Erst löschen, dann Pläne zeichnen

Dienstag, 11. Oktober 2011

Der vielleicht perfideste Trick neoliberaler Wadenbeißer ist es, die Kritik an ihrer Ideologie, die sie für keine Ideologie ausgeben, mit der Alternativlosigkeit abzuwiegeln. Indirekt geben sie dem Kritiker recht, geben aber sofort zu bedenken, dass es wahrscheinlich immer noch "die beste aller möglichen Welten" ist, in der wir leben. Wer keine Vision davon hat, was nach dem Neoliberalismus kommt, so erklären sie inquisitorisch, der soll auch nicht kritisieren.

Probleme lösen, die geschaffen wurden, um nur im neoliberalen Rahmen lösbar zu sein!

Solange man kein Patentrezept, kein "anderes Modell, in einem fertigen Ersatzteil-Set, das Versprechen einer ganz neuen, sauberen, garantiert schlüsselfertigen Gesellschaft" (Viviane Forrester) besitzt, soll man an der Problemlösung mitarbeiten, die sich innerhalb des Neoliberalismus befinden - sie sagen es natürlich nicht so, weil sie das N-Wort nicht verwenden. Sie sprechen auch nicht von System oder Ideologie; sie bauen auf der Prämisse, die doch jeden vernünftigen Menschen einsichtig sein sollte, nämlich dass Profit zu unser aller Wohlstand gemacht werden muß - viel Profit, sehr viel Profit, noch mehr Profit. Die unerwähnte Prämisse, die sie, falls sie sie überhaupt beim Namen nennen, auf Realpolitik oder Sachzwang taufen, sie wird Kritikern als Naturgesetzlichkeit untergejubelt. Sie raten daher, produktiv innerhalb der Grenzen zu kritisieren; realistisch sein, nicht utopisch: Probleme lösen in der Gesellschaft wie sie ist - nicht daran denken, wie sie sein könnte. Dabei löst man Probleme alleine, die vom Neoliberalismus geschaffen wurden, um in seinem Rahmen, mit seinen Instrumenten gelöst zu werden. Probleme, die den "ihnen zugedachten Lösungen entsprechen" (Forrester) sollen.

Das Gerüst, in dem die spekulative und auf Profit reduzierte Ökonomie abläuft, ist sakrosankt. Wer am Gerüst wackelt, gilt als radikal - was zutreffend ist, stammt das Radikale doch etymologisch von radix, von Wurzel oder Ursprung. Radikale Fragen ziemen sich jedoch nicht. Antworten können nur Fragen aufwerfen, die nicht radikal an den Grundpfeilern rüttelten. Wie können wir die Spekulativ-Wirtschaft mäßigen?, hat als Frage eine Antwort verdient. Ist es nicht pervers, die reale Wirtschaft, die real geleistete Arbeit von Menschen an spekulative, ja virtuelle Zahlen zu knüpfen?, darf nicht beantwortet werden. Wie bekommen wir die Arbeitslosenstatistik in den Griff?, ist eine gewollte Frage. Wie wird sie berechnet und zu welchem Zweck belügen wir uns mit ihr selbst?, ist ein Frevel. Wie kann man erwerbslos gewordenen Personen durch workfare tägliche Strukturen und Ordnung vermitteln?, verdient anerkennendes Nicken. Ist workfare nicht ein nettes Modewort für Zwangsarbeit? Kann man es als tägliche Struktur bezeichnen, wenn man für eine Mehraufwandsentschädigung mehr Arbeit tun muß, als andere, die für weniger Arbeit einen wirklichen Lohn erzielen?, dürfen als Fragen nicht mal gedacht werden.

Brennt ein Haus, so zeichnet man nicht schon die Pläne für ein neues Haus: man löscht!

Manchmal haben auch die Vertreter des Neoliberalismus einen gnädigen Moment. Dann erlauben sie solcherlei Fragen, auch wenn sie sie nicht für richtige Fragen erachten. Sie zeigen sich nicht so großmütig, weil sie den Meinungspluralismus lieben. Sie sind es, weil sie den Fragensteller lächerlich machen wollen. Keine Spekulativ-Wirtschaft mehr, fragen sie erstaunt, wie genau soll das aussehen? Kann man das konkreter erklären? Selbst wenn man Pläne vorlegen kann: sie sind nicht, sie sind nie zufrieden. Unausgereift sei das, sagen sie dann; man habe dies, das und jenes nicht bedacht. Alles sei wesentlich komplizierter, nicht einfach mit schwammiger Planwirtschaft zu regulieren oder neu zu strukturieren - nette Träumerei ohne Gehalt. Sie möchten den Entwurf einer "schlüsselfertigen Gesellschaft" auf den Tisch bekommen, von dem sie wissen, dass es ihn nicht gibt. Jede erdachte Alternative ist keine, weil es zur herrschenden Ökonomie keine Alternative geben darf.

Das ist Trickserei, um die unhaltbaren Zustände, in der sich die institutionalisierte Ökonomie befindet, als alternativlos zu bewahren. Sie mag schlecht sein - aber was Besseres haben wir nicht! Dabei ist anhaltende Kritik nicht Mäkelei. Sie ist mehr. "Wenn ein Brand schwelt oder ausbricht, denkt man dann schon über die Reparaturen nach, zeichnet die Pläne eines neuen Hauses, bevor man das Feuer löscht?" (Forrester). Am Reißbrett entworfene Pläne für eine Gesellschaft, die das große Glück versprechen soll, haben schon öfter in Katastrophen gemündet. Was die neoliberalen Vertreter wollen, wenn sie unangebrachte Fragen zulassen ist einfach erläutert: Sie erhoffen sich, dass Luftschlösser gemalt werden, dass man undemokratische Gesellschaftsentwürfe auf den Tisch legt und Fresst oder sterbt! schreit - Entwürfe, die man verordnet, nicht erarbeitet. Nichts diskreditiert einen mehr, als man selbst. Eine neue Gesellschaft, die sich einer neuen Ökonomie bedient, "muß demokratisch vorgeschlagen werden... es handelt sich um eine langsame, keinesfalls kurzfristige Arbeit" (Forrester). Die Ideale der amtierenden Ökonomie, wie sie vom IWF vertreten werden, als fehlgeleitet und schädlich zu entlarven, Kritik daran zu üben: Ist das nicht auch eine Form von konstruktiver Kritik? Die Ideale abzulehnen, andere Ideale zu favorisieren: Ist das nicht konkret?

Die Alternative existiert: das Nicht-Hinnehmbare ablehnen!

Kritik aufzuwerfen, das für die Speerspitzen des Systems Undenkbare fordern, träumen, für machbar halten: Ist das keine Alternative? Zu sagen, dass es so, wie es ist, nicht mehr hinnehmbar ist - das ist doch wahrlich eine Alternative. Verweigerung, die Welt so zu akzeptieren, wie wir sie heute kennen - Ablehnung jenen Prämissen zu schenken, mit denen sie uns impfen: das ist die Abkehr vom Nicht-Hinnehmbaren. "... sich umzusehen und begreifen, wo wir stehen, wohin wir geführt werden könnten, im welchem Maße und wie schnell die Aufweichung aller Gesetze und die offiziell bewilligten Verirrungen heute den Sieg davontragen" (Forrester), das ist der alternative Weg.

Die Negation dessen, was wir täglich erleben, ist der wesentliche Ansatz. Den Mund zu halten, weil wir diese Ökonomie für den Sieger der Geschichte halten, für ewig und nicht abwendbar, vielleicht sogar für richtig, obwohl immer mehr Menschen darunter leiden, würde bedeuten, mit dem Nicht-Hinnehmbaren zu verhandeln. Zu schweigen, weil unser gesellschaftliches Luftschloss, der Plan einer zukünftigen besseren Welt, den wir als Alternative in die Waagschale werfen könnten, unausgereift scheint, um sie den Aposteln des Systems schon vorzuzeigen: auch das ist Verhandlung mit dem, das wir nicht hinnehmen sollten. Die neoliberalen Missionare, die jovial fragen Wie dann?, sie ringen um Zeit, wenn sie so fragen. Sie fordern die ausführlichsten Antworten, damit sich der große Reibach, für den sie arbeiten, verstetigt.



27 Kommentare:

Anonym 11. Oktober 2011 um 09:14  

Das sind tiefe EInsichten, die das System wanken lassen!

Anonym 11. Oktober 2011 um 09:28  

chapeau!!!

Nicolai Hähnle 11. Oktober 2011 um 10:36  

Richtig, man darf sich von solchen platten rhetorischen Ausweichmanövern nicht ablenken lassen. Allerdings wäre es schön, dem Beitrag auch noch eine positive Botschaft mitzugeben. Wie soll man sich denn verhalten, wenn man mit dieser Art von Argument konfrontiert wird?

Helge Mannteuffel 11. Oktober 2011 um 10:59  

Punktgenau, bravo!

Die Mechanismen so konzentriert und verständlich darzulegen ist Kunst.

Anonym 11. Oktober 2011 um 11:27  

Vielen Dank für den Text. Ich kann die Analysen bestätigen.
Immer wenn es in meinem Umfeld mal um Sachzwänge, innere und äußere Grenzen unseres vielgepriesenen,
"naturgegebenen", besten, gesellschaftlichen Organisationssystems geht, wird man mit folgenden (sehr systemimmanenten)
Fragestellungen auf das Träumer- und Gutmenschengleis verschoben: Wer soll das bedingungslose Grundeinkommen bezahlen/erarbeiten,
wer macht die notwendigen aber unliebsamen Arbeiten? Wie man leicht sieht, können unserer Zeitgenossen nur noch in diesen
beschränkten Kategorien denken. Wir sind seit Generationen auf Konkurrenz und Egoismus dressiert und nun können wir
die Früchte unseres angstgetriebenen Systems nicht genießen, weil wir sie uns nicht gönnen! Anstatt Verkaufsschlager einer Viviane Forrester
zu lesen, würde ich persönlich zum Zwecke der Selbsterkenntnis aber ein gründliches Studium der europäischen Geschichte
der letzten 500 Jahre vorziehen (Habe mal in die Rezensionen geschaut: Angst, Schuld, Dikatur des "Es", Sündenbock, Arbeitslosigkeit, ...).

Anonym 11. Oktober 2011 um 14:03  

"das für die Sperrspitzen des Systems Undenkbare fordern, träumen, für machbar halten"
Genau, GENAU das ist es - ich sehne mich danach und finde es NICHT in diesem Blog!
Wo sind in diesem Blog die Forderungen, die ein Ende des jetzigen Systems bedeuten? Wo sind die Träume, die einen Neuanfang vor Augen führen? Wo sind die Proklamationen dieses "Undenkbaren", das dabei für machbar gehalten wird?
WO???

Banana Joe 11. Oktober 2011 um 15:38  

Zitat: "Allerdings wäre es schön, dem Beitrag auch noch eine positive Botschaft mitzugeben" - so formuliert es Nicolai Hähnle und es klingt so, wie es Roberto treffend in seinem Text schreibt:

"...fragen sie erstaunt, wie genau soll das aussehen? Kann man das konkreter erklären? Selbst wenn man Pläne vorlegen kann: sie sind nicht, sie sind nie zufrieden. Unausgereift sei das, sagen sie dann; man habe dies, das und jenes nicht bedacht. Alles sei wesentlich komplizierter, nicht einfach mit schwammiger Planwirtschaft zu regulieren oder neu zu strukturieren - nette Träumerei ohne Gehalt..."

Nicolai Hähnle und allen, die es ähnlich formulieren ruft Roberto zu: "...Sie möchten den Entwurf einer "schlüsselfertigen Gesellschaft" auf den Tisch bekommen, von dem sie wissen, dass es ihn nicht gibt. Jede erdachte Alternative ist keine, weil es zur herrschenden Ökonomie keine Alternative geben darf..."

Sofern der Kommentar nicht als Satire gemeint war lautet meine Empfehlung deshalb: den Text nochmal lesen, verstehen und darüber nachdenken...

...und dann erst kommentieren. ;-)

Banana Joe

Roberto J. De Lapuente 11. Oktober 2011 um 15:48  

Anonym, der so anonym nicht ist, hat wieder mal nichts verstanden...

Anonym 11. Oktober 2011 um 15:53  

anonym soll man den satz von roberto lesen. *Am Reißbrett entworfene Pläne für eine Gesellschaft, die das große Glück versprechen soll, haben schon öfter in Katastrophen gemündet.* dann versteht er.

Verhandler 11. Oktober 2011 um 15:57  

Kam wohl leider nicht an? Daher nochmal:

Die Sache ist leider ganz einfach:
Wer nicht über Kritisieren und Träumen hinauskommt und keinen Plan hat, den er verfolgt, der überläßt weiterhin anderen (!) das Handeln.
Er überläßt damit denjenigen das Handeln, die eben einen Plan verfolgen, und sei es nur die Gegenwart in die Zukunft fortzuschreiben.

Wer in Kritisieren und Träumen verharrt, der nimmt ganz unweigerlich in Kauf, zum Spielball der Handelnden zu werden.
Wer nicht handelt, der wird gehandelt.

Der Blogautor verherrlicht dieses Verharren in Kritisieren und Träumen. Ist das nicht fatal? Ich könnte dies nicht, und schon gar nicht dieses verherrlichen.

Nicolai Hähnle 11. Oktober 2011 um 16:15  

Banana Joe: Du hast mich falsch verstanden. Ich habe nicht nach einem schlüsselfertigen Gesellschaftsentwurf gefragt, sondern danach, wie man mit Leuten umgehen soll, die danach fragen.

Und ja, vielleicht widerspreche ich Robert zum Teil tatsächlich. Er schreibt: "Die Negation dessen, was wir täglich erleben, ist der wesentliche Ansatz."

Da stimme ich ihm zu. Das Problem ist nur: Wenn du immer nur das, was du nicht willst, verneinst, dann schenkst du diesen Ansichten mehr wertvolle Aufmerksamkeit als sie eigentlich verdienen. Dadurch kannst du deinen eigenen Zielen schaden.

Man kann das in politisch neutralen Bereichen gut beobachten. Da ist zum Beispiel die Geschichte mit der Klospülung, die sich angeblich auf der Nordhalbkugel anders herum dreht als im Süden. Das ist offensichtlicher Unsinn, der sich aber trotzdem hartnäckig in den Köpfen der Menschen hält. Warum? Weil du der Geschichte immer, wenn du sie widerlegst, neue Aufmerksamkeit schenkst. Die Erinnerung des Hörers an die Geschichte wird gestärkt, aber ob er sich die Negation auch merkt?

Es ist verdammt schwierig, Gedanken einfach nur zu löschen. Ich denke, es ist einfacher, sie mit etwas anderem zu überschreiben. Zum Beispiel, indem man soziale Werte wieder groß schreibt. Das bedeutet ja nicht, dass man gleich mit einem "schlüsselfertiger Gegenentwurf" kommt.

Aber man muss sich eben auch überlegen, wie man dann tatsächlich auf Typen reagiert, die einen solchen fordern. Sich einfach nur darüber zu beschweren, dass diese Leute unlauter diskutieren ist zwar wichtig, nützt aber alleine auch nichts.

Roberto J. De Lapuente 11. Oktober 2011 um 16:17  

Träumen? Ich glaube, das wurde nicht gesagt. Auch hier nichts verstanden, darf man annehmen. Schlüsselfertige Systeme, wie sie da gefordert werden, kann man nicht verordnen. Man muß sie erarbeiten und das beginnt damit, das Haus, das jetzt brennt, erstmal zu löschen. Weniger pathetisch: erstmal Nein sagen - und das in einer großen Masse. Das andere kommt danach. Wie es kommt? Wer sind wir, es befehlen zu wollen? Wer sind wir, es wissen zu wollen?

Dazu kommt, dass in diesem Blog sehr wohl immer wieder, nicht immer freilich, Schlaglichter auf "das Andere" geworfen wird - zu sagen, dass das Rabotten (das Nadsat-Wort von Burgess, das roboterhaftes Arbeiten meint) ein gravierender Fehler ist, sagt auch aus, dass es anders gehen könnte. Negation ist Handeln - was ihr wollt, das ist Aktionismus, fertige neue Modelle, die ihr der Masse aufoktroyieren wollt mit einer Arroganz, die unangebracht ist. Nein zum Jetzt ist der Schlüssel - was dann kommt, muß demokratisch erwirkt werden.

leumos 11. Oktober 2011 um 16:32  

ZUTRÄGER DES NEOLIBERALISMUS SEID IHR. ihr stellt genau so fragen wie roberto schrieb.

Verhandler 11. Oktober 2011 um 16:34  

Danke für die Antwort.
Das "Träumen" war bezogen auf "für die Sperrspitzen des Systems Undenkbare fordern, träumen, für machbar halten" (muss es nicht Speerspitzen statt Sperrspitzen heißen übrigens?).

Ich lese schon lange dieses Blog und ähnliche. Ich sehe dort, wie vage die Visionen sind derer, die sich tagein tagaus damit beschäftigen. Und wie umstritten diese vagen Vorstellungen sind, sobald es auch nur zaghaft ans Konkretisieren geht.

Daraus kann sich kein Glaube daran entwickeln, dass es schon positiv weitergehen wird, wenn nur erst mal ganz viele Menschen "nein" gesagt haben.

Gesells Geist 11. Oktober 2011 um 16:38  

Proudhon sagte: Eigentum ist Diebstahl. Das ist so nicht ganz richtig. Gewinne aus Kapital, Kapitaleinkommen sind Diebstahl, denn sie werden auf Kosten der Arbeitseinkommen realisiert!

Die Alternative zum parasitären Kapitalismus existiert schon eine Weile. Makroökonomie kann nicht kontrolliert, aber muß geregelt sein. Die natürliche Wirtschaftsordnung leistet das. Sie ist echte soziale Marktwirtschaft und Grundvorraussetzung für echte Demokratie. Ihr Kern lässt sich in 5 Komponenten zusammenfassen: 1. Erlass aller Schulden und der dazugehörigen Guthaben. 2. Geldmonopol beenden - Angebotszwang aufheben. 3. Geldstreikmonopol beenden - durch Nutzungsgebühr auf liquides Vermögen. 4. Bodenmonopol unschädlich machen - Gewinne aus Immobilien als bedingungsloses Grundeinkommen umverteilen. 5. Rohstoffverbrauch statt Einkommen und Umsätzen besteuern - der Natur zu ihrem Recht verhelfen.

Sie wird gar nicht erst diskutiert, weil sie Antworten bietet welche die Fehlerhaftigkeit des neoliberalen Modells aufzeigt.
Jeder der es versucht wird von der Antisemitismuskeule attackiert werden.

Roberto J. De Lapuente 11. Oktober 2011 um 16:42  

Erstmal, ja, ein Fehler, der sich da eingeschlichen hat. Danke. Werde ich gleich ändern.

Ich bin nicht der Ansicht, dass es sich positiv entwickelt. Da muß man realistisch sein. Aber das unabhängig davon, dass viele Nein sagen. Nein wurde ja schon mehrfach gesagt. Am Ende ging es nach Sibirien... das zur "Schlüsselfertigkeit".

Stop_the_EU 11. Oktober 2011 um 16:55  

Das Problem ist doch noch etwas weiter zu fassen.
Die Bevölkerungen werden derzeit ja entrechtet, über die kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Grundlagen ihrer Gegenden zu befinden, stattdessen wird dies mehr und mehr einer Zentralregierung in Brüssel angetragen.
Das dadurch heraufbeschworene babylonische Sprachgewirr, das nur Chaos produziert, ist längst Realität.
Die Voraussetzungen, überhaupt Veränderungen aus dem Volk heraus anzugehen, wie in dem Artikel angedeutet, schwinden damit täglich...

DD 11. Oktober 2011 um 18:13  

Nur Dagegen-sein ist ein Anfang, aber nicht genug, um Veränderungen herbeizuführen.
Man kann noch so wortreich begründen, warum es ausreicht, zu träumen und zu kritisieren, aber ändern kann sich dadurch nichts, weil eben das ausführende Moment fehlt.

Anonym 11. Oktober 2011 um 18:22  

Es stellt sich ja niemand zur Verfügung, im Parlament mal glaubhaft über Alternativen zu sprechen.
Also ändert sich auch nichts.
Selbst wenn es Tausende Bürgerinitiativen gibt, wird die Politik ja letztlich in einer Versammlung gemacht, wo Einzelne für Viele sprechen.
Wenn diese Einzelnen nicht sprechen, wird das alles nichts.

ManiC 11. Oktober 2011 um 18:38  

Der ganze Artikel liest sich für Handelnde wie ein impliziter Freibrief, da sie in ihrem Tun von Träumern und Kritikern nicht ernsthaft gestört werden.
Sie müssen ja nicht befürchten, dass die Träumer und Kritiker mit Handlung beginnen, da diese nicht wissen, wie sie das anstellen sollen.

Roberto J. De Lapuente 11. Oktober 2011 um 19:31  

Man sollte schon lesen (können), bevor die Keule hervorkommt.

Es geht im ganzen Text nicht um Handeln oder Nicht-Handeln - es geht wesentlich darum, ob man mit dem Anspruch handelt, neue Patentlösungen in der Tasche zu haben, oder ob man handelt auch ohne Blick auf das, was zukünftig kommen könnte. Auch ohne Ziel die auferlegten Spielzüge zu verweigern, die auf das auferlegte Ziel (das es nicht gibt, weil Profit um des Profit um des Profit willen kein endgültiges Ziel kennt) zuführen: darum geht es.

Was dann Handeln ist und was nicht, das ist eine andere Sache. Sich zu empören, so schreibt auch Hessel, ist auch Handlung.

Tristan 12. Oktober 2011 um 05:59  

Großartiger Beitrag! Leider lesen ihn, wohl wie someist wieder nur diejenigen, die ohnehin den Argumentationsattrappen der Meinungsmacher in den politischen Talkrunden, nicht mehr auf den Leim gehen.
Mitleidiges Lächeln ernten Argumente, die beim Leid der Menschen ansetzen, naive Weltverbesserer, leider ohne Hirn, die es gilt vor ihrer eigenen Wirrnis zu schützen. Die sich am Stammtisch austoben sollten, aber doch bitte nicht uns gewichtige Herren, die wir befähigt sind die Zusammenhänge für die Wirtschaft und das Wohle der Menschen zu erkennen, Belehrungen erteilen. Deshalb muss man das schon differenziert sehen, dazu sind offensichtlich nur Menschen in der Lage, die auch ihr Geld in den entsprechenden Branchen verdienen...

Der schwergewichtige Chefanalyst kommt immer kompetenter rüber, der echauffierte und wütende 'Gutmensch' wird lernen im Laufe der Diskussion seine Meinung mit Bedacht zu wählen, weil sonst wahlweise die Kommunismus- oder die Kambodscha-Keule rausgezogen wird.

Deshalb hab' ich den Einwand von Nicolai Hähnle schon verstanden. Wie stellt man sich rhethorisch auf gegen diese Akrobaten der Alternativlosigkeit?

R@iner 12. Oktober 2011 um 10:55  

"Wie stellt man sich rhethorisch auf gegen diese Akrobaten der Alternativlosigkeit?

Gar nicht. Man läßt sie links oder wahlweise rechts liegen und zieht an ihnen vorbei.
Tut man das nicht, bleibt man gefangen in einer von außen vorgegebene Wirklichkeit.
Die Adepten der Alternativlosigkeit verlören an Macht, verließe man in großer Zahl den zur Verfügung gestellten Raum von Pro- und Contra. Sie ärgerten sich womöglich, daß keiner mehr mit ihnen spielen wollte.

Anonym 12. Oktober 2011 um 12:27  

@R@iner – bingo!

Behandelt sie wie die Trolle,
die sie realiter sind!

Anonym 12. Oktober 2011 um 15:06  

Hallo Vorredner, der Sie sagten: "Behandelt sie wie die Trolle, die sie realiter sind!"
Da nimmt es doch nicht Wunder, dass Kriege herrschen und auch die Mittel für kommende Konflikte sein werden. Zwei Parteien stehen sich da gegenüber, die sich gegenseitig nur als Trolle sehen können - mit denen man also nicht reden kann und gegen die man somit auf andere Weise seine Interessen durchsetzen muss...

Roberto J. De Lapuente 12. Oktober 2011 um 16:05  

Ganz vereinfacht gesagt war die Alternativlosigkeit daher Unwort des Jahres, weil es undemokratisch ist. In der Demokratie gibt es immer Alternativen - wer von Alternativlosigkeit spricht, der paukt diktatorisch seine Interessen durch. Was soll man als Demokrat mit denen sprechen, die sich ganz offen oder auch nur unbewusst, undemokratischer Mittel bedienen?

Bonsta 15. Oktober 2011 um 23:24  

@ Rainer: Genauso ist es! Es gab mal Zeiten, als diese Spinner links (oder von mir aus auch rechts) liegen gelasen wurden, als sie rausgeschmissen wurden, wie Donahny z.B. unter Wirtschafftsminister Oskar Schill, weil sie nur Schwachsinn von sich gaben. Es wäre so schön und einfach, dieses dümmliche, arrogante Gesindel einfach zu ignorieren. Nur leider beherrschen sie heute - wie auch immer sie geschafft haben - die Talkshows, Medien und Politik. Und deshalb muss, ob man will oder nicht, sich mit ihnen auseinandersetzen. Ich glaube darauf zielte der Fragesteller auch ab.

Es ist sinnlos mit bornierten Ideologen zu debattieren, und in einer funktionierenden Demokratie wären sie auch niemals für voll genommen worden. Aber sie funktioniert eben nicht, unsere Demokratie... Und so ist es letztlich wie die Quatratur des Kreises; man darf sie nicht beachten, ihnen keine Bühne bieten. Das Problem ist, dass sie auf der Bühne stehen, angestrahlt von tausend Scheinwerfern. Wie soll man sie da ignorieren?

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