La Boum - Die Fete säuft Tee

Montag, 10. Juni 2013

oder Die Streiter gegen die Diktatur der Gutmenschen.

Die auf Frankreichs Straßen ausgefochtene Homo-Ehe ist mehr als der brutale Übergriff des rechten und konservativen Mobs auf einen gegen ihn und seinen Lebensstil gerichteten Affront. Es ist die Hysterie einer konservativen Reaktion, die meint, sie lebte in einer totalitär linken und gutmenschlichen Welt, in der alle ursprünglichen Werte und Ideale untergraben werden und in der ein neues Menschengezücht nach gutmenschlichen Aspekten geplant sei.

Der linke Gutmenschen-Totalitarismus

Es ist die Paranoia jener Bürgersleut', die sich im multikulturellen Staat ebenso unwohl fühlen, wie im bunten Allerlei möglicher Lebens- und Partnerschaftsentwürfe, die da nun demonstrativ und teils gewaltbereit gegen einen Zeitgeist stehen, von dem sie in der Zeitung gelesen haben, er sei links. Sie glauben die Märchen der neoliberalen PR-Ökonomie, wonach die Früchte des modernen Wohlstandes stetig der Gefahr eines Linksruckes ausgesetzt werden. Hollande, bestenfalls ein gemäßigter Linksliberaler, wird so zum Gesicht des linksextremistischen Politikers, der sich in der Gefühlsduselei linker Lebenslügen eingenistet hat.

Ist es für den rechten Mob in irgendeiner Weise existenziell wichtig, wer mit wem legal zusammen ist? Treibt ihn nur die Sorge um das traditionelle Familienmodell auf die Straße? Es handelt sich schließlich um ein Modell, in dem viele dieser Chaoten vermutlich selbst kaum leben.

Die auf Paranoia bauende Fete, die sich in den Vereinigten Staaten unter dem Label der Tea Party formierte, erlebt auch in Europa immer wieder durchschlagende Momente. Die Fete, la Boum kommt auch hier in Schwung, richtet sich auch hier an das Abstraktum eines angeblich linken und intellektuellen Zeitgeistes. Sie wähnt sich als Auslaufmodell des anständigen Bürgers und Menschen, der noch naturverbunden lebt, schön sortiert in Völker und Rassen, der Partnerschaft zwischen Mann und Frau als natürlich ansieht, der nun aber vom linksextremistischen Zeitgeist abgewickelt, in ein unnatürliches Stadium überführt wird.

Eine sehr kurze Geschichte des Antimodernismus

Fürwahr ist La Boum und Tea Party nicht identisch. Wie auch? Aber beides sind Reaktionen, die auf Massen von ungebildeten oder schlicht ideologisch versauten Fußtruppen bauen, die sich als Widerstand gegen die Diktatur der Gutmenschen betrachten und der Unnatürlichkeit und Gottesferne von aufgeklärten und toleranten Gesellschafts- und Weltbildern den Krieg erklärt haben. Es sind Affekte eines Antimodernismus, der nicht begreifen will, dass sich Biologismus und Rassismus nicht mehr als Grundlage des Zusammenlebens halten lassen. Jedenfalls nicht auf der Ebene der individuellen Privatheit - auf wirtschaftlicher Ebene haben die Eliten weiterhin rege Freude an beiden, benötigen sie zur Aufrechterhaltung ihrer ökonomischen Prädestinationslehre.

Das Antimodernistische kennt jede Zeit. Die Faschismen des letzten Jahrhunderts waren solche Bewegungen. Ihr Clou: Sie gaben ihre reaktionäre Kraft als Fortschritt aus, als Notwendigkeit einer von ihnen verkündeten neuen Zeit. Fascismo und Nationalsozialismus, Acion française und Pfeilkreuzler richteten sich allesamt gegen einen Zeitgeist, den sie für zu progressiv, für geradezu linksextremistisch erfüllt, hielten. Sie bemühten alle auf ihre spezielle nationale Weise, aufbauend auf jeweils nationale Mythen und Eigenheiten, eine Rückschau, die Vorausschau sein sollte. Die neue Zeit sollte an die vernünftige Ordnung der alten Zeit neu anknüpfen. In dieser Form waren diese Antimodernismen antikommunistisch und antikapitalistisch zugleich. Sie waren Bekenntnisse des fortschrittlichen Rückschritts oder andersherum. Es war die massenhafte Paranoia einer Zeit, die mit dem Tempo der Vermassung nicht zurechtkam.

Die Vermassung war das Schlagwort jener Jahre. In ihr erkannten viele (meist elitäre) Intellektuelle die Wurzel des Antimodernismus. Besonders José Ortega y Gasset, ein spanischer Soziologe und Philosoph, behandelte dieses Phänomen. In La rebelión de las masas schrieb er: "Anderssein ist unanständig. Die Masse vernichtet alles, was anders, was ausgezeichnet, persönlich, eigenbegabt und erlesen ist. Wer nicht 'wie alle' ist, wer nicht 'wie alle' denkt, läuft Gefahr, ausgeschaltet zu werden." Auch wenn er hier aus der Warte des elitären Soziologen schreibt, so spricht er hier den Mechanismus der Ausgrenzung an, der antimodernistischer Usus ist. Dies war die Wurzel des Antimodernismus seiner Zeit, glaubte Ortega y Gasset. Welche Vermassung treibt heute die Antimodernisten an? Bedarf es einer Analyse der Massenkultur, die sich durch die sozialen Netzwerke manifestiert hat?

Der Rausch des Tees

Diese Auswüchse rabiaten Reaktionismus', den man in den Nachrichten erblicken kann, die Massen von Bürgern, die gegen Multikulturalismus und Gleichstellung, die gegen staatliche Eingriffe in die Wirtschaft und Umverteilung zugunsten ökonomisch aussortierter Menschen ... all diese Auswüchse sind antimodern und insofern immer auch Basisbewegungen hin ins Faschistoide. Sie kippen ihren Sud, ihren ungenießbaren Tee über Gesellschaften, die mehr und mehr von demokratischen und liberalen Wertvorstellungen abgeschnitten sind, weil in ihnen das Ökonomische nicht nur Primat, sondern mittlerweile auch Ideal geworden ist.

Der Tee, den dieser Antimodernismus braut, berauscht allmählich immer mehr Gesellschaften. Er macht die Trinker rabiat, in jeder Gesellschaft auf andere Weise. Dort will man den reinen Kapitalismus zurückerobern, in Frankreich wehrt man sich gegen homosexuelle Partnerschaften und in Deutschland ist man gegen Multikulturalismus und Schmarotzer, für Richtersprüche voller Härte und ein Ende der Resozialisierung.


10 Kommentare:

Anonym 10. Juni 2013 um 10:51  

ANMERKER MEINT:

Eine treffende Analyse der derzeit in der westlichen Welt und damit der herrschenden ideologischen Welt vorherrschenden geistigen Grundströmung,Roberto.
Dass Diffamierungen und Minderheitenbashing schon immer zur Verneblung der Gehirne benutzt wurden ist nichts Neues. Aber mit Hilfe der sogenannten sozialen Netzwerke wird eine neue Dimension erreicht. Zumal wir nicht immer wissen, wer dort die sogenannten Diskussionen anstößt bzw. mit ihnen manipulativ arbeitet. Aber ich bleibe dabei: Die SysiphosArbeit der Aufklärung bleibt unabdingbar wichtig, wenn eine bessere Welt möglich sein/werden soll. Danke Roberto!

MEINT ANMERKER

endless.good.news 10. Juni 2013 um 10:59  

Ich verstehen nicht was die Menschen so aufregt. Was ist an Homosexualität so schlimm. Einige sehen es als Krankheit an und Krankheiten müssen behandelt werden. Selbst wenn es eine Krankheit wäre (rein theoretisch gesprochen) wem schadet sie? Niemandem. Wovor haben die "Die Streiter gegen die Diktatur der Gutmenschen" eigentlich Angst?

Sledgehammer 10. Juni 2013 um 13:19  

Innerhalb der Masse und gegen die Masse, die eigene "Dignität" sowie die des anderen in seiner Andersartigkeit zu bewahren, wird/muss ohne die permanente Bereitschaft zu Perspektiv- und Paradigmenwechsel mßlingen.

Art Vanderley 10. Juni 2013 um 13:36  

Guter Artikel.
Allerdings haben die pogromgeilen Gleichmacher ein massives Problem - ihnen fehlt die Option des Krieges und des Bürgerkriegs als finale destruktive "Lösung".

Sowohl die Wirtschaftskrise als auch das Wiederaufflackern ausgrenzender Tendenzen wirken wie eine Lightversion der 30er-Jahre.

Alles irgendwie ähnlich , aber doch nur ein billiger Abklatsch der "Größe" einstiger faschistischer Bewegungen (und Zusammenbrüche).

Je mehr sich die demokratische Methode verfestigt - ich glaube nicht , daß sie verloren gehen wird - desto mehr haben die Kleinbürger in der Mitte der Gesellschaft ein Problem - sie werden immer mehr zurückgeworfen auf ihre eigenen Defizite , auf die tiefgreifenden Lebenslügen , die ihnen ihr eng gefasstes Weltbild überhaupt erst ermöglichen - und das ist das Schlimmste , was man diesen Leuten antun kann.



Anonym 10. Juni 2013 um 18:09  

Schön mal einen Beitrag zu einem Phänomen zu Lesen, das mir persönlich erst bewusst wurde, seit ich Vegetarier bin.
Diese diffuse Mischung zwischen Angst und Hass mancher, meist politisch rechts/konservativ stehender, Menschen gegenüber den sogenannten Gutmenschen.
Wie gesagt, ich kenne das, seit ich Vegetarier bin, seit dem hatte ich schon etliche Gespräche, die immer gleich verlaufen: Jemand erfährt irgendwie das ich Vegetarier bin, (ich schwöre ich binde das wirklich niemandem auf die Nase) ich erkläre warum, (Massentierhaltung) und dann fangen sie an nach Widersprüchen zu suchen und mir Vorwürfe zu Machen, was ich ja dann angeblich auch nicht alles essen dürfte.
Natürlich sind die meisten Fleischesser nicht so, aber es scheint immer wieder einige zu geben, die sich sofort moralisch angegriffen fühlen, da sie ihre Moral auf einmal hinterfragt sehen.
Ich denke mit den Gutmenschenfeinden ist es ähnlich, sie fühlen sich in ihrer moralischen Überlegenheit bedroht, weil da auf einmal jemand ist, der sie zweifeln lässt, dass sie vielleicht doch nicht zu den Guten gehören. Vorher konnte der konservative Spießbürger andere so schön ausgrenzen und sich besser fühlen und auf einmal kommen die Linken und stellen alle Menschen auf die selbe Stufe und durch den Verlust seiner privilegierten Stellung fühlt er sich klein.
Der Gutmensch nimmt hier die Rolle des Verräters ein und Verräter werden immer gehasst.
Das Wort Gutmensch finde ich persönlich an sich auch schon sehr verräterisch, denn im Grunde gestehen die Verwender des Wortes dem anderen ja sogar ein, dass er gutes tut oder gutes redet, aber irgendwie muss dass herabgewürdigt werden, damit die Ordnung wieder hergestellt wird, damit der Konservative auch auf ihn herabblicken kann.

Einer von Diesenruhigentypen

Anonym 11. Juni 2013 um 01:58  

Eigentlich bin auch ich „Gutmensch“, soll heißen, aufgeklärt, tolerant, bemüht um Umwelt, Tier und Mitmensch..etc. Aber ich pflege nicht zu missionieren und kann auch Fünfe gerade sein lassen.

Ich mag diese reaktionären Ansichten auch nicht. Doch mögen sich die Linken vor Überheblichkeit hüten. Darin ähneln sie den selbstgerechten Spießern mehr als sie denken. Denn ein kleines bisschen kann ich die LaBoumer und Teaparty-Besucher verstehen, vor allem ihren Zorn gegen Bevormundung.
Diese geht mir nämlich bei meinesgleichen selbst auf die Nerven. Da ist eine gewisse Arroganz und Besserwisserei, mit der manche „Gutmenschen“ glauben, jene belehren zu müssen, die ihrer Meinung nach „noch nicht so weit“ sind, und sich gar als Avantgarde und Erzieher der Massen fühlen. Dabei haben sie oft keine Ahnung, wie es sich an der Basis der Gesellschaft so lebt, ja, begegnen dieser oft mit erschreckender Ignoranz.
Dass inzwischen der Umweltschutz als Geldquelle zwecks Abzocke entdeckt worden ist und unter Lobbyismusverdacht steht, macht die Sache nicht besser.
So entstehen Feindbilder.

Wahrscheinlich leben tatsächlich die wenigsten aus diesen reaktionären Bewegungen ihre eigenen Ideale. So hängen sie z. b. einem kleinbürgerlichen Familienideal an, das es in der Realität nur selten gegeben hat. Die Verherrlichung eines solchen Ideals zeigt jedoch die Sehnsucht danach – und diese Sehnsucht offenbart die aktuelle Erosion aller Sicherheiten und Gewissheiten. Menschen benötigen aber Sicherheiten und Gewissheiten. Die Politik reagiert darauf nicht. Die "Homo-Ehe" ist dabei nur ein Symbol, welches das Grauen vor der allgemeinen Erosion befeuert.

Gewissermaßen ist die Intention des reaktionären Protestes der des linken von „Blockupy“ nicht unähnlich: Es geht gegen das Establishment, das jeden Kontakt zum Boden verloren hat und die Menschen in eine prekäre Ungewissheit stößt.
Die Massen werden dabei nicht als demokratischer Souverän wahrgenommen, sie werden zur "Humanressource", die zu funktionieren hat und zur Ausbeutung freigegeben ist. Sie werden nicht gefragt, ihre Meinung zählt nicht. Man belügt und übergeht sie.
Das verstimmt nicht nur die Linken, sondern auch diejenigen, die wohl tatsächlich das Gross der Massen der 99% stellen: Sogenannte „einfache“ Menschen, die bisher meist geschwiegen haben. Ihre Welt ist ins Wanken geraten und sie haben ihre Stimme in der Politik verloren. Sie sehen sich von vielerlei bedroht, ja, sind es de facto auch.
Je mehr das „Gutmenschliche“ Teil des Establishments wird - z.b. durch entsprechende neu geschaffene Verwaltungsjobs (Umwelt/Gender) und Regulierungen, die in den Augen vieler Menschen vor allem (ihr) Geld kosten, desto mehr wird es Teil des Feindbildes. Im Gegensatz zu Goldmann Sachs ist dies ein leicht zu bekämpfendes Ziel.

Was mich an dieser Bewegung aber wirklich gruselt, ist die Aggressivität, mit der das auserkorene Feindbild angegangen wird, sowie die offensichtliche Freude am Nichtdenken und Nichtdifferenzieren. Da kann man wirklich Angst bekommen, wenn man selbst in deren Feindschema passt. Aber diese Aggressivität zeigt auch die enorme emotionale Aufladung der Gesellschaft.

Das alles soll die reaktionären Proteste nicht entschuldigen, aber vielleicht ein wenig erklären. Groß aber ist die Gefahr, dass diese Wut von den falschen Leuten (alte Eliten / die „1%“) aufgefangen und auf Sündenböcke gelenkt wird, damit sie selbst nicht an der Laterne enden. Ich fürchte, die Linken haben dann das Nachsehen, denn in der Krise ist das Hemd (Familie, Rasse, Land) näher als die Hose (gutmenschliche Ideale, Internationales, Umwelt).
Es kommen spannende Zeiten.

Redlope

flavo 11. Juni 2013 um 08:21  

Das Toleranzvolumen der Reicheren ist begrenzt. Es war schon immer so, dass die soziale Stufenleiter der Toleranzleiter glich. Um so weiter es hinauf ging, desto weniger Anzählige wurden es und desto geringer wurde das Toleranzvolumen. In den Meeren des Pöbels war immer schon ein großes Toleranzvolumen nötig. Dort kann man sich nicht auf Regelmäßigkeiten des kleinen Kreises erpichen, dort muss man das Leben nehmen, wie es ist und wie es sich gibt. Der Blick auf den Pöbel, quer durch unsere Gesellschaft, zeigt mehr von der Art des Blickes, als vom erblickten Gegenstand.
Die Regelmäßigkeiten des kleinen Kreises, welche eine Erpichung erlauben, sind wie Feilhiebe am Toleranzklumpen. Man will die Gabel vor dem Essen so und nicht anders liegen haben, man will den Ablauf des Essens so und nicht anders haben, man will den Lebenslauf so und nicht anders haben, man will die gehörte Meinung so und nicht anders haben, man will das Gewand so und nicht anders haben, man will die Schicklichkeiten so und nicht anders haben. Man muss dies und jenes haben. Es gehört sich dies und es gehört sich das. An den Rändern dieser Regelmäßigkeiten des kleinen Kreises hört man sofort raunzen, nuscheln und verachtende Mimiken. Interferenzen im Ablauf der Regelmäßigkeiten des kleinen Kreises sind nicht geduldet, sie führen alsbald zur wehrhaften Tat oder zur Abschottung.
Die Migrationen der Geschichte betrafen in aller Regel ja den Pöbel. Die Migration von Ärzten, Juristen, Ingeneuren und dergleichen war ja nie nennenswert. Auch heute nicht. Migranten sind Pöbelbewegungen. Bewegungen auf den unteren Drittel der Lohnarbeitssektoren. Der Pöbel beweist dadurch sein großes Toleranzvolumen. Ohne die Sicherheiten des Reichtums bewegt er sich global, migiert in neue Welten, Kulturen und Situationen. Dass dort Reibereien auftauchen müssen, zumal das Leben dort in Regel am knappen Tropf der Lohnarbeit hängt, kann niemand verwundern, der imstande ist, Situationen präzise zu erfassen. Und bitte, ich bin selbst Pöbel und schäme mich nicht, mich so zu nennen. Der Gutmensch wird hier sicher gleich erregt: was sagst du da, es migrieren auch Ärzte und überhaupt, die Migranten sind doch kein Pöbel. Aber natürlich nicht!!
Im Pöbel gibt es immer allerlei Deviationen. Schon immer gab es diese dort. Schon Mittelalter: während dort die Pluralität herrschte, herrschte ganz oben, im Kopf des Königs die Monotonie seiner eigenen Gedanken. Die Deviationen nehmen ebenso ab wie das Toleranzvolumen es gemäß der sozialen Stufenleiter tut. Weiter oben erträgt man die Migration nur als Kulinarik, Exotismus und Tourismus, als Hobby, hauptlebentlich bleibt man autochton bürgerlich, abschottet und gesichert, man steuert das Volumen der zugeführten Differenz über finanzielle Handlungen.

flavo 11. Juni 2013 um 08:21  

Migration ist hier nicht Ausgangsbedingung des Lebens, sondern nur ein zeitgenössischer Zusatz, der wie ein neues Gemüse aus Übersee ab und zu begehrt wird.
Die Reibereien zwischen unterschiedlichen Pöbelkulturen dichtet man dem eigenen Pöbel auch gleich als Rassismus an und hebt sich selbst in die Höhe: seht, wie tolerant wir sind. Wir urlauben hier und dort, wir essen dies und das aus dieser und jener Kultur und interessieren uns ganz allgemein für allerlei Kulturen. Wir kämpfen gar für die Rechte der Migranten (und zähmen dabei den eigenen Pöbel).Im eigenen Gartenpark, auf der Hängematte an der Cote D'Azur, auf der Mittelmeerfahrt in den Nahen Osten usw. Wir kaufen auch schönen Schmuck und Skulpturen aus aller Welt. Dagegen sind wir gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit aller Art. So wie es der Pöbel hält, halten wir es nicht.
Die Homosexualität, nun die, wie soll man sagen, erleidet auch kein anderes Schicksal, wenngleich hier alles anders ist. Man weiß vermutlich selbst nicht, wo die Regelmäßigkeiten des Sexes des kleinen Kreises überall ihre Schatten und Wurzeln haben. Der geordnete Sex war ja so geordnet, dass er kaum der Ansprache bedurfte. Die wehrhafte Tat kommt alsbald in den Blick gegen die Differenzanfordernungen bezüglich des homosexuellen Sexes. Das gehört sich nicht. Unterdrücke es! Halte es zurück! Ein Schwuler in der Ahnengalerie, was für eine Schande für die Familie. Geh nach Übersee leben, hier nimm das Geld und verschone uns und unsere Regelmäßigkeiten des kleinen Kreises.

mephane 11. Juni 2013 um 13:15  

"Es ist die Hysterie einer konservativen Reaktion, die meint, sie lebte in einer totalitär linken und gutmenschlichen Welt, in der alle ursprünglichen Werte und Ideale untergraben werden und in der ein neues Menschengezücht nach gutmenschlichen Aspekten geplant sei."

Treffend auf den Punkt gebracht. Ich kannte auch mal solche konservativ-reaktionären Leute. Bezeichneten sich selbst als "weder links noch rechts", witterten aber in jeder Ecke eine Gefahr durch einen ständig aufkeimenden "Kommunismus", und Homosexualität war für die auch "widernatürlich". Für beides brauchte es keinerlei Begründung, es gab keine Reflexion, es wurde nur wie im Wahn immer dasselbe wiederholt.

Brandubh 17. Juni 2013 um 23:55  

So einfach, wie sich das der Vegetarier vorstellt, ist es natürlich nicht.
Die Angst vor dem Vegetarier beruht auf der Befürchtung, dass wir bald alle Vegetarier werden sollen. Dass uns also eine grüne Ideologie umerziehen will.

Ich hasse beides: die radikalen Gutmenschen und die Rechten.
Beide sind meiner Meinung nach faschistisch.

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