Wie aus einem Wörterbuch der Unmenschen mit Bildern

Mittwoch, 16. April 2014

Einen »Dorftrottel« und »Schwachsinnigen« nennt er den vermutlich irrtümlich des Mordes an der kleinen Peggy Verurteilten. Klar, zweiteres zumindest sagt man in der Juristerei immer noch. Die hat bis heute wenig Respekt vor den Menschen und bedient sich häufig weiterhin einer Sprache, die wie aus einer anderen Zeit entsprungen wirkt. In der Psychologie redet man allerdings nicht mehr von »Schwachsinnigen«. Dort gilt der Begriff als diskriminierend und nicht dem Umstand der Imbezillität angemessen. So hat der irrtümlich Verurteilte, den Franz-Josef Wagner als »Dorftrottel« und »Schwachsinnigen« bezeichnet, mit drei Jahren eine Hirnhautentzündung erlitten, durch die er schwere geistige Schäden davongetragen hat. Die Titulierung ist bei einer solchen privaten Tragödie also wirklich mehr als taktlos und geradezu inhuman. Bei der »Bildzeitung« aber völlig normal. Sie wirkt manchmal wie das von Dolf Sternberger, Gerhard Storz und Wilhelm E. Süskind veröffentlichte »Wörterbuch der Unmenschen« - nur mit Bildern, Brüsten und Wetterbericht.

Über »(getarnt) Schwachsinnigen« hat man schon mal ganz unverfänglich reden können. Das war, als man auch über »selbstverschuldete Fürsorgeempfänger« beriet oder »Arbeitsscheuen« ihren Müßiggang austreiben wollte. Hört sich das nicht alles bekannt an? Ein wenig anders schreiben sie es heute schon. Wer sagt denn bitte heute noch »Fürsorgeempfänger«? Aber »selbstverschuldet« ist als Adjektiv geblieben. Man kann ja keine ganz neue Sprache erfinden. Irgendwo muss man ja anknüpfen.

Neulich erst wetterte Thilo Sarrazin in jener Zeitung, dass es nichts »an den Problemen [...] ändere«, dass man nun »Roma« und »Sinti« zu den »Zigeunern« sage. »Zigeuner«: Das war auch so eine »unerwünschte« Gruppe in jenem Deutschland damals. Es gehörte zum guten Ton nach dem Krieg und bei wachsenden Bewusstsein über die Dimension der Kriegsverbrechen, diese Gruppe bei ihrem richtigen Namen zu nennen und nicht mit despektierlichen Bezeichnungen zu konfrontieren. Das gebot der Anstand und die Menschenwürde. Heute darf man das scheinbar schon mal beanstanden, denn das »gesunde Volksempfinden« habe nun die Nase voll von dieser politisch-korrekten Lingual-Diktatur. Von diesen »Zigeunern« liest man in der »Bildzeitung« öfter mal, dass sie sich nicht integrieren können, unfähig für ein gemeinschaftliches Leben seien. »Gemeinschaftsunfähige« war damals ein anderes Wort für die »Asozialen«.

Dass dieses oben genannte »gesunde Volksempfinden« damals schon Anlass dafür war, die ganzen »Tippelbrüder«, »Schwachsinnigen« oder »selbstverschuldete Fürsorgeempfänger« zu erziehen, versteht sich freilich von selbst. Man hat in diesem Land immer schon was auf das gehalten, was das Volk so will. Heute kann man über dieses kollektive Empfinden noch bei der »Bildzeitung« lesen. Immer dann, wenn Politik mal wieder einen Blankoschein für ihre Ausländerpolitik braucht oder wenn es gegen strukturelle linke Mehrheiten in Parlamenten geht.

Wäre es vor - sagen wir - 15 Jahren eigentlich möglich gewesen, einen durch Hirnhautentzündung geschädigten Menschen im Vorbeigehen einen »Schwachsinnigen« zu nennen? Hätte das im Jahre 11 vor Sarrazin schon jemand so ungeniert geschrieben? Und wenn ja, was hätte er an Kritik einstecken müssen? Ist der Zeitgeist also wirklich so viel linker geworden, wie das dieselbe Zeitung behauptet? Oder ist es nicht eher das Gegenteil?

Das zu beanstanden ist aber keineswegs eine Frage der politischen Korrektheit, wie das die Freunde »offener Worte« oft kritisieren. Einen Menschen nach einer Krankheit mit cerebralen Folgen als »Schwachsinnigen« zu bezeichnen ist nicht einfach »so dahingeschrieben« oder sollte auch nicht die »political incorrectly-Normalität« einer Gesellschaft sein. Jedenfalls nicht, wenn es um einen konkreten Menschen geht. Es ist eine Taktlosigkeit mit unmenschlichem Unterton. Beleg für eine verrohende Wortwahl, die die beschriebenen Menschen vergegenständlicht und diskreditiert. Dass Juristen zuweilen noch so vor Gericht sprechen, entschuldigt allerdings nichts. Franz-Josef Wagner sieht ja nicht gerade aus wie ein Anwalt.


19 Kommentare:

Anonym 16. April 2014 um 07:43  

Mich würde mal der IQ von F.J. Wagner interessieren.-

Roberto De Lapuente 16. April 2014 um 07:53  

Hui, "IQ" und "Gossen-Goethe" in einem Satz. Da glaubt aber einer an das Gute im Menschen!

Anonym 16. April 2014 um 08:21  

na ja....hast ja recht....aber gegen den Begriff "Zigeuner" haben viele Zigeuner doch gar nichts gegen..

Anonym 16. April 2014 um 09:59  

Allein die Ukraine-Berichte dieser Zeitung alles über sie aus.

Besser nicht hinsehen, sonst ergeht es dir wie dem, der Medusa ins Gesicht gesehen hat.

Thinkcool 16. April 2014 um 10:20  

"Hui, "IQ" und "Gossen-Goethe" in einem Satz. Da glaubt aber einer an das Gute im Menschen!"

Tu auch ich immer noch, ist aber ein "eingebauter" Reflex, der sich, trotz jahrzehntelanger gegenteiliger Erfahrung, nicht wirklich abschalten läßt. Ohne dies hätte ich mich wohl schon lange von dieser absurden Existenz auf einem völlig durchgeknalltem Planeten "abgemeldet".

Anonym 16. April 2014 um 10:21  

Diesmal schreibe ich ganz bewwußt anonym, da ich da diese Untermenschensprache, wie Schwachsinnig oder Dorftrottel und zwar, weil ich es mein Leben lang wegen eines sichtbaren körperlichen Leidens bis heute noch in die Sprache hinein spüre. Da diagnostizieren doch Ärzte/innen sehr gern in einer Sprache, die sich vom Nazideutsch nicht unterscheidet.
Beruflichbedingt las ich in den 70ern unzählige gutachterliche ärztliche Stellungnahmen. Worte,
wie debil, Kretin, geistesgestört,schwachsinning oder auch in besonderem Maße nicht integrationsfähig waren da eher noch harmlos.........

Kürzlich war ich im Krankenhaus. - Dies war mein letzter Aufenthalt
dort. - Nach dem durchlesen des ärztlichen Entlassungsbriefes ist mir eindeutig klar, dass diese Sprache in eine schlimmere Richtung lenkt als 1933-1945...........

P.S. Es werden permanent Krankheiten erfunden um Geld zu verdienen (abzusahnen) Unsere Politiker sind hier ja wahre Vorbilder (Schröder,Fischer,Steinlaus u. wie sie alle heißen.)

Schirrmi 16. April 2014 um 12:46  

Sehr schön geschrieben. Aber da oben diesen widerlichen Link zu dem Drecksblatt hätte ich beinahe geklickt. Bitte eine Warnung anbringen.

Reinhard Gottorf 16. April 2014 um 13:34  

Nein, so geht das nicht, werter Herr De Lapuente. So können sie doch nicht mit dem Träger der goldenen Feder des Bauer-Verlags umgehen. Franz Josef Wagner ist einer der ganz Großen der journalistischen Zunft. Er gehört zu der Handvoll publizistischer Wortführer, welche die öffentliche Meinung in Deutschland prägen. Die „Alpha-Journalisten“, zu denen FJW ja unstrittig zählt, setzen Themen, deuten politische Stimmungen, inszenieren intellektuelle Debatten. Er wird nicht umsonst mit in einer Reihe der einflussreichsten deutschen Meinungsmacher wie Stefan Aust, Hendryk M. Broder, Giovanni di Lorenzo, Bettina Gaus, Sonja Mikich, Heribert Prantl oder Frank Schirrmacher genannt. Nun gut, er arbeitet für das Drecksblatt “Bild“, aber er hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Er war immerhin Chefredakteur der „Bunte“, Chefredakteur von Burdas Boulevardzeitung „Super!“ und ja auch noch zwei Jahre Chefredakteur von Springers B. Z. in Berlin, also durchaus seriöse Zeitungen und Magazine. Daher haben Brancheninsider, ganz im Gegensatz zu Ihnen, Franz Josef Wagner in einem 2007 erschienenen Buch mit dem Titel „Die Alpha Journalisten“ die notwendige Referenz in dem Kapitel „Der Großstadt-Indianer“ erwiesen.
Also dieses Buch gibt es wirklich. Die oben genannten Personen und noch andere sind tatsächlich in einer Reihe mit Franz Josef Wagner unter den Begriff „Alpha Journalisten“ subsumiert und die haben sich nie dagegen gewehrt. Bei seinem Erscheinen und auch schon vorher, bei der Ankündigung, wurde es mit einer großen Medienhype begleitet. Das beste an diesem Buch steht in einem Glossar von Hajo Schumacher. Der Anfang dieses Glossar lautet: „Journalisten sind wie Insekten. Es gibt unzählige Arten: große, kleine, schillernde, giftige, laute, aggressive, träge, lästige“. Mir kamen beim lesen des Kapitels über Franz Josef Wagner sofort zwei Insekten in den Sinn. Zum einen ein fliegendes, grün-schillernd, häufig auf menschlichen Exkrementen zu findendes oder die Kakerlake, die sich dort, wo sich Dreck und Unrat ansammelt, häufig zu finden ist.
Die drei Herausgeber dieses Wörterbuch des Unmenschen hatten ja die besten Absichten, so wie Sie - ich unterstelle das mal - auch. Aber die Herausgeber kamen schon 1957 zu der Erkenntnis - und so steht es im Vorwort dieses Nachschlagewerk - "Das Wörterbuch des Unmenschen ist das Wörterbuch der geltenden deutschen Sprache geblieben, der Schrift- wie der Umgangssprache, namentlich wie sie im Munde der Organisatoren, der Werber und Verkäufer, der Funktionäre von Verbänden und Kollektiven aller Art ertönt" – oder, als Ergänzung von mir – in Artikeln, Essays oder Büchern gedruckt wird. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts, aber auch gar nichts geändert. Im Gegenteil. Sie schreiben ja manchmal über solche Erfahrungen. Wie oft kommt es vor, dass diese Sprache im Kollegen- oder Bekannten- oder sogar im Freundeskreis gedankenlos (??) angewendet wird. Nein, ich bin fest davon Überzeugt, und das schreiben die Herausgeber ja auch in ihrem Vorwort: "Der Verderb der Sprache ist der Verderb des Menschen".

Anonym 16. April 2014 um 13:36  

Mit dem letzten Satz hast Du Dich wirklich in Knie gef.......Wie sehen Anwälte denn aus? Jetzt mal so frei weg von der Vorurteils-, Stereotypen und Klischeeleber so unter uns Milchbubis.

Zu Deinen Jubelpersern in der Kommentarspalte: "Wo alle einstimmig singen, ist der Text ohne Bedeutung." (S.J. Lec)

Anonym 16. April 2014 um 14:05  

Das Gute im Menschen dürfte auch wählerisch sein. Insofern ist die Gefahr, daß der IQ und FJW in einem existieren wohl eher gering.

Roberto De Lapuente 16. April 2014 um 14:59  

Wenn ich ficke, dann nicht in Knie. Aber hey, ich kann es noch. Wie siehts bei dir aus?
Aber mal ganz ernst. Lieber Jubelperser als solche Perversen wie dich.

Anonym 16. April 2014 um 15:05  

Wo hier gerade das IQ-Thema kursiert:
Nach langjährigen Erfahrungswerten in der Auswertung von IQ-Tests (ich selbst darf mich im 120er-Bereich wähnen) würde ich einiges Geld darauf verwetten, dass der Schreiber dieses Blogs im 60er-Bereich liegt. Also deutlich über Raumtemperatur, aber deutlich unter dem Durchschnitt, und damit auch deutlich unterhalb des Bereichs, in dem ich auf die Geistesstärke eines Menschens etwas geben würde.

Roberto De Lapuente 16. April 2014 um 15:19  

Ach weißt du, klug genug, dass ich Arschlöcher wie dich daran beteilige, durch ihren häufigen Besuch dieses Blogs meine monatlichen Rechnungen zu begleichen, bin ich dann doch. Von daher, ich leben gut mit meinen 60er-IQ. Danke der Sorge.

Anonym 16. April 2014 um 15:32  

"Wie sehen Anwälte denn aus?"
-----------
Wie die aussehen? Eigentlich ganz normal - wie wir alle.
Und wie die das sehen - in diesem Falle beim Kommentar um 7.53h als zulässige Meinungsäußerung bzw. Zitat.

Merke: Nicht einfach rummeckern, sondern erst mal DENKEN bevor man reflexhaft bellt.

Anonym 16. April 2014 um 15:40  

@anonym 15:15

Sie wähnen sich bei 120 :-). das ist hübsch: wähnen kommt von Wahn, oder?
Ich bin mit Herrn Lapuente bestimmt oft nicht einer Meinung...aber seine Texte sind grandios...sowas schafft man nicht mit einem IQ von 60.
Aber ich glaube, Sie wollten hier nur mal kurz jemanden beleidigen?

Sledgehammer 16. April 2014 um 15:52  

@ Anonym 15.05

Wähnen ist dem Wahn verwandt.

Der Kabarettist Hagen Rether schlußfolgerte in diesem Kontext:

"Es nutzt nichts wenn du schlau bist, wenn du doof bist"

Anonym 16. April 2014 um 18:31  

@anonym 15:05

ach weißt du, wer sich so lange mit IQ beschäftigen muß, der muß schon sehr schwer ein an der Klatssche haben. - Ein IQ sagt für mich über einen Menschen so viel aus, wie wenn ich Kühe beim Wiederkäuen beobachte und hiernach auf deren Intelligenz schließe........

Noch nen guter Tip, schlaumeier von 15:05, versuch dich mal damit zu beschäftigen a) was ein IQ aussagt b)welche Rückschlüsse man von einem IQ auf die Bildung schließen kann c) welchen individuellen Wert so eine absolute, abstrakte Zahl in Bezug auf die Würde eines Menschen hat..... usw.

Zum Abschluß, Herr IQ 120, falls sie etwas von Psychologie verstehen sollten, dann befassen sie sich doch einfach mal zusätzlich mit C.G. Jung oder Arno Grün. - Eventuell geht dann bei ihnen ein kleines Lichtlein auf.........

maguscarolus 18. April 2014 um 11:00  

Der IQ hat weder mit Bildung noch mit Klugheit und schon garnicht mit Weisheit oder Menschlichkeit auch nur im Entferntsesten zu tun und ist gerade darum einer der Lieblngsbegriffe aller Hohepriester eines Bildungswesens, das in allen curricularen Fragen nur die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Produkte dieses Bildungswesens im Blick hat: Die Züchtung intelligenter empathieloser Raubschweine.

kevin_sondermueller 19. April 2014 um 18:36  

Dem 120 (kg?) i-Kühchen geht eher einer ab beim Flamen und Trollen als ihm jemals ein Licht auf.

Armes Schattenwesen …

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