Der Whistleblower, der die Sozis retten wollte

Montag, 17. Februar 2014

Was hat doch der Friedrich gegen Snowden geschossen. Nun ist er zurückgetreten, weil er selber sowas wie ein Whistleblower war. Das kann sich niemand ausdenken. Jeder Drehbuchautor von Format würde sich mit Grausen abwenden von der Plumpheit einer solchen Storyline. Aber diese Eliten sind eben nicht klüger. Der letzte, der sich mit "Ich komme wieder" am Ende seiner Vorstellung verabschiedet hat, war rosa und eine Großkatze. Paulchen Panther halt, der meinte "Heute ist nicht alle Tage - ich komm wieder, keine Frage". Das definiert den Zeichentrick-Horizont dieses Ex-Ministers hinreichend. Und nur bei solchen "Kapazitäten" sind solche Wendungen denkbar.

Dass Snowden Machtwissen geteilt hat, gefiel jedenfalls auch Friedrich, der ebenfalls sein Machtwissen geteilt hat, nicht besonders gut. Aber letzterer hat ja nur "Politiker informiert", während ersterer "Geheimnisse verraten" hat. Das sind die sprachlichen Finessen, mit denen die Medien und die PR-Agenturen jetzt arbeiten. So macht man aus dem schlechten Geheimnisverrat eine Bagatelle und aus dem guten Geheimnisverrat eine kriminelle Handlung. Und während die politische Kaste behauptet, Friedrich habe mit seinem Rücktritt "politische Verantwortung übernommen", war Snowdens Rücktritt als Spitzel nur ein weiterer Mosaikstein seiner verräterischen Selbstvergessenheit. Hat er nicht auch Verantwortung übernommen? Nicht nur seine Position, sondern gleich noch sein ganzes Leben hingeworfen?

Na sicher sind Friedrich und Snowden nicht vergleichbar. Denn der eine gab seine Einblicke preis, um damit mehr Transparenz zu erzeugen. Um die Öffentlichkeit in Kenntnis zu setzen. Der zum Landwirtschafts- gewordene Innenminister nutzte jedoch sein Ressortwissen dazu, um Intransparenz und vielleicht sogar Verschleierung loszutreten. Ganz unabhängig jetzt mal von dem, was an der Sache Edathy dran ist oder auch nicht. Darum geht es ja hier auch gar nicht.

Jede gute Sache birgt eine dunkle Seite. So gibt es zum Beispiel Pädagogik und schwarze Pädagogik. Zweitere meint Erziehungsmethoden, die Gewalt und Einschüchterung anwendet, um Lerninhalte zu verankern. Es gibt vermutlich auch Whistleblowing und schwarzes Whistleblowing. Zweiteres widersetzt sich der Dialektik der Aufklärung und gründet auf Machtarroganz und Machtinsiderwissen. Besonders tragisch, wenn das in Zeiten großkoalitionärer Omnipotenz geschieht. Es dokumentiert das Imponiergehabe dieses Mannes und die Selbstgefälligkeit derer, die dieses Machtinsiderwissen ohne Kritik einfach angenommen haben.

Es ist ja schon ein unglaublicher Fall von Lächerlichkeit, dass der Anti-Whistleblower-Minister zurücktreten muss, weil er sich selbst als Black Whistleblower erwiesen hat. Aber die Verteidigungsrhetorik Gabriels ist das Krönchen dieser Entwicklungen und die vollendete Dornenkrone auf dem Haupt seiner Partei. Friedrich wollte nur Schaden von der Sozialdemokratie abwenden, sagt er. Ausgerechnet der Hardliner Friedrich als Retter der SPD. Und Gabriel ehrt ihn auch noch dafür. Nun gut, warum auch nicht, die Parteispitze wusste ja, dass sie mit einem Mann in die Regierung gehen würde, der seine Amtsmacht auch mal missbraucht "um Gutes zu tun". Oder war dieser Dienst an der Sozialdemokratie vielleicht gar die Initialzündung? Hat das der SPD-Spitze gezeigt: Mensch, die sind ja gar nicht so mies. Die reichen uns auch mal die Hand. Die wollen uns nicht schaden.

Schramm zog sich zurück. Neues aus der Anstalt hat die guten Gesichter mit ihren scharfen Zungen gewechselt. Pispers macht sich rar. Und Hildebrandt ist tot. Das Kabarett wird leiser und gerät ein bisschen ins Hintertreffen. Aber das ist irgendwie alles nicht sehr verwunderlich. Das bisschen Lächerlichmachen, das die tragischen Entwicklungen rund um diese Bande selbstgefälliger (Polit-)Eliten begleitet, können auch noch gleich all diese Allround-Minister und ihre Faktotums in Parteivorständen besorgen. Ein Kabarettist muss manchmal viele Stunden an einen Gag basteln. Aber Friedrich oder Gabriel machen das nebenbei. Das ergibt sich bei ihnen von alleine.

Wie sie sich jetzt alle winden und so tun, als haben sie alle keinerlei Fehler begangen, das ist eigentlich ein lustiger Umstand. Ich lache allerdings erst später. Wenn diese Epoche durchgestanden ist. Als Typ auf einem mittelalterlichen Scheiterhaufen hätte ich auch nicht über den begrenzten Horizont dieser mittelalterlichen Pyromanen gelacht. Auch wenn ich ihre These, ich wäre für ihre Missernte verantwortlich, bestimmt zum Brüllen komisch gefunden hätte. Über die Begrenztheit des mittelalterlichen Menschen konnte man sich erst viel später lächerlich machen. Als der Alptraum vorbei war. Sollten wir diese Politik dreister und dazu noch minderbegabter Karrieristen irgendwann doch noch loswerden, dann lache ich ganz sicher auch - wahrscheinlich sogar befreit auf.


4 Kommentare:

Hartmut B. 17. Februar 2014 um 11:24  

Es gab mal eine Zeit, da konnte man einige Politiker noch für voll nehmen.
Da denke ich an Kurt Schumacher, willy Brandt und auch Herbert Wehner.....

Diese Zeit ist leider vollendete Vergangenheit.

Seit Jahren , beobachte ich die politische Szene und ich muß sagen es ist ein Trauerspiel sondersgleichen.

Das Marionetten - Kasperletheater was dort stattfindet ist nur noch zum heulen.....

Ich weiß auch nicht, befinden wir uns in einer Vorkriegszeit, Nachkriegszeit oder mittendrin ?

Durch fast tägliche Recherchen, insbesondere auch mit neuester Literatur, versuche ich herauszufinden, wie und von welchen Mächten (Menschen) dieses kriminelle System gesteuert wird......

Sledgehammer 17. Februar 2014 um 13:53  

Würde sich diese Regierung kollektiv einem Drogentest unterziehen, würde eine Überdosis Mittelmaß, verunreinigt mit hündischer Feigheit das Ergebnis sein.

http://wahres.blogspot.de/ 17. Februar 2014 um 17:16  

Treffender kann man das Mutantenstadel nicht charakterisieren.

Und das Beste ist: Am Ende sind die Linke an allem Schuld. Wette ?

Anonym 18. Februar 2014 um 14:53  

Offenbar ärgert sich da wohl jemand, dass er so schnell (zu schnell?) zurückgetreten ist. Ein mutmaßlicher Geheimnisverrat ist etwas Rücktrittswürdiges - das stimmt. Dennoch gab (und gibt) es Fälle von weit größerem Ausmaß, die eines Rücktritts würdig wären !
Friedrich ärgert sich bestimmt auch, dass Oppermann nicht den Opfermann spielt, weil er ein wenig gerissener war als er selbst.
Geheimnisverrat hin, Strafvereitelung her - diese Banditen sind alle auf dem selben Niveau: jetzt heißt es nur noch: Rette sich wer kann !
Friedrich halluziniert herum von "politischer Verantwortung", die er mit seinem Rücktritt übernahm.
Wo war denn seine "politische Verantwortung" als damaliger Innenminister, als er großspurig herumblähte Fragen von den Amerikanern beantwortet zu bekommen. Als er dann am Dienstboteneingang praktisch vom Hausangestellten abgefertigt wurde und wie ein geprügelter Köter nach Berlin zurückkehrte, ließ er das Kanzlerhündchen Pofalla die NSA Affäre für beendet erklären.
Wo bitte war da die Verantwortung für sein klägliches Versagen ?
Wo hat er Verantwortung übernommen, als eine marodierende Nazibande Serienmorde begehen konnte, aber das Reichssicherheitshauptamt bei den Ermittlungen Akten schredderte ?
Wo war da jetzt die "politische Verantwortung"?
Jetzt lamentiert die fränkische Plattkopfschabe herum, die sich in all den Jahren zuvor als jämmerlicher Versager gezeigt hat.
Die geradezu komödiantische Art und Weise seines Scheiterns ist beispielhaft. Als Geheimnisverräter wird er hoffentlich nicht "den Paul" machen, der wiederkommt.
Vielleicht ist in Zukunft irgendwo ein Plätzchen frei bei Google. Da ist sensibler Umgang mit Daten ja das Hauptproblem...

Anton Chigurh

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