Und die Opfer?

Donnerstag, 6. Januar 2011

Was sich Gesine Lötzsch da erlaubt hat, das ist wahrhaft unverfroren. Die Opfer allumfassender Systeme müssen genannt werden, die Blutspur darf nicht unter dem Tisch verharren - das ist vollkommen richtig. Es ist unverzeihlich, wenn man auf den Pfaden des Kommunismus schwelgt, ohne dabei an jene zu denken, für die der Pfad ein Trampelpfad war; trefflicher gesagt: für den sie selbst der Trampelpfad waren, auf dem sie niedergetrampelt wurden. Gelobte und ersehnte Systeme und Heilslehren, sie lassen selten Freiräume für die Opfer - und alleine diese fehlende Räumlichkeit macht totale Ideen suspekt.

Wo eigentlich gedenken die Anführer der Wirtschaftsliberalen, die hierzulande unter der Abbreviatur FDP firmieren, der vielen vielen Opfer, die der Kapitalismus fabriziert hat? Hat man die schon mal dem Fundament des Kapitalismus gedenken gehört, das laut Lutz Graf Schwerin von Krosigk (1887 - 1977) aus den "Leichen von Tausenden von Kindern" besteht? Haben die schon mal gezielt um jene getrauert, die im Strudel der jungen Industrialisierung abmagerten, verhungerten, jämmerlich verreckten? Warum fallen so selten die Namen der Opfer, wenn vom Kapitalismus gesprochen wird?

Lobten die Kanzler dieses Landes, die zuweilen den Kapitalismus hofierten - den sie obzwar zu zähmen überzeugt waren, der aber nichtsdestotrotz alternativlos sei, weil er dem Wesen des Menschen entspräche -, jemals auch dessen Opfer? Gedachten sie dabei all jener Menschen, die dem System geopfert wurden? Oder denen, die noch immer dem System zum Fraß vorgeworfen werden? Hat man schon mal einen Minister schluchzen gesehen, weil ihm plötzlich in dem Sinn kam, Rädchen eines Systems zu sein, das immer noch Menschen zermalmt? Wer denkt an die Abertausenden von Schicksalen, die in den zyklischen Krisen des Kapitals vor die Hunde gingen und gehen werden? Wer weint heute um die Opfer der Anfänge, als noch Kinder schufteten und schnell starben - (schwangere) Frauen bis zum Umfallen schufteten und schnell starben - Männer bis zum Exzess schufteten und schnell starben? An Tagelöhner und prekär Beschäftigte? An Kinderangestellte in der Dritten Welt oder an Gewerkschafter, die dort im Namen des Kapitals gelyncht werden?

Weinte ein Ökonom aus irgendeinem irrationalen Impuls heraus der DDR-Wirtschaft nach, würde man ihn erstens für verrückt erklären und, zweitens, ihn ermahnen die blutige Seite des Systems zu bedenken - und was ist mit den Opfern?, würden sie oberlehrerhaft nachschieben. Wimmern die hiesigen Ökonomen, wenn sie frohlocken, dass der Kapitalismus jene Wirtschaftsform sei, die dem Menschen in seiner Art gerecht würde? Hat man je einem aus dieser bebrillten und bärtigen Sippe Tränen aus den Augenwinkeln laufen sehen? Kollateralschäden!, rufen sie meist aus; traurig aber unvermeidbar!, wissen sie dann ganz professoral und sinnig; ein bisschen Schwund ist immer!, kommentieren sie dann schelmisch. Sie erhöhen die Opfer ins Mystische, machen sie zum Kult, erklären sie für notwendig, damit es der Mehrheit besser gehen könne: zynisches Gedenken an anonyme Opfer, die es überdies nicht gibt, die es nur unter Umständen, vielleicht, mit etwas Pech, und dann auch nur vermutlich und ohne Beleg, geben könnte. Könnte!

Trat ein Minister, ein Kanzler, ein Ökonom je zurück, weil ihm plötzlich gewahr wurde, dass er quakendes Organ eines Systems ist, das Blut zapfte und weiterhin abzapfen wird? Hat man jemals irgendwo gelesen, dass der oberste Bajazzo der Wirtschaftsliberalen seinen Panamahut nahm, weil ihm plötzlich ein irrsinnig zwickendes Gewissen plagte? Wo stehen die Denkmäler für ausgebeutete, ausgesaugte, durch Arbeit vernichtete Kinder, Frauen, Männer? Wann werden Gedenkminuten für afrikanische oder asiatische Opfer des Systems abgehalten, für jene Menschen, denen wir ihre Ressourcen stehlen, denen wir einen unangebrachten Lebensstil aufnötigen, die wir in Schuldenspiralen gefangenhalten? Gibt es an irgendeiner Stelle ein Monument für all die Prekariaten, denen die Lebensfreude peu a peu ausgetrieben wurde und wird? In welchen Magazinen liest man von der Blutspur, die Minister, Kanzler und Ökonomen vertuschen, wenn sie den Kapitalismus hochleben lassen?

Fürwahr, Gesine Lötzsch hat sich disqualifiziert - doch alle anderen, die nun ihre Nüstern blähen, die stehen gleichfalls im Abseits.



50 Kommentare:

potemin 6. Januar 2011 um 10:09  

Wenn einige CSU-Granden gleich nach Verbot schreien, dann spricht daraus auch die Angst, dass der Leichnam noch leben könnte. Natürlich ist der Begriff diskreditiert, schließlich würde auch niemand von einem national geprägten Sozialismus sprechen. Also müssen neue Begriffe geschaffen werden, zumal wir andere Zeiten haben. Die herrschende Klasse macht das vor.(Neue soziale Marktwirtschaft) Dagegen muß ein breites Bündnis gewebt werden, dass sich auf einfache und einleuchtende Begriffe wie Gerechtigkeit und Menschenwürde beruft. Wer krampfhaft an den heiligen Schriften (Kapital, Manifest) festhält, sollte zumindest versuchen, deren Sprache und Inhalt so zu modernisieren, dass sie zumindest nachvollziehbar sind.

carlo 6. Januar 2011 um 10:30  

"Gelobte und ersehnte Systeme und Heilslehren, sie lassen selten Freiräume für die Opfer - und alleine diese fehlende Räumlichkeit macht totale Ideen suspekt."
Ja...der Satz gehört auf ein Plakat! Besser geht's nicht.

Bernd Kudanek 6. Januar 2011 um 10:46  

Lieber Roberto,

zu 100% würde ich Deinen Kommentar mitunterschreiben wollen! Doch zuvor müßte geklärt werden: Steckt in Deinem mißverständlichen Schlußsatz "Fürwahr, Gesine Lötzsch hat sich disqualifiziert" nun bitterböse Satire an die Adresse der political-correctness-Meinungsmanipulateure oder hat sich Gesine Lötzsch auch in Deinen Augen tatsächlich disqualifiziert?

Sollte tatsächlich Letzteres gemeint sein, wäre es fair, Du würdest diese Behauptung auch plausibel begründen. Ansonsten bin ich mit Deiner Analyse völlig d'accord!

Gruß
bjk

merde 6. Januar 2011 um 10:48  

Der Kapitalismus versucht verzweifelt das Joch der Demokratie abzuschütteln.
Roberto, Du beklagst doch nur Kollateralschäden auf dem Weg ins Paradies.

maguscarolus 6. Januar 2011 um 10:50  

Der Kapitalismus ist eine Ideologie, die hartnäckig leugnet, eine zu sein.

Anonym 6. Januar 2011 um 10:55  

A.
Mit den Finger auf die anderen zu zeigen und denen ihre Schandtaten zu benennen ist um ein vielfaches einfacher als sich an die eigenen Nase zu fassen und sich selber zu hinterfragen. Dieses "einfach machen" ist auch eine Art von Faulheit und nicht Wissen wollen. So einfach kann man sich das da oben machen.

Siegfried1808 6. Januar 2011 um 10:57  

Hallo Roberto,

ich habe mir erlaubt, Frau Lötzsch per E-mail einen Link Deines Beitrages zu senden, hoffe es ist ok für Dich. Ich lese hier täglich, staune immer wieder über Deine Wortgewalt und auch Wortwahl. Vielen Dank für Deine Arbeit hier.
Viele Grüße von Siegfried

Rasputin 6. Januar 2011 um 11:19  

Warum genau hat sich Gesine Lötzsch nun disqualifiziert, wie hier einfach so in den Raum gestellt wird, ohne ein Argument?

Und warum wird das Brille- und Barttragen verächtlich gemacht? Sollte man das besser vermeiden, um nicht für einen Ökonom gehalten zu werden?

ninjaturkey 6. Januar 2011 um 11:23  

Aus einer Diktatur wird kein Kommunismus auch wenn sich die Tyrannen mit diesem Begriff kleiden. Der Nationalsozialismus hatte bekanntermaßen auch nicht viel mit Sozialismus zu tun.
Einen Tyrannen muss man einen Tyrannen nennen, und ein Unrechtsregime ein Unrechtsregime.
Unsere Demokratie hat mit Demokratie auch nicht mehr viel zu tun.
Wenn ich Kommunismus und Kapitalismus miteinander vergleiche, kommt mir der Grundgedanke des Kommunismus zunehmend attraktiver vor. Auf eine sinnvolle Umsetzung wartet dieses Modell aber bis heute.

Anonym 6. Januar 2011 um 11:23  

Ist mir aus der Seele geschrieben...

aufschreiber 6. Januar 2011 um 11:40  

Und nun? Robinson spielen auf einer einsamen Insel. Ach nein, das war ja auch nur ein gestrandeter Sklavenhändler.

Ich meine nicht, dass sich Gesine Lötzsch disqualifiziert hat - im Gegenteil.

Haben Sie den ganzen Text Ihrer Rede gelesen?

Sie finden den Link in meinem Blog-Beitrag zum Thema:

http://aufschreiblog.blogspot.com/2011/01/entschuldigung.html

Grüße vom aufschreiber

Daniel Limberger 6. Januar 2011 um 11:49  
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Anonym 6. Januar 2011 um 11:51  

"[...]Fürwahr, Gesine Lötzsch hat sich disqualifiziert - doch alle anderen, die nun ihre Nüstern blähen, die stehen gleichfalls im Abseits[...]"

Ich weiß zwar immer noch nicht wie Frau Lötzsch sich disqualifiziert haben soll (siehe auch heute Text bei Nachdenkseiten zum "Linken-Bashing), aber dein Text bringt die Heuchlerei der Neoliberalen auf den Punkt.

Übrigens eine Uralt-These, aber dennoch war ist, dass Kapitalismus und Faschismus (von dem der Nationalsozialismus für alle Nicht-Neoliberalen nur eine Unterart war, und für Neoliberale eben "Sozialismus" in deren ideologisch-verblendeter Weltsicht) gleichzusetzen sind - der alte Hollywood-Film "1900" brachte es einmal auf den Punkt:

Der Faschismus wurde als Gegenbewegung von Großkapitalisten gegründet, um die italienische Arbeiterbewegung zu spalten.

Im "Schwarzbuch Kapitalismus" wird ja auch aufgedröselt wieviel Menschenopfer der Kapitalismus seit seiner Gründung gekostet hat - Ich meine Robert Kurz kam auf diesselbe, wenn nicht sogar noch eine höhere Zahl als als autoritären Kommunismen zusammen.

Meine Vermutung:

Der Kommunismus tötete in der Öffentlichkeit, und ohne Scham.

Der Kapitalismus tötet, mit demselben furchtbaren Ergebnis, in aller Heimlichkeit, und scheut das Licht der Öffentlichkeit bzw. schiebt Gründe vor, die man im Irak-Krieg sehen konnte.

Der Publizist Jürgen Elsässer nannte es einmal: "Kein Krieg mehr ohne Auschwitz".

Angeblicher Völkermord eben als Kriegsbegründung, bei realem Völkermord (siehe Darfur) sieht der Kapitalismus weg. Die haben kein Öl im Sudan...und für Kapitalisten die falsche Hautfarbe....Kapitalismus und Rassismus stammen nämlich auch aus derselben Schublade....

Gruß
Bernie

JJ Preston 6. Januar 2011 um 12:08  

Ein schlauer Mensch - also nicht Herr Dobrindt - hätte Frau Lötzsch aufgefordert, genauer zu definieren, welchen Kommunismus sie meint...

Anonym 6. Januar 2011 um 12:35  

Ein Hoch auf den Kapitalismus:
http://www.zeit.de/2011/02/Hedgefonds

Anonym 6. Januar 2011 um 12:54  

Was man aber auch nicht vergessen darf ist, dass der Kommunismus, wie in den Kommentaren des anderen Artikels schon erwähnt wurde, auch noch nie umgesetzt wurde. Wenn Staaten fälschlicherweise behaupten, dass sie kommunistische Staaten sind, darf das nicht zur Folge haben, dass man jetzt beim Erwähnen des Kommunismus die Opfer totalitärer Staaten betrauen muss!

Der Kommunismus an sich ist nicht "böse" oder "falsch". Das vergessen fast alle. In meiner Schulzeit habe ich das jedem Lehrer immer und immer wieder gesagt. Meine Freunde muss ich deswegen auch ständig belehren. Und wenn ich heute irgendwelche Kommunistenhasser sehe, bin ich einfach nur noch genervt^^

Ich weiß nicht, wie sich diese Linken-Chefin nun genau ausgedrückt hat. Aber an einem Satz wie "Ich will den Kommunismus umsetzen", habe ich persönlich gar nichts auszusetzen.

Anonym 6. Januar 2011 um 13:45  

Eins hast Du vergessen: Im libertären Kapitalismus ist jeder frei und für sich selbst verantwortlich. Die Opfer haben sich folglich freiwillig für die Opferrollen entschieden und sich so zu Märtyrern für das System gemacht. Eigentlich ein Grund mehr, ihrer zu Gedenken!

landbewohner 6. Januar 2011 um 13:56  

ob sich frau lotsch nun disqualifiziert hat oder nicht - darüber kann oder könnte man lange bis endlos diskutieren.
was aber feststeht ist: sie macht sich gedanken über eine "andere-bessere-menschlichere" welt; wobei sie dann ja auch durchaus fehler machen darf und kann. aber, sie denkt darüber nach, während ihre kritikaster den alltäglichen massenmord an millionen menschen und die immer mehr zunehmende drangsalierung weiterer millionen nicht nur kritiklos sondern billigend in kauf nehmen.

gitano 6. Januar 2011 um 14:27  

Mancher wird hier betreten - wie üblich - nicht das Argument würdigen, sondern eine Stoßrichtung ausmachen, die am sauberen, aber peinlichen Gedanken
vorbeigeht.
Wünsche Dir viel Stehvermögen bei der Abwehr Deiner Interpreten.

Anonym 6. Januar 2011 um 14:28  

Hi, ich lese sehr gerne Deinen Blog ob der guten Sprache und des Inhaltes wegen. Allerdings möchte ich auf die Seite von Kollegen feynsinn verweisen, welcher zu diesem Thema ergänzende Bemerkungen machte. Immerhin hat es bislang noch keinen Kommunismus gegeben. Ich würde persönlich diese Bezeichnung meiden zumal für diese Lebensweise die Menschen derzeit nicht schlau genug sind. Möglicherweise hilft es schon, den Kapitalismus abzuschaffen und eine soziale Marktwirtschaft zu pflegen, in welcher es nicht mehr möglich ist, Kapitaleinkommen zu haben. Einige Volkswirte halten das für abwegig, andere nicht. In einer gerechten Gesellschaft hat es niemand nötig, Vermögen zu erben. Die Ausbeutung anderer durch den Besitz von Land, Luft, Wasser oder Bodenschätzen ist ebenfalls nicht wünschenswert. Die selbternannten Leistungsträger werden es sicherlich auch ohne Super-Pole-Position schaffen, ihre Excellenz unter Beweis zu stellen.

Rasputin 6. Januar 2011 um 15:02  

Es hat bisher auch noch keinen Kapitalismus gegeben. Jedenfalls nicht die regulierte, menschenfreundliche Variante. Es ist ja nicht so, dass sich Kapitalismus und Regulierung ausschließen, ein Großteil der Wirtschaftsgesetze befaßt sich damit.

Es ist einfach realistischer, vom jetzigen Punkt der Geschichte zu einem menschenfreundlichen Kapitalismus zu kommen, als vom jetzigen Punkt zu einem Kommunismus zu kommen.

Anonym 6. Januar 2011 um 15:10  

Warum ist der Ostblock eigentlich zum Kapitalismus übergewechselt? Ich habe das nie in der Schule gelernt, fällt mir gerade auf. Gab es da denn keine Bewegung, die sich mal an wirklich "gutem" Kommunismus versucht hat? Und wenn nein, warum nicht?

Anonym 6. Januar 2011 um 15:14  

@Rasputin

Nein, der Kapitalismus hat seinen Siegeszug nicht mit einem realen Religionskrieg (=Dem Großen Dreißigjährigen Krieg) begonnen - Zitat übrigens aus dem "Schwarzbuch des Kapitalismus" von Robert Kurz.

Der Kapitalismus ist, lt. Kurz, keine Naturgewalt, sondern ein politisch gewolltes, und erschaffenes, System - eben wie der autoritäre Kommunismus den Robert Kurz Staatskapitalismus nennt, weil eben nicht einmal im "real existierenden Sozialismus" solcher praktiziert wurde - Lt. Kurz war dies nur eine Unterart des Kapitalismus.

Dazu müßte man aber dieses Werk "Schwarzbuch des Kapitalismus" auch kennen - Ich lege es Ihnen, und anderen hier, gerne ans Herz, da es bewußt als Gegenbuch zum Buch des Ex-Maoisten, und Wendehalses, geschrieben wurde, der das "Schwarzbuch des Kommuismus" geschrieben hat.

Beide Bücher habe ich übrigens gelesen, und beide Bücher sind einfach nicht wegzudenken, wenn es um die Aufrechnung der kapitalistischen und staatskapitalistischen (=autoritär sowjetkommunistischen) Verbrechen geht.

Den Opfern übrigens ist es egal, welche Ideologie die ermordet hat, aber für uns Lebende ist es eine Verpflichtung keinen neuen Totalitarismus (ja, auch keinen neoliberal-marktradikalen) mehr zu dulden.

Oder etwa nicht?

Gruß
Bernie

Anonym 6. Januar 2011 um 15:20  

"[...] Ich habe das nie in der Schule gelernt, fällt mir gerade auf[...]"

Was man in der Schule lernt, zumal in diesen neoliberalen Zeiten, ist oft vom Lehrplan abhängig, und der hält sich streng an "Vorgaben". Fazit: Ist es "in", dann predigt der Lehrer eben, dass Rot = Braun - Ganz wie die oberste Vorgesetzte (=Familienministerin) es gerne hätte.

Obwohl? Wenn ich es richtig bedenke, war es nicht schon immer so?

Deswegen zieht obiges Argument als Nichtargument schon gar nicht mehr - ich meine das vom "Ich habe das nie in der Schule gelernt"....

Übrigens, die Nazis sprachen diese Wahrheit zumindest noch brutalstmöglich aus, die jedoch querbeet über alle Ideologien immer noch praktiziert wird.

Wer fing damit an, die Hirne der Kinder zu verdummen? Mal bei den Kirchen, und deren Religionsunterricht vorbeigeschaut?

Gruß
Bernie

Anonym 6. Januar 2011 um 15:36  

@ Anonym, 06.01., 15:10 Uhr

zu: "Warum ist der Ostblock eigentlich zum Kapitalismus übergewechselt?":

siehe die Literatur von Hans-Joachim Maaz.

Anonym 6. Januar 2011 um 16:56  

Aber wir haben doch schon partiell Kommunismus, gemeinsam retten wir Banken, gemeinsam führen wir durch Kurzarbeit durch die Krise.

;-)

meint Lieschen Müller

Manul 6. Januar 2011 um 17:13  

Besonders amüsant finde ich die Kritik, die Lötzsch entgegen kommt. Es sei angeblich verfassungswiderig und deshalb ein Grund die Linke komplett zu überwachen. So weit ich allerdings weiß ist Kapitalismus nicht die einzige Wirtschaftsform, die das Grundgesetz zulässt. Es gibt noch nicht mal einen Artikel, der sich dazu äußern würde. Es gibt jedoch Artikel, in denen es davon Rede ist, dass das Eigentum verpflichtet - aber dafür setzt sich natürlich keiner der Kritiker ein.

carlo 6. Januar 2011 um 18:15  

Was ist denn alles an Gesines Ansprache so schlimm?
Was ihr nur fehlt ist eine voluminöse Stimme...nämlich wie die hier:
http://www.youtube.com/watch?v=35UnkTdPhO0

Anonym 6. Januar 2011 um 21:06  

@Manul

Gebe Dir völlig Recht.

Auch mit ist unbekannt, dass Kritik am Kapitalismus verfassungsfeindlich sein soll - Da haben die wahren schwarz-gelden Verfassungsfeinde wohl ihr Grundgesetz nicht richtig gelesen.

Gruß
Bernie

Aletheia 6. Januar 2011 um 21:48  

"Fürwahr, Gesine Lötzsch hat sich disqualifiziert (...)"

und dem ist nur zuzustimmen!
Derartige Äußerungen (und dann noch von einer Parteivorsitzenden) sind schlicht und ergreifend DUMM.

Statt einzig auf INHALTe zu setzen (mit denen man auch noch die sPD vor sich hertreiben könnte), wird Lötzsch nun IDEOLOGISCH - und bedient damit Wadenbeißer und alte Reflexe!

Die Menschen wollen keine "Alternativen zum kapitalistischen System" sondern wieder LÖHNE und soziale (menschenwürdige) ABSICHERUNGEN.

Zudem schaue man nur nach Baden-Württemberg, wo Gauleiter Mappus höchstwahrscheinlich nur bei einem Einzug der Linken abgeschossen werden kann...
aber klar doch, die Hürde von FÜNF PROZENT wird ja ohnehin mit "links" genommen, da kann man auch "einige" Wähler verschrecken...

Soviel Dummheit von einer PV ist unfassbar.
Und warum es nicht auf der West- sondern auf der Ostseite der Mauer Tote gegeben hat, wird eine Lötzsch auch nie wirklich begreifen können.

jürgen 7. Januar 2011 um 00:22  

für alle die es aus anderem munde nochmal lesen wollen:
http://www.zeit.de/2011/01/DOS-Ziegler

und das obwohl oder gerade weil ich zu ddr-zeiten wegen nix politisch eingesessen habe...

aber die gesine iss doch mit der ganzen bagage im richtigen zug: wie andere schon richtig kommentierten -

Aber wir haben doch schon partiell Kommunismus, gemeinsam retten wir Banken, gemeinsam führen wir durch Kurzarbeit durch die Krise.

;-)

meint Lieschen Müller

nur das eben 15% der bevölkerung deutschlands 80% des privaten vermögens gehören...

trotzdem allen:
P.F.2011

________________

deshalb:


Bitte beachten:

SARRAZIN,
schreib was du willst –
aber schweige!
Widerstand gegen seine Lesung am 13.Januar
in der Messe Dresden

Termin vormerken und mit verteilen:
ab 18.30 Uhr Mahnwache & Protestveranstaltung
vor dem Eingang zur Halle 1 und

ab 19.30 Uhr


SARRAZIPODEN


Eine szenische Polemik zum Thema
"Sarrazin - das Gen-Erbe der Zivilisation???"
und andere kulturelle Kostbarkeiten

Donnerstag, den 13.Januar 2011 18.30 Uhr
im Dresdner Messegelände in der
OSTRALE / Sozialgebäude / am Parkplatz 2
Für ein solidarisches, friedvolles Miteinander!

Bitte Getränke und Essen mitbringen
Fragen/Wünsche/Mitmachen/Helfen/Spenden?
...einfach schreiben:
ostralistische.sarrazipoden@googlemail.com

Dankeschön.
Haben Sie sich vielleicht auch im letzten Jahr gewundert,
mit welcher medialen Wucht ein fragwürdiges „Sachbuch“
gepuscht wurde? Von BILD, über den Spiegel bis zur Zeit,
wurde dem Autor, ein, vom langen Gang durch die Institutionen
ergrauter und angepasster Funktionär der SPD, der mediale rote
Teppich gelegt.
Nun wären die zwischen knapp fünfhundert Seiten fixierten
Entäußerungen, die, so man ein wenig Geschichtsverständnis hat,
nur einen laugebrühter Aufguss jener kruden Ansichten, einer über
hundertjährigen Unkultur der Sozialhygiene, Erbgut- und Rassen-
kunde im neuen alten Gewand, an sich peinlich genug.

Aber hier gab es doch eine neue, sehr gefährliche Mischung von
Medienpolitik und cleveren Marketing, dessen Auswirkungen
die weichen Grenzen zwischen Gefälligkeitsjournalismus und
populistischer Meinungsmache noch mehr verwischte. Wäre dies
nur dem Verkauf jenes zweifelhaften Machwerkes dienlich, könnte
man naiverweise zur Tagesordnung übergehen. Dass dieser Vorgang
nicht zufälligerweise geschah, ist das Eine. Mit seiner Prägung wird
er den zukünftigen Umgang zwischen Oben und Unten, Haben und
Nichthaben, den Guten, Wertvollen und den sogenannten Minderwertigen
bestimmen und unumkehrbare Folgen für unsere Gesellschaft nach sich ziehen.

Ja, DEUTSCHLAND WIRD ABGESCHAFFT -
von den Acker- und Bertelsmännern und –frauen, von jenen
Kräften des Finanzkapitals ohne jegliche moralische Verantwortung
und den Machern der Globalisierung, einer Globalisierung der Märkte,
der Macht und der Ausbeutung, die den Weg von ihren treuen Paladinen
der Politik und den Mainstream-Medien geebnet bekommen.
Das dies ohne Gottesgnadentum auskommt, scheint die einzige Neuerung
zu sein. Ob die Überheblichkeit des Geldes eine Verbesserung gegenüber
einer feudalen Ordnung ist, wage ich zu bezweifeln – mit Demokratie,
mit Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit hat dies mit Sicherheit nichts zu tun.

Und das wird man ja schließlich doch noch sagen dürfen. Oder?

Anonym 7. Januar 2011 um 11:15  

@Jürgen

Völlige Zustimmung, während man besonders auf dem "längst toten Kommunismus/Sozialismus" (Zitat der britische Buchautor Archie Brown) rumreitet wird der wiedergeborene Faschismus der dt. "Eliten" von denselben Medien hofiert, die die Linkspartei totschreiben wollen.

Deutschland im 21. Jahrhundert eben.

Übrigens, ich bin schon seit Jahren der Ansicht, dass es kein Fehler wäre wenn Deutschland abgeschafft wird - Dem Globus würde dieses Land der Kohls, Kinkels, Schröders, Merkels und Westerwelles nicht fehlen, ganz im Gegenteil, der dreht sich auch ohne diese neue dt. Großmannssucht fleißig weiter.

Gruß
Bernie

PS: Bin übrigens Stammdeutscher, aber sehe die Sache schon seit 20 Jahren so, denn im Gegensatz zu Sarrazin & Konsorten ist für mich die Erde keine Scheibe sondern rund und global - Ein Weltbürger eben, ganz im Gegensatz zu unseren nationalistischen "Eliten" in Deutschland.

Anonym 7. Januar 2011 um 11:35  

[...]Soviel Dummheit von einer PV ist unfassbar.
Und warum es nicht auf der West- sondern auf der Ostseite der Mauer Tote gegeben hat, wird eine Lötzsch auch nie wirklich begreifen können[...]"

Stimmt, auch Sie begreifen nicht wirklich, dass es auf der Westseite der Mauer auch Mauertote gegeben hat - Unkenntnis eben, die auf antikommunistischen Vorurteilen beruht.

Übrigens, ich wußte es bis vor kurzem auch nicht, aber sah dann man eine unideologische Doku über die Mauertoten auf der Westseite der Mauer.

Aber auch egal, Hauptsache Vorurteile und nicht wahrhaben wollen, dass ebent auch der Kapitalismus Millionen Tote auf seinem Konto hat - nicht allein in Europa.

Frau Lötsch und die Linkspartei ist mir dabei eigentlich egal, aber nicht, dass man nur eine Seite der Medaille sieht, die andere aber fleißig ignoriert.

Übrigens, wenn Sie aktuell beobachten wollen wie so etwas funktioniert wandern Sie nach Südkorea aus.

Dieses Land sorgt regelmäßig für Opfer auf nordkoreanischer Seite, die dann als Opfer des Kommunismus deklariert werden.

Auch der hochaktuelle Konflikt dort entstand erst durch Provokation von Südkorea und USA an die Adresse von Nordkorea, was die Toten auf beiden Seiten natürlich nicht entschuldigt.

Einseitigkeit ist das was ich hasse, auch bei der Debatte um Kommunismus und Kapitalismus, daher mein Hinweis doch bitte beide Seiten zu sehen.

Übrigens, der Kommunismus ist längst tot, und dies weiß auch die Linkspartei, die für mich dort steht wo die SPD einst vor Schröder/Fischer stand, und die Vorgänger von Schröder/Fischer sind ja auch SPD-Kommunisten gewesen, wenn es nach Neoliberalen geht - egal ob die nun Brandt, Schmidt oder Co. heißen, dass Wort "sozial" ist schon allein sozialismusverdächtig für erklärte Markttaliban. Richtig?

Anonym 7. Januar 2011 um 11:46  

Liebe Marktradikale,

stimmt's?

Eure Weltsicht ist folgende:

Alle Linken und Sozialstaatsbefürworter = Kommunisten.

Alle Muslime und deren Unterstützer =
Terroristen

Pinoquet (=chilenischer Hitler) ist kein Massenmörder sondern ein Freund aller Markttaliban gewesen.

Wer etwas anders behauptet lügt, oder weiß es einfach nicht besser!

Anonym 7. Januar 2011 um 12:28  

@ Jürgen

„Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“

>> Und das wird man ja wohl noch sagen dürfen, oder? <<

Anonym 7. Januar 2011 um 12:50  

Da leiert die rechte
Jungen Freiheit etwas an, SPIEGELonline bläst es auf, und von dort wuchert es über die ganzen anderen Medien.
Nachfragen, sich selbst eine Meinung bilden. - Fehlanzeige.
Selbst in den Blogs wird die SPIEGEL-Schmähschrift eines Herrn Berg teilweise unhinterfragt übernommen.
Tut mir leid, lieber ad sinistram, aber diesen Vorwurf muss man dieses mal wohl auch Dir machen.

Nirgends fordert Gesine in ihrem Essay für die Junge Welt die Einführung des Kommunismus.
Noch nicht einmal die Überschrift „Wege zum Kommunismus“ stammt von ihr, sondern sie hat diese Frage nur vom Veranstalter aufgeriffen und beantwortet.
Sie stellt Fragen, sie reflektiert über Rosa Luxemburg, sie fordert auf Wege zu suchen, sie verkündet aber nirgends eine allgemeingültige Lösung, schon gar nicht den Kommunismus als Allheilmittel.

Zumindest ihre Stellungsnahme auf ihrer Hompage sollte man doch vielleicht gelesen haben, bevor man Allgemeinplätze vom Stapel lässt, oder ihr Interview mit der FR

http://www.gesine-loetzsch.de/nc/politik/pressemitteilungen/detail/zurueck/aktuelles-7/artikel/die-herren-vom-spiegel-verlieren-voellig-die-fassung

http://www.fr-online.de/politik/-wir-brauchen-keine-denkverbote-/-/1472596/5078620/-/item/1/-/index.html/

Klaus H.

Anonym 7. Januar 2011 um 13:22  

@ jürgen
"Nun wären die zwischen knapp fünfhundert Seiten fixierten
Entäußerungen, die, so man ein wenig Geschichtsverständnis hat,
nur einen laugebrühter Aufguss jener kruden Ansichten, einer über
hundertjährigen Unkultur der Sozialhygiene, Erbgut- und Rassen-
kunde im neuen alten Gewand"

was für ein absolut hanebüchener Schwachsinn...
Diese "Demonstration" wird bevölkert sein von lauter Menschen, die überhaupt nicht wissen, was Sache ist, soviel weiss man jetzt schon.
Einfach nur ärgerlich, wenn solche Idioten Aufwand verursachen.

Anonym 7. Januar 2011 um 14:25  

Paßt wie die Faust auf's Auge, während die neoliberale Einheitspartei aus CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNEN auf die Linkspartei, und sonstige Linke, eindrischt erreicht uns dieser Tage folgende Meldung via Telepolis:

"[...]Allgemeines Publikationsverbot für "rechtsextremistisches Gedankengut" ist grundgesetzwidrig
Peter Mühlbauer 07.01.2011

Das Bundesverfassungsgericht kommt in einem Beschluss zu dem Ergebnis, dass solch ein Verbot unter anderem deshalb zu unbestimmt ist, weil die Einordnung über den politischen Meinungskampfes erfolgt
In einer erst diese Woche bekannt gewordenen Entscheidung vom 8. Dezember 2010 (Az.: 1 BvR 1106/08) kommt das Bundesverfassungsgericht zu dem Ergebnis, dass das einem Mitglied der "Schutzgruppe" und des "Aktionsbüros Süd" im Rahmen der Führungsaufsicht auferlegte fünfjährige Publikationsverbot für "rechtsextremistisches oder nationalsozialistisches Gedankengut" nicht die Anforderungen des Grundgesetzes erfüllt[...]"

Quelle und ganzer Text:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33976/1.html

...was übrigens auch die Verherrlichung von Sarrazin erklärt.....

Rechtsextremismus ist wieder in, während Links schon immer out war, nicht nur der -extremismus/-terrorismus aus der linken Ecke der Republik.

Bei Rechtsterroristen sieht der Staat ebent weg....man hat ja die gleichen Gedanken.....wie die Rechtsextremisten bei CDU/CSU/FDP, und neol. Konsorten.

Jacques Roux 7. Januar 2011 um 15:07  

(Soviel Dummheit von einer PV ist unfassbar.
Und warum es nicht auf der West- sondern auf der Ostseite der Mauer Tote gegeben hat, wird eine Lötzsch auch nie wirklich begreifen können.)

Ja mit dem Begreifen ist das so eine Sache, will ja nicht Unrecht gegen Unrecht aufrechnen, aber "Mauertote" gabs ca. 800 in 40 Jahren.

Jedes Jahr verrecken aber etwa 6.000 Afrikaner, beim Versuch in der EU ihr Glück zu finden.

Anonym 7. Januar 2011 um 18:50  

@Jacques Roux

"Bilal" gelesen?

Die Mauer steht bereits wieder nur ebent diesmal an den Außengrenzen der EU, und Marktradikale wollen nun auch - via Deutschland - eine Mauer nach griech. Vorbild errichten - angeblich.

Toll, ich stell's mir gerade bildlich vor, wenn an der polnischen, tschechischen und sonstigen ostseitigen Grenze eine riesige Mauer steht, an der dt. Grenze - Auch egal, hauptsache nicht mehr zwischen zwei dt. Staaten - an den dt. Außengrenzen ist eine solche Mauer der AGIPROP Merkel durchaus erwünscht.

Gruß
Bernie

Aletheia 7. Januar 2011 um 19:47  

Okay, nun gehe ich doch auf die Einwende ein, obwohl ich vermute, dass meine Worte kaum etwas bewirken werden.


@ Anonym

Dass Sie Südkorea als Bsp. benennen wollen, ist wohl auch absurd. Die weit überwiegende Mehrheit der "einfachen" Arbeiter und Angestellten Südkoreas verfügt über einen hohen Lebensstandard; und durch eine enstpr. Steuerpolitik können dort die "Kommunen" und Städte aus dem Vollen schöpfen (während wir, Dank Schröder und Konsorten, in die makroökonomische "Steinzeit" zurückkatapultiert werden konnten).
Ein Bekannter (der unlängst für einen Vortrag in die Hauptstadt eingeladen war) schwärmte u.a. davon, dass es in Seoul keine/n öffent. Platz, Gebäude, Straße und Haltesstellen gibt, die nicht für (physisch) behinderte Menschen benutzbar sind.
Sein Fazit: "Südkorea zeigt, wie Kapitalismus funktioniert."
(Was hingegen unsere neofeudale Kaste kaum interessieren dürfte.)



@ Anonym & Jacques Roux

Ich kann es auch kurz machen bzw. anders formulieren:
Wem nützt es, wenn eine "Zonen-Gabi" die WählerInnen verschreckt?

Auf das Bsp. Baden-Württemberg wies ich bereits hin; aber bitteschön, aufdass Sie begreifen mögen, hier eine Weiterführung:
http://www.stern.de/politik/deutschland/landtagswahl-in-baden-wuerttemberg-wie-das-wahlrecht-der-cdu-hilft-1627607-print.html

Doch hatte Baden-Württembergs Gauleiter noch bis vor wenigen Tagen die Hosen voll, so lacht er sich jetzt schlapp... weshalb "Zonen-Gabi" spätestens Ende September 2011 von der Parteispitze verschwinden sollte.

Anonym 7. Januar 2011 um 21:02  

Was die CDU über die Opfer des Kapitalismus denkt kann man heute in einem Junge-Welt-Interview mit einem CDUler nachlesen:

"[...]Ein Verbot der Linkspartei ist nicht zielführend«
Die »westliche Wertegemeinschaft« hat jede Menge Leichen im Keller. Darüber redet die CDU aber nicht gerne. Gespräch mit Dieter Dombrowski
Interview: Peter Wolter[...]"

Quelle und kompletter Text:

http://www.jungewelt.de/2011/01-08/027.php

Gruß
Bernie

Anonym 8. Januar 2011 um 11:42  

"[...]Dass Sie Südkorea als Bsp. benennen wollen, ist wohl auch absurd[...]"

Was ist daran absurd die Militärpolitik Südkoreas, und der USA, mit der Chinas, und seines Verbündeten Nordkoreas, zu vergleichen? Zumal Südkorea ständig den Norden provoziert, an der dortigen innerkoreanischen Grenze.

"[...]Die weit überwiegende Mehrheit der "einfachen" Arbeiter und Angestellten Südkoreas verfügt über einen hohen Lebensstandard; und durch eine enstpr. Steuerpolitik können dort die "Kommunen" und Städte aus dem Vollen schöpfen (während wir, Dank Schröder und Konsorten, in die makroökonomische "Steinzeit" zurückkatapultiert werden konnten).
Ein Bekannter (der unlängst für einen Vortrag in die Hauptstadt eingeladen war) schwärmte u.a. davon, dass es in Seoul keine/n öffent. Platz, Gebäude, Straße und Haltesstellen gibt, die nicht für (physisch) behinderte Menschen benutzbar sind.
Sein Fazit: "Südkorea zeigt, wie Kapitalismus funktioniert."
(Was hingegen unsere neofeudale Kaste kaum interessieren dürfte.)[...]"

Mag schon sein, ich kenne ja auch das Buch eines südkoreanischen Volkswirtschaftlers mit dem treffenden Titel "23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen".

Der Mann ist kein Sozialist sondern ein Star-Ökonom Südkoreas, und sogar einer der weltweit bekannten Sorte: Ha-Joon Chang.

Einzig seine Unkenntnis der dt. Situation, die er im Buch auch erwähnt, und zwar wohlfahrtsstaatlich, ist der weiten Entfernung zwischen Südkorea und Deutschland zu verdanken, ansonsten ist das Buch antineoliberal geschrieben. Dem Autor geht es nicht um die Abschaffung des Kapitalismus, sondern um die des Neoliberalismus, daher ist es nichts Neues was Sie über Südkorea schreiben.

Übrigens, da Nordkorea ja ein treuer Verbündeter der janusgesichtigen Polizeidiktatur China ist, würde es mich nicht wundern, wenn westliche Großkonzerne in Nordkorea Billigware produzieren lassen würden, unter der Vermittlung Chinas. Es soll ja auch in China selbst Zwangsarbeitslager der angeblich kommunistischen Sorte geben wo für kapitalistische Unternehmen Billigstware produziert wird - Janusgesicht eben, dass der Marktradikalismus nirgends so offen zeigt wie in der Volksrepublik China (angeblichen...).

Beweis:

Neoliberaler Kapitalismus und Demokratie bzw. Freiheit gleich unvereinbar.

Mittlerweile ist dies leider in der Mehrzahl so.

Anonym 8. Januar 2011 um 16:35  

Was Süd- bzw. Nordkorea angeht, da bin ich mir fast sicher, dass der dortige Wohlfahrtsstaat in Südkorea auch nur besteht bis die "Wiedervereinigung" kommt.

Mal so als Utopie, wenn ein chinesischer "Gorbatschow" kommt, der das Land ebenso verrät wie der echte russische Gorbatschow die Sowjetunion verraten hat - mit der Inkaufnahme des Todes von Millionen Opfern des Kapitalismus nach dem Fall des Kommunismus in der Sowjetunion.

Wo ich das her habe? Naomi Klein, kanad. Globalisierungskritikerin, über die "Schock-Therapie" in Rußland.

Ich weiß, die Opfer des Kapitalismus zählen ja nicht, weder in Rußland noch in Guantanamo oder Abu Ghraib, wie das Interview mit dem CDU-Menschen, dass hier erwähnt wird, eindrucksvoll beweist.

Drops 8. Januar 2011 um 18:17  

Um anonym mal über die Strasse zu helfen:

Kommunismus ist es wenn Gewinne auf alle verteilt werden und Kapitalismus wenn Schulden auf alle verteilt werden.

Anonym 9. Januar 2011 um 14:12  

Siehe auch gerade aktuell der Film "The Soviet Story".
Zitat des Machers des Films Edvon Snore:
"Nationalsozialisten und Kommunisten sind verfeindete Fraktionen der gleichen Idee: Um eine neue Gesellschaft zu bauen, muss eine Gruppe unterdrückt, bekämpft und ausgerottet werden, wei die parasitär sei und die geschichtliche Entwicklung hintertreibe. Das waren bei den Kommunisten Kulaken, Bürgerliche und Reaktionäre, bei den Nazis die Juden.
Die Unterschiede zwischen Nazis und Kommunisten sind sehr klein und beziehen sich vor allem auf Äußerlichkeiten."

Anonym 9. Januar 2011 um 16:05  

Betr. Edvon Snore:

Was für einen Hintergrund hat der Filmemacher? Kurt Pätzold, ein dt. Historiker weist nämlich in einem Buch, bisher unwidersprochen, darauf hin, dass die NSDAP keine kommunistische Partei war, und der "Sozialismus" der Nazis nur ein vorgetäuschter für Bauernfänger war.

Es gibt heute, Jahre nach dem Scheitern beider Ideologien, eben immer noch das Rumreiten auf diesem Totalitarismusvergleich, der weder Hand noch Fuß hat - Nichtfilmisch ist der Neokonservative Robert Gellately dafür ein Beispiel.

Übrigens, ich halte Stalin ebenso wie Hitler für einen Massenmörder, aber halte es für eine einseitige Verharmlosung der, in ihrer fabrikmäßigen Grausamkeit einmaligen NS-Verbrechen, wenn man Stalin mit Hitler vergleicht.

Egal ob mit Büchern, oder filmischen Mitteln.

Da denke ich denn oft an des Antikommunisten George Orwells "1984", und die dort beschriebene totalitäre Geschichtsfälscherei.

Könnte Edvon Snore nicht auch so ein Geschichtsfälscher sein?

Sorry, so eben seine Vita gefunden, die meinen Verdacht eher erhärtet als entkräftet:

http://de.wikipedia.org/wiki/Edv%C4%ABns_%C5%A0nore

Lettland übrigens hatte im Krieg gegen Rußland immer schon besonders treue SS-Leute, die auch heute wieder geehrt werden, während man die Ehrenmäler der Roten Armee schändet, gerade deswegen ein Grund oberskeptisch zu sein bei lettischen Propagandafilmen, die die NS mit dem Sowjetstaat gleichsetzen wollen.

Ziel:

Verharmlosung des modernen Rechtsextremismus neoliberaler Prägung in Lettland.

Anonym 9. Januar 2011 um 16:13  

Wo wird dieser Film übrigens, da er die NS-Verbrechen verharmlost besonders gefeiert?

Hier der Hinweis:

http://www.jungefreiheit.de/index.php?id=308

Hier noch einiges Aufschlußreiches über dieses geschichtsfälschende Werk (Vor Kommentierung ganz lesen):

"[...]Die untote Vergangenheit

Ein Dokumentarfilm rechnet mit der Sowjetunion ab, spekuliert dabei jedoch mit den Fakten

Moskauer Deutsche Zeitung 2008-12-17

Autor: Tino Künzel
Foto: The Soviet Story

Edvins Snore und Alexander Djukow haben die Sowjetunion nur als Kinder erlebt. Der Lette und der Russe sind beide noch so jung, dass sich ihre Kenntnis des kommunistischen Imperiums vor allem aus Archivmaterial, Zeitzeugenberichten und Expertenkommentaren speist. Wie sie dabei aus denselben Quellen schöpfen und doch zu völlig gegensätzlichen Standpunkten gelangen, ist bezeichnend für den unterschiedlichen Umgang mit der gemeinsamen Geschichte im Baltikum und in Russland. Während der Politologe Snore für seinen Film „The Soviet Story“ im eigenen Land und im Westen fast durchweg Beifall bekommt, bezeichnet der Historiker Djukow den Streifen als plumpe Geschichtsfälschung und hat dazu Anfang Dezember eigens eine Studie vorgelegt[...]"

Quelle und kompletter Text:

http://www.mdz-moskau.eu/print.php?date=1229543442

Fazit nach Durchlesen:

Der Film ist Geschichtsfälschung vom Feinsten!

philgeland 10. Januar 2011 um 11:58  

Es ist immer wieder interessant und zugleich beklagenswert, wie mit geschichtlicher Erfahrung in den Medien umgegangen wird. So auch im Fall der PDS-Politikerin. Platt gesagt: Stasi-Akten haben Vorrang vor Nazi-Dossiers, Gauck ist populärer als es Wiesenthal jemals war. Geschichtliche Aufarbeitung ist eine Masse, die nach Gusto von den Mainstreammedien aus der Schublade geholt und entsprechend zurechtgeknetet wird. Ganz abgesehen von der Art und Weise, wie das gegenwärtige globale soziale Elend schöngeredet oder eben verschwiegen wird.

Und - seien wir doch mal ehrlich: fast ungeachtet des Inhalts ihrer Veröffentlichung geht es doch in erster Linie um jenes "HUCH-Wort", welches als gespenstartiges Synonym für Stalin, Pol Pot und all die anderen Verbrecher steht, die es missbrauchten, um ihre Regimes rechtfertigen zu können. Hätte Frau L. statt "Kommunismus" einen anderen Begriff gebraucht, so wären die Reaktionen darauf anders ausgefallen.

Sulukol 10. Januar 2011 um 13:00  

Dieser Artikel ist eine Wucht. Er weist sehr deutlich darauf hin, dass man in vielen Parteizentralen und Zeitungsredaktionen das Nachdenken nicht einmal mehr vortäuscht. Nur antrainierte Reflexe werden zur Schau getragen. Das Erstaunlichste und Traurigste ist jedoch, dass die meisten sich damit zufrieden geben.

P.S. Ein wunderbarer Blog! Danke!

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