Aber sie empören sich doch!

Samstag, 12. März 2011

Stéphane Hessel kennt die Zustände in Deutschland nicht. Wie sonst könnte man erklären, dass er sein Büchlein ins Deutsche übersetzen ließ? Empört Euch! rät er damit auch den Deutschen - als ob sie es nicht täglich, nicht immer wieder und immer öfter täten. Sie empören sich doch - und wie sie es tun! Die Empörungskultur ist in diesem Lande fest verankert, man braucht wahrlich keine Streitschrift wie jene von Hessel. Die wirklichen, die leidenschaftlichsten Empörer leben in Deutschland; der Empörer an sich spricht deutsch - vive L'Empereur!

Die Empörung muß von unten kommen, schreibt Hessel in etwa. Alle müssen mitmachen, die "Ohne mich"-Typen sind die tatsächliche große Gefahr, schreibt er. Und in Deutschland schwappt die Empörung von unten herauf, der deutsche Kleinbürger ist ein sich empörender Geselle. Der kleinbürgerliche Empörer aus Deutschland blickt in jene großformatige Zeitung, die im Namen schon stehen hat, dass ihr Bebilderung wichtiger als Beschreibung ist. Die Empörung ist täglich groß. Man empört sich, weil Erwerbslose sich herausnehmen, vor Sozialgerichten oder dem Bundesverfassungsgericht um ihre Würde zu prozessieren; man empört sich, weil mancher Türke noch schlechter des Deutschen mächtig ist als so ein Gimpel aus dem Bayerischen Wald; man empört sich, weil ein schiefschnäuziger Stammler seine kruden Gehirnspasmen nicht aussprechen darf, ohne dafür gerügt zu werden; man empört sich, weil Sexualstraftäter auch ein Recht auf Resozialisierung besitzen; man empört sich mit Pappschildchen und Trillerpfeifen, weil der eigene Vorgesetzte, ein Bankster, entlassen werden soll; man empört sich, weil das Benzin nicht zum Selbstkostenpreis an Tankstellen feilgeboten wird...

Die Empörung ist in diesem schönen Lande eine Konstante. Der Kleinbürger könnte gar nicht existieren, wenn er nicht ständig etwas oder jemanden hätte, der dessen Empörung entfacht. Hessel hat nicht beachtet, dass die deutsche Gesellschaft nur als Gesellschaft zusammenklebt, weil sie sich als Schicksalsgemeinschaft gegen zu empörende Zustände wähnt. Was den Großteil der Deutschen eint ist die Empörung gegen Schwächere und Wehrlose, gegen vermeintliche Ungerechtigkeiten, wie den hohen Benzinpreis - man empört sich nicht etwa darüber, wie Benzin gefördert, wie Menschen ausgebeutet, Regionen ausgesaugt, Kriege deshalb geführt werden; man empört sich, weil sich die eigene Selbstbedienungsmentalität geschmäht fühlt. Der Kitt der deutschen Gesellschaft ist, dass man sich entrüsten, gegen etwas anstänkern kann.

Sich wieder trauen, sich gegen jene zu empören, die vermeintlich mächtiger sind, am längeren Hebel sitzen: das meinte Hessel freilich! Denn empört wird sich genug - nur am falschen Ende, gegen die Falschen. Denn diejenigen, gegen die man mit Empörung auflaufen sollte, schaffen als Surrogate etwaige Empörungsersatzgruppen: Arbeitslose, Rentner, schwererziehbare Kinder, Ausländer und andere. So wird die Empörung umgeleitet und von denen weggelotst, die eigentlich mit ihr konfrontiert werden müssten. Der Kleinbürger hätte ja durchaus durchschlagende Wirkung mit seiner konditionierten Empörungskultur; er müsste halt nur gegen jene in Stellung gebracht werden, die die Demokratie und den Frieden wirklich bedrohen...



26 Kommentare:

klaus Baum 12. März 2011 um 10:45  

so richten sich die rechten auch nicht gegen jene, die zu tausenden arbeitsplätze vernichten, sondern sie richten sich gegen den ausländer, dem man das fremde ansieht, und schlagen ihn tot.

Die Liebe aber ist das Größte 12. März 2011 um 10:52  

Die aus mindestens drei Komponenten bestehende Sinnkrise von Ad Sinistram ist es doch, die dieses Blog genauso zu einem falsch drehenden Rädchen in der Empörungsindustrie macht:

1. Konsequentes Vorgehen gegen Rechtsfaschismus (inkl. dem Kapitalismus) führt zu Linksfaschismus.

2. Ausmerzen des menschlichen Makels ist per se unmenschlich. (Der sozialistische Traum vom "Neuen Mensch"...)

3. Liebe und eine bessere Welt vermittelt man nicht durch Häme und Bösartigkeit, die aber Ad Sinistram immanent sind.

Rainer 12. März 2011 um 11:18  

Fürwahr und richtig! Aber ich frage mich seit langem schon, in was für einem Land ich lebe, in dem nicht einmal die Opfer dieser billigen Empörung sich empören.
In den Tat sind wir "ein Volk von Egomanen" das wie eine Herde Lemminge nur eine Richtung kennt: die des primitiven, materiellen Vorteils.
Es ist traurig geworden in diesen LAnden.

Fleur 12. März 2011 um 11:20  

Nicht zu vergessen, die Empörung gegenüber jenen, die sich an richtiger Stelle empören. Diese "links-liberalen Fundis ohne jeden Realitätsbezug"... Vermutlich sind die nicht mal im Schützenverein, diese Spinner.

Roberto J. De Lapuente 12. März 2011 um 11:21  

1.) Wer ad sinistram Linksfaschismus unterstellt, hat nicht begriffen, dass es um Ausgleich geht, nie um Ideologie.

2.) Wer ad sinistram unterstellt, "er" wolle den menschlichen Makel austreiben, der kennt jene Texte nicht, wo die Unzulänglichkeit des Menschen als gerade menschlich beschrieben wird.

3.) Wer ad sinistram Bösartigkeit unterstellt, der kennt das Wort "Kritik" nicht oder will es nicht kennen.

Oder:

1.) Das Argument "Linksfaschismus" ist die Ansicht derjenigen, die in sogenannter linker Kritik gleich den Bolschewismus wittern - es sind daher Legitimierer der Unmenschlichkeit.

2.) Das Argument, der Mensch zu makelhaft und müsse daher vor Kritik gefeit sein, kommt aus dem Mund von Revisionisten, die die Unmenschlichkeit tolerieren würden, weil sie der "Natur des Menschen" entspringt.

3.) Das Argument, nur Liebe könne verändern, ist das zumindest christlich motivierte Rückgreifen auf Träumereien - im Namen der Liebe wurde gebrandschatzt und verbrannt; wurden Diktaturen errichtet und gefoltert.

Oder:

1.) Wer hier Linksfaschismus wittert, der spinnt.

2.) Wer hier Gesinnungsterror wittert, der spinnt.

3.) Wer hier Hass wittert, der spinnt.

PeWi 12. März 2011 um 11:27  

Lieber R.L. Sie haben mir aus dem Herzen gesprochen. Ich wollte in einem Kommentar in etwa das gleiche schreiben. Nur wer keine Kritik verstehen will, kommt zu der verstiegenen Ansicht der 3 Punkte und macht sich mit denen gemein, die Demokratie - zumindest die noch vorhandenen Reste - endgültig abschaffen wollen.

Anonym 12. März 2011 um 11:47  

Hier in Europa wäre ein Umgang mit einer Katastrophe eines solchen Ausmaßes wie in Japan undenkbar. Die Leute würden alle durchdrehen und monate-, wenn nicht jahrelang lamentieren und sich beschweren, dass ihr Wohlstand etwas gebröckelt ist. Es ist ja schon eine mittlere Katastrophe, wenn es ein paar Tage lang heftig schneit (oder wahlweise zu warm ist), man wegen Streiks am Bahnsteig warten muss (oder eine zu beschimpfende Gruppe der Wahl streikt) und überhaupt, wenn Dinge eintreten, die man nicht haben möchte. Alles schon ganz schlimm. Meine Oma fragt sich immer, was wohl die Leute heutzutage machen, wenn wieder Krieg ist.

Ich kann nur mitleidig-bewundernd nach Japan schauen.

Libero 12. März 2011 um 13:12  

Ich wittere gerade gar nichts, meine Nase ist verstopft.
"Zwischen dem Mitleiden und dem Gleichgültigsein ob des Unglücks dieser Welt gibt es einen Platz für die Liebe, und das ist überhaupt das Wichtigste." Eric Emmanuel Schmitt

Eine Philosophie, wie ich sie auch in Deinen Texten finde.
Der Begriff "Liebe" ist so vielseitig auslegbar wie es Menschen auf diesem Planeten gibt.

Anonym 12. März 2011 um 13:26  

Wie immer, voll ins Schwarze getroffen, und übrigens, wenn man in Deutschland sich richtig empört, dann gilt man als "negativ". Und überhaupt, weiß ich aus meiner eigenen Verwandschaft, diskutiert wird nicht.....

....Adolf H. hätte seine reine Freude an den heutigen Deutschen....

...übrigens, vor kurzem las ich, dass - aufgrund alter Defa-Filme - immer noch weite Teile der NS-Moral in der dt. Gesellschaft rumwabbern. Eine Untersuchung ist hier höchst notwendig, zumal heute wieder Politiker/-innen von "Ehre"; "Anstand" und "Treue" reden. NS-Moral eben.

Gruß
Bernie

Anonym 12. März 2011 um 17:34  

ich hatte mir dies streitschrift gleich gekauft, nachdem sie auf deutsch erschien.

ja, er hat recht, man sollte zornig sein und sich empören!

warscheinlich geht es noch nicht genügend mitbürgern schlecht und sind damit erniedrigender hetze ausgesetzt.

die demokratie hat inzwischen wohl eher neofeudale züge angenommen.

Anonym 12. März 2011 um 18:41  

"....Adolf H. hätte seine reine Freude an den heutigen Deutschen...."

An den Türken hätte er aber keine Freude, auch an den Spaniern nicht?
Scheiss Rassisten hier in den Kommentaren!

Roberto J. De Lapuente 12. März 2011 um 18:49  

Aber an dir hätte er Freude, du anonymer Kasper! Anonym auch in der Masse der stiefelgewichsten Rotten?

Anonym 12. März 2011 um 19:17  

@Roberto J. de Lapuente

Danke für die Verteidigung. Es ist schon der Hammer, da schreibt man hier im Forum "[...]"....Adolf H. hätte seine reine Freude an den heutigen Deutschen...."[...]" und wird gleich als antideutscher Rassist beschimpft. Frei nach dem Motto: Wer gegen Nazis ist, der ist eben ein Rassist.

Ich finde es immer wieder lustig wie die "Neuen Rechten" sich in Internetforen selbst entlarven.

Übrigens, dass Buch auf das ich anspiele hat folgenden Titel "Anständig geblieben - Nationalsozialistische Moral", der Autor Raphael Gross sieht es aber nur als Einstiegswerk, da eine weitere Untersuchung der wabbernden NS-Moral bei vielen Deutschen, im 21. Jahrhundert, sehr notwendig ist - nicht erst weil "anonyme" Deutsche sich getroffen fühlen.

Das Buch ist übrigens eine interessante Untersuchung, wie viel NS-Moral bei uns Deutschen noch vorhanden ist, aber wie bereits geschrieben - es ist nur ein Anfang, und diese unselige Moral wird eben, wie bereits erwähnt auch durch vordergründig "unpolitische" Defa-Filme verbreitet.

Raphael Gross nennt viele Beispiele für die wabbernde NS-Moral in Deutschland, oft ist man selbst schockiert wieviel da noch zu erforschen ist, und warum das Thema bis dato totgeschwiegen wurde - medial.

Kein Wunder, wenn man weiß welche Parteien Deutschland seit der Gründung der Bundesrepublik, und der dt.-dt. Einheit dominieren - CDU/CSU/FDP.

Die haben schon aus eigenen Vergangenheitsgründen kein Interesse daran, die NS-Moral zu erforschen, die in Wirtschafts- und Politikerhirnen dt. Prägung rumwabbert.

Gruß
Bernie

pillo 12. März 2011 um 23:35  

Allem was Du zu den Zuständen in Deutschland bzw. zum kleinbürgerlichen Michel geschrieben hast, stimme ich absolut zu.

Ich warne aber davor, das Spießige, das Duckmäusertum oder das Provinzielle allein in Deutschland zu verorten. Das sich Hessel genötigt sah, sein Büchlein zu verfassen, weist doch darauf hin, daß es in Frankreich mit dem aufrechten Gang der Bürger auch nicht weit her sein kann. Schließlich haben nicht wenige Franzosen für Sakorzy gestimmt, obwohl (oder gerade weil?) er als Law and Order Mann, Hardliner und Möchtegern-Napoleon bekannt war. Und da rede ich noch nicht einmal von jenen, die gleich für die Front National votierten.

In anderen Ländern gibt es sicher nicht weniger Radfahrer (nach oben buckeln, nach unten treten) als in Deutschland. Das macht die Sache nicht besser, ich weiß, aber man sollte davon wegkommen hierzulande stets den Gipfel des Bösen zu vermuten. Natürlich hält man die "eigenen" Pappnasen immer für die Schlimmsten, schließlich hat man ja unter ihrer Dummheit und Ignoranz direkt zu leiden.

Man schaue sich aber nur einmal die Zustände in Italien an. Was Berlusconi und die Seinen dort abziehen, aber vor allem, was die Mehrheit der Italiener sich bieten läßt, ist eine Beleidigung für den gesunden Menschenverstand.

Oder man werfe einfach mal einen Blick nach Spanien. Keine Unruhen, keine Aufstände, und das trotz grassierender Armut, immer neuen Sozialkürzungen und einer (offiziellen!) Arbeitlosenquote von mittlerweile 21%. Da kann der Handelskonzern Carrefour mit einer Produktliste werben, wonach man eine vierköpfige Familie eine Woche lang von 28 Euro ernähren kann, ohne das es einen Aufschrei der Empörung gibt.

Sich mit "denen da oben" anzulegen erfordert eine Charakterstärke, die leider nur wenige haben, egal ob Deutsche, Franzosen, Italiener oder Spanier.

Anonym 13. März 2011 um 10:19  

In Stuttgart wird sich seit Monaten empört, auch in weiteren Städten BaWüs, in ganz D, sogar weltweit:
www.parkschuetzer.de/mitmachen/schwabenstreiche

www.bodensee-schwabenstreich.de
http://stuttgart-steht-auf.over-blog.de/
www.ebenerdig.npage.de

peace

Anonym 13. März 2011 um 10:30  

@pillo schreibt:

"[...]Sich mit "denen da oben" anzulegen erfordert eine Charakterstärke, die leider nur wenige haben, egal ob Deutsche, Franzosen, Italiener oder Spanier[...]"

Deswegen erstarkt europaweit die "Neue Rechte" - früher hätte man dazu Faschismus gesagt, hier ein paar Länder, die außerhalb Deutschlands bereits von Neurechten regiert werden, z.B. die Niederlande, Dänemark und Schweden sowie einige ehemalige Ostblockstaaten - allen voran Rußland.

Traurig, aber das Wort "Nie wieder Faschismus" ist wohl bald schon europaweit Geschichte. Obwohl? Die nennen sich ja "Neue Rechte", d.h. eigentlich müßten die jeweiligen Bevölkerungen - in allen genannten Ländern - rufen: "Nie wieder Rechte!", und zwar egal ob "Neue Rechte", oder alte faschistische Rechte.

Trauriger Gruß
Bernie

Qurious 13. März 2011 um 23:58  

Zitat "Sich mit "denen da oben" anzulegen"...

"Die da oben" werden dort ja erst hingewählt. Warum nicht gleich welche dorthin wählen, mit denen man sich nicht anlegen muss? Aber wie wir wissen: Macht korrumpiert, und zwar offenbar jeden.
Also: Keine Macht niemandem!
Oder?

widuwilt 14. März 2011 um 11:10  

@Bernie
"...übrigens, vor kurzem las ich, dass - aufgrund alter Defa-Filme - immer noch weite Teile der NS-Moral in der dt. Gesellschaft rumwabbern."

Man muss nicht jeden Stuss, den man irgendwo aufschnappt, für bare Münze nehmen.
1. da müsstest Du schon mal Ross und Reiter nennen.
2. darf durchaus bezweifelt werden, dass irgendein DEFA-Film heute noch eine massenhafte Wirksamkeit entfalten könnte und
3. nicht alles, was Dir nicht in den Kram passt, ist nationalsozialistisches Gedankengut. Hätte z. B. Herr zu G. auch nur einen Funken Anstand oder Ehre an den Tag gelegt, wäre er am ersten Tag, nachdem seine Schweinereien bekannt geworden wäre, zurück getreten und die nächsten 100 Jahre nicht wieder aus seinen Loch hervorgekrochen. Das hat absolut nichts mit Nationalsozialismus oder NS-Moral zu tun.
Den Herrn Raphael Gross möchte ich nicht zu nahe treten, seine DEFA-These klingt stark nach Dachschaden

Merkator 14. März 2011 um 13:03  

Soll man sich über diese Empörung über die dauerhafte Empörung empören? Eher nicht. Es stimmt schon, aber ob mit oder ohne Empörung wird es weiter so sein wie es ist.

Anonym 14. März 2011 um 14:27  

@widuwilt
Also wenn ich mir den im Internet veröffentlichten Klappentext ansehe, scheint mir hier eher die Rede von der UFA und nicht DEFA zu sein, hat Bernie wohl verwechselt. Was die DEFA betrifft würde ich die Aussage auch eher für ein Gerückt halten.
TaiFei
PS: Das Buch selber kenne ich allerdings nicht.

chrisse 14. März 2011 um 20:03  

Yahoi, gut gesagt! Die Empörung der Deutschen ist so widerlich. Nicht gegen das System, sondern gegen alles, was das Systen so stört.

Adorno hat empirisch untersucht, was den faschistoiden Charakter ausmacht. Ich bin sicher, der ist heute nach wie vor in Deutschland anzutreffen, und zwar massiv!

Anonym 15. März 2011 um 22:01  

Der Witz ist doch: Ausgerechnet in der Heimat von "Empört euch!"-Autor Hessel empört man sich derzeit so gut wie gar nicht über die Gefahren, die in der Kernenergie lauern. Obwohl die Franzosen rund drei Viertel (!!) ihres Stroms aus Nuklearstrom beziehen, versammelten sich in Paris am Sonntagabend gerade mal rund 300 AKW-Gegner in Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima. Lächerlich... Dabei gelten die Franzosen gemeinhin als demonstrationswilliger als die Deutschen. Aber eine breite Anti-AKW-Bewegung hat es in Frankreich nie in dem Ausmaße gegeben wie in Deutschland.
Sind Franzosen uninformierter als Deutsche?

Anonym 15. März 2011 um 23:02  

@widuwilt

Du schreibst:

"[...]Man muss nicht jeden Stuss, den man irgendwo aufschnappt, für bare Münze nehmen[...]"

Dieser "Stuss" basiert auf wissenschaftlichen Untersuchungen.

"[...]1. da müsstest Du schon mal Ross und Reiter nennen.[...]"

Nö, tu ich nicht - kauf das Buch und - ganz wichtig: vor allem - lies es, bevor du hier unqualifizierte Äußerungen losläßt.

"[...]2. darf durchaus bezweifelt werden, dass irgendein DEFA-Film heute noch eine massenhafte Wirksamkeit entfalten könnte[...]"

Der Autor bezieht sich nicht allein auf "irgendein DEFA-Film" - siehe mein Hinweis auf die Untersuchungen, und übrigens meinte ich UFA-Filme - Sorry, ist mir im Eifer des Gefechts ein Fehler passiert.

"[...]und
3. nicht alles, was Dir nicht in den Kram passt, ist nationalsozialistisches Gedankengut.[...]"

Wo behaupte ich den so etwas? Legst Du mir da etwas in den Mund, in unqualifizierter Weise, dass ich so nie geschrieben habe?

"[...]Hätte z. B. Herr zu G. auch nur einen Funken Anstand oder Ehre an den Tag gelegt, wäre er am ersten Tag, nachdem seine Schweinereien bekannt geworden wäre, zurück getreten und die nächsten 100 Jahre nicht wieder aus seinen Loch hervorgekrochen. Das hat absolut nichts mit Nationalsozialismus oder NS-Moral zu tun.[...]" - Schreibe ich ja nirgends, aber "Anstand" und "Ehre" sind so begriffe, die eben auch von den Nazis mißbraucht wurden, und die heute noch benutzt werden, ohne das Benutzer wissen, dass diese Begriffe einst von Nazis mißbraucht wurden - Darauf will Raphael Gross hinaus.

"[...]Den Herrn Raphael Gross möchte ich nicht zu nahe treten, seine DEFA-These klingt stark nach Dachschaden[...]"

Deine Äußerung entschuldigt sich nur, dass ich sicher annehmen kann, dass du das Buch nicht kennst - Übrigens, ein starkes Stück einem Raphael Gross (Warum hat der wohl einen jüdischen Vornamen) einen "Dachschaden" zu unterstellen, nur weil der schreibt, dass viele Bestandteile der NS-Moral in der heutigen Gesellschaft - öft völlig unerkannt - rumwabbern.

Wäre ich böswillig könnte ich dir Antisemitismus unterstellen ;-)

Amüsierte Grüße
Bernie

Anonym 15. März 2011 um 23:07  

"[...]PS: Das Buch selber kenne ich allerdings nicht[...]"

Sorry, mein Fehler im Eifer des Gefechts - Du hast völlig recht, ich meinte eigentlich vorgeblich "unpolitische" UFA-Filme.

Der Autor bezieht sich übrigens nicht allein auf Filme, um die immer noch in Deutschland rumwabbernde NS-Moral zu bewerten, sondern hat unzählige andere Beispiele, aber Raphael Gross meint, dass dies nur ein Anfang wäre - weitere Untersuchungen sollten seinem Werk folgen.

Hier noch eine Buchbesprechung, die ich zufällig im Netz gefunden habe - !: Bitte lesen, bevor man vorschnell urteilt:

"[...]Anständig geblieben“?

(hpd) Der Historiker Raphael Gross legt einen Sammelband mit eigenen Aufsätzen vor, welche die Bedeutung von Auffassungen über „Anstand“, „Ehre“, „Kameradschaft“ und „Treue“ zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur untersuchen.

Es handelt sich dabei um interessante Fallstudien vom Film „Jud Süß“ über das „Rassenschande“-Bild in den Nürnberger Gesetzen und Hitlers Religionsbegriff bis zum Eichmann-Prozess – allerdings ohne den Charakter einer umfassenden Gesamtdarstellung zum Thema[...]"

Quelle und ganzer Text:

http://hpd.de/node/10353

Gruß
Bernie

Anonym 15. März 2011 um 23:08  

@chrísse

Du meinst den "autoritären Charakter", den Adorno uns Deutschen bescheinigt hat?

Gruß
Bernie

Anonym 16. März 2011 um 08:45  

"[...]Sind Franzosen uninformierter als Deutsche?[...]"

Zufällig weiß ich, dass hier in meiner Gegend die Franzosen durchaus gegen Atomkraft demonstrieren, aber das mit der Uninformiertheit könnte stimmen.

Übrigens, die französische Polizei ist - wie man in Kehl sah - um einiges gewalttätiger als die deutsche Polizei - Vielleicht liegt auch daran, dass kaum Franzosen protestieren. Wer läßt sich schon gerne krankenhausreif schlagen?

Was die Uninformiertheit angeht, da könnte ebenso etwas dran sein, wie die strengen Antiterrorgesetze in Frankreich - Fazit: Gäbe es Osama Bin Laden nicht, dann müßte man ihn - zur Repression von berechtigten Protestvorhaben - glatt erfinden.

Oder ist der gar ein längst toter Terrorist, der immer wieder als Ausrede für Staatsterroristen herhalten muß berechtigte Proteste zu unterbinden? Darüber schon einmal nachgedacht?

Gruß
Bernie

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