#Aufschrei der Dummheit

Dienstag, 3. Dezember 2013

Kürzlich beklagte sich Jutta Ditfurth via Facebook, dass man ihr eine Gruppe gewidmet hat. "Ich würde Jutta Ditfurth gerne mal auf die Fresse hauen" heißt sie. Ein kleine Gruppe nur, die wenig Einfluss hat und zuletzt verwaist schien. Parallel zum Verfassen dieser Zeilen wurde die Gruppe gelöscht. Gleich dazu mehr. Der Inhalt hatte es in sich. Bestand aus Hassreden gegen Ditfurth, aus Androhungen und Despektierlichkeiten jeglicher Art. Über all dem stand der Titel, der wie ganz selbstverständlich zur Gewalt aufrief. Eine wie Ditfurth habe schließlich was auf die Fresse verdient.

Die O-Töne bei "Ich würde Jutta Ditfurth gerne auf die Fresse hauen" waren nicht ohne. Ein User meinte gar, er wohne gleich um die Ecke von Ditfurth. Er könne den Titel der Gruppe mal Wirklichkeit werden lassen. Sie wurde Staatsfeindin genannt und ein mutiges Gruppenmitglied meinte, bei dieser Frau sei seine "Selbstkontrolle komplett ausgeschaltet". Dass "diese Frau einfach geschlagen" gehört ist den Mitstreitern natürlich unisono klar gewesen.

Alles hat seine Schattenseiten. Bei Facebook sind es Typen, die sich das Recht herausnehmen, ihren Hass auf Einzelpersonen oder Gruppen in einer Facebook-Gruppe zu kanalisieren. Was las man nicht alles vor einigen Jahren, als im arabischen Raum die Menschen in Rebellion traten und sich über soziale Netzwerk im Internet formierten - und die mittels Smartphones organisatorisch auf einem Niveau standen, das vorher bestenfalls eine gut organisierte Polizeitruppe innehatte. Das dürfte die Sonnenseite des Phänomens sein. Man kann sich organisieren, leicht kommunizieren, kann sich relativ unkompliziert informieren. Das Instrument Facebook wird aber auch missbraucht. Man trägt den Hass und die Dummheit hinein, macht es zu einem Medium der Menschenverachtung und kann sich dann sogar noch gegenseitig auf die Schulter klopfen, sich wechselweise die gegenseitige Blödheit bestätigen und liken.

Dieses ordentliche Maß an Dummheit wurde von Facebook lange toleriert. Mehrfache Meldungen von Usern hatten lange Zeit keine Sperrung dieser Seite, die immerhin zur Gewalt gegen eine Person aufruft, bewirkt. Erst als Jutta Ditfurth Facebook mit anwaltlichen Schritten drohte, entschloss man sich dazu. Das ist erst einige Tage her.

Wer die Affekte aus Zeiten, da man aus dem Volksempfänger heraus aufwiegelte, für graue Vergangenheit abtut, sollte sich nur mal diverse Gruppen bei Facebook antun. So wie Facebook als Medium der Organisation gegen Unrecht und Machtmissbrauch positiv genutzt werden kann, so wird es auch als Plattform von Hetzern dienstbar gemacht. Es gibt jede Menge Dummköpfe, die ihren #Aufschrei in die Welt hinaustippen. Fortschritt kann da nur als Rückschritt begriffen werden.


12 Kommentare:

altautonomer 3. Dezember 2013 um 07:34  

Habe die mail von Jutta auch bekommen und an andere Blogger weitergeleitet, die es jedoch nicht für nötig hielten, sie zu veröffentlichen. Das Problem ist nicht nur die übliche Hetze auf facebook, sondern das Verhalten dieser Datenkrake.

Oft genug wurde auf die Gefahren, die mit der Registrierung bei facebook verbunden sind von fefe, daMax und Burkhard Schröder hingewiesen. Dass Jutta da so naiv ist, verstehe ich nicht.

Anonym 3. Dezember 2013 um 08:34  

Ach, es geht doch schon damit los, dass die Leute (eigentlich meine ich hier tatsächlich alle, nicht nur Grüne oder Spezialdemokraten) schon massivste Schwierigkeiten haben, die Bedeutung von "Meinungsfreiheit" zu verstehen. Meinung is nur so lang ok, solange sie der eigenen entspricht. Ich finds schlimm. auf fb hat eine mir nicht unbekannte Frau mal geschrieben, eine bestimmte Politikerin gehöre mit dem "Kaktus gefickt"... Ich war völlig sprachlos. Ein anderer will Graffitikünstlern die Arme brechen, wenn sie sich an einer von der Stadt freigegebenen Stelle verewigen, der nächste bekommt "unkontrollierbare Aggreessionen", wenn er Veganer sieht.
Sagen wir mal so: Sollte diese abenteuerliche Geschichte stimmen, dass in Wahrheit Außerirdische unsere Emotionen manipulieren, um sich von eben diesen zu ernähren, dann ist das Büffet wohl schon längst eröffnet, und nicht nur das, es quillt über...

liebe Grüße
LQM

Anonym 3. Dezember 2013 um 09:33  

Social Media nutzt einen Denkfehler, den die Werbeindustrie schon lange benutzt und der fest im Internet verankert ist. Man kennt ihn seit vielen Jahren unter dem Begriff Social Proof.
. Glücklicherweise geht er einher mit einem Weiteren, dem Social Loafing, so dass man von den meisten Hasstiraden nichts befürchten muss, ausgenommen dem was die Reputation natürlich angeht.

Anonym 3. Dezember 2013 um 12:21  

Werkzeug ist neutral, es kann für Gutes und Böses verwendet werden - wer wusste das bisher noch nicht?

Hartmut B. 3. Dezember 2013 um 13:25  

Naja, ich denke, es ist mehr als nur Dummheit. - Es ist ein geschürter Hass der Medien. - Die Medien, besonders das Fernsehen, haben dafür gesorgt, dass die Mehrheit der Menschen stumpfsinnig geworden ist.......

Selbst aus dem Tierreich sind mir solch schwachsinnige, doch nicht ungefährliche Drohungen, nicht bekannt.
Hinzu kommt, dass solche Drohungen ganz natürlich Angst schüren. - Da finde ich die Zuhilfenahme eines Rechtsbeistandes von Jutta Ditfurth vollkommen in Ordnung.

Eine kleine "konträre" Anekdote hierzu:
vor Jahren erzählte mir eine Altenpflegerin von einer alten Frau, die spazieren ging, als plötzlich ein Junge von ca. 10 Jahren vor ihr stand und ihr die Tasche entreißen wollte. - Mit sehr barschem Ton fuhr sie den Jungen an: "Ich hau dich gleich was auf die Fresse..." - Das zeigte Wirkung...... der Junge verschwand....

Anonym 3. Dezember 2013 um 13:27  

„Man trägt den Hass und die Dummheit hinein, macht es zu einem Medium der Menschenverachtung und kann sich dann sogar noch gegenseitig auf die Schulter klopfen, sich wechselweise die gegenseitige Blödheit bestätigen und liken.“

Das ist tatsächlich ein großes Problem im Internet und ich habe den Eindruck, es wird immer schlimmer.

Wenn man nur lange genug sucht wird man im Internet Menschen finden, die genau so Denken wie man selbst und Quellen und vor allem Statistiken, die das eigenen Weltbild stützen. Diese werden dann so lange herumgereicht, bis keiner mehr ihren Ursprung kennt und daher als Wahrheit hingenommen werden. Diese wird aber nur in diesem kleinen pseudoelitären Kreis als vermeintliche Wahrheit erkannt, alle anderen sind ja nach deren Vorstellung die Idioten.

Das fiel mir schon sehr früh auf, als ich 2006 meine erste eigene Wohnung und einen Internetanschluss bekam. Als Sozialversager landete ich schnell in Foren für Absolute Beginner (Eine Selbstbezeichnung für Menschen mit wenig bis gar keiner Beziehungserfahrung zum anderen Geschlecht.) In einem der Foren (AB4) sammelten sich ein kleiner Kreis von ABs, die einem Frauenfeindlichen und sozialdarvinistischen Weltbild frönten und auf die anderen ABs herabsahen. Die hatten ein in sich geschlossenes Weltbild mit nie bewiesenen „Wahrheiten“ gegen die man nicht andiskutieren konnte.

Mittlerweile sind mir viele solcher Gruppierungen aufgefallen, die im Grunde immer auf die gleiche Art funktionieren, dazu gehört vor allen ein Feindbild, an dem sie sich abarbeiten können und das angeblich nur sie klar erkennen können.
Das Problem ist, dass diese Leute auch immer mehr die Kommentarbereiche der Onlinemedien vollschreiben. Wo findet man noch einen Artikel über den Islam, in dessen Kommentarberich sich nicht die selbsternannten Islamkritiker tummeln.

Anonym 3. Dezember 2013 um 15:22  

@ Anonym 13:27

"Mittlerweile sind mir viele solcher Gruppierungen aufgefallen, die im Grunde immer auf die gleiche Art funktionieren, dazu gehört vor allem ein Feindbild, an dem sie sich abarbeiten können und das angeblich nur sie klar erkennen können."

Und worin besteht da der Unterschied zu irgendeinem Polit-Forum? Kennst du eines, das anders funktioniert?

Anonym 3. Dezember 2013 um 15:58  

Lasst es stehen - grundsätzlich.

Diese Löscharien sind nichts weiter als Täter- Zeugen- und Spurenvernichtung. Hinzu kommt, daß Problem wird so nicht gelöst.

Es soll als Zeugnis für lange Zeit und jedermann einsehbar sein.
Und ist es nicht besser, wenn man seine Feinde kennt, als das sie im Dunklen agieren?

Der Souverän

Roberto De Lapuente 3. Dezember 2013 um 16:23  

Im Grunde hast Du recht. Man sollte diesen Beleg für bösartige Dummheit stehenlassen. Die Typen sperren, aber das bereits Geschriebene "in der Welt" lassen.

Iannis 3. Dezember 2013 um 17:40  

Der Gipfelpunkt dieser Affäre ist ja wohl dadurch erreicht, dass der facebook account von Jutta als "fake" denunziert wurde und sie daraufhin für 30 Tage gesperrt wurde, obwohl sie, wie sie selber sagt, mehrfach Beschwerde eingelegt und ihre Identität zweifelsfrei nachgewiesen hat.

Facebook hat darauf noch nicht mal geantwortet, saubere Firma, das.

Anonym 3. Dezember 2013 um 21:34  

Stehenlassen wäre das falsche Signal. Kennt Ihr die Broken-Windows-Theorie?

Die Broken-Windows-Theorie (englisch für „Theorie der zerbrochenen Fenster“) bezeichnet ein Konzept, das beschreibt, wie ein vergleichsweise harmloses Phänomen, beispielsweise ein zerbrochenes Fenster in einem leer stehenden Haus, später zu völliger Verwahrlosung führen kann.

http://de.wikipedia.org/wiki/Broken-Windows-Theorie

maguscarolus 10. Januar 2014 um 09:54  

"FakeBook" wäre wohl die bessere Bezeichnung.


Nun gut! Solange es keine gesetzliche Verpflichtung zum Mitmachen gibt ...

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