Aktenzeichen XY... aufgelöst!

Mittwoch, 29. August 2012

Als Kind machte Aktenzeichen XY... ungelöst großen Eindruck auf mich. Die Sendung kam mir vor wie ein Ausbund an Seriosität, auch wenn ich damals natürlich kaum wusste, was gemeinhin als seriös zu bezeichnen ist und was nicht. Aber die getragene Miene Zimmermanns, die unaufgeregten Zwischenstimmen aus Wien und Zürich, dazu Einspieler, die wie ein sachliches Polizeivideo wirkten - all das festigte schon einen gewissen seriösen Ruf, den die Sendung bis heute hat. Ohne Zweifel ist Aktenzeichen XY auch heute noch ein seriöses Format, vergleicht man es mit dem, was uns das Fernsehen sonst so schenkt. Aber der nüchterne Ton der Sachlichkeit, die trocken auf Fakten aufgebauten Filme und der unaufgeregte Eifer der Personen im Hintergrund sind verschwunden - heute gestaltet sich die Sendung weniger rational und objektiv. Dieser Verlust des Spartanischen ist auch ein Verlust an Qualität und rüttelt am eigenen Sendungsbewusstsein.

Ein Studio in Betriebsamkeit

Teilweise könnte man den Eindruck erlangen, dass Aktenzeichen XY mit einem Ermittlungs- und Aufklärungsformat wenig zu tun hat. Das früher so farblos getragene Konzept, das sich auf Inhalte versteifte, das Fakten und Indizien lieferte, stand dem Rahmen der Sendung gut zu Gesicht. Das ocker gefärbte Studio, so muß man schon zugeben, wirkte nie besonders freundlich - aber das Motiv der Sendung war ja auch nicht Freundlichkeit, sondern die Aufklärung von Verbrechen, daher passte das auch farblich. Jetzt plötzlich turnen Ermittler und Stichwortgeber durch das Studio, im Hintergrund rumort es stetig und neulich beschloss Rudi Cerne seine Sendung, indem er einer im Studio anwesenden Polizistin mitteilte, sie habe Anrufe von Verehrern erhalten. Letzteres war auflockernd gemeint, aber es schien doch wenig angemessen und raubte der Sendung abermals die Getragenheit, die ihr einst Seriosität verliehen hat.

Man wird auch den Eindruck nicht los, dass die Telefonzentrale im Hintergrund weniger wirkliche Funktion hat, als sie Suggestion sein soll. Da werden womöglich weniger "sachdienliche Hinweise" als Rührigkeit und Fleiß der Polizei vermittelt. Man soll als Zuschauer das Gefühl nicht loswerden, dass der heiß errötete Draht nie abkühlt, dass wie im Sekundentakt Fälle in die Nähe von Aufklärung rücken. Dieser Mensch vom Bayerischen Landeskriminalamt, der in jeder Sendung Zwischen- und Endstand verkündigt, wirkt stets sachgerecht außer Atem gesetzt und wie Wild gehetzt - wie souverän doch Peter Nidetzky und Konrad Toenz waren, die trocken aus ihren Studien in Wien und Zürich verlasen, was an Hinweisen hereinkam. Sie wirkten wie Technokraten, das stimmt schon - lächelten nicht, waren unerbitterlich humorlos, steckten in billigen Anzügen. Doch genau diese Grauheit kam dem Format zupass; Selbstdarstellung wurde pfleglich vermieden. Aktenzeichen XY war einst die stoische Trotzburg gegen das Verbrechen im Fernsehen - heute ist sie die in Bildern festgehaltene Hektik, die man dem Verbrechen entgegensetzt. Dieser unbeteiligt wirkende Gleichmut vergangener Tage entsprach der Agenda der Sendung - da waren kühle Analytiker und Hinweisverwerter am Werk, die nicht durch Show, sondern durch eifriges Sammeln und Auswerten zum Fahndungserfolg beitragen wollten. Die nervöse Betriebsamkeit von heute führt sicherlich auch zu Erfolgen, wirkt jedoch eher wie das wilde Herumschwirren eines provozierten Bienenschwarms als wie die nüchterne Arbeit von polizeilichen Fachkräften.

Diebe auf den ersten Blick

Die Einspieler heute unterscheiden sich eklatant von denen, die vor vielen Jahren noch Aktenzeichen XY ausmachten. Natürlich sind die laienhaft motivierten Dialoge geblieben. Die gab es auch damals. Bevor in den Filmen heute das Verbrechen geschieht, vermittelt man einen Eindruck über ein privates Idyll, in welches gleich das Unglück einbricht. Die Opfer erleben das ja auch sicher so, ob allerdings das Malen von Weiß und Schwarz notwendig ist, um dem Zuschauer den Sachverhalt nahezubringen, bleibt dahingestellt. Diese Betonung von Gegensätzen ist heute ausgeprägter als vormals; es ist auch zu vermuten, dass man hier gezielt die emotionale Schiene bedient, wie man das heute gerne tut und die bei Aktenzeichen XY in frühen Tagen nicht befahrbar war. Kurios ist manche filmische Darstellungsweise. Zu Zimmermanns Zeiten wurden die unbekannten Täter zwar auch filmisch dargestellt, nur sah man weitestgehend das Gesicht des Mimen nicht. Man wollte die Zuschauer nicht vorprägen und konditionieren, abrichten auf das Gesicht eines Darstellers, der zwar vielleicht Ähnlichkeit mit dem wirklichen Täter aufweisen konnte, aber eben doch nicht der Täter war. Anfang 2012 wurde erstmals ein Aktenzeichen XY-Darsteller dingfest gemacht; festgenommen von der Stuttgarter Polizei  - man hatte ihn in der Sendung gesehen und sein Gesicht hatte sich als das des Täters festgebrannt. So macht man Diebe auf den ersten Blick - denn dieser erste Blick ist es, der jede ergebnisoffene Fahndung entweder weiterführt oder verhunzt; einmal gesehen - und sei es falsch gesehen - und ein Bild setzt sich in Gedanken fest.

Nicht minder kurios, wenn auch vielleicht mit weniger drastischen Folgen, sind Filme, in denen man als Zuschauer plötzlich den Blickwinkel eines Mordopfers einnimmt, kurz vor dem Sturz zu Boden oder schon am Boden liegend, mit den Augen des Sterbenden zusieht, wie der Täter abzieht, wie er vielleicht noch die Taschen leert oder das blutige Messer abwischt. Grob verfälschend mag das nicht sein, aber makaber und effekthaschend ist es dennoch. Der Zuschauer von Aktenzeichen XY soll eigentlich Informationen und Fakten erhalten, um daraus vielleicht Hinweise zu rekrutieren. Was die Verschiebung des Blickwinkels, die ja nichts als Spekulation ist, an Hinweisen ergeben soll, kann nicht sinnvoll beantwortet werden.

Blut, Sitzkreis und Tränen

Das Plot von damals würde heute langweilen. Insofern ist eine Modernisierung der Sendung natürlich nicht zu beanstanden. Gewisse Neuerungen sind aber mehr als gewöhnungsbedürftig. So ist es nun Sitte, dass gelegentlich Hinterbliebene von Mordopfern ins Studio eingeladen werden. Dort formen sie einen Sitzkreis, einen Halbkreis und berichten über die Qualen der letzten Monate, die in ihr Leben einbrachen. Bei allem nötigen Respekt vor diesen Leidenswegen: Welchen Erkenntniswert, welche Fakten sollen dem Zuschauer so geliefert werden? Eine unglückliche Mutter mag Herzen berühren, hilft aber bei der Verbrechensaufklärung wenig. Die Trübung durch emotionale Anteilnahme hemmt Ermittlungen und beeinträchtigt Zeugen. Und immerhin sind die Zuseher von Aktenzeichen XY nicht weniger als potenzielle Zeugen - und dementsprechend sollte man einige Standards, die im Umgang mit (möglichen) Zeugen zu berücksichtigen sind, einhalten. Zugunsten der Emotion, die heute offensichtlich auch in einer seriösen Sendung nicht mehr fehlen soll, trübt man den klaren Blick, manipuliert man die Objektivität, die ja im Erinnerungsvermögen von Zeugen ohnehin nur sehr porös ist.

Unlängst präsentierte Rudi Cerne einen Fall, der auch mittels Film vorgestellt wurde. Im Anschluss fand sich kein polizeilicher Mitarbeiter ein, um die Ermittlungen zu belegen und um Mithilfe zu bitten, sondern eine Psychologin, die in einem kurzen Gespräch erläutern sollte, welche seelische Grausamkeit das im Film gesehene Opfer zu ertragen hatte und wie man nun therapiert. Dass das weder besonders spannend noch aufklärerisch war, bedingt durch die Kürze der Zeit, ist die eine Sache - was eine solche Aufarbeitung des Falles in einer Sendung zu suchen hat, die sich der Aufklärung von Verbrechen verschrieben hat, kann wahrscheinlich niemand beantworten. Auch hier überwiegt die emotionale Komponente, auch hier verweigert man die Nüchternheit, die dem Sendeformat eher zupass kommen sollte.

Banale Crimetime

Verbrechen thematisch zu behandeln heißt für die Medien heute auch, Worte des Trostes und der Anteilnahme zu spenden, und eine inhaltliche Verlagerung auf Gefühlsebene zu begehen. Ohne Emotionalität ist die Behandlung von Verbrechen nicht mehr denkbar, nicht mal in einer Sendung, die Ermittlungen vorantreiben und wiederbeleben will, die sich also qua Konzept mehr dem Täter als dem Opfer widmen sollte. Zudem braucht das Verbrechen heute ein Gesicht, da läßt sich Aktenzeichen XY neuerdings von Vorabendserien des Privatfernsehens inspirieren; der gut durchdachten Ansatz von früher, den Täter im Film anonymisiert und gesichtslos vorgehen zu lassen, um etwaiges Erinnerungspotenzial zufällig zuschauender Zeugen nicht leichtfertig zu zersetzen, zu zerstreuen oder zu beeinflussen, ist endgültig in der Mottenkiste gelandet.

Aktenzeichen XY war lange Jahre eine nüchterne, eine stoische Sendung. Man hatte den Eindruck, es ging tatsächlich um Aufklärung, um effektives Vermitteln von Tatbeständen, die der Zuschauer ergänzen soll - man glaubte, es sei keine Unterhaltung im eigentlichen Sinne, sondern es wird ohne Rücksicht auf das, was der Zuschauer gerne sehen möchte, um sich zu unterhalten, gesendet. Das machte den Charme der Sendung aus - und es formte die Seriosität, die man dieser Sendung attestierte. Dass es denen von Aktenzeichen XY um Wahrheit gehe, konnte man glauben - und vermutlich war das auch ein Motiv. Heute ist nicht auszuschließen, dass es den Beteiligten immer noch darum geht, aber sie tun viel dafür, dass man das nicht mehr ganz so blauäugig glauben darf. Die Sendung gleitet ab, sie wird zur banalen Crimetime, die durch lästige Faktenlagen und Polizeiberichte gestört werden. Vielleicht ist es zu viel, vom Niedergang einer Sendung zu sprechen. Die Tendenz weist aber dorthin.



20 Kommentare:

Anonym 29. August 2012 um 09:01  

Klasse! Wäre schön wenn die Sendungsverantwortlichen den Beitrag lesen würden.

Roberto J. De Lapuente 29. August 2012 um 09:04  

Packen Sie den Text in eine Mail und ab zum ZDF :)

Reyes Carrillo 29. August 2012 um 09:06  

Schade! Ich hatte mich gerade neugierig gespannt auf Ihren Artikel gestürzt - und bin etwas enttäuscht. Die Dimension des Phänomens Ede Zimmermann und "XY", gerade auch die äußerst kritische Rezeption der Sendung und ihres Schöpfers damals in der so genannten linken Szene bleibt bei Ihnen leider völlig ausgeblendet. Ich kann mich jedenfalls bestens erinnern, welche Kontroversen es zu jener Zeit gab und so bleibt in mir auch nicht zwingend nur eine solch durchweg positive Erinnerung, wie sie Ihnen offenbar vergönnt ist. Die Gnade der späten Geburt vielleicht?

Ok, dies alles aber war nicht Ihr Thema. Dennoch finde ich die Essenz Ihres Artikels wirklich etwas dünn und oberflächlich in ihrer/Ihrer Feststellung, dass diese Sendung den Transfer in die heutige übliche Dramaturgie und Bildersprache des Live-TV nicht zwingend gut überstanden hat.

Für die jüngeren Leser dieses Blogs hier der Link - mit Ihrer Erlaubnis - zu einem Artikel im "freitag" von Ulrike Baureithel, der zum Tode Eduard Zimmermanns 2009 nochmal ein bisschen das aufleben lässt, was damals war:

http://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/zwischen-denunziantentum-und-opferschutz

Roberto J. De Lapuente 29. August 2012 um 09:11  

Sie sagen es schon ganz richtig, es war nicht das Thema. Es ging um den Wandel und um die seriöse Aufrechthaltung eines Mythos, der eben nicht mehr besonders seriös ist - der aber mal seriöser war; natürlich kann man über die generelle Notwendigkeit einer solchen Sendung sprechen; die Hassfigur der Linken, wie es der verlinkte Artikel schreibt, muss man nicht teilen. Auswirkungen wie jene, dass diese Fernsehsendung Spitzeldienste befürwortet hätte, sind suspekt und vielleicht auch der Zeit, da die Sendung auf Sendung ging, geschuldet. Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre, um es mit Freud zu sagen. Nicht jeder Komplex ist einer.

Anonym 29. August 2012 um 09:16  

Eine gute Analyse! Super! So hab ich das auch gesehen in letzter Zeit. Ich hab in der Presse von dem Fall gelesen wo ein Schaupsieler verhaftet wurde. Ich dachte das gleiche wie du dabei.

Reyes Carrillo 29. August 2012 um 09:36  

Sie haben mich missverstanden. Die Vokabeln, die Sie nun Ihrerseits aus dem "freitag"-Artikel herausklauben, wollen Sie, bitte schön, mir doch nicht zuschreiben: "Hassfigur", "Spitzeldienste" usw. Diese gehören der entsprechenden Autorin. Mir ging es einzig darum, darauf hinzuweisen, dass das Thema "XY" und Zimmermann ein bisschen mehr Konnotationen beinhaltet als es Ihr Artikel - natürlich unabsichtlich - suggeriert. Deshalb bleibt Ihr Artikel, auch vor dem Hintergrund Ihres anderen Ansatzes natürlich letztlich eindimensional in der völligen Ausblendung der damaligen Kontroversen. Dieses Bisschen an Kritik werden Sie doch locker aushalten, oder?

Reyes Carrillo 29. August 2012 um 09:42  

Oh, ich sehe gerade, dass meine letzte Replik nicht angemessen war; ich hatte Ihren Kommentar zu oberflächlich gelesen. Sie hatten mir selbstverständlich nichts zugeschrieben. Ich bitte um Entschuldigung.

potemkin 29. August 2012 um 10:10  

Ein Alptraum: Jeder Deutsche ein kleiner Polizist. Wir nannten diese Sendung schon früher immer das Denunziantenprogramm. Inzwischen ist es wahrscheinlich noch schlimmer geworden...

ulli 29. August 2012 um 10:14  

Ich fand den beim Sprechen immer vor sich hin schmatzenden Ede Zimmermann auch schon ziemlich gewöhnungsbedürftig. Ich glaube, damals gab es Zeitungsartikel, dass er sich wieder einen neuen Zaum um sein Privathaus gezogen hat, um sich vor einer möglichen Rache von Verbrechern zu schützen. Die Serie lebte schon immer vom Gegensatz: Heile Spießerwelt der deutschen Mittelschicht hier - Verbrecher dort. Damals waren die Gesuchten häufig südeuropäischen Typs, heute sind sie wohl mehr russischstämmig.

Aber unvergessen sind natürlich der herausragende Peter Hohl (Nomen est Omen) und absolut grandiose Sätze wie: "Die Täter sind in einem silbergrauen Audi (schmatz-schmatz) im Raum Castorp-Rauxel unterwegs...

Harzpeter 29. August 2012 um 10:31  

Der "Zeitgeist" verlangt eben auch von einem eigentlich als seriös gedachten altgedienten Format wie "Aktenzeichen XY" die Hinwendung zur reinen Infotainment-Show. Das Fernsehvolk lechzt nun mal nach
"Action" sowohl in den Einspielern als auch im Studio selbst. Das mag u.U. auch mit einem gewissen "Katastrophen-Voyeurismus" zusammenhängen.

Wenn ich da an die eine oder andere Sendung aus vergangenen Fernsehjahrzehnten denke...damit würde man heute wohl kaum noch eine größere Zuschauerzahl vor die Mattscheibe locken. Man erinnere sich z.B. nur an die schier endlosen Monologe eines Hans-Joachim Kulenkampff in "Einer wird gewinnen". Oder an die Bembelei im "Blauen Bock" mit Heinz Schenk und der "Frau Wäddin".

Oder man nehme die gute alte Kinderstunde aus den 1960-ern: "Der Spatz vom Walrafplatz", "Stoffel und Wolfgang", "Kasper und René", "Sport, Spiel, Spannung" mit Klaus Havenstein und Sammy Drechsel, "Prof. Haber erklärt" oder die (von mir) unvergessene Erika Saucke mit "Erzählen - spielen - basteln", "Schau zu, mach mit" und
"Was sagst du dazu?" würde die heutigen Jungzuschauer wohl nicht so wie seinerzeit mich und abertausende damalige Altersgenossen vor die Flimmerkiste
lotsen. Heute müssen es schon "Wilde Kerle", "Wilde Hühner" und irgendwelche animierten, menschlich-nichtmenschlichen Superhelden sein, um der gelangweilten Jugend einen unterhaltsamen und dabei möglichst wenig "lehrreichen" Fernsehnachmittag zu bereiten.

Da ist es nur folgerichtig, dass auch bei "Aktenzeichen XY" auf "Action" und - egal ob nun echte oder gespielte - hektische Betriebsamkeit im Studiohintergrund sowie Pseudo-Gruppentherapie gesetzt wird. Der Zuschauer-Zeitgeist will es nun mal so...

PS: Den fernsehnostalgischen Ausflug bitte ich wohlwollend zu entschuldigen.

Anonym 29. August 2012 um 15:08  

Das kann man wohl auf alle TV-Formate übertragen, die es seit Jahrzehnten gibt - man nehme nur einen Tatort aus den '70ern und einen aus dem aktuellen Jahrhundert...
Wobei mich diese ganzen Medienverhandlungen nicht tangieren hier - weder sehe ich Fernsehen (seit Jahren nicht mehr), noch lese ich BILD o.ä.

Aber wieder mal ein Grammatik-Hinweis: Es heißt "der Plot", nicht "das Plot".
Siehe "die Handlung oder der Plot einer Erzählung"
http://de.wikipedia.org/wiki/Handlung_%28Erz%C3%A4hlkunst%29

Herder 29. August 2012 um 15:50  

Am Sonntag startet der Nachfolger des "Philosophischen Quartetts" im ZDF, "Precht", moderiert von "Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht":
www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/3c6207e5-5373-4524-870d-7e7c80b6e84f/20039538
Da wäre doch mal eine nähere Analyse und Vergleich mit der alten Sendung interessant.

Roberto J. De Lapuente 29. August 2012 um 15:59  

Ich erwäge tatsächlich, darüber zu schreiben - ich halte von Precht allerdings nicht wenig. Im Gegensatz zu den ganzen "mutigen Sprachrohren der schweigenden Mehrheit", ist er wirklich provokant und stellt Fragen, die sich sonst keiner traut. Am Sonntag soll es um Bildung und Hirnforschung gehen und warum wir das Bildungswesen nicht den modernen Erkenntnissen anpassen. Precht meint, weil wir damit mündige, autonome und unbequeme Persönlichkeiten schaffen. Das dürfte politisch nicht gewollt sein.

Roberto J. De Lapuente 29. August 2012 um 16:22  

Der oder das Plot laut Duden... nur mal so nebenher.

Herder 29. August 2012 um 18:00  

Ja, bin gespannt auf die Precht-Sendung.
Wobei ja längst auch im Mainstream alle Denkrichtungen Eingang finden, wenn auch noch unterschiedlich gewichtet.
Siehe auch Stefan Sasses hervorragenden Artikel dazu:

"Es gibt keine Gleichschaltung. Was die Medien tun ist Opportunismus. Es ist keine Linie, die einfach von oben verordnet wird. Und es sind auch nicht einfach nur ein paar Ausreißer. Ich würde grob schätzen, dass es sich im Rahmen 70:30 bewegt. Deutliches Übergewicht für eine Seite, aber von Gleichschaltung kann keine Rede sein."
http://oeffingerfreidenker.blogspot.de/2012/08/darf-man-begriffe-benutzen-die-bisher.html

Anonym 29. August 2012 um 19:40  

Richard David Precht ist übrigens mit der luxemburgischen Fernseh-Moderatorin und stellvertretenden Chefredakteurin von RTL Télé Lëtzebuerg verheiratet...
Das ist nicht gleich dem deutschen RTL, aber auch nicht viel besser.
Es ist wieder so ein Fall Drygalla:
Wie kann jemand wie Precht glaubwürdig für Gutes eintreten, wenn er sich dieser Frau verbunden fühlt?
Es liegt klar und unübersehbar auf der Hand, daß Precht einer der verlogenen Aufschneider des heutigen Medienzirkusses ist.

Daniel 29. August 2012 um 20:16  

Als ob die Verantwortlichen überrascht aufmerken würden, wenn man ihnen diese Analyse vorlegen würde. Es ist doch nicht so, dass sich die Sendung unbewußt von der alten Form entfernt hat.
Die Verantwortlichen würden antworten, dass sie das machen müssen, um überhaupt noch gesehen zu werden und nicht unterzugehen, ganz einfach.
Denn für den Zweck der Sendung (Fahndungserfolg), ist die Quote ja tatsächlich entscheidend.
"Der Zweck heiligt die Mittel", wird man also antworten...

Roberto J. De Lapuente 29. August 2012 um 21:03  

Ja, natürlich - alle Intellektuellen sind Aufschneider...

Reyes Carrillo 30. August 2012 um 00:15  

Hauptsache der - nachgerade grotesk neoliberale - Hohepriester der verschwurbelten Sprachmasturbation Peter Sloterdijk ist vom Bildschirm! Alle(s) danach, ob der Stenz Precht oder meinetwegen auch ein reinkarnierter Ede Zimmermann: Es kann nur besser werden!

Anonym 31. August 2012 um 21:05  

"Problematisch am Fernsehen ist nicht, daß es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, daß es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert."
Neil Postman - Wir ämusieren uns zu Tode.

Vielleicht wäre ein Beitrag über das Medium, eine gute Möglichkeit den Kern des Problems zu finden.

Gruß Bile

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