Hätte, könnte, Würde

Donnerstag, 11. Februar 2016

Stimmung lässt sich auf viele Arten machen. Entweder man poltert laute Parolen, die keinen Deutungsspielraum lassen. Oder man flüstert leise Doppeldeutigkeiten und lässt Interpretationen offen. Letzteres ist in Tagen, da man sich der Boshaftigkeit nicht mehr entblödet, unverantwortlich.

Auf der Internetseite des »Stern« konnte man letzte Woche folgende Schlagzeile lesen: »Bis zu 300.000 Flüchtlinge arbeiten schwarz«; untertitelt wurde die Überschrift mit »... daher boomt unter den Asylsuchenden die Schwarzarbeit«. Das ist eine miese Geschichte, dachte ich mir. Da werden die Rechten gleich wieder meinen, dass sie ein Argument gefunden hätten. Wenn man dann den darunter platzierten Artikel las, erfuhr man etwas über eine Analyse des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftswissenschaften und der Universität Linz. Darin gehe es um Schwarzarbeit und andere Illegalitäten. Unvermittelt dann noch folgender Satz: »Zwischen 100.000 und 300.000 Flüchtlinge könnten in diesem Jahr in Deutschland schwarzarbeiten, am plausibelsten erscheint laut Studienautor Schneider der höhere Wert.« Ach, alles nur Konjunktiv, da Prognose? Im Titel des Textes klang das noch viel faktischer. Genau das schließt der besagte Autor aber auch aus, er spricht von einer Annahme, nicht von Fakten.
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4 Kommentare:

Anonym 11. Februar 2016 um 21:40  

Ach ja, der Stern!
Wer diese... ääh Zeitschrift?
Was auch immer... Wer den Stern ernst nimmt ist selber Schuld!

allesnursatire 12. Februar 2016 um 04:58  

Konjunktive, "Fakten", die keine sind, erst im Verlauf eines "Artikels" genau(er) erklärt werden, gut versteckt, vom Leser, der seine Vorurteile durch die "sytemrelevante" Presse schon im Titel bestätigt sieht und somit keine Veranlassung sieht, weiterzulesen.

Wozu auch? Das ist gelungene Meinungsmache, ein primitives Werkzeug, das immer wieder prächtig funktioniert.

Der "stern" > Gruner + Jahr > Bertelsmann, Springer, Burda, Funke, Tagesschau und "heute-journal" haben das drauf.

Vermutlich ein "Schein", der beim Studium der Journalistik heute zwingend vorgeschrieben ist.

Und nebenbei bemerkt, selbst wenn bis 300 Tsd. Asylsuchende/Flüchtlinge "schwarz" arbeiten, von mir aus eine halbe Million.
Es beweist mehrere Fakten:
Arbeit wäre ja doch da.
€8.50/Std scheinen tatsächlich zu viel zu sein und es gibt immer noch genug Arschlöcher, denen die gesetzlich manifestierten und offiziellen prekären Arbeitsverhältnisse immer noch nicht ausreichend genug erscheinen.

Lasst uns das Sklaventum wieder offiziel einführen, mit Peitschen und allem drum und dran.
Und das Bargeld abschaffen. Mehr als 50& aller Deutschen können gar keine 5000 Euro auf einen Schlag auf den Tisch des Hauses legen. Wie denn?

Lassen wir den "Staat" bequem Konten sperren, dann kann jeder JC-Aufseher mit einem Klick "das faule Pack" wirkungsvoll zur Räson bringen.

Wie blöde ist dieses Volk eigentlich wirklich?

Uli Meyke 12. Februar 2016 um 11:24  

Die Schlagzeile im Stern ordne ich als journalistisch verkürzte Verknappung ein. Den chicen Ausdruck habe ich vom Presserat schriftlich in einer ähnlichen Angelegenheit erhalten. Darüber habe ich einst geschrieben:
http://ostsee-zeitung-blog.blogspot.de/2008/07/drei-monate-aufregung-wegen-antrax.html

Anonym 12. Februar 2016 um 12:01  

"300.000 Flüchtlinge arbeiten schwarz"...aha!

Das tun sie aber nur, weil 300.000 einheimische Arbeitgeber sie schwarz beschäftigen, nicht wahr? Und zwar mit Kusshand und zu Sklavenlöhnen!

Die Flüchtlinge selbst würden garantiert wesentlich lieber mit Papieren und zu angemessenen Löhnen arbeiten, mit Ausicht auf Gesundheitskarte, Sozialabgaben und ggf. späterer Rente.

Wie auch die riesige Masse von 450 €-Jobbern unter den Einheimischen dieses Landes, die ebenfalls gern regulär eingestellt wären.

Es tut nur Niemand, sondern ganz im Gegenteil, Sozialabgaben werden hier inzwischen geächtet...

DAS soll man aber bitte nicht den Flüchtlingen vorwerfen!

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