Schule auf Vertragsbasis

Dienstag, 26. März 2013

oder Wieder mal ein persönlicher Einblick in und auf die neoliberalen Bildungswege.

Anruf von der Schule. Ihr Kind wurde bei einem gewaltsamen Übergriff erwischt, ein anderes Kind ist verletzt, sagte mir die Sekretärin. Daher wird ihr Kind nun den Unterricht verlassen und nach Hause geschickt, folgerte sie. Ob ich damit einverstanden sei? Ich war perplex genug ein Ähm, ja! und ein Ok! zu stammeln. Ich kenne mein Kind, kein Engel fürwahr - aber ist es infantiler Gewalttäter, der andere verletzt?

Aus den Augen, aus dem Sinn

Tatsächlich sieht das Hessische Schulgesetz Disziplinarstrafen wie das Heimschicken von Schülern vor. Pädagogische Maßnahmen nennt sich das dort. In besonders gravierenden Fällen ist die unmittelbare Suspendierung des Schülers für den Rest des Schultages möglich. Was jedoch besonders gravierend ist, findet sich natürlich nicht im Schulgesetz. Es liegt im Ermessen des Schulleiters. Um den reibungslosen Ablauf des Schulalltages zu gewährleisten, gibt es Schulen - wie jene meines Kindes -, die sich darauf einigen, dass alles mehr oder weniger schwerwiegend sein soll. Gewalt ist insofern gleichermaßen ein Schubser, dieses kindliche Allerweltsspiel, wie auch gezielte Prügel. Hier erfolgt eine straffe Gleichstellung von verschiedenen Gewaltgraden, die Gleichrangigkeit kindlicher Übermütigkeit mit groben Gewaltexzessen.

Die Schule meines Kindes hat sich da etwas Nettes einfallen lassen, um etwaigen protestierenden Eltern, die dieser Suspendierung aus windigem Anlass nicht zustimmen wollen, Grenzen aufzuzeigen. Man hat mit Einschulung den Kindern einen Vertrag unterbreitet, in dem sich das Kind einseitig verpflichtet, keinerlei Gewalt anzuwenden. Weder ist dort definiert, wo kindliches Unbenehmen aufhört und wo Gewalt beginnt, noch bietet die Schule als Vertragspartner eine Klausel an, in der Schlichtungsmethoden oder andere Mediationsangebote ausgebreitet würden. Auf diese Art von Vertrag mit noch nicht geschäftsfähigen Vertragsteilnehmern, ist man mächtig stolz - er erlaubt die Aufgabe der Betreuungspflicht und schiebt die Verantwortung innerhalb der eigentlichen Schulzeit den Eltern zu.

Kleinste Dinge mit Vertrag zu regeln ist ja so ein Faible der neoliberalen Weltanschauung. Die glaubt, man könne die Gesellschaft komplett auf Vertragsgrundlage gestalten. Die Welt sei demgemäß nicht mehr als eine Ansammlung potenzieller Vertragsoptionen. Sich zu vertragen heißt für sie, dass man einen Vertrag selbst auf Einhaltung von Schulordnungspunkten aufsetzt und zur Unterschrift vorlegt. Da, wir habe es doch Schwarz auf Weiß! Interventionen von Eltern, die behaupten, ihr Kind habe nur gerempelt und geknufft, werden so glattgebügelt. So fange Gewalt nämlich an; wehret den Anfängen! Mit der Arroganz desjenigen, der auf einen Vertrag pochen kann, begegnet man den Eltern dann. Kindliches Rudelverhalten wird auf Vertragsgrundlage sanktioniert, das Kind ist nicht mehr Kind, es steht im Kontrakt, ist Vertragspartner, von daher vom kindlichen Verhalten, das natürlich oft nervig und natürlich auch tadelnswert sein kann, entfremdet.

Das Kind hat zu funktionieren - ich berichtete ja schon mal darüber, ich schrieb: "Die Funktion des Kindes, die mit allen Mitteln hergestellt werden soll und falls das nicht gelingt, die Dysfunktion des Kindes auszumerzen, indem man das Kind suspendiert, aussperrt, es auf eine andere Schule überführt, ist die eine Säule neoliberalen Gedankenguts an Schulen." Die Suspendierung auf Vertragsgrundlage ist dabei besonders perfide, denn hier macht man aus einem Kind einen Geschäftspartner. Wenn da die herrschende Ökonomie mal nicht vollendet durchgeschlagen hat! Und was hat das eigentlich mit Pädagogik zu tun? Immerhin geschehen solche Bestrafungen im Rahmen "pädagogischer Maßnahmen".

Kurzer Statusbericht

Was war also geschehen? Mein Kind war ins übliche Geschubse zum Pausenende verwickelt und wurde inflagranti erwischt. Die anderen Teilnehmer haben sich gescheiter angestellt und haben sich nicht ertappen lassen. Die Verletzung war eine angestossene Nase. Kein ärztlicher Befund, da schon wieder vergessen. Rücksprache mit dem Klassenlehrer, der mit der Heimschickung nichts zu tun hatte: Alles halb so wild, sagte er. Das Herumgeschubse bringe man nie aus Kindern raus. Damit müsse man leben. Die Schule, ich vermute er meinte: der Schulleiter, wolle aber so vorgehen.

Man ahndet also rigoros, macht aus Mücken Elefanten. Die stören dann weniger den Betrieb. Die Tränen des Kindes, die Nervosität von Eltern, die während der Arbeitszeit angerufen werden: all das nimmt man in Kauf. Man hat scheinbar schon lange aufgegeben, pädagogisch vorzugehen, schickt lieber weg, bannt die nervenden Aspekte des Kindes ins Private. Ist das das Lehramt, das man heute lehrt? Kinder als der wunde Punkt der Pädagogen? Wäre das schön an Schulen zu lehren, wenn nur die Kinder und ihr Verhalten nicht wäre! Der behindernde Faktor namens Kind, dieser Störenfried mit Pausenbox - in Zeiten neoliberaler Effizientitis sind Kinder ein Affront.

Verhaltensnormen als Ausgrenzungskriterium

Als ich beim ersten Elternabend war, konnte ich nur schwer diese Neigung für eine Zensur erklären, die sich Sozialverhaltensnote nennt. Dergleichen gab es in Bayern nicht. Berichtigung: Es gab sie für einige Zeit, sie wurde aber wieder kassiert. Die Kritiker hatten sich durchgesetzt. Die meinten, damit durchleuchte man das Kind, mache den Charakter durchleuchtbar und erzeuge ein falsches Bild von der betreffenden Person.

Ob eine Person Persönlichkeit entwickelt, wenn sie sich dauerhaft an der Sozialverhaltennote orientiert, von den Eltern stets auf diese Note hingewiesen wird, würde ich als Kritik hinzugeben wollen. Begehr nicht auf, keine Widerworte, denk an deine Sozialverhaltensnote! Eltern machen sich verrückt um diese benotete Rubrik, Kinder fürchten den Furor der Eltern. Potenzielle Ausbilder würden wohl mit Argusaugen auf Sozialverhaltennoten starren, heißt es von Seiten dieser Pädagogik. Daher sei unbedingt eine gute Zensur notwendig. Was ist das für eine Pädagogik, die nicht gegen solche Noten ankämpft, sondern sie stützt? Was ist das für eine Pädagogik, die damit kenntlich macht, sie halte vom menschlichen Reifeprozess eigentlich wenig? Denn das Verhalten eines Achtklässlers muss doch nicht das Verhalten sein, das man dann als Schulabgänger oder noch später an den Tag legt. Und welche Rückschlüsse erlaubt Unpünktlichkeit auf charakterliche Eignung? Ist man nicht richtig sozial, wenn man aus Drang zum Humorigen immer wieder mit Flapsigkeit und lockeren Sprüchen auf sich aufmerksam macht? Welche Persönlichkeit entwickelt man, wenn man nahe am guten Sozialverhalten sozialisiert wird? Ist der Jasager und Abnicker nicht schon programmiert? Ist Geselligkeit, die dort negativ zu Buche schlägt, nicht auch häufig ein Attribut, das auf emotionale Intelligenz verweist?

Die Note im Sozialverhalten wird von Eltern und Lehrern gerne mit Tugendhaftigkeit verwechselt. Der gesamte bürgerliche Wertekanon fließt hier rein. Schwierig wird es dann für Kinder, deren Eltern nicht sehr stark an diesem Kanon orientiert leben. Ich meine das völlig schichtenunabhängig. Die von Eltern an ihre Kinder weitergereichte Egomanie und Ellenbogenzentriertheit zeitigt eher selten Abzüge in der S-Note. Das gehört zum guten Ton; wer sein Kind in der Gesellschaft etablieren will, muss geradezu sein Kind zum Ichling erziehen. Das kann man nicht negativ bewerten. Das ist nämlich elterliche Fürsorglichkeit. Eltern aber, die ihren Kindern erklären, dass man zwar durchaus Respekt vor Lehrern und Mitschülern haben muss, wie vor jedem Menschen, dies aber nicht Untertanengeist bedeute, dass man also beispielsweise zum Pinkeln gehen darf, auch wenn der Lehrer meint, das sei eine Aktion für die Pause, dann könne man getrost Verweigerungshaltung einnehmen und fröhlich zum Pinkeln abrauschen, dann wird das in aller Regel das Sozialverhalten negativ beeinflussen. Ich würde jedoch sagen, ganz im humanistischen Sinne, dass Courage nichts ist, was man als schlechtes soziales Verhalten bezeichnen könnte, sondern ein Ausdruck von persönlicher Freiheit, die Kinder dringend erlernen müssen, um irgendwann als Persönlichkeit ins Leben gehen zu können.

Die Noten im Sozialverhalten ziehen Duckmäuser heran, reibt den Keim der Persönlichkeit auf, erzieht teilweise sogar falsche Normen an. Freundlichkeit ist nicht verwerflich; wer aber in einem Elternhaus aufwächst, in dem die Freundlichkeit aus welchen Gründen auch immer, nicht besonders gepflegt wird, gerät ins Hintertreffen. Die verschiedenen Tugendmilieus erhalten als Meßzeug einen bürgerlichen Maßstab, der für die Nuancen der verschiedenen sozialen Herkünfte und Elternhäuser nicht sensibilisiert ist. Oder anders gesagt: Das beäugte Sozialverhalten rekrutiert sich aus bürgerlichen (Schein-)Tugenden und schließt Kinder aus Elternhäusern aus, die diese Tugenden nicht leben können oder wollen.

Charakterlosigkeitsschulung

Die Überforderung der Lehrer ist bemerkenswert. Mein Kind berichtete mir von einer Lehrkraft, die gezielt und stets neu den Stinkefinger als "pädagogisches Mittel" einsetzt. Ich glaubte das erst nicht, gratulierte mir zu einem Kind mit reger Phantasie. Aber irgendwann erzählten mir Kinder aus dem Fußballverein unabhängig davon. Sie zeige ihn einzelnen Kindern vor der Klasse oder gleich der ganzen Klasse und will natürlich nicht selbst gestinkefingert werden. Vorbildfunktion dürfe das nicht haben. Interessante Lehrmethoden und -logiken sind das! So sind sie nicht alle, die Lehrer, viele sind das Gegenteil. Aber diese Lehrkraft ist exemplarisch für eine Pädagogik, die nichts mehr ist als ernüchterte Berufung, als plumpe Karrieremöglichkeit für Menschen ohne Kinderbezug. Welche Charakterschulung erhält man an Schulen, in denen Pädagogik schwarz und Pädagogen fachfremd sind?

Als berufsvorbereitende Lehranstalt hat es geordnet und glatt zu gehen, nichts darf aufhalten, nichts behindern. Kinder sind aber nun mal nicht korsettfähig, jedenfalls sind sie es nur bedingt. Und sie sollten es auch nicht voll und ganz sein. Erwachsene mit sozialen Ansätzen, voller Originalität und Esprit, innovative Persönlichkeiten werden sie vorallem, wenn sie ihrer Persönlichkeit gemäß schulisch aufgehoben sind. Das meint nicht, irgendwelche Talente per Förderprogramm zu bergen oder auszubauen, sondern in erster Linie die Charakterschulung. Aber an Schulen, die immer weniger Charakter haben, kann man charakterliche Attribute nicht herauskitzeln. So ist zwar jede Kleinigkeit schon Gewalt, aber der Ellenbogen im Bezug auf das soziale Miteinander, als Durchsetzungskörperteil der Starken gegenüber den Schwachen ist erlaubt und gewollt. Ellenbogen sind aber keine Charaktereigenschaft, sondern ihr fahrlässiger Gebrauch ist die Metapher einer Charakterlosigkeit, die in Schulen mehr und mehr um sich greift.



12 Kommentare:

Volker Birk 26. März 2013 um 07:29  

Bitte verzeih mir, wenn das jetzt etwas vulgär rüberkommt. Aber für solche Pädagogen bietet die deutsche Sprache eine ins Schwarze treffende Metapher:

Arschlöcher.

Hartmut B. 26. März 2013 um 09:16  

Als Betroffener beschreibst treffend und ausgezeichnet, welche Ungerechtigkeiten mißbräuchlich mit Kindern von teilweise unfähigen Pädagogen angerichtet werden.

Eine zusammenfassende Beschreibung der heutigen Pädagogik fragt dein Satz: "Welche Charakterschulung erhält man an Schulen, in denen Pädagogik schwarz und Pädagogen fachfremd sind ?" - Ja, das ist eine Frage, besonders für Kultusminister!

Es ist schlicht skandalös.

Ob man jemanden, der seinen Stinkefinger zur Erziehung benutzt, für den Beruf eines Pädagogen geeignet ist, möchte ich doch sehr bezweifeln. - Auch dies sind wohl unmittelbare Folgen und Wirkungen eines menschenverachtenden, neoliberalen Systems.

Anonym 26. März 2013 um 09:58  

160....in einem solchen Fall wäre ich 20 Minuten später in der Schule gewesen und hätte die Sache geklärt...

epikur 26. März 2013 um 10:15  

So ist zwar jede Kleinigkeit schon Gewalt, aber der Ellenbogen im Bezug auf das soziale Miteinander, als Durchsetzungskörperteil der Starken gegenüber den Schwachen ist erlaubt und gewollt.

Das bringt den paradoxen Schulalltag gut auf den Punkt. Was hier erzogen werden soll, ist die Kunst der Heuchelei, der Verlogenheit und der Bigotterie. Denn genau dazu soll jeder im späteren Lohnarbeitsleben fähig sein.

Anonym 26. März 2013 um 11:00  

ANMERKER MEINT:

Da hast Du in Deinem berechtigten Ärger viel reingepackt in Deine Abrechnung mit der Schule, Roberto.
Aber ich frage mich bei all dem, was Du da aufzählst, wo das Engagement der Eltern an Deiner Schule bleibt? Wäre es nicht an der Zeit, den zwar mühsamen aber möglichen Weg der Aufklärung und des Widerstandes zu gehen. Es gibt mit Sicherheit noch andere Eltern an der Schule, die die Problematik ähnlich sehen. Sie gälte es zu finden und mit ihnen zusammen den neoliberalen Scheiß, der da praktiziert wird, zu diskutieren, zu problematisieren und zu ändern. Gerade in Hessen haben Eltern viel Mitspracherechte, können also Einfluss nehmen. Wo steht denn geschrieben, dass Eltern jederzeit bereit sein müssen, ihr „unbotmäßiges Kind“ zu Hause in Empfang zu nehmen. Die Schule hat eine Betreuungspflicht, schließlich ist sie eine Zwangsveranstaltung. Dann soll sie sehen, wie sie mit den jeweiligen Problemen zurechtkommt- abschieben des „Falles“ sollten Eltern auf keinen Fall akzeptieren.

Ich will damit nicht die katastrophale Verfasstheit der heutigen Schule kleinreden, die Tatsache, dass Lehrer_innen in die Schule kommen, die den neoliberalen Plumpaquatsch schon verinnerlicht, weil am eigenen Leib erfahren: Du bist Deines Glückes Schmied, Du bist für alles selbst verantwortlich, Wenn Du Dich an den Vertrag hältst, wird alles gut usw.,usw. Auch nicht die Tatsache, dass Schulleiter_innen quasi zum Herrscher/ zur Herrscherin über die Schulen gemacht wurden, damit das neoliberale Ziel des funktionierenden Untertans auch zieladäquat umgesetzt werden kann. Aber auch hier gilt: Solidarische Konfrontation mit den scheinpädagogischen Zielen, um den Widerspruch auf den Punkt zu bringen, statt durchweg der gefährlichen Anpassung Raum zu geben. Lehrer_innenschelte mag hilfreich, gar entlastend sein, genügt aber nicht, um im System vor Ort etwas zu ändern.
Auch unter den LehrerInnen gibt es sicher den/die eine/n oder andere/n als mögliche Bündnispartner_in.

Bei all dem muss noch einmal festgestellt werden, dass unser Bildungssystem bewusst so ökonomisch konstruiert und knapp gehalten wird, um die in Deinem Artikel genannten Probleme zu produzieren und die Beteiligten in ihrem je eigenen Hamsterrad laufen zu lassen, mithin den Blick auf Alternativen zu verstellen. Aber das wäre für heute denn doch ein zu „weites Feld“.

MEINT ANMERKER

PeWi 26. März 2013 um 12:44  

Ach, wie denke ich noch gern an meine Schulzeit zurück. Wir konnten Kinder sein. Haben Klassenkeile verteit, wo jeder mitmachte. Haben uns hinterher selbst geschämt, so etwas gemacht zu haben. Haben Zopfträgerinnen und Pferdeschwänzlerinnen an den Haaren gezogen und waren oft recht schnell bei einer Ohrfeige oder Knuff. Kein Lehrer hat sich darum gekümmert. Wir Kinder haben das selbst unter uns ausgemacht. Eltern standen in der Schule auch nicht gleich auf der Matte. Irgendwie funktionierte unsere Selbstverwaltung untereinander. In der nächsten Stunde/am nächsten Tag war alles wieder gut. Kein Zirkus wurde daraus gemacht. (1956-1966)

Anonym 26. März 2013 um 15:07  

Hallo PeWi,

ja, die Zeiten kenn ich auch noch! 1971-1984. Allerdings war Schluß, wenn einer der beiden Streitgickel am Boden gelegen hat und der andere auf ihm gesessen hat.
In dem Moment hat auch erst die Pausenaufsicht eingegriffen (wenn überhaupt).
Heute scheint es diesen "Ehrenkodex" der Schulhofkeilereien nicht mehr zu geben. Da geht es zu mehreren gegen einen, da wird noch zugetreten, wenn einer am Boden liegt.

Woher das kommt? Ich weiß es nicht. Zunehmende Verrohung? Zunehmende Verblödung durch die Medien? Keine anderen Möglichkeiten mehr, Aggressionen und "zu viel Kraft" loszuwerden?

Dieses ganze Vertragsgedöns halte ich für schlichtweg nichtig. Seit wann kann man Verträge mit Kindern machen? Vom Taschengeldparagraphen mal abgesehen.

Ich bin froh, daß ich lange aus der Schule raus bin! Aber wenn ich mir dann die Schul- und Studienabgänger dieser neoliberal geprägten Kaderschmieden ansehe, die in unsere Unternehmen strömen, gruselt es mich.
"ANGEPASST" war ein Schimpfwort in unserer Generation ;-)

Gruß
Mada

Anonym 26. März 2013 um 15:52  

Die Sozialverhaltensnote wurde damals explizit von Kräften links der Mitte forciert, um andere Aspekte als das bürgerliche plumpe Pauken einzubeziehen und dem Mensch besser gerecht zu werden.
Dass damit nicht nur von links dem Neoliberalismus in die Hände gespielt wurde, sondern nun auch noch diese Verwirrung in der Benennung von Ross und Reiter herrscht, ist tragisch fürwahr.

Anonym 26. März 2013 um 16:03  

die sozialverhaltennote wurde von konservativen eingeführt. diese wollten die schüler für den produktionsprozess bewertbarer machen.

Anonym 26. März 2013 um 20:54  

Ich bin damals verprügelt worden, weil ich Kleidung von Urban und C&A hatte... Und nicht von Lewis und Co. Die Lehrerin hats einen Dreck gekümmert, den vertrauenslehrer auch nicht. Mangels finanzieller Masse und Desinteresse waren meine Eltern auch nicht in der Lage, in dieser Situation Hilfe zu leisten. Ich war wegen meiner Kleidung so gut gelitten, dass mir sogar jemand seine Freude darüber mitteilen wollte, als ich mit dem Rad an der Schule vorbeifuhr. Dazu rannte man mir hinterher, brachte mich zu fall. Das Resultat war, abgesehen von offenliegenden fingerkuppenknochen, ein nicht mehr fahrtüchtiges Fahrrad. Die 80 DM Reparaturkosten haben die Eltern meiner "gessprächspartner" mit der begründung abgewimmelt, das ich vor zittern ohne fremdeinwirkung selbst zu fall kam... Hilfe gab es keine, noch nicht mal durch den physiklehrer, der das Prinzip der Fliehkraft beim radfahren damals schon hätte erklären können... Einziger Trost ist, dass ich all die lutscher von damals nun an der diskounterkasse beim Einkauf angrinsen kann... Mit dem wissen, dass die zwei Tausender im Monat weniger haben... Hätte so ein Vertrag geholfen? Ich denke nicht... Aber eine Lehrerin, die nicht auf ihre Verrentung schielt, sicherlich...

Roberto De Lapuente 27. März 2013 um 06:09  

Du hast recht, verherrlichen darf man die "gute alte Zeit" nicht. Habe ich in meinem Text allerdings auch nicht getan. Wir hatten einen Rektor, der Dunkelhäutige auch mal salopp als schwarze Teufel bezeichnete. Heute sind die Unarten andere, die aufgeklärte Pädagogik ist weiterhin nicht in Sicht.

Anonym 27. März 2013 um 12:39  

Nun "Spezialisten" unter den Pädagogen gibt es heute, hat es früher gegeben und wird es auch in Zukunft geben.

Das mit dem Vertrag zwischen Schule und Kinde (Alter bei Vertragsschluss??) ist natürlich ein Grund aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauszukommen.

Welche Gegenleistungen der Schule stehen denn in dem Vertrag drinnen? Mal ehrlich wenn mir eine Schule so kommt, wäre es an der Zeit für einen Konter.

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