Im Konsumismus

Samstag, 15. Mai 2010

Überbleibsel ist nicht der Kapitalismus. Nein, er ist nicht als Sieger aus dem Kalten Krieg herausspaziert, hat nicht den Sozialismus darniedergerungen, um sich zum einzigen Sonnenkönig der Welt zu krönen - Kapitalismus ist nur eine Wirtschaftsform: und für Wirtschaftsformen reißen geknechtete Völkerschaften keine Mauern und Eisernen Vorhänge nieder. Zum Sieger wurde, wenn man das überhaupt so nennen kann, eine Synthese aus beiden Gegenspielern. Nicht strikt eine, die die Vorzüge beider Seiten verbandelte; eher eine, die den innersten Trieb der arbeitsteiligen Massengesellschaft, der ja auch in den Agenden der Ideologien als Recht auf Glück, auf Arbeit oder auf Teilhabe seinen Niederschlag fand, Entfaltungsraum bot: dem Bestreben nach Konsum.

Es war nicht die Liebe zu Adam Smith oder Mill und Malthus, die die Menschen der sozialistischen Welt zum Einreißen von Umfriedungen und Umzäunungen trieb. Natürlich vernimmt man das oftmals gegenteilig bei den Parteimännern der reinen Lehre, die glauben, der Menschen Lebensrealität lasse sich kapitalistisch vermessen; sie beteuern mit der Hoffart der geschichtlichen Sieger, Rudiment des Kalten Krieges zu sein, jene Seite des Konflikts also, der sich als überlebensfähig erwies, während der Kontrahent jämmerlich erlosch - und die Menschen, die drinnen im moribunden Rumpf litten, sie kletterten auf Mauern, weil sie einsahen, dass der Kapitalismus gesünder, zäher und loyaler sei. Als wären Völker ideologische Massen, die mit Lehrbuch unter dem Arm geklemmt, ihre Lebensbedingungen verändern wollten!

Nein, die sprichwörtliche Banane, diese begehrte und nur selten vorrätige Frucht, sie war Auslöser. Lange Warteschlangen und Ebbe im Regal - auch die haben es ausgelöst. Kapitalismus und Sozialismus: eine Lesart. Besser funktionierender und schlecht ausgeführter Konsumismus: das ist die andere Variante. Man war ohnehin nie weit auseinander, völlig richtig wurde die östliche Hemisphäre mehrmals als System des Staatskapitalismus betitelt. Die Schaffung von Konsumgütern trieb beide Systeme an: jedes auf andere Weise, jedes mit verschiedenen Mitteln, aber beide vereint im Produkt, dem Warum dieses emsigen Treibens. Der Konsum sollte Glück und Teilhabe erzielen; der Konsum sollte zum Stillhalten der Massen beitragen; der Konsum sollte Surrogat sein, ablenken, befriedigen und befrieden. Nicht die Bejahung des Profitdenkens oder die herrliche Würdelosigkeit, sich auf dem freien Arbeitsmarkt anbiedern und an den Hals werfen zu müssen, waren es, die die Menschen gen Westen trieben; mit der Absicht, nun endlichendlich kapitalistisch zu werden, traten sie nicht in die Geschichte: sie wollten effektiver, ausreichender, erfüllender verkonsumieren, am Genuss der Welt teilhaben, nicht mehr nur ohne Folgen nachfragen, sondern auch Angebote auf Nachfragen erhalten.

Der Konsumismus treibt den Globus seit Ende des letzten Weltkrieges verstärkt an. Werte und Moralkodizes wurden aufgeweicht, an ihre Stelle traten Theoreme zu Angebot und Nachfrage, handfeste Lehrsätze zum Konsum - Theoreme und Lehrsätze, die nicht mehr nur hinter Schreibtischen erörtert, sondern im Leben der Menschen installiert wurden. Der Erwerb von Waren wurde zum alltäglichen Tagesordnungspunkt - und zur Ware wurde beinahe alles. Butter und Mehl, Röcke und Hemden sowieso: danach auch Dienst am Nächsten, Hilfeleistungen, Menschen selbst, Angestellte und Arbeiter. Selbst ein zuhörendes Ohr kann zum käuflichen Objekt werden - und selbst die Gesundheitsvorsorge, die Medizin als Errungenschaft der Menschheit, als Kulturgut menschlichen Daseins quasi, wird etappenweise zur Ware empor- oder besser: herabgewürdigt. Fast alle Sachen, fast alle Gedanken nahmen die Form von Ware an. Und so wurde hinter und vor dem Eisernen Vorhang verfahren - hier verstärkt, dort mit Abstrichen.

Denn dort gab es noch Ideale. Theoretische Ideale meistens - aber nicht nur. Die Staatssicherheit war freilich kein Ideal - die Einbeziehung verrentnerter Arbeiter, die aus dem Lebensumfeld der Produktiven nicht einfach entfernt wurden, die weiterhin in Firmenkantinen speisen durften: das hat doch aber etwas vom gelebten Ideal. Auf der anderen Seite des erkalteten Weltenbrandes belächelte man solche moralingesäuerten Maßnahmen durchaus - wer Geschäfte machen will, so hieß es, heißt es heute noch viel zu oft, dürfe nicht sentimental, nicht rührselig sein. Je schlechter aber die Konsumversorgung klappte, je weniger Konsumismus verwirklicht, diesem pursuit of happiness Antrieb gegeben werden konnte, desto ausgeblichener das Bekenntnis zum Ideal, desto bereiter war man dazu, vom Idealismus zu weichen. Der Konsum als Bezwinger der Rührseligkeit, der Gefühlsduselei, als Überwinder des Idealismus, Atomisierer rudimentärer Moraleinsichten!

Überrest ist damit nicht der Kapitalismus, es ist jener Trieb, der uns heute als Teil der conditio humana verkündigt wird: der Trieb des Raffens, des Besitzenwollens, des Aneignens und Hortens. Kapitalisten sind jedoch die wenigsten Menschen, ihnen mangelte es ohnehin an Kapital. Sie sind Konsumisten, haben die tatsächlich menschliche Eigenart, notwendigen Besitz zu mehren, Zeug zu mehren, um es mit Heidegger zu sagen, überspannt. Der Mensch, er ist abhängig von Werkzeug, Schreibzeug, Flickzeug, Kochzeug und allerlei anderem Zeug: er ist ein Zeugversessener, weil er nur mit Zeug sein, mit Zeug existieren - und zwar in menschlicher Würde existieren - kann; die Natürlichkeit des Menschen, so beschrieb Helmuth Plessner einmal, sei die natürliche Künstlichkeit. Diese sei anthropologisches Gesetz; der Mensch müsse Künstlichkeit erzeugen, um natürlich leben zu können - ohne künstlich erzeugte Kralle oder Reißzahn in Form etwaiger Waffen beispielsweise, keine Möglichkeit des Fleischessens. Der Mensch erzeugt, weil er Zeug zum Leben benötigt - das ist ein wesentlicher Aspekt der Spezies Mensch. Der Konsumtrieb heutiger Prägung aber, er ist der Erzeugung entfleucht, er sammelt und hamstert, macht auch aus Mitmenschen Zeug, aus Gefühlen und Sorgen außerdem, erklärt die komplexe Erscheinung der Welt zum Konsumtempel, in dem alles was sichtbar ist, ganz einerlei ob beseelt oder dinglich, eine Ware sein kann, wenn sich nur ein Käufer oder Interessent findet. Es ist letztlich keine natürliche Künstlichkeit mehr, die hinter dem heutigen Konsumwahn steht: es ist die Überspanntheit, andauernd neu beschäftigt, befriedigt, erfunden sein zu müssen. Ware als Lebenselexier! Ware als temporärer Sinnstifter, solange bis neue Ware neue Sinne stiftet. Ware als irdischer Grundstoff, als fünftes Element, als Atom, das die ganze Welt zusammenhält und erklärbar macht. Wir sind keine Welt bestehend aus kleinsten Teilchen, aus Atomen - es gibt noch kleinere! -, wir kleben und halten durch den Warenwert zusammen. Am Anfang waren nicht Feuer, Luft, Wasser und Erde: am Anfang war die Ware und der Kunde und das wohlige Empfinden beim Erhaschen eines Schnäppchens!

Es ist kein Leben in einer ideologischen Fassade, das uns heute bestimmt und befehligt. Es gibt "die Kapitalisten" - keine Frage. Aber die Menschen der Lebenswirklichkeit, die mit Theorien und kapitalistischen Dogmen wenig anfangen und noch weniger ihr alltägliches Dilemma bestreiten können, sind nicht in der Mehrzahl bekennende Kapitalisten - dazu fehlt ihnen schon die finanzielle und materielle Grundlage. Aber sie werfen sich kopfüber in den Konsum, erwerben und kaufen, jagen und erstehen, betäuben sich mit Artikeln und Fabrikaten, vergleichen Angebote und frönen des Selbstgenusses, streben nach Erzeugnissen zum Selbstkostenpreis, wenn es diese schon nicht geschenkt gibt. Die Gesellschaften des Westens, zu denen auch die Gesellschaften des Ostens langsam hinzustoßen, tragen nicht den Kapitalismus in die Dritte Welt - sie tragen die Konsumgeilheit und die Abhängigkeit dorthin. Sie wollen den Afrikanern und Südamerikanern, den Arabern und Paschtunen nicht den Kapitalismus schmackhaft machen: sie wollen sie in den Konsumismus stürzen, in jene Tiefen also, in denen sie schon feststecken. Man befriedet die Welt nicht mit Ideologien, man macht sie mürbe, indem man ihr Flausen in den Kopf setzt. Der Kapitalismus hat nicht gesiegt, der Sozialismus nicht verloren - es hat sich einfach nur der abgeschmackte krämerische Trieb des homo supermercatus durchgeboxt und den geschichtlichen Zwiespalt als lachender Dritter beendet.

20 Kommentare:

Geheimrätin 15. Mai 2010 um 15:37  

na wer sagt's denn Roberto. Hier das passende Denkmal zu deinem Text:

Neues Europa-Denkmal enthüllt

ps habs zwar grade schon bei flatter gepostet, aber ich bin so frei, es auch dir noch zu offenbaren.

Anonym 15. Mai 2010 um 20:00  

Kapitalismus war eine Wirtschaftsform bis zum "Fall des eisernen Vorhangs".... nun ist er zu einer Gesellschaftsform geworden und hat die Demokratie und zT dem Kommunismus abgelöst. China, obwohl sich "komunistisch" nennend, ist ein rein kapitalistisches Land geworden, kapitalistische Traum schlichhin. Klare Befehls-,und Machtstrukuren In der kapitalistischen Welt wird alles dem Gesichtspunkt der Ökonomie unterworfen. Zwischenmenschliches, Freundschaften,Familien, Kunst, Kultur, Sport, Bildung, Medizin, Forschung, Umwelt, Fortschritt... jeglich denkbarer Aspekt des menschlichen Alles wird auf dem Opfertisch des Mamon geopfert.

Manul 15. Mai 2010 um 20:14  

So einfach würde ich das auch nicht sehen, Roberto. Im Kommunismus hat es den Leuten nicht an Waren richtig gemangelt, denn den Mangel wusste jeder irgendwie wett zu machen. Es war vielmehr das Gefühl der Menschen da kein selbstbestimmtes Leben führen zu können, weil ja eben die Partei - und damit die Ideologie - alles bestimmt, was man tut und denkt. Es war auch die Gleichmacherei, die die Menschen entzürnte, die ihre Leistung vom System nicht gewürdigt gesehen haben, was den Mangel er wirklich bewusst machte. Ich erinnere mich noch heute, als meine Mutter immer darüber beklagte, dass im Westen die Studierten besser leben und die Tatsache besser gewürdigt wird, dass sie studiert haben. Es stimmte auch, es gab viele Menschen, die einfach nur gute Beziehungen hatten oder sich durchmogeln wussten, dass sie ein deutlich komfortableres Leben führen konnten, als die normale Bürgermasse.

Das ist aber das, was die postkommmunistische Zeit mit dem Kommunismus nun gemeinsam hat: Es behandelt die Menschen tatsächlich gleich, aber auf eine Weise, die man sich im Kommunismus nie erlaubt hätte. In heutigen Zeiten werden alle Menschen als Einheit gesehen, ganz gleich welches Alter, Geschlecht und körperlichen Zustand diese haben. So macht man Menschen für sich selbst verantwortlich, die gar nicht für sich verantwortlich sein können, z.B. Kinder. Kinder haben demnach den gleichen Status wie Erwachsene und daher schwindet auch immer das Verständnis dafür, dass die Kinder- und Jugendwelt eine ganz andere Welt ist, als die Welt der Erwachsenen. Das hatten wir zuletzt vor der Aufklärung, aber man kann immer gut den Zustand einer Gesellschaft am Wohl ihrer Kinder ablesen. Ich bin auch froh darüber, dass ich im Kommunismus Kind sein durfte, da waren Kinder nämlich alles, nur keine Konsumenten und Kostenfaktoren. Den Kampf um materielle Güter und Statussymbole habe ich erst in Deutschland kennen gelernt und kann bis heute nur wenig damit anfangen.

Inglorious Basterd 16. Mai 2010 um 10:03  

Hey Manuel: Mit der Menge des Spielzeugs meiner beiden Enkelkinder (3 und 8)könnte ich alle Kinder in Namibia beglücken.

Die andere Seite der Konsummedaille ist die protestantische Arbeitsehtik, nach der der Mensch seinen Sinn erst in der Lohnarbeit erfährt. Hannah Ahrendt hat bereits vor einer Gesellschaft gewarnt, die sich nur noch aufs Arbeiten und Konsumieren versteht.

Normale Lebensäußerungen werden folglich auch mit dem Arbeitsbegriff belegt: Erziehungsarbeit, Trauerarbeit, Beziehungsarbeit, Schularbeit, Hausarbeit, "Work-out" beim Fitnesstrainig usw.

Diese Arbeitsideologie hat in Gestalt der Do-It-Yourself-Welle schon längst vom Freizeitbreich Besitz ergriffen. Anstelle von sinnvollem Müßiggang nach Feierabend entwickelt sich der Konsument auch in seiner frei verfügbaren Zeit zum Experten für Wohnungsbau, Elektronik, Kfz.-Mechanik, für Reparatur- und Maschinensysteme. Neben Reaparaturanweisungen, Fachmagazinen und Bauanleitungen boomen Baumärkte, Hobbymärkte und Möbelbausatzkaufhäuser.

Das Institut für Freizeitwirtschaft in München schätzt, dass 31 Mio deutsche Heimwerker rund 2,6 Mrd. Stunden p. A. an Heim und Haus werkeln. So wird in der freien Zeit weiter die Produktion kopiert, allerdings unter dem Schein der Selbstbestimmung.

Anonym 16. Mai 2010 um 12:29  

Hallo Roberto und Manul,

dass es in allen diesen ehemaligen realsozialistischen Staaten(um was für einen Sozialismus, besser wohl Keimform des Sozialismus es sich auch immer gehandelt haben mag) ein diffuses Gefühl von Unfreiheit und Bevormundung gab, eint viele Menschen, die in diesen Staaten gelebt haben oder zu einen von ihnen nähere verwandschaftliche oder berufliche Kontakte hatten.
Natürlich waren diese Staaten keine herkömmlichen Diktaturen, schon gar keine "verbrecherischen"(Stalinzeit sicher ausgenommen), sie boten vielen Bürgern ein meist bescheidenes auskömmliches und oft auch würdevolles Leben, besonders auch Arbeitsleben, ebenso eine günstige allgemeine medizinische Betreuung.
Millionen von Kindern einfacher Arbeiter und Bauern konnten bei entsprechenden Leistungen höchste Bildungsabschlüsse erzielen, studieren, verantwortungsvolle Berufe erlernen.
Diskriminierungen wegen Herkunft oder religiösen Bekenntnissen waren eher selten.
Wer dies alles als "Schönfärberei" abtun möchte, mag sich mal mit ROMA und SINTIS in Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien unterhalten, oder auch mit normalen älteren Bürgern und sie nach Vergleichen zwischen HEUTE und DAMALS im "Kommunismus" vorsichtig befragen!
Seltsam, wie sehr die heutigen "freiheitlichen" Medien des "Westens" ihr heutiges Schicksal in diesen "befreiten" Nato-Staaten meist verschweigen, nicht wahr?
Ebenso wie zunehmende Massenarmut, massenhafte Prostitution, massenhafte Auswanderung gerade junger, oft gut ausgebildeter Leute etc..
Aber viele Menschen in diesen Staaten strebten ab 1989 in die "Freiheit", zum Kapitalismus, tatsächlich nur zur Freiheit?
Dies mag für einen Teil dieser Bürger durchaus zugetroffen sein, einem anderen ging es aber vor allem nur um mehr Konsum, koste es was es wolle.
Wer 1989 die damaligen Bürger der DDR - heute zu ehrenvollen "Ossis" ... sagen wir: "aufgestiegen"! :-) - erleben durfte, die Endlosschlangen von DDR-PKWs via "Westen" wegen 100 DM "Begrüßungsgeld", der plötzliche "Flüchtlingsstrom" von Leuten aus der DDR, OBWOHL ab Dezember 1990 die SED entmachtet, die Tätigkeit der Staatssicherheit weitgehend eingestellt war, Meinungs- und Pressefreiheit sich tagtäglich zu mächtig zu entfalten begannen, Freiheit und Demokratie, nach allen Seiten offene Grenzen wiederhergestellt waren, niemand hungern musste, der begreift, was für eine entscheidende "Rolle" der "KONSUMISMUS" bei einer Mehrzahl der Leute damals tatsächlich gespielt haben mag.
Und ist es nur ein Zufall, dass alle diese Staaten bald nach ihrer "Befreiung" vom "sowjetischen Joch" EU- und Nato-Vasallen wurden?
Ist es ein Zufall, dass die CIA ausgrechnet im "freiheitsdurstigen" Polen(!) sowie im ehemals "geknechteten" Litauen geheime Foltergefängnisse einrichten und betreiben konnte, in voller "Freiheit" sozusagen?
Und nun noch dieser "Raketenschirm"...
Ob DAFÜR die Menschen in Ost-und Mitteleuropa einst auf die Straße gegangen sind?
Wohl kaum, aber meist wohl doch dafür, zum "Westen" gehören zu wollen, welchen sie, mehr oder weniger bewusst, mehr oder weniger diffus für einen "Konsumtempel" mit angeschlossener Reisefreiheit hielten.
Überall lagen die Dinge natürlich ein wenig anders, aber der "Konsumismus" war ein viele diese Menschen damals einigendes Motiv, ob sie sich das heute eingestehen wollen oder nicht.
Ich denke, lieber Roberto, dass du dich mit deinem Versuch einer Analyse der Rolle des "Konsumismus" ein ganzes Stück der Wahrheit angenähert hast, ohne sie sicherlich ganz zu "erschöpfen".
Aber rechne mit derartigen Analysen nicht mit zu viel Beifall, nicht mal in DIESEM Board!

MFG Bakunin

Manul 16. Mai 2010 um 12:57  

Eben kam mir eine richtig perverse Analogie in den Sinn, die eigentlich gut das System beschreibt, in dem wir heute leben. Alle Diktaturen der Welt hatten und haben immer eines gemeinsam: Ohne die herrschende Partei geht für Menschen nichts und ohne das passende Parteibuch schon allemal nicht. Der heutige Monaterismus hat damit etwas Einzigartiges geschaffen, nämlich ein universelles Parteibuch, was weltweit die Tore zum Klub der Bessergestellten öffnet. Ausschlaggebend dafür ist der eigene Kontostand, die Währung dahinter ist dabei auch nicht wirklich wichtig, solange der Wert entsprechend ist.

Aber genau an dieser Stelle stellt sich das System irgendwann selbst in Frage. Wann immer zu viele Menschen ohne eigene Leistung, aber durch fiktive Werte, zu einem besseren Leben finden, als Menschen, die hart und ehrlich arbeiten, stellt sich irgendwann für die unpriviligierte Mehrheit die Frage, wieviel Schmarotzertum einer herrschenden Klasse sie noch bereit sind hinzunehmen. Der Fass läuft langsam über und die Krise der Euro-Südländer könnte zum Flächenbrand werden. Wir dürfen also gespannt sein...

epikur 16. Mai 2010 um 15:57  

Bestes Beispiel für Deine Thesen, ist die heutige Sprache der Liebe. Ökonomisiert, verdinglicht, kurz: Liebe als Konsum.

landbewohner 16. Mai 2010 um 16:34  

seh das genauso! ich denke auch als die ddr bürger auf die strasse gingen, wars der talmi glanz via westfernsehen, die gier nach mercedes,fernurlaub und statussymbolen, der sie nach der freiheit des westens schreien liess.wie verlogen die ganze bewegung war zeigte sich ja sehr schnell an den bürgerrechtlern, die zu cdu fans mutierten.und - bei licht betrachtet- der mauerbau der ddr war auch eine reaktion darauf, daß vom staat gut ausgebildete - vor allem akademiker- in massen das land verliessen, um die früchte ihrer kostenlosen ausbildung in westmark zu ernten. wie zb. ja auch MANUS MUTTER die eine privilegien für studierte forderte, so wie im westen, als ob deren magen oder arbeitsleistung grösser wäre als die derer, die ihnen die ausbildung ermöglicht hatten. da fängt die gier nach dem materiellen an. mehr für mich heisst mehr für mich als für andere, keine rücksicht auf mitmenschen oder ressourcen, ist egoismus und dann eben (neo)liberalismus, kapitalismus und konsumgier oder-geilheit.

Anonym 16. Mai 2010 um 18:38  

Bleibt der Mensch Jäger und Sammler - und lernt nichts?
http://www.creative-i.info/2010/05/14/goodbye-to-social-democracy-by-dave-stratman/

Anonym 16. Mai 2010 um 18:43  

@Bakunin
Dir kann man nur beipflichten. Deine Beschreibungen lassen erahnen, dass du ein "Insider" bist. Das gleiche hätte ich, aus persönlicher Erfahrung und aus der Sicht eines ex-Bürgers eines ex-blockfreien Staates(auch eines Westberliners)schreiben können.

Ich habe die "Wende" in den beiden Ländern miterleben können. Sehr viele Menschen, auch sehr viele junge Menschen, in Ex-Jugoslavien bereuen zutiefst das sie nun dort angekommen sind, wo sie nun stehen.Nun muss sich das Land für den EINEN Kapitalisten-"Block" entscheiden. "Gestorben" sind dadurch:-kostenlose Gesundheitsversorgung, -kostenlose Schulbildung,
-günstige Grundnahrungsmittel, -Gleichbehandlung der Menschen, -Reisefreiheit (weil keiner der normalen Menschen Geld hat, um eine Auslandsreise zu machen),
-kostenlose Kredite für Bauern (das macht ja nichts , denn),
-die Landwirtschaft (weil das meiste aus der EU importiert wird ,werden muss)
-auskömmliche Renten ( Ein Rentner kann sich ein Stückchen Fleisch im Schaufenster nur noch anschauen), -auskömmliche Löhne
-Urlaub am eigenen Meer (weil die reichen Touristen die Preise in die Höhe getrieben haben), weil alles "privatisiert", geraubt wurde etcetcetc.... willkommen im Kapitalismus als Staats- und Gesellschaftsform.

Anonym 16. Mai 2010 um 19:10  

Ein kleiner Nachtrag zu meinem Post, bezüglich des Links von ekipur:
Wundert mich, dass die Vokabel "Arbeit" nicht in diesem Kontext betrachtet wurde. zB
"An der Beziehung/Liebe arbeiten", "Beziehungsprobleme aufarbeiten" oder "Trauerarbeit" (passt nicht zum Liebesthema, aber zu zwischenmenschlichen Bindungen)
Zoran

flavo 17. Mai 2010 um 09:23  

der konsumismus ist der rausch an jahrhunderte lange unterjochung und armhaltung, der diät des pöbels. die kommunisten haben sich getäuscht: der verlauf der geschichte zwingt in das wuchern und darben im verschlingen, nicht in den frei-vernünftigen fischereibetrieb am vormittag. in das verschlingen dessen, was jahrhunderte vorenthalten war, in einen lebensstil derer, die jahrhundertelang ihr jämmerliches dasein mit pompösen abgeschmackten stilfragen im überfluss bewältigt haben und den hungertrieb der massen angereizt haben, sie verspottet haben ob ihres notwendigkeitsgeschmacks und sich erhöht gedeucht haben ob ihrer stilillusionen. nun schlingt der pöbel mit, er will verspeisen, er will anhäufen, er will verschenden und sich berauschen am überfluss. er ist diese strebung, er ist der kreisgang der illusion, den ihn jahrhunderte lang die nichtsnutze dieser welt vorgeführt haben, diese flüchtlinge menschlichen ernstes, der sie alle nur im augenblick des todes in ihrem inneren schrecklich eingeholt hat und einholt und verschüttet bleibt für alle anderen und sie nicht retten kann aus dem darben im phantasma. aber es ist das kosmologische recht des pöbels, die mauern einzureißen und die schatzkammern zu stürmen und sich die bäuche vollzuschlagen, material zu vergeuden und umherzuwerfen, es zu verbrennen und zu verschlingen, es allen großzügig zu teil werden zu lassen, den ausschluss selbst noch zu verschlingen und zu verdauen und auszuscheiden und mit vergebung den gefangenen der illusionen brüderlich die hand zu reichen und sie zu überbieten. wir wollen fette bäuche, wir wollen rülpsen und furzen von unseren prallen konten und futterkamern, wir wollen die halben äpfel aus dem fenster hauen, um uns am matsch zu ergötzen. die misshandelte erde will ihre gerechtigkeit, sie will allen ihren abkömmlingen die bäuche füllen, sie will dicke kinder, wohlgenährte und lustvolle, die umhertanzen und jauchzen.

epikur 17. Mai 2010 um 12:13  

@anonym

Es gibt sicherlich noch viele Begriffe, welche die marktwirtschaftliche Korruption der zwischenmenschlichen Sprache aufzeigen. Deine Beispiele sind gut. Werde ich bei Gelegenheit nachreichen.

Daniel Limberger 17. Mai 2010 um 12:30  

Die richtige Kritik am Konsumismus sollte aber nicht zur Kritik am Konsum als solcehm werden - der doch eigentlich ursprünglich der Zweck aller Arbeit sein sollte. Arbeit ist die Notwendigkeit, um den Konsum berwerkstelligen zu können. Produktion zur Bedürfnisbefriedigung ist eigentlich das einzig Vernünftige – anstatt wie hier bei uns, wo die Produktion und Bedürfnisbefriedigung nicht der Zweck, sondern nur das Mittel für den wirklich gültigen Zweck dient: nämlich aus Geld mehr Geld zu machen, also Kapitalakkumulation. Das ist der vom kapitalistischen Staat institutionalisierte Zweck, da das Kapitalwachstum die Springquelle der Macht des bürgerlichen Staates ist.
Der Fehler im Realsozialismus war, dass die Bedürfnisse der Menschen, also der Konsum, letztlich doch nicht der oberste Zweck allen Wirtschaftens war, da weiterhin mit Geld und Waren hantiert wurde. Eigentlich sollte aber Planwirtschaft bedeuten, dass nach den in der Gesellschaft festgestellten Bedürfnissen produziert wird, Punkt. Dazu braucht es keines Geldes und keiner Warenform, die den Plan einzig und allein behindern und aushebeln. Die Realsozialisten haben aber den Kapitalismus nachgebaut, mit Geld, Warencharakter und sogar Kapitalakkumulation - und dieser Staatskapitalismus sollte dann den guten Zwecken der allgemeinen und gerechtne Versorgung dienen. Doch dazu taugt der Kapitalismus nun wirklich nicht. Daher sollte eine Kritik am Kapitalismus diesen Fehler der Realsozialisten einschließen, um dahin zu gelangen, Kommunismus als etwas ziemlich grundlegend anderes zu begreifen, als das, was die Realsozialisten im Osten eingerichtet hatten. Der einzige wichtige Grundsatz, der dort verwirklicht wurde, war die Beseitigung des Privateigentums. Doch Ware, Geld, Lohnarbeit und Kapitalakkumulation, ganz abgesehen von Staat und Gewaltmonopol, lebten munter weiter. Hier muss die Kritik weiter gehen, um zu verstehen, wie grundsätzlich anders gedacht und gehandelt werden muss, wenn eine vernünftige Gesellschaft einmal Wirklichkeit werden soll.
Zur klügsten und überzeugendsten Kritik am Kapitalismus und dem bürgerlichen Staat empfehle ich die Vorträge und Veranstaltungen des "GegenStandpunkts", zu finden unter:
http://www.farberot.de/index_archiv.html - das sind aktuelle Beiträge, die direkt als MP3 angehört und heruntergeladen werden können.
Die älteren Veranstaltungen des GegenStandpunkts und der Marxistischen Gruppe, aus der sie hervorgingen, sind (leider etwas umständlich) hier zu finden:
http://archiv.argudiss.de/
Hier muss man die einzelnen Jahrgänge als *.iso-Dateien herunterladen, diese dann direkt (z.b. mit Nero) als CD brennen und man erhält ein CD mit MP3s und mit Menü, in dem man sich Beiträge zu verschiedensten Themen (inklusive Diskussionen) anhören kann - es lohnt sich ganz unerhört!
Zur radikalen linken Kritik am Realsozialismus gibt es einige ältere Beiträge, z. B.:

-"70 Jahre Oktoberrevolution: Der Weg der KPdSU - Von der Verwirklichung einer Kritik an Staat und Kapital zum Bekenntnis, keine Revolution mehr zu wollen (München 1987-11)" [zu finden auf der CD, die sich hier als *.iso herunterladen lässt: http://doku.argudiss.de/data/isos/v2006_vol2.iso]

- "Sozialismus in der DDR" [zu finden auf der CD, die sich hier als *.iso herunterladen lässt: http://doku.argudiss.de/data/isos/sskp1.iso]

Um Marx zu verstehen und nebenbei noch mitzubekommen, warum die alten Kommunisten bzw. "Realsozialisten" viel falsch und nur wenig richtig gemacht haben empfiehlt sich auch der dreiteilige Veranstaltungsmarathon "DDR-Ökonomie" (1989-11), der ausnahmsweise woanders zu finden ist: http://www.archive.org/details/MG_Peter_Decker_Die_DDR_Oekonomie_Teil_1_5 und http://www.archive.org/details/MG_Peter_Decker_Die_DDR_Oekonomie_Teil_6_10 und http://www.archive.org/details/MG_Peter_Decker_Die_DDR_Oekonomie_Teil_11_14].
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Daniel Limberger 17. Mai 2010 um 12:30  

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Als Einstieg zur vom GegenStandpunkt geleisteten marxistischen Kritik am Kapitalismus und dem dazugehörigen Staat empfehle ich:

- "Das Proletariat: Politisch emanzipiert - sozial diszipliniert - global ausgenutzt - nationalistisch verdorben. Die große Karriere der lohnarbeitenden Klasse kommt an ihr gerechtes Ende" (2002, Peter Decker) [http://www.farbe-rot.de/mp3/Das Proletariat (F 11-2002).mp3]

- "Kritik - Wie geht das?" (2010-04-21, Peter Decker) [http://www.farberot.de/mp3/GegenStandpunkt_Kritik_Wie_geht_das.mp3]

- "Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Was denn sonst? So funktioniert Kapitalismus!" (Teil der CD "GegenStandpunkt 2005 I" - die Playlist heißt "kapital_nbg_0505.m3u" und besteht aus 7 Einzel-MP3s, *.iso-Datei unter: http://doku.argudiss.de/data/isos/v2005_1.iso)

- "Die Konkurrenz - 'Sachzwang' und Erfolgsrezept?" (Teil der CD "GegenStandpunkt 2005 I" - die Playlist heißt "konkurrenz_m_0305" und besteht aus 5 Einzel-MP3s, *.iso-Datei unter: http://doku.argudiss.de/data/isos/v2005_1.iso)

- "Prekariat" und „Armutsdebatte“ (Teil der CD "GegenStandpunkt 2006 I" - es handelt sich um die beiden Veranstaltungen "prekariat_rbg_1106*.mp3" (4 MP3s) und "prekariat_hb_1106*.mp3" (5 MP3s). [Diese beiden Veranstaltungen sind zusammen als *.iso-Datei zu finden unter: http://doku.argudiss.de/data/isos/v2006_vol1.iso]

Zu den Themen Geld und Finanzkrise herrscht sicher zurzeit vermehrter Bedarf, auch hierzu gibt es äußerst erhellende Beiträge des GegenStandpunkts:

- Die Krise der "Realwirtschaft" bringt die Kritik der kapitalistischen Produktionsweise zur Anschauung (http://www.farberot.de/mp3/GegenStandpunkt_Dozekal_Krise%20Realwirtschaft.mp3)

- Geld oder Leben: Schlaglichter auf das markwirtschaftliche Verhältnis von Ökonomie und Versorgung (http://www.farberot.de/mp3/GegenStandpunkt_Geld_oder_Leben.mp3)

- "Warum brauchen wir das Geld?" -Ideologien und was sie über die Gesellschaft verraten (http://www.farberot.de/mp3/GegenStandpunkt_Geld_2.mp3)

- Wenn Banken krachen..(2. Teil) Staat und Krise: Staatsmacht rettet Geldmacht: ein Lehrstück über Geschäft und Gewalt (http://www.farberot.de/mp3/GegenStandpunkt_Die_Finanzkrise_2.mp3)

- Wenn Banken krachen.... Was der Kollaps des Finanzsystems über den Reichtum der kapitalistischen Nation lehrt (http://www.farbe-rot.de/mp3/Wenn_Banken_krachen.mp3)

- Weltfinanzkrise II: Staaten als Retter in Aktion (http://www.farberot.de/mp3/GegenStandpunkt_Staat_und_Krise.mp3)

- Weltfinanzkrise (http://www.farberot.de/mp3/GegenStandpunkt_Weltkreditkrise.mp3)

Und noch zwei ganz andere Themen:

- Der Tod des Papstes - eine fundamentalistische Feier der herrschenden Moral (auf der CD "GegenStandpunkt 2005 II", zu finden hier: http://doku.argudiss.de/data/isos/v2005_2.iso)

- Freiheit-Geleichheit-Solidarität (eine KRITIK an diesen Werten, http://www.farbe-rot.de/mp3/GegenStandpunkt_Freiheit-Gleichheit-Solidaritaet.mp3)

Und noch ganz aktuell der letzte Beitrag:

- Lernen unter dem Diktat der Note (http://www.farberot.de/mp3/GegenStandpunkt-Lernen_unter_Noten.mp3)

Aufschlussreich - es geht darin um unser Bildungssystem, das als Zurichtung der Menschen für die gesellschaftliche Hierarchie funktioniert, als Selektionseinrichtung, und nicht um möglichst viele Menschen möglichst viel zu bilden usw.

Ich wünsche viel AUFKLÄRUNG – wir wollen die Welt doch wohl verstehen, bevor wir dann zur ADÄQUATEN Kritik daran schreiten? Dazu kann der GegenStandpuntk unschätzbare Dienste leisten – jedenfalls hat er das bei mir : )
Und ich wünsche VIEL SPASS – denn Wissen und Verstehen bereiten abgesehen von ller Notwendigkeit uach ein nicht zu verachtendes intellektuelles Vergnügen!

Daniel Limberger

Anonym 18. Mai 2010 um 10:25  

Daniel Limberger,

vielen Dank für diese interessanten Literaturhinweise!
Allerdings fürchte ich, dass viele Leute SO GENAU nun auch wieder nicht wissen wollen, WARUM wir heute SO leben müssen, in so einer Gesellschaft vor uns hinzwursteln gezwungen sind.
Insbesondere Fragen nach einer Überwindung und letztlichen Abschaffung des Kapitalismus erfreuen sich selbst heute in einer der veritabelsten Wirtschafts- und Finanzkrisen der neueren Zeit keiner großen Beliebtheit.
Jammern und Stöhnen, Fatalismus und Resignation sind da leider oft eher angesagt als Partei ergreifen, Farbe bekennen: GEGEN die heuttigen Eliten und deren aktuelle Politik - und ihre zahllosen Helfershelfer und Büttel quer durch ALLE Schichten der Gesellschaft.
Eine "gute Moral" ist da für viele Leute alle Male bequemer, nicht wahr?
Ohne einen ernshaften Kampf um Alternativen wird es keinen Ausweg aus dieser irrsinnigen Gesellschaft geben, eher ein weiteres DAHINFAULEN noch über viele Jahrzehnte in ALLEN gesellschaftlichen Bereichen mit den verschiedensten Konsequenzen für die große Mehrheit der Leute, und zwar so lange, bis andere, neue Menschen, eine neue Generation die geschichtliche Bühne betritt um die von uns, von dieser Generation versäumten Aufgaben in Angriff zu nehmen.

MfG Bakunin

philgeland 18. Mai 2010 um 15:30  

@Manul
In Bezug auf die DDR sehe ich das ähnlich. Ich bin so dreist zu behaupten, dass viele DDR-Bürger trotz aller Beschnüffellung und aller Repressalien ihre Heimat nicht verlassen wollten.
Die Mauer allerdings - dieses grausame Misstrauensvotum der herrschenden Kaste an die eigene Bevölkerung - weckte jene Begehrlichkeiten erst.
Wer eingesperrt ist, will irgendwann raus. Mauern und Stacheldraht machen neugierig auf das, was dahinter ist - aus der Sicht des Gefangenen, versteht sich.
Im Grunde konnte nur so der Mythos vom "goldenen Westen" entstehen.
Aber hier sind wir auch wieder bei Robertos Argumentation. Was machte den Westen so verführerisch?
Für die meisten waren es die Käufhäuser und Supermärkte. Das Schlaraffenland des Konsums.
Für wenige allerdings war es auch ein Symbol für politische Freiheiten, die sie nicht hatten. Jene wenigen, die kritisch über ihren eigenen Staat nachdachten, ihn verbessern wollten ohne unbedingt das westliche Modell vollständig nachahmen zu wollen.
Sie wurden bitter enttäuscht und ihre Ansichten spielten - das behaupte ich jetzt einfach mal - nach der Öffnung der Mauer kaum noch eine Rolle.

Christian Klotz 19. Mai 2010 um 09:37  

Ähmmm, ich hätte da mal ein hierher gehörendes Problem.
Mein Computer weigert sich unter den verschiedensten links, die Verbindung zum Feynsinn herzustellen.
Schlägt stattdessen FeynSinn anzusteuern vor: da gibt es superfeine Handtaschen an jungen Frauen zu besichtigen. Nein, es ist anders rum richtig: Frauen an Handtaschen.
Kein Scheiss meinerseits, sondern ein Memorabile in Echtzeit.

Anonym 19. Mai 2010 um 11:47  

Gefangen im Hamsterrad von Konsum und Schulden (wegen fehlender Lohnerhöhungen), eindrücklich zeigt sich dieser Zusammenhang bei den Amerikanern.
Mit Haut und Haaren nimmt der Kapitalismus die Menschen in Beschlag.

thom 21. Mai 2010 um 12:23  

Doch, ich möchte Beifall geben, für eine doch recht gelungene Würdigung des Verhaltes der Masse und Darstellung der Zusammenhänge.
Die Frage, welche sich daraus ergibt, wie kommt Mensch aus der misslichen Lage wieder raus ? Oder besser, wie kommt ein halbwegs ausgeglichener Lebenssinn da wieder rein in die Köpfe ?

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