Alle Verantwortung der NPD?

Donnerstag, 24. November 2011

Jetzt wird die NPD fokussiert. Und flugs ist die Problematik, wie rechte Gewaltbereitschaft entsteht, wer sie herbeizündelte, schon wieder vom Tisch. Sie wird in die Nische des Extremismus gebannt. Soll die NPD doch die Alleinschuld tragen - und dann schnelles Parteiverbot und alles wird gut. Einfache Mechanismen, die den Diskurs nicht fruchtbar gestalten, ihn dafür allerdings abwürgen.

Mitgefühl braucht die NPD nicht. Ein Parteiverbot scheint vernünftig - man verdrängt damit aber die Denkmuster jener Gesellen nicht. Das ist aber durchaus unerheblich, denn Brandstifter war und ist nicht nur jene Partei. Das ist nur die derzeit offizielle Wahrheit, die von der Berichterstattung abgesegnet und damit auch erst wirklich zur wirklich wahren Wahrheit gemacht wird. Entrückt ins Extremistische, aus Sicht der bürgerlichen Mitte: entrückt irgendwo ins geifernde und eiferische Transzendente, wird die geistige Vorarbeit der NPD alleine in die Schuhe geschoben.

Vergessen, dass es eben nicht ausschließlich die NPD oder andere Duodez-Nationalparteien waren, die Anfang der Neunzigerjahre, im megalomanischen Taumel der vereinten Deutschländer, auf Ausländerjagd und Asylantenfang gingen. Das waren Affekte aus der bürgerlichen Mitte heraus. Applaus von Zuschauern ohne Springerstiefel, Ausländer raus!-Rufe von stinknormalen Bürgern.
Vergessen, dass es eben nicht die Initiative der NPD war, das Asylrecht zu überarbeiten. Das taten die Christdemokraten mit Anhang, später übernahmen es die Sozialdemokraten mit ihrem Anhang anstandslos. Das deutsche Asylrecht, diese durch Grundgesetz verordnete Farce um Drittländer und Abschiebungserleichterungen, es wurde zum Modell für die europäische Asylpolitik. So galt Libyen als Drittstaat, gleichwohl dort Flüchtlinge inhaftiert, gefoltert oder in der Wüste ausgesetzt wurden. Später sprachen bekannte Sozialdemokraten von Auffanglagern in Nordafrika.
Vergessen, dass seit geraumer Zeit Stimmen den öffentlichen Diskurs diktieren, die von rassischen Merkmalen sprechen, als seien sie der Wissenschaft letzter Clou. In Gefechtsstellung: bestimmte Sozialdemokraten! Sie vergifteten das Klima, sie schürten Verächtlichkeit gegen Ausländer und spalteten die Gesellschaft. Gut, die NPD applaudierte dabei. Aber das tat der Blätterwald auch. Verbieten wir den auch gleich?

Stichproben nur. Aber sie untermauern, dass das gesellschaftliche Klima auch ohne NPD auf Xenophobie und Chauvinismus getrimmt wurde. Sie hat Beifall gespendet, sie hat gefordert - aber die Ereignisse und Debatten bestimmt hat sie nicht. Man hat die NPD überhaupt nicht gebraucht. Entschuldigung, das war vorschnell. Natürlich braucht man die NPD - vielleicht auch ein Grund, warum man sie V-Männer-gestützt am Leben hält und sie nicht endlich einschläfert. Wer, wenn nicht diese Partei, soll denn dann als das deutsche Gesicht der Ausländerfeindlichkeit herhalten? Als die gestrige Fratze, die das heutige Deutschland eifrig bekämpft? Um selbst nicht zu hässlich zu sein, braucht es noch hässlichere Gesichter: das ist die Aufgabe der NPD. Oder soll etwa diese Rolle die SPD übernehmen, am Steuer der springergesellige Messias? Oder bekennt die Union, dass auch sie geistige Brandstiftung leistete? Oder etwas Leichenschändung? Schiebt man den Freien Liberalen die Verantwortung für das vergiftete Klima zu?

Das alles ist kein Plädoyer auf die NPD. Aber so einfach, ihr nun eilends die geistige Verantwortung hinzuschieben, kann man es sich nicht machen. Dass man von Ausländern und dabei von einer ganz bestimmten Sorte von Ausländern, von Muslimen nämlich, spricht wie von Ballast: das ist doch nicht auf dem Mist der NPD gewachsen. Die finden das natürlich gut. Aber die Affekte gegen Fremde, die stammen direkt aus der bürgerlichen Mitte. Taten sie damals - tun sie heute...



13 Kommentare:

MKM 24. November 2011 um 09:17  

Ich habe da gestern was über den neuen alten gegner gelesen

http://jacobjung.wordpress.com/2011/11/22/schuld-am-rechtsextremismus-die-linke/

landbewohner 24. November 2011 um 09:32  

selbstverständlich wird die npd gebraucht. wie sonst sollten sich die "aufrechten demokraten" der etablierten denn sonst gegen den rechtextremismus empören können?

hercule 24. November 2011 um 09:46  

Nein, verbieten sollte man die NPD nicht. Wenn wir wirklich eine Demokratie haben, dann muß diese das aushalten. Parteien sind auch ein Spiegelbild der Gesellschaft, und Recht-Außen-Parteien gibt es in ganz Europa. Viel schlimmer sind die klammheimlichen Sympathisanten in Behörden und Justizapparaten, oft aus honorigen Seilschaften wie den (schlagenden) Verbindungen. Bei vielen schlägt das Herz stramm rechts, und die wählen CDU, FDP und spätestens seit dem Genossen Sarrazin auch gerne mal SPD.

Anonym 24. November 2011 um 09:55  

"Später sprachen bekannte Sozialdemokraten von Auffanglagern in Nordafrika." Die haben auch Namen und Gesichter: Oskar Lafontaine befürwortete in der taz am 25.6.2005 Auffanglager für Flüchtlinge in Nordafrika.

Bernd Kudanek 24. November 2011 um 10:26  

"Aber die Affekte gegen Fremde, die stammen direkt aus der bürgerlichen Mitte. Taten sie damals - tun sie heute..."

Lieber Roberto, nicht nur "die Affekte gegen Fremde" stammen aus der sogenannten bürgerlichen Mitte. Sondern auch viele schlimme Taten und sei es bloß als Mitläufer und/oder als sich über schlimme rassistische Taten klammheimlich Freuender...

Anonym 24. November 2011 um 11:21  

"Vernünftig" ist ein Verbot aller Parteien, die grundgesetzwidrig dem Finanzfaschismus anhängen. Soviel zum Thema "Vernunft"...

Anonym 24. November 2011 um 12:47  

In den '90ern gab es noch Lichterketten gegen rechte Gewalt. Das ist jetzt vorbei.

Anton Chigurh 24. November 2011 um 14:56  

Aber Roberto !
Das ist doch sooo schön einfach !? Die minderbemittelten Witzfiguren von der NPD haben zweifellos die Alleinschuld and den diffusen Vorgängen, die von der "Zwickauer Zelle" ausgingen ! Der Verfassungsschutz und ähnliche Staatsbanditen haben damit ja sowas von gar nichts zu tun ...
PAPPERLAPAPP !!
Wieder einmal darf nicht herauskommen, was Verfassungsschutz/BND/Kripo und andere Instanzen dieser "Demokratie" im Namen der "Sicherheit" für perverse Spielchen getrieben haben und wer bitteschön stellt einen besseren Sündenbock dar als diese Reservefaschisten von der NPD ?
Immer schön ablenken !
Ein NPD-Verbot bringt gar nichts, schlimmstenfalls eine Verstärkung der ohnehin schon latent vorhandenen Sympathie von hirnlosen Revanchisten und sogenannten Ordnungsbürgern.
Günter Wallraffs Reportage über seine Erlebnisse als dunkelhäutiger Asylant in Deutschland ist der eindeutige Beweis für die moralische Verkommenheit von großen Teilen der deutschen Bevölkerung. Mit einfachsten Mitteln hat er bewiesen, was in Michels Hirn vorgeht, wenn er einen anders aussehenden Menschen vor sich hat. Ein Verbot der NPD ist da so effektiv wie Staubsaugen in der Wüste.
Die wahre Sauerei wird aber nicht aufgedeckt, weil in der Tat diese Morde wegen nationaler Interessen gedeckt, verschleiert und verschwiegen wurden. Das drohte herauszukommen und deswegen tischt man jetzt Räuberpistolen auf und die Springer-Leser kaufen diese Nummer !
Der Verfassungsschutz gehört aufgelöst, weil er die Demokratie im Staat schlichtweg behindert. Immer wieder wird dieser monströse Kostenträger dazu verwendet, politisch unbequemen Gruppierungen das Leben schwer zu machen und interessengelenkte Handlungen zu legitimieren, die gegen das Grundgesetz verstoßen !
Eine lebendige und gesunde Demokratie muss Hampelmänner wie die NPD aushalten können. Man bekämpft diese Hinterweltler mit Argumenten, die in sich schlüssig sind und nicht mit bezahlten V-Leuten, die aus Selbsterhaltungswillen Märchen erzählen !

Roberto J. De Lapuente 24. November 2011 um 17:25  

Später sprachen bekannte Sozialdemokraten von Auffanglagern in Nordafrika." Die haben auch Namen und Gesichter: Oskar Lafontaine befürwortete in der taz am 25.6.2005 Auffanglager für Flüchtlinge in Nordafrika.

Ja, das hat er gesagt und das ist unbestreitbar dumm. Aber wenn schon Namen, dann nicht nur Lafontaine, um Linken-Bashing zu betreiben. Dann nenne man auch mal den Biometriepass-Onkel...

antiferengi 24. November 2011 um 19:07  

Das ist wie gegen Wände reden. Der Sumpf sucht sich sein Symbol, um von sich selber abzulenken.

Anonym 25. November 2011 um 14:40  

@ anton chigurh:

günther walraff beweist mit der aktion als "dunkelhäutiger" erst mal nur die typisch weiße arroganz. wie kommt einer dazu, sich schwarz anzupinseln und dann menschen über eigens erlebten rassismus zu unterrichten?! nicht etwa, dass eben die wahren opfer von rassistischen sprüchen eher die ahnung von dem thema haben, nein. da muss sich erst ein Weißer dem thema annehmen. sicherlich hatte er "nur gutes" im sinn, arrogant bleibt es dennoch. zumal die oma es auch nicht böse meint, wenn sie ein Schwarzes kind als "süßes schokobaby" bezeichnet. das ist eben sozialisierter rassismus, arrogant, weil eben nur Weiße das recht haben zu kategorisieren. von solch gut gemeinten taten sollte man durchaus absehen und ihnen kritisch gegenüber stehen. ansonsten ein guter artikel, roberto

Anonym 25. November 2011 um 18:04  

Wie soll ein Volk anders reagieren als beschrieben, dem man seit fast 150 Jahren die Idee eingetrichtert hat, es sei ein Herrenvolk? Das kommt ja nicht aus dem Nichts, das ist tief verinnerlichtes Denken in den deutschen Köpfen, egal, ob unter Bismarck oder Willem II., unter Ebert oder unter dem Nazipack. Und jetzt tut Merkel mit ihrer Euro-Wurschtelei auch noch das Ihrige dazu: Am deutschen Wesen muss die Welt einfach genesen, sonst knallts nämlich. Und ein 1945 konnte dieses Denken natürlich nicht beseitigen, zumal die Würdenträger des Nazireichs in der BRD schnell wieder oben schwammen. Und darauf kann die NPD mit Leichtigkeit aufbauen. Wer ist schuld an dieser Misere? Sie haben natürlich recht, wenn Sie sagen,
dass mit einem Verbot der NPD noch gar nichts getan ist. Aber solange sie legal ist, gilt sie als salonfähig, und jeder, der zu ihr stößt, ist sich keiner Schuld bewusst, sie gilt nicht als anrüchig. Die Politik tut ja auch alles, sie wie jede andere "normale" Partei zu behandeln, und wie man hört, wird sie anständig auch finanziell gefüttert. Muss ich das Potsdamer Abkommen der vier Siegermächte bemühen, die den Deutschen jegliche faschistische Organisation verboten hatten? Wer konnte sich nach diesem Weltverbrechen überhaupt vorstellen, dass es jemals wieder eine Nazipartei geben würde? Es ist schändlich, dass diese Partei überhaupt existiert, und deshalb muss sie unbedingt verboten werden. Zum Schluss möchte ich in diesem Zusammenhang an etwas erinnern: Der bundesrepublikanische (Verfassungs)-Feind steht offiziell nicht rechts, er steht immer nur links. Das ist offizielle Politik. Und wenn wir uns heute darüber wundern, dass der Verfassungsschutz solch ein prächtiges Verhältnis zu einer Nazipartei hat, muss man wissen, dass das seine Ursachen hat, nicht allein in der Nazivergangenheit der Organisatoren des Verfassungsschutzes, sondern in dieser Doktrin: Der Feind steht links. Rechte können danach eben keine Feinde des Staates sein, das sind die ganz normalen Deutschen - denn sonst müsste man halb Deutschland einsperren. Und anfangen müsste man ja nicht ganz unten, denn wie Sie völlig richtig schreiben, haben die "seriösen regierenden Parteien" unter anderem auch das neue Asylgesetz ausgekungelt. Und sie waren sich dabei breiter Zustimmung in der deutschen Bevölkerung sicher. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Anton Chigurh 28. November 2011 um 23:26  

@ anonym, 25.11. 14.40h

Das ist kompletter BULLSHIT.
Was macht es für einen Unterschied, ob sich ein mutiger "Weißer" schwarz anpinselt um dem Dumpfbackenvolk sein widerliches wahres Gesicht zu entlocken, oder ob es ein Mensch mit richtiger, dunkler Hautfarbe tut ? Was - bitteschön - hat das auch nur im Entferntesten mit Arroganz zu tun ??
"Unterrichtet" hat Wallraff niemanden, nur dem hirntoten Michel vor Fussballstadien und in Kneipen ihre Furcht entlockt vor Menschen, die nicht so aussehen wie sie selbst. Die Furcht davor, dass "so einer" hier herkommt, um den hier beheimateten irgendetwas "wegzunehmen". Das war vor 50 Jahren mit den ersten Gastarbeitern so, das ging weiter mit asiatischen Studenten in der ehemaligen DDR und heute sind es Asylsuchende, die "den Deutschen" Frau, Arbeitsplatz oder sonstwas wegnehmen könnten. Im Prinzip scheint diese Angst auch in Dir verankert zu sein, habe ich das Gefühl....

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