Wieder nur schreiben lassen

Montag, 5. Dezember 2011

Er kann es einfach nicht lassen. Nachdem der Freiherr aus dem Amt schied, über den Atlantik machte, kündigte er noch an, er wolle sich nun an einem Buch üben. Die Vakanz von der Politik würde er nutzvoll verwerten, um ein Buch zu schreiben. Polemiker fragten daraufhin: selbst schreiben oder selbst denjenigen bezahlen, der ein Buch für ihn fertigstellt? Einige Monate ist das nun her und siehe da: sein Buchprojekt entblößt sich als ein lahmes Interview, das man zwischen zwei Buchdeckel band - und er hat sich nicht mal selbst interviewt, sondern sich einen erzkonservativen Journalisten engagiert. Seine damalige Ankündigung, abermals ein Betrug - er wird wohl nimmermehr selbst den Füller schwingen...

So übt sich das gegenwärtig "größte politische Talent" dieses Landes im Comeback. Und der Klappentext "seines" Buches prägt dieselben leeren Worthülsen, die auch er einst fabrizierte. Schon alleine die Aussage, der Freiherr sei das "größte politische Talent": was will man damit eigentlich aussagen? Was hat er geleistet? Eloquent eingeschläfert - feiner Zwirn, teure Brille - penibel gebundener Windsorknoten. Reicht das aus, um das "größte politische Talent" zu sein? Über den "schlechten Zustand der deutschen Politik" spricht er auch, verspricht der Klappentext. Als ob er der Erlöser aus diesen Zuständen wäre. Ausgerechnet einer, der in allen seinen politischen Positionen für Skandale und Affären gesorgt hat.

Der Windsorknoten bleibt erstmal im Schrank hängen, denn der Freiherr stiert im offenen Hemdskragen von der Klappe. Er stiert wie eine Mischung aus einem gealterten Markus Lanz und einem urplötzlich seriös mimenden Lothar Matthäus von "seinem" Buch. Er stiert visionär vor sich hin, wie einer, der mitteilen möchte, dass er zukünftig noch etwas vor hat. Ohne Krawatte, mit aufgeknöpften Kragen, will sagen: Anpacker, Macher, kein Schnösel, einer von euch. Die Bildsprache des Freiherrn gibt Auskunft über seine Absichten. Der Titel ja auch, denn der Herr ist nur "vorerst gescheitert" - erstmal habe er den Kürzeren gezogen, später sieht es wieder anders aus. Der Klappentext spricht über die "Voraussetzungen für die Rückkehr eines immer noch enorm populären Politikers" - die sollen nun mit dem Buch geschaffen sein, welches der erzkonservative Journalist dem adligen Herrn geformt hat.

Als Minister eine leere Worthülse, ein Sprücheklopfer. Als er sich aus den Affären stahl, als seine Bundeswehrreform als unzureichend entblößt wurde - dann natürlich, als er seinen Doktor in Auftrag gab. Selbst sein politischer Abgang, als er uneinsichtig wich und großkotzig ein Buch in Aussicht stellte, welches nun mit diesem windigen Stück aufgeblasenen Interviews abgegolten sein soll. Ein zuweilen blendend aussehender, Menschen blendender Maulheld letztlich - das ist es, was er kann. Ist es das, was einen zum "größten politischen Talent" macht? Und schreiben läßt er - in seinen Kreisen schreibt man nicht mehr selbst, man hat Gesinde. Ghostwriter und willfährige Journalisten. Journalisten wie Lorenzo, der Guttenberg nicht zurückgetreten sehen wollte, als die Bandbreite des Beschisses schon auf dem Tisch war. Oder er läßt Biographien schreiben von seiner adligen Sippschaft, verkündet dabei, er sei nicht angetan von der Biographie, öffnet aber der Autorin, Anna von Bayern (ist das ein Nachname oder der rudimentäre Versuch einer Anschrift?), sein privates Fotoarchiv. Selbstinszenierung - die Arbeit sollen andere machen.

Dass er eine neue Partei gründet, hat er nie versprochen. Andere haben sich das von ihm versprochen. Alleine diese Gefahr dürfte nicht bestehen. Er gründete keine - wenn überhaupt, dann würde er gründen lassen. Sein Gesicht böte er an. So hat er es immer gemacht. Verwaltungsbeamte erledigten das Tagesgeschäft in den Ministerien - Guttenberg gab sein Gesicht; beim aktuellen Buch: er spendierte sein Gesicht, zum Selberschreiben hatte er keine Lust; seine Doktorarbeit zierte auch nur sein Gesicht. Wenn aber Affären aufkeimten, dann entzog er sein Gesicht ganz schnell wieder. Schließlich wollte er sein Gesicht wahren. Dieser Kostgänger ist keine Gefahr - er macht ärgerlich und seine Dreistigkeit macht stutzig; ebenfalls seine Jünger und deren publizistische Hurerei. Aber ansonsten kein Grund zur Sorge - Guttenberg bringt alleine nichts fertig.



15 Kommentare:

Anonym 5. Dezember 2011 um 12:46  

.........nach dem GRÖ F AZ.....kommt jetzt der GRÖ P AZ...

Anonym 5. Dezember 2011 um 12:50  

Der Charakterisierung Guttenbergs stimme ich weitgehend zu, nicht jedoch der Einschätzung, dass von ihm keine Gefahr ausgehe; wobei die Gefahr nicht so sehr von ihm ausgeht, sondern er in der Gefahr, in der wir uns befinden, eine Schlüsselposition hat. Es ist sicher spekulativ, aber mein politischer Instinkt sagt mir schon seit der ersten Erscheinung dieses Herrn als Minister, dass die Machthaber und deren Schreiberlinge mit diesem Mann größeres vorhaben. Nun ist ihnen die Doktorarbeit dazwischen gekommen, aber dank der Schwäche der linken Kräfte können sie auch aus dieser Not eine Tugend machen und Guttenberg im intellektuellenfeindlichen Teil der Bevölkerung als den "Macher" präsentieren der es den akademischen Schnöseln mal so richtig gezeigt hat und vor dessen Wiederkehr auch das politische Establishment so richtig zittert. Guttenberg könnte das Gesicht eines sich bei Verschärfung der Krise nochmals neu dimensionierten Rechtsrucks werden, dessen geistige Väter Figuren wie Henkel, Broder,Sarrazin etc. sind. Seine jetzt intensivierte "transatlantische" Vernetzung ist dabei übrigens sehr von Vorteil.
Ich male mal schwarz, in der Hoffnung getäuscht zu werden: Guttenberg wird in den nächsten Jahren in einer Volksabstimmung, verbunden mit einer Währungsreform, mit Sondervollmachten ausgestattet.

Stephan 5. Dezember 2011 um 13:05  

das Kapital hat am Wochenende durch seinen Verweser Monti, der italienischen Arbeiterklasse den Krieg erklärt. Die italienische Arbeiterklasse soll wie die Grieschiche vernichtet werden.

Arbeiten bis zum Tod für einen Hungerlohn unter Drohung von Arbeitsplatzentzug, Zwangsarbeit (Hartz4), stofflicher Verwertung (Organspende)…

das Nächste von TINA ist die energetische Verwertung in Öfen der Marke Auschwitz, auf dass die reichen keinen kalten Arsch kriegen…und der neue Kommandante steht schon am Start......diesmal das Original

Berggeist1963 5. Dezember 2011 um 13:06  

Ich weiß nicht, ich weiß nicht...Unterschätzen oder gar abschreiben sollte man diesen Herrn wohl lieber nicht zu frühzeitig. Ich frage mich sowieso schon länger, wieso er, der es (rein finanziell betrachtet) doch gar nicht nötig hat, dermaßen erpicht auf eine Politikkarriere ist. Ist das bei ihm wirklich nur reines Geltungsbedürfnis, Befriedigung eines krankhaft übersteigerten Egos, Mediengeilheit etc.? Handelt(e) er aus eigenem Antrieb oder hat er evtl. Hinterleute, die ihn "anschubsen"? Ist er ein eigenständig denkender und handelnder Mensch oder hat er eine wie auch immer geartete Mission zu erfüllen?

Zumindest Teile unserer "Leit- und Qualitätsmedien" werden ihn schon wieder hochschreiben und -senden. Seine Fans huldigen ihm sowieso immer noch in Treue fest und seine Groupies kreischen in Talkshows hysterisch "Er ist kein Betrüger!" und "Unser Land braucht ihn doch!".

Und eines Tages werden die Rufe nach ihm so laut sein - ob nun von einer von anderen neu gegründeten Partei, seinem "Stammverein", den Medien, Hänschen und Lieschen Müller oder von allen gemeinsam im Chor, - dass er als Lichtgestalt und Heilsbringer diesen Rufen folgen wird, ja einfach folgen muss. Er muss da gar nichts selbst können oder machen, das wird dann schon alles von anderen für ihn erledigt werden. Erst mal in höchsten Ämtern und Würden erledigt er dann schließlich uns.

Anton Chigurh 5. Dezember 2011 um 14:21  

Ich denke, es ist eine Menge dran, was der Berggeist1963 da formuliert hat. Unterschätzen darf man diesen fränkischen Lackel auf gar keinen Fall. Dieser Fehler wurde in den 20er Jahren mit einem Herrn Schicklgruber auch gemacht, den nahm zur rechten Zeit auch keiner Ernst und nachher wurde daraus das bislang größte Desaster der Menschheitsgeschichte.
Der Wiedergänger aus Guttenberg hat eine Mission. Nicht wenige vermuten, dass ultra-konservative Kreise in den USA ihn programmiert haben um mit seiner Hilfe gewaltige Schweinereien anzustellen. Hier hat er schon willfährige Helfer und die Gefahr besteht, dass KTG im richtigen Moment an eine entscheidende Position gehievt werden könnte.
Jetzt unmittelbar mag er keinen Schaden anrichten, aber steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn man sich im politischen Alltag wieder an seine Anwesenheit gewöhnen muss, verflüchtigen sich möglicherweise die Erinnerungen an seine bisherigen "Heldentaten".
Noch ist er ein armseliger Pimpf, der mit seiner Schauspielerei bei einfältigen Bäckereifachverkäuferinnen feuchte Träume auslöst. Aber wenn man immer und immer wieder diesem Scharlatan eine Bühne bietet, kann das u.U. auch bald wieder anders aussehen.
Und derweil ist ja noch der Showmasterposten bei "Wetten Dass" vakant, quasi als Nachfolger von Thomas Schrottschalk...

Anonym 5. Dezember 2011 um 15:39  

Ich hoffe sehr, dass es kein Comeback des Freiherrn geben wird, fürchte aber, dass es passieren könnte (es sind ja offenbar genug einflussreiche Medien etc. an ihm interessiert). Und ich halte KTG für eitel und dumm genug, um sich vor jedweden Karren spannen lässt, der ihm Einfluss, Macht, Anerkennung verspricht, der ihm eine Bühne bieter, im Zweifelsfall auch vor den polulistischen, rechtsgerichteten Karren. Und dann wäre er sehr wohl gefährlich, weil er das massentaugliche, scheinbar harmlose Gesicht für die neuen Rechten geben könnten, der die Politik in pompösem, verschwurbeltem Nebel des ungefähren verpacken kann.

Keine weiß doch, wofür Guttenberg inhaltlich steht (wie auch das Buch, das Du verlinkt hast, sehr schön belegt), außer dafür, dass er sich selber toll und "Werte" wie "Anstand, Verantwortung" etc. wichtig findet (und die Verpackung - also, dass man "gute Figur macht", was immer das heißen mag). Er hat schon das Zeug zum Demagogen, gerade weil er inhaltlich so schwammig ist und so nach Anerkennung und Aufmerksamkeit giert, dass er leicht manipulierbar ist.

Aber ich hoffe sehr, dass ich mich irre.

Anonym 5. Dezember 2011 um 18:07  

Ich halte eher einen eitrigen Furunkel an meinem Hinterteil aus, als diese aufgeblasene Knallschote in der deutschen Politik.

Anhänger des 04.08.1789

Frank Benedikt 5. Dezember 2011 um 19:30  

Ist das Ironie, dass dieser Artikel über Guttenberg sich inhaltlich rein von bereits anderswo geschriebenen Artikeln zu dem Thema bedient? :)

Roberto J. De Lapuente 5. Dezember 2011 um 19:39  

Ja, ist es. So wie es Ironie ist, dass Du gar nichts zu nichts schreibst ;)

Bademeister 5. Dezember 2011 um 19:46  

Schade dass nicht dort Geborene in den USA nicht für's Präsidentschaftsamt kandidieren können. Ansonsten hätte der Dr. No der deutschen Politik glatt dauerhaft emigrieren und für die Republikaner antreten können.

Neben steinreich-merkbefreiten Dünnbrettbohrern wie Gingrich, Perry oder Romney würde er sich wie zu Hause fühlen.

Unterschätzen würde ich ihn ebenso nicht, da stimme ich den Vorpostern zu. Auch der Mann aus Braunau war bekanntlich schon einmal am Boden, Manche wähnten ihn bereits am Galgen - sechs Monate Landsberg später war er wieder da und begann in der Provinz den langsamen und planvollen Wiederaufstieg der ihn zehn Jahre später an die Spitze unseres Landes führte.

Dass dieser Betrüger überhaupt noch eine derartige Medienresonanz erzeugen kann - praktisch tägliche Meldungen auf allen Leitmedien, Vorabdruck des Buches etc. - zeigt doch dass ihn die entsprechenden Kreise noch nicht fallen gelassen haben.

W.Buck 5. Dezember 2011 um 20:30  

So viele Worte um so einen kleingeistigen Blender. Also lasst mich auch noch was los werden:

Zitat "..feiner Zwirn, teure Brille - penibel gebundener Windsorknoten. Reicht das aus, um das "größte politische Talent" zu sein?"

JAWOHL! Soweit ich weis hatte der Herr als minister immer einen quasi hofeigenen (also von ihm persönlich bezahlten) Fotografen dabei, der die bekannten Bilder (Gutti in NY, Gutti als Feldher unter seinen Soldaten im Flieger...) inszenierte. Das ist tausend Mal effektiver als irgend ein intelligentes Interview irgendwo in der FAZ!
Wenn Her Von und Zu seine Inszenierung weiter so professionell vorantreiben lässt hat er gute Chancen auch in Zukunft politisch am großen Rad zu drehen. So ist es halt in unserer Mediendemokratie.

Zu seinem Motiv über das ja schon Berggeist1963 rätselt: ich bin der Meinung er möchte seinem Vater (der ihm immer als Übervater erschien) zeigen was er kann. Ich fürchte Guttenberg "tickt" da so ähnlich wie G.W.Bush, nur das er einiges mehr an Grips und Erziehung hat. Eine Mischung die durchaus noch gefährlich werden könnte!

Lebowski 5. Dezember 2011 um 23:07  

Leute, ist doch eigentlich ganz einfach mit Guttenberg: Wenn dieser BLENDER und GuttiGutti-BILD-Zeitungs-Liebling jemals wieder in politische Ämter kommt, dann hat die parlamentarische Demokratie versagt! Punkt! :(

BoleB 6. Dezember 2011 um 08:47  

@Lebowski: das ist sie eh schon, die parlamentarische Demokratie.

Ansonsten finde ich ist jedes geschriebene Wort über den Kerl eins zuviel, selbst schreibt er ja zum Glück nicht so viel. Sicher ist der gefährlich und kann noch viel gefährlicher werden, aber derzeit gibt es doch wirklich noch grössere Gefahren zu meistern.

"Anna von Bayern (ist das ein Nachname oder der rudimentäre Versuch einer Anschrift?)" Wie sagt man im Englischen so schön: You made my day, vor allem wenn ständig - auch hier leider - von Freiherrn, Baronen und Prinzessinen geredet wird, die es allesamt gar nicht mehr gibt. Und im ÖR-TV so Sendungen wie "Von und zu lecker" mit Untertanengeld produziert werden. Some things never change, Marjorie.

Bademeister 6. Dezember 2011 um 11:59  

Wir hätten es mal wie die Österreicher nach WK I machen sollen - einfach das Führen von Adelstiteln verbieten. Dann wäre er nicht Freiherr / Baron von und zu, sondern einfach Karl-Theodor Guttenberg.

Bei so einem banalen Namen klingeln Hausfrauen- und Schwiegermutterherzen dann gleich weniger beschwingt.

der Herr Karl 6. Dezember 2011 um 15:10  

Das mit der Brille ist wohl passé - er brauchte nie eine.
Ansonsten schöner Text.

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