Opfer bringen

Freitag, 8. Januar 2016

Tragisch, wirklich tragisch. Wenn es Menschen Bomben regnet. Metall klirrt und Schreie ertönen, die dann unterm Schutt erstummen. Schlimm, wirklich schlimm. Wenn unter Brocken tote Kinder von toten Eltern toter Großeltern liegen. Hinterbliebene im Geröll suchen und hoffen, noch keine Hinterbliebenen zu sein. Abscheulich, wirklich abscheulich. Wenn sie dann Steine zur Seite stemmen und dann sind da nur Reste. Von Betten, von Schränken, von Großmutter. Unschön, wirklich unschön. Wenn sie dann weinen und klagen und laut den Himmel und seine Düsenjäger verfluchen und einen Hass kriegen, der ihnen die Fäuste in die Höhe recken lässt. Ekelhaft, wirklich ekelhaft. Wenn sie dann so gefilmt werden, in Fernsehkanälen ausgestrahlt und als die Brut des neuen Terrorismus deklariert werden, weil sie so böse anzusehen sind. Lernen es diese Wilden denn nie?

Das ist alles wirklich unerträglich, aber wir müssen den Regierungen unserer Breitengrade wohl danken. Sie sichern uns damit unsere Art zu leben. Unseren Way of Life. Den Wohlstand, die Ressourcen, die wir dazu benötigen. Sie erziehen die Völker dieser Erde zur notwendigen Einsicht, dass man bloß die Chuzpe haben muss, sich zu nehmen, was man will, was man braucht, was einem in den Sinn kommt. Wer auf dem Boden lebt, unter dem die Rohstoffe schlummern, das ist dabei zweitrangig, man kann ja Verträge aufsetzen und Funktionseliten schmieren. Und wenn diese verwirrten Kerle, die den Koran als Totenbuch missbrauchen, dann endgültig mit vielen unbeteiligten Kollateralschäden, die auf Mama oder Papa oder »mein Kind« hörten, diese Erde verlassen haben, dann probieren wir es wieder, exakt so wie vorher. Vielleicht geht es ja diesmal gut. Vielleicht radikalisieren sich die Verlierer unserer globalen Ökonomie, unserer Weltordnung ja mal ausnahmsweise nicht und alles geht glatt. Zu wünschen wäre es uns. Wir hätten den friedlichen Wohlstand allemal verdient, wir Leute von der oberen Nordhalbkugel.

Vielen Dank, ihr Regierungen! Es geht weiter wie immer, gemütlich und üppig. Ich habe die satte Auswahl an Lebensmitteln, an exotischen Ingredienzien, kann Erdbeeren im Winter essen und geschälte Nordseekrabben aus Marokko, kann relativ günstig durch Städte kariolen, Gas geben, bremsen, Gas geben, bremsen, Reifen quietschen, Gummiabrieb ist nicht schlimm, neues Kautschuk kommt morgen an, die Plantagenarbeiter sind ja so fleißig, so fleißig, sie singen sogar bei der Arbeit. Auch Erdöl kommt nach. Es steckt ja noch genug in den Böden. Nicht bei uns. Aber uns gehört bekanntlich die ganze Welt. Also was spielt es dann für eine Rolle, wo es drinsteckt? Hat der Schöpfer uns nicht eine Welt ohne Grenzen geschenkt? Ich telefoniere und surfe mit meinem neuen Mobiltelefon, alle zwei Jahre ein neues Teil, was ich auch muss, denn nach zwei Jahren allerspätestens, gibt das Ding seinen Geist auf, oh Obsoleszenz, du riesiger Absatzmarkt! Die unbrauchbaren Siliciumplatten schicken wir rüber, zu den Schwarzen, die bauen sich daraus Girlanden für ihre Wellblechhütten. Jeder soll was vom Fortschritt haben. Sie kriegen Schmuck - wir seltene Erden. So sind wir. Es ist ein Geben und Nehmen. Ein Nehmen. Ein Nehmen. Ein Nehmen. So ist Leben eben. Unsere Art zu leben eben.

Um die zu erhalten braucht man Maßnahmen. Freihandelsabkommen. Regelungen. Einsätze. Weltordnung. Währungsfonds. Zentralbanken. Militärpräsenz. Waffen für Halunken, die die ihren in Schach halten. Und halt manchmal Krieg. Als letztes Mittel dessen, was wir Politik nennen. Als allerletztes Mittel. In Syrien fallen Sprengladungen auf die Köpfe. Damit es immer weitergeht, immer so weitergeht. Sie sind da für uns, die Uniformierten. Kämpfen für uns. Töten für uns. Dezimieren, löschen aus, verstümmeln. Für uns. Auch für mich. Ja, für mich! Ich brauche noch weitere Telefone, Krabben, Erdbeeren auf dem Weihnachtsmarkt. Wohlstand ist schön. Dafür muss man eben Opfer bringen.

8 Kommentare:

Otmar 8. Januar 2016 um 12:43  

So verdammt böse – aber doch so wahr!

Anonym 8. Januar 2016 um 13:46  

Poetisch und richtig.

Braman 8. Januar 2016 um 22:17  

Ja, so ist es!

Leben und leben lassen => "Wir" leben und die anderen lassen es!
Geben und nehmen => Wir nehmen und die anderen geben! wenn nicht freiwillig,dann eben auch mit Gewalt!
Einmal gewinnen "wir", dann verlieren die Anderen!
In der Bibel steht: Und machet euch die Erde Untertan! Und wenn die Christen nichts sonst aus der Bibel befolgen, diese 'Anweisung' aber gründlich!!

MfG: M.B.

Reinhard Hentschel 8. Januar 2016 um 22:56  

Und das folgenhafte ist, dass die Nutznießer weghören, denn sie wollen einfach nicht daran erinnert werden und erreicht hat man dies, indem man sie so erzogen hat, dass sie weghören können, wenn ihnen was nicht passt - wenn jemand ihre heile Welt stört.

Alles nur Satire 9. Januar 2016 um 10:10  

Wie ein wuchtiger und verdienter Tritt in den Ar*** dieser Wertegesellschaft.

Schade, daß die, die das lesen müßten, es vorziehen, alles Fremde mit einem irrationalen Hass zu überziehen und Flüchtlinge pauschal zu diskriminieren.

Lieber im eigenen Kral unter sich bleiben wollen, die eigene Bequemlichkeit pflegen und sich am Glauben festkrallen: "Alles GUT".

Und es bedarf noch nicht einmal sehr viel Geschick der "Eliten", der geistigen Brandstifter aus Politik, Wirtschaft und Presse, um diese Volk in diese Richtung zu lenken.

rasputin 9. Januar 2016 um 13:51  

Hallo Roberto!
Die junge Generation in der islamischen Welt ist in einer Dualität aufgewachsen. Zuhause und in der Moschee wird sie moralisch streng erzogen. Männer und Frauen haben kaum eine Chance, eine gesunde, symmetrische Beziehung zueinander aufzubauen. Im Internet dagegen erleben sie eine Welt, in der es keine Grenzen zwischen Mann und Frau, in der es keine festgeschriebene Moral gibt. Islamische Länder sind beim Konsum von Porno-Videos ganz oben auf der Liste. Diese Dualität schafft ein gestörtes Verhältnis der Männer zu Frauen.

www.cicero.de/berliner-republik/zu-den-ereignissen-koeln-religion-ist-mitverantwortlich/60341

Es beginnt mit den Vorstellungen von Reinheit und Ehre, dass eine Frau ihre Jungfräulichkeit bewahren muss und sich öffentlich nicht zeigt. Und wenn sie sich nicht daran hält, hat sie eine verminderte Würde. Für die Männer gilt das alles natürlich nicht.

Anonym 9. Januar 2016 um 16:05  

Leider ist es so, dass die heutigen jungen Erwachsenen ein Produkt des Erziehungssystems sind. Die syrischen Schulbücher preisen den Holocaust als ein positives Geschehen, erziehen zu Hass und Intoleranz erzogen. Über Israel wird gelehrt, dass Israels Existenz als Ganzes der Kern des Problems sei, nicht dessen Staatsgrenzen. Es wird gelehrt, dass der Kampf gegen Israel eine Sache der Ehre sei. Dies wird alle Altersstufen hindurch wiederholt, beginnend mit der zweiten Klassenstufe.

Zusätzlich zu Hasslehren und Intoleranz lehrt das syrische Erziehungssystem das islamische Märtyrertum, das als ein erhabener hoher Wert gilt. Die Schulbücher lehren, dass das Märtyrertum der Weg der Wahrheit, Gerechtigkeit und des Ruhmes sei. Die Tode von "Märtyrern" werden als soziale Hochzeitsfeiern betrachtet und freudig gefeiert. Märtyrertum wird als der Weg zu Sieg und Freiheit gelehrt.

Traurige Grüße,
Bernie

Anonym 12. Januar 2016 um 00:06  

Leider ist es so, wie rasputin hier schreibt - Männer und Frauen haben in muslimischen Ländern kaum eine Chance, eine gesunde, symmetrische Beziehung zueinander aufzubauen. Eigentlich bräuchte es nun hierzulande Hunderttausende neue Sexualtherapieplätze. Wie soll das sonst hier funktionieren?
Düstere Grüße...

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