Krass!

Montag, 9. April 2012

Günter Grass' Gedichtlein ist literarisch ungefähr so spektakulär wie Roches Feuchtgebiete. Sprachlich gehaltvoller freilich, aber inhaltlich sagt es auch wenig Neues. Die Reaktionen die er nun aber erntet sind Beißreflexe konditionierter Terrier, die Grass je nach Laune und Neigung Antisemitismus oder einfach nur Verdrehung der Tatsachen vorwerfen. Und wieder einmal steht auch die Freiheit der Kunst mit auf der Agenda der politisch korrekten Ausgestaltung dieses Landes - diese verlangt scheinbar auch, dass sich der Künstler so zu verhalten hat, dass daraus keinerlei Angriffsfläche entstehen kann.

Krasse Reaktionen

Grass hat seinen Zenit überschritten. Das ist auch nicht verwunderlich. Was soll nach seinen Werken, nach dem Nobelpreis auch noch kommen? Sein Outing, Mitglied der SS gewesen zu sein, wurde benutzt, um ihn zu diskreditieren. Die Reaktionen fielen damals so krass aus wie heute. Als wäre der junge Bursche, der blind und vielleicht auch unwissend, in jedem Falle aber unerfahren war, derselbe Mann gewesen, der später mit seiner Literatur an die Nazi-Ära erinnerte. Als hätte diese juvenile Mitgliedschaft all sein Erinnern, sein literarisches Umschreiben wertlos gemacht. Wer Grass damals dafür verurteilte, der hat nicht begriffen, was resozialisierende Aspekte sind - und er hat sich nebenbei mit einer Art von "spätgeburtlichen Gesinnungsterrorismus" hervorgetan, den man nur verurteilen kann. Denn das so viele mitgemacht haben in den Jahren 1933 bis 1945 war vielleicht skandalös, oft aber auch unvermeidbar, ohne es als Entschuldigung verwenden zu wollen - dass man nach 1945 darüber so beharrlich schwieg: das war der noch viel größere Skandal. Und Grass hat eben nicht geschwiegen.

Dieses Outing, es dürfte auch der Grund sein, warum man Grass nun für sein Gedicht abkanzelt. Man hat den Eindruck, es stammt von einem diskreditierten Menschen. Fehlt nur noch, dass man mit einer Schlagzeile titelt, die da lauten möge: "SS-Mann beleidigt Juden!" Noch geht es nicht so weit, noch ist die Empörungen typisch krasses Feuilleton-Wichtiggetue. Die taz macht Grass zum Antisemiten, der Stern will ihn mit dem Islamhasser Broder (!) entkräften. Letzteres ist kein Witz, sondern die Spiegelung des intellektuellen Zustandes jener Zeitung und vielleicht der gesamten Republik.

Krasses Weltbild in Schwarz und Weiß

Was gesagt werden muß - so der Titel. Wahr ist aber auch, dass Grass etwas dramatisiert. Es ist keine verbotene Wahrheit, man darf sie sagen. Man darf mittlerweile ganz andere Sachen sagen in diesem Land - Sachen, die an der Menschenwürde kratzen. Aber natürlich läuft man dann Gefahr, als Israelfeind und vielleicht gar als Antisemit bezeichnet zu werden. Das Selbstverteidigungsrecht, so argumentiert man dann, sei ausgerechnet für Israel so fundamental, dass man die jeweiligen Aspekte dieser Selbstverteidigung gar nicht hinterfragen dürfe. Endlich würden sich die Juden verteidigen, endlich seien sie nicht mehr Opfer. Das ist ja zu begrüßen. Aber ist die Praxis, wie Israel mit der arabischen Bevölkerung in und um Israel umgeht deswegen sakrosankt? Israel existiere in einem feindlichen Umfeld. Aber sind manche Feindlichkeiten nicht auch hausgemacht? Das muß doch mal gesagt werden dürfen - gesagt werden soll aber nur, was an Randgruppen ohne Lobby reicht; an Moslems, an Arbeitslose beispielsweise. Da darf dann auch menschenunwürdig gesagt werden. Das ist dann auch politisch korrekt.

Gerade den auch (nicht nur!) hausgemachten Hass auf Israel durch Israel selbst wirft man Grass vor. Er habe die Tatsachen verdreht. Und schon die Nazis hätten ja so argumentiert, als sie meinten, der Hass auf Juden sei den Juden selbst geschuldet. Aber es geht Grass auch nicht um Juden, es geht ihm um Israel - eine Unterscheidung, die es für manche Köpfe nicht zu geben scheint. In zwischenstaatlichen Dingen ist meist bilateral - Spannungen kommen nicht einseitig, sie entstehen aus zwei Lagern heraus. Israel sei ja nur Atommacht, um sich gegen den Iran zu schützen. Der plane die Atombombe schließlich - und er habe sie jetzt auch bald. Das hat Der Postillon, unnachahmlich humoristisch, vor einiger Zeit persifliert. Der Iran feiere, seit 20 Jahren kurz vor der Fertigstellung der Atombombe zu stehen - das zeigt eigentlich, wie ernst es dem Iran wirklich ist und mit welcher Chuzpe man diese Gefahr instrumentalisiert, um die eigene Gewaltbereitschaft zu rechtfertigen.

Krasse Abneigung gegen künstlerische Freiheit

Es ist ja nicht nur der politische Inhalt, der wie gesagt, nicht so neu, nicht so revolutionär ist. Die Folgen sind auch bekannt, Grass hat sie ja geahnt. Wer den Islam inbrünstig verunglimpft, der betreibt Islamkritik - wer Israel zaghaft kritisiert, der widmet sich dem Israel- und Judenhass. Man kennt das ja: die Macht der Begriffe. Letztlich geht es aber auch darum, ob ein Literat nicht die Berechtigung haben muß, seine Sicht der Welt darzulegen, ohne dass der politisch korrekte Teil der Republik aufbegehrt - wenn man Grass nun mit Sarrazin vergleicht, der auch mit Sprüchen wie Das wird man doch mal sagen dürfen! auflief, dann stimmt die Relation nicht. Sarrazin ist kein Künstler, höchstens ein staatlich subventionierter Lebenskünstler - sein Buch ist keine Literatur, es baut auf Statistiken, die teilweise so gelesen wurden, wie er sie gerade brauchte.

Grass ist Literat, Künstler also - er baut seine Welt nicht auf Statistiken und Zahlen, er macht damit auch keine Politik, sondern greift die Politik auf, um sie in sein Werk einzupassen. Der Literat beschreibt Gefühle, er zeichnet Tendenzen nach - ohne Anspruch auf Richtigkeit. Die Tendenz sollte dabei stimmen, nicht jedes Detail - wäre Kunst so genau, dann wäre sie langweilig. Grass gilt als deutscher Vertreter des magischen Realismus - gerade als solcher weiß er genau, dass es nicht um die absolute Detailiertheit der Wahrheit geht, sondern um die Stoßrichtung, die sein Schaffen haben soll. Und dieses Gedicht, es geht nicht in die falsche Richtung, wie man ihm unterstellt - die Reaktionen darauf zeigen das eindringlich. Den Nobelpreis erhalten: das ist eine Sache - Forderungen, man möge ihn wieder entwenden: das zeigt nur, dass man als Schriftsteller noch Wunden bohren kann und ist damit die Bestätigung, dass der Preis mit Recht verliehen wurde. Wenn es Kunst in die Empörungsspalten von Tageszeitungen schafft, dann hat sie etwas bewirkt. Aber die Reaktionen zeigen auch, dass man mit der Freiheit des Künstlers in Zeiten politischer Korrektheit ein Problem hat. Diese Freiheit behindert, erzeugt Diskussionen, polarisiert und lenkt ab - und genau das will man in Zeiten, da alles reibungslos und kritiklos geschehen soll, nicht mehr gerne haben.



18 Kommentare:

klaus baum 9. April 2012 um 11:03  

>>auf der Agenda der politisch korrekten Ausgestaltung dieses Landes<<

Unter politisch korrekt verstehe ich etwas anderes, nämlich dass derjenige, der political correctness einfordert, sich an die Fakten hält.

Politisch korrekt ist das das Verleugnen der Fakten, denn dies ist in- oder unkorrekt.

Anonym 9. April 2012 um 12:11  

Am 16. Oktober 2004 hat US-Präsident George W. Bush das Gesetz des „Global Anti-Semitism Review Art“ unterzeichnet, welches eine Person als „antisemitisch“ definiert, wenn sie eine der folgenden Darstellungen äußert:

1. Jegliche Behauptung, daß die jüdische Gemeinschaft die Regierung kontrolliere, oder die Medien, oder den Welthandel oder die Hochfinanz.


2. Den Ausdruck von „starkem Anti-Israel-Gefühl“.

3. Den Ausdruck von „virulenter Kritik“ an den Führern Israels, in der Vergangenheit und in der Gegenwart.

4. Jegliche Kritik an der jüdischen Religion, oder ihren religiösen Führern oder der Literatur mit besonderer Berücksichtigung des Talmud und der Kabbala (in Deutschland wurde be-reits ein Bürger zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, weil der den Talmud zitiert hat).

5. Jegliche Kritik an der Regierung der Vereinigten Staaten und des Kongresses, unter ungebührlichem Einfluß der Jüdischen Zionistischen Gesellschaft zu stehen, welche auch jüdische Organisationen wie die American-Israel Public Affairs Committee (AIPAC) beinhaltet.

6. Jegliche Kritik an der jüdischen Gemeinschaft für deren Förderung der Globalisierung oder dessen, was manche „Neue Weltordnung“ nennen.

7. Behauptungen, jüdische Führer und ihre Mitläufer hätten die Kreuzigung Christi angestiftet.

8. Zitierung jeglicher Fakten, die in jeglicher Art die Zahl „sechs Millionen“ der Holocaustopfer verringern würde.

9. Behauptungen, Israel sei ein rassistischer Staat.

10. Jegliche Behauptung, daß es eine „zionistische Verschwörung“ gibt.

11. Das Angebot, Beweise dafür zu liefern, daß Juden und ihre Führer den Kommunismus und die Bolschewistische Revolution in Rußland starteten.

12. Allgemeine Äußerung von „nachteiligen Behauptungen“ über jüdische Personen.

13. Die Behauptung, daß Juden nicht das biblische Recht haben, Palästina wieder zu okkupieren


14. Unterstellungen von einer Mitwirkung des israelischen Geheimdienstes Mossad an den Anschlägen des 11 . September.


Mit anderen Worten: Die Wahrheit zu sagen ist antisemitisch...

Respekt und meine Hochachtung gegenüber Herrn Günter Grass!

RobatArt 9. April 2012 um 12:12  

Das ist sehr schön geschrieben.
Eine der besten Kommentare zum Thema.

Aus Grass´ sicht hätte er das Gedicht allerdings nicht perfekter schreiben können finde ich. Er hat sowohl seine SS-Vergangeheit ("Makel") erwähnt, als auch geahnt, dass das Gedicht falsch verstanden wird und im als antisemitisch ausgelegt wird.

Ich habe nie etwas von Grass gelesen und das was ich bruchstückhaft mitbekommen habe ist nicht der Rede Wert. Aber für dieses Gedicht bin ich ihm sehr dankabr. Die Ofenbarungen der vermeintlichen Intellektuellen (Karasek hat ihn direkt als Antisemit bezeichnet) und der "Leitmedien" waren köstlich.

Der Duderich 9. April 2012 um 13:08  

Der von Dir beschriebene Beißreflex der Medien, respektive das Schwingen der Antisemitismuskeule, hat, so befürchte ich folgende Intension:

Der deutsche Michel, soll im Falle einer militärischen Intervention seitens Israel auf Konformismus gebürstet werden.
Wer gegen militärische'Präventiv'-Schläge seitens Israel ist, der ist nicht Pazifist sondern Antisemit, so der unausgesprochene Tenor.

In meinem neuen Blog befasse ich mich übrigens auch mit der Thematik.

Anonym 9. April 2012 um 13:19  

Man könnte alles was Grass geschrieben hat beweisen.
Die ganze Diskussion um einen Präventivschlag mit Atomwaffen wird ja auch in Israel geführt.

Aber man kann das ganze natürlich unter den Teppich kehren und als Journalist blumige Phantastereien veröffentlichen, denn wer kennt sich schon mit der öffentlichen Debatte in einem fremden Land aus?
Wer kann denn schon etwas anderes als das Geblubber der Medien zu einer Debatte im eigenen Land beitragen?

"Am Abend saß Mee mit einer Tischrunde im Gartenlokal unter Laubbäumen und bewies. Diesmal bewies er ihnen, daß die Paria deshalb stets im Unrecht seien, weil sie ohne Rechte seien; also auch ohne das Recht, Recht zu haben. 'Was beweist das schon, daß Mee, oder wie er heißt, das beweist?' fragte schließlich ein junger Offizier.
[...] 'Aber ich bewies doch meine These, um zu zeigen, daß sie nicht nur Ansicht ist'
[..] Und sprach zu sich selber: 'Der Paria glaubt mir die Wahrheiten, ohne daß ich sie zu beweisen brauche. Und denen da beweise ich sie, ohne daß sie sie glauben. Für wen ist der Beweis denn eigentlich da?'
[...] 'Auch ich habe eben kein Recht, bei ihnen Recht zu haben'..."
(Günther Anders, Die Molussische Katakombe)

Manfred Peters 9. April 2012 um 14:38  

Luther, Rushdie, Grass?
Was haben die 3 gemeinsam?
Über sie wurde und wird gerade der Bann in verschiedenen Formen ausgesprochen. Die Gründe sind bekannt. Es fehlt nur noch, dass Nethanjahu ein Kopfgeld auf Grass auslobt.
Hier eine nicht ganz aktuelle Zusammenfassung der „Empörung über Grass“

Anonym 9. April 2012 um 14:40  

In einer winzigen Sache muss ich wiedersprechen: Ablenkung will man, um jeden Preis, und genau deshalb ist man auch umso empörter und dankbar, dass für kurze Zeit keiner auf die eigenen Fehler guckt. Bei solchen Gelegenheiten kann sich jeder auf die eigene Schulter klopfen wenn er den Moralapostel spielt und sich über die Unmöglichkeit brüskiert.
Sich tatsächlich auf eine Diskussion einlassen will natürlich keiner.

Anonym 9. April 2012 um 18:23  

Aufrichtigen Dank für diese Stellungnahme! scal13

Anonym 9. April 2012 um 19:55  

Was ist eigentlich los hier ?
Die zum Teil groteske Kritik an Grass´ Veröffentlichung ist dermaßen lachhaft, dass man sich fragen muss: MERKT IHR`S NOCH ??
Ob Grass als junger, unwissender Hüpfer in die Waffen SS ging oder nicht, hat mit seiner ganz klar definierten Kritik an Israels Machthabern nun wirklich mal sowas von gar nichts zu tun! Das Durchgeknallteste überhaupt ist die Bemerkung: wer Israel und den Iran auf eine Stufe stellt, argumentiere absurd. Das ist für mich Rassismus in Reinform. Wer sich erdreistet, derartige Wertungen von Völkern vorzunehmen ist ein wahrer Rassist, wie unser grenzdebiler Außenminister. Schlichtweg unfassbar auch, dass dieses Geschwurbel unwidersprochen bleibt.
Grass weist mit vollstem Recht darauf hin, dass nicht der Iran (dessen Atomwaffenbesitz bislang laut US Geheimdienstberichten vollkommen unbewiesen, ja höchst unwahrscheinlich ist) eine gefährliche Bedrohung darstellt, sondern die derzeitige rechtslastige Führung Israels. Schlimmer noch: Es ist bekannt, dass dieses Land über ein großes A-Waffen Potential verfügt, sich aber seit Jahrzehnten weigert, sich Kontrollen dazu zu unterziehen. Was macht die Wahnsinnigen in Jerusalem moralisch besser als den ebenfalls Wahnsinnigen - der aber in Kürze abzuservierende iranische Präsident Ahmadinejad - in Teheran ?
Der Opferbonus des Staates Israel ist irgendwann aufgebraucht und taugt auch nicht mehr als Dauerbrennstoff für die seit mehr als 30 Jahren in seinem Namen stattfindenden Menschenrechtsverletzungen.
Jemandem Antisemitismus vorzuwerfen, nur weil er die Aggressionspolitik Israels kritisiert, ist mehr als heuchlerisch. Und wenn sich dann auch noch Schießbudenfiguren wie Gröhe, Robbe oder Nahles erdreisten, Literaturkritik vornehmen zu müssen, erkennt man wie lachhaft und durchsichtig die politisch "korrekte" Meinung gelenkt werden soll.
Anton Chigurh

jürgen 10. April 2012 um 00:30  

schweigen-bedeutet-zustimmung
gleich zur klarstellung: ich bin KEIN anhänger treuteutscher gesinnung und hatte auch schon die gelegenheit die befindlichkeiten israels vor ort zu erleben...
an dieser stelle werde ich NICHT über eitelkeiten, egal ob bei politikern oder künstlern, sinieren und ich teile entschieden NICHT die meinung des zentralkomitees der zionistischen gruppe von jüdischen mitbürgern in deutschland. ich finde den umgang mit dieser (längst überfälligen) klaren position eines vor den toren des hades stehenden schriftstellers gegenüber einer überheblichen politik der stärke des unter sehr zweifelhaften umständen etablierten staates gegen eine ganze region sowas von daneben, das ich eigentlich nur noch erschrocken dem anspringen der feme-rufe-meinungsmanipulation (von ausnahmen abgesehen) ins hässliche anlitz schauen kann.
wer keine argumente mehr hat, schlägt - war ein gängiger spruch meiner kindheit und es gab (leider) reichlich schläge, auf kinder, gegen politisch anders denkende, gegen feindliche länder. natürlich ist es meiner naivität geschuldet, anzunehmen, das nach jahren des gegeneinander sich die kultur des dialoges und des sachlichen auseinandersetzens als die bessere variante bewährte und durchsetzen würde. nach dem 11.9.2002 und nach dem erfolgreichen verdrängen der sozialen marktwirtschaft zu gunsten einer globalen neoliberalen wirtschaftsordnung musste ich aber zu meinem leidwesen feststellen, dass das gemeinsame ringen um konsens, dem schlichten mainstream der propaganda wich. und, das war eigentlich das erscheckendere, das die intellektuellen unseres landes sich in ihre elfenbeintürmchen zurückzogen, aus welchen gründen auch immer schwiegen und den plumpen hasardeuren der meinungsmache mit ihren totschlagargumenten das feld überließen. das es dem einen einzelnen rufer in der wüste trifft, war vorauszusehen, das es nun mit solcher wucht geschieht finde ich sehr sehr traurig...

bei dieser gelegenheit: wer viel im netz unterwegs ist, kann viel erleben. ein wunderbares beispiel demokratischer disskusionskultur sind die tread's der meinungsforen (wäre ich jünger, fleißiger und hätte soziologie studiert, wäre dies das thema meiner doktorarbeit;-)
im konkreten falle will ich mal web.de und die tagesschau hervorheben. während bei ersteren zum obigen thema erst gar keine kommentarfunktion zugelassen wurde, hat die ARD verpasst, gleich zur meldung die warnung dran zu hängen: sie haben nur 15minuten zeit ihre meinung zu artikulieren. siebzehn user haben es geschafft und dann wurde das forum geschlossen. eine zensur findet nicht statt, heißt es - die möglichkeiten des meinungsaustausches einzuschränken ist ja auch eine variante, oder?

Anonym 10. April 2012 um 01:19  

Danke Roberto für Deinen excellenten Beitrag.

Hierüber könnte endlos diskutiert werden.

In dieser Sicht sind meine Gedanken sehr ähnlich Deinen Gedanken.

Jede Kritik hierzu sehe ich als vermessen an.

Hartmut

Anonym 10. April 2012 um 09:01  

...sagen wir es doch ganz einfach:

...die meisten Deutschen haben es schon lange satt sich die Untaten eines Teils ihrer Väter und Grossväter permanaent unter die Nase reiben zu lassen....

....sie sagen es nur nicht...

Anonym 10. April 2012 um 09:46  

Das Grass-Gedicht & die Reaktionen haben mich wieder ein wenig schlauer gemacht. Selbst im Alter (ich bin 51) lernt man niemals aus.
Antisemitismus wird also definiert als: Jegliche Kritik am Staat Israel ist ABSOLUT verboten.
Alle Völker der Erde müssen sich am Völkerrecht orientieren. Aber auch hier gilt: Keine Regel ohne Ausnahme:
Das Völkerrecht gilt nicht für die USA und für Israel. Manche Nationen sind halt einfach "gleicher".
Israel darf die völkerrechtswidrig besetzten Gebiete (Westbank, Gaza, Golanhöhen und Ost-Jerusalem) weiterhin als integralen Bestandteil von Groß-Israel betrachten. Sie dürfen arabische Häuser in Ost-Jerusalem abreißen und Judenhäuser bauen ... dürfen die völllig übervölkerte Stadt Gaza bombadieren und mit Panzern durchpflügen ...
1850 lebten in Palästina 9000 Juden. Tja ... the times are changing (lt. Robert Zimmermann).

Anton Reiser

Anonym 10. April 2012 um 10:52  

Der Wandel der Zeiten.

Ein Antisemit, dass war früher ein Mensch, der die Juden nicht mochte.

Heute ist ein ein antisemit, ein mensch, den die Juden nicht mögen.

Anhänger des 04.08.1789

Anonym 10. April 2012 um 22:31  

Grass kennt sein Land, er kennt die Menschen, kennt ihre Gefühle und Ressentiments. Er weiß, dass eine Mehrheit der Deutschen in Israel eine Gefahr für den Weltfrieden sieht. Er weiß, dass man hierzulande, wenn's um Juden geht, die Fakten auf den Kopf stellen muss, um tosenden Beifall zu erheischen. Also nicht sagen, wie es faktisch ist: Der Iran droht Israel mit atomarer Auslöschung, sondern, wie es dem Unterbewusstsein besser passt: Israel droht mit Auslöschung des iranischen Volkes.
Sowieso: Das mit dem Schweigen hat Günter Grass zum Thema Waffen-SS irgendwie besser hinbekommen.

Anonym 13. April 2012 um 15:06  

Es geht um Kontrolle der Sprache, Kontrolle der Gedanken. Die Medien verstehen es sehr gut diese Kontrolle auszuüben.

Selbstverständlich ist es so, dass man sagen darf, was man will - solange keiner hinhört. Wenn jemand hinhört, geht es von medialer Repression zu privater Repression ganz schnell und der Staat mischt mit staatlicher Repression gerne auch noch mit - was nicht immer ein erfolgreiches Gerichtsverfahren sein muss.

Diese Kontrollmechanismen bringen uns dazu zu sagen: Man darf etwas nicht sagen. Diese Äußerung wird mit Hinblick auf die Folgen einer mehr oder weniger öffentlichen Verlautbarung getroffen.

Der Druck, der dann entsteht ist schwer auszuhalten, für manche unerträglich.

Wir leben in einem Kontrollapparat - wenn man so will ist jede soziale Gemeinschaft ein solcher. Aber dieser Kontrollapparat wurde entsozialisiert, es ist kein Normenkatalog, der aus den Menschen heraus entstanden wäre und den sie entscheidend prägen würden.

Dieser Kontrollapparat ist fremdgesteuert, mächtigee Lobbygruppen und vor allem die Oberschicht des Landes üben Kontrolle über das Volk aus durch diverse Instrumente.

Etwas nicht sagen zu dürfen, auch wenn man es darf - dies ist ein sehr feinsinniges Instrument der Kontrolle. Willkommen im geistigen Knast.

Anonym 14. April 2012 um 19:17  

Der ganze Hass der dem Schriftsteller und Künstler Grass da entgegen schlägt, ist bösartiger Ausdruck von Opportunisten, Neidern und ertappten Lügnern.
Selbst wenn es einigen Leuten nicht gefällt dass sich die Verse nicht reimen, ist es doch perfide nur solche Nebensächlichkeiten zu kritisieren und dann weiter die eigenen Lügen und Inkorrektheiten zu verschleiern. Kein einziger dieser Geiferer hat auch nur eine Aussage von Günter Grass widerlegt.
Diese Gesellschaft kann keine Wahrheiten ertragen, die dem Mainstream entgegen stehen.
Dass Selbe konnte man bei den mehr oder weniger versehentlichen Eingeständnissen des ehemaligen Bundespräsidenten Köhler beobachten, dem die Wahrheit über den Sinn, des ansonsten völlig sinnlosen Afghanistankrieges entfleuchte. Er sagte es geht um Ressourcen, Handelswege und geopolitische Ziele.
Da war das Geheul der anderen Befürworter des Krieges, denn Köhler selbst befürwortet den Krieg ja auch, natürlich groß. Die hatten bis dato sogar bestritten, überhaupt einen Krieg zu führen, um die Öffentlichkeit zu täuschen.
Bei Grass sind es wieder getroffene Hunde die da bellen und jaulen, wohl wissend, dass er die Wahrheit sagt, die sie so krampfhaft vor der Öffentlichkeit zu verbergen suchen.
Es ist infam Grass Antisemitismus zu unterstellen, denn er hat keinen einzigen Juden wegen seines Glaubens oder seiner eventuellen kulturellen Andersartigkeit kritisiert. Er hat die Außen und Innenpolitik eines aggressiven Regimes in Israel maßvoll kritisiert, dass sich über fast alle internationalen Regeln hinweg setzt. Solche Regelverstöße können und müssen bei jedem Staat kritisiert werden, egal welche Religion dort vorherrschend ist oder welche Geschichte er hat.

Anonym 16. April 2012 um 07:36  

Zu Beginn eines jeden Kriegs stand eine grosse Luege, das wird auch diesemal nicht anders sein. Ich warte eigentlich nur darauf wie GG Artikel 26 zurechtgestutzt wird um eine deutsche Beteiligung zu rechtfetigen. Meine Anfrage an den MdB meines Wahlkreises bleibt bisher unbeantworted

"Herr Rachel

das radikal zionistische Regime in Tel Avi unter den Herrn Netanjahu u. Lieberman ruft offen zu einem Angriffskrieg gegen den Iran auf. Nach unserer Verfassung Artikel 26, Abs 1 ist dieser Akt vefassungswiedrig und unter Strafe zu stellen. [DAS Grundgesetz der BRD, Art 26 Abs. 1
Art 26
(1) Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der
Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen. ]

Halten Sie zu diesem Zeitpunkt eine deutliche Distanzierung der Bundesregierung von der Kriegstreiberei aus Tel Aviv fuer notwendig? Es kann nicht im Sinne deutscher Staatsraeson sein das Grundgesetz mit Fuessen zu treten.
Ihre Meinung zu meiner Frage wuerde mich ausserordentlich interessieren. "

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