Die Entente is sischaa

Samstag, 6. Dezember 2014

Ich weiß nicht, ist das nun Mut, Dummheit, Gewitztheit oder Respektlosigkeit, was sich diese Kamarilla da so leistet? Der eine reißt Gedenkveranstaltungen zum Weltkrieg an sich, um für Militäreinsätze zu werben. Und die andere tritt beim Geburtstag der Rentenversicherung auf, nur um zu räsonieren, dass die Rente nichts mehr taugt. Wenn diese Jubiläums-Crasher wenigstens Spaßguerilla wären ... Warum die Rente nichts mehr taugt, hat sie übrigens zu erwähnen vergessen.

Sie taugt nämlich nichts mehr, weil Leute wie Merkel behaupten, dass sie nichts mehr taugt. Seit Jahren. Die letzten vier Regierungen haben alles dafür getan, dass sie nichts mehr taugt. Sie haben das Vertrauen in das Umlageverfahren mit allen Mitteln untergraben. Blüm erklärt schon seit vielen Jahren, dass der Vertrauensbruch gewollt ist. Jetzt hat er es abermals gesagt, aber die Zeitungen machen daraus nur eine Nachricht nach der Art: »Jetzt hats der Alte endlich auch kapiert. Von wegen die Rente is sischaa!« Als er den Spruch im Arbeitsschurz an eine Litfaßsäule klebte, wusste er schon, dass sie es nur ist, wenn das Vertrauen stimmt. Deswegen ja die ganze Aktion. Denn ohne Vertrauen geht nichts. Keine Rente, keine Versicherung, kein Währungssystem. Ehen mögen zwar ohne auskommen. Volkswirtschaften allerdings nicht. Der Alte hat es also nicht etwa endlich kapiert, er sagt nur, was er immer schon gesagt hat und wovor er als Arbeitsminister noch warnte.

Tja, aber zu Herzen genommen hat man sich Blüms Worte nie. Vergrault haben sie ihn. Und deswegen kommt die Kanzlerin auf die Bühne und sagt, die Rentenversicherung taugt nichts mehr. Und kriegt Applaus. Sie sagte, sie nütze nur noch ein bisschen, wenn man sie privat ergänzt. Diese Ewiggestrige hat noch immer nicht kapiert, dass die Riester-Rente ein Platscher in die Kloschüssel war, ein völlig unlogisches und kostenintensives Konzept, von dem nur die private Versicherungsbranche profitierte. Selbst die einst reformwütigen Mittelschichten haben doch heute begriffen, dass Privatisierungen nichts außer Scherereien bringen. Das Vertrauen, das die politischen Entscheider seit vielen Jahren in die Altersvorsorgezulagen der Riester-Rente schießen, sollten sie lieber rein auf die Umlagefinanzierung verlagern. Das dürfte günstiger und nachhaltiger sein. Dass Finanzprodukte nicht im luftleeren Raum hängen und daher sicherer seien, hat die Finanzkrise doch als Seemannsgarn entkräftet. Gelernt haben sie nichts. Die Entente aus Finanz und Politik is sischaa.

Aber nein, diese Frau muss ja lieber frech aufs Podium steigen und das Geburtstagskind mit Torte bewerfen. Das nennt man dann heutzutage »unbequem sein«. Wir leisten uns eine ganze Menge solcher Typen, die sich unbequem durchs Leben schmarotzen. Das ist aber eine andere Sache, darüber bald mal mehr. Es ist doch so: Die Lebenserwartung steigt ja nach wie vor. Jedenfalls für die Gutbetuchten. Bei Arbeitslosen, prekär Beschäftigten und Malochern stagniert die Lebenserwartung schon lange. Oder geht zurück. Merkel aber kommt aus der Schicht derer, die älter werden können. Und keine Rente nötig haben. Wenn sie in einigen Jahren ihren 125. Geburtstag feiert, dann trete ich auf und sage laut, dass diese Frau nichts taugt. Ich crashe den müden Verein. Dann bin ich auch mal unbequem. So respektvoll macht man das heute. Den Kuchen lasse ich mir einpacken ...

8 Kommentare:

Braman 6. Dezember 2014 um 12:56  

Dazu ist doch noch zu bemerken, warum eigentlich nur bei der GRV das Umlagesystem madig gemacht wird, nicht aber bei den ständischen RVs für Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte usw.
Auch die Pensionen bleiben beim Umlagesystem, sie werden ja aus den laufenden Steuereinnahmen bezahlt, genau so, wie die Ruhegehälter der (meisten) Abgeordneten und Minister.
Diese Altersruhegelder werden bei ALLEN Rentendebatten verschwiegen.
Warum nur??

MfG: M.B.

maguscarolus 6. Dezember 2014 um 15:59  

In dem Zitat "Halt' du sie dumm, ich halt' sie arm" kann die Rolle des Dummhalters mittlerweile getrost den "Eliten" aus Politik und Medien übertragen werden. Der Pfaffe wird dafür nicht mehr gebraucht.

Anonym 6. Dezember 2014 um 18:01  

Bravo! Es st zum heulen, was die Politiker aus der Rente gemacht haben. Sie selbst haben ja im Alter dann keine finanziellen Sorgen, weil sie u.a. das Lied der privaten "Selbstversorger" kräftig mitgesungen haben.

André Tautenhahn 7. Dezember 2014 um 09:01  

Auch das sogenannte Kapitaldeckungsverfahren funktioniert nur durch Umlage. Es gibt nunmal in jeder Generation Beitrags- oder Prämienzahler und Leistungsempfänger. Die private Rente ist da keine Ausnahme, versucht aber einen personalisierten Kapitalstock vorzugaukeln, von dem man in der Zukunft profitieren könnte.

Stefan Becker 7. Dezember 2014 um 14:14  

Es ist ist wie immer und ein Jammer: Betrüger und Scharlatane verdienen mit dem Schüren von Angst und Misstrauen ihr Geld. Seit über 10 Jahren kämpfen, insbesondere die Nachdenkseiten, einen offenbar hoffnungslosen Kampf für die umlagefinanzierte Rente, darum möchte ich hier bei Roberto noch mal auf die Unterstützungswürdigkeit der Nachdenkseiten auf folgenden Link hinweisen : http://www.nachdenkseiten.de/?p=24133

Roberto De Lapuente 7. Dezember 2014 um 16:18  

Ich möchte mich Stefan anschließen. Die NachDenkSeiten sind wichtig.

nightowl 9. Dezember 2014 um 18:02  

@1: Damit nicht aufmerksamer betrachtet wird, dass die Höhe der Pensionen ungefähr dort anfängt, wo die der Renten aufhört.

@5: Nicht nur Betrüger und Scharlatane, sondern vor allem die Versicherungsbranche. Was ja der Sinn der Verunsicherung ist. :)

Stefan Becker 11. Dezember 2014 um 11:04  

@nighthowl
Betrüger und Scharlatane sind Synonyme für Banker und Versicherer ;) Wohl nicht verstanden ?

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