Lösch deinen Account und hör auf den Hofnarren zu spielen!

Samstag, 12. April 2014

Ich werde euch keinen Namen nennen. Nicht jetzt und nicht auf Nachfrage. Das geschieht aus Loyalität. Was ich sagen will, kann auch namenlos gesagt werden.

Boethius prägte in seinem »Trost der Philosophie« ein Zitat, das mir neuerdings immer einfällt, wenn ich bei dieser hier namenlosen Person in der Facebook-Pinnwand stochere: »Si tacuisses, philosophus mansisses.« (»Wenn du geschwiegen hättest, wärst du Philosoph geblieben.«) Facebook und Konsorten bedeuten viel in diesen Tagen. In der Serie #Aufschrei der Dummheit schreibe ich manchmal davon. Über Klick-Aktivisten, Banalisierung und asoziale Vernetzung gibt es einiges zu berichten. Eines kommt dieser Tage für mich und sicher auch für andere noch hinzu: Es gibt Leute, die wir Linken verehrt, die wir als Koryphäen des linken politischen Spektrums geachtet haben, und die sich just in dem Moment entzaubert haben, da sie via Facebook in unser tägliches Leben traten. Als Figuren in den alten Medien flößten sie uns Respekt ein - in der Echtzeit der Social Media jedoch enttäuschen sie uns.

Mir geht es vor allem um eine Person. Was habe ich ihre Bücher geliebt. Sie verschlungen. Neue Bücher sofort erstanden. Auch damals, als mir der Regelsatz kaum Spielräume für Buchkäufe ließ. Ich sah sie in politischen Talkshows. Bei Plasberg, Illner und Maischberger, später auch bei Lanz und im österreichischen Fernsehen. Sie machte meist eine gute Figur. War beredt, frech und hatte Fakten und Argumente zur Hand. Diese charmante Unmanierlichkeit gefiehl mir immer sehr an ihr. Ihre Meinung war fast immer meine Meinung. Wie sie den Gauck in einer dieser Talkshows kritisierte! Mit welcher Verve! Diese Lebhaftigkeit mochte ich an ihr. Vor Jahren saß die Person mal mit einigen Frauen (unter anderem Nina Hagen) zusammen in einer Runde. Es ging um den alten Traum der Feministinnen: Eine Frau an der Macht. Und damals kam in Deutschland gerade eine Frau dorthin. Sie ist es bis heute geblieben. Sie aber sagte, das Weibliche sei kein Kriterium. Da müsse schon mehr kommen. Dann wedelte sie einfach weiter unbeeindruckt mit einem Fächer vor sich hin.

Lange ist sie schon dabei. In den letzten zehn, zwölf Jahren kam sie mir näher, obwohl sie schon Jahre vor meiner Politisierung politisch war. Sie blieb es bis heute - wenn auch im kleineren Rahmen. Sie blieb gefragt. Man wollte wissen: »Wie war das damals mit der Parteigründung, an der sie beteiligt war? Und wie sehen sie die Partei heute?« Man holte ihre Meinung ein. Für die Konservativen, damit sie was zum Pikiertsein hatten - bei uns Linken, weil sie was zu sagen hatte. Und was sie zu sagen hatte! Soziologisch betrachtet war sie richtig gut. Ist sie es bis heute noch. Sie kritisiert den Kapitalismus angemessen. Vielleicht manchmal zu polemisch. Aber verdammt, das muss gelegentlich sein in Zeiten, da man Aufmerksamkeit nur noch erlangt, wenn man aus der grauen Masse heraussticht.

Und dann landete diese Person, deren Namen ich hier und heute nicht nenne, bei Facebook. Sie könne sich nicht mehr verweigern, schrieb sie. Über diese These kann man streiten. Ich freilich nicht - bin ja selbst dabei. Bin nicht glaubwürdig. Aber dort ist sicher nicht alles schlecht. Aber darum geht es ja gar nicht.

Anfangs empfahl sie noch ihre Bücher und meldete, dass sie heute da und morgen dort sei oder bei irgendeiner Pappnase im Studio saß, dem Mainstream Paroli bot. Irgendwann entdeckte sie, dass sie ihre »Freunde« auch agitieren konnte und fing an zu erziehen. »Lest den nicht!« und »Der ist antisemitisch!« las man bei ihr. »Das ist faschistoid!« Sie wusste, was man lesen soll und wovon man die Finger lassen sollte. Manchmal war das berechtigt - manchmal haltlos oder einfach nur einem Bauchgefühl geschuldet. Sie hat es geschafft Leute als Antisemiten zu bezeichnen, eine Erklärung zu liefern und trotzdem nichts Konkretes gesagt zu haben. Sie honorierte auch Texte anderer Schreiber, in denen Kaffeesatz gelesen wird und die zum Beispiel erklären, dass »Ostküste« ein rechtes Chiffre für »internationales Finanzjudentum« sei. Man kann es auch übertreiben! Natürlich war sie dann auch gegen »Occupy«, weil diese Bewegung Fehler in ihrer Argumentation hatte. »Occupy« war für sie wohl nicht zu hundert Prozent mit den richtigen Parolen durchgetaktet. Die »Bildzeitung«, die sie verachtet, sah das sicher nicht viel anders.

Zuletzt erzog sie ihre »Freunde« dazu, diese neuen »Montagsdemos« und ihre Macher zu ächten. Esoterisch und neurechts seien sie. Das mit der Esoterik klingt bei manchen dort tatsächlich ein wenig danach. Aber die Sozialdemokratie beschwört seit Jahren esoterisch eine Wahrnehmung ihrer Partei, die nur sie selbst von sich hat. Ohne Eso-Gequatsche geht es heute vermutlich gar nicht mehr. Und seien wir ehrlich, mancher von »Die Linke« klingt hin und wieder auch wie einer aus »Astro-TV«. Von dieser Esoterik spannt sie den Bogen zur Barbarei. Vielleicht nicht ganz unberechtigt. Teilweise klingen ihre Einwürfe aber arg konstruiert. Deswegen müssen sie aber nicht grundsätzlich falsch sein. Sie klingen trotzdem leicht paranoid.

Wenn es nur um ihre Kritik gegangen wäre, könnte man damit leben. Ich bin da auch kritisch. Doch dabei ließ sie es ja nicht bewenden. Die Person fing an Empfehlungen auszusprechen, wen man zu »entfreunden« habe, um auch weiterhin als aufrechter Mensch durchs Leben gehen zu können. Und wer nicht spurte, den »entfreundete« sie. Schließlich wollte sie ja rein bleiben. Mein Gott, Deutschland, bist du und die deinen nur als Erzieher und Blockwart denkbar? Selbst die Linken geben sich bei dir und in dir als spießige Lehrmeister. Entspannt geht es wohl nicht? Ich schrieb vor langem schon von der »Unmöglichkeit reinen Lebens« - seht das doch endlich ein, ihr Linken in Deutschland. Entkrampft euch, der Mensch ist fehlbar und lebt in der Zwiespältigkeit, in der Diskrepanz wie es sein soll und wie es letztlich ist. Jeder von uns hat Punkte, in der er sich unglaubhaft macht. In der linke Theorie mit kapitalistischer Wirklichkeit kollidiert. Und jeder von uns kennt in seinem Umfeld Leute, die politisch fadenscheinig bis semi-kriminell sind und reißt ihnen deshalb noch lange nicht den Kopf ab, sondern versucht mit ihnen irgendwie auszukommen. Jedenfalls bis zu einer bestimmten Grenze. Das ist auch eine Frage des Stils.

Ich lese den von der Person abgewickelten Unsinn, den Erziehungsterror, die totalitäre Gesinnungsprüfung und sage nur leise vor mich hin: »Schweig und sei weise. Hör auf, ich will dich weiter respektieren können; dich nicht als fanatischen Savonarola in Gedanken tragen müssen.« Aber ich befürchte, es ist zu spät. Für mich und meine Gedanken. Und für sie. Da kommt sie nicht mehr raus. Sie hat sich entzaubert. Ihr Mysterium ist entschlüsselt. Ihre Aura dechiffriert. Ihr Nimbus entschleiert. Ohne Facebook hätte sie weiterhin geschwiegen und klüger ausgesehen. Wie ein satter Buddha hätte sie gethront. Wie ein Philosophenkönig. Jetzt wirkt sie nur wie der Hofnarr, der zu Füßen dieses Königs sitzt. Sei so gut, lösch' deinen Facebook-Account und werd' wieder philosophisch. Es fühlte sich viel besser an, als man nur selten was von dir vernahm. Sich rar machen: Das stand dir so ausgesprochen gut. Viele Intellektuelle haben es genau so gemacht. Nur reden, wenn man was gefragt wird, haben sie sich als Motto gegeben. Und auch dann nur knapp antworten. So bleibt man jemand mit Aura. Wenn man aber erst merkt, dass das Vorbild nicht nur ein Mensch, sondern auch noch ein Stinkstiefel ist, dann verpufft die Aura wie ein Tropfen Wasser in heißem Öl.

Ich bleibe loyal. Nenne deinen Namen nicht. Als Reminiszenz. Weil es immer so gut war, dich zu lesen. Ich merke mir dich als Namen auf Büchern. Ich rede mir ein, dass die Person, die deinen Namen trägt, gar nichts mit dir zu tun hat. Vielleicht bist du nur ein fehlgeleiteter Algorithmus von Facebook, ein Streich, den mir dieses beschissene Social Media spielt und in Wirklichkeit bist du doch der Menschenfreund und Philosoph, den ich mir immer vorgestellt habe. Wenn du dich schon vom Sockel wirfst, stemme ich mich wie ein Sisyphos dagegen.


28 Kommentare:

Braman 12. April 2014 um 10:18  

Niemand ist perfekt (außer mir vielleicht?)

MfG: M.B.

MKM 12. April 2014 um 10:31  

Du hast es schon geschafft.
Der von Dir angesprochene Account ist auf Facebook gesperrt.

Roberto De Lapuente 12. April 2014 um 10:31  

Ganz meine Rede. Und deshalb sollte man nicht die Perfektion vom Lande geben und als Erzieher fungieren.

Anonym 12. April 2014 um 11:20  

Mon cher ami,

Du hast mein Samstagmorgen bereichert. Es sei dir dafür gedankt.

Anhänger des 04.08.1789

Sledgehammer 12. April 2014 um 11:37  

Zuviel Öffnung macht nackt, nimmt dir die (schützenden) Kleider!

nebewlind 12. April 2014 um 11:48  

Tja, irgendwie steh ich genau dazwischen. Ich finde deinen Beitrag gut, Roberto, ich finde die deutsche Linke auch zu unentspannt und leider oft sehr rechthaberisch. Aber, nun ja, warum sollten die Linken in diesem Land so völlig anders sein als alle anderen... :-)

Ich verstehe es aber auch, wenn jemand vor der Berührung mit den Neurechten zurückzuckt. Es ist nur so schwierig, den genauen Punkt zu finden, wo man die Grenze ziehen soll. Das hat ja bei fb auch der Kommentator Sultan Dose gut gesagt:
"Wenn man die Grenze bei (auch virtuellen) Unterstützern einer verschwörungstheoretischen, antisemitischen, nach Volksgemeinschaft gegen "die da oben" strebenden Bewegung nicht ziehen will, wo soll man sie dann überhaupt noch ziehen?"

Ja, wo soll man. Ich fürchte, beide Lager werden nur schwer Frieden schließen können.

Ich bin ja derselbe Jahrgang wie unsere Freundin. 1951 war eben nur sechs Jahre nach dem Krieg, und die Faschisten waren noch unter uns. Wir sind mit denen aufgewachsen und hatten alle Mühe, gegen diesen schrecklichen Gesinnungsmuff anzukämpfen. (Nun, in meinem unmittelbaren Umfeld war es nicht ganz so schlimm, da ich aus einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie stamme. Wir waren nie so spießig wie unsere Umgebung.)

Es ist wohl wirklich so, dass manche von uns Älteren unentspannt allergisch auf Rechte reagieren. Wir waren näher dran, wir mussten strampeln, um sie einigermaßen loszuwerden. Und jetzt schleichen die sich heimlich wieder rein!!

Später Geborene hatten da schon etwas mehr Luft. Das hing natürlich auch damit zusammen, dass die alten Nazis langsam ausstarben, aber es ist auch ein Ergebnis der Achtundsechziger-Bewegung.

Damit soll überhaupt nicht gesagt sein, dass Jüngere keine Ahnung hätten! Versteh mich bitte nicht so. Gerade auf dem Gebiet des Faschismus – wir alle müssen nicht selbst dabei gewesen sein, um genug zu wissen.

Ich hab mir Video-Vorträge von diesem Ken im Internet angesehen, und mein seit 45 Jahren gestählter politischer Instinkt hat Alarm geschlagen. Der sagt viele Dinge, die man arglos unterschreiben kann, trotzdem trau ich dem Typen keinen Zentimeter über den Weg. Warum muss er immer irgendwie Israel erwähnen, selbst wenn er über die Ukraine-Krise redet??

Die Frage ist wohl: Wie sollen wir mit den Friedensdemos umgehen? Sie werden von Rechten unterwandert, aber die meisten Leute, die demonstrieren, sind keine Rechten. Lassen sie sich verführen? Merken sie nicht, dass sie da Faschisten auf den Leim gehen, weil diese Neurechten sich nicht wie "Nazis" aufführen? Wie groß ist die Gefahr, dass ganz normale Leute von diesen Neurechten beeinflusst werden? Was wird aus dem Wunsch nach Frieden, wenn er von solchen dubiosen Typen angeführt wird – kann das überhaupt letztlich zum Erfolg führen?

Da sagen die einen: Kann es nicht. Die Anderen: Welche Chance hätten wir denn sonst, wo doch der Westen so deutlich auf Konfrontationskurs zu Russland fährt. Sollen wir nun dazu schweigen, bloß wegen diesem Ken und seinen Kumpels?

Fällt jemandem ein Weg ein, wie man das Wissen um die neurechte Szene unter die Leute bringt, so dass alle demonstrieren können, ohne auf die Querfront hereinzufallen?

Meine Güte. Ich hätte früher nie gedacht, dass die Faschos so flächendeckend über ganz Europa wieder auferstehen und ein solches Problem werden! Wo man hinguckt. Ja, es ist ein Ergebnis der Verarmungspolitik. Nun glauben diese Trottel von Wählern, ausgerechnet die Rechten würden nicht mit den Konzernen zusammenarbeiten, die ihren Klassenkampf von oben führen. Nix gelernt aus der Vergangenheit. Es ist zum Heulen.

Hm. Jetzt weiß ich doch nicht mehr, ob ich irgendetwas zur Erhellung beigetrage habe. :-)

nebelwind 12. April 2014 um 11:55  

Ups, das kommt, wenn man hinterher im fertigen Text herumpfuscht! Als ich von den beiden Lagern schrieb, die schwer Frieden schließen, meinte ich nicht die Neurechten und uns, sondern die Kontroverse auf facebook. Das schnell zur Klärung.

Anonym 12. April 2014 um 13:43  

Na ja, ich stimme Dir ja voll und ganz zu, aber ein Schnellmerker scheinst du wirklich nicht zu sein! Das war doch immer schon so bei der.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass das eine ihr wohl nicht bewusste Folge ihrer Prägung in Adelskreisen ist. Sie ist quasi der personifizierte "leuchtende Schatten", der zwar selber auch nur in einer 20-Mann Partei a la "Judäischer Volksfront" vor sich hin knöselt und NICHTS auf die Reihe bekommt, aber natürlich problemlos und en passant die Meinungen und Standpunkte anderer Leute zu falsifizieren vermag...

Barbara Hampf 12. April 2014 um 14:48  

Ach Robert, ich hab schon bei den ersten Sätzen gewußt wer gemeint ist.
Ich war genauso überrascht als ich mehr von ihr hörte. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt. Und trotzdem geh ich zur Demo am Montag in Berlin. Das erste mal. Der Andy Popp (od. wie er heißt) soll sprechen. Vor diesem wird ja auch immer gewarnt. Aber ich will mir, wie immer, meine eigene Meinung bilden! Bleib kritisch!

Anonym 12. April 2014 um 18:12  

Der obere Text spricht mir aus der Seele. Ich könnte jedes Wort unterschreiben. Ein solch überzogenes, unsachlich aggressives aufteten hätte ich von Jutta in diesem Zusammenhang, niemals erwartet. Erst dachte ich, das ganze ist ein schlechter Scherz, bis ich merkte, die Dame ist überhaupt nicht mehr zu beruhigen. Krass! Ganz besonders kindisch und lächerlich fand ich dann, ihre Aufrufe an Ihre Freunde, den oder jenen zu entfremden, weil Madamme der Meinung war, es handle sich bei gewissen Personen um Holoucoust leugnende Obernazis!!?? Da kam ich mir plötzlich wie in der Grundschule vor: "Wenn Du mit Elly oder Susi spielst, bist Du nie mehr meine Freundin und ich werde nie mehr mit Dir spielen, etche, betche :-D Nun hat mich meine einst von mir viel bewundert und geachtete gute Freundin Jutta, ebenfalls entfreundet :-( Ich bin untröstlich

12. April 2014 18:08

Anonym 12. April 2014 um 20:46  

Kann nur soviel sagen: Alles was diese Person über die 'Friedenbewegung' geschrieben hat, war gerechtfertigt.

redlope 12. April 2014 um 23:45  

Ich denke, es geht um dieselbe Person, die auch mich gerade schwer enttäuscht hat.
Auch ich schätzte sie in den vergangenen Jahren. Aber was sie zu den Montangsdemos geschrieben hat, ist unüberlegt und vorurteilsbelastet und eigentlich nur peinlich.

Ich war jetzt auch bei zweien dieser Montagsdemos und da war nichts "Rechtes". Und selbst wenn der eine oder andere Redner nicht ganz koscher sein sollte - Ziel der Demos ist der gerade sehr bedrohte... FRIEDEN!
Keine Zeit für Sandkastenspiele!

Da ist es sehr, sehr wichtig, dass immer mehr und mehr Menschen sich zusammenfinden. Und da ist es mir auch egal, ob da einer neben mir steht, mit dem ich nicht überall derselben Meinung bin.

Aber die superkorrekte Linke stänkert lieber rum, sucht Haare in der Suppe und stellt selber nichts auf die Beine. Man labert und bleibt letztendlich zu Haus.

Ich kann mir gut vorstellen, dass da vielleicht auch der Verfassungsschutz im Spiel ist. Googel "Cointelpro".
So kriegt man eine junge Friedensbewegung, die im Übrigen auch von den Medien total totgeschwiegen wird, ganz schnell kaputt. Spalte und Herrsche. Wer freut sich? Genau, die Kriegstreiber bei Nato und EU.

Was das für ein Licht auf besagte Person wirft, weiß ich nicht.
Wieviele Leute werden aber jetzt wohl am Montag nicht vorm Brandenburger Tor erscheinen, weil sie denken "Pfui, rechte Nazidemo"? Wenn die "Korrekte Linke" ja wenigestens eine Kokurrenzdemo veranstalten würde! Aber nix is.
Schade, sehr schade.
Ich bin am Montag aber auf jeden Fall wieder dabei.

kultgenosse 13. April 2014 um 00:34  

Danke für diesen Beitrag, genau das gleiche denk ich auch täglich. Genauso erstaunlich erschreckend finde ich die regelmäßig 100 Kommentare.

Anonym 13. April 2014 um 09:17  

@ nebewlind

Das Problem mit dem Faschismus ist ein Resultat davon, dass Staat und Gesellschaft schwach sind.
Man mag die Herrschaft der Sovietunion für gut befinden oder auch nicht; allerdings, eines, was sie geschafft haben, ist solcherlei Elemente auf ihren Platz zu verweisen.
Und diese Staaten (auch die anderen Sowjet-Republiken) waren in der Regel starke Staaten - was auch, nehme ich an, für deren Gesellschaften galt.

Es ist als wenn der Gärtner plötzlich nicht mehr seinen Garten pflegt - das Unkraut hat freie Fahrt zum Wachsen.

Die EU - wen sollte die EU auf ihren Platz verweisen? Die ist nur damit beschäftigt, das Vermögen von unten nach oben zu verteilen.
Unkraut interessiert sie nur, so lang ihr eigenes Vermögen auf dem Spiel steht.

Die Nationalstaaten sind genauso wie die EU.

Und die Gesellschaft ist mehr oder minder zersplittert. Allein durch die zeitgenössische Arbeitsmarktagenda (der Arbeit hinterherziehen, Niedriglohn usw.).
Und nebenbei dass diese über Jahrzehnte zur Hilflosigkeit erzogen wurde.

Solch ein geringer Widerstand von oben verdeutlicht niemandem, wo sein Platz in der Gesellschaft ist, wie viel er noch darf und nicht darf.

maguscarolus 13. April 2014 um 09:41  

Wie soll es denn anders sein, wenn jemand sein Auskommen davon hat, dass er Standpunkte besetzt, zu denen hin ihm niemand folgen kann oder will? Von Berufs wegen "dagegen" zu sein ist prinzipiell destruktiv und führt niemals zu einer Synthese.

Schlimm, weil die betreffende Person schon oft sehr klare und richtige Positionen vertrat, dass ich ihre Stimme eigentlich nicht vermissen möchte.

Leider ist nicht zu erwarten, dass sie aus ihrer selbst gewählten Verbiesterung jemals heraus findet.

Roberto De Lapuente 13. April 2014 um 10:14  

Ich möchte klarstellen:
- Das was ich so über die Leute der Montagsdemos gelesen habe, macht mich mehr als skeptisch. Wer das Übel der Welt (des Kapitalismus) auf die USA reduziert und dann noch Israel mit ins Boot nimmt, schafft nationale Feindbilder, die dem Internationalismus des Problems gar nicht angemessen sind.
- Jebsen schreibt für Elsässers "Compact" - das ist suspekt.
- Ich schreibe in dem Text oft, dass die Person richtig liegt mit ihren Eindrücken - aber auch, dass sie an manchen Stellen Kaffeesatz liest. Letzteres hätte sie nicht nötig.
- Für mich kommen diese Demos nicht in Frage. Da tummeln sich sicherlich zu viele Fadenscheinige.
- Gegenstand des Textes ist aber trotzdem die Erziehungshaltung der Person. Sie meint, sie könne mit Bolschaja Tschistka Leute auf Kurs bringen. Die Prüfung der "Freundesverhältnisse" istt infantil und lächerlich.

Manuel Wagner 13. April 2014 um 12:23  

Sehr gut geschrieben Roberto! Nur scheinen, deine Kommentierer, wenn sie von "Neurechten" schreiben, immer noch nicht den Sinn der Montags-Mahnwachen in ganz Deutschland erkannt zu haben. Leute, erst informieren, dann diskutieren!

Anonym 13. April 2014 um 12:53  

@ nebewlind und den vielen Anderen Kommentatoren hier. Und auch dem Robert.

Ich habe mich politisch immer mehr Links gesehen. Nein nicht Antifa, einfach nur mehr Links. Ich habe aber durchaus Freunde, die wirklich sehr Links stehen. Und das ist auch okay.

Manches mal habe ich bewundert,wie engagiert diese Menschen für ihre Meinung und die Rechte anderer eintreten. Manches mal auch den Kopf geschüttelt. Aber im Grunde habe ich immer alles Verstanden.

Ich sehe mich politisch immer noch Links. Und dennoch nehme ich an den Mahnwachen Teil. Ich nehme nicht nur Teil, ich bin in der Orga. Ich habe Lars und viele Andere kennen lernen dürfen.

Ich kann nur sagen, das waren die schönsten Wochen meines Lebens. So viele Herzmenschen und Gefühlsmenschen auf einem Fleck habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt.

Ich kann auch heute, so wie früher schon, die Ängste meiner linken Freunde verstehen. Und auch eure. Treffender als "Nebelwind" kann ich das kaum formulieren. Ob diese Ängste berechtigt sind oder nicht, das lasse ich mal dahingestellt.

Was ich nicht verstehe ist die Art und Weise wie damit umgegangen wird. Das ist fanatisch. Nichts anderes. Damit tut ihr das, was ihr eigentlich so sehr verachtet.

1Und das tut mir in der Seele weh, denn so schaffen viele von euch es ein an sich gutes Weltbild als unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Euer eigenes. Ich bin mir sicher, die Quittung für dieses Verhalten bekommt ihr vielerlei schon zu spüren. Menschen distanzieren sich nicht nur von uns der Tage, sondern auch von Euch.

Was haben wir also erreicht bisher?

Vielleicht gibt es Leute unter den tausenden der Friedensbewegung deren Ansichten nicht in jedem Punkt mit einer sehr Linken Weltanschauung konform gehen. Das tun sie nie, wenn man persönlich nicht auch ganz links außen steht.

Nebelwind hat gefragt "Wie gehen wir damit um?"

Die Antwort möchte ich euch gerne geben:
Kommt und macht mit. Bietet euch als Redner an. Bringt euch in der Orga ein und entscheidet mit, was in den einzelnen Städten passiert. Gestaltet es.

Nutzt die Friedensbewegung um eure Vorstellung von Frieden zu untermauern. Bildet ein Gegengewicht zu anderen Ansichten innerhalb der Bewegung.

DAS ist ein friedlicher und guter Weg. Ich müsst es nicht kaputt machen, ihr müsst es selbst gestalten.

Das Einzige was ihr nicht tun dürft ist, euch hinstellen und sagen "Ich und meine Meinung, das ist die einzige Wahrheit, der einzige Weg" und dabei rote Die Linke Fähnchen schwenken. Das verbitten wir uns auch von jeder anderen politischen Richtung.

Es ist noch nicht zu spät Hand in Hand zu arbeiten. Wenn ihr diesen Schritt wagt, muss euch nur eines klar sein: In den letzten Wochen haben viele von euch, euer Ansehen bei uns beschädigt. Die Menschen werden euch mit Misstrauen begegnen. Manche werden euch nicht mehr dabei haben wollen. Es wird schwierig für euch werden. Das Vertrauen müsst ihr euch erst wieder verdienen.

Das kann man auch nicht auslegen wie man will!!! Fakt ist, durch eure Aktionen haben viele gute Menschen Freunde und Jobs verloren. Viele Menschen, welche es zu vollkommenem Unrecht und gegen jede Vernunft getroffen hat. Es hat sich auf ihr Privates Umfeld ausgewirkt, was ihr im Web verbreitet habt. Menschen distanzieren sich von uns.

Das war Rufmord von Euch, nichts anderes.

Wundert euch nicht, wenn sich eine Zusammenarbeit von daher als Schwierig erweist. Das habt ihr hervorgerufen, nun seid ihr in der Pflicht die Wogen zu glätten.

Vor zwei Wochen, da standen alle Türen weit offen. Ihr hättet nur eintreten brauchen. Noch sind sie nicht gänzlich verschlossen.

Ich wünsche euch allen ganz liebe Grüße.

pS.: Ich höre schon wieder Stimmen "Ich arbeite aber nicht mit Leuten zusammen, die nicht ganz links außen stehen"

Ich sage dazu: Na dann braucht ihr euch nicht wundern, wenn es in der Friedensbewegung keinen Stimmen gibt, die für ganz links außen sprechen.

Roberto De Lapuente 13. April 2014 um 14:58  

Herzmenschen? Gefühlsmenschen? Das ist auch so ein Grund, warum ich solche Aufläufe meide. Zu viel esoterisches Brimborium...

Anonym 13. April 2014 um 15:55  

Mechthild Mühlstein in den Kommentaren ihres Blogs:
http://1-euro-blog.blogspot.de/2014/04/apostel-feudalen-dolus.html

Frage: Will die Linke den Kapitalismus denn abschaffen, weil aus ihm letztlich Faschismus folge?

Antwort: Scheiße, nein. Die »linkspartei« ist leider keine partei, die von der man erwarten kann, daß sie den kapitalismus abschaffen würde. Sie ist eher das angebot »schnittchen für arme«.

Wenn Katja Kipping das bedingungslose grundeinkommen fordert, gesteht sie doch schon ein, daß es arme leut geben soll, die auf derartigen scheißdreck angewiesen sind. Das stimmt nicht unbedingt hoffnungsfroh.

Frage: Wenn nicht, will sie sich etwa doch an dem Paradoxon eines "menschenfreundlichen Kapitalismus" versuchen, den es laut linker Deutung nie gegeben hat?

Antwort: Scheiße, ja. Und das wird ihr das genick brechen, so wie es der anderen kapitalismusfreundlichen sozialdemokratischen partei das genick bricht. Die SPD ist mal dafür angetreten dem system »keinen mann und keinen pfennig« zu opfern. Seit hundert jahren tut sie das nicht mehr und ist zu einem interessenvertreter des kapitals geworden. Die »linke« scheint auf dem weg zu sein, das gleiche zu tun, weil sie ohne anpassung an das system nicht an die regierung rankommt.

Noch Fragen? Auch mit der Linkspartei kriegen wir das Bekannte in Grün. Alles andere hier heraufzubeschwören, ist reine Augenwischerei.

EH Shumway 13. April 2014 um 16:39  

Bravo, danke dafür

Anonym 13. April 2014 um 16:43  

Und ich dachte immer es geht um Frieden......

Solange sich die "friedliebenden" gegenseitig das Maul verbieten sitzen die da oben aber in ganz ganz trockenen Tüchern...

maguscarolus 13. April 2014 um 17:03  

@Anonym 13. April 2014 16:43
Und ich dachte immer es geht um Frieden......

Solange sich die "friedliebenden" gegenseitig das Maul verbieten sitzen die da oben aber in ganz ganz trockenen Tüchern...


Diese Zerdifferenzierung ist seit jeher das Dilemma aller linken Bewegungen.
Die Konservativen haben dieses Problem nicht, denn sie wollen nichts außer Kohle machen. Das eint!

Raimund Verspohl 13. April 2014 um 17:38  

weiß wer 's ist. War leicht zu googlen.

Mechthild Mühlstein 13. April 2014 um 18:19  

Schön, daß ich an dieser diskussion bereits teilnehme, obgleich ich den nachmittag verschnarcht habe.

An Barbara Hampf: Ich werde mich hüten, ans Brandenburger Tor zu latschen, um dort Andreas Popp zu hören und dessen rechtstendentiellen wahn zu bejubeln.

Eine meinung über diese person kann man auch haben, ohne dort das »fußvolk« zu spielen.

maguscarolus 14. April 2014 um 10:08  

@ Raimund Verspohl
13. April 2014 17:38
weiß wer 's ist. War leicht zu googlen.


Jetz nee, nö?

pillo 14. April 2014 um 12:28  

Diesmal muss ich meinen Kommentar in zwei Abschnitte unterteilen.

1.) Zu besagter Dame kann ich sagen, dass ich mit vielen ihrer Aussagen übereinstimme und mich immer gefreut habe, wenn sie in diversen Quasselrunden den konservativen bzw. neoliberalen Apologeten Paroli geboten hat.

Aber schon nachdem ich vor wenigen Jahren ihr Buch über die Grünen gelesen hatte, beschlich mich ein ungutes Gefühl. Was sie über die Grünen schrieb, konnte ich so unterschreiben. Was bei mir allerdings Unbehagen hervor rief, war ihr Absolutheitsanspruch. Allein sie und die ihrigen kennen und gehen den richtigen Weg. Nur sie und die ihrigen sind die einzig wahren Kämpfer für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, usw. Wer nicht ihren Weg geht, steht per sé im Verdacht es nicht ehrlich zu meinen und in Wahrheit doch nur ein verkappter Konservativer, Spießer oder was auch immer zu sein. Damit bestärkt sie genau diese linke Sektiererei, die ich für selten dämlich und vor allem kontraproduktiv halte.

2.) Und da sind wir schon bei dem Punkt der Montagsdemos. Hier kann man beispielhaft sehen, wie "divide et impera" funktioniert. Das vor allem Linke auf dieses Spielchen immer wieder und zu allererst hereinfallen, ist schon erstaunlich.
"Nö, da geh' ich nicht hin. Das sind ja gar keine Linken."
"Mit denen gebe ich mich nicht ab, denn da gibts ja einige die stehen im Verdacht rechts und/oder esoterische Spinner zu sein."

Mit anderen Worten, man sucht nach Ausreden, um nur nicht den eigenen Arsch bewegen zu müssen. Lieber führt man analog der "Volksfront von Judäa" endlose Diskussionen, suhlt sich in Selbstgerechtigkeit und echauffiert sich auch noch über jene, die wenigstens etwas tun.

Mal eine Frage an all die oberschlauen Theoretiker. Wie wollt ihr jemals eine breite Massenbewegung (und nur eine solche kann wirkliche Veränderungen erzwingen) in Gang setzen, wenn ihr nur ausgewählte Leute um Euch herum duldet? Tja, die Betreiber und Nutznießer dieses Systems kommen ob Eurer Sektiererei vor Lachen nicht in den Schlaf.

Sledgehammer 15. April 2014 um 12:18  

Bitte den korrigierten Text veröffentlichen!

Der in "Disziplinargesellschaften" (Michel Foucault) sozialisierte moderne Mensch übernimmt oftmals unbemerkt, gleichgültig wo er sich politisch/gesellschaftlich verortet, die Zwangsmittel der Macht; wendet sie mit Verve gegen sich selbst und andere und macht sie zum Prinzip allgemeiner Unterwerfung.

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