Die Hure wieder zum Miststück machen

Dienstag, 5. November 2013

oder Wie die Emma Prostituierte durch Ächtung befreien will und damit nichts als die Verachtung dieser Frauen in Kauf nimmt.

Dass gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution dringend vorgegangen werden muss, ist überhaupt keine Frage. Dass die Zuhälterei dringend einen gesellschaftlichen Skeptizismus unterordnet werden muss, ist auch völlig eindeutig. Es ist nämlich wahrlich unerhört, dass die Boulevardmedien dieses Landes einen Bordellbetreiber (Wollersheim) als ulkiges und verplantes Kerlchen darstellen, um die eigenen Trash-Kanäle zu füllen. Was Emma und prominente Unterstützer aber einfach mal als frommen Ratschlag in den öffentlichen Raum hinausblasen, hat weder Hand noch Fuß, sondern verdeutlicht die Hilflosigkeit, mit der man sich diesem Thema annähert.

Alice Schwarzer schreibt unter anderem, dass das älteste Gewerbe der Welt in Deutschland "nicht länger für selbstverständlich gehalten werden [darf], sondern geächtet werden [müsse]". Mit anderen Worten sollen Prostituierte wieder in den Ruch von Schmuddeligkeit und Schweinkram geraten. Sie sollen als Schlampen wahrgenommen werden. Als Weiber, die braven Ehefrauen die Männer entziehen. Sie sollten sich überdies schämen und verstecken, bloß kein Selbstbewusstsein entwickeln und sich stattdessen selbst verleugnen. Prostituierte sollen sich letztlich wieder darüber bewusst werden, einem dreckigen Gewerbe nachzugehen. Am besten nicht mehr sozialversichert. Kurzum, Schwarzer möchte wieder geraderücken, was unter Rot-Grün, als man die Prostitution in den Rang eines Berufsstandes rückte, in Schieflage geriet. Sie rät dabei zum Gebrauch des moralingetränkten Mittelchens namens Ächtung und klingt fast so reaktionär wie jene, die in den Siebzigerjahren gegen "die Emanzen" zu Felde zogen.

In diesem durch Ächtung erzeugten Spießerklima soll den Huren dann gewahr werden, dass sie ja auch auf Sekretärinnen oder selbstständige Eventmanagerinnen machen könnten. Es liegt ja nur an ihnen selbst. Die moralische Keule soll ihnen lediglich ganz "liberal" die Augen öffnen und sie so aus dem "deutschen Sexparadies" (Schwarzer) führen.

Gleich ein Einwand gegen zu viel Horizontal-Romantik: Viele rechtfertigen ja die Prostitution mit ihrem gesellschaftlichen Nutzen. Weil es Huren gibt, entlade sich viel gefährliche sexuelle Energie professionell, sagen sie. Prostituierte sorgten somit für inneren Frieden und absorbierten sexuelle Anspannung. Diese Verherrlichung ist Bullshit - sie sieht die Frauen als Erwerbsfaktor und klammert den Mensch aus, fragt zudem nicht mal mehr, warum Frauen das tun und was sie dazu zwingt. Auch wenn man manches dieser Nutzen-Argumente nachvollziehen kann, so bleibt es doch ein enthumanisierter Ansatz. Dieser Scheißjob bleibt ein Scheißjob - egal wie man ihn dreht und wendet. Beim Blasen eines alten und unsympathischen Sacks pusht sich die Hure sicherlich nicht, indem sie sich immer wieder einbläut, sie tue das für die Gesellschaft. Sie wird wohl nur schauen, dass es möglichst schnell vorbeigeht. Besser wäre es für Frauen in jedem Falle, ihr Geld anders zu verdienen. Aber woher bessere Verdienstmöglichkeiten nehmen, wenn nicht herbeiphantasieren? Es gibt ja oft nicht mal ausreichende Mini-Jobs "zur Alternative".

Die Frauen, die diesem Gewerbe nachgehen, sind ja keine Frauen, die eine freie Wahl hatten. Wer meint, sie hätten Freude an dieser Tätigkeit, hätten ihre Nymphomanie adäquat in den Arbeitsmarkt integriert, der hat keine Ahnung von den Lebensumständen, die zur Prostitution treiben. Kaum eine Frau hat sich je bewusst für eine Karriere am Bordstein entschieden. Aber der Angriff der Emma zielt genau in diese unaufgeklärte Richtung. Sie klingt dabei ein wenig eingeschnappt. Als sähe sie in den Huren Schwestern, die sie enttäuscht haben, weil sie die emanzipatorischen Errungenschaften noch immer nicht umgesetzt hätten. Die Schwestern müssten nur wollen, dann könnten sie ihr Leben auch anders leben und finanzieren.

Prostitution abschaffen - schön und gut. Und dann? Beziehungsweise: Und was denkt man sich schon davor aus, um die Frauen abzufangen? Welche Perspektiven bietet man ihnen? Bietet dieser Arbeitsmarkt voller Niedriglohn-Chancen und Zeitarbeit-Alternativen denn Perspektiven? Dient es überhaupt, wenn man aus dem "anerkannten Beruf" eine schmuddelige Angelegenheit macht? Oder macht es die Situation nicht nur schlechter? Wer Prostitution abschaffen will, der muss gleichzeitig ein Ende der neoliberalen Arbeitsmarkt- und Sozialreformen fordern. Beide Aspekte haben miteinander zu tun. Wie so oft. Das gilt auch für die, die Stresserkrankungen bekämpft sehen wollen. Wer das will, muss gegen die Deregulierungen am Arbeitsmarkt aufstehen. Man kann nicht nur eine Seite haben, man muss das gesamte Konzept anfechten.

Und wer Prostitution abschaffen will, der muss überdies deutlich sagen, dass er Prostituierte abschaffen will. Und das ist an sich ja nicht schlecht. Moralisch ächten darf man sie dann aber nicht. Das verschlimmert nur die Situation, drängt sie in eine moralische Illegalität. Und man muss vor allem mehr bieten als nur diese ethische Verunglimpfung.

Das erinnert alles ein wenig an jene Liberalen der Nordstaaten, die den Schwarzen des Südens die Sklavenschaft ersparen wollten, aber wenig bis gar nichts zur sozialen Gleichstellung in Freiheit beitrugen. Die Freiheit stand als Wert für sich. Aber dass Freiheit ohne die Mittel, sich frei zu halten, keine richtige Freiheit ist, merkten viele befreite Schwarze sehr schnell. Sie verbürgten sich fortan als bezahlte Arbeitskräfte ihrer vormaligen Herrn - und nicht selten zu weitaus schlechteren Bedingungen.

So ähnlich ist die Forderung der Emma jetzt. Und diese Haltung passt perfekt in den Zeitgeist. Im gauckianischen Deutschland ist die Freiheit an sich groß in Mode. Sie darf nur nicht konkret werden. Und sie sollte nichts kosten, sonst nimmt die Freiheit ja schon wieder die Geldgeber in Haftung. Es ist eine Freiheit, die dieses Motto hat: Komm, die Ketten sind ab, jetzt genieße deine Freiheit - übrigens: Die Benutzung dieser Straße der Freiheit, auf der du gerade stehst, die kostet Maut. Kannst du zahlen? Gauck spricht gerne von Freiheit in Verantwortung. Je länger man ihn hört, glaubt man aber, er meine eigentlich die Verantwortlichkeit der Freiheit - nach der Losung: Du bist für die Finanzierung deiner Freiheit selbst verantwortlich.

Wer über die Befreiung der Frau von der Prostitution spricht, wenn es einen solchen historischen Auftrag überhaupt gibt, der sollte konkret genug werden und nicht einfach nur Freiheit! rufen. Oder wahlweise Verbot! oder Ächtung! Dazu gehört schon wesentlich mehr. Und er sollte besser zwischen den Frauen trennen, die verschleppt wurden und "unfreiwillig" anschaffen müssen und denen, die sich aus ihrer sozialen Perspektivlosigkeit dazu "freiwillig" bereiterklärten. Nicht hinter jeder Hure steht ein tyrannischer Zuhälter.

Wer die Acht aussprechen will, der will auch, dass Prostituierte von Vertreterinnen eines Berufsstandes zu Schlampen gemacht werden, auf die man mit dem Finger zeigt. Bravo, liebe Emma! Das ist schwarze Aufklärung par exellence. Ist das nun alles was vom emanzipatorischen Auftrag blieb: Ein Blatt von moralinaufstoßenden Jakobinerinnen? Hatte man nicht mal mehr Verständnis für die Lebenswirklichkeit gesellschaftlicher Randgruppen? Nennt man diese Radikalität nun Altersstarrsinn oder handelt es sich doch noch um Aufklärung?


41 Kommentare:

ninjaturkey 5. November 2013 um 06:49  

Vielleicht könnte man ja damit anfangen, die Freier zu ächten, die ja Sexualität und den Sexualpartner als Ware sehen.

Hartmut B. 5. November 2013 um 07:48  

Tja, wenn ich allein den Namen Alice Schwarzer schon in den 70ern hörte, sah ich immer schwarz - heute sehe ich noch schwärzer.....

Sie ist eine total reaktionäre Frau, die aus purem Egoismus nur sich selbst darstellen will.

Roberto, wie Dein prima Artikel darlegt hat sie ihr eigenes Geschlecht per se diffamiert......

Danke für Deinen super Artikel !

MfG

Gerrit Hansen 5. November 2013 um 07:48  

Der Emma zu unterstellen die Frauen abwerten zu wollen ist doch albern ... bei all ihrem Tun überhöhen Sie Frauen in der Regel ja bis auf den Heiligenstatus. Das ist doch der Grund warum sie so im Abseits stehen. Verallgemeinert zu sagen dass der der einen Umstand ächten will auch automatisch die Opfer dieses Umstandes mitächtet ist Quatsch. (Niedriglohnarbeit, Drogensucht/Drogenhandel, Sklaverei, Illegale Schleuserei, Menschenhandel, Inzest, Braunkohleabbau ... Es gibt Themen die muss man halt angehen und dann eine Lösung finden was aus den Leidtragenden wird - und wenn ich Atomstrom ächte und sage "Weg mit der Atomkraft" dann unterstellt mir ja auch keiner, dass ich irgendeinem Homer Simpson in die Arbeitslosigkeit drängen will.

Wer auch immer da bei ad sinistram schreibt ist ganz merkbar viel schlauer als das was er da schreibt. Im Prinzip liegt er bei 90 % Konsens mit der Emmathese - aber gleichzeitig lehnt er sie so sehr ab, dass er ihr unbedingt ans Bein pinkeln will. (Und das kann ich sogar verstehen, die Schwarzer/Emma Positionen sind ja oft unerträglich einseitig und extrem. Mich erinnert das so ein bisschen daran wenn man zufällig mit der Kirche auf der gleichen Demo steht - alles was die sagen kann stimmen und man hasst sie trotzdem und wird auch den einen oder anderen sarkastischen Spruch bringen weil es Zuspruch aus der falschen Richtung ist.)

Für mich ist es eines der vielen Themen auf der "linken" Seite bei dem man immer mit Leuten an einem Strang zieht mit denen man sich auf den letzten 10 % des Weges vielleicht den Kopf einschlagen würde. Ich kann für meinen teil die Leute von der Friedenswerkstatt, Antifa Leute, Kirche, die Kommis etc in der Regel nicht ab respektiere aber Ihren Beitrag zur Entwicklung.

Die Emma bellt ja schon immer lauter, utopischer & radikaler als sie beißt - aber täte Sie das nicht wären so manche Themen (annähernde Gleichbezahlung, 218, Missbrauchsschutz, Duldung von Vergwaltigung in der Ehe ...) nicht oder auch wesentlich später angefasst worden.

Das Nichttolerieren (Die Ächtung) des Umstandes das Frauen sich von Männern aufgrund ihrer miserablen Lebensumstände für Geld vögeln lassen gleichzusetzen mit "Spießerklima", im nächsten Absatz das Fehlen von anderen Verdienstmöglichkeiten als Argument Für die Prostitution heranzuführen (Da kann man dann auch den Bahnhofstrich, oder den kleinen Dealer um die Ecke mit schönreden "Der findet halt keinen anderen Job") und last but not least der Vorwurf, das die Emma kein rundum glücklich Paket zu Lösung aller Folgeprobleme hat (was sie selbst zugibt) ... das ist doch dümmste Polemik.

Man kann bei jedem, der was bewegen will immer als der große agnostische Skeptiker auftreten und faul vom Sofa mit Chips schmeißen und bemängeln dass dies oder jenes nicht ausgereift formuliert ist - aber das sind dann immer die Leute die niemals irgendwas verändern und nur blöde sülzen. Da stehe ich persönlich lieber blöde naiv mit ner Kerze auf der Straße und mache ne Lichterkette als mich als der große Weltversteher mit Durchblick aufzuspielen (Der alles genau so macht wie schon Mutti es gemacht hat - aber mit zurechtgelegten Argumenten).

flavo 5. November 2013 um 08:04  

Was soll man auch von EMma erwarten? Schwarzer ist ein Bespiel der 68er, die wie Josph Fischer und dergleichen in der ganzen Bewegung nur mitmachten aus individualpsychischen Trieben. Ja, Trieben. Da es ihnen unreflektiert um persönliche Belange, Anerkennung, innere Abarbeitung des Verhältnisses zu den Eltern, Narzismus und Herrschsucht ging. Als der erträumte Handlungsspielraum dann erreicht wurde, zeigte sich der normal gebliebene Kern, ihre Herkunft und ihre Hinkunft. Der eine ist offenbar einer kindischen Wahnwelt von großen Staatsmännern verfallen und Schwarzer einer Art Hofdamenfeminismus.
Es gibt in der Geschichte wohl genug Material zur Markierung der Prostitution. Vermutlich posaunt EMMA hier nichts neues hinaus, sondern reproduziert in der behaglichen Unreflektiertheit ein tief verankertes Bild einfach wieder neu. Die Fashion des Neuen übertrumpft hier jeden Gedanken, das Gedächtnis ist schal und ohnehin jung.
Vermutlich wird man in der deutschen Bürgerlichkeit Anklang finden. Huren eignen sich vorzüglich für das freie Flottieren aggressiver Impulse und das Schwelgen in Phantasiewelten voller Aggression gegen Huren. Vermutlich ist die Welt einfacher gestrickt: die Redakteure haben vermutlich zu viel Game of Thrones oder Borgias geschaut und die ganzen rauen Hurenwelten darin sonderbar verdaut.

Anonym 5. November 2013 um 08:30  

Soweit ich weiß, geht es bei der Initiative von Frau Schwarzer nur darum die Freier zu ächten, wie dies hier auch ninjaturkey vorgeschlagen hat. Frau Schwarzer kämpft seit Jahren für das schwedische Modell.
Ferner unterstelle ich sowohl Ihnen als auch Frau Schwarzer, kaum wirkliche Berührungspunkte mit dieser Thematik zu haben. Mein Einblick mag zwar nicht ganz repräsentativ sein, der von Ihnen beiden ist es aber definitiv nicht, zumal Sie sich in Ihrer Prämisse: „Die Frauen, die diesem Gewerbe nachgehen, sind ja keine Frauen, die eine freie Wahl hatten.“ gar nicht mal unterscheiden. Sie beide verkürzen die Thematik auf bestimmte Teile, Frau Schwarzer auf die der Zwangsprostitution, Sie auf den neoliberalen Zwang. Sie haben ihn Ihren Bereichen auch Recht, Prostitution ist aber ein wesentlich größeres Feld, welches sich allein mit Ihrer Herangehensweise nicht erklären lässt.

Anonym 5. November 2013 um 08:42  

Wäre der Autor auch der Frage nachgegangen, warum es so wenig Männerbordelle (Ausnahme: Call-Boy. und Begleitagenturen) gibt, wäre er zu ganz anderen Ergebnissen gekommen.

Unterschlagen wird hier auch die sozialwissenschaftlich belegbare Tatsache, dass es neben der gewerblichen Prostitution auch die wesentlich verbreiterte staatlich sanktionierte Prostitution durch Heiratsurkunde, nämlich in Gestalt der bürgerlich rollenverteilten Ehe gibt.

Hades 5. November 2013 um 09:44  

Die Schwarzer war schon mal weiter, gedanklich, vielleicht. Symptome bekämpfen, nichts als leere Worthülsen, aber brandgefährlich. Das haben wir schon im Drogenhandel, Konsumenten und Kleindealer fahren ein. Aber die tatsächliche Krankheit, die organisierte Kriminalität, die sich beidem den Arsch vergoldet, an die will die Alice auch nicht ran. So wie Gauck und Konsorten.
Freier ächten, wie denn? Vor oder nach dem Besuch eines Bordells, mit Edding auf die Stirn etwa? Ganz so einfach ist es nicht, meine Meinung.

Satch 5. November 2013 um 09:46  

Ich bin kein Fan der Emma (zu eindimensional), verstehe aber auch nicht, warum ein konkretes Auseinandersetzen mit den Forderungen und Texten so schwer fällt. So auch hier: Ich wüsste nicht, dass irgendjemand fordert, die Huren zu kriminalisieren, im Gegenteil. Wohl aber die Freier. Was spricht dagegen? Der Umstand, dass viele Huren durch ihre materielle Notlage zur Prostitution gezwungen sind? Mit dem gleichen Argument könnte man sagen, dass Dosenpfand nicht abgeschafft werden darf wegen der vielen Menschen, die sich ein wenig dazu verdienen, indem sie Mülltonnen durchsuchen.
Um nicht missverstanden zu werden: Der Hinweis, dass die soziale Komponente (Minijobs, working poor, etc) in der Emma viel zu kurz kommt, ist völlig richtig und stößt auch mir immer wieder sauer auf.

Anonym 5. November 2013 um 09:50  

ANMERKER MEINT:

Es ist wohl so, im Alter zeigt sich die eigentliche Anschauung vieler Menschen. Es bricht hervor, was jahrzehntelang eine Schattendasein geführt hat, intellektuell gezähmt war. Arme Alice, jetzt ist sie dran. Diese Hydra des "Feminismus". Nachdem das "Schwanz ab"-Argument zu nichts geführt hat, müssen jetzt die Schwächsten der Gesellschaft wieder dran glauben, die Frauen. Mit dem Mantel der Scheinheiligkeit soll die gesellschaftliche Realität zugedeckt werden, damit das christliche Abendland wieder rein wird und Pfarrer Gauck stolz sein kann auf seine Adlat*innen! Den Huren Rechte zu geben bzw. vorhandene Rechte zu bewahren oder zu erweitern: das ist angesagt, Frau Schwarzer, kein Hurenbashing! Aber wird eine zur Bildkolumnistin heruntergekommene Emma so etwas erkennen können?

FRAGT ANMERKER

Anonym 5. November 2013 um 09:51  

Also ich meine das ist doch letztlich auch nur ein Dienstleistung und man hätte grade im Schlepptau des Rotlichts von Menschenhandel bis Zwangsprostitution nun wahrlich genug Spielraum etwas gegen Missstände zu tun.

Aber Prostitution abschaffen... ja warum denn... geht das überhaupt?

Frau Lehmann 5. November 2013 um 12:16  

Offensichtlich ist Frau Schwarzer der Meinung, der Kampf um die Emanzipation der Frau sei keine gesellschaftliche Aufgabe mehr, habe sich sozusagen erledigt, z.B. damit, dass eine Frau Bundeskanzlerin geworden ist.
Mit "Hilflosigkeit" hat das meiner Meinung nach weniger zu tun, es sei denn, man bezeichne alles, was derzeit politisch und gesellschaftlich an Problemlöse"strategien" aufgefahren wird, als hilflos, weil nichts als aktionistisch, ohne Substanz und Ursachenforschung, keinesfalls nachhaltig - kurz: ein "Kampf" gegen Symptome einer Krankheit, die nicht die Krankheit heilt, sondern dem Kranken suggeriert, dass er gar nicht krank sein müsste, wenn er es denn nicht wollte. Man müsste dann ja alle derzeitigen "Aktionen" seitens der Politik für hilflos erklären,was in meinen Augen den "Akteuren" nicht nur ein (intellektuelles und menschliches) Armutszeugnis austtellt, sondern gleichermaßen das dahinter liegende Kalkül verharmlost.
Danke für den Artikel.

Sledgehammer 5. November 2013 um 12:27  

Die wiederholte Fokussierung der Frau Schwarzer und ihrer "comrades in arms", auf einen diffizilen Teilbereich gesellschaftlicher Ausbeutung und Selbstausbeutung und dessen Stigmatisierung, wird wahrscheinlich auch diesmal nur kurzlebige mediale Öffentlichkeit herstellen.

Wer keine tragfähigen Konzepte zur Überwindung eines Missstandes anzubieten hat, sich statt dessen im idealtypisch Verschwommenen bewegt, muss sich die Vermutung gefallen lassen, dass dieser neuerlichen Aktion, welche Ironie, selbstsüchtige Motive zugrunge liegen.

P.M. 5. November 2013 um 13:45  

Spätestens seit Schwarzer eine regelmäßige Kolumne in der BILD, also quasi dem Zentralorgan des Sexismus in Deutschland, unterhalten hat, ist sie als Feministin nicht mehr ernst zu nehmen.
Sie handelt da ganz im Sinne ihrer neuen Arbeitgeber, wenn sie jetzt fordert, die Prostituierten (noch mehr) zu ächten und sie ganz im rechtsliberalen Sinne quasi indirekt selbst für ihre Lage verantwortlich zu machen.
Sollten sie und ihre Verbündeten damit Erfolg haben, wird es den betroffenen Frauen noch schwerer fallen, irgendwann eine Interessenvertretung aufzubauen, was natürlich der einzigen Weg wäre, ihre Problemlagen wirklich zu lösen.

Anonym 5. November 2013 um 14:17  

Was ist der Unterschied zwischen einer Prostituierten und einem Spitzenpolitiker?

Die Prostituierte verkauft nur ihren Körper. Der Spitzenpolitiker ein ganzes Volk.

Übrigens fände ich es ganz prima, mal einen Schrei der Empörung in der EMMA zu lesen, dass es auch andere moralisch unzumutbare Berufe gibt: beispielsweise als Investmentbanker(in) mit Lebensmitteln zu spekulieren....

Es kann genauso scheiße sein, zu einem 1-Euro-Job gezwungen zu werden, der als die totale Demütigung empfunden wird (beispielsweise studierte Ingenieure Bäume für den Winter umwickeln lassen....) wie dem o.a. alten Sack einen zu blasen. Wo ist da eigentlich noch der große Unterschied?

Sind wir in diesem System nicht alle irgendwie Nutten?

Sledgehammer 5. November 2013 um 15:18  

Was wäre mit der Ächtung der "Freier" gewonnen?
Von Ausnahmen abgesehen, outet sich niemand öffentlich als "Hurengänger".
Mahnwachen vor Bordellen, sonstigen Etablissements und Straßenstrich-Patrouillen wirken ähnlich deplaciert wie ein Branding.
Auch die verpeilten Fernsehsender-Teams auf der Jagd nach dem "semi-prominenten Puffbesucher" spiegeln lediglich moralinsaures oder bejahendes Kleinbürger-Publikum.
Bliebe allein deren Kriminalisierung und Sanktionierung, ohne dass sich deshalb, die der Prostitution immanente Problematik auflösen ließe.

Anonym 5. November 2013 um 15:25  

Wie's der Zufall so will las ich vor kurzem ein Buch zur Thematik, wenn auch unfreiwillig, weil ich dachte es geht darin generell um das Thema des 21. Jahrhunderts, dass gerne medial totgeschwiegen wird - die Moderne Sklaverei im 21. Jahrhundert.

Titel "Sklaverei: Im Inneren des Milliardengeschäfts Menschenhandel" der mexikanischen Journalistin, und Menschenrechtsaktivistin, Lydia Cacho.

Die Autorin befaßt sich aber mehr mit der Problematik moderne Sklaverei und Prostitution - viele vergessen eben, dass moderne Sklaverei gleich Prostitution ist, von der nicht allein, aus der Not, nur Frauen betroffen sind, sondern auch Männer, und Kinder - als Pädophilenopfer.

Frau Cacho beschreibt dies global, und hat sich dafür sogar oft in sehr gefährliche Situationen gebracht - als investigative Journalistin im Stil Günter Wallraffs, und ist dabei, für mich persönlich - als Wallraff-Fan, um einiges glaubwürdiger als Frau Alice Schwarzer, da Frau Lydia Cacho auch die Schattenseiten der religiösen Moral, und Frauenfeindlichkeit, erwähnt - die in vielen Religionen, gerade den monotheistischen, oft vertreten wird.

Ein echter Geheimtipp auf den ich, wie bereits erwähnt rein zufällig stieß - auch das Glossar des Buches war interessant, da dort der Begriff "Prostitution" zum ersten Mal erklärt wurde - aus dem lateinischen.

Hier mehr über die mutige Journalistin, leider Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Lydia_Cacho

Das z.B. würde Frau Schwarzer nie wagen:

"[...] da sie darin unter anderem den Menschenhandel mexikanischer Drogenkartelle schilderte[...]"

Quelle: Wikipedia oben....

...mutig eben, und nicht allein auf einen Aspekt der Prostitution stützend....

Gruß
Bernie


Hartmut B. 5. November 2013 um 15:30  

Ne kleine Aufheiterung zum schweren Thema - besonders auf die heutige "hochgestellte politische" Sprache
bezogen......

In den 60ern war nebenan ein kleiner Junge, der konnte nicht Mutti sagen - ständig und wiederholt sagte er zu seiner Mutter immer nur "NUTTI"

ja so wars schon hier aufm Land vor fast 50 Jahren ...- ob der wohl ein kleiner Prophet war .... ? ;-)

Anonym 5. November 2013 um 15:41  

Ergänzung zum Post über Frau Cacho:

Frau Schwarzer würde auch nie mit Prostitutions-Betroffenen reden sondern nur ÜBER die schreiben.

Was auch Tradition - nicht nur bei "Emma" hat - In Deutschland redet man immer über Betroffene, egal ob bei der Thematik Prostitution, Hartz IV oder Zigeuner - nie mit diesen, über deren Erfahrung mit Ausgrenzung - so was gehört eben beim neoliberalen Sozialrassismus mit dazu.

Zynischer Gruß
Bernie

Anonym 5. November 2013 um 16:05  

gerrit, schreibst du bei emma das Sie immer groß? ist die für dich gott? linke seite? emma und schwarzer? alles klar.

Roberto De Lapuente 5. November 2013 um 16:12  

Ja, dann halt mal deine Kerze, Gerrit. Wird ja mittlerweile auch wieder schneller dunkel. Dann hast Du Kerzenständer sogar eine Wirkung.

Übrigens ist dein Kommentar grober Unfug. Es geht um ein Zitat Schwarzers - das von der Ächtung. Das ist nicht erfunden. Wer mit Ächtung arbeitet, der übertreibt nicht, der setzt Menschen unter Druck. Das ist reaktionär und dumm. Das hat nicht mal was mit unerträglich einseitig zu tun. Prostitution kann man nicht abschaffen. Das haben andere Gesellschaften auch schon versucht. Sie wird es immer geben.

Man hat Rot-Grün unterstellt, dass es oft zu pragmatisch war, weil es keine Ideale mehr hatte, sondern realpolitisch vorging. Der Vorwurf ist richtig. Aber in manchen Fragen ist es sinnvoll, pragmatisch vorzugehen. Die Legalisierung der Prostitution war ein solcher Beitrag. Auch wenn man da natürlich reformieren sollte, um Zwangsverhältnisse besser erkennbar zu machen. Dieser Pragmatismus war jedenfalls weitsichtiger als die Ächtung.

Und die Emma schreibt nicht für die Frau. Bevor ich das vergesse. Sie ist das Blatt für bessergestellte Frauen. Die Kassiererin kommt darin nicht vor. Und daher ist die Hure auch keine abgewertete Frau, wie Du schreibst. Sie ist für die Emma ein Übel.

Wolfgang Buck 5. November 2013 um 19:08  

Lieber Roberto. Ich bin heute mit Deinem Artikel nicht so ganz zufrieden.
Zum einen beklagst Du zurecht, dass Frau Schwarzer die Prostituierten wieder in eine Schmuddelecke stellen will, zum anderen lese ich deutlich heraus, dass Du dieses Berufsbild selbst auch als schmuddelig ansiehst und es für Dich durchaus moralische Bedenken gegen die Prostitution gibt.

Ich sehe hierbei, soweit es sich um eine freiwillige Dienstleitung handelt keinerlei moralische Bedenken. Es handelt sich hier nicht um kommerzialisierte Liebe sondern ganz Konkret um sexuelle Bedürfnisse, die man vom Begriff "Liebe" in diesem Kontext entkoppeln kann. Prostituierte, die sich diesen Beruf aktiv ausgesucht haben (und im Übrigen auch durchaus Alternatiben hätten!) lutschen z.B. nicht "jeden alten Schwanz", sondern suchen sich ihre Kundschaft, zB betreffend Sauberkeit und respektvollem Umgang durchaus aus.

Um Prostitution endlich aus der Schmuddelecke zu holen und die Zwänge durch Zuhälterei endlich auszumerzen ist es dringend nötig dieses Berufsbild als solches zu akzeptieren, ohne wenn und aber (deshalb muss es nicht jeder toll finden, Metzger haben auch nicht nur Freunde).

Roberto De Lapuente 5. November 2013 um 19:17  

Nein. Ich habe den größten Respekt vor Huren. Aber ich habe etwas gegen Romantik. Es ist Arbeit. Also Scheiße. Und ich denke, dass es für jede einzelne Hure keine Erfüllung sein kann.

Gabi 5. November 2013 um 19:33  

"Das gilt auch für die, die Stresserkrankungen bekämpft sehen wollen. Wer das will, muss gegen die Deregulierungen am Arbeitsmarkt aufstehen."

Ähm, Roberto? Du hast aber schon mal was von der Ärzte- und Pharmalobby gehört, und dass entsprechende Statistiken immer mehr an Indikatoren hochgerüstet werden, um immer noch mehr behandlungsbedürftige Kunden zu schaffen?

Roberto De Lapuente 5. November 2013 um 19:37  

Achso. Es gibt also keine Menschen mit psychischem Druck? Alle nur dramatisiert? Is ja irre.

Anonym 5. November 2013 um 19:44  

Wie ging ein Filmzitat gleich?

"Sie soll mit einem Mann ins Bett gehen und ihm etwas vormachen, sie ist eine Frau das braucht sie nicht zu trainieren!"

O.K. trocken... ähnlich trocken sehen aber auch körperlich eher weniger intime Dienstleistungen aus.

Margareth Gorges 5. November 2013 um 19:45  

Werter Herr Wolfgang Buck,
"Prostituierte, die sich diesen Beruf aktiv ausgesucht haben " GIBT ES NICHT ! Woher nehmen Sie denn diese Erkentnis? Es beruhigt die Freier natürlich wenn die Frauen sagen, " oh ich mache das supi gerne und freiwillig ".

Und besonders die " Escort Damen " für den Herrn mit gehobenen Anspruch. Da geht man vorher in die Oper - und schick Essen. Und überhaupt steht das intellektuelle Gespräch im Vordergrund . NATÜRLICH !

Diese Escort Damen begleiten den gestresten Manager mit Freude - und denken dabei an das Happy End von Pretty Woman. KLAR WIE ROMANTISCH . SARKASMUS MOD OFF !

MIT VERLAUB HERR BUCK , ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber falls sie ein " Puffgänger" sind oder doch eher der Escort Damen Besteller, dann sind es genau so Typen wo die Frauen danach sagen: OH MEIN GOTT WIE MICH DIESE TYPEN ANWIDERN !

Wolfgang Buck 5. November 2013 um 21:09  

Hallo Frau Gorges,

nein, "Puff-gehen" ist für mich persönlich nicht das Richtige. Vermutlich bin ich zu romantisch oder schwärmerisch.

Und ich gebe zu ich habe meine Erkenntnis nur durch ein einziges Beispiel erlangt. Diese Bekannte, die sich früher während und auch nach dem Studium prostituiert hat, hätte durchaus alternativen gehabt soweit sie dies behauptet.

By the way: Mich widert auch vieles an. Ein guter Tipp: nichts persönlich nehmen was einen nicht persönlich betrifft. Wollen sie im Ernst etwas verbieten nur weil es nicht ihrer Vorstellung entspricht? Etwas untolerant, oder?

Wolfgang Buck 5. November 2013 um 21:53  

Nachtrag zu Frau Gorges.

Nun hat es mich nicht mehr los gelassen ob meine Bekannte, die sich freiwillig als Studentin prostituierte wirklich der absolute Einzelfall ist.

Ist sie nicht!
Auch wenn die Gründe für Prostitution unterschiedlich sind. Wenn man nicht davon ausgeht, das jegliche bezahlte Arbeit per Definition ein Zwang ist gibt es genug "freiwillig Prostituierte".
Siehe hier: http://www.sueddeutsche.de/karriere/studie-zu-sexarbeit-unter-studierenden-studentenjob-prostitutierte-1.1098538

Anonym 5. November 2013 um 22:18  

@Wolfgang Buck

Sorry, aber es gibt keine "freiwilligen" Prostituierten, hier muss ich meinen Vorgängern recht geben.

Es hilft schon ein Blick in das von mir empfohlene Buch von Lydia Cacho, die übrigens auch eine strikte Gegnerin der sogenannten Legalisierung der Prostitution ist.

Der Grund? Wer profitiert davon? Die Nutten sicher nicht, und wer Frau Cachos investigativer Recherche wird schnell fündig...

Kleiner Tipp, die armen Puffgänger auch nicht, und die Mittelschicht schon gar nicht - Volia, wer bleibt da laut Frau Chaco in allen Ländern übrig?

Und warum sind es immer diese Leute die eine "Legalisierung der Prostitution" verlangen?

Interessante Fragen, gell?

Gruß
Bernie

Anonym 5. November 2013 um 22:22  

Margareth Gorges

Kann Ihnen nur zustimmen, eine sogenannte Freiwillige Prostitution gibt es ebensowenig wie karierte Zebras, und gestreifte Giraffen, auf dem afrikanischen Kontinent.

Ein Blick in das Buch von Frau Cacho hätte Herrn Buck eines besseren belehrt....

Gabi 5. November 2013 um 23:07  

"Das gilt auch für die, die Stresserkrankungen bekämpft sehen wollen. Wer das will, muss gegen die Deregulierungen am Arbeitsmarkt aufstehen."

Deregulierung am Arbeitsmarkt ist das eine, die Ärzte- und Pharmalobby mit Interesse an Stressdiagnosen das andere.
Weder das eine noch das andere auszublenden wird dem Thema gerecht. Mehr wollte ich nicht sagen...

Hartmut B. 6. November 2013 um 01:46  

ja leider Roberto ist es so - nach dem Lesen von inzwischen 26 Kommentaren -
daß an einer Hure selten eine Spure von gutem Glauben
bleibt.....

leider gilt hier wohl besonders der Grundsatz: "Und ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert" - bitte nicht missverstehen - sondern in aller Vieldeutigkeit!!! danke....

Anonym 6. November 2013 um 09:10  

Hat sich hier eigentlich schon mal jemand gefragt warum Männer zu Huren gehen? Gehen die da nur hin nach dem Motto: "Ach beute ich heute mal eine Frau sexuell aus" oder hat das evtl. doch trivialere Gründe?

Eigentlich beuten sich Männer doch selber aus wenn man das überhaupt so nennen kann und das werden die auch immer weiter tun ob legal oder illegal.

An Hormonhaushalten ist auch nichts romantisches, auch klar aber sie gehören zu dieser Welt und die Prostitution zu verdammen ist weltfremd. Wie ich gestern um 9:51 schon schrieb, ich bezweifle das man Prostitution abschaffen kann aber man kann doch sehr wohl die Umstände verbessern, ein Verbot oder eine Ächtung bewirkt das Gegenteil, ändert aber nichts an den Fakten.

Margareth Gorges 6. November 2013 um 09:58  

@ Wolfgang Buck,

zu Ihrem „guten Tipp“ an mich ... Ich bin nicht Alice Schwarzer , denn ich maße mir nicht an irgendetwas zu verbieten .

Und nun ganz kurz zu „ Ihrer „ Bekannten“,die Studentin die sich „FREIWILLIG“ prostituiert.
Ja, sehr viele Studentinnen und auch Studenten prostituieren sich heute. Haben Sie auch nur einen Moment mal darüber nachgedacht , was das für unsere Gesellschaft bedeutet ?
Die Zahlen der „ Studie „ sind ein ARMUTSZEUGNIS für die sogenannte deutsche Bildungslandschaft“ !!
Schaun Sie sich auch mal die anderen Studien an - dass z.b ein großteil der Studierenden den
„ Bildungsbetrieb“ nur noch mit Aufputschpillen schaffen kann!
Bachelor - Master und Co. auch dort findet eine Prostitution statt - die Wirtschaft DRILLT macht gefügig - nimmt die Würde - macht die Auslese - wer am besten verwertbar ist !

In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich , dass so was geschehn kann ?!
Und bitte hören Sie endlich mit dem unsäglichen „ freiwillig „ auf !

Übrigens: Sugar Daddys nennt man verniedlichend die Freier von den Studentinnen! Die Sugar Daddy können die horenden Mieten zahlen. Dafür muss Sie dem Daddy nur gefügig sein !

Bleibt nur zu hoffen, dass „ Ihre Bekannte „ genug Geld verdienen wird, um den Psychiater zu bezahlen, der ihr aus dem daraus resultierenden Trauma wieder heraushilft!

Aber zur Not , hat Sie ja noch Sie als ihren guten Bekannten - der mit Rat und Tat Ihr zur Seite steht

Schönen Tag noch

Gisela Weber 6. November 2013 um 11:46  

Ich halte die Kampagne von Schwarzer für einen Versuch patriarchale Moralvorstellungen zu stabilisieren, um die bestehende Berufs- und Wirtschaftshierarchie samt Arbeitsverständnis zu erhalten.
Ausbeutung, an sich, scheint, demnach, nicht das vorrangige Problem zu sein und im Arbeitsbegriff zulässig zu sein. Deshalb will Schwarzer den Arbeitsbegriff moralisch-hierarchisch dichotomisieren und bestimmen, was, als Arbeit zu gelten hat. Von einer emanzipatorischen Entwicklung hätte ich mehr, als spalterisches Moralisieren, erwartet.

Ich werde diesen Appell nicht unterschreiben, weil er kontraproduktiv ist und alte patriarchale Strukturen verfestigt.

Schwarzers Forderung nach Verboten trägt weder zur emanzipatorischen Befreiung, noch zur positiven Veränderung des Geschlechterverhältnisses bei.

Anonym 6. November 2013 um 13:18  

"[...]Nun hat es mich nicht mehr los gelassen ob meine Bekannte, die sich freiwillig als Studentin prostituierte wirklich der absolute Einzelfall ist[...]"

Yep, und meine Bekannte ist Domina im Sexklub.....

...im Netz kann man ja viel behaupten lieber Wolfgang Buck....

...vielleicht ist meine Bekannte ja auch ihre Bekannte *grins**rofl*

Wolfgang Buck 6. November 2013 um 21:20  

@Anonym 6. November 2013 13:18
und die Anderen die mir geantworte haben.

Klar kann man im Netz alles behaupten. Sie müssen mir ja nicht glauben. Aber zumindest die Studie die ich in dem Posting auf das sie sich beziehen verlinkt habe könnten sie zumindest zur Kenntnis nehmen.

Aber die Menschen (Männer und Frauen) die sich demnach freiwillig prostituieren oder es sich zumindest vorstellen können sind vermutlich Fehlgeleitete, die wie oben bereits die Dame mir geantwortet hat; dann einen Psychiater notwendig haben.

Die Argumentation das es per Definition keine freiwillige Prostitution geben kann (und darf) erinnert mich stark an die Diskussion über Homosexualität in den 50er und 60er Jahren. Tenor damals: alle Schwulen und Lesben sind entweder in der Kindheit dazu verführt worden oder aber (in der Regel) krank und benötigen eine Therapie.

Aber gegenüber Ideologen sind Argumente und Tatsachen ohnehin unnütze. Daher lass ich es nun auch bewenden.

Anonym 7. November 2013 um 17:48  

"Freiwillig", im Sinne des Fehlens eines äußeren Zwanges gibt es, wie Herr Buck schreibt, durchaus - definitiv. Lange Zeit wollte ich das nicht glauben, musste aber zur Kenntnis nehmen, dass viele Frauen - Kommolitoninnen, Arbeitskolleginnen, Bekannte - wenn es um das Thema Sexalität ging, zu meinem anfänglichen Entsetzen und späteren Erstaunen, unter vier Augen anmerkten, es schon mal für Geld getan zu haben oder es vielleicht mal tun zu wollen.

Allerdings - und hier kann man sich dann Fragen, wie viel Freiwilligkeit vorhanden ist - stellte ich auch immer wieder fest, dass in deren Leben zwischendurch und gerne in jungen Jahren ordentlich was schiefgelaufen ist, bzw. entsprechende Symptome vorhanden waren, welche als typische Folge davon gelten.

Mittlerweile glaube ich: nur wer durch katastrophale biographische Ereignisse zur Überzeugung gelangt ist, nichts wert zu sein oder es nicht besser verdient zu haben oder das Wertvolle vor Jahren bereits genommen bekommen zu haben kann sich "freiwillig" und ohne weitere Schäden zur Prostitution entschließen und dabei glauben, damit gut weg zu kommen.

Anonym 8. November 2013 um 14:47  

"[...]Aber gegenüber Ideologen sind Argumente und Tatsachen ohnehin unnütze. Daher lass ich es nun auch bewenden[...]"

Yep, lieber Herr Buck, aber dieser Satz könnte ja geradezu auf Sie selbst zutreffen.

Schon mal darüber nachgedacht? *grins*

Anonym 9. November 2013 um 00:59  

Wer die Prostitution kriminalisiert, treibt die Nutten auf den Strassenstrich und verschlimmert alles nur.

Frau Schwarzer sollte sich mal einen Callboy zum relaxen geben und so richtig runterkommen.

Norbert Schnitzler 16. Februar 2014 um 17:36  

Die Kommentare entfernen sich immer weiter vom Anlaß, dem Blogeintrag.

Drei Fragen konnte ich oft nicht beantworten: Worum geht es? Was will der/die? Und warum?

Nur Gisela Weber und Wolfgang Buck versuchen zu argumentieren statt zu verdächtigen, aber wie Margareth Gorges Leute mit Großbuchstaben anzuschreien kann doch nicht alles sein, was zum Thema einfällt.

Hier werden nur weibliche Prostituierte mit männlichen Kunden behandelt. Das ist zwar die häufigste von vier möglichen Kombinationen, aber aus der Existenz anderer wird nichts gelernt. Insbesondere gibt es auch männliche Prostituierte für männliche Kunden. Was kann man im Vergleich lernen? Motive, Leidenserfahrung, Machterfahrung, Einkommen, Arbeitsmarktalternativen usw. könnte man vergleichen und dann den Genderaspekt isolieren bzw. vielleicht das Typische jeder Prostitution ermitteln.

Wäre dann im Prostitutionstypischen etwas zu finden, das eine Diskussion rechtfertigte, oder das Verbotsforderungen oder Verächtlichmachung rechtfertigte?

Und was wäre im Genderaspekt zu finden? Dabei müßten AnbieterInnen und NachfragerInnen betrachtet werden.

Zur Nachfrage: Warum zahlen Männer immer drauf und Frauen brauchen bloß eine Anzeige aufzugeben, um zu zahlreichen Kontakten zu kommen, selbst als Seniorin (Man lesen "Nacktbadestrand"). Erleben sie die ihnen erbrachte Dienstleistung als eigene Macht oder traurige Ohnmacht? Einerseits werden Männer als so mächtig dargestellt, dass sie für alles Üble in diesem Zusammenhang verantwortlich gemacht werden können, andererseits - behauptet jedenfalls Lea Ackermann von Solwodi - glaube man in Schweden inzwischen, nur Loser zahlten für Sex. Das paßt nicht zusammen. Hätten die Loser denn nicht eher Hilfe nötig (nennt man inzwischen in Abgrenzung zur Prostitution "sexuelle Assistenz")? Was zahlen Männer (die Alphatypen mal ausgenommen) denn überhaupt (für Anzeigen, Einladungen, Geschenke), um mal "rangelassen" zu werden, und sind das nicht dann bei ihnen Kosten, bei den Frauen vergleichbare Ausgaben (Kosmetik usw.) aber Investitionen, die sich lohnen? Nebenbei: Ich übersehe nicht, dass Intimität beide Geschlechter glücklich machen kann.

Zum Angebot könnte man die angeblich häufigen Mißbrauchserfahrungen untersuchen. Wann ist die Prostitution ein weiterer Mißbrauch, wann ein u.U. erfolgreicher Versuch der Traumabewältigung, etwa durch Machtausübung als Domina? Und erleben früher mißbrauchte Männer die Tätigkeit als Prostituierte anders? Wonach verlangen die Betroffenen überhaupt wie häufig, z.B. nach Gesetzesänderungen, Ausstiegsangeboten, regelmäßigen Untersuchungen, mehr Laufhäusern oder mehr Wohnwagenstellplätzen usw.?

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