In der Natur des Marktes

Mittwoch, 14. November 2012

Neulich wieder ein Gespräch geführt mit jemanden. Weniger ein Gespräch, mehr so zugehört, was er stammelte. Bisschen Widerstand geleistet, es dann aufgegeben. Brachte nichts. Säue tragen keine Perlen. Zugehört also, gelauscht, wie er meinte, dass der Markt zuerst war, bevor der Staat kam. Sinngemäß etwa so: Am Anfang schuf Gott den Menschen. Und der Mensch war wüst und finster. Und Gott sprach: Es werde Markt. Und Gott sah, dass der Markt gut war. Dann übersprang er die Schöpfungsgeschichte, holperte zur Vertreibung. Er sagte weiter: Weil du auf die Stimme des Marktes nicht gehört hast und den Staat gegründet hast, von dem ich dir geboten habe: Du sollst ihn nicht gründen! - so sei der Erdboden verflucht. Im Schweiße deines Angesichts sollst du deine Steuern zahlen, dich vom Staat knechten, unterdrücken und ausbeuten lassen. Denn Markt bist du, und zum Markt wirst du zurückkehren. Er hat es vielleicht doch weniger theatralisch formuliert. Mir war aber so, als hätte er es genau so gesagt. Quintessenz: Erst Mensch, dann Markt und später erst kam der Staat.

Kurzum, er sprach von einem Naturzustand, aus dem der Mensch ausbrach. Die gute Natur des Marktes hat der Mensch umgepflügt, hat sie mit künstlichen Bedingungen ausgestattet und wundert sich nun, dass er nicht gesund und natürlich leben kann. Der Typ war ein bisschen irre, man hat es gesehen, er ließ dauernd seine Pupillen kreisen und kippelte nervös mit dem Kopf. Nicht nur deswegen fand ich seine These heiter, sondern auch, weil sie so plump und durchsichtig war. Wie ein Kind, das unaufgefordert und ungefragt zur Mutter läuft und bestätigt, es habe nichts Verbotenes getan, wäre nicht am Süßigkeitenschrank gewesen.

Die gute Natur ist doch ein Kalauer traumverlorener Romantiker. Wenn wir schon vom allgemeinen Lob auf natürliche Lebensformen sprechen: Der edle Wilde und die verlorene Natur, das sind doch lediglich fromme Herzenswünsche, lustige Halluzinationen. Thoreau war eine Weile so ein romantischer Naturbursche, bis er am Mount Ktaadn die Kargheit und die Ödnis dieser natürlichen und urwüchsigen Landschaft am eigenen Leibe spürte. Danach fühlte er sich von der Natur verstoßen, sich in ihr fremd und auf sich alleine gestellt. Die wundersame Einheit zwischen Mensch und Natur erschien ihm jetzt realitätsfern. Es wurde ihm klar, dass er kein Stück Natur in der Natur ist. Wer schon schlecht ausgerüstet durch einen morastigen Wald stapfte, der ahnt die Gemütlichkeit, die der Naturzustand sein kann. Der Einbruch in die Natur, ich rede nicht von ihrer Zerstörung und Ausbeutung, die Schaffung von künstlichen Lebensräumen, das Nebeneinander von Natürlichkeit und Künstlichkeit macht den Reiz hienieden aus - und ist das künstlich natürliche Lebensumfeld des Menschen.

Überhaupt ein seltsames Denken. Erst war der Markt, dann der Staat. Wie hat denn dieser Markt ausgesehen? Ich stelle ihn mir so vor, dass Menschen untereinander handelten. Wenn man den Tausch von Steinen, die aussahen wie Pfeilspitzen gegen Steine, die aussahen wie Hämmer, überhaupt als Markt bezeichnen kann. Alleine dass man bei einem archaischen Tauschhandel schon den Markt wittert, macht, dass ich eine gehörige Portion Beschränktheit bei dem wittere, der das argumentativ aufführt. Das wäre, als würde ich beim Anblick eines Speichenrades aus der Bronzezeit ehrfurchtsvoll Automobil oder Rudolf Diesel vor mich her sabbern.

Sei es so, zurück zum Tauschhandel, der später mit Äquivalent, mit Münzen, also Geld, ausgestattet wurde. Haben die Teilnehmer dieses Marktes denn keine Regeln gehabt? Ware gegen Ware beispielsweise? Prüften die Teilnehmer nicht vor Tausch oder Kauf, ob die Ware in Ordnung ist? Liest man nicht schon in vorkapitalistischer Literatur, dass man dem Händler, der Schrott verkaufte, ans Leder ging? Vertrieb man Betrüger nicht, legte sie lahm, sperrte sie ein, schlug sie tot? Finden sich in der Geschichtsschreibung nicht unzählige Berichte über den Hass gegen Wucherer und Maßnahmen gegen sie? Gab es also nicht immer schon, als der Staat dem Markt noch nicht übergestülpt wurde, vereinbarte, stillschweigende und allgemein akzeptierte Regularien, deren Nichteinhaltung nicht toleriert wurde? Ich stelle mir vor, dass kräftige Teilnehmer ihre Kraft auch gebrauchten, sich ihr Monopol mit der Faust sicherten. Das erntete sicher Empörung, empfand man als ungerecht, aber so war das manchmal in der Natur des Marktes.

Dann kam der Staat, so meint es jedenfalls der schrullige Typ. Der sei ein künstliches Gebilde. Er hat in seiner geistigen Eingezäuntheit nicht verstanden, dass sein Marktbegriff auch nichts weiter ist, als ein Kunstgriff, ein künstlicher Kniff, um seine ideologischen Präferenzen irgendwie philosophisch zu legalisieren. Den Markt gibt es gar nicht, er ist ja nur eine terminologische Vereinfachung, eine Simplifizierung zur Verarbeitung komplexer Prozesse, die alles sind, aber sicher nicht natürlich, sondern in von Menschen gemachten Bahnen und Abläufen geschehen. Überhaupt kann Staatlichkeit viele Gesichter haben, ich werde hier keine Staatstheorien breitklopfen. Sie ist aber in jedem Falle, vereinfacht gesagt, ein modus vivendi. Das heißt, der Staat regelt das Zusammenleben, das Überleben. Das geschieht manchmal schlecht, aber hin und wieder auch gut. Statt Staatlichkeit könnte man auch Vergesellschaftung meinen.

Bleiben wir mal beim Bild eines Staates, der künstlich über die Marktnatur gewickelt wurde. Der Staat hat das, was an Regeln im natürlichen Markt schon vorherrschte, übernommen und an ihnen gefeilt, sie zu Rechtsansprüchen gemacht, Gerechtigkeit, die in der Natürlichkeit immer ein Kräftemessen war, zu einem Gut gedrechselt, das jedem widerfahren kann. Bevor die Kritiker kommen: Ich rede nicht von diesem oder jenem Staat, sondern von Staatlichkeit, von einer Theorie, nicht unbedingt von der Praxis. Dass die Staatlichkeit unter der herrschenden Ökonomie Gerechtigkeit für viele Menschen einfach ausklammert, ist ein gravierendes Problem. Deswegen muss die Lösung des Problems nicht sein, die Staatlichkeit aus der Wirtschaft zu bannen, sondern eine Staatlichkeit zu schaffen, die die Wirtschaft so mitgestaltet, dass jeder etwas davon hat.

Jetzt könnte der Typ eingewendet haben, wenn ich es ihm so erklärt hätte, dass es vorher ja keine Regeln gab, bevor der Staat war. Dann hätte ich geantwortet: Na, dann wurde es ja Zeit dafür! Oder er könnte es bestätigt haben und hätte mir somit zugestimmt, es habe auch da Regelungen zwischen den Teilnehmern gegeben, dann hätte ich gesagt: Dann hat der Staat nichts getan, was nicht schon war! Ich habe nichts dergleichen gesagt, ich schreibe besser als ich rede. Ich habe ihn gelassen, zweimal angesetzt, zweimal aufgelaufen. Mir war nicht nach Hartnäckigkeit.

Ich hätte überhaupt antworten sollen, dass der Naturzustand, dieses tolle Ideal, beinhaltet, auch mal jemanden erschlagen zu dürfen. Gott hat nicht nur den Markt erschaffen, sondern auch Kain und Abel. Das ist doch Beweis genug. Staatlichkeit bedeutet ja auch, dass man Mord und Totschlag zu rechtfertigen hat, dafür bestraft wird. Meistens jedenfalls, denn es gab schon Staatlichkeiten, die mehr Naturzustand waren als Zivilisation, die Mord und Totschlag zur Doktrin erhoben. Aber von denen rede ich ja nicht. Da finden die Anti-Etatisten den Staat natürlich wieder toll, denn da schützt er sie, erschwert das Erschlagen der Gierigen und Starken. Und eine Staatlichkeit, die das Stehlen ahndet, finden sie auch nicht übel.

Natürlichkeit nur für den Markt - ansonsten haben sie es gerne künstlich ...



14 Kommentare:

ninjaturkey 14. November 2012 um 07:32  

Ich frage mich nicht erst seit Beginn der Krise®, was die Neoliberallala meint, wenn sie vom freien, selbstbestimmten Markt faselt. Spätestens seit der Krise® pumpen ganze Staatensysteme Billionen in Den Markt™ um die versagenden Marktteilnehmer aus Finanzen und Industrie zu retten (unter nachhaltigem Drängen und Beifall der Neoliberallala).
Auch die so genannte Griechenlandrettung© (Portugal, Spanien, ...) ist schließlich nichts anderes als eine gewaltige Rettung von Marktteilnehmern (Banken, Versicherungen), die selbstverschuldet und mangels Expertise und Weitblick nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft am Markt zu bestehen. Besser und billiger wäre es gewesen, die Banken pleite gehen zu lassen und das Geld direkt an Griechenland zu geben. Das Land und seine Menschen stünden heute bei gleichen Kosten wesentlich besser da

Offensichtlich gilt der neoliberal definierte Markt aber auschließlich für hinreichend kleine Unternehmen und einfache Marktteilnehmer wie Arbeitnehmer und Selbständige, während die Verfechter der freien Kräfte nach jedem Fehlmanagement lauthals um Stütze schreien.

Ein Markt der diesen Namen verdient, basiert seit Urzeiten (!) natürlich auf klaren Regeln (!!). Einen freien Markt zu propagieren, heißt nichts anderes, als diese Regeln zugunsten der dicken und im Kern unfähigen Keulenschwinger (und nur für diese) abschaffen zu wollen und Betrug, Raub, Mord und Totschlag als modernes Management zu kaschieren.

Raubrittertum und Freibeuterei von Königs Gnaden 2.0. Erzählt mir nix vom "Markt"!

magicpen 14. November 2012 um 07:51  

Was war zuerst da - Ei oder Henne? Die Frage ist so alt wie blödsinnig und kann nur ernsthaft von denen gestellt werden, die noch an eine komplett fertige Schöpfung vor 5000 Jahren glauben, also Anhänger eines Weltbildes, das von der Realität so nachhaltig widerlegt wird, dass es schon eines echten Kraftaufwandes zur Leugnung bedarf.
Natürlich war das Ei zuerst da, selbst Gefieder gab es schon lange vor den Vögeln.

Und natürlich war der Markt zuerst da, man nennt das Survival of the fittest. Wer sich den stets verändernden Bedingungen nicht anpassen kann geht unter und gut ist. Das funtioniert seit etwa einer Milliarde von Jahren seht zur Zufriedenheit der Überlebenden.

Will man dieses System zugunsten Schwächerer ändern, und wer ist nicht irgendwann einmal der Schwächere, dann reicht es, die Kleinen ausreichend zu unterstützen und die Großen eben Pleite gehen zu lassen bis sie wieder klein genug geworden sind um sie eben auch wieder aufzurichten.

Hatte sich die Evolution zuvorderst um die Großen gekümmert, müssten wir heute noch Dinosaurier durchfüttern, die vor lauter Kraft und Göße unfähig wären auch nur einen Schritt selbst zu tun.

Roberto J. De Lapuente 14. November 2012 um 08:00  

Oh, ein gebildeter Mensch, wie ich sehe. Evolutionist und Sozialdarwinist durch und durch. Man braucht auch was zum Lachen. Der Intellekt des Vorsprechers ist ausreichend genug, um ordentlich zu lachen. Und tschüss... weitere Sozialdarwinismen bitte auf der Website der FDP, der BILD oder der NPD posten. Hier nüsch...

Roberto J. De Lapuente 14. November 2012 um 08:18  

PS: Diese Evolution die "sich kümmert", verrät den kümmerlichen Geist dahinter. Die personalisierte Evolution ist Zeuge davon, dass da jemand die Prinzipien der Evolution nicht begriffen hat...

magicpen 14. November 2012 um 08:38  

Sozialdarwinist? Hm - hab ich mich so missverständlich ausgedrückt? Offensichtlich, sorry 8-/
Es ging mir darum, die Argumentation der Verfechter eines freien Marktes vorzuführen. Denn die beinhaltet doch gerade, den (unflexiblen) "Saurier" untergehen zu lassen. Wer das aber ernsthaft will, muss auch den eigenen Untergang klaglos hinnehmen und sich von zu Recht menschlichen Begriffen wie Gemeinschaft, Fairness und allen sozialen Errungenschaften lossagen.
ICH will das ausdrücklich nicht, und nehme in Zeiten eigener "Schwäche" gern Unterstützung an, die ich in Zeiten der "Stärke" ebenso gern zu geben bereit bin.
Exportreduzierung, ja. Stärkung der Inlandsnachfrage, ja. Flächendeckender und auskömmlicher Mindestlohn, ja. (Von allen) Umlagefinanzierte Rente, ja. Bessere Bildung und Ausbildung, ja. Beteiligung und Mobilisierung aller zu diesem Ziel, ja. etc. pp. (Die Liste ist verdammt lang)

Fördern macht die Leute stark, fordern macht sie hart. Das ist meine gelebte Erfahrung seit Jahrzehnten - bischen naiv bisweilen, aber in der (meiner) Praxis immer wieder bestätigt. Das hat nix mit "Markt" zu tun sondern mit Menschen.

Nun deutlicher?
Ich will nicht bei der Bild, NPD oder *schluck* FDP schreiben!

Roberto J. De Lapuente 14. November 2012 um 08:45  

Dann habe ich es falsch verstanden. Entschuldigung. :)

Klingelhella 14. November 2012 um 10:48  

Hm... ist der "Markt" nicht sowieso ritualisierter Handel, also per se reglementiert?

Der Marktbegriff muss inzwischen für so vieles herhalten, dient als konzeptueller Vorhang für so viele Prozesse, deren Analyse man sich schenken möchte, da sonst Konsequenzen fällig wären... da ist es doch schöner, in der romantischen Assoziation des Wochenmarktes zu verharren.

Was dabei gern vergessen wird, und das ist auch am Wochenmarkt so, ist, das ausschließlich Überschüsse gehandelt werden. Man handelt nur mit dem Brot, was man selbst nicht mehr isst. Sollte man also nicht z.B. korrekter von einem "Arbeitslosenmarkt" sprechen?

Wenn ein Neoliberallala die Glaubensdoktrin von der "unsichtbaren Hand des freien Marktes" predigt, müsste er da nicht als oberster Glaubenswächter vorrangig das bekämpfen, was Angebot und Nachfrage verzerrt, nämlich bspw. Oligopole und Kartelle, Werbung, künstliche Verknappung von Gütern, die im Überfluss existeren, etc. etc.? Diese Phänomene kommen bezeichnenderweise ganz ohne Staatlichkeit zustande.

flavo 14. November 2012 um 11:42  

Eine Exempel:
http://derstandard.at/1350261233553/Der-Mensch-war-vor-3000-Jahren-intelligenter-als-heute

Wie in jeder hegemoniale Ansicht werden auch im Neoliberalismus die Versuche zahlreicher, die Geschichte nach dem eigenen Ansinnen zu rekontruieren. Nicht anders machte es der historische Materialismus. Es gibt fette Bände einer materialistischen Geschichtsdeutung, in der DDR entstanden, äußert penibel und präzise. Um nicht zu sagen plausibel. Die Geschichte der Ausbeutung der Arbeit usw. Nicht anders wird die Geschichte in Bücher gepackt, wenn der Neoliberalismus die Erkenntnisschemata bereitstellt. Man ersieht Hoch-zeiten der Konkurrenz, des Kampfes und der Auslese an Lebewesen. Der krämerische kleinbürgerliche Kaufmann meint in sich mit Regung zum Geschäftemachen einen vorzeitlich-puren Überlebenstrieb zu spüren. Der Manager halluziniert sich mit einem wilden Mammut und wenn er Arbeiter entläßt ist es wie wenn das Mammut wild ausschlägt und den Schnee von seinem dicken Fell wackelt. Und der verlinkte Wissenschaftler sieht eine höhere Intelligenz im wilden Jagdmenschen am Werke, da dieser noch ordentlich angereizt worden ist, seinen Unterhalt zu erjagen und nicht wie ein heutiges Exemplar des homo sapiens sapiens zum Sozialamt sich bemüßigen muss. Dem konformen Gemüt werden die aufwallenden Gefühle bei beiden Vorstellungen eindeutig erscheinen. Morgen geh ich in die Teamsitzung wie ein Jagdmensch vor Jahrtausenden.
Vergangene Bio- und Soziotope werden so zu Flächen, an denen sich die Konturen der herrschenden Ideologie aufmalen.

Anonym 14. November 2012 um 12:53  

Kritik an den herrschenden Verhältnissen ist immer per se gut! Wer Kritik an derartiger Kritik übt, abweichende Hintergrundinformation darreicht oder gar Differenzierung anmahnt, kann nur ein Querulant sein, der abzuwürgen ist!
Verfolgen Sie das weiter!

endless.good.news 14. November 2012 um 14:08  

Indem man den Markt in eine Art Naturzsutand hebt, kann man Änderungen als unnatürlich abtun. Somit versucht man Kritik und Verbesserungsvorschläge im Keim zu ersticken. Dabei braucht man nur fragen, ob im Haus wohnen natürlich sei, ob es natürlich ist ein Mobiltelefon zu benutzen, zu fliegen, oder manches mehr.

D.h. selbst wenn man annehmen sollte, dass der Markt als naturgegeben vorliegt und vor dem Staat existierte, bedeutet es nicht dass er perfekt war. Das würde vorraussetzen, dass alles natürliche perfekt ist und man es nicht anfassen sollte. Wenn ein solcher Typ dies behauptet, dann sollte man Ihn nackt ins freie setzen. Ich denke es würde Ihm beim nachdenken helfen.

Aldo 14. November 2012 um 15:53  

Was die marktradikalen Apologeten gerne verschweigen, ist die Tatsache, dass ihre Reformen keineswegs im Wettstreit mit einer Wirtschaftsform , die auf mehr Intervention des Staates aufbaut, den Sieg davongetragen hat. Dazu zwei Beispiele aus lateinamerikanischen Ländern.
In Chile wurde das neoliberale Modell 1973 durch einen Militärputsch mit Gewalt implantiert unter Missachtung und Auslöschung der legitimen Regierung unter Salvador Allende.
Das gleiche Vorgehen dann in Argentinien, als die Militärjunta im März 1976 die Macht durch einen Putsch übernahm. In beiden Ländern führten dann die Chicago Boys ihre „Reformen“,durch. die inzwischen auch auf dem alten Kontinent bekannt sind: staatliche Leistungen wurden zurückgefahren bzw., privatisiert, wobei das Opfer , wie immer bei solchen Umstürzen, die arbeitende Bevölkerung ist.
Im Falle Argentiniens gab es noch ein sehr unglückliche Konstellation mit der Witwe des General Peróns, Isabel Perón.
Ein Aufruf von ihr an die Montoneros (peronistische Jugendorganisation) sowie an die Gewerkschafts- mitgliederInnen , und der Putsch wäre gestoppt worden,, sagte selbst der damalige Chef der Militärjunta Jorge Videla, inzwischen zu lebenslänglicher Haft verurteilt, in einem Interview aus seiner Gefängniszelle.

Anonym 14. November 2012 um 16:54  

Warum in die Urzeit schweifen wo das MIttelalter so viel näher liegt. Die modernen Märkte entstanden aus den mittelalterlichen Messen und wurden von klugen Herrschern installiert, um über den Handel die Entwicklung des ganzen Gemeinwesens zu befördern.
Man kann also sagen: moderner Staat und moderner Markt haben sich paralell entwickelt und bedingen sich auch gegenseitig.

Anonym 15. November 2012 um 01:55  

@Roberto J. de Lapuente

Ein Buchtipp:

"Schulden" von David Graeber.

Lt. diesem Autor ist die Sache mit dem "Tausch" Ware gegen Ware nix anderes als ein kapitalistisches Märchen, dass uns seit 200 Jahren Adam Smith auftritt.

Ich hab selbst gestaunt, denn auch ich bin in der "Tauschideologie", als Wirtschaftsschüler und Ex-BWLer, unterrichtet worden.

Auch andere Dogmen des Kapitalismus bzw. der Religion namens Kapitalismus widerlegt der US-Autor David Graeber Punkt für Punkt in seiner fünftausendjährigen Geschichte der Schulden.

Die Geschichte der Schulden, bzw. des Kapitalismus, hat nämlich auch viel mit Sklaverei zu tun, lt. David Graeber, und - seiner Ansicht nach - sind "normale Arbeitsverhältnisse" in denen jeder von uns einmal in seinem Leben steckt nix anderes als eine Weiterentwicklung der alten Sklaverei in eine moderne Form der Ausbeutung.

...interessante Ansichten, und daher empfehle ich David Graebers Buch hier uneingeschränkt....

Übrigens, der US-Autor David Graeber ist auch einer der Vordenker der "Occupy-Bewegung" in den USA.

Gruß
Bernie

Anonym 15. November 2012 um 01:57  

@flavo

Danke für den Hinweis, aber es gibt ja auch Hoffnungsschimmer - dank Graebers "Schulden" eine Geschichte von 5000 Jahren.

Gruß
Bernie

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