaft zu erhalten. Weil man natürlich nicht jedermanns, jederarbeitslosen Kontoaufstellungen prüfen kann, sperrt man bestimmte Ausgabemöglichkeiten einfach - diesmal soll es eben das Lottospiel sein, von dem man den Leistungsbezieher fernhalten muß. Außerdem wäre es ungerecht, wenn ein Faulpelz einen Millionengewinn einstreichen würde. Den soll es für brave Staatsbürger geben, nicht jedoch für "Staatsbürger", für die der Staat bürgt...

Und was wird nach einer solchen Entscheidung morgen fällig? Wird dann an Getränkemärkten und Tabaklädchen per Schild kenntlich gemacht, welche Art Kundschaft hier einkaufen darf? "Kauft nicht beim Juden!" hieß es damals, "Kauft nicht beim Paria!" könnte man diese braune Parole saisonbereinigt ausdrücken - heute lautet die Losung: "Laßt den Paria nicht einkaufen!" Eine mit Schmierhaar gerahmte Fratze grinste dann verlegen am Eingang, "Wir müssen draußen bleiben!" maßregelte sie. Natürlich, das ist übertrieben und daher geschmacklos, werden manche einwenden. Aber genau diese Art von rechtlichem Nihilismus ist es doch, die auf solche Abgründe zuführt. Der Hartz IV-Empfänger, saisonbereinigt gesagt, die "unproduktive Ballastexistenz", sie wird einer Segregationspolitik ausgeliefert, die den gelben Stern, der heute freilich nicht mehr gelb oder Stern sein muß, sondern vielleicht rot und mit großem A erscheint, am Revers tragen soll.

Die traurigste Erkenntnis daran ist dabei nicht mal, dass alte Mechanismen in heutigen Köpfen wieder greifen. Der Mensch ist unzulänglich genug, stets diesselben Fehler zu machen - als Einzelperson tappt man manchmal lebenslang in dieselben Dilemmas; wie soll dann die Menschheit davor gefeit sein, stets neu ins Verderben zu trampeln? Das ist traurig, aber nicht das traurigste Detail. Schlimmer ist es nämlich, dass diese Segregation, die einst mit Hass und Geifer betrieben wurde in diesem Lande, heute mit einem fürsorglichen Lächeln getan wird. Wo einstmals mit Grimm und galliger Hysterie gegen Parias aufgetischt wurde, da grüßen heute betuliche Mienen, gaukelt man ein umsichtig väterliches Herz vor. Man hält den armen Schlucker doch nicht aus Boshaftigkeit vom Lottospiel fern; man tut es, weil man nicht will, dass er verarmt; man will bloß nicht, dass er zum Opfer seines Spieltriebes wird.

Selektive Politik, die langsam aber zielgerichtet gegen bestimmte unliebsame Bevölkerungsgruppen polarisieren möchte, indem sie das Gleichheitsprinzip nach und nach aufgibt, die wird nicht wie dazumal mit grantigem Gesichtsausdruck umgesetzt - heute lächelt man allerorten, auch dort, wo Parias hergestellt werden. Die Diktatur schreiender Herren ist, wir sind froh darüber, perdu - wird sind fortgeschritten! Wir leben in einer Diktatur rücksichtsvoll lächelnder Damen und Herren, die ihren ganzen sozialrassistischen Dünkel hinter frohen Mienen verkappen. Da haben wir den ganzen Fortschritt!



27 Kommentare:

Berggeist1963 11. März 2011 um 08:05  

Die Sache mit dem "Ich/Wir müssen leider draussen bleiben"-Schild ist mir beim erstmaligen Lesens dieser Meldung auch in den Sinn gekommen. Möglicherweise werden in Zukunft ja auch spezielle "Arbeitslosengeschäfte" mit vergammelten Lebensmitteln, abgetragener Kleidung usw. eingeführt. Oder das betreten "normaler" Geschäfte wird Arbeitssuchenden generell unter Strafandrohung untersagt. Alles nur, damit die (noch) "arbeitswilligen", arbeitsfähigen, von der "Elite" noch gebraucht werdenden und die sich für "Leistungsträger" haltenden "Mitmenschen" vom Anblick als auch dem Umgang mit diesem "Untermenschentum" (um mal im Jargon einer vergangengen geglaubten Zeit zu bleiben) verschont werden. Die Grundversorgung mit dem allein zum (über)leben notwendigen wird dann ausschliesslich über Tafeln und Altkleiderbörsen sichergestellt.
Ich für meinen Teil halte in diesem unserem Lande mittlerweile nichts mehr für unmöglich...

landbewohner 11. März 2011 um 09:36  

ja, das passt genau zu einer grinsenden v.d.L., die da verkündete H4 kinder müssten teilhaben können am klavierunterricht - mittels gutschein. und -noch schlimmer - natürlich darf ein hartzi "sein geld" nicht verzocken,versaufen oder in cafes verfressen, weil der "normalbürger" macht das ja auch nicht; findet breiteste zustimmung in weiten bevölkerungskreisen. und zwar sogar ohne hetzkampagne der entsprechenden medien. meine meinung: in den vergangenen gut 60 jahren hat die bevölkerung dieser brd nichts, ABER AUCH GAR NICHTS, dazugelernt. und das (klein)bürgertum ist von tafeln, sozialkaufhäusern, kleiderkammern geradezu begeistert, weil es da so schön seine soziale ader vorzeigen kann.

klaus Baum 11. März 2011 um 10:41  

Sehr treffend formuliert. Ich möchte Dich noch auf das Feature vom Deutschlandfunk hinweisen, in dem es hieß, dass ein Dr. Struve (Hamburg, 3. Reich) als verschärfendes Kriterium für die Deportation, also für die Ermordung von Menschen, folgendes eingeführt hat: >>Wer nicht produktiv arbeitet, muss auch gemeldet werden.<< Und wer einmal gemeldet wurde, der wurde dann ins KZ verbracht.

Was die Abschaffung des Gleichheitsgrundsatzes betrifft, so wird das unter anderem daran deutlich, dass Einkommensbezieher (Gehalts- und Lohnempfänger) Haus und Hof verzocken können: Erst wenn daraus Probleme erwachsen, wird der Betreffende ein Fall für die Justiz.
Ich kannte einen geschiedenen Mann, er war Rechtspfleger und arbeitete bei der Staatsanwaltschaft, der seine Zeit an Spielautomaten und in Pokerrunden zubrachte. Diesem Mann musste per Gerichtsurteil Teile des Gehaltes gepfändet werden, weil die Ex-Ehefrau sonst keinen Pfennig gesehen hätte.

Hier der Link zum Feature. Roberto, ich bin mir sicher, der Text (unten auf der Seite vom DLF als pdf herunterladbar) wird dich interessieren.

Anonym 11. März 2011 um 10:46  

Berggeist1963 hat gesagt...

"Ich für meinen Teil halte in diesem unserem Lande mittlerweile nichts mehr für unmöglich..."

Dieser Auffasung bin ich schon seit vielen Jahren!
Aber man geht langsam vor, peu à peu, gewöhnt so diese Gesellschaft an immer üblere Zustände.
Inzwischen ist in diesem Lande schon eine ganze neue Generation herangewachsen, die keinen Schimmer mehr davon hat, was für soziale Standarts/Errungenschaften einstmals für große Teile der Lohnarbeiter selbstverständlich waren, mittlerweile aber als "unbezahlbar", "unzeitgemäß" gelten.
Die Lohnarbeiterklasse in diesem Lande geht es wie dem Frosch, der in einem Wasser schwimmt, dass immer heißer wird, dies wohl aber für "normal" hält und deshalb NICHT rausspringt.
Die Herrschenden werden daher weitermachen, erfolgreich wie bisher.
Hindert sie jemand?

MfG Bakunin

klaus Baum 11. März 2011 um 11:09  

jetzt habe ich vergessen, den link zu setzen:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1343734/

der entscheidende gesichtspunkt ist die generalisierende entmündigung, eine art sippenhaft. wer der sippe der harz-IV-empfänger angehört, ist prinzipiell unmündig und bedarf der fürsorglichen lenkung.

klaus Baum 11. März 2011 um 11:17  

Ach ja, eines ging mir noch durch den Sinn, es fiel mir eben bei Bakunins Geschichte mit dem Frosch im immer heißer werden Wasser ein:

Es gibt ja tatsächlich nicht wenige hierzulande, die Vergleiche mit dem 3. Reich für geschmacklos halten und sich empören, wenn man sie anstellt.

Offenbar beginnt für diese Menschen die Inhumanität erst mit dem Augenblick der Vergasung.
Alle Vorbereitungen dazu, die sich beobachten lassen, gelten als nicht anklagenswerte Humanität.

Mit anderen Worten: Der Holocaust ist nur mit selbst vergleichbar, er ist selbstreferentiell. Er fällt urplötzlich wie das Beil der Guillotine vom Himmel.

Berggeist1963 11. März 2011 um 11:43  

@Michail Alexandrowitsch,

dass die Masse der Lemminge langsam an üblere Zustände gewöhnt wird sehe ich ebenso. Darum bin ich auch nicht allzu begeistert von Volksabstimmungen. Das mediale Trommelfeuer dürfte den "Durchschnittsbürger" im Vorfeld unabhängig vom Abstimmungsthema entsprechend bearbeiten, damit am Ende das den "Herrschenden" genehme Ergebnis dabei herauskommt.

Die Justizhanseln zählen sich ja ebenfalls zu den "Leistungsträgern", also werden sie zukünftig wohl noch mehr als wie bereits jetzt in deren Sinne "Recht" sprechen. Das "Klassendenken" der "Oberschicht" hat meines Erachtens jedenfalls seit Anbeginn der Zeiten bis jetzt alle und alles überlebt.

Eine "Kennzeichnungspflicht" der Arbeitsuchenden wird wohl eher nicht mit äusserlich sichtbaren Symbolen erfolgen. Das würde dann doch zu sehr mit dem gelben Stern vergleichbar gemacht werden können. Aber möglicherweise wird über den Personalausweis ja was gemacht. Z.B. in irgendeiner Ecke ein farblich entsprechend ins Auge springender "Klecks" mit einem deutlich lesbaren "A" oder "H" darauf. Dieser Ausweis muss dann dem am Eingang vom Discounter u. sonstigen Geschäften, Restaurant, Kneipe, Kino usw. stehenden Security-Klotz vorgezeigt werden, damit auch nur wirklich hierzu berechtigte Zutritt haben. Die Einführung dieser Ausweiskennzeichnung wird uns dann mit mütterlich-fürsorglichem Lächeln als reine Massnahme zum Schutz der Betroffenen verkauft. Schliesslich sollen sie sich der möglichen mitleidigen Blicke der anderen Kundschaft nicht schämen müssen oder von diesen verbal oder gar körperlich angegangen werden: "Hau ab hier, du asoziales Stück Scheisse" z.B. oder "Verschwinde aus meinem Laden, du arbeitsscheues versoffenes Stück Dreck". Es dient halt alles nur und ausschliesslich zu ihrem Besten.
Kurz zuvor wird die Zeitung mit den Grossbuchstaben bestimmt noch einen "Malediven-Toni" oder "Phuket-Heiner" auftun, um beim "Durchschnittsbürger" die nötige Wut zu schüren, damit er diese Massnahme als absolut gerechtfertigt empfindet.

Vielleicht werden ja auch wirklich noch reine Ghettos an den Stadträndern eingerichtet, die von den Bewohnern nicht verlassen werden dürfen - ausser zu Vorstellungsgesprächen oder der Verrichtung von Sklavenarbeiten sprich im Zeitarbeits- und Niedriglohnsektor bzw, "Bürgerarbeit". Dafür muss dann aber stets das entsprechende Schriftstück beim Wachdienst vorgelegt werden. So werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Innenstädte bleiben "sauber" und ausschliesslich denen zugänglich, die es im Sinne der "Leistunsgesellschaft" auch wert sind, sich dort aufzuhalten und es entstehen reichlich neue Arbeitsplätze im Wachgewerbe.

Gut, das ist alles noch sowas wie Science fiction, aber wie gesagt: Ich halte in D nichts mehr für unmöglich.

Anonym 11. März 2011 um 12:30  

"Inzwischen ist in diesem Lande schon eine ganze neue Generation herangewachsen, die keinen Schimmer mehr davon hat, was für soziale Standarts/Errungenschaften einstmals für große Teile der Lohnarbeiter selbstverständlich waren, mittlerweile aber als "unbezahlbar", "unzeitgemäß" gelten."

Also back to Kohl oder Schmidt, den Feindbildern jedes Linken?

Anonym 11. März 2011 um 13:19  

OK, OK, lieber Roberto,

im Prinzip stimme ich Dir natürlich zu, der vdL-sche Pater-, nee, Maternalismus ist einfach nur beleidigend.
Andererseits, nachdem wir erst vor wenigen Wochen die Meldung gelesen haben, dass eines Hartzers bei der Aktion Mensch (oder wo?) gewonnene 500 Euro ihm zu 100% auf den Lebensunterhalt angerechnet wurden (ohne Freibetrag, da nicht durch ehrliche Arbeit erworben), müsste frau ja wohl mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn sie von ihrem kümmerlichen Regelsatz noch was abzweigte, um die Funktionäre der Lotto-Toto-Lotterie-Gesellschaften zu mästen...
Das eigentlich Traurige ist natürlich, dass die Leute, je ärmer sie sind, umso verzweifelter auf den Hauptgewinn hoffen (um dem Sachbearbeiter von der ARGE endlich mal ins Gesicht sagen zu können, was sie von ihm halten...) - und dass der Staat am Glücksspielmonopol kräftig verdient. Wie bei Schnaps und Zigaretten, wo ein großer Teil vom Kaufpreis als Steuer ins Staatssäckel zurückfließt - so dass der Staat den Armen diese Genussmittel eigentlich von Herzen gönnen sollte. Tja, wie sagten wir früher immer: D b d, d h k P... (selbst Aspirin versagt).

Liebe Grüße
Saby

Anonym 11. März 2011 um 13:27  

Ich schließe mich dem Autor des Beitrages an. Andererseits sollte vielleicht aber auch noch erwähnt werden das ein Lottogewinn einem H4ler eh nichts nützt. Der Gewinn wird als Einkommen betrachtet und deshalb auf den H4-Satz angerechnet. Also hat der H4ler jeden Monat weniger Geld da er ja den Lottoschein bezahlt. Und wenn er dann doch was gewinnt bezahlt er damit seinen eigenen H4-Satz.

Ganz schlimm finde ich in diesem Zusammenhang das wenn ein H4ler doch mal einige Zeit gearbeitet hat und wieder arbeitslos wird, diese Regelung auch auf die Lohnsteuererklärung angewendet wird. Die zuviel gezahlte Lohnsteuer die er zurückbekommt wird auch als Einkommen betrachtet.

Anton Chigurh 11. März 2011 um 13:36  

Was für eine dreckige Gesinnung hierzulande von der Masse an den Tag gelegt wird, konnte man gestern in den Medien verfolgen.
Auf der einen Seite wird ein überführter Verbrecher mit Glanz und Gloria - und dem Wunsch, dass er alsbald wiederkehren möge - aus dem Amt verabschiedet, und auf der anderen Seite wird relativ phlegmatisch hingenommen, wie Teilen der Bevölkerung in zynischster Weise ihre Grundrechte zertrümmert werden !!
Es hätte einen Sturm der Entrüstung geben müssen wegen des Gerichtsurteils zum Glücksspiel.
Berggeist hat es richtig gesagt: der Schritt in Richtung "Nürnberger Gesetze" ist gemacht, wahrscheinlich die Bauaufträge für die Lager schon erteilt.
Bald bekommt jeder Hartz-IV Empfänger einen Mikrochip eingepflanzt, der den Behörden zu jeder Zeit mitteilt, was der Betroffene gerade wann und wo macht. Die BDM-Schnepfe VDL hat bestimmt auch noch weitere tolle Pläne in petto.
Aber so lange das Volk weiterhin kriminellen Adligen zujubeln kann, bemerkt die breite Masse diese Entwicklung ja auch nicht.
Wie abgrundtief verdorben und ekelerregend die Denke dieser Entscheidungsträger ist, lässt vermuten dass Landbewohner mit seiner Vermutung voll ins Schwarze trifft: dieses Volk hat tatsächlich NICHTS aus der Geschichte gelernt. Ich schäme mich zutiefst für dieses dumme, dumme Volk.

Anonym 11. März 2011 um 14:26  

Zu einer auch nur um ein Minimum erweiteren Einordnung hätte gehört, dass Lottogewinner häufig nach kurzem Rausch schlechter dastehen als zuvor, und zwar je geringer der Bildungsstand, umso zerrütteter.
Glücksspiel ist ferner gleichzusetzen mit dem Zocken der Finanzwelt, also auf schärfste zu verteufeln und gesellschaftlich zu ächten.
Es kann folglich kein intelligenter Mensch sein, der einen Artikel über Glücksspiel ohne jeglichen Anklang an diese Problematik verfaßt.

Jazariel 11. März 2011 um 14:33  

Was muss denn noch alles passieren? Irgendwann wirft man den " faulen Sozialschmarotzer" aus der Wohnung in ein Arbeitslager mit der Überschrift "Arbeit macht frei"! Wie kann ein Gericht nur so einen Unsinn verzapfen? Wieso werden denn Waffenexporte nicht verboten? Warum wird die Spekulation mit dem Hunger an den Börsen verboten? Was ist das für ein Land? Was ist das für eine gesellschaftliche "Ordnung"?! Wir sind verpflichtet Widerstand zu leisten!

Roberto J. De Lapuente 11. März 2011 um 14:51  

@ anonym von 14:26 Uhr:

Es kann sich auch um keinen intelligenten Menschen handeln, der die Intention der gelesenen Zeilen nicht begreift. Von daher, sei umarmt, Bruder im kleinen Geiste...

V.L. 11. März 2011 um 15:11  

Das Verbot sollte einfach ausgeweitet werden zum Glücksspielverbot. Lotto bzw. Glücksspiel allgemein ist das Unsozialste, was die Bevölkerung spielerisch treibt. Kapitalismus in Reinform: Viele zahlen, wenige profitieren davon.

Anonym 11. März 2011 um 15:39  

Ich heiße Erwin Lottemann und bin Rentner. Und in 66 Jahren fahre ich nach Island und da mache ich einen Gewinn von 500.000 Mark. Und im Herbst eröffnet dann der Papst mit meiner Tocher eine Herrenbotique in Wuppertal.

(Loriot: Der Lottogewinn)

Anonym 11. März 2011 um 15:50  

Man kann nicht auf der einen Seite freie Migration für alle fordern und auf der anderen sich wundern, dass der Sozialstaat zu immer wunderlicheren Mitteln greift, um sich finanzieren zu können - immer unter der Prämisse, dass ein Alleingang des Landes im Ausstieg aus dem Kapitalismus als nicht machbar angesehen wird.

Roberto J. De Lapuente 11. März 2011 um 15:58  

Freilich, die Migration ist schuld! Der Ausländer ist schuld! Hervorragende Einsichten...

Anonym 11. März 2011 um 17:18  

Von Schuld oder Unschuld war gar nicht die Rede bzgl. Migration.
Es ging nur um Ihre Haltung: Auf der einen Seite soll der Staat beliebig viel Geld für sozialstaatliche Leistungen für immer mehr Menschen haben, auf der anderen Seite wird sich über derlei Auswüchse wie diese Lotto-Sache gewundert.
Das paßt von Grund auf nicht zusammen. Ihr Haltung ist nicht schlüssig.

Das wie gesagt immer unter der Voraussetzung, dass das Ausscheren aus dem Kapitalismus gegenwärtig nicht als machbar angesehen wird. Von Ihnen hat man noch nichts von dieser etwaigen Machbarkeit gelesen.

Roberto J. De Lapuente 11. März 2011 um 17:20  

Aber von Ihnen hat man was davon gelesen, was? Sie behaupten es geht nicht und damit ist alles gesagt. Ich habe also nie etwas über höhere Besteuerung von Milliardenkonzernen geschrieben? Nie etwas darüber, dass nicht nur menschliche Arbeitskraft, sondern auch maschinelle besteuert werden soll? Und Sie, was schrieben Sie so, wenn ich fragen darf?

Anton Chigurh 11. März 2011 um 17:53  

Das Perfide an dieser ganzen Nummer ist ja nicht nur die Lächerlichkeit, dass man derart dreist in die Privatsphäre und Selbstverantwortlichkeit von Bürgern eingreifen will - das Unfassbare an dieser Geschichte ist doch, dass hier wieder die Bürger selbst gegeneinander aufgehetzt werden sollen !
Sollen Kioskbesitzer demnächst in "guter alter" Blockwartmanier dem Kunden seine Wünsche verweigern ? Sollen Ladenbesitzer anhand von Gesichts- und Kleiderkontrolle darüber bestimmen, wenn denn so ein Los erwerben darf ?
Auf die Massenprügeleien bin ich ja jetzt schon mal gespannt...

Es scheint ja ein ganz toller Sport zu sein, mit immer neuen Methoden die Selbstachtung von Leistungsempfängern in diesem Land zu zerstören.
Solche Ideen stammen üblicherweise aus der Futterluke von geisteskranken neokonservativen Kreaturen wie Mißfelder - dass aber ein deutsches Gericht einen solchen Unfug abzusondern wagt, stellt die ganze Misere in diesem Land dar.

Anonym 11. März 2011 um 19:28  

"Das von Bloggern wie R. Lapuente, feynsinn, Klaus Baum, Binsenbrenner und anderen verteidigte Symbol für die Befreiung gedemütigter und schikanierter Hartz-IV-Empfänger ist nicht die radikale Reform dieses Unrechtssystems oder die Abschaffungsforderung, sondern der Lottoschein. Suggeriert er doch die Erlösung aus dem Elend, die Perspektive der Teilhabe an Luxus und Wohlstand einer Kaste, die in der Guttenbergdebatte bis gestern noch zu Recht in Grund und Boden gestampft wurde. Er eröffnet den Traum, ein Leben zu führen wie die Idole in Sport, Musik- und Modebranche, TV-Serien und Kinofilm. In der Realität landet der/die Bereicherte nicht selten jedoch dort, wo es mit der Abgabe des Lottoscheins einmal begonnen hat, Rückkehr in die Armut. Das alles lese ich nirgendwo.

Ich vermisse die Verbindung der Kritik an der selbstverständlich reaktionären Rechtsprechung des Kölner Gerichts mit dem Lottosystem, das permanent doch nur immer wieder denselben Gewinner kreiert, und der heißt West-Lotto. Was ist an derart einseitiger Kritik antikapitalistisch?

Denn das Individuum erfährt Woche für Woche immer wieder eine zusätzliche Enttäuschung und fühlt sich stets erneut auf seinen Verliererstatus zurückgeworfen. Und sind es nicht gerade die kleinen Gewinne, die Woche für Woche erneut die falsche Hoffnung schüren, eines Tages den großen Wurf zu landen?

Hier wird expressis verbis obendrein auch noch die Gleichheit in der Ausübung des Rechts gefordert, Idiotensteuern (Lottogebühren) zu zahlen. Das finde ich lächerlich. Die Botschaft, die hier verbreitet wird, ist vergleichbar mit der Behauptung: Jeder Zuwanderer kann ein Mesut Özil werden!

Irgendwelche Klugscheißer und Schwerdenker werden in diesem Zusammenhang möglicherweise auch noch die "systemzersetzende" Frage erörtern,ob es denn H-IV-lern gestattet sein könnte, zusammen mit
Erwerbstätigen eine konspirative Lottogemeinschaft zu gründen."

Mit freundlichem Gruss
Gerhard Keller

Anonym 11. März 2011 um 21:51  

"[...]Die Diktatur schreiender Herren ist, wir sind froh darüber, perdu - wird sind fortgeschritten! Wir leben in einer Diktatur rücksichtsvoll lächelnder Damen und Herren, die ihren ganzen sozialrassistischen Dünkel hinter frohen Mienen verkappen. Da haben wir den ganzen Fortschritt![...]"

Nichts anderes wollte ich in deinem Blog-Artikel "Warum wir anklagen" ausdrücken als ich schrieb "[...]Übrigens, heutige Faschisten nennen sich nicht mehr offen so, siehe oben der Hinweis auf die "Neuen Rechten, und rennen auch nicht mehr in Uniformen herum. Man bevorzugt im 21. Jahrhundert sauteure Maßanzüge, aber hat ansonsten denselben rechten Sch... im Hirn[...]" - das dümmliche Grinsen von Blair, Merkel, Schröder & Konsorten gehört mit zur Strategie der "Neuen Rechten" in Deutschland, die sich parteien- und gesellschaftsübergreifend formieren will.

Gruß
Bernie

Electric Eye 13. März 2011 um 04:05  

@Anonym 11. März 2011 14:26

Du plädierst also dafür, windige Börsengeschäfte genau so grundsätzlich zu verbieten wie jede Art von Glücksspiel?

Anonym 13. März 2011 um 12:13  

@ KommentatorInnen:

Das Problem ist das Prinzip 'Hoffnung'.

Die Menschen werden dazu erzogen und sozialisiert, zu hoffen.

Wer hofft, ist überwiegend auf die Zukunft fixiert, teilweise sogar auf das Jenseits, kümmert sich kaum noch um die Gegenwart ... und gibt sich allem Möglichen hin, nur nicht dem Notwendigen.

Wer in unserer Gesellschaft und (Erwerbs)Arbeitswelt (zuviel) hofft, bekommt in der Gegenwart nicht den Hintern hoch, fühlt die ansteigende Wärme im "Kochtopf" als wohlige Wärme, verkennt sie als Nestwärme, mit der verkopften Begründung vor sich selbst, dass es anderen ja ähnlich gehe, und die ja auch NORMal seien.
Hoffen entlastet den eigenen inneren Schweinehund. (Das ist mittel- bis langfristig zwar ein Trugschluss ..., aber dann finden sie sicher Sündenböcke zur Abfuhr von unguten Gefühlen .)

Und wer nicht bereit ist, diesem Hoffnungs-Prinzip zu folgen, wird fortan von den hoffnungsvoll Sozialisierten als pessimistisch o.ä. AN-gesehen und verkannt.
Zwischen Hoffnung und Pessimismus gibt es jedoch noch eine Menge dazwischen.

WER profitiert von diesem Prinzip??


UND:

WAS KOMMT EIGENTLICH NACH DER HOFFNUNG

daMax 13. März 2011 um 20:01  

Habe mir erlaubt, das Abzeichen zu entwerfen:

http://todamax.kicks-ass.net/blog/2011/kein-lotto-fuer-hartzis/

;)

Thomas Müller 14. März 2011 um 17:32  

Eines sollte man aber dabei auch bedenken: ALG II Bezieher haben nichts von eventuellen Gewinnen, da diese vollständig auf die Leistungen angerechnet werden. Es müßte also wenn ein Gewinn sein, der groß genug ist jemanden für längere Zeit oder auf Dauer aus dem Bezug zu lösen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering.

Das Urteil richtet sich keineswegs gegen ALG II Bezieher, diese sind nur ein Beispiel, denn genauso trifft es alle armen Menschen und das können selbst Gutverdiener mit Schulden sein.

Außerdem hat das Gericht nur das im Urteil gesprochen, was im Gesetz die ganze Zeit schon steht und als Begründung für das staatliche Glückspielmonopol dient. Das Gericht konnte also gar nicht anders entscheiden.

Es geht hier also nicht um Diskriminierung, sondern darum, dass der Staat mit unlauteren Mitteln ein Monopol für sich beansprucht und der Kläger nun diese Scheinheiligkeit aufdecken möchte.

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