Die Freiheit, kein Fenster zu öffnen

Mittwoch, 19. Juni 2013

Fenster zu und geschlossen halten! Wenn die freiheitlich-demokratische Grundordnung tagt, dann muss man sein Fenster schon mal zu lassen. Auch wenn es heiß ist. Was ist denn ein frisches Lüftchen schon gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung?

Man hat von all denen, die ihre Fenster ausgerechnet an den Weg bauten, auf dem Obama durch Berlin fuhr und ging, verlangt, sie mögen ihre Fenster geschlossen halten. Das war eine Anordnung zur Sicherstellung der Sicherstellung des US-Präsidenten. Eine Anordnung in der Grundordnung. Und der ist Folge zu leisten. Ja, wo kämen wir denn da hin, wenn in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung jeder sein Fenster aufmachte wie er es gerade wollte!

Als vor Jahren der US-Präsident in Form eines Mannes namens Bush nach Mainz kam, hat man auch schon Fenster verrammelt und das Öffnen unter Strafe gestellt. Balkone wurden zur Sperrzone. Und ein Mainzer hat sein Fenster gekippt gehalten und einen Zettel von Innen angebracht, auf dem stand "Bush go home!" - dem haben sie die Türe eingetreten und ein Verfahren angehängt. Den Köpfen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die in Mainz tagten, war es zu viel, dass sich da jemand Freiheiten in seinen eigenen vier Wänden nahm.

Man kann für die freiheitlich-demokratische Grundordnung schon mal schwitzen. Kann schon mal Miete für eine Wohnung bezahlen, deren Fenster man im Namen der Freiheit phasenweise nicht öffnen darf. Kann schon mal als Herr im eigenen Haus polizeiliche Lüftungsanweisungen befolgen.

Gleichzeitig sprach die Kanzlerin davon, dass sie die Spionage des US-Geheimdienstes für kritisch im Bezug auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung halte. Die lebte nämlich davon, dass die Freiheit für ihre Bürger immer gewährleistet sei, sagte sie der Presse. Einige Meter weiter schwitzten Leute am Arbeitsplatz, weil sie sich die große Freiheit des Fensteröffnens nicht nehmen durften.

Wer meint, er müsse Widerstand leisten und lüftet, dem treten sie die Türe ein, dann hat er genug Durchzug. So wie man auf Durchzug stellt, wenn man diesen eklatanten Eingriff in die Unverletzlichkeit der Wohnung kritisiert.

Und so brachten Funk und Fernsehen lediglich Anwohner und Leute, die dort arbeiten, die sich zwar über das Lüftungsverbot ärgerten, aber es stoisch hinnahmen und irgendwo auch verstehen konnten. Leute, die froh sind, in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung leben zu dürfen und die es trotzdem für selbstverständlich erachten, dass man ihnen Frischluft vorenthält.


13 Kommentare:

Anonym 19. Juni 2013 um 16:17  

Es hat sich nichts geändert seit Double-"Dubbe" (umgangssprachlich für eingeschränkten Verstand) Mainz heimgesucht hat.
Damals haben mein Mann und ich Verdienstausfall von der amerikanischen Botschaft gefordert, da wir am Flughafen Frankfurt bzw. in Wiesbaden arbeiten und wegen diverser Sperren und Schikanen nur unter massivem Zeitaufwand zur Arbeitsstelle gelangen konnten. Natürlich kam nicht einmal eine bedauernde Absage an unser Ansinnen.

Ich kann Staatsvertreter nicht ernst nehmen, die die große Freiheit predigen, ihr örtliches Publikum aber grundsätzlich unter Generalverdacht stellen und in Hausarrest setzen.

Da möchte ich es mit Hr. Ratzinger halten, der dem Double-Dubbe den Eintritt in den Vatikan anläßlich der Trauerfeier zum Tod des vorherigen Papstes frei stellte: aber bitte wie alle anderen und ohne großes Waffen- und Sicherheitsbrimborium!
(Auch wenn ich kein Freund der sonstigen Ansichten des Hr. Ratzinger bin ;-) )

Also Herr Obama, Sie sind herzlich willkommen, aber bitte lassen Sie ihre Spione, ihr Sicherheitspersonal (sicher? aus wessen Sicht?) und ihre hochbewaffneten Lakaien daheim. Oder bleiben Sie selbst daheim, wenn Sie so große Angst bei uns haben.

Gruß
Mada

Hartmut B. 19. Juni 2013 um 16:36  

...wahrlich, es ist eine Schande. :-(

1945 als die Alliierten durch meinen Geburtsort, ein kleines Dorf in Südniedersachsen, fuhren, mußten ebenfalls Fenster und Türen geschlossen gehalten werden. Eine Mutter mit ihrer ca. 10 jährigen Tochter öffneten die Haustüre ,vllt. aus Neugier, sie wurden beide erschossen.

Das war damals. Aber heute, um es aus einem Lied von F-J. Degenhardt zu sagen: "Hier kann jeder machen, was er will...im Rahmen der freiheitlich, demokratischen Grundordnung, versteht sich...

Anonym 19. Juni 2013 um 18:12  

Bei den augenblicklich herrschenden Außentemperaturen sollte man seine Fenster tunlichst geschlossen halten! Egal, ob da gerade draußen jemand vorbeifährt oder nicht.
Reden Sie bitte nicht auch noch von "frischen Lüftchen", die bei geöffneten Fenstern entstehen. Ich versuche mein Kollegen mühsam zu überzeugen, dass 34° heiße Luft 34° heiß ist, auch wenn sie sich bewegt.

Anonym 19. Juni 2013 um 18:54  

Kennen wir alles aus der bösen DDR.
"Mein Leben in der Diktatur begann 1990".

Ich zitiere mich selbst.
Diie DDR war eine Kindergartenveranstaltung im Vergleich mit diesem Staat.

Anonym 19. Juni 2013 um 19:38  

@anonym "Kennen wir alles aus der bösen DDR."

Ich muss auch rückwirkend sagen, auch mein Leben verlief nach 1990 immer mehr in einer Diktatur.

Damals war ich 32 und freute mich über die erlangte Freiheit, jetzt bin ich seit Jahren frei von Arbeit, einem sozialen Leben und arm.

Was sind verschlossene Fenster gegen ein verschlossenes Leben ohne Sinn?

Vielleicht bin ich ja für Wessis undankbar, aber die DDR bleibt meine Heimat.

klaus baum 19. Juni 2013 um 22:06  

also roberrto, jetzt aber mal ernsthaft: bei hitze soo man die fenster geschlossen halten, vorhänge zu, damit die sonne nicht rein scheint. fenster erst abends wieder öffnen.

ulli 20. Juni 2013 um 09:28  

Ich finde auch: Keiner will, dass Obama oder sonstwer erschossen wird, also sollen sie ihren Sicherheitsheckmeck machen. Die Welt ist leider kein wirklich friedfertiger Ort (und wird das wahrscheinliich auch niemals werden).

Anonym 20. Juni 2013 um 10:07  

ANMERKER MEINT:

So berechtigt Dein Anliegen ist, Roberto, so tatsächlich ist es aber auch, dass Attentate verhindert werden müssen. Dass dazu der Ausnahmezustand verhängt werden muss ist traurig aber Realiät. Zugegeben einer beschissenen Realität. Aber deswegen zu sagen, wie einige Mitschreiber, wir lebten schon in einer Diktatur, ist maßlos übertrieben. Es gibt gute Gründe, Obama nicht zu mögen. Aber es gibt auch gute Gründe, sein Leben zu schützen, z.B. einfach deshalb, weil er u.a ein Mensch mit dem Recht auf Leben ist. Und dass er sich auch in Deutschland für das Recht, homosexuell leben zu dürfen, eingesetzt hat, ehrt ihn.

MEINT ANMERKER

Roberto De Lapuente 20. Juni 2013 um 10:22  

Über Diktatur habe ich nichts geschrieben. Es ist hanebüchen, was hier als Begründung aufzuführen. Letztlich zeigt das nur, wie sehr die jahrelange Einlullung gefruchtet hat. Selbst unbedarfte Bürger (gut, von Ulli habe ich nichts anderes erwartet, wenn ich was erwartet hätte) wittern hinter jedem Fenster einen Attentäter.
Und es ist hanebüchen, individuelle Freiheitsrechte (das Öffnen seines Fensters als Recht und Freiheit!) als verhandelbar zu erwarten.
Kurzum, der polizeiliche Kontrollstaat wird kommen, selbst "der Bürger" rechtfertigt ihn.

Anonym 20. Juni 2013 um 11:57  

ANMERKER MEINT:

Bitte genau lesen, Roberto. Ich habe nicht geschrieben, dass Du von Diktatur geredet hast. Ich habe geschrieben, "wie einige Mitschreiber sagen"!

Grüße
ANMERKER

Roberto De Lapuente 20. Juni 2013 um 12:08  

Genau lesen soll ich auch noch! ;)

Anonym 20. Juni 2013 um 18:05  

so weit ist es schon in deutschland!! selbst linke finden den sicherheitsstaat gut. was hier kommentatoren schreiben macht mich nachdenklich!

kevin_sondermueller 20. Juni 2013 um 19:16  

Als ob echte Profikiller nicht auch durch geschlossene Fensterscheiben schießen könnten, ohne größere Spuren
zu hinterlassen: es gab schon vor Jahrzehnten HV-Luftgewehre, mit denen man stecknadelgroße Geschosse in Herzkammern implantierte. Es konnte sich auch um Geschosse aus dem Eis kryogener Gase handeln, deren Spuren danach kaum auffindbar waren.

Und das ist jetzt kein Agententhriller-Trash, sondern
dokumentierte Realität.

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