Ich wähle nicht einfach Die Linke ...

Samstag, 21. September 2013

... ich wähle den Breitband-Zugang zu einer gerechteren Gesellschaft.

Eine Empfehlung für Sonntag möchte ich nicht geben. Das klingt dann nämlich so, als würde der dicke Fachmann hübsche Ratschläge erteilen. Ich kann nur von meinem Gespür sprechen. Und das hat sich seit der letzten Bundestagswahl kaum verändert.

Ich halte mich bei der aktuellen Wahl an Steinbrück. Keine Sorge, den wähle ich nicht. Aber in der Wahlarena hat er versucht einen Nichtwähler zu überzeugen. Er belehrte den Mann, dass er die Partei wählen sollte, die seinen Vorstellungen am ehesten entspricht. Von dem Unsinn, den er verzapft hat, dass das Wahlrecht eigentlich eine Wahlpflicht darstelle, halte ich hingegen wenig. Man sollte Menschen nicht in die Pflicht nehmen, sondern sie überzeugen. Aber im Sinne Steinbrücks, die Partei zu wählen, die mir am meisten entspricht, werde ich am Sonntag handeln. Nicht alles, was sie meint und glaubt, finde ich immer richtig. Aber sie ist ja auch nicht mein Klon, der sich wie ich bewegen und ticken soll.

Ich wähle nicht einfach eine Partei, nicht einfach nur Die Linke. Um die geht es mir ja nur marginal. Mir geht es um so viel mehr - und ich wähle so viel mehr. Denn ich wähle die Aussicht auf eine sozialere Gesellschaft, ich wähle Hoffnung und Lichtblick. Die Partei, die Partei, die kommt mir hierzu gerade recht. Sie ist mir Mittel zum Zweck. Wer Die Linke wählt, der wählt nicht einfach eine Partei, sondern die Chance auf mehr Gerechtigkeit, eine andere ökonomische Linie, ein gesünderes Menschenbild. Der wählt die Aussicht auf Unterbrechung der neoliberalen Umstrukturierungsprozesse.

Die Partei ist nur ein notwendiger Weg dorthin. Ihre Graben- und Flügelkämpfe, ihr ideologischer Background, ihre Interna und Innereien sind mir unwichtig. Das alles wähle ich nicht. Ich wähle eine Idee. Konstantin Wecker schrieb vor Jahren mal etwas ähnliches. Er schrieb, dass er nie in seinem Leben Parteimitglied war. Er, der Poet, habe auch nicht vor, das zu ändern: "Denn ich bin der Meinung, dass die Politik poetischer werden muss und nicht umgekehrt." Diese Passage zitierte ich auch schon vor vier Jahren, als mehr als hundert Blogs ein Bekenntnis ablegten.

Parteien sind die Zugangstechniken, über die das Zusammenleben der Menschen in der Demokratie arrangiert wird. Die Partei, die ich wählen werde, betrachte ich als Breitband-Zugang in eine gerechtere Welt. Alle anderen sind analoge Modems, die sich hineinwählen und rausfliegen, hineinwählen und rausfliegen und die dann den Geist aufgeben, weil eine langfristige Verbindung eh nicht vorhält. Die Linke ist das 16.000 kBit/s-DSL - bei allen anderen Parteien rasselt es noch beim Einwählen, da surft sie schon. Sie surfte schon auf der Welle des Mindestlohns, da winkten die anderen Modems nur ab. Bis sie selbst mal online waren und erste zaghafte Mindestlöhne in kleinen Branchen verabschiedeten. Und das traf bei vielen Themen zu.

Bei all dem vergesse ich nie, Die Linke ist nur der Zugang, aber nicht meine Welt.


17 Kommentare:

Anonym 21. September 2013 um 08:13  


Mit gutem Grund im Schlafwagen unterwegs

Regierungen stehen dann gut da, wenn die Opposition nichts auf die Reihe bekommt. Das ist zugegebenermassen ein Gemeinplatz. Doch manchmal trifft er zu, wie derzeit in Deutschland.

http://www.woz.ch/1336/deutschland-vor-der-wahl/mit-gutem-grund-im-schlafwagen-unterwegs

Anonym 21. September 2013 um 08:27  

Mir ist DIE PARTEI lieber. ;-))

http://www.parteifilm.de/trailer/

Anonym 21. September 2013 um 08:47  

....ja, nur kommt DIE PARTEI leider nicht über die Hürde....

Gisela Weber 21. September 2013 um 12:55  

Hier muss ich Dir, Roberto, vollumfänglich zustimmen! Ich habe die Linke schon briefgewählt. Auch in der Hoffnung, dass sie, zumindest, den ungebremsten Neoliberalismus in seine Schranken weist und ich setze somit auf eine "schlagkräftige" Opposition.

Die Übernahme einer Regierungsverantwortung durch die Linken wäre auch noch verfrüht, weil die internationale "Kleptokratie" - bis jetzt - alle Volkswirtschaften unter "sozialistischen" Regierungen, mithilfe ihrer Ratingagenturen, abgewertet hat.

Anonym 21. September 2013 um 13:18  

Bevor die NSDAP an der Macht war, in den 1920er Jahren, wurden gleichlautende Bekennungstexte geschrieben, in der Hoffnung auf eine bessere, grundsätzlich andere Welt mithilfe der NSDAP.
Mir graust zutiefst, in diesem Artikel hier einen Wiedergänger solcher Texte vorzufinden - statt "NSDAP" nur "Linke" eingesetzt.
Nur ein Schlüssel sollte sie damals sein, die NSDAP, man kennt diese Reden...

Roberto De Lapuente 21. September 2013 um 14:18  

Jaja, Anonym von 13:18. Alles wiederholt sich. Solche wie Du waren in den Zwanzigern Arschlöchern und sind es heute noch.

Anonym 21. September 2013 um 14:28  

da kackt sich einer in die hosen aus angst vor der linken. roberto hat gut gekontert.

Anonym 21. September 2013 um 15:20  

Wer die Linke mit der NSDAP vergleicht hat keine Ahnung von Geschichte. Nicht beachten diese Typen. Die gehören in ihrer Verblendung therapiert.

fakeraol 21. September 2013 um 15:39  

"Ich wähle .."
Ja, was wählst Du eigentlich?
Wahlversprechen?
Ein Programm?

Nein, Du wählst nicht, denn in 99% der Fälle hieß es nach jeder Wahl: Das Modell ist nicht lieferbar.

Der Wähler entscheidet sich für das "kleinere Übel".
.. für ein ÜBEL.
Er legitimiert ein ÜBEL.
Er legitimierte nicht nur diverse Kriege, die Hartz4-"Reformen", und Schäuble2.0,
er legitimiert das System des "PARTeile und Herrsche" an sich.
[PART engl. für "Teil"]
Der Wähler stellt eine Blanco-Vollmacht aus für JEDES Verbrechen, daß sich die Legitimierten zukünftig ausdenken könnten.

"El pueblo UNIDO jamas sera vencido!"
Erst wenn Arbeiter sich nicht mehr (PAR)Teilen lassen, sondern vereint für ihre Interessen eintreten, wird sich etwas ändern lassen.

Parteien sind Hierarchien, Machtanhäufungen, und sie ziehen machtgeile Wendehälse und Opportunisten, Fähnchenschwenker an, wie der Trog die Schweine.

Man kann nicht die Werkzeuge des Gegners benutzen, um seine Ziele zu erreichen. Mit einem Panzer schafft man keinen Frieden und pflügt kein Feld, und mit Hierarchie und PARTeien kann man keine bessere, gerechte und friedliche Welt erschaffen.

Das PARTei-System fragt: was unterscheidet Euch?
Für unsere Zukunft müssen wir fragen: Was haben wir gemeinsam? Und ich denke, daß uns viel mehr vereint, als uns unterscheidet, und daß Unterschiede auch nicht trennen (müssen, das wollen nur die Apologeten des "Teile und Herrsche"-Systems).

BRAMAN 21. September 2013 um 17:13  

@anonym 13:18

es gibt da einen kleinen aber sehr entscheidenden Unterschied zur NSDAP.
Die Bekennertexte wurden vom interessierten (Groß-)Kapital lanciert, Roberto ist wohl eher ein Mann des Volkes.
Es ist ein gewaltiger Unterschied, bei jeder Unterstützung, woher diese kommt, sehr sichtbar z.B. auch an den Parteispenden für die einzelnen Parteien. Jede Interessengruppe 'hält' sich ihre eigenen Politiker. Diejenigen für ca. 80% des Volkes sind dem Volk abhanden gekommen.

MfG: M.B.

Gisela Weber 21. September 2013 um 17:55  

Gut durchdacht fakeraol, aber ich denke schon, dass eine Gesellschaft sich organisieren muss - allein schon wegen der Arbeitsteilung. Meiner Meinung nach, gibt es eine moralische Hierarchie der Verantwortung, die sich an Lebenserfahrung und Weisheit orientiert. Wie z.B. die ältesten Räte in indigenen Gesellschaften Nordamerikas (Irokesen). Diese Räte haben aber keine Entscheidungsfunktion, sondern nur Beratungsfunktion. Entschieden wurde immer gemeinschaftlich an der Basis (basisdemokratisch). Unsere Hierarchie der Rechte mit Entscheidungsfunktion an den Spitzen halte ich für zerstörerisch.

Leider greift die linke Idee, dass eine Gesellschaft nur auf der werktätigen Arbeiterschaft basiert, zu kurz. Denn hier wird ein Arbeisbegriff suggeriert, der nur mit der Umwandlung von Natur in Waren zu tun hat. Die Menschen, die mit der Naturproduktion zu tun haben (wie z.B. Bauern und Mütter), kommen in kommunistischen Manifesten meist gar nicht vor und sie sind doch diejenigen, ohne die, die Menschheit nicht fortbestehen könnte. Definiert sich das Menschsein erst aus seiner Tätigkeit, oder beginnt die Menschwerdung bereits mit der Geburt. Und hier muss uns klar werden, dass der Mensch zu Beginn seines Lebens auf menschliche Fürsorge angewiesen ist, um überleben zu können. Das Herrschaftsgefasel vom Stärkeren oder dem ökonomischen Konkurrenzprinzip ist keine Überlebensgarantie.

Der/die Mensch/Menschin muss in seiner/ihrer gesamten Entwicklung gesehen werden und hier gehört auch der weibliche Aspekt hinein. Solange dies ignoriert wird, kann es keine friedliche Gesellschaft geben. Außerdem, muss der Arbeitsbegriff neu definiert werden und muss die soziale und die generative Verantwortung wieder beinhalten. Denn Arbeit ist in ihrem ursprünglichen Sinn die Interaktion zwischen den Generationen und man arbeitet um zu leben und man lebt nicht um zu arbeiten.

Eine Herrschaft kann ohne Gesellschaft nicht überleben, aber eine Gesellschaft braucht keine Herrschaft um zu überleben.

Udo 21. September 2013 um 18:13  

Du hast ganz recht. Hier gilt für mich der alte Thatcher-Schröder-Merkel-Satz:
There is no alternative.
Leider. Weil ich den Satz eigentlich für Schwachfug halte.

fakeraol 21. September 2013 um 21:53  

@ Gisela Weber
Du sprichst mir aus der Seele.
Eine Gesellschaft muß sich (selber) organisieren, nicht (fremd)organisiert werden, so wie Spanien 1936 - 1939 vor allem in Katalonien -> George Orwell - "Mein Katalonien".

Die indigenen "Häuptlinge" haben sich ihren Respekt verdient, mit dem Respekt und der Sorge für ihr Volk, und nur dadurch hatte ihre Stimme in der Versammlung besonderes Gewicht.

"Freie Menschen in freien Vereinbarungen", wie es Jörg Bergstedt formuliert hat.

Zu meinem obigen Beitrag möchte ich noch ergänzen, daß Parteien entweder klein und unbedeutend bleiben und sich deshalb ihren Idealismus erhalten können, oder groß und einflußreich werden, und damit Ziel von Opportunisten, die sie früher oder später übernehmen werden.
"Während die Klugen noch grüben, verändern die Dummen die Welt."

Es gibt nicht "die richtige Partei", auch nicht mit den "richtigen Leuten". Das Konzept "PARTei" ist an sich falsch.

Stefan Becker 22. September 2013 um 13:33  

Ich komme gerade aus meinem Wahllokal und habe selbstverständlich beide Stimmen der
Partei Die Linke gegeben.
Für mich gilt da TinA

fakeraol 22. September 2013 um 15:42  

> "... selbstverständlich beide Stimmen der
Partei Die Linke gegeben.
"

Und damit hast Du zwar nicht direkt die CDU, aber das Prinzip "parlamentarische Diktatur" legitimiert.

1. Nach 60 Jahren parlamentarischer Demagogie weiß jeder Wähler, daß Politiker lügen.
2. Die Umfrageergebnisse waren eindeutig - Merkel wird gewinnen.
3. Die "Opposition" kann moralische Appelle abgeben, aber die Regierungsentscheidung "pro Syrien-Krieg" nicht verhindern, weil: und das weiß auch jeder Wähler, die Verräterpartei auch für den Krieg stimmen wird und die Olivgrünen bestenfalls wieder auslosen, wer von ihnen zustimmen muß.
4. Was "Die Linke" oder die "Piraten" wollen, ist damit faktisch unwirksam - DU hast den Syrien-Krieg legitimiert, denn Du hast das PATTeile und Herrsche"-System legitimiert, das klar ersichtlich zu diesem Krieg führen wird.

fakeraol 22. September 2013 um 16:19  

Wohlbemerkt: Ich halte die Ziele der "Linke"n noch für die fortschrittlichsten aller Parteien, aber da sie ohne Mehrheit keine Chance hat, sie durchzusetzen, sind sie irrelevant.

Was übrig (und wirksam) bleibt, ist die Legitimierung des "unmündiger Bürger wirft Stimme in Urne und wird fremdbestimmt"-Systems, das prinzipbedingt zum nächsten Krieg führen wird.

Gisela Weber 23. September 2013 um 06:28  

@ fakeraol, leider lassen die Machtsüchtigen sich nicht von den NICHTWÄHLERN davon abhalten, die Macht zu ergreifen. Ich vermute mal, dass sie, selbst bei einer geringen Wahlbeteiligung von nur 10%, eine Regierung bilden werden.

Ich weiß nicht, was das für Leute sind, die die Merkel gewählt haben und ich bin nicht in der Lage das, irgendwie, nachzuvollziehen.

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