Nicht rechts, nicht links

Montag, 6. Februar 2012

Steinbach hat einen Eklat ausgelöst. Die NSDAP, so zwischerte sie, sei links angesiedelt gewesen. Im Parteinamen stehe immerhin sozialistisch und Arbeiter. Das ist ihre erste Fehlannahme, denn sozialistisch und Arbeiter passt per se nicht unbedingt zusammen. Dass die Nazi-Partei linksgerichtet war, das ist jedoch nicht nur eine Fehlannahme, es ist infam, denn die politische Linke wird gemeinhin mit Attributen wie fortschrittlich oder liberal beschrieben. Nichts davon war in der NSDAP zu finden. Das Gegenteil, die NSDAP sei eine rechte Partei gewesen, konservativ und reaktionär, Eigenschaften die man der politischen Rechten gerne zuschiebt, stimmt aber durchweg auch nicht. Autoritär und obrigkeitsstaatlich war sie zwar durchaus - auch zwei Adjektive, die man zuweilen rechts einordnet. Aber da auch andere Systeme weitab des Nationalsozialismus autoritär und obrigkeitsstaatlich orientiert waren, fallen diese Definitionen zur Einordnung aus.

Legendenbildungen

Das Kapital war der Steigbügelhalter des Nationalsozialismus. Die Wirtschaftsbarone drückten dem Volk die NSDAP aufs Auge. Nationalsozialismus, Faschismus als Sammelbegriff, ist die Endstufe des Kapitalismus, die abgeworfene Maske des Kapitals. Das sind die Legendenbildungen und Erkenntnisse linker Schule, sozialistischer Provenienz. Die birgt Teilaspekte, nicht aber die gänzliche Erklärung des Phänomens. Wähler und Anhänger der SPD fielen seinerzeit schnell um und integrierten sich in die NSDAP oder wenigstens in deren ideologisches Umfeld. Selbst KPDler liefen schnell über. Die kapitalistische Verschwörung hatte demnach proletarische Mitläufer.

Gegenposition dazu ist, dass die NSDAP eine Proletarierbewegung war, die Massen mobilisierte und den Staat und die Wirtschaft überrumpelte. Auch das ist Legende, denn die größte Anhängerschaft fanden die Nationalsozialisten in elitären Zirkeln: Ärzte, Rechtsanwälte und Studenten. Die waren überproportional in der NSDAP vertreten oder dachten mehr als andere gesellschaftliche Schichten nationalsozialistisch. Wobei auch festzuhalten ist, dass nie so richtig klar war, was das bedeutete, nationalsozialistisch zu denken. Viele innerhalb der Bewegung und ihrer Zuträger- und Randgruppen definierten sich über den Nationalismus oder den Antisemitismus, esoterische Gemüter ereiferten sich stärker am eschatologischen Messianismus - und nicht wenige betonten den Sozialismus, der allerdings mit der Verdrängung der Strassisten aus der NSDAP, nur noch als Label vorhanden war.

Der Mittelweg

In den Anfangsjahren, da die NSDAP inhaltlich kaum markantes Profil zeigte, zwischen ungestümer Eschatologie und orgiastischen Messianismus, zwischen antisemitischen Eskapaden und nationalen Feuereifer, schwebte, war das Leitbild für viele, die zu dieser Partei strömten: ein Sozialismus auf nationaler Basis. Die Leute um Strasser fühlten sich als nationale Sozialisten - aber: sie vertraten natürlich einen rassischen Sozialismus, einen mit antisemitischen Zügen, einen Blut- und Boden-Sozialismus, bei dem Vergesellschaftung arisiert sein sollte. Sie waren kapitalismusfeindlich, wollten eine Entmachtung der Wirtschaftsbarone; die sollten sich der nationalen Sache unterordnen und einer Versöhnung zwischen Proletariat und Bourgeousie, wenn nötig mit repressiver staatlicher Gewalt, zustimmen.

Dieselbe Stoßrichtung gab der Fascismo Mussolinis vor: das agrarische, ausgetrocknete und arme Italien sollte mit dem industriellen, prosperierenden und reichen Italien durch ein korporatives Wirtschaftsmodell vereint werden - das war das klassen- und regionalkämpferische Dilemma Italiens seit den Zeiten des Risorgimento. Der italienische Zentralstaat hatte gegensätzlich wirtschaftlich ausgeprägte Regionen und somit Geisteshaltungen (Kapitalismus und sozialistische oder anarchistische Denkweisen) zu vereinbaren. Das gelang allerdings nicht, Italien war weiterhin ein uneinheitliches Gebilde, innerlich zerrissen - der Fascismo sollte dem abhelfen und einen Mittelweg entwerfen, auf dem Italien gehen konnte. Sozialismus oder Kapitalismus? sollte als Gretchenfrage wegfallen, denn der Fascismo war als Kompromiss geplant. Bezeichnenderweise war Strasser vorher SPD-Mitglied, so wie Mussolini sozialistischer Funktionär war - was nicht als Beweis gelten kann, jedoch Erklärungsansätze liefert. Die Zusammenführungen verschiedener Tendenzen in einer Gesellschaft, um ein hehres Motiv auszugeben, das gemeinhin als Die Nation bezeichnet wurde, fiel bereits im Bonapartismus auf, was August Thalheimer dazu bewog, im Frankreich Napoleons III. den Vorreiter faschistischer Bewegungen des 20. Jahrhunderts zu erahnen. Somit wurde Marx zum ersten Faschismusanalysten - seine Schrift Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte dokumentiert die Aufhebung der Klassengegensätze zur Montage eines Staates, der sich als Einheitsfront gegen partikulare Bestrebungen begreift, nicht als Vermittler zwischen klassenkämpferischen Positionen.

"Ich will und werde zu Ihnen so sprechen, wie ich eben vor Abertausenden von Arbeitern gesprochen habe. Früher mußte sich der Redner immer einstellen auf Klassen und auf die Schichten und Berufe." So sprach Robert Ley, Leiter der Deutschen Arbeitsfront und führender Nazi, vor Wirtschaftsfunktionären. Das verdeutlicht anschaulich, dass man glaubte, den Mittelweg eingeschlagen zu haben - dass man glaubte, jetzt regelten nicht mehr Klassenkämpfe und -interessen die innerstaatlichen Prozesse, sondern ordneten sich alle der großen Idee, dem Vaterland oder der Nation, wie immer man das auch nennen wollte, unter.

Neudefinierter Sozialismus

Dieser vermeintliche Mittelweg wollte nichts mit dem Bolschewismus gemein haben, aber auch die individuellen und egoistischen Interessen der Kapitalisten endgültig bannen. So bestückte der Nationalsozialismus den Kapitalismus mit "sozialistischen Elementen". Das war natürlich ebenfalls taktisches Kalkül. Er sollte Kompromiss sein und als solcher eine Massenbewegung sichern. The Economist schrieb in jenen Jahren, dass es "in Deutschland [...] daher ratsam [ist], ja sogar notwendig, zugleich prokapitalistisch und prosozialistisch zu sein; und kein kluger Mensch [versäume] es, zu betonen, daß er beides sei."

Natürlich ist das frappierend gescheitert. Nicht nur, weil die Strassisten aus der Partei fielen. Der Nationalsozialismus gebar tatsächlich einige Elemente, die wir heute als sozialstaatlich bezeichnen würden. Es gab Unterstützungsprogramme - nicht aus Menschlichkeit, sondern um sich die Zustimmung der Massen zu erschleichen. Die Unterstützung wurde auch nicht blind gewährt. Es waren rassisch konzipierte, national gestrickte Elemente. Zugänglich bloß für Volksgenossen, nicht für jeden Bürger des Landes. Man wollte das auch selbst gar nicht zu laut als Sozialismus titulieren, um sich von Russland abzuheben. Das erzeugte Unmut bei einigen Parteifunktionären. Göring kritisierte mal diejenigen, die in dem Namen der Partei das Wort sozialistisch zugunsten von national vernachlässigten.

Und um sich vom Bolschewismus abzugrenzen (den man für eine jüdische Erfindung hielt, weshalb er sentimental verkitscht sei, fürsorglich, gefühlsduselig und unnatürlich gleichmacherisch - alles Attribute, die man dem Judentum zugesellte und die im Bolschewismus überhaupt nicht in Erscheinung traten - zumal der Bolschewismus ja auch keine jüdische Weltverschwörung war), definierten einige NSDAP-Mitglieder ihren sonderbaren Sozialismus neu. Die Sentimentalität, die man dieser jüdischen Erfindung, dem Bolschewismus, nachsagte, rang Robert Ley die spöttische Parole ab, dass dieser Sozialismus kein Mitleid sei. "Sozialismus des Heroismus, Sozialismus der Männlichkeit", nannte Goebbels die gepredigte Ideologie des Reiches. Der Angriff schrieb: "Sozialismus ist Lebensbejahung, Sozialismus ist Gemeinschaft, Sozialismus ist Kampf, Sozialismus ist Kameradschaft und Treue, Sozialismus ist Ehre. Sozialismus, mein Freund, ist das Blut und die Rasse, der heilige tiefernste Glaube an einen Gott." Mit Vergesellschaftung und der Bändigung des Wirtschaftsliberalismus zur Hebung des Gemeinwohls, mit Stärkung des Arbeiterstatus und dergleichen mehr, hatte diese Sozialismus-Definition überhaupt nichts mehr zu tun.

Links, rechts; schwarz, weiß; utopisch, nicht-utopisch

Die heute platten Kategorisierungen in links und rechts, die man auf Stalinismus und Nationalsozialismus überträgt, sind eigentlich unzureichend. Denn weder war der "deutsche Sozialismus" besonders sozial noch sozialistisch, noch fortschrittlich oder weltoffen. Er war kurz gesagt vielleicht ein Sozialismus für die, die in ihm einen Sozialismus erkennen wollten, aber links war er deshalb noch lange nicht. Er war eine Diktatur der bürgerlichen Mitte, eine Zusammenlegung diametral auseinanderdriftender Gesellschaftsinteressen zugunsten eines gemeinsam ersonnenen Zieles, Vaterland oder Nation genannt. Es war auch die Diktatur des nach der Mitte schielenden Kleinbürgertums. Bonapartismus nach Thalheimer, ein Ziel übrigens, das man im Konzept bundesrepublikanischer Volksparteien durchaus wittern kann, denn auch dort sollen innergesellschaftliche Interessenskonflikte überwunden oder ausgeblendet werden, um das gemeinsame Ziel, hier Wachstum oder Wohlstand oder Fortschritt genannt, zu verwirklichen - dass die Ära der Klassenkämpfe überwunden sei, wie man das heute oft hört, ist durchweg eine bonapartistische Gesellschaftsauffassung.

Auf Steinbachs Äußerung, die so falsch wie dumm war, kann man nicht mit links und rechts kontern, weil diese Bezeichnungen Begrifflichkeiten sind, die bereits vor dem 20. Jahrhundert existierten - eigentlich waren sie schon veraltet, als der Kommunismus und der Faschismus in die Welt kamen. Der Stalinismus kam aus sozialistischen Gefilden, dennoch war er vielleicht eher rechts, zwar nicht konservativ, dafür aber reaktionär, hat er doch die Leibeigenschaft unter neuen Namen eingeführt - und einen Zaren von solcher Machtfülle installiert, wie ihn Russland zuvor nie gesehen hatte. Autoritär war er ohnehin. Der Nationalsozialismus mag sozialistische Attribute beinhaltet haben, auch aus taktischen Gründen, auch deshalb, weil man die Mär aufrechterhalten wollte, sich zwischen Kapitalismus und Sozialismus als goldener Mittelweg zu schlängeln, aber links war er deshalb noch lange nicht. Das bedeutet letztlich, dass man auf den zur Schau getragenen historischen Dilettantismus dieser Frau und BdV-Präsidentin, die Die Linke mit der NSDAP vermengen will, nicht mit links und rechts parieren sollte, auch gar nicht kann. Die Scheidung der Welt in schwarz und weiß, rechts und links, ist ohnehin kaum möglich.

Das heißt nicht, dass es keine Unterschiede gab, denn der vermeintlich faschistische Mittelweg hatte kein Endziel - später kannte er nur den Endsieg als Selbstbehauptungszweck. Der Faschismus als Vermittler zwischen Ideologien kannte kein Evangelium, in dem Menschlichkeit gepredigt wurde - eher das Gegenteil war der Fall. Der real existierende Sozialismus aber, gleich wie menschenverachtend er dann auch ausfiel, er nannte solche Ziele durchaus. Theoretisch, ohne Frage - aber es gab immerhin ein Leitmotiv. Faschismus war Selbstzweck, Vermittlerrolle war Mittel zum Zweck - der Sozialismus war erst Mittel zu einer besseren Welt, wurde dann zum Selbstzweck einer Bonzokratie missbraucht. Das ist der wesentliche Unterschied: Hier keine utopische Schau; dort die Utopie. Hier Ziele, die undefiniert blieben; dort unerreichte Ziele - aber immerhin Ziele.



39 Kommentare:

Anonym 6. Februar 2012 um 10:05  

Lieber Roberto
Du hast in vielem recht, bist aber trotzdem knapp an des Pudels Kern vorbeigeschrammt.
Hitlers oberster Wert und absolute Priorität war die „Rasse“. Wie ein heutiger Karnickelzüchter teilte er die Menschheit in Rassen ein und schrieb diesen Rassen dann bestimmte Eigenschaften zu. Nach seiner Vorstellung hatte ausnahmslos jedes Individuum einer Rasse eben jene Eigenschaften, die Hitler festgelegt hatte, und in gut oder böse, wertvoll oder wertlos einteilte. Natürlich war die arische Rasse aufgrund ihrer „Wertvollen“ Eigenschaften zum Herrschen bestimmt.
Wenn es denn eine Rasse gibt, die Hitler als „Volkskörper“ bezeichnete, dann braucht diese Rasse natürlich auch ein Gebiet um sich zu ernähren und weiter zu entwickeln – sprich durch Zucht gewisse Eigenschaften zu verbessern. Das wurde dann das „Vaterland“
Unter diesem Gesichtspunkt ist das zu verstehen, was Steinbach völlig irrig als „Sozialismus“ bezeichnet. Hitler ging es einfach darum sein Zuchtmaterial – also die Mitglieder der Herrenrasse Arier so gesund und „artgerecht“ zu halten wie nur möglich, um dadurch bessere Zuchterfolge zu erzielen, und seiner Rasse eine möglichst schnelle Vermehrung zu ermöglichen. Im Grunde genommen hatte der Mann das Gedankengut eines Karnickelzüchters, womit ich aber um Gottes willen keinem Kaninchenzuchtverein zu nahe treten möchte.
Von den arischen Unternehmern erwartete Hitler, dass sie sich bei der Ausbeutung ihrer Rasseangehörigen zurückhielten, im Hinblick darauf, dass ja die arische Rasse zum Herrscher der Welt bestimmt sei, und – sobald diese Herrschaft angetreten würde – den arischen Unternehmern sämtliche Angehörige der minderwertigen Rassen als rechtlose Auszubeutende zur Verfügung stünden.
Ich denke, jetzt dürfte klar sein, wie menschenverachtend die sog. „sozialen“ Elemente in Hitlers Politik waren, da sie einzig und allein dazu gedacht waren, einen gewissen Zuchterfolg zu garantieren. Mit dem Gedanken an eine gerechtere Verteilung der Güter oder besserer Lebensbedingungen für den Einzelnen hatte das überhaupt nichts zu tun. Es ging lediglich um günstige Bedingungen zur Menschenzucht.
Wenn meine Ausführungen für den unbedarften Leser etwas irre klingen sollten – doch, genauso hat Hitler gedacht. Und er hat es in „Mein Kampf“ in aller Offenheit und Deutlichkeit dargelegt. Dieser irre Soziopath wollte tatsächlich die Welt in eine riesige Zuchtanlage verwandeln, in der Menschenrassen nach Bedarf produziert werden konnten. Nichts anderes war sein Ziel.
Gruß, Babs

Roberto J. De Lapuente 6. Februar 2012 um 10:29  

"Dieser irre Soziopath..."

Und genau diese Floskel ist es, die total unzutreffend ist - damit pathologisiert man Hitler und die, die ihm folgten. Im Grunde ist es doch so: wenn er ein irrer Soziopath war, dann kann man ihn nur schwer verurteilen - weder juristisch noch moralisch. Er war ja unzurechnungsfähig und die Opfer seiner Politik sind damit Opfer übernatürlicher Gewalt...

Der Rasseaspekt ist aber nichts, womit sich der NS in den frühen Tagen beschreiben ließe. Er war eine Reaktion auf die herrschenden Zustände nach dem Krieg, die dauernden Querelen des Klassenkampfes, der Industrialisierung etc. Der Rasseaspekt trat erst später verstärkt in Erscheinung. Trotz allem hatte der NS von Angebinn an keine utopische Kraft - er war Zweck, ein Leviathan, das Herrschaftsinstrument einer Kaste. Das war im Stalinismus nicht anders, aber ursprünglich exisitierte dort die Phantasie einer neuen Gesellschaft, eine utopische Weitsicht, die natürlich bitter enttäuscht wurde.

Anonym 6. Februar 2012 um 11:38  

Hitler war in keinster Weise "kreativ". Er hat all die verrückten "Ideen", die damals herumwucherten, aufgesaugt wie ein Schwamm. Auch die Idee der "Rassenzüchtung" hat er nicht erfunden. Die kam aus Amerika. Die Amerikaner haben sich schon um die Wende zum 20. Jahrhundert als Herrenmenschen gefühlt. Auch jetzt, im 21. Jahrhundert sind sie wieder als (NATO-)Herrenmenschen unterwegs und bomben alles kurz und klein. Zur Zeit jaulen sie auf wie getretene Hunde, weil China und Rußland ein Veto eingelegt haben. Sie würden doch zu gerne Syrien, aus humanitären Gründen versteht sich, in Schutt und Asche legen.

Hitler als "Soziopath" zu bezeichnen ist einfach lächerlich.


http://www.amazon.de/Hitlers-amerikanische-Lehrer-Geburtshelfer-Nazi-Bewegung/dp/3981270304/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1328524068&sr=8-1

http://hitlersamerikanischelehrer.wordpress.com/

Anton Reiser

Anonym 6. Februar 2012 um 11:50  

Hitler war nachweislich ein "Fan" (sein Fan-Brief ist noch erhalten) des US-amerikanischen Rassentheoretikers Madison Grant, den hier in Deutschland kaum einer kennt. Dreimal darf man raten warum.

http://de.wikipedia.org/wiki/Madison_Grant

Und Lothrop Stoddard sollte man auch kennen, bevor man Hitler wieder als "Soziopathen" bezeichnet. Wenn man dieses Wort schon benutzt, dann sollte man es auf die gesamte westliche "Werte"gemeinschaft anwenden. http://de.wikipedia.org/wiki/Lothrop_Stoddard

Anton Reiser

Lutz Hausstein 6. Februar 2012 um 13:02  

@ Anton Reiser:

Gerade bei Stoddard wird die Verbindung, selbst bei Wikipedia, deutlich. Denn dort wird unmissverständlich auf Stoddards Einfluss auf Alfred Rosenberg verwiesen.

Anonym 6. Februar 2012 um 15:58  

Vielen Dank für den Artikel und die Kommentare. - Viele für mich neue Zusammenhänge habe ich hieraus gelernt.

Sie haben mir eine andere Sichtweise der NSDAP und der damit zusammenhängenden Weltgeschichte eröffnet. Auf unsere Gegenwart projiziert sehe ich jetzt die NATO und ihre politischen Verflechtungen in einem ganz neuen Licht.
Jetzt verstehe ich meinen Großvater,Jahrg. 1891, besser, der auf die USA ewig schimpfte.

Das im Link empfohlene Buch von Anton Reiser hab ich mir sogleich bestellt.

Gruß
Hartmut

Anonym 6. Februar 2012 um 18:59  

Lockt hier ja praktisch niemanden hinter dem Ofen hervor, das Thema...
Ein "Eklat" ist es auch nicht wirklich, eher ein Sturm im Wasserglas.

Ingeborg 6. Februar 2012 um 19:32  

Für weitere Informationen sorgt das Buch von Antony C. Sutton (1925 - 2002) "Wall Street und der Aufstieg Hitlers"
http://www.amazon.de/Sutton-Wall-Street-Aufstieg-Hitlers/dp/3907564693/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1328552527&sr=1-1

Es spricht für sich, dass das Buch erst jetzt ins Deutsche übersetzt ist.
Das was uns allgemein in die Geschichts-Schulbücher geschrieben wurde, ist höchst fragwürdig, je mehr und unvoreingenommener man recherchiert. Gar nicht einfach, was ist nun wahrhaftig und was nicht? Und welchen Interessen dient was.

klaus baum 7. Februar 2012 um 00:02  

Es gibt schlechte Sozialisten, aber kann es schlechte Faschisten geben?

Carlo 7. Februar 2012 um 00:32  

Wähler und Anhänger der SPD fielen seinerzeit schnell um und integrierten sich in die NSDAP oder wenigstens in deren ideologisches Umfeld.

Ja, so war das!
Wer darüber authentisches, gar aus Autobiographien, erfahren will, dem schlage ich vor:

Gustav Noske, Erlebtes aus Aufstieg und Niedergang einer Demokratie, Bollwerk Verlag 1946!

Besonders herausfallend aus allem, ist sein Gespräch über seine Entlassung aus dem Staatsdienst mit Hermann Göring!!!

Wo nach 1945 die vielen vorgeblichen "Sozialdemokraten" auftauchten, ist, wenn man ehrlich bleiben will, nur mit Zerstörung der Lebenslüge vieler SPD'ler beantwortbar. Dazu waren sie bis heute nicht bereit.

Anonym 7. Februar 2012 um 02:00  

Wo kommt nur diese Meinung her, ein Soziopath könne falsch und richtig nicht unterscheiden. Natürlich kann er, logisch weiß er das alles, denn auch er hat ein Hirn, mit dem er denken kann, vor allen Dingen strategisch.

Und auf jede Theorie, auch die von anderen, die die eigenen Neigungen unterstreicht, wird aufgesprungen. Erst recht dann, wenn sie die eigene Größe hervorhebt (z.B. Rassentheorie). Dazu ist keine gestalterische Phantasie nötig, das können auch andere für einen erledigen (das wäre eh einer der Leitsätze eines Narzissten). Die Emotionslage, also mit der Empathie und Mitgefühl dagegen sieht es sehr mau aus (das darf man nicht verwechseln).

@Roberto J. De Lapuente

"Dieser irre Soziopath..."

Und genau diese Floskel ist es, die total unzutreffend ist


Nein, sie ist nicht unzutreffend, eine Floskel ist es schon gar nicht, sondern ein umgangsprachlicher Überbegriff, der seine Berechtigung hat:
http://blogs.scientificamerican.com/thoughtful-animal/2011/12/19/the-psychology-of-dictatorship-kim-jong-il/?print=true

Der Text könnte zumindest zum Nachdenken anregen, warum die Normalen ausgerechnet - ganz global betrachtet - so gerne den Irren folgen (auch mit dieser Frage haben sich einige beschäftigt) und im Nachhinein alles daransetzen, sie als normal zu taxieren ...

"- damit pathologisiert man Hitler" ist auch völlig richtig ...

" und die, die ihm folgten. " Das ist falsch. Nicht wenig Soziopathen (oder Psychopathen) sind sehr charismatisch und ziehen andere Menschen in ihrem Bann. Fast so, wie es mich an: „pfff, schlurch, ich bin dein Vater“, sprich die dunkle Seite der Macht erinnert.

Mit anderen Soziopathen können sie nur bedingt etwas anfangen .. es kommt hier leicht zu Konkurrenzsituationen. Ergo: irgendwo her muss das Fußvolk sich ja rekrutieren. Was sich da anbietet sind die Normalen und die anders gearteten, die sich gerne auf den Rücken legen. Ob die sich jedoch damit anfreunden können, dem Wahnsinn Gefolgschaft zu leisten bzw. geleistet zu haben? Ist das nicht genau das Problem, dies eben nicht akzeptieren zu können? Ist das nicht einer der peinlichsten Ereignisse, einem Irren die Realität abzukaufen?

Soziopathen (oder wie immer man sie auch nennen möchte) sprechen bei "Normalen" u.a. eine dunkle Seite an, welche in jedem von uns inne wohnt, die wir in der Regel gesund kontrolliert halten. Es gibt quasi keine psychische Pathologisierung, die nicht ihren Sitz in unseren normalen Anlagen hat, platt pauschalisierend ausgedrückt. Auf die Dosis und die Gegengewichte kommt es an. Das ist auch der Grund, warum sich die Psychiatrie so schwer tut, hier eine Grenze zwischen krank und gesund zu ziehen. Doch bei Hitler erübrigt sich die Frage. Man kann sich noch streiten, welche Pathologie überwog, oder ob er mehr Narziss als Borderliner war (für den Laien eh kaum zu unterscheiden und selbst für Fachleute schwer) .. und beides kommt selten alleine.

"Im Grunde ist es doch so: wenn er ein irrer Soziopath war, dann kann man ihn nur schwer verurteilen" Warum? Mit welcher Begründung? Was ist "Im Grunde"?
Soziopath = das pure Böse, jedoch ≠ Schwachsinn.
Die wissen was sie tun (zumindest überwiegend, natürlich je nach Krankheit) und auf jeden Fall träfe es auf einem Hitler zu, somit gibt es keine Entlastung, die sich auf das Volk übertragen könnte. Es ist einem Irren gefolgt, weil es einem Irren folgen wollte, mal raus lassen, die dunkle Seite (platt ausgedrückt) … Wo ist da die Entschuldigung? Eher doch ganz im Gegenteil.

“ - weder juristisch noch moralisch.!“
Ja klar, sischer:
http://www.rechtslupe.de/strafrecht/nachtraegliche-sicherungsverwahrung-und-die-dissoziale-persoenlichkeitsstoerung-331887

und als würde man ihm und damit dem Volk so einfach verzeihen "moralisch-ethisch" wo es doch nichts zu verzeihen gibt. Un dies auch noch, weil es diese "Entschuldigung" quasi seit Jahren schon gibt. Wo ganz genau sind jetzt die befürchteten Folgen?

Gruss
rosi

Anonym 7. Februar 2012 um 09:19  

Vielen Dank an Rosi für Ihre Ausführungen. Konnte gestern nicht mehr schreiben und melde mich heute nochmal, weil mir das Thema am Herzen liegt.
Ja, ich kenne die Reaktion „Soziopath“ = krank= „nicht verantwortlich“. Aber das ist eine typisch deutsche-intellektuelle Sicht auf Schwerstverbrecher. Wie Rosi schon sagte, ein Soziopath weiss durchaus was richtig und falsch ist, denn sonst hätte z.B. ein Jeffrey Dahmer seine Leichen nicht versteckt, sondern ausgestellt. Soziopathen pflegen furchtbar stolz auf ihre Werke zu sein.
Auch Hitler war sich bewußt, dass man die Vernichtung der jüdischen Mitbürger dem „deutschen Volke“ wenn überhaupt, dann nur in kleinen Wahrheitsdosen zumuten könne.
Aber zurück zur Rassentheorie: Natürlich hat er diese nicht erfunden sondern das war bereits geistiges Allgemeingut, angefangen mit der Sklaverei in den USA, über die Kolonialisierung von Afrika und Asien, bis zu den jahrhundertealten Verfolgungen unserer Mitbürger jüdischen Glaubens. Es war alles schon da in den Köpfen, es brauchte nur noch einen „Soziopathen“, der bereit war die letzte rote Linie zu überschreiten und eine ganze Nation zum Massenmord anzustiften. Hitler selbst hat seine Lehrer ausgiebigst aufgezählt und sich in den Anfangsjahren auf sie bezogen.
Was mich sehr betroffen macht: Als vor langen Jahren ich in der Schule Geschichtsunterricht zum Thema Nazizeit geniessen durfte, glaubte ich tatsächlich an eine ehrliche Aufarbeitung . Heute nicht mehr. Die Nazizeit wird so zerredet, als ob die Ideen des Nationalsozialismus tatsächlich gewissermassen plötzlich dagewesen wären und damals neu gewesen wären. Dem war absolut nicht so, sondern es gab zum Thema Rassismus einen breiten Konsens, der spätestens mit Kant schon salonfähig war. Ja, auch Kant war ein begeisterter Rassist, Sie können es googeln und werden erstaunt sein. Und genau diese Tatsachen werden von der offiziellen Geschichtsschreibung schamhaft verschwiegen. Wobei man mit Fug und Recht annehmen kann, dass eben dieses Gedankengut auch heute noch latent in den Köpfen vorhanden ist, und sich seinen Weg nur ein wenig anders sucht.
Schauen Sie sich die derzeitige Weltpolitik an: Niemand redet mehr von einer „Herrenrasse“ sondern heute heißt es „Die Guten“ versus „Die Achse des Bösen“ oder auch die nur „Die Bösen“. Schaue ich heute nach Afghanistan, Irak, Libyen oder Syrien, so sehe ich Länder, die von den „Guten“ im Namen ihrer Werte (Demokratie?) zerstört wurden. Natürlich redet man nicht über die Eroberung für Rohstoffe, sondern man stellt sich dar als Bringer des Lichts, als alternativlosen Inhaber der reinen Wahrheit dar. Wo liegt da der Unterschied zur Herrenrasse? Und kommen Sie mir bitte nicht damit, zu behaupten dass sich diese Aktionen nur auf eine Regierungsform beziehen. Schauen Sie in die Zeitung und lesen sie sich die Kommentare z.B. zu Griechenland durch: Der Grieche ist faul, korrupt usw. also die typische Herrenmenschenhaltung. Ginge es um Regierungsformen, ginge es um böse Diktaturen, so müßte man zunächst einmal bei den „Vorzeigefreunden z.B. Saudiarabien anfangen und vor allen Dinge im eigenen Staate eine lupenreine Demokratie pflegen, zb. ohne Pfefferspray gegen friedliche Demonstranten.
Der Artikel von Roberto hat mich deshalb so betroffen gemacht, weil er genau in diese Falle getappt ist, den Nationalsozialismus als eine abgegrenzte Phase des Bösen zu betrachten, die sich nicht wiederholen kann. Unter dem gleichen Namen sicher nicht, aber wie jeder Marketingexperte weiss, kann man unter einem neuen Namen den gleichen Inhalt im Zweifelsfalle besser verkaufen.
Und ich fürchte, wir sind auf diesem Weg schon wieder sehr weit.
Gruß, Babs

Anonym 7. Februar 2012 um 09:29  

Hitler als Soziopath bezeichnen, heißt ja nichts anderes, als sei die Gesellschaft, aus der er hervorwucherte, eigentlich "normal", "gesund" gewesen. Hitler der Soziopath, heißt auch: Hitler der "Unfall", der "Zwischenfall", der "Rückfall" - einer eigentlich ganz gesunden, gesellschaftlichen Entwicklung (Industrialisierung, Kapitalismus, Liberalismus sind menschen-/lebensfreundlich). Aber das streite ich entschieden ab. Ich bin, wie Papst Johannes Paul II, der Meinung, das die westliche Welt eine "Kultur des Todes" ist. Wir haben eine Weltvernichtungsmaschinerie installiert.
Robert Kurz Analyse ("Schwarzbuch Kapitalismus") ordnet "Auschwitz gleichzeitig in das
liberale Nutzenkalkül und in das fordistische Programm" ein. R.KURZ: "Wie BENTHAMs [Einer der Säulenheiligen des Kapitalismus - neben Adam SMITH] grausiger Utilitarismus noch die Exkremente und die Leichen der Sträflinge (ja sogar seine eigene Leiche) der Verwertung zuführen wollte, so verwerteten auch die Nazis die körperlichen Überreste der ermordeten Juden bis hin zu Lampenschirmen aus Menschenhaut. Insofern hat Auschwitz den liberalen angelsächsischen Utilitarismus in sich aufgehoben[HEGEL]."
Mit CLAUSEWITZ könnte man sagen, Auschwitz als eine Art Fortsetzung der Industrialisierung mit anderen Mitteln.

Anton Reiser

Roberto J. De Lapuente 7. Februar 2012 um 09:31  

"Der Artikel von Roberto hat mich deshalb so betroffen gemacht, weil er genau in diese Falle getappt ist, den Nationalsozialismus als eine abgegrenzte Phase des Bösen zu betrachten, die sich nicht wiederholen kann."

DAS ist absoluter Quatsch, habe ich auch nirgends auch nur ansatzweise geschrieben, behauptet oder gedacht.

Die deutsche Intellektualität, die dem Soziopathen die Zurechnungsfähigkeit abspricht, nennt man übrigens gelegentlich auch Psychologie oder Medizin. Was damals geschah, ein Vorredner sagte es, Amery schreibt es in seinem Essay "Hitler als Vorläufer", selbst Joachim Fest nennt es... was damals geschah, geschah nicht aus dem Nichts. Hitler praktizierte, was im politischen Milieu seiner Zeit Normalität war - dass er eben nicht aus dem Nichts Rassenpolitik gestaltete, sondern sie aufgriff von Ideengebern: das heißt nur, dass der NS keine unwiederholbare oder einzigartige Phase ist.

Nach dem Krieg war es üblich, Hitler als Verrückten zu stilisieren, der über das deutsche Volk kam - wer diese Mär aufrechterhält, entgegen aller Tatsachen, der entkräftet seine Verbrechen. Sicher ist, dass er zwischenmenschlich verarmt war - aber ihn zu soziopathisieren, das führt viel zu weit und wäre nicht zielführend.

Roberto J. De Lapuente 7. Februar 2012 um 09:33  

@ Anton Reiser: Danke für den Zwischenruf. Es ist ja genau das, was mir Babs zum Vorwurf macht, ich würde Hitler bzw. den NS als Unfall sehen - aber mit der Soziopathisierung dieser Gestalt forciert man erst diese Denke.

Anonym 7. Februar 2012 um 10:45  

Bitte sagt mir dann, wie man Hitler und seine NS-Maschinerie sonst nennen kann.

Ich kann mich auf die Bezeichnung "Kriminelle" und "Verbrecher" einfach nicht einlassen, weil man mit diesem Vergleich jedem Verbrecher schwer unrecht tun würde.

Ich kann zwar Deine Argumentation nachvollziehen aber wie soll man diese Kreaturen denn sonst nennen. Oder um es wie bei Hannibal Lecter zu sagen "Es gibt keine Bezeichnung für das was er ist" ?

Dann habe ich aber ein großes Problem, denn wenn ich keine Sprache, keinen Ausdruck für eine Sache habe, wie kann ich dann das Ausmaß der Bösartigkeit und der Abnormalität verdeutlichen?

Tut mir leid,wenn ich jetzt nerve, aber es würde mich schon interessieren, wie man Wesen bezeichnet die aufgrund des eigenen elitären Selbstbildes skrupellos Millionen Tote produzieren.

Bitte jetzt nicht auf Raffgier hinweisen. Der Anspruch auf unbegrenztes Geldeinkommen ohne eigene Arbeit und in der Folge daraus entstehende unbegrenzte Macht ist einfach nur ein Teil dieses elitären Selbstbildes.

Also wie soll man sie nennen?

Gruß, Babs

Roberto J. De Lapuente 7. Februar 2012 um 10:55  

Warum muß man ihm denn eine Bezeichnung erteilen? Und was hat die Romanfigur Lecter mit Hitler zu tun? Selbst wenn es Lecter als reale Person gibt, so bleibt sie doch immer etwas anderes als es Hitler war. Jemand der Menschen frisst, dem kann man vielleicht tatsächlich die Zurechnungsfähigkeit absprechen. Er schlachtet ohne Rücksicht, geht Gefahren ein, entdeckt zu werden etc. - aber jemand, der sich durch den Staatsapparat schlängelt, intrigant ist, Parteien gegeneinander ausspielt, sich Bündnispartner sucht und fallen läßt, mit Engelszungen spricht oder wie vom Teufel besessen schimpft, je nach Laune des Publikums, jemand der ganz gezielt Institution abschafft, gründet oder komplimentiert, der sich taktische Ranküne ersinnt, der ist doch nicht unzurechnungsfähig, der weiß ganz genau was er tut - woher nähme er denn dann die Energie und die Arglist, wenn nicht aus dem Fundus seines Wissens darüber, dass das, was er tut, nicht unbedingt rechtens ist. Der Menschenfresser benötigt weniger Aufwand, er lockt an, er schlachtet, er frisst - und wird entdeckt. Kurz, er betrügt nur sein Opfer, nicht eine ganze Gesellschaft.

Anonym 7. Februar 2012 um 11:30  

@Babs
Ich würde sagen, das waren eiskalte, sachliche Rationalisten - ohne "Gefühlsduselei". Genauso wie heutzutage Topmanager ohne mit der Wimper zu zucken 10.000 Menschen entlassen, haben die Nazis die Volksschädlinge "entsorgt". Die Nazi-Denke und die kapitalistische Denke ist exakt dieselbe. Es geht um Nutzenoptimierung. Warum die Vergasungen? Logo, weil Handarbeit einfach zu ineffektiv und zu grausam war.
Die Kroaten betrieben ein KZ ("Auschwitz des Balkans") mit Handarbeit, das war selbst den SS-Leuten zu grauslich - sie beschwerten sich in Berlin über die balkanische Grausamkeit:

http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Jasenovac

Die Planer (z.B. Werner BEST) waren doch keine Sadisten, das waren kühl planende Intellektuelle. Die hatten eine Problemstellung, wie in jedem großen Konzern, die sie optimal (mit dem geringstmöglichen Mitteleinsatz, das optimale Ergebnis erzielen) zu lösen hatten.
Wikipedia:
"Gegenüber politischer Unbeherrschtheit oder Unklarheit vertrat Best stets die Haltung eines kühlen, zielgerichteten Rationalismus auf völkischer Grundlage, den er selbst als „Sachlichkeit“ verstand und der ihn durch seine Karriere trug. ... Noch nach dem Krieg verwahrte er sich gegen den Vorwurf, er habe aus Hass gegen die Juden gehandelt. Vielmehr sah er seine Tätigkeit als die sachliche Ausführung des Notwendigen an."
Wie Engholm zu sagen pflegte - "wat mut dat mut".

BEST gehörte zur akademisch gebildeten „Generation des Unbedingten“, "die im Habitus rational auftrat, aus diesem Habitus heraus auch Einzelaspekte des Nationalsozialismus kritisch bewerten konnte, hinter dieser Rationalität aber zutiefst radikale völkische Prämissen offenbarte, die politisch fast ungebremst wirksam wurden und im millionenfachen Massenmord endeten."
Geradzu logisch erscheint es mir, das BEST friedlich 1989 einschlummerte. So einen Mann kann man in unserem kalt-rationalem System immer brauchen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Best_(NSDAP)

Anton Reiser

Pablo 7. Februar 2012 um 12:19  

Nicht wenige Deutsche identifizieren Rechts mit Böse und Links mit Gut. Ihrem geschichtlichen Durchblick hilft das nicht.
Wer den deutschen Mieter- und Kündigungsschutz, das Kindergeld, die Krankenversicherung für Rentner oder den Naturschutz für fortschrittlich hält, sollte bedenken, dass die entsprechenden Gesetze 1937, 1934, 1937, 1941 und 1938 erlassen oder in ihrer Schutzfunktion erheblich gestärkt wurden.

Anonym 7. Februar 2012 um 13:04  

Frage: Wäre es möglich gewesen (wenn er nicht über die vatikanische "Rattenlinie" nach Argentinien geflüchtet wäre), daß Mengele an deutschen Unis Vorlesungen über seine Erkenntnisse (er war ja Zwillingsforscher) gehalten hätte? Nein? Aber im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" war auch dies möglich. Dort hielt der "japanische Mengele" Ishii Shirō in den 50er Jahren Uni-Vorträge.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ishii_Shir%C5%8D
http://de.wikipedia.org/wiki/Einheit_731

Anton Reiser

Anonym 7. Februar 2012 um 13:58  

Robert KURZ:
"Auch Auschwitz war eine fordistische Fabrik, genau wie »Volkswagen«. Die Vernichtungsmaschine
wurde als ganz gewöhnliche kapitalistische Industrie betrieben, unter Beteiligung ganz
gewöhnlicher Privatfirmen. Dazu gehörte etwa das Unternehmen J. A. Topf und Söhne (Erfurt),
Maschinenfabrik und feuertechnisches Baugeschäft, das die Großöfen für die Menschenverbrennung
lieferte (Pressac 1995, 181). Der Ingenieur Fritz Sander, Angestellter dieser Firma, ließ sich
das von ihm entworfene Modell eines riesigen Einäscherungsofens sogar patentieren (Pressac,
a.a.O., 69). Aber Auschwitz war eine negative Fabrik. Dort wurde nichts produziert, sondern etwas
»entsorgt« - nämlich die phantasmatische Verkörperung des gesellschaftlichen Abstraktionsvorgangs
in einem warenproduzierenden System. Insofern war Auschwitz die äußerste Konsequenz des
Fordismus als kapitalistischer Arbeits- und Industriereligion: die industrielle Erlösung für die deutsche
Blutsdemokratie durch die Vernichtung der Juden. Die Parole »Arbeit macht frei« über dem
Tor von Auschwitz enthält so eine doppelte Bedeutung: »Arbeit« macht frei als kapitalistischer Daseinszweck,
wenn sie von den Juden und damit von der Abstraktion »befreit« ist."

Das Judentum (= das abstrakte Geldsystem)wird durch handfeste, körperliche Arbeit vernichtet. Auch heute geistern diese Gedanken vom "raffenden" (Finanzkapitalismus ist böse.) und "schaffenden" (Realökonomie ist gut. "Gut ist was Arbeit schafft") Kapital wieder herum.

Anton Reiser

Anonym 7. Februar 2012 um 14:50  

@Hr.Reiser
Ich sehe das genauso wie sie, aber anstatt „Rationalisten ohne Gefühlsduselei“ würde ich hier „gewissenlose Rationalisten“ schreiben. Womit wir wieder beim Thema wären, denn genau das ist das Wesen eines Soziopathen.
Allerdings sollten wir uns von der Vorstellung frei machen, dass ein Soziopath ein armer kranker Mensch ist, der nicht weiss was er tut. Ganz im Gegenteil, aufgrund ihrer Fähigkeit zu lügen und zu manipulieren darf man getrost davon ausgehen, dass diese Leute sehr genau wissen was sie anrichten. Es ist ihnen nur egal, da sie sich selbst als Herrenmenschen betrachten, die der Gemeinschaft nicht verpflichtet sind.
Gerade weil diese Kreaturen so gefährlich sind, bin ich aber der Ansicht, dass es eine Bezeichnung für sie geben MUSS, denn ansonsten wird die Auseinandersetzung mit diesem Phänomen tatsächlich nur auf Nebensächlichkeiten reduziert, die als einzelne Aktionen harmlos wirken.
Wer je den Prozess gegen Eichmann gesehen hat, der wird verstehen was ich meine: Da werden monströse Taten hinter einer Aneinanderreihung von Lappalien verborgen, die, jede einzeln für sich, ganz harmlos wirken.
Ich kann mich nicht damit abfinden, wenn Roberto sagt „warum soll man denn eine Bezeichnung finden“, denn gerade Du, Roberto, solltest diese Notwendigkeit besser verstehen als jeder andere. Du arbeitest mit Sprache und weisst, dass unsere Gedankengänge, unsere Fähigkeit ein Problem zu erkennen und zu analysieren nur mithilfe der Sprache möglich ist. Unser Denken wäre ohne Sprache gar nicht möglich und unsere Gedankengänge sind an die Möglichkeiten unserer Sprache gebunden.Wenn ich mir also verbiete eine Bezeichnung für diese Art von Leuten zu finden, dann mache ich mich gegenüber diesem Problem nicht nur sprachlos, sondern auch hilflos, denn ich kann nicht mehr darüber reden, ja noch nicht einmal differenziert darüber nachdenken.
Und das ist der Vorwurf, den ich der der öffentlichen „Aufarbeitung“ mache: Man hat Hitlers Taten akribisch aufgelistet und diese Liste ist schrecklich genug. Allein, es ist nur eine Aneinanderreihung von mehr oder weniger Einzelaktionen der damaligen „Elite“ .
Allerdings, je mehr ich hinterfrage, desto mehr fällt mir auf, dass die eigentliche, treibende Motivation , die diese Monstrositäten erst hervorbringen konnte, zu großen Teilen totgeschwiegen, bzw. als Randerscheinung abqualifiziert wird. Und diese Motivation ist nichts anderes als der Glaube an die eigene Zugehörigkeit zum Herrenmenschen. Denn nur indem man sich geistig und gefühlsmäßig von dem trennt, was wir seit Urzeiten als den Begriff der „Menschlichkeit“ kennen, nur dann ist es möglich die NS-Zeit zu verstehen.
Ich möchte jetzt nicht nochmal die Brücke in unsere Zeit schlagen, nur soviel dass es mich ganz krank macht, wenn ich morgens die Nachrichten lesen muß, aber aus den obengenannten Gründen eben NICHT schreiben kann und darf, dass ein Hitler keine Einzelerscheinung war.

Gruß, Babs

Roberto J. De Lapuente 7. Februar 2012 um 14:59  

"Ich kann mich nicht damit abfinden, wenn Roberto sagt „warum soll man denn eine Bezeichnung finden“, denn gerade Du, Roberto, solltest diese Notwendigkeit besser verstehen als jeder andere. Du arbeitest mit Sprache und weisst, dass unsere Gedankengänge, unsere Fähigkeit ein Problem zu erkennen und zu analysieren nur mithilfe der Sprache möglich ist..."

Eben deswegen. Nicht alles läßt sich mit einem Schlagwort treffend umschreiben...

Anonym 7. Februar 2012 um 15:29  

@Babs
Ich glaube wir reden aneinander vorbei. Aus Sicht der Psychologie war Hitler sicherlich ein Soziopath. Betrachtet man die Sache aus gesamtgesellschaftlicher Sicht, würde das bedeuten, dass sich die „normalen“ Menschen gesund, d.h. lebensfördernd verhalten – sonst würde die Bezeichnung „Soziopath“ für Hitler gar keinen Sinn machen. Er war die Ausnahme - ein "Soziopath". Das möchte ich total abstreiten. Ich würde behaupten, unsere gesamte westliche Denkweise – Nutzenoptimierung, in Geldkategorien denken usw. – ist soziopathisch. Günter ANDERS, so meine ich, hat das sehr schön herausgearbeitet. „Die technisch veränderte Welt hat“ laut ANDERS „die bisherigen Moralformen liquidiert.“ (Wikipedia)
„Da das Produkt und seine Herstellung auseinandergerissen werden, wirft der moralische Status eines Produktes, beispielsweise Giftgas oder die Wasserstoffbombe, scheinbar keinen Schatten auf die Moral dessen, der arbeitend an dieser Produktion teilnimmt. Der Beteiligte wird somit moralisch entlastet.“
„Die Aufgabe unserer Epoche ist es, den Menschen der Maschine gegenüber Souveränität zu verleihen und drohende atomare und technisch induzierte ökologische Katastrophen abzuwenden.“
„Der Mensch muss „moralische Phantasie“ ausbilden, also das Gefühl für die Wahrnehmung des „Undenkbaren“ schulen, um Folgen abschätzen zu können und einen universellen hippokratischen Eid ablegen zu können:
keine Arbeiten anzunehmen und durchzuführen, ohne diese zuvor darauf geprüft zu haben, ob sie direkte oder indirekte Vernichtungsarbeiten (sind); die Arbeiten, an denen wir gerade teilnehmen, aufzugeben, wenn diese sich als solche direkten oder indirekten Vernichtungsarbeiten erweisen sollte.“

Anton Reiser

Anonym 7. Februar 2012 um 17:43  

Denke, es ist an der Zeit, einige Gerüchte über Soziopathen anzugehen, deswegen wird es sehr viel mehr Text, denn ich steige dazu auf die Argumentationen ein:

@A Reiser
“Hitler als Soziopath bezeichnen, heißt ja nichts anderes, als sei die Gesellschaft, aus der er hervorwucherte, eigentlich "normal", "gesund" gewesen. Hitler der Soziopath, heißt auch: Hitler der "Unfall", der "Zwischenfall", der "Rückfall" - einer eigentlich ganz gesunden, gesellschaftlichen Entwicklung ...“
Das müssten Sie jetzt nur noch begründen.

Wiederholte Behauptungen werden nicht wahrer. Nichts war gesund. Eigentlich macht es nämlich genau das Gegenteil! DAS, was Sie da machen, machen alle schon ewig. Es verleugnen, sich dem nicht stellen. Rassismus, Rassenhass ist so alt, wie die Menschheit. Bzw. so alt, wie sich die Natur entschlossen hat, soziale Gruppen zu bilden,die sich gegen andere abgrenzen (nicht immer, manchmal schließt man sich auch zusammen oder bildet Allianzen, doch recht häufig).
Der Unterschied zum Tier ist hier lediglich, Menschen können Theorien in Bücher fassen; sowohl Verfasser, wie auch Fans der Lektüre können sich einbilden, ethisch saubere und logische Begründungen gefunden zu haben. Tatsächlich folgt man jedoch seinen niederen Urinstinkten und missbraucht das Ratio zur Begründung. Wir als Gesellschaft deklarieren selbst, was wir davon haben möchten, was wir als krank oder als gesund empfinden.

Es zeigt auf, wie viel mieses in einer Gesellschaft wuchert, so dass sie darauf lauert, von einem Irren „befreit“ zu werden oder darauf wartete, dass jemand „den roten Faden“ überschreitet, so wie ein nicht unbeträchtlicher Teil schon wieder in den Startlöchern steht. Es zeigt auf, was alles in uns steckt, was sich nach Befreiung sehnt. Es zeigt auf, warum ein Sarrazin tönt: „Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen“ und ein breitflächiger Seufzer der Befreiung durch eine große Bevölkerungsschicht geht. Es zeigt auf, dass es immer noch da ist, es zeigt auf, dass es nicht reicht, sich auf einen Hitler zu konzentrieren, sondern sich mit den soziokulturellen Entwicklungen von Gesellschaften (deren Pathologie) zu beschäftigen und wenn man das für die Zukunft verhindern will, daran gefälligst zu arbeiten hat, anstatt es zu verleugnen. Und es zeigt auf, wie nah wir dem wieder sind, nur durch das Schockerlebnis aus WK II für eine kurze Zeit unterdrückt; die Menschen sind immer noch die gleichen; nicht dieses edle Dingens, von dem man so gerne spricht. Es zeigt auf, dass wir uns dem endlich stellen sollten und zwar richtig, anstatt uns selbst immer anzulügen, was für gott-gute Wesen wir doch sind. Wenn wir das nicht tun und das (wenn es nach mir geht möglichst bald), werden wir uns eben nicht weiter entwickeln. (Und natürlich sind wir darin nicht alle gleich, doch irgendwie muss ich mich ausdrücken, Schrift funktioniert halt nur linear).

Was glaubt ihr eigentlich, wozu man bspw. die 10 Gebote brauchte oder braucht (je nach Interpretation? Dort steht u.a. Du sollst nicht töten, nicht streben nach anderem Gut usw. usf.. Warum steht das da? Weil Menschen so etwas in der Regel nicht tun oder eher weil wir uns stets daran erinnern/ermahnen sollten, dass wir es nicht tun sollen, was man gemeinhin als Zivilisierung und somit Fortschritt von Kulturen betrachtet? Bilden wir uns tatsächlich ein, wir hätten das alles im Griff? Nur, weil wir zumeist nicht mehr mit Panzern (und das stimmt ja nun global betrachtet auch nicht) einfahren? Weil man es heute, s. Griechenland, mit Anzug und Krawatte ausgestattet, in Form von Wirtschaftskriegen macht, also mehr auf der Schiene psychosozialer Gewalt, die nicht den direkten Bezug auf körperliche Unversehrtheit nimmt?

ff.

Anonym 7. Februar 2012 um 17:48  

Findet Euch damit ab, der Mensch und die Gesellschaft ist mitnichten immer nur gut. Das ist Interpretationssache der jeweiligen Zeitdimension und ändert sich zumeist bei der Betrachtung auf die Geschichte und den Betrachtungswinkel.

Wir führen immer noch Kriege, wir kämpfen immer noch um Reviere und Ressourcen. Und wir bilden uns ein, wenn wir den hierin skrupellosesten Führern, mit den wenigsten Hemmungen folgen, wären wir damit auch am erfolgreichsten. Das unterscheidet uns dann wiederum vom Tier, da hat sich das denn schnell erledigt, so in freier Wildbahn. Nicht, dass es sie dort nicht geben würde, doch das Versagen funktioniert dort - den Umwelt-/Lebensbedingungen ausgesetzt – einfach wesentlich zügiger und bei Betrachtung schafft es der Geist, den direkten Bezug zu ziehen (bei den Tieren schauen wir auch ohne Selbstlüge und somit genauer hin). Die Hitlers und Caligulas führen ihre „Rudel“ nicht zum nachhaltigen Erfolg, sondern wirken im höchsten Maße destruktiv, gesellschafts- und kulturzersetzend und doch führen sie einige Zeit, auch Hitler hat nicht sein ganzes Leben lang geführt, ganz im Gegenteil.

@De LapuenteAmery schreibt es in seinem Essay "Hitler als Vorläufer", selbst Joachim Fest nennt es... was damals geschah, geschah nicht aus dem Nichts.
Und wo, lieber Herr De Lapuente steht:" Soziopathie und ihre Gefolgschaft geschähe aus dem Nichts?" Für Beobachter sieht das manchmal nur so aus.

Soziopathie kommt niemals aus dem Nichts und plötzlich kommt sie schon gar nicht. Und ganz besonders rekrutiert sie ihre Fans nicht aus dem Nichts. Wenn das so wäre, dann hätten Soziopathen niemals Fans und Gefolgschaft und unsere Geschichte ist voller grausamer, zuweilen völlig entarteter Führer, deren Anlagen und Gedanken tatsächlich die Dimensionen des „Normalen“ überschreiten. Und doch finden sie immer wieder ihre Gefolgschaft, Menschen, die ihnen ermöglichen, die Bahn zu brechen, die ihnen eine „rationale“ Begründung/Entschuldigung/Rechtfertigung liefern, mal dem zu frönen, was sonst verboten scheint.

Und wenn ich die nachfolgenden Behauptungen in Form von Begründungen sehe, sträuben sich mir glatt die Haare:

@De Lapuente
Nach dem Krieg war es üblich, Hitler als Verrückten zu stilisieren, der über das deutsche Volk kam - wer diese Mär aufrechterhält, entgegen aller Tatsachen, der entkräftet seine Verbrechen. Sicher ist, dass er zwischenmenschlich verarmt war - aber ihn zu soziopathisieren, das führt viel zu weit und wäre nicht zielführend. Wir haben immer noch nach dem Krieg und es ist heute so üblich 2007 und 2009 gehören für mich dazu), wie kurz nach dem Krieg. Und er ist nicht „über“ das Volk sondern mit und aus dem Volk gekommen. Niemand will hier seine Verbrechen entkräften. Taten sind Taten, sie sind getan worden. Punkt! Es ist nur eine menschliche Illusion, darüber würden die Verpackungsdeklaration entscheiden. Es bleiben Taten, egal, was man da drauf schreibt.

Ist nicht zielführend = passt mir nicht in den Kram! Hab zwar keine Argumente, doch ich finde es nicht zielführend, denn ich hab ein anderes Ziel. Ja, welches denn genau? Entgegen aller Tatsachen? Welcher Tatsachen? Ab wann ist eine Meinung eine Tatsache? Wer hat bewiesen, die Psychologen (und das waren Unmengen … nicht alle haben sich dabei auf Hitler selbst konzentriert, ein Buch darüber geschrieben oder gar eine Studie aufgesetzt… doch viele haben ihn analysiert) hätten sich alle getäuscht? Und wenn man jetzt daran arbeiten ihn als Nichtsoziopath zu deklarieren, warum arbeiten man daran? Weil Soziopath nicht zielführend oder weil nicht wahr? Denke da doch eher, weil manche Denken, es sei nicht zielführend, zumal sie wohl zumeist auch nicht vom Fach sind. Klar, würde ja auch Rückschlüsse über das Innere der Menschen zulassen, die der Mensch nicht so gerne hört, nicht wahr nicht?

Ach wie niedlich umschrieben: „Dass er zwischenmenschlich verarmt war“. Wie nett ausgedrückt, als wäre dies Bestandteil der Psychopathologie von Hilter … zwischenmenschlich „verarmt“ … das glaub ich jetzt nicht.

ff.

Anonym 7. Februar 2012 um 17:57  

@De Lapuente
“Warum muß man ihm denn eine Bezeichnung erteilen?“ Weil man sich in der Regel der Problemstellung nähert, wenn man ein Problem bezeichnet? Sagen Sie mal Finanzkrise ohne Finanzkrise (warum erinnert mich das jetzt ausgerechnet an Ihren Artikel). Und damit eine Lösung (sofern es die für den Menschen gibt), sich möglicherweise nähert? Hhhm, weil es zielführend ist? (da kann ich jetzt nicht widerstehen).
“Und was hat die Romanfigur Lecter mit Hitler zu tun? Selbst wenn es Lecter als reale Person gibt, so bleibt sie doch immer etwas anderes als es Hitler war. “ Tschah, dann haben sie weder den Sinn des Films, noch den der Figur erkannt (er ist auch eine Warnung). Eigentlich unterscheidet die beiden nur die Intelligenz. Die Figur war weitaus intelligenter und galt gemeinhin als kultiviert und hoch intelligent. Und ansonsten unterschied sie das Ziel und ihre Sicht auf Menschen. Was bei dem einen auf den Teller gehörte, erfreute den anderen an „Strategiebesprechungen“ mittels Karten und Püppchen auf dem Tisch und führte in Gräben und KZ. Am Ende vereint sich das Ziel, es führt zum Tode.
“Jemand der Menschen frisst, dem kann man vielleicht tatsächlich die Zurechnungsfähigkeit absprechen.“ Was verstehen Sie eigentlich unter „Zurechnungsfähigkeit“? Gerade an dieser Filmfigur wird deutlich, wie wenig Sinn es macht, sich hierüber den Kopf zu zerbrechen. Mehr Wegsperren und somit für seine Taten haften, geht ja schon nicht mehr; egal, wie man das deklariert, zu seinem oder zum Schutze von anderen, die Sanktion, die Bestrafung bleibt. Gebe zu, seine Flucht extrem unrealistisch, doch sonst wäre der Film wohl sehr langweilig geworden. Dokumentation über weggesperrte Soziopathen schaut sich wohl in der Regel keiner an. Flucht, das schaffen die wirklich nur sehr, sehr, selten und dann zumeist auch nur kurzfristig.
"Er schlachtet ohne Rücksicht, geht Gefahren ein, entdeckt zu werden etc. " Wie jetzt, Hitler nicht? Der Unterschied ist, Hitler ließ schlachten und schlachtete in der Regel nicht selbst. Ein weiter Unterschied, nach der Zeit seiner Verhaftungen war es nicht mehr nötig, denn er durfte ja machen (bzw. machen lassen), hatte ja seine breite Unterstützung. Doch bevor er sie hatte, war sein Risiko nicht geringer und hin und wieder wurde er auch mal „entdeckt“.
“ - aber jemand, der sich durch den Staatsapparat schlängelt, intrigant ist, Parteien gegeneinander ausspielt,“
Wie gesagt, Sie haben die Figur nicht verstanden und den Sinn des Films auch nicht. Hannibal Lecter war nicht immer der Verfolgte/Enttarnte (Hitler ja auch nicht) sondern er hat jahrelang unerkannt praktiziert. Er war auch nicht „plötzlich“ Soziopath, sondern hat sich gesellschaftlich/beruflich „durchgeschlängelt“ und es zu Erfolg gebracht, seine Bücher geschrieben und seine Fans gehabt. Dr. Hannibal Lecter, den man dann auch um Rat fragt. Die Figur zeigt auf, wie einfach es für Soziopathen ist, sich in unserer Gesellschaft erfolgreich zu positionieren (und das ist gut pathologisch recherchiert, gar mancher einst lebender Zeitgenosse dürfte hier die Vorlage geliefert haben). Es ist nicht nur gruselig und grausam, sondern auch eine Warnung, eine Mahnung. Wäre sein Ziel nicht der Teller gewesen (Kannibalismus kommt auch unter Soziopathen nicht so häufig vor), sondern die Politik, dann wäre der Film halt nicht so erfolgreich gewesen (zu lang, wie es im Leben halt dann dauert). Und um sein Ziel zu erreichen – und gerade diese Figur war sehr erfolgreich – ist er strategisch vorgegangen und hat die Reaktionen seiner Gegenspieler kühl berechnet und für sich genutzt. Soziopathen wissen, auf welche Knöpfe man drücken muss (und nicht nur dieser, weil die Figur auch Psychiater war). Dies unter Unzurechnungsfähigkeit zu verbuchen, ist mehr als nur leichtsinnig, verniedlicht die Soziopathen. Die sind nicht niedlich. Strategisch, kühle Denker, vom Mitgefühl, vom Gewissen und von den Skrupeln befreit, so dass sie sich ihre sadistischen Neigungen jederzeit erfüllen können, ohne vom Gewissen blockiert zu werden.
ff.

Anonym 7. Februar 2012 um 18:03  

roberto, don't feed the troll.

Anonym 7. Februar 2012 um 18:08  

@De Lapuente
“der sich taktische Ranküne ersinnt, der ist doch nicht unzurechnungsfähig,“ hat auch niemand behauptet. Sie behaupten, Soziopathen wären nicht zurechnungsfähig. Und damit befinden sie sich in einem gefährlichen Irrtum. Ausgerechnet im „Schweigen der Lämmer“ wird dargestellt, wie strategisch Soziopathen vorgehen.

“der weiß ganz genau was er tut „ Lecter auch, die wissen alle genau, was sie tun (bis auf wenige Ausnahmen … doch dann kommt entsprechende Pathologie noch hinzu).

“woher nähme er denn dann die Energie und die Arglist, wenn nicht aus dem Fundus seines Wissens darüber, dass das, was er tut, nicht unbedingt rechtens ist.“ Das wissen sie, weil sie in der Regel nicht unter Schwachsinn leiden. Sie wissen es, weil die Gesellschaft es ihnen beibringt, das nennt man in der Regel Erziehung. Sehr schnell wird klein Lector beigebracht: „nein, dein Schwesterchen gehört nicht auf den Teller, hol sofort die Gabel aus dem Mädchen“. Arglist, für viele Soziopathen gleich mit der Paranoidität verankert, für Hitler gilt das, für die Romanfigur eher nicht, der war alles andere als Paranoid. Und Hitler hat man auch in seinem Leben mehrfach beigebracht, wie die Gesellschaft denkt und sanktioniert, auch Tiberius oder Caligula waren sich darüber bewusst und mit Ränkespielen kannte die sich bestens aus.

Ansonsten hätte sich Tiberius für seine sadistischen Spiele an Kindern nicht extra eine Insel eingerichtet, wie manche halt ihren Keller so nutzen:
http://www.zeit.de/online/2008/18/oesterreich-tochter-keller
24 Jahre lang … muss ich an den Fall Kampusch erinnern? Die Ziele/Neigungen sind halt andere, das war es aber auch schon. Soziopathen sind genau so erfolgreich und variabel in ihren Zielen, wie andere Menschen auch. Nicht ein jeder gelangt an die Staatsspitze, das gilt für den Soziopathen, wie für die Normalen.
“Der Menschenfresser benötigt weniger Aufwand, er lockt an,“
Der brauchte nicht anzulocken, er hatte eine Praxis, die kamen also von selbst.
“er schlachtet, er frisst - und wird entdeckt.“ Na zuerst einmal Jahrzehnte schlachtet und frisst er unbescholten.
“Kurz, er betrügt nur sein Opfer, nicht eine ganze Gesellschaft.“ Natürlich betrügt er nicht nur seine Opfer, sondern auch die Gesellschaft, sein Umfeld, da steht nicht Kannibale auf der Stirn, die Figur stand einst inmitten der Gesellschaft (es gab ein vorher, vor der Zeit in der Zelle). Oder möchten Sie nachher hören, sie hätten bei einer Veranstaltung neben einem Kannibalen gesessen? Doch sein Ziel war nicht die Politik. Es versteht sich von selbst, dass hier die Gruppe der „Betrogenen“ größer wird. Doch wie man sieht, ist das kein Kriterium für Betrug abzustellen, die Größe der Gruppe, sondern es bleibt eher doch Tagesordnung. Und was heißt hier Betrug? Er hat nicht betrogen, zumindest nicht diejenigen, die an seiner Seite standen. Und auf das Volk trifft es nicht mehr zu, als durch andere Politiker auch (sie gehen doch jetzt nicht davon aus, man würde uns alles erzählen) … nur auch hier unterscheiden sich die Ziele … doch auch solche Ziele des Volkes.

ff.

Anonym 7. Februar 2012 um 18:18  

@A Reiser
„Ich würde sagen, das waren eiskalte, sachliche Rationalisten - ohne "Gefühlsduselei".“ Eben. Das ist die kurze, umgangsprachliche Umschreibung für einen Soziopathen, das zeichnet sie quasi aus. Wobei man hier einschränken muss, Gefühlsduselei auf sich selbst bezogen, denke ich an den Narziss, ist an der Tagesordnung … (ein Knopf, der bei anderen Handlungen auslösen soll … gerne die Drecksarbeit zu erledigen).
“Genauso wie heutzutage Topmanager ohne mit der Wimper zu zucken 10.000 Menschen entlassen,“ Jaha, wer sagt Ihnen es seien keine Soziopathen, in diesem Falle bevorzugt narzisstischer Ausprägung?
„Die Nazi-Denke und die kapitalistische Denke ist exakt dieselbe.“ Das ist gar nicht so verkehrt …

„Es geht um Nutzenoptimierung. Warum die Vergasungen? Logo, weil Handarbeit einfach zu ineffektiv und zu grausam war.
Die Kroaten betrieben ein KZ ("Auschwitz des Balkans") mit Handarbeit, das war selbst den SS-Leuten zu grauslich - sie beschwerten sich in Berlin über die balkanische Grausamkeit:“
Und schwupps, schon sind sie auf die „Narziss-Knopf-Gefühlsduselei“ hereingefallen, wie so viele.
Die anderen KZ waren alles andere, als weniger grausam. Dort gingen die „alltäglichen“ Grausamkeiten in der Regel nur voraus. Nur wer das noch überlebte (und das waren gar nicht so viele, die meisten dürften die „Selektion“ nicht erreicht haben), doch nicht mehr für weitere Quälerei taugte, wurde „nutzenoptimiert“ entsorgt. Wie bereits defektes „Spielzeug“, da gab es nichts mehr dran zu zerstören, deswegen dafür quasi uninteressant, also ab in den Ofen. Jetzt muss man mir nur noch erklären, was dran weniger grausam ist.

„Die Planer (z.B. Werner BEST) waren doch keine Sadisten, das waren kühl planende Intellektuelle.“ Sie waren vll. nicht direkt Sardisten, sie waren etwas anderes, Mitläufer, Profiteure und Trittbrettfahrer. Wenn sie ein angemessenes Gewissen gehabt hätten (was wir heute als gesund und ethisch korrekt betrachten würden), dann hätten sie es ja nicht getan. Nicht ein jeder erklärt sich dazu bereit, es gibt gar Menschen, die weiger(te)n sich, an so etwas zu arbeiten. Sadisten planen ihre Taten i.Ü. immer sehr kühl und genau. Wenn sie das nicht tun, fallen sie zu schnell auf (auffallen tun jene mit dem großen Aktionsradius früher oder später immer, auch die Nazis und Hitler blieben nicht verborgen). Doch weitaus die meisten, ganz alltäglichen Sadisten bleiben unerkannt. Und davon dehnt auch nicht jeder seinen Aktionsradius derart aus, wie sie nicht alle wirklich körperlich werden. Doch begrenzter Aktionsraum liegt nicht an der Charaktereigenschaft Sadist, sondern deckt sich mit den Aktionsradien der Normalen, die sind ebenfalls nicht alle breit aufgestellt.

"Gegenüber politischer Unbeherrschtheit oder Unklarheit vertrat Best stets die Haltung eines kühlen, zielgerichteten Rationalismus auf völkischer Grundlage, den er selbst als „Sachlichkeit“ verstand und der ihn durch seine Karriere trug.“ Ja eben! Besser lässt sich die Denke kaum beschreiben. Vll. sollten sie hierzu mal ein Fachbuch in die Hand nehmen. Sie verstehen sich alle als sachlich, mehr oder weniger und verkaufen, sich unter dem Logo des Rationalismus (etwas anderes steht ihnen auch gar nicht zur Verfügung). Und exakt das gleiche passiert heute auch, dazu nenne ich nur das Wort: „Alternativlos“. Sich nur auf das Ratio zu stürzen, gerne Rationalismus genannt, ist schon krank. Denn in einem gesunden Hirn müssen sich die Emotionen (die ja auch zuständig für unsere Skrupel und das Gewissen sind) die Waage halten und miteinander kommunizieren und abstimmen. Es reicht nicht aus, nur rational zu verstehen, was richtig und falsch ist ... Tut man das nicht, haben Sie ihren Soziopathen (verkürzt und pauschalisiert dargestellt).

Gruss
rosi

Anonym 7. Februar 2012 um 18:22  

@Hr.Reiser
Dann haben Sie mich falsch verstanden. Ich bestreite ja eben, dass Hitler die eine , einzige große Ausnahme war. Aber er gehörte auch nicht zu den Menschen, die sich im Bereich des „Normalen“ bewegen.

Wobei es natürlich schwierig ist, den Begriff „Normalität“ sauber zu definieren und abzugrenzen. Wenn Sie sagen dass unsere Gesellschaft an der Entfremdung des Menschen von dem von ihm geschaffenen Produkt krankt, dann bin ich ganz bei Ihnen. Aber es gibt einen großen Unterschied, ob der Arbeiter in der Fabrik steht und einen Krematoriumsofen bastelt, dessen Verwendungszweck er zwar erahnen kann, aber aus lebensnotwendigen Gründen lieber die Augen schliesst. Oder ob der Manager der Fabrik sich aktiv um eben diesen Auftrag bemüht hat, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln. Ersteren würde ich unter „Normal“ führen, Letzteren als zumindest bedenklichen Grenzfall einstufen.

Meiner Ansicht nach ist die Grenze dort zu ziehen, wo sich Menschen von den Grundwerten der Gesellschaft in der sie leben verabschieden. Wenn ihnen diese Werte, die das Fundament jeder Gesellschaft sind gewissermassen am A… vorbeigehen, weil sie der Ansicht sind, dass sie mit einem Herrschaftsanspruch geboren wurden. Und damit meine ich nicht unbedingt die gegenwärtigen Werte der westlichen Welt. Sie können sich weltweit und in allen Zeiten Gesellschaften anschauen wie sie wollen,jede Nation, jedes Volk, jeder Stamm, sogar teilweise Primaten existieren innerhalb eines bestimmten Wertesystems, das zwar sehr unterschiedliche Formen annehmen kann, dem aber der einzelne immer verpflichtet ist. Diese Art des Zusammenhaltes finden sie sogar bei einigen Tierarten. Grundlegend dabei ist immer der Wert „du sollst nicht töten“ „du sollst nicht quälen“. Ausnahmen aus kultischen Gründen, bzw. juristischen Gründen bestätigen diese Regel nur. Man darfalso davon ausgehen,dass es keinen Menschen gibt, dem dieser – ich möchte schon fast sagen „Instinkt“ – nicht in die Wiege gelegt worden wäre.

Trotzdem gibt es Menschen die sich aus der menschlichen Gesellschaft verabschieden, und ob das der mittelalterliche adlige Herrscher von Gottes Gnaden, der amerikanische Sklavenhalter ( der argumentierte dass seit Noah die schwarze Rasse verflucht sei), der GRÖFAZ mitsamt Gefolge ( der als Argumentationshilfe die seit der Aufklärung populäre Rassedoktrin benutzt) oder den modernen Spekulanten der schlicht sich auf die Ideologie der alternativlosen Wirtschaftszwänge beruft, sie alle zusammen WISSEN was sie tun und ihre jeweiligen Argumentationen sind nichts anderes als Maskerade.

Gerade wenn Sie sich auf die Gegenwart beziehen, dann brauchen Sie keinerlei Phantasie, um zu wissen, dass Umweltverschmutzung, Nahrungsmittelspekulation, Bankenzockerei, Ausbeutung der Arbeitnehmer nicht nur in Entwicklungsländern, Waffenproduktion und Verkauf derselben tödliche Folgen für Millionen von Mitmenschen hat. Sie brauchen keine Fantasie, weil diese Folgen vermittels TV und PC direkt in Ihrem Wohnzimmer zu sehen sind.

Ich wage sogar zu behaupten, dass es unter Hitler für die Masse der Bevölkerung schwieriger war, zu erkennen was wirklich abging. Wieviele haben denn tatsächlich ein KZ gesehen, wenn sie nicht gerade Insassen waren. Von daher ist es bis zu einem gewissen Grad verständlich dass der Otto-Normalbürger fein die Augen geschlossen ließ, wenn man seine jüdischen Nachbarn abtransportiert hat, denn er wußte ja nicht mit Sicherheit ob die Gerüchte wahr sind. Und solange sonst alles gut war, konnte man Hitler bewundern. Auch das ist menschliche Normalität, auch wenn es nicht schön ist.

Keine Normalität ist es allerdings, in einem KZ zu arbeiten oder zu „forschen“, dazu muß man wiederum ein Soziopath sein.

Anonym 7. Februar 2012 um 18:23  

Teil 2

Aber zurück zur Gegenwart: Auch ich denke, dass wir in einer Zeit leben, die für die gesamte Menschheit gefährlicher ist als alles was je dagewesen war. Wir leiden nicht nur an einem allgemeinen Werteverfall, sondern wir verlieren den Bezug zu unseren Basiswerten. Heute schliessen die Menschen nicht mehr die Augen aus Bequemlichkeit und Angst, sondern weil sie tatsächlich keinen Bezug mehr zum Wert des Lebens haben. Uns wird jeden Tag vor Augen geführt, dass Skrupellosigkeit zum Erfolg führt und zwar sowohl in der Finanzwelt als auch in der Politik. Unsere selbsternannten „Eliten“ akzeptieren keinerlei ethische Regel, alles wird auf dem Altar des Kapitals zum Opfer gebracht.

Die Masse wird zunehmend verdummt und mittels Mainstreammedien darauf getrimmt sich gegenseitig zu verraten und zu betrügen und zwar bis in die intimsten Bereiche. Die endlosen Vaterschaftstests, die sie bei den privaten Sendern schon um 7.00 morgens bewundern können, sind beileibe nicht nur der Quote geschuldet, sondern ein probates Mittel, auch noch die allerletzten bisher geschützten Bereiche menschlicher Beziehungen nachhaltig zu zerstören. Es soll nichts mehr bleiben, der Mensch wird jeglicher Ethik und Moral und notwendiger menschlicher Solidarität entfremdet, um ihn mißtrauisch , manipulierbar und damit hilflos zu machen. Solche Menschen bewundern auch noch den übelsten Verbrecher, der auf offener Strasse seine Mitmenschen abknallt, wenn er nur mit genügend Glanz und Gloria daherkommt. Schlimmer noch, man lechzt danach in seine Fußstapfen zu treten.

Diese Entwicklung ist aber nun nicht naturgegeben, sondern durchaus bis zu einem gewissen Masse gesteuert. Man möge mich jetzt bitte nicht der Verschwörungstheorie bezichtigen sondern darüber nachdenken, ob es nicht vielleicht ganz einfach wäre, gegenzusteuern. Da die Gegensteuerung aber nun nicht vorhanden ist, dürfen wir davon ausgehen, dass die derzeitige Entwicklung gewollt ist.

So und jetzt frage ich Sie in aller Direktheit: Wie wollen Sie diese Personen bezeichnen, die die Lebensgrundlage nicht nur von Millionen Menchen sondern weltweit zerstören? Ich würde ein solches Gehirn nicht „Normal“ nennen. Ich würde ein solches Gehirn als „Soziopathisch“ bezeichnen, allerdings nicht unter der Prämisse, dass ich es hier mit einer Krankheit zu tun habe, die man heilen könnte, sondern „Soziopath“ im Sinne einer Fehlentwicklung. Eine Kreatur, die zwar äusserlich aussieht wie ein Mensch, aber es vorgezogen hat , der Gemeinschaft der Menschen den Rücken zu kehren. Nicht etwa, weil sie an einer schlimmen „Krankheit“ „leiden“, sondern weil unsere prinzipielle menschliche Strukturierung es ihnen erlaubt, diese Entscheidung zu treffen. Und dafür gibt es weder eine Heilung, noch eine Entschuldigung, es hat vielmehr mit der Entscheidungsfreiheit des Menschen zu tun, ob er menschlich bleiben möchte oder die menschliche Gemeinschaft verlassen will.
Gruß, Babs

Anonym 7. Februar 2012 um 18:30  

@Babs
"Ja, ich kenne die Reaktion „Soziopath“ = krank= „nicht verantwortlich“. Aber das ist eine typisch deutsche-intellektuelle Sicht auf Schwerstverbrecher."

Deutsche-intellektuelle, das nehme ich jetzt mal als Einschränkung, denn ich verbinde mit Intellektualität, dass man den Dingen auf den Grund geht und notfalls mal in eine Wissenschaft einsteigt, die einem sonst nicht so liegt.

Unerklärlich, diese Barriere (relativ gesehen), mehr ungeheuerlich.

Ansonsten: Und dann stehen nachher die Menschen im Interview mit ihrem Mondkalbaugen und erzählen wieder, wie nett, ordentlich, gut angezogen und höflich dieser Mensch war, wie unauffällig die Familie doch wirkte, die Kinder so brav …nein, dass sich ein Monster dahinter verbirgt, konnte ja keiner ahnen.

Doch das war mitnichten das einzige, was sie an diesem Menschen bewunderten und alles nicht ahnten .… heimlich bewunderten sie noch etwas ganz anders, doch darüber sind sie sich zumeist nicht bewusst. Wie denn auch, will ja keiner wissen, ist nicht zielführend ... Blümchenwissenschaft ...

Warum auch immer, wieso man auf den Trichter kommt, man macht sie dann im Nachgang für ihre Taten nicht juristisch verantwortlich, entzieht sich meiner Logik. Denn bis jetzt hat man noch alle zur Verantwortung gezogen, wenn dies möglich war. Punkt.

Nach dem Nationalsozialismus war das vom Aufwand her schlicht nicht möglich und die Alternative (Ausrottung des deutschen Volkes) ethisch nicht korrekt. Doch es gab so einige, die hätten am liebsten mit und durch die Pathologie das ganze Volk gleich mit weggesperrt (von wegen Entlastung).

Aber mir wird immer deutlicher, warum man sie nicht erkennt. Ganz einfach, weil man sie nicht erkennen will und man will sie nicht erkennen, weil sie auch Verborgenes in uns zum Klingen bringen.

Anstatt mal in ein paar Bücher reinzuschauen, sich Profile von echten Soziopathen anzusehen (Literatur hierzu gibt es satt und genug) oder nur einmal ein paar bezeichnende Beschreibungen dazu zu lesen (Wiki tut es im Zweifelsfall auch), kommt man mir hier argumentativ mit Bauchgefühlen und hält das auch noch für Rationalität und/oder zielführend.

Nach vll. stimmt zumindest letzteres, so die Gesellschaft sich weigert, den Sozipathen zu erkennen. Dann ist mir im Zweifelsfall lieber, sie machen es irgendwie anders ... nur bis jetzt macht man es eben nicht anders. Ganz im Gegenteil.

Gruss
rosi

Anonym 7. Februar 2012 um 18:36  

Anonym 7. Februar 2012 18:03

roberto, don't feed the troll.


Wenn ich gemeint sein sollte, und er das so empfindet, dann kann er mir das sagen, kommentieren müssen, muss ich nichts.

Doch nicht ein jeder fühlt sich durch völlig andere Standpunkte belästigt (den ich gut begründet habe) und nicht ein jeder deklariert gleich damit jemanden deswegen zum Troll.

Herr De Lapuente ist durch seinen anderen Standpunkt für mich dadurch noch kein Blogger-Troll, sondern immer noch ein ernst zu nehmender Denker mit sehr guten Artikeln. Auch diesen Artikel fand ich Spitze; deswegen kann man in einzelnen Punkten trotzdem anderer Meinung sein.

Gruss
rosi

Roberto J. De Lapuente 7. Februar 2012 um 19:08  

ff, etwas weniger wäre etwas mehr. Erfüllt das Nachlegen und Nachlegen und Nachnachlegen von Kommentaren, nicht irgendwo den Tatbestand der Trollerei? Also, was zu sagen ist: sagen. Und dann etwas Abreaktion ;)

Anonym 7. Februar 2012 um 20:07  

Ich hatte eher den Eindruck, dass ich mit dem Troll gemeint war.

Nein, ich bin kein Troll und schreibe auch nicht oft. Allerdings gibt es Themen, bei denen man mich unweigerlich "am Halse hat" solange, bis ich meinen Standpunkt ausführlichst dargelegt habe, wobei ich auch mal gerne in eine Diskussion einsteige.


Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass Roberto nicht damit umgehen könnte.

Für heute ist es aber wirklich genug und dabei auch meinen Dank an Rosi für Ihre ausgezeichnete und ausführliche Analyse.

Gruß, Babs

Anonym 7. Februar 2012 um 22:09  

Vielleicht noch ein Link dazu

http://www.echo-online.de/freizeit/kunstkultur/literatur/-Vernebelt-verdunkelt-sind-alle-Hirne-von-Friedrich-Kellner;art639,2488572

Ein jeder hätte wissen können, wenn gewollt.
Und diese Tendenzen sind nicht neu, sondern wirken nach wie vor, werden sozusagen systematisch verbreitet, die Hauptaufgabe der Mainstream-Medien.
Ein jeder könnte wissen, wenn er sich nicht das Hirn vernebeln ließe, und so gesehen weisen auch heute nicht wenige Regierungsführer
narzisstische Züge auf, die im schlimmsten Fall auch Ausdruck psychopathischer Natur sein können.
Weiß jetzt nicht, ob richtig ausgedrückt, bin Laie auf dem Gebiet.

Beste Grüße
onlyme

Anonym 9. Februar 2012 um 06:50  

@Anonym 7. Februar 2012 22:09

Danke für den Literatur-Tipp. Mir sagte das Tagebuch von Friedrich Kellner überhaupt nichts. Bisher war mir nur Victor Klemperers "Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten" bekannt.

Anton Reiser

Anonym 24. September 2012 um 11:38  

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