Fuck the Kanzlerin!

Mittwoch, 24. Juni 2015

Unglaublich. Schrieb er doch »Fuck the US-Imperalism«, dieser Lafontaine. Wirklich unglaublich. Das war natürlich wieder mal für manchen Aufmacher gut. Und alle sind sie mehr oder minder empört von dem Linken und seinem Hass. Dass er sein »Fuck the US« nicht einfach so in die Welt setzte, sondern sich von einer US-Diplomatin inspirieren ließ, wird nur beiläufig erwähnt.

Lafontaine ärgerte sich via Facebook zurecht darüber, dass der US-Verteidigungsminister die Europäer dazu aufrief, sich gegen Russland zu formieren. Er nennt dieses Vorgehen (auch zurecht) verlogen. Und ein Verteidigungsminister, der dezent auf Konfrontationskurs lotst, der verteidigt auch nichts mehr - der weist in den Krieg und ist daher ein Kriegsminister. Die Europäische Union brauche laut Lafontaine unbedingt eine Außenpolitik, die den US-Imperialismus eindämmt. »Fuck the EU«, sagte die US-Diplomatin Nuland vor einigen Monaten. Lafontaine tat es nun dieser Frau gleich und schloss sein Statement mit den Worten ab: »Fuck the US-Imperalism«. Bloß dessen deutlicher Hinweis auf Nulands damalige Aussage geht bei den Empörten natürlich unter. Für sie hat Lafontaine sich ohne Not einen Angriff auf einen guten Freund geleistet.

Er war dabei noch äußerst taktvoll. Denn es ist ja nicht nur der US-Imperialismus, dem man das Fuck wünschen kann, sondern auch den politisch Verantwortlichen dieser kleinen Republik, die die imperialistischen Gimmicks des großen Bruders aus Übersee tolerieren und decken. Bis heute haben wir kein klares Wort von der Bundeskanzlerin zur NSA-Geschichte erhalten. Man weiß, dass das Bundeskanzlerinnenamt seit Jahren darüber im Bilde war. Reaktion bislang: Keine. Aussicht auf Reaktion: Weniger als keine. Man nimmt es nicht nur hin, dass ein fremder Geheimdienst die Privatsphäre und die Bürgerrechte der Menschen hierzulande ignorierte - man deckt die ganze Praxis auch noch und geht zur Tagesordnung über und berichtet, wie die nette Frau Kindern in einer Kita Märchen vorliest. Wenn es nicht mehr weitergeht, dann setzt man sich Knirpse auf den Schoß und sieht nett aus. Gleichwohl gibt man nebenher im Namen der US-Außenpolitik den Agent Provocateur in der Ukraine-Angelegenheit und nimmt in Kauf, dass Kinder aus ukrainischen Kindergärten immer mehr Kriegstraumata erleiden.

Nein, wer uns wirklich und als hiesiger Stellvertreter des US-Imperalismus fickt, dass ist diese Bundeskanzlerin. Sie tut es, wenn sie so tut, als wisse sie von nichts. Wenn sie schweigt. Wenn sie Agentenpraxen hinnimmt. Wenn sie Snowden abweist. Wenn sie Anfragen kleinhalten oder am langen Arm verhungern lässt. Und wenn man ganz ehrlich ist, dann müssen wir ja nicht gleich beim ganzen Imperialismus der Vereinigten Staaten anfangen, sondern sollten vor unserer eigenen Haustüre beginnen und »Fuck the Bundeskanzlerin« rufen. Fuck sie und ihre Kamarilla. Sie und ihre politische Praxis. Sie und dieser Stil aus Sedativa und Unschuldslämmerei.

Eines ist wieder mal deutlich geworden in diesem Deutschland: Es ist schlimm und verwerflich, wenn jemand »Fuck the US-Imperialism« sagt - wenn aber eine Kanzlerin »Fuck the Bürger« als Motto ihrer Agenda führt, dann ist es billig und recht. Das mit der Merkel war von Anfang an einfach nicht gefickt eingeschädelt.

10 Kommentare:

André Tautenhahn 24. Juni 2015 um 07:04  

»Fuck the Bürger« würde die Kanzlerin natürlich nie öffentlich, wahrscheinlich auch nicht in heimlich mitgeschnittenen Gesprächen sagen. Das ist einfach nicht ihr Duktus. ;-)

Lutz Hausstein 24. Juni 2015 um 07:45  

Ich kann es auch nicht verstehen, dass die sich so haben. Dabei sollten sie doch darüber glücklich sein.

Wer so unterarmtief im Anus seines Großen Bruders steckt, dem sollten doch die Augen überquellen vor Begeisterung, mit einem Fuck sogar noch ein bisschen tiefer hineingetrieben zu werden. Noch ein bisschen näher ans gelobte Land. Da - es ist schon ein Licht zu sehen. Ist es das Licht am Ende des (Darm-)Tunnels? Oder ist es das weiße Licht?

Anonym 24. Juni 2015 um 12:11  

ANMERKER MEINT:
Eine solide Anal yse der bundesrepublikanischen Wirklichkeit. Ein wenig erinnert mich die derzeit gelebte Konformität in unserem Land an die "Formierte Gesellschaft" zu Zeiten Ludwig Ehrhardts. Genau wie damals ist es deshalb wichtig Tabus zu brechen,verknöchertes Gehabe und Denken in Frage zu stellen und zu tun, was richtig und notwendig ist, z.B. denen gegenüber "Fuck" zu sagen, die mit einer derartigen Arroganz die Welt zu ihrem Eigentum erklären, dass einem das Kotzen kommen kann. Ihre "Mitspieler", wie ja solche Mitverbrecher euphemistisch genannt werden, dürfen ebenfalls nicht ungenannt bleiben - immer und immer wieder. Sysophosarbeit wie diese fällt nicht vom Himmel, sie muss immer wieder erbracht werden. Dafür Danke, Roberto!
MEINT ANMERKER

Anonym 24. Juni 2015 um 18:29  

Darf ich anmerkeln, dass es die Kanzlerin als damalige Oppositionsfüherin war, die Bush II willfährig beim Irak-Krieg unterstützt hat. Selbstverständlich muckt so eine Dame auch nicht gegen die Obama-Stasi auf.

Die Dame bedient die Interessen der Machthaber.
Uns, dem Volk, schadet sie.

Eine Frekelei.

Anonym 24. Juni 2015 um 18:51  

Mein lieber Roberto,

was erwartest Du denn, von einer Person, die sich, als Weltgeschichte geschrieben wurde, im schwülen Dampf einer Sauna pfläzte... Dixit!

Wintermärchen 24. Juni 2015 um 19:52  

Manchmal frage ich mich, ob diese wahnsinnigen Kriegstreiber einen anderen Stern gefunden haben, auf dem sie leben können, denn dieses brandgefährlich Treiben kann doch ernsthaft kein gesunder Mensch wollen.

Anonym 25. Juni 2015 um 21:42  

Krisenkanzlerin?
Nein, Merkel selbst ist die Krise.

Verkörpert im Duktus einer schwäbischen Hausfrau,
neoliberal auftretend und beraten,
ohne Alternativen,

die es natürlich immer gibt.

Merkel und ihr Vorgänger im Kanzleramt (he,he,he) haben den Karren in den Dreck gefahren.

Ausbaden sollen es jetzt die Griechen.
Dabei wird es nicht bleiben.
Wir alle werden unter dieser verantwortungslosen Politik(marktkonforme Demokratur) zu leiden haben.
Merkel schadet uns allen.

http://www.project-syndicate.org/commentary/greece-endgame-eurozone-default-by-jeffrey-d-sachs-2015-06/german

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/europa-sand-im-getriebe-1.2532119

Anonym 25. Juni 2015 um 21:58  

Demokratie wird eben zur Diktatur - hat schon Platon in "Der Staat" geschrieben.

Im Dialog zwischen Sokrates und Adimantes - und Sunzi ... auch lesenswert, um die Methoden der Machtausübung zu erkennen.

Wie "fragte" Pelzig so richtig - warum werden die "Reichen" in Deutschland "Leistungsträger" und sonst zum Beispiel in Russland "Oligarchen" genannt.

Die "Leistungsträger" halten sich ihre Marionetten, müssen nicht selber die Drecksarbeit machen ... in gewissen Staaten. In Staaten, in denen das Volk noch nicht so sehr "Politikverdrossen" ist, müssen die Oligarchen, äh, Leistungsträger, eben noch selber die Macht ergreifen, damit die noch eine gewisse Zeit ihren "Gewinn" einstreichen können.

Schade - Besen, Besen, seid´s gewesen ... funktioniert leider nicht, sind zu viele die in den Parlamenten sitzen, und das Peter-Prinzip belegen.


Anonym 26. Juni 2015 um 11:32  

...."Fuck the Kanzlerin"......lach...da muss man aber ´nen extrem schlechten Geschmack haben....

Anonym 7. Juli 2015 um 16:09  

Fuck the Kanzlerin ist nur Teil des Notwendigen (Grauens)!
Fuck the EU, müsste wohl die Konsequenz schlechthin sein,
wenn man dann schon diese Gossensprache aufgreifen möchte.
Und wenn wir den ganzen über die Welt hereinbrechenden Amerikanismus
auch noch 'ficken', könnten wir uns vielleicht auf diese Weise endlich von
diesem Übel befreien!

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