Kurz kommentiert

Dienstag, 5. August 2014

»Dass die Ebola-Epidemie in Westafrika schon mehr als 730 Tote gefordert hat, haben sich die Verantwortlichen in den Ländern auch selbst zuzuschreiben.«
- Peter-Philipp Schmitt, Frankfurter Allgemeine am 1. August 2014 -
Zum Gesagten sei angemerkt: Meine Güte muss es das Blatt des deutschen Konservatismus nötig haben, das deutsche Gesundheitswesen mit den medizinischen Katastrophen in »Liberia, Guinea, Sierra Leone, aber auch [den] ›klassischen‹ Ebola-Ländern Kongo und Uganda« vergleichen zu wollen. Gegenüber Ländern, die ökonomisch nicht in der Lage sind, eine Infektionskrankheit in den Griff zu bekommen, kann man glänzen und natürlich ein wenig überheblich sein. Schmitts kurze Analyse ist Balsam für die Seele aufgeklärter Konservativer aus dem Westen. Wenn er so tut, als sei in den genannten Ländern Informationspolitik die halbe Miete im Kampf gegen Ebola und ähnliche Krankheiten, dann ist er zwar einseitig, aber genau das liest man bei der »Frankfurter Allgemeinen« besonders gerne.

Das mit der Informierung ist natürlich überzogener Unsinn, der nicht die Wurzel der Probleme ist, sondern der Ablenkung von ihnen gilt. Mal von der Tatsache abgesehen, dass Informationen in den genannten Ländern nicht einfach über Massenmedien kommunizierbar sind. Aufklärung ist ein Zustand, der in ökonomisch gesünderen Gesellschaft funktionieren kann. Dort wo Armut, Hunger und informative Mittellosigkeit herrschen, ist sie als Empfehlung nichts weiter als Arroganz. Aber so begegnet der Westen diesen Entwicklungsländern ohnehin am liebsten.

Man darf bei aller Sorge ja nicht vergessen, dass diese Länder eben nicht unabhängig die Versorgung ihrer Bürger unterlassen. Sie sind freilich nicht unschuldig - aber sie tun es eben auch, weil die Mittel fehlen und weil die Erträge für etwaige Ressourcen in die Industrieländer abwandern. Westliche Konzerne leiten ihren Unrat aus der Kautschukproduktion in Liberias Abwässer und Menschen erkranken. Ist das medizinische Problem also rein hausgemacht? Wollen die westlichen Profiteure auch hier eine gute Informationspolitik verwirklicht sehen? Ähnlich sieht es bei der Ausbeutung der Rohstoffe in Sierra Leone aus.

Nein, so einfach wie Schmitt kann man es sich nicht machen. Aber gut, wahrscheinlich diente das Bashing afrikanischer Entwicklungsländer auch eher dazu, die konservative Seele zu streicheln. Denn so ist Ebola nur deshalb in der Welt, weil Afrikaner keine Aufklärung betreiben. Selbst schuld. Ach, wie gut wir es doch bei uns haben.

4 Kommentare:

Anonym 5. August 2014 um 08:06  

http://www.sozialismus.info/2014/08/ebola-seuche-profitsystem-toetet/

Nina Tabai 5. August 2014 um 13:55  

Diese Westafrikaner aber auch! Haben Geld für Panzerfäuste und Maschinengewehre, aber nicht für Ärzte und Krankenhäuser.

Wer liefert ihnen eigentlich diese Waffen?

1. Vereinigte Staaten
2. Italien
3. Deutschland
4. Brasilien
5. Österreich
6. Japan
7. Schweiz
8. Russland
9. Frankreich
10. Südkorea

So ein bischen Instabilität und Bürgerkrieg ist doch noch immer gut für's Geschäft und sichert ein paar Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie dahoam, wie Drehhofer erst vor ein paar Tagen wieder betonte.

Anonym 5. August 2014 um 14:46  

Da hat man wieder diese verquere Logik... Der Staat, der am Gesundheitssystem spart, der soll keine Waffen kaufen dürfen? Wer etwas mehr für's Gesundheitssystem tut, der hat sich die Waffen eher verdient? Nina?

Nina Tabai 5. August 2014 um 16:05  

Mir ist schleierhaft, wie Du diesen Schluss aus meinem Beitrag ziehst.

Der Punkt ist, dass die Industrieländer eine erhebliche Verantwortung für die Instabilität der Staaten tragen, in denen Ebola gerade wütet. Wer Verbrechern die Waffen in die Hände legt, trägt eine Mitschuld an deren Verbrechen. Im Strafrecht ist das Beihilfe. Würde das Völkerrecht nach derselben Logik funktionieren, Deutschland wäre einer der Hauptangeklagten.

Es ist natürlich bequemer, wie die FAZ es tut, alle Verantwortung auf die Unfähigkeit und Korruption der lokalen Eliten dort zu schieben. Das ist nicht falsch, erfasst aber nur einen Teilaspekt und ist damit auch nicht geeignet, den Zustand dieser failed states zu erklären.

Afrika ist und bleibt die Müllhalde und Rohstoffquelle der Industrieländer. Instabile Staaten lassen sich günstiger ausbeuten. Die Ebolatoten sind nur ein weiteres Ergebnis diese globalen kapitalistischen Systems, darin unterscheiden sie sich nicht von den Arbeitern mit Krebslunge in den französichen Uranwerken in Mali, oder den Kindern, welche in Ghana unsere weggeworfenen Iphones und Macs auseinanderfieseln und darüber krank werden.

Mit solchen unangenehmen, die eigene Lebensweise und das eigene Konsumverhalten berührenden Details, will man bei der FAZ die Leserschaft allerdings nicht beunruhigen.

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