Wie einst Marx

Donnerstag, 11. August 2011

Es rumort, es gärt, alle Nähte platzen. Wie dereinst Karl Marx beobachten wir die Zeichen der Zeit. Dieser meinte 1848 das Ende des Kapitalismus zu erblicken und hatte kurz zuvor noch ein Manifest, aus bald gegebenen Anlass quasi, auf den Markt geschmissen. Das publizierte Stück Marxengels blieb der Menschheit erhalten - so wie der Kapitalismus auch, der das Tohuwabohu des Jahres Achtundvierzig heil überstand. Das schon lang erwartete, analytisch ersehnte Ende des Ismus auf Kapitalbasis, entblößte sich als kurze Verschnaufpause und demonstrierte eindrücklich, welch glitschiger, windiger Bandwurm dieses Gesellschaftssystem sein kann, um nur weiterhin profitabel wirtschaften zu können.

Wie dazumal der Rauschebart, der 1848 noch wenig rauschig, noch kärglich buschig war, erblicken wir etwas, das wie das langsame, qualvolle Ende des Kapitalismus aussehen könnte. So stellen wir uns den Tod des kapitalistischen Bandwurms vor - wir wissen ja nicht, wie so ein Ende aussieht, wir haben ein solches Ende ja noch nie erlebt. Vor einigen Monaten noch Finanz- und Weltwirtschaftskrise, aktuell eine Weltmacht, die importiert und importiert und immer weniger exportiert hat - außer Soldaten und Panzer, die man überdies auf Pump finanzierte. Nun wackelt das Parkett und die darüber hetzenden Spekulanten. Seit Wochen Randale. Spaniens Marktplätze waren voller Unzufriedener, Griechenlands Straßen voller Empörter. Nordafrika erwehrt sich kapitalistisch finanzierter Despoten. Vor Jahren brannten Paris' Vorstädte, nun fackeln sie Londons Randgebiete ab. Und in Israel schreien sie derzeit nach sozialer Gerechtigkeit.

Allerorten Unzufriedenheit, Wut und nicht mehr zu domestizierende Mechanismen des kapitalistischen Fieberwahns. Wo ist das dazugehörige Manifest? Wo der Abgesang auf den Kapitalismus? Oder gleichen wir eher dem alten Marx, täuschen uns wie er einst und immer wieder, wenn wir nun festzustellen meinen, dass das Ende nahe ist? Ausgeschlossen ist es nicht, dass sie das System nochmal stützen, in einen Rollstuhl setzen, um mit ihm weiterhin durch die Gegend zu mäandern. Etwas noch kompromisslerischer gegenüber den Leistungsträgern vielleicht, etwas härter gegenüber zornige Massen eventuell - man muß das, was ruinös wird, schließlich ein wenig variieren. Als Marx meinte, den Sozialismus am Horizont zu erspähen, wurde nur der gelobte Bürgerkönig, der Jahre zuvor dem König von Gottes Gnaden folgte, durch einen zunächst staatspräsidialen, später vom Volk gekürten Kaiser ersetzt. Alles anders wie vorher - alles wie vorher, nichts anderes!

Marx hangelte sich von Hoffnung zu Hoffnung. Als 1857 die Weltwirtschaft kriselte, schlug sich Karl freudig auf die Schenkel - jetzt ist es geschehen, jetzt wird das Proletariat den Sozialismus erzwingen, eine ganz neue Welt gründen. Pustekuchen, wie wir wissen! Nach den Boom der Gründerjahre, folgte der wirtschaftliche Niedergang im Deutschen Reich - 1873 war das und Marx, mittlerweile sich von Krankheit zu Zipperlein und von Zipperlein zu Krankheit hangelnd, glaubte erneut daran, dass diese Krise die neue Gesellschaft ermögliche. Aber sie kam nicht! Der französische Börsenkrach von 1882, er erweckte letztmals Marxens Überschwang. Umsonst! Hoffnungen, nichts als Hoffnungen. Und wie diese neue Gesellschaft viele Jahre später tatsächlich ausfiel, hätte ihn vermutlich schockiert, was hier und jetzt aber nicht abgehandelt werden soll.

Die Zustände des amtierenden Kapitalismus könnten gleiche Hoffnungen nähren. Wir werden uns in den kommenden Jahren von Krise zu Krise, von Hoffnung zu Hoffnung hangeln. Dabei werden wir zu Marxisten, das heißt: werden wie er, immer wieder enttäuscht! Sei es nun Sozialismus, was man erhofft, sei es auch einfach nur ein ethischeres System, mit welchem Namen auch immer: Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Börsencrashs, Athen, Madrid, Kairo, Tunis, Banlieus in Paris, Randale in London, Verärgerung in Israel blenden einen gewaltig. So einfach läßt sich des Kapitals Ismus aber nicht wegwischen. Zu sehr liegt er uns mittlerweile im Blut. Und das Alte verschwindet nicht einfach vom Bildschirm der Geschichte, weil sich ein Paar Krisen auftun, die überdies immer noch von der wirtschaftlichen Macht kontrollierbar sind. Das Alte wird sich auf Zuckerbrot und Peitsche, auf süße Reden und Polizeiknüppel stützen - je nach Lage, je nach Bedarf, je nach Klientel, die aufbegehrt. Was wir erleben ist nicht das Ende des Kapitalismus, es ist höchstens der Aufstieg zu einer neuen, höheren Stufe des Kapitalismus. Das ist nicht, wie Marx meinte, der Sozialismus - es ist eine Form, die noch weniger Rücksicht auf die Interessen der Menschen nimmt, sich dabei aber noch aggressiver Selbstzweck ist.

Wie einst Marx, wir hoffen vergebens...



30 Kommentare:

christophe 11. August 2011 um 08:03  

Sehr gute Analyse, nur das Zuckerbrot könnte wegen akuten Geldmangels sehr knapp werden...

Anonym 11. August 2011 um 08:21  

Das Kapital ist weit davon entfernt, in seinen Grundfesten erschüttert zu werden. Es hat nicht einmal Risse im Fundament.

Auch wenn das Geld sogar zur Zeit arbeitslos wird, haben die Herrschenden noch so manches As im Ärmel. Und ganz am Ende könnte immer noch die altbewährte faschistische Karte gezogen werden.

endless.good.news 11. August 2011 um 10:25  

"Und ganz am Ende könnte immer noch die altbewährte faschistische Karte gezogen werden."

In gewisser Weise wird dies mit Hilfe der Tea Party Bewegung und der muslimischen Feinbilderschaffung schon getan. Es wird nur nicht so offensichtlich sein wie vor 60 Jahren.

K. 11. August 2011 um 10:54  

Kann London auch in Berlin passieren? In der jetzigen Zeit nicht... Berliner Migranten, Zugezogenen und Ureinwohner würden diese Stadt alleine schon aus gemeinsamer Sympathie nicht auseinander nehmen. Auch die linksextreme Szene ist nicht stark genug, um solche Aktionen zu initiieren (weder die Räumung in der Liebig Straße noch die Schließung von Tacheles haben irgendwelche nennenswerte Gewalt hervorgerufen). Ausserdem ist die Kluft zwischen Reich und Arm in Berlin nicht so groß, wie in London. Auch der Ärmste der Ärmsten kommt in Berlin relativ gut durch, so eine Perspektivlosigkeit wie in Englang gibt es hier nicht.

Anonym 11. August 2011 um 11:17  

"Wie einst Marx"

Ein wie so oft sehr pessimistischer Beitrag, in der Sache aber schwer zu wiederlegen.
Diese ewigen "istorischen Optimisten", diese tatsächlich philosphisch angehauchten Geschichts-Metaphysiker sollten sich endlich davontrollen.
Hoffen und Harren machte schon manchen zum Narren, sagt man so im Volke.

Ein winziger Blick auf die menschliche Geschichte könnte auch jeden lehren, dass von allein gar nichts kommt, dass die viel zitierten Gesetze der Geschichte, der Gesellschaften nicht einfach über den Menschen "frei schweben" sondern sich immer als Folge konkreten menschlichen Handelns zu erkennen geben.
Womit mir auch schon beim Thema Kapitalismus/Sozialismus wären.
Nicht "verschwindet" von "Allein" noch "kommt" etwas von "allein".
Alles muss 1. gewollt und 2. erstritten, erkämpft werden, und zwar IMMER und zu alten Zeiten gegen die Mächte der Vergangenheit, den Beharrenden, den Verteidigern des Status Quo.
Warum also noch immer Kapitalismus und kein Sozialismus?
Warum T U N noch immer so wenige Menschen, die über den Kapitalismus jammern und flennen, so wenig dafür, die Ideen und Vorstellungen zum Sozialismus wieder zu propagieren, zur Diskussion zu stellen?
Was nützt alle vollmundige "Kritik" am Kapitalismus und allen seinen Häßlichkeiten und UND zahllosen nicht enden wollenden Verbrechen, wenn man nicht über Sozialismus sprechen mag, und wenn doch mal genötigt, sofort die Leute zu einer Runde LENIN/STALIN/ULBRICHT/MAUER/13.AUGUST etc - G R U S E L N einladet?
Dazu noch die psychologisch höchst-raffienerte bürgerliche Massenverblödung zwecks Aufrechterhaltung der heutigen Verhältnisse, und da soll man sich wundern, dass es außer hilflosen, ohnmächtigen Geschrei und Protesten, einigen Plünderungen nichts gibt?
S O jedenfalls wird es den Kapitalismus noch lange geben, wenn sich kaum normale, vernünftige Menschen für ihn einsetzen.
Zu diesen komischen, absurden mMarxistisch-leninistischen" Sektenstiftern habe ich mich schon beim Feynsinn geäußert, man könnte über sie ständig ABLACHEN, doch auch sie fügen leider der Sache des Sozialismus mit ihrem doktrinären und nicht zuletzt auch MACHTGEILEN GEHABE eine Menge Schaden zu, wahren "Vogelscheuchen" des Sozialismus.

ESSO ? , Shell? ... Es gibt viel zu tun, packen wirś an!

Nachdenkliche Grüße von

Bakunin

Anonym 11. August 2011 um 11:40  

Eine Quelle der Hoffnung ist für mich die sich schleichend verbessernde Kommunizierbarkeit einer Verweigerung, die ich von ehemaligen Mitstudierenden der Soziologie je länger, je entschiedener einfordere - um den Preis zerbrochener Freundschaften, für den Preis meiner eigenen „geistige(n) Freiheit und Gesundheit“, auf welche Richard Albrecht kürzlich mit einem Feuerbach-Zitat hingewiesen hat:

„Es war dies jene Zeit, wo alle öffentlichen Verhältnisse vergiftet und verpestet waren, daß man seine geistige Freiheit und Gesundheit nur dadurch wahren konnte, daß man auf jeden Staatsdienst, auf jede öffentliche Rolle, selbst die eines Privatdozenten verzichtete, wo alle Beförderungen zum Staatsdienst, alle obrigkeitliche Erlaubnis, selbst die venia docendi, nur der Preis des politischen Servilismus und religiösen Obskurantismus war, wo nur das schriftliche wissenschaftliche Wort frei war; aber auch nur frei in einem höchst beschränkten Maß und nur frei nicht aus Achtung vor der Wissenschaft, sondern vielmehr nur aus Geringschätzung wegen ihrer, sei's nun wirklichen oder vermeintlichen, Einflußlosigkeit und Gleichgültigkeit für das Öffentliche Leben.“

(Ludwig Feuerbach Vorlesungen über das Wesen der Religion, 1. Vorlesung, 1851)

Via http://duckhome.de/tb/archives/9332-DEUTSCHLAND-DEUTSCHLAND-....html

Anonym 11. August 2011 um 12:18  

Anonym Anonym hat gesagt...

"Und ganz am Ende könnte immer noch die altbewährte faschistische Karte gezogen werden."

Mit dieser Karte wird doch schon seit Jahren nicht ohne Erfolg in vielen Staaten herumgefuchtelt, nur eben sehr subtil, subtil, immer um Akzeptanz durch die "schweigende Mehrheit" bemüht, in einem noch "zivilgesellschaftlichen" Mäntelchen..., sehr stark "verwaltungsrechtlich" verpackt.....

Alle Freiheit im Kapitalismus ist zunächst die Freiheit von Warenbesitzern, Warenverkäufern.
Dieser Freiheit werden dann die "Menschrechte" je nach Ort, Zeit, ökonomischen Möglichkeiten angepasst.

Werden nun Arbeitslose, "Leistungsbezieher" genötigt, gezwungen, ihre oft einzige Ware, nämlich die Arbeitskraft, weit unter ihrem Wert zu verkaufen, dann ist wenigstens in diesem Segment der bürgerlichen Gesellschaft diese uralte bürgerliche Freiheit der Warenbesitzer aufgehoben, wurde diese durch außerökonomische staatliche Gewalt erzetzt.
Hätten die meisten Leute beim Begriff Faschismus nicht immer nur seine zeitgenössischen CINEMASTISCHEN (oft schon lächerlichen)AUFBEREITUNGEN vor Augen, ganz ganz ganz... seine spezifisch deutsche Variante, so wäre für wäre für manches unbedarftes Auge schnell einiges klarer als leider aktuell.

MfG Bakunin

landbewohner 11. August 2011 um 14:05  

wie der kapitalismus für sein überleben kämpfen wird, kann der aufmerksame beobachter schon seit jahrenden live betrachten. jede kinderleiche, jeder (bürger)kriegstote, alles elend in der 3. welt ist genauso wie hart4 und aufhebung der grundrechte in der "freien welt" genauestens geplant und einkalkuliert. und wenn nun dummerweise die menge der weltbewohner, deren lebensumstände noch einigermaßen erträglich sind, weiter schrumpfen muss um die überzogene gier einiger weniger zu befriedigen, dann führt das ganz normal zu mehr gewalt und mehr toten weltweit. und leider ist weit und breit kein gegenrezept in sicht und selbst die breite dumpfe masse trottet frohgemut und emsig in den diesmal weltweiten faschismus.

Anonym 11. August 2011 um 14:30  

Blogger landbewohner hat gesagt...

"wie der kapitalismus für sein überleben kämpfen wird,.."

...und das wird den Massen, dem Medien-Publikum derart serviert, dass grundsätzlich jede Gewalttat, jede Ausbeutung, jeder vorsätzlich organisierte Krieg oder Bürgerkrieg, jedes noch so abscheuliche Verbrechen, wo es fast immer nur um Macht und Ausbeutung, Reichtum, Rohstoffe und Handelswege geht, zu "Konflikten" umgelogen werden, Konflikten, wie sie ganz normal "auch" in jeden Wirtshaus nach einigen Krügen Bier "ausbrechen" können....

"So san se halt'", die Menschen, net?

Einfach "böse Teufel", die Menschen....

Traurig, aber wahr.

Böse Grüße von

Bakunin

Anonym 11. August 2011 um 15:56  

"[...]Wie einst Marx, wir hoffen vergebens...[...]"

Die Unruhen in Chile, lieber Roberto J. de Lapuente hast Du aber vergessen zu erwähnen - auch dort begehren immer mehr Menschen gegen das kapitalistische System an. Kein Wunder, da die antineoliberalen Staaten Bolivien, Venezuela und Ecuador ja auf dem gleichen lateinam. Kontinent liegen. Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts - von Venezuela aus gesteuert - macht sich eben doch bemerktbar, und dies schreibe ich obwohl ich beim Wort Sozialismus sofort an den gescheiterten autoritären Staatssozialismus/Kommunismus der Sowjetunion und des Ostblocks denke - Der Kalte Krieg ist, außer für ein paar neoliberale Hardliner weltweit mit dem Tod des autoritären Staatssozialismus gestorben. Apropo Tod, der Kapitalismus neoliberalen Prägung ist auch mausetot, seit 2008, aber - im Unterschied zum Sozialismus autoritärer Prägung - eben als Untoter mit Finanzspriten immer noch am Leben gehalten.

Im angelsächsischen Raum, man kann es nicht oft genug wiederholen, gibt es bereits Bücher mit dem zutreffenden Titel "Zombie Capitalsm" - Nichts anderes als ein Zombie ist er Kapitalismus, aber er hat eben viel mehr Geldmittel als das andere System und wird uns deswegen weiter nerven, und evtl. sogar uns nachfolgende Generationen.....

Trauriger Gruß
Bernie

Anonym 11. August 2011 um 17:54  

Es geht seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte abwärts, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das mal ändern wird.

ulli 11. August 2011 um 18:13  

Ich bezweifle, dass Marx heute überhaupt noch auf den Sozialismus hoffen würde. Immerhin haben alle tatsächlichen Versuche, diese Gesellschaftsordnung zu schaffen, in irgendeinem Desaster geendet. Diese Erfahrung haben wir Marx voraus. Und sage niemand, der tatsächliche Sozialismus zwischen 1917 uns 1989 sei noch gar nicht der "wahre" oder "echte" gewesen; diese Idee war die große, linke Lebenslüge des vergangenen Jahrhunderts.

Aber Kapitalismus ist nicht gleich Kapitalismus: Die Bandbreite reicht von den demokratisch regulierten Sozialstaaten in den Jahrzehnten nach dem Krieg bis hin zu dem entfesselten Monster, mit dem wir es heute zu tun haben. Um es zu personalisieren: Willy Brandt stand für einen ganz anderen Kapitalismus als Gerd Schröder, Schweden steht für einen anderen Kapitalismus als Großbritannien. Ohne jeden Zweifel ist eine sozialstaatliche Ökonomie auch heute möglich. Dazu braucht es keine quasi religiösen Hoffnungen.

Anonym 11. August 2011 um 18:46  

"[...]Es geht seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte abwärts, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das mal ändern wird[...]"

Dein Eindruck, meiner ist da eher ein anderer - Man müßte wohl eher schreiben "[...]Es geht seit Anbeginn des ...ismus.... abwärts.....[...]"

Da wird eher schon ein Schuh draus, denn es gab durchaus hoffnungsvolle Phasen der Menschheitsgeschichte - vor der Einführung des Kapitalismus.....autoritären Kommunismus/Sozialismus....

Gruß
Bernie

Anonym 11. August 2011 um 18:50  

Bakunin, der Hauptgegner von Marx schon vergessen? Oder wäre Bakunin heute auch ein Marktradikaler
Frägt sich hier jemand....

alvin 11. August 2011 um 20:14  

Na, das ist ja ein grosses Thema hier, nicht auszuschöpfen.
Gottfried Benn fällt mir dazu ein, der bei aller aus linker Perspektive reaktionärer Weltsicht sein Fazit über die Geschichte der Klassenkämpfe, und nichts anderes ist die "Geschichte", lapidar formulierte:
Die unten wollen herauf, und die oben nicht herunter.
Und dann bitte, geehrter Roberto, eine Antwort, wenn es geht:
Woher immer wieder die Kraft nehmen, dagegen zu sein? Bei Dir sehe ich ja erfreulicherweise nahezu jeden Tag aufs Neue, dass Du dagegen bist. Dich störst (an Dingen), Dich immer wieder aufraffst und offensichtlich nicht resigniert hast. So stelle ich mir das vor, wenn ich Dich lese, und ich meine nicht nur diesen Text.
Woher die Mühe? Wozu das Ganze?
Hoffst Du, eine Veränderung sei möglich? Hoffen kenne ich nur von Christen, die hoffen auch auf alles.
Ist lang geworden, 'tschuldigung.

Anonym 11. August 2011 um 22:06  

Anonym Anonym hat gesagt...

" Bakunin, der Hauptgegner von Marx schon vergessen? Oder wäre Bakunin heute auch ein Marktradikaler
Frägt sich hier jemand...."

Marx hatte eine Menge politischer Feinde, ab einem gewissen Zeitpunkt auch diesen "B".
Einige Warnungen von "B" bezüglich von Arbeitervertretern in Parlamenten und was dort aus ihnen wird hat sich später leider bestätigt.
Marx verneinte dies bekanntlich kategorisch- ein großer Irrtum von ihm.

Ob "B" heute ein Marktradikaler wäre glaube ich kaum, doch vielleicht hätte es sich in den 70er Jahren des 20. Jh. der RAF angeschlossen? Wer weiss....


MfG Bakunin

Anonym 12. August 2011 um 01:18  

Ulli: "Aber Kapitalismus ist nicht gleich Kapitalismus: Die Bandbreite reicht von den demokratisch regulierten Sozialstaaten in den Jahrzehnten nach dem Krieg bis hin zu dem entfesselten Monster, mit dem wir es heute zu tun haben."

Das erinnert mich an Volker Pispers:
"Kapitalismus - Raubtierkapitalismus?! Wasser - nasses Wasser?!"

Anonym 12. August 2011 um 07:17  

Ich finde Ihren Beitrag, Herr Lapuente, in vieler Beziehung doch recht über die Oberfläche gleitend.
Niemals in seiner Lebenszeit hat Marx herangereifte Bedingungen für eine sozialistische Revolution festgestellt, die allein das kapitalistische System stürzen könnte. Selbst die Pariser Commune war für ihn erst eine Ahnung von dem, wie sich die Menschen anders als kapitalistisch organisieren könnten. Marx war eben klüger und einsichtiger in viele gesellschaftlichen Zusammenhänge als so mancher heutiger Zeitgenosse, weshalb Marx von seinen Gegnern auch so gerne vulgarisiert und primitiviert wird. Was wollen Sie uns mit diesem Beitrag also beweisen? Dass Marx eben nicht recht hatte? Marx, Herr Lapuente, hat nicht den Sozialismus untersucht, sondern das Funktionieren des Kapitalismus, bitte nicht vergessen. Aber er hat uns ein Vermächtnis hinterlassen: Ohne revolutionäre Gewalt, ohne eine proletarische, sozialistische Revolution unter der Führung einer konsequent kämpferischen Partei, er nannte sie kommunistisch, wird das kapitalistische Gesellschaftssystem niemals beendet. Alles andere ist Kungeln mit dem Kapital. Da fällt mir natürlich als erstes eine gewisse linke Partei im Bundestag ein, die so gerne am Kapitalismus mitwirken würde und ihn ein bisschen für die Leute verschönern.

Was dagegen in den vergangenen Tagen in Großbritannien geschah, hatte mit Revolution noch gar nichts zu tun, das waren unorganisierte soziale Unruhen als Antwort auf die Kürzungen im sozialen und Jugendbereich. Sie aber deshalb als Krawalle von Jugendbanden zu diffamieren, halte ich für propagandistisch verkürzt. Und die Antworten der britischen Regierung? Nicht etwa die Ursachen für die Unruhen beseitigen, sondern allein Gegengewalt. Es wird viel geredet, aber was am Ende auf sozialem Gebiet getan wird, ist uns doch sehr geläufig, nämlich: weitere Kürzungen. Und das eben nicht nur in Großbritannien, sondern in allen kapitalistischen Ländern. Aber Innenminister Friedrich hat irgendwo recht: In Deutschland, so wie es zur Zeit ist, wird es voraussichtlich keine gewaltsamen Proteste gegen die unsoziale Politik der Merkelregierung geben. Hier fehlen zwar nicht die Ursachen für Proteste, aber jede politische Organisation, die solche Proteste leiten könnte. Und die Deutschen sind vorsichtige Leute, sie fangen erst gar nicht an zu protestieren, wenn sie nicht von ihrem Sieg überzeugt sind.

Roberto J. De Lapuente 12. August 2011 um 08:20  

Vielleicht, lieber Alvin, bin ich ja ein atheistischer Christ, d.h. christlich konditioniert, womit die Hoffnung etwas ist, was mir in den Knochen steckt. Aber wenn ich ehrlich bin, ich habe wenig Hoffnung, vielleicht ist das mein Antrieb. Man schreibt ja nicht unbedingt aus dem Gefühl heraus, etwas verändern zu müssen. Man tut es, um nicht zu zerplatzen.

Aber ich habe auch Tage, an denen ich mich frage, was der Zirkus soll. Ich sollte über Blumen und über Liebe schreiben und nicht über das, worüber ich schreibe...

Keynesianer 12. August 2011 um 10:39  

Wie einst Marx? Hoffentlich nicht, denn Karl Marx war der Schwager des preußischen Innenministers Ferdinand von Westphalen und Agent der Regierung. Das ist kein Geheimnis, sondern Herrschaftswissen im Kapitalismus, weshalb ja auch Professoren und selbst Redakteure des Springer-Konzerns immer wieder Marx und sein "Kapital" zu loben pflegen.

Hier noch ein Aktenvermerk der Österreichischen Staatspolizei, die mit der Arbeit von Karl Marx vor allem in der US-Presse (gegen die Ungarn von Kossuth) sehr zufriueden waren:

"Eines der Hauptmittel, der Propaganda der deutschen Factiosen hindernd zu begegnen und den Erfolg ihrer Tätigkeit zu lähmen, lag in der klugen Benützung der Spaltungen derselben, welche namentlich durch die Einwirkung des Leiters der deutschen Communisten in England, Marx, der sich ganz unter dem Einfluße österreichischer Vertrauensorgane befindet und ein erbitterter Gegner Mazzinis und seiner Anhänger unter den Emigranten ist, hervorgerufen und unterhalten wird. In der Presse, namentlich in der Amerikas, wie in den Clubs, ist Marx mit der Bekämpfung seiner politischen Gegner beschäftigt und seine diesfälligen Rechenschaftsberichte, wie seine für die Presse bestimmten Artikel, gehen meist durch die Hände der Mittelsmänner, welche die Verbindung mit ihm zu erhalten und seine ausgezeichneten Talente im Interesse der guten Sache auszubeuten berufen sind."

Die Herrschenden lachen sich einen weg, wenn sie die Marx-Verehrung hier und anderswo verfolgen. Also informiert Euch doch bitte mal. Die Sache mit der Jenny Marx, der kleinen Schwester des preußischen Innenministers, ist kein Geheimnis und war sicher kein Zufall. Solche Leute wie Karl Marx müssen wir nämlich rechtzeitig erkennen, ehe es was werden kann mit einer besseren Gesellschaft.

Nichts für ungut. Ich weiß, dass die Leute sich schwertun, ihre Irrtümer zu korrigieren. Deswegen kriegen ja die Schüler und Studenten schon was vorgeschwärmt von dem genialen Kritiker des Kapitalismus.

Roberto J. De Lapuente 12. August 2011 um 10:42  

Haha, es lebe die Verschwörungstheorie. Wenn jemand mit einem Reaktionär verbandelt war, dann war er also auch reaktionär. Sippenhaft nannte man das später mal...

Keynesianer 12. August 2011 um 11:25  

Lieber Roberto,

es geht nicht um Sippenhaft, sondern um Wahrscheinlichkeitsrechnung:

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Familie einen preußischen Innenminister und einen preußischen Agenten zu finden?

Wie hoch ist dagegen die Wahrscheinlichkeit, in derselben Familie den preußischen Innenminister und den großen, genialen Kritiker des Kapitalismus zu erleben?

Und dann macht man sich halt einmal nähere Gedanken über die Sache, wie ich es mit vielen Beispielen getan habe. Jedenfalls stellt man erst einmal Nachforschungen an, statt gleich eisern an seinem Kinderglauben festzuhalten und jeden Einwand dagegen sofort zurückzuweisen.

Roberto J. De Lapuente 12. August 2011 um 11:28  

Menschen und deren familiären Verhältnisse lassen sich nicht in Wahrscheinlichkeiten auswerten. Wäre dem so, wäre die Menschheit noch viel trauriger, als sie es ohnehin schon ist.

Anonym 12. August 2011 um 12:14  

Blogger Roberto J. De Lapuente hat gesagt...

" Menschen und deren familiären Verhältnisse lassen sich nicht in Wahrscheinlichkeiten auswerten. Wäre dem so, wäre die Menschheit noch viel trauriger, als sie es ohnehin schon ist."

Marx ein preussischer Agent, warum nicht?

Lenin war bekanntlich ein Agent Wilhelms, organisierte mit Millionen von Wilhelms GOLDMARK die Revolution in Russland.

Das alles wird doch schon von den ILLUMINATEN des 18.Jahrhunderts aus dem Hintergrund gesteuert, die, ganz nebenbei, auch "1789" organisierten.
Auch die Rothschilds verdienen Beachtung..

Wir sind alle blind, o weia...o - :)

Dunkle Grüße von

Bakunin

Anonym 12. August 2011 um 12:39  

Dass Marx ein Agent gewesen sein soll - lange nicht so viel Blödsinn in einem Blog gelesen. Ich frag mich ehrlich, wie weit die Ausschaltung des Hirns gehen kann. Hier wird mit ernsthafter Pose der abgeschlaffteste Schwachsinn produziert. Aber der Schreiber ist nicht ganz allein mit seiner Meinung, so etwas kann man heute tatsächlich lesen, in Zeitschriften für den "gebildeten Leser". Und der ist dann auch noch stolz auf sein "Wissen" und trägt mitunter sogar den Doktortitel.

Und dass Lenin der Agent Wilhelms II. war, um Russlands Kraft mittels einer Revolution im ersten Weltkrieg zu schwächen,
ist kurios, aber wahrscheinlich hat Wilhelm II. tatsächlich so kurios gedacht, was natürlich mehr über Wilhelm II. als über Lenin aussagt. Jedenfalls hat sich Lenin zum Glück nicht ganz an Wilhelms Vorstellungen gehalten, wie wir alle wissen.

Roberto J. De Lapuente 12. August 2011 um 12:44  

Ähm, entschuldige, ich habe das doch nie behauptet...

Anonym 12. August 2011 um 12:57  

Zu endless.good.news: "Was dagegen in den vergangenen Tagen in Großbritannien geschah, hatte mit Revolution noch gar nichts zu tun, das waren unorganisierte soziale Unruhen als Antwort auf die Kürzungen im sozialen und Jugendbereich."

Wie sich bei den gerichtlichen Schnellverfahren gerade herausstellt, entspringen mindestens ein Drittel der Angeklagten wohlsituiertem Bürgertum...

Anonym 12. August 2011 um 16:17  

"[...]Ob "B" heute ein Marktradikaler wäre glaube ich kaum, doch vielleicht hätte es sich in den 70er Jahren des 20. Jh. der RAF angeschlossen? Wer weiss....

MfG Bakunin[...]"

Danke für den aufschlußreichen Text. Übrigens Bakunin, der echte, galt ja lange als der Hauptgegner von Karl Marx und Friedrich Engels. Er hat ja schon damals vor den Auswüchsen des Marxismus gewarnt, eben dem autoritären Staatssozialismus, den Bakunin (der echte) schon früh vorausahnte.

Dennoch danke für den Text....lieber Bakunin....

...übrigens ich will das Thema nicht weiter ausweiten, da es hier zu weit führen würde, denn Bakunin und Marx sollen ja angeblich zeitlebens verfeindet gewesen sein, was nach deren beiden Ableben dazu führte, dass eben auch Marxismus und Anarchismus Todfeinde wurden.....so hab ich das mal in einer Biografie über Bakunin gelesen....vom Edition Nautilus Verlag.....

Anonym 12. August 2011 um 19:28  

Der Hauptdenkfehler ist meiner Meinung, anzunehmen, dass Marx heute noch genauso denken würde wie damals, wenn er noch lebte.
So wird er bis heute beansprucht und "in Haft genommen" für für seine damaligen Schriften, wo doch unabsehbar ist, ob diese für ihn heute auch nur noch einen Pfifferling wert wären.

Anonym 13. August 2011 um 19:45  

"[...]Der Hauptdenkfehler ist meiner Meinung, anzunehmen, dass Marx heute noch genauso denken würde wie damals, wenn er noch lebte[...]"

Exkurs:

Lieber Anonym, umgekehrt wird nämlich auch ein Schuh draus - würden heutige Marktradikale damals leben dann würden die sicher auch Marxisten sein, oder noch schlimmere Markttaliban als eh schon....reine Spekulation, wie du die hier auch mit Karl Marx betreiben willst.

Was mich nervt? Das hat nun Ausnahmsweise mal nix mit Politik zu tun - Hast du mal neulich Historienschinken im Kino gesehen? Nein? Solltest du mal nachholen. Die tun nämlich alle so als wäre die "gute alte Zeit" eben, wie heute. Das nervt, und zwar gewaltig, da ja jedes Kleinkind nachvollziehen kann, dass, z.B. in Hygienedingen, die Hollywood-Version von Sherwood-Forest (im Film Robin Hood) nicht so clean im richtigen Leben rüberkam. Das geht noch, aber regelrecht kriminell wird es, wenn man z.B. Napoleons Truppen als Vorläufer der Nazis filmisch darstellt. Gab es damals schon die Erklärung der Menschenrechte, die erst 1948 von der UN, ratifiziert wurde? Nein. Eben! Genau dies nervt mich dann gewaltig an Historienschinken der neueren Generation....

Sorry, aber das mußte einmal geschrieben werden, da ich den Vergleich eines Menschen der früher lebte mit heutigen Zuständen für genauso hanebüchen befinde wie die Darstellung von "Völkermorden" und Menschheitsverbrechen lange bevor diese von der UN als solche ratifiziert wurden - in der Erklärung der Menschenrechte 1948.

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