Sprachverschiebungen

Mittwoch, 13. Juli 2011

An ganz unscheinbaren und unpolitischen Beispielen, erkennt man zuweilen die Umdeutung von Worten und Definitionen. So auch kürzlich, seitdem Bertelsmann-Verlautbarungsorgan RTL Mietnomaden aufspürt. Was dem Zuschauer dort gezeigt wird, ist an Ekelhaftigkeit kaum zu überbieten: Maden, Tierscheiße, animalische Kadaver, Schimmel und sich türmender Unrat. Nur keine Mieter mehr, denn die sind getürmt, nachderm sie vormals getürmt haben: nämlich Mietschulden und Dreck. Die Moderatorin der ganzen Chose, Bertelsmanns Faktotum für jede noch so geschmacklose Geschmacklosigkeit, Vera Int-Veen, ist mit ihrer Schlussfolgerung dann stets schnell zur Hand: hier handelt es sich wohl eindeutig um Mietnomaden!

Die Sendung jagt laut Titel eigentlich Mietpreller - das sind per definitionem Leute, die Mietschulden hinterlassen, also die Miete prellen. Aber wenn sie die gemietete Wohnung als Saustall bei Nacht und Nebel verlassen, dann handelt es sich nach Lesart der Produzenten nicht mehr um Preller, dann sind es Nomaden. Das sind gemeinhin Menschen oder Gesellschaften, die aus etwaigen Gründen nicht sesshaft leben, die von Ort zu Ort ziehen, keine feste Anschrift aufweisen. Dreckschweine, die in versifften Verhältnissen leben, sind Nomaden aber nicht. Nicht sesshaft zu sein, bedeutet nicht, man habe an Sauberkeit kein Interesse. Dennoch wird der Nomadismus in den Schmutz gezogen, denn der Mietnomade an sich, wird mittlerweile mit Lebensverhältnissen assoziiert, in denen sich kein lebend Wesen wohlfühlen würde. Die althergebrachte Verächtlichkeit sesshafter Gesellschaften gegenüber dem Nomadentum: hier schlägt begrifflich durch!

Wie geschrieben, das Beispiel ist banal und eigentlich kaum der Rede wert. Aber doch läßt sich daran messen, wie nicht die Sprache das Denken beeinflusst, sondern das Denken die Sprache neu modelliert. Es ist durchaus nicht immer so, dass uns Sprachmanipulateure unter ihre Fittiche nehmen - in meinem Essay "Worte" umriss ich diesen Umstand bereits ausführlich. Sicher entwirft die politische und wirtschaftliche Agenda Schlagworte, die sie in den Diskurs wirft und die wir als Sprechende dann viel zu oft unwidersprochen übernehmen. Als man vor einigen Jahren landauf landab von Reformen sprach, da führte scheinbar die gesamte Gesellschaft dieses Wort im Munde - alles musste reformiert werden, jeder glaubte an die Macht der Reformen. Dass die politische und wirtschaftliche Deutung von Reform aber lautete, den Staat zu verschlanken, das heißt, das Sozial- und Gesundheitswesen stark abzutragen, war überhaupt kein Gegenstand öffentlicher Diskussionen mehr. Diese "sprachliche Reformitis" war nicht nur ein von oben eingeleiteter Prozess: die Bürger waren dankbare Nachplapperer und taten das Ihre, um den Begriff einer neuen Bedeutung zu überführen.

Das Beispiel mit den Nomaden ist besonders einleuchtend, weil hierbei die Diskrepanz zwischen Sein und Sollen immens ist. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes schwindet und damit geht auch das, was man darunter versteht, die Wirklichkeit, die das Wort abbilden soll, peu a peu flöten. Nicht ausgeschlossen, dass mancher irgendwann davon überzeugt ist, nomadische Völker wie die Tuareg, Alanen oder Kawesqar, seien ausgesprochen schlampige, unreinliche und verwahrloste Schmarotzer. Dass der Mietnomade eine unzutreffende Komposition ist, auf die Idee kommt man dann schon gar nicht mehr. Die Bedeutungsverschiebung geschieht im gesprochenen Alltag. Sprechend wandelt sich der (Hinter-)Sinn und die Bedeutung. Die Verschiebung ist meist kein bewusster Akt, kein von langer Hand geplantes Unterfangen - sie schleicht sich ein, wird oftmals gar nicht wahrgenommen. Das ist nicht die Schuld einiger Sprachpanscher, es ist die Schuld aller, die die Sprache unbeseelt sprechen, die nicht hinterfragen, sondern auf ein vorgefertigtes Vokabular zurückgreifen.

Nun ist freilich das Nomadentum nicht der erklärte Feind der Familie Mohn, die die (Miss-)Geschicke von RTL leitet. Dieses Hausierengehen mit dem Begriff Mietnomade unterstreicht einfach nur, dass man mit der Zielgruppe, die man erreichen will, auf einem gemeinsamen Niveau ruht. Es ist keine gezielte Implantierung in den Sprachschatz. Anders ist es da schon beim "Hartz IV-Empfänger" - er empfängt, er bekommt. Damit verschwindet die Gewissheit, dass ein solcher Mensch, der auf Arbeitslosengeld II angewiesen ist, kein Empfänger ist, der wie ein Bittsteller in eine Behörde marschiert, sondern ein Leistungsberechtigter. Nämlich jemand, dem es rechtlich zusteht, Lohnersatzleistung zu erhalten - der berechtigt ist, Hartz IV zu beantragen und zu erhalten. Empfänger klingt wie jemand, der entgegennimmt, klingt stark nach Bettler. Dieser Begriff ist kein Zufall und ganz bestimmt gezielt im Wortschatz verankert worden. Gleichwohl sind beide sprachlichen Verirrungen, die eine gezielt, die andere nicht, das Produkt einer Sprachgemeinde, die unwidersprochen papageit.



22 Kommentare:

Anonym 13. Juli 2011 um 07:54  

Vera Int-Veen am frühen Morgen. Das brazzt. You made my day.

Ulli 13. Juli 2011 um 09:54  

Früher redete die Atomindustrie auch mal vom "Entsorgungspark", ich glaube, damit war Gorleben gemeint.

Nicht nur in diesen Sendungen über die "Mietnomaden" geht es darum, den Armen ihre Würde zu nehmen. Es gibt im privaten TV Dutzende Formate, in denen tatöwierte Unterschichtler ihre kulturelle und soziale Verwahrlosung vorführen - in aller Regel sind das drittklassige Schauspieler, die für vermutlich geringes Honorar nach Drehbüchern spielen. Aber auch im Öffentlich-Rechtlichen braucht man nur die Talkshows einzuschalten und schon sieht man den einen oder anderen marktliberalen Propagandisten, der behauptet, Hartzer wollten eh nur saufen, Billigpizza essen und ihre Kinder verkommen lassen...
Damit wird den armen Menschen systematisch ihre Würde genommen. Damit aber auch ihre Identität als Arme und damit die Grundvoraussetzung, sich zu wehren, sich nicht mehr nur als Opfer zu fühlen.
Die Arbeiterbewegung des 19.Jahrhunderts war eben auch deswegen so erfolgreich, weil die damaligen Proletarier stolz auf sich waren. Sie sangen: Mit uns zieht die neue Zeit...
Das heutige Prekariat wird das kaum tun.

Hartmut 13. Juli 2011 um 10:10  

Ein schöner Artikel, danke !

Hierzu passt eine wunderbare Sentenz von Ulrich Schaffer aus seinem Geschenkheft,....weil du dein Leben entscheidest.

"Sei in deinen Worten,
oder sprich sie nicht,
wenn du sie nicht meinst"

MfG
Hartmut

Anonym 13. Juli 2011 um 11:11  

Mit Begriffen wird Politik gemacht.

Frank Luntz, ein amrikanischer Wortkünstler im Dienste der Republikaner, ist dafür ein gutes Beispiel (Todessteuer = Erbschaftssteuer).

Rettungsschirm: wer wird gerettet, wer bekommt einen Schirm? Spekulanten!
Nicht die Bevölkerung.

Zur Verschleierung von Sachverhalten werden gerne Abkürzungen benutzt (Soffin etc.).

Tasha Davis 13. Juli 2011 um 11:53  

Mein Lieblingswort aus dem XII. Newspeak-Lexikon ist immer noch der "Steuersünder" und "Steueroptimierer", besonders gemessen am "Sozialbetrüger" und dem mittlerweile noch beliebteren "Sozialschmarotzer".

Der Steuerbetrug übersteigt den Sozialbetrug im Volumen 500 zu Eins laut aktuellen Schätzungen. Dennoch ist das Eine nur eine lässige Sünde, nicht der Rede wert. Sünder sind wir schließlich Alle, das weiß jeder Christ. Gott vergibt jedem Sünder und der kleine Angestellte welcher bei seiner Pendlerpauschale ein paar pralle Km draufrechnet steht vor den prüfenden Blicken des Big Bosses schließlich auf derselben Stufe wie die Zumwinckels unserer Welt. Noch besser, die "Optimierung", Optimierung ist per se positiv besetzt, der Optimierer ist ein Held des Vaterlandes.

Demgegenüber der Sozialbetrüger und -Schmarotzer. Er bettelt weil das Hartz IV nicht reicht, was den gewissenhaften, ihm nachspürenden Mitarbeiter des Sozialamts leider dazu zwingt die Betteleinkünfte auf seine Stütze anzurechnen und ihm diese mal so ordentlich zu kürzen und hinter dem schmarotzenden Popo wegzuziehen. Bei Schmarotzern, da denke ich unwillkürlich an Kakerlaken die sich von unseren Essensresten ernähren, an Zecken die sich unverdient die Bäuche mit dem wertvollen Blut hart arbeitender Bürger füllen.

Wer hätte da nicht den Drang, die eine Gruppe zu hegen, pflegen und zu beschützen, vielleicht sogar in der Hoffnung selber einmal zum erlauchten Kreise zu gehören, die andere Gruppe aber zu zertreten wie ein Insekt?

Willkommen in der Gegenwart.

lebowski 13. Juli 2011 um 12:47  

Schon Begriffe wie "Arbeitnehmer" für Leute, die ihre Arbeitskraft hergeben, und "Arbeitgeber", die die Arbeit anderer Leute in Anspruch nehmen, sind ein Witz.

Willi 13. Juli 2011 um 13:27  

Schöner Artikel.
Das fatale ist, dass die Wirklichkeit hinter dem Sprachmüll der Neuwortschöpfungen nach und nach verschwindet, wodurch der, der sie beschreiben will und dabei nicht auf die ganzen Neuschöpfungen zurückgreift, die den Weg in die Umgangssprache gefunden haben, sich irgendwann nicht mehr verständlich machen kann.
Du hast es beschrieben: Irgendwann trennt keiner mehr zwischen Dreck und Nomaden.
Was bei alldem herauskommt kann man schön auf CNN beobachten, wo einem, selbst als nicht Muttersprachler, auffällt, wie grausam simplifiziert und entstellt dort berichtet wird. Die Welt ist schwarz und weiß, Kompliziertheiten überfordernd nur den Zuschauer. Ein Schlagwort muss reichen.
Das ist Verdummung durch Vermülllen des Wortschatzes (!) mit ideologischem Sprachmüll, PR- und Polit-Kampfbegriffen und wir müssen aufpassen dadurch nicht sprachlos zu werden.

potemkin 13. Juli 2011 um 13:36  

In anderen Zusammenhängen wird das Nomadentum geradezu propagiert: Du hast dorthin zu gehen, wo es Arbeit gibt, ohne Rücksicht auf Familie, Freundeskreis, Haus und deinem gesamten sozialen Umfeld. Ganz nebenbei führt solch ein prekär-nomadenhaftes Arbeitsleben zwangsläufig zur Entsolidarisierung. Schlimmstes Beispiel für diese modernen Arbeitsnomaden sind jene 'Spezialisten', die bei Wartungsarbeiten und Brennstäbewechseln von AKW zu AKW reisen. Bis zum Srahlentod...

Jutta Rydzewski 13. Juli 2011 um 14:37  

Und weil das alles so ist, leider so ist, wie Sie es mal wieder trefflich beschrieben haben, lieber Herr De Lapuente, sollten zumindest "wir" uns bemühen, eben nicht die "dankbaren Nachplapperer" zu sein, in dem "wir" den Parolen, (Hochglanz)Worthülsen, den überall lauernden Begriffevergewaltigern auf den Leim gehen, denn der Verderb der Sprache ist der Verderb des Menschen. Woran ich in diesem Zusammenhang besonders denke, ist der so genannte "sozial Schwache":

http://ad-sinistram.blogspot.com/2011/06/die-prekarisierung-stoppen-nur-freie.html#comment-8694329757196536778

mfg
Jutta Rydzewski

Anonym 13. Juli 2011 um 14:56  

Lieber Roberto,

wieder ein Augenöffner. Der Begriff "Mietnomade" wäre mir nicht so negativ aufgefallen. Geradezu gruselig.

Danke auch an (ich glaube) Jutta, die fleißige Kommentatorin, welche häufiger den Terminus "sozial schwach" in "ökonomisch schwach" ersetzt haben möchte.

Darf ich für alle an dem Thema interessierten Leser einen ein Jahr alten Artikel verlinken? Er wurde auf Jens Bergers Spiegelfechter-Seite von einem Gastkommentator verfasst und beschäftigt sich mit dem Neusprech der Hartz IV-Parteien.

http://www.spiegelfechter.com/wordpress/3969/die-psychotricks-der-hartz-iv-parteien#more-3969

Heiko

Lutz Hausstein 13. Juli 2011 um 15:36  

@ Heiko:

Das sprachliche Problem liegt nicht auf "sozial", sondern auf "schwach". Denn um diese Situation durchzustehen und nicht daran zu zerbrechen, müssen die Betroffenen stark sein und nicht schwach.

Deshalb weder "sozial schwach" noch "ökonomisch schwach". Nennen wir die Dinge einfach bei ihrem Namen: "Arm".

Anonym 13. Juli 2011 um 16:38  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

wie immer genau auf den Punkt getroffen

Ich bin schon lange der Ansicht, dass wir ein neues "LTI" brauchen, das sprachgewaltige Werk, dass der jüdische Victor Klemperer über die Nazi-Sprache geschrieben hat.

Es scheint so, dass nicht nur neoliberale Sprachverhunzung wortgewaltig wirkt, wie die bei dem Beispiel "Reformen" anmerkst, sondern, dass diese Sprache der heutigen Unmenschen generell im alltäglichen neudeutsch "mittigen" Umfeld benutzt wird?

Der Kommunismus/Sozialismus ist seit 1992 zwar mausetot, auch wortvokabelmäßig, aber die Nazi-Sprache - besser Faschistensprache - feiert auch wieder Auferstehung.

Ein Beispiel:

Wer weiß heute noch, dass der Begriff "arbeitsunwillig", den RTL gerne in Sendungen zur Thematik Harzt IV benutzt früher einmal "arbeitsscheu" hieß und lt. Victor Klemperer direkt aus der Nazi-Sprache stammt?

Aus diesem Begriff wurde nach über 78 Jahren der Begriff "arbeitunwillig", den heute in Diskussionen auch Normalbürger im Begriff auf Arbeitslose (nicht allein HartzIV-EmpfängerInnen) benutzen.

Wie bereits erwähnt, ein neues wortgewaltiges "LTI" ist heute längst überfällig.

Gruß
Bernie

PS: Eigentlich sollte man auch nicht HartzIV-EmpfängerInnen schreiben, denn auch dieses Wort stammt direkt aus der Sprache eines rechtskonservativen Unmenschen namens Dr. Peter Hartz.....ich weiß :-( ;-)

Anonym 13. Juli 2011 um 17:15  

Lieber Lutz,

ich glaube das sprachliche Problem liegt in der Kombination der beiden Wörter "sozial" und "schwach".
Zusammengenommen implizieren diese eine Vorstufe von "asozial" und eben nicht wie fälschlicherweise angenommen "arm".

Jutta, die lustigerweise relativ zeitgleich mit mir gepostet hat, hat in einem ihrer Kommentare auf dieser oder einer anderen Seite sehr schön dargestellt wer die wirklich asozialen, nämlich der Gesellschaft schädigenden Subjekte sind, und damit zumindest mir eine Sensibilität im Umgang mit diesen beiden Wörtern gegeben. Niemals mehr werde ich arme Menschen so bezeichnen wie die Presse das gerne von uns möchte.

Das mit der "Stärke" ist glaube ich leider ein frommer Wunschgedanke. Meinst du nicht das sieben Millionen starker Menschen die Hartz IV beziehen müssen dieses Unding von Gesetz schon längst beseitigt hätten?

Waren die schon immer schwach oder wurden sie schwach gemacht?

Heiko

Anonym 13. Juli 2011 um 19:35  

„Sicher entwirft die politische und wirtschaftliche Agenda Schlagworte, die sie in den Diskurs wirft und die wir als Sprechende dann viel zu oft unwidersprochen übernehmen.“

Das gleiche Phänomen war in der DDR zu beobachten. In der Öffentlichkeit wurde - oftmals ohne Not,vielmehr in voraus eilendem Gehorsam - das propagandistische Kauderwelsch nachgeplappert. Und selbst im privaten Kreis, wenn man meinte anders zu sprechen, klang es dann durch.

Anonym 13. Juli 2011 um 20:09  

Anonym lebowski hat gesagt...

"Schon Begriffe wie "Arbeitnehmer" für Leute, die ihre Arbeitskraft hergeben, und "Arbeitgeber", die die Arbeit anderer Leute in Anspruch nehmen, sind ein Witz."

Ja, wirklich ein Witz, schon Friedrich Engels wandte sich energisch gegen diese sprachliche Tatsachenverdrehung, doch wem fällt das überhaupt noch auf?
Wir müssen alle auf saubere Sprache achten.

MfG Bakunin

Jutta Rydzewski 13. Juli 2011 um 21:05  

@Heiko

" ... welche häufiger den Terminus "sozial schwach" in "ökonomisch schwach" ersetzt haben möchte."

Eine kleine Korrektur bzw. Ergänzung: Ich möchte den Terminus "sozial schwach" in einkommenschwach bzw. finanziell schwach ersetzt haben. Dann müsste eigentlich jeder wissen, was gemeint ist.

@Lutz Hausstein

"Deshalb weder "sozial schwach" noch "ökonomisch schwach". Nennen wir die Dinge einfach bei ihrem Namen: "Arm"."

Ich weiß zwar wie Sie es meinen, aber dennoch ist mir arm zu unpräzise, zumal arm sehr vieles sein kann. Es gibt z.B. die emotionale Armut, oder auch die geistige Armut. Ganz schlimm wird es dann, wenn soziale, emotionale und geistige Schwäche bzw. Armut in einer Person zusammentreffen. Beispiele gibt es fast täglich im Fernsehen. Nehmen wir den offenbar unverzichtbaren Gast bei den öffentlich-rechtlichen Verblödungsveranstaltungen, von Illner bis Plattberg, die auch Talkshows genannt werden, Arnulf Baring. Dieser Herr verfügt nicht nur über eine eklatante soziale Schwäche, sondern ist darüber hinaus auch noch emotional und geistig arm. Wenn einer solchen armseligen Type, wie in der Vergangenheit geschehen, das Verdienstkreuz 1. Klasse der BRD als auch der europäische Kulturpreises für Politik verliehen wurde (wie ich es auf ZG Blog gelesen habe) so gehören die für die Verleihung Verantwortlichen zur gleichen schwachen bzw. armen Kathegorie wie der Preisträger und große Hitlerverehrer selbst.

Arnulf Baring im Nachtstudio des ZDF, am 09. November 2003:

"Der Hitler hat ja in einem Maße dieses Land in Bewegung gebracht, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Er hat in den 30er Jahren, was bis in die 40er, 50er - man kann sagen - in die 60er Jahre weitergewirkt hat, den Leuten einen Elan vermittelt, der vollkommen von uns gewichen ist."

Dieser 1. Klasse-Verdienstkreuz- und europäische Kulturpreisträger betrachtet die Zeit zwischen 33 und 45 auch lediglich als bedauerliche Entgleisung, hält es auch für völlig übertrieben den Holocaust als singuläres Menschheitsverbrechen zu bezeichnen. Auch Integration mag der Baring nicht und fordert dagegen Eindeutschung. Spielt alles keine Rolle, zumindest für die Öffentlich-Rechtlichen. Auf eine meiner zahlreichen Interventionen teilte mir der Sender Phoenix mit:

" ... Sie kritisieren in Ihrem Schreiben, dass PHOENIX den Historiker Prof. Arnulf Baring in seine Sendung PHOENIX-Runde eingeladen hat. Herr Baring ist bekannt als konservativer Wissenschaftler, der mit manchen Thesen auch heftigsten Widerstand auslöst. Dazu zählen auch die Ãußerungen, die Sie beschreiben. Dennoch ist nicht ernsthaft bestritten, dass Professor Baring als Historiker eine wichtige Person der Zeitgeschichte ist und konservativen Strömungen eine Stimme verleiht. Deshalb ist er offenbar für viele Diskussionssendungen ein potentieller Gast." ...

Übrigens, ARD und ZDF beliebten auf meine wiederholten Interventionen überhaupt nicht zu antworten. So, nun aber zurück zum Thema.;-)

mfg
Jutta Rydzewski

Carlo 14. Juli 2011 um 06:25  

Eine einigermaßen gut bezahlte Arbeit, wird ja heutzutage als Almosen angesehen. Soweit sind wir schon. Wo bleibt da die Stimme der Gewerkschaftsjugend? Ich frag mich nur noch, wie weit lassen "wir" uns treiben?

Anonym 14. Juli 2011 um 09:27  

"[...]Das gleiche Phänomen war in der DDR zu beobachten. In der Öffentlichkeit wurde - oftmals ohne Not,vielmehr in voraus eilendem Gehorsam - das propagandistische Kauderwelsch nachgeplappert. Und selbst im privaten Kreis, wenn man meinte anders zu sprechen, klang es dann durch[...]"

Unser aller Kanzlerin hat ja nicht umsonst als FDJ-Agitatorin für Propaganda in der DDR gewirkt ;-)

Im Ernst, ich bleib dabei, die DDR ist seit 1992 mausetot - Wer benutzt heute noch DDR-Propagandafloskeln? Keiner soweit ich - als zugegebener Maßen westdeutsche Pflanze - weiß, aber die Faschistensprache ist nie tot gewesen, die feiert wieder fröhliche Auferstehung im marktradikalen Deutschland der Angela Merkel.

Übrigens, der Neoliberalismus krankt für mich von Anfang an mit der Faschistennähe - der erste Praxisbezug begann mit einem Mord am chilenischen Präsidenten Allende - was dazu führt, dass der 11. September in Chile eine andere Bedeutung hat als bei den USA und deren westlichen Allierten - und der Errichtung einer mörderischen, neoliberalen faschistischen Diktatur unter Pinoquet.

Ein Modellfall für ganz Mittel- und Südamerika, der erst seit Hugo Chavez in Venezuela beendet wurde, der einen demokratischen Sozialismus des 21. Jahrhunderts, und einen antineoliberalen Staatenbund begründet hat.

Neolibs = Faschisten.

Diktatorischer Kommunismus/Sozialismus = in alter Form mausetot seit 1992.

Gruß
Bernie

Anonym 14. Juli 2011 um 10:49  

Anonym Carlo hat gesagt...

"Eine einigermaßen gut bezahlte Arbeit, wird ja heutzutage als Almosen angesehen. Soweit sind wir schon. Wo bleibt da die Stimme der Gewerkschaftsjugend? Ich frag mich nur noch, wie weit lassen "wir" uns treiben?"

Na Carle, wer wird denn da so pessimistisch sein als guter deutscher Gewerkschaftler mit Dauereinzugserächtigung?
Also raus die IGM-Trachtenweste, eine Trillerpfeife in den Mund, die Backen ganz dicke aufgeblasen und looos- LÄRMEN!
Dann, dann wird auch alles alles wieder gut, werden sich die "Neolibs" vor Schrecken im tiefsten Kellergewölbe der Villen von Hans-Olaf Henkel, Hans-Werner Sinn, der Hunde und Keitels winselnd verkriechen- garantiert...

"Solidarische" Grüße des "Kollegen"

Bakunin

Anonym 15. Juli 2011 um 20:30  

Meinen Kabelvertrag werde ich demnächst sowieso kündigen, denn ich kann dieses versiffte Privatfernsehen schon lange nicht mehr ertragen, macht ne weiche Birne.

ARD und ZDF sind auch nicht viel besser.

Anonym 15. Juli 2011 um 21:14  

Nomaden-,Maden-,Nematoden..

Anonym 16. Juli 2011 um 11:31  

Heute las ich in der hiesigen "Badischen Zeitung" einen Kommentar, und mußte sofort an Roberto J. de Lapuentes Text hier denken. Der Kommentator schrieb, dass die "arabischen Unruhen fortdauern" - Man lerne daraus, zunächst hieß es "arabische Revolution" und "arabischer Frühling" - Seit kurzem, genau dem Panzerdeal mit der saudi-arabischen Diktatur heißt es - in medial vorauseilendem Gehorsam "arabische Unruhen".

Tja, Deutschland ist eben wieder "wer", und wenn auch nur bei der Unterstützung der "arabischen Revolution" - die dann in der Geschichtsschreibung "arabische Unruhen" heißt.

Orwells "1984" läßt grüßen....

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