Weigerung, allzu heimisch zu werden

Donnerstag, 28. Januar 2010

Ich? Ich und weltfremd? Na hören Sie mal! Das ist ja bodenlos - eine bodenlose Frechheit! Woher nehmen Sie nur diese dreiste Kaltschnäuzigkeit? Weltfremd, hm? So eine Frechheit! Eine Frechheit, mir so ungehemmt die Wahrheit an den Schädel zu schleudern!

Jaja, ich bin weltfremd. Ihr haltloses Mundwerk hat den Kopf mit dem Nagel getroffen, die Wahrheit quasi ans Haupt gespießt. Ich bin dieser Welt entfremdet, bin ein Fremder in einer Welt, in der ich gar nicht allzu heimisch sein möchte. Als Mensch mit ethischen Grundsätzen muß man sich weigern, hienieden heimisch zu werden. Man richtet sich zwar ein, schafft sich etwas Quasiheimisches, etwas Heimeliges für den Privatgebrauch sozusagen, aber zuhause ist man als in die Welt Geworfener nie so recht.

Sie haben ja so recht! Ich bin weltfremd! Das heißt aber nicht, dass ich wie ein Fremder wegblicke, unerfreuliche Dinge übersehe; Dinge, die mir so fremd sind, wie ich ihnen. Mir fremd, weil ich sie nicht dulde, nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen kann. Ich kann nicht erlernen, das kalkulierte Jammertal zu verkraften, dieses Gebräu aus gewollter Armut und praktizierter Kalamität als Normalität zu akzeptieren. Das Leid in dieser Welt, jedenfalls das materielle Leid, wäre in beinahe allen Fällen zu beheben - wenn diese Welt es nur möchte. Hunger, Obdachlosigkeit, Ausbeutung, Unterdrückung und dieserlei - das sind doch keine Naturgesetze, man könnte sie bändigen. Diese materiell so gesunde Welt wäre imstande, das Leid weitestgehend abzuschaffen, den Kampf ums Dasein zu beenden.

Sie will es nur nicht! Und wo eine Welt nicht das will, was ich mir als Mensch an Idealen und Werten bewahrt habe, so bin ich ihr fremd. Wir reden hier immerhin von einer Welt, die mir als Kind schmackhaft gemacht wurde, die ich aber in dieser schmackhaften Variante bis heute nicht erleben durfte. Dazumal hat man mir erzählt, Ehrlichkeit und Freundlichkeit würden sich auszahlen, mit Ehrlichkeit und Freundlichkeit vergolten. Außerdem, so warb man weiter für diese Welt, würde die Gerechtigkeit stets trotzig ihren Weg gehen - ehrlich währt am längsten und so! Davon habe ich bis heute, nach etwas mehr als drei Dekaden Lebens, wenig gespürt. Die angepriesene Welt war nichts anderes als ein Propagandatrick der Erwachsenenwelt an ihren Kindern. In dieser Welt aus eitlen Werbeparolen, ja, da wäre ich vielleicht zuhause gewesen - aber in diesem müden Abklatsch einer Welt, die sich für mich nicht erfüllt hat, die sich nicht erfüllen konnte, weil es sie so nie gab, da bin und bleibe ich weltfremd. Mit Leidenschaft!

Richtig gehört, ich will weltfremd bleiben! Das ist das eigentliche Ziel des Auf- und Abgeklärten. Wieviele haben sich schrittweise eingenistet, sich in die Welt wie sie ist und nicht wie sie sein sollte, integriert? Wieviele haben ihre jugendliche Fremdheit abgelegt und der Welt das Du angeboten? Ich gebe ja zu, dass es mir leidtut, dass ich mir eine Welt vorstellen kann, in der es menschlicher zugeht, eine Welt, in der jeder sein kleines Werk tut, um einen besseren Ort entstehen zu lassen. Ja, es tut mir leid, aufrichtig leid, dass ich der Ansicht bin, es sei eines jeden Menschen Pflicht, an der Verbesserung dieses ausgemergelten Globus' mitzuarbeiten. Und das heißt nicht, irgendwo eine Stellung anzunehmen, seinen gottgegebenen Dienst zu tun, ohne zu jammern und zu meckern, um hernach zu hoffen, das reiche aus, die Erde zu einem weniger beschissenen Ort zu machen - so ist die Welt eh schon, so soll sie nicht bleiben müssen. Es ist doch Ehrensache, dass im Falle, in dem eine Welt der Leidensabschaffung diametral entgegenwirkt, ich nicht dazugehören, im Gegenteil, fremd bleiben will. Junge Menschen spüren das zuweilen noch, das liegt ihnen im Blut. Sie erkennen die Differenzen zwischen Propaganda für eine heile Welt, die sie angeblich mit offenen Armen empfangen wird, und den Realitäten der wirklichen, der grausamen Version, die man dann tatsächlich antrifft.

Wie meinen Sie? Wer seine Weltfremdheit aus Jugendtagen nicht ablegt, der wird zum Spinner? Zum weltfremden Spinner? Was erlauben Sie sich denn? Wie kommen Sie nur dazu, mir so schonungslos die Wahrheit ins Gesicht zu werfen? Sie haben erneut in die Mitte getroffen! Ein Spinner! Der bin ich! Ich bin ein Spinner mit Leib und Seele! Ein in eine fremde Welt, unter Wehen und Gekreische, herausgepresster Spinner! Man spinnt sich eine Welt, wie sie sein könnte, wie sie sein sollte, wie sie sein müßte. Man spinnt sich einen neuen Stoff, weil der vorhandene Stoff zu kratzig und unbequem dünkt, weil man so ein borstiges Material einfach nicht zu einem Hemd verarbeiten möchte. Man ist sich doch selbst wertvoll genug, bessere Stoffe über den Körper zu werfen - was bleibt denn da anderes übrig, als selbst mit der Spinnerei zu beginnen?

Da sitzt man dann fremd in dieser Welt, spinnt sich einen Topos, der einem in Kinderjahren versprochen wurde und wird schief und fassungslos angestarrt. Spinner!, rufen sie. Als ob das eine Beleidigung wäre! Was ist denn daran schlimm, sich etwas zu spinnen? Solche, die mit dem Vorhandenen zufrieden, die satt und wohlig in dieser Welt heimisch sind, gibt es wie Sandkörner in der Wüste. Zuweilen erkennt man den Staub in Ecken und den verfilzten Teppichboden seines Heimes nicht - erst der Fremde, der zu Besuch kommt, macht darauf aufmerksam. Der Weltfremde, emsig vor sich her spinnend, weist auf den Dreck und den Unflat hin, er sieht, was derjenige, der im Alltagstrott steckt, in seiner Alltagsblindheit nicht mehr erkennt.

Oh ja, in dieser Welt bin ich fremd! Wie recht Sie doch haben! Schön, dass Sie mich entlarvt haben. Vieles hat man mir schon unterstellt. So nahe dran, war bislang noch keiner!

21 Kommentare:

Anonym 28. Januar 2010 um 14:49  

"Ich kann nicht erlernen, das kalkulierte Jammertal zu verkraften, dieses Gebräu aus gewollter Armut und praktizierter Kalamität als Normalität zu akzeptieren."

Herr Lapuente, ihre direkte, nichts beschönigende Feder ist einfach unverzichtbar!

gitano 28. Januar 2010 um 14:58  

Schöner Text.
Wer in dieser Welt nicht seinen Verstand verliert, der hatte nie einen.

Anonym 28. Januar 2010 um 15:03  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

ich schließe mich voll an, denn bevor ich mich als Teil des marktvergötternden Deutschland oute bin ich lieber ein "Spinner".

Apropo "Spinner" sogar bei der derzeitigen Kriegstrommlerei gegen die Taliban kommt einem der ein oder andere Bericht vor, der einem an denen zweifeln läßt - nein nicht unseren Feinden, den "Taliban" sondern denen die diesen Bericht ungeprüft übernommen haben:

"[...]Zu Gast bei Feinden
Zehn Tage mitten unter Taliban[...]"

Quelle und mehr:

http://auslandsjournal.zdf.de/ZDFde/inhalt/12/0,1872,8017836,00.html

Man frägt sich hier z.B. wenn die "Taliban" wirklich solche Looser sind: Wie haben die NATO und die USA es nicht geschafft diese schon 2001 zu besiegen? Wenn die Taliban nur mit Knarre in der Hand die Bevölkerung auspressen: Wieso ist der Rückhalt in der Bevölkerung dennoch so riesig? Wo bleibt der Aufstand gegen die "Taliban"? Wenn die Taliban solche Gegner der NATO sind, und via Drohnen erledigt werden: Wieso sind viele im Bericht unverhüllt und telefonieren sogar mit - leicht ortbaren - Handys? Fragen über Fragen, und als skeptischer Mensch, und Nachdenkseitengeschädigter (im positiven Sinn, d.h. selber denkender) bleibe ich skeptisch bei solchen Berichten....und wenn ich tausenmal als "Spinner" gelte....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Die befragten ZivilistInnen im Bericht haben ja sämtlich keine NATO-Luftangriffe - oder auch nur Drohnenangriffe - er- bzw. überlebt.....Kein Wort davon vom angeblichen afghanischen Journalisten, der übrigens sogar von "Al Quaida" mit dem Tod bedroht wurde, und im Gegensatz zu manch anderem, ziemlich leicht davonkam - mit Unterstützung der ihn bedrohenden "Taliban".

Margitta 28. Januar 2010 um 15:20  

Diesen Text wünsche ich mir in Deinem nächsten Buch.

Liebe Grüße
Margitta

Anonym 28. Januar 2010 um 17:10  

Mir geht es genau andersrum: Ich habe das Gefühl, als eine der Wenigen nicht verrückt zu sein. Auch Du, lieber Robert bist einer der wenigen Realisten. Menschen wie wir werden nur deshalb ausgegrenzt und beschimpft, weil wir den "Anderen" klarmachen, dass man sich eben nicht mit dieser Welt abfinden muss. Den Finger in die Wunde zu legen und Lebenslügen zu zerstören (man kann doch sowieso nichts machen...bla bla bla) stößt besonders Menschen mit einem eigentlich noch funktionierenden moralischen Kompass besonders stark auf. Bei mir sind schon Freundschaften daran zerbrochen, dass ich eben nicht meine Klappe halten kann und ich mit meinem Mittelstands-Leben nicht zufrieden bin, solange es anderen Leuten schlecht geht!! Die ungerechte Behandlung von Hartz-IV-Empfängern macht mich krank vor Wut!

Schon als kleines Mädchen war "Des Kaisers neue Kleider" mein Lieblingsmärchen. Ich bin gespannt, wann die Leute endlich merke(l)n, dass der Kaiser tatsächlich nackt ist!

Konstantin Wecker schreibt in einem Lied an die Weiße Rose:

"Nun haben sie Euch zur Legende gemacht und in Unwirklichkeiten versponnen.Denn dann ist einem - um den Vergleich gebracht - auch das schlechte Gewissen genommen".

Denn Menschen wie Hans und Sophie Scholl müssen in den Olymp gehoben und dürfen ja nicht als ganz normale Menschen mit Fehlern und Schwächen dargestellt werden. Sonst könnte man auf die Idee kommen, selber tätig werden zu müssen. Gott bewahre.

Tagebuch eines Überlebenden 28. Januar 2010 um 19:01  

Ein schöner Text der Mut macht zur eigenen Wahrheit zu stehen.

M.A. Verick 28. Januar 2010 um 19:13  

Das habe ich mich auch schon immer gefragt:

Soll ich mich verweigern, nicht mehr mitmachen?
Soll ich mich fügen, da Widerstand zwecklos ist?
Soll ich mich ändern, um verändern zu können?

Im Kleinen zu beginnen, heisst darin zu wachsen.

Lutz Hausstein 28. Januar 2010 um 19:18  

Danke, Du Spinner! ;-)

Ich bekenne ebenfalls ...

klaus baum 28. Januar 2010 um 21:14  

adorno, der emigrant, formulierte in der minima moralia: es gehört zum guten ton, bei sich nicht zuhause zu sein.

retlaw 29. Januar 2010 um 01:16  

Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse

ssubp 29. Januar 2010 um 02:20  

Dazumal hat man mir erzählt, Ehrlichkeit und Freundlichkeit würden sich auszahlen, mit Ehrlichkeit und Freundlichkeit vergolten. Außerdem, so warb man weiter für diese Welt, würde die Gerechtigkeit stets trotzig ihren Weg gehen - ehrlich währt am längsten und so! Davon habe ich bis heute, nach etwas mehr als drei Dekaden Lebens, wenig gespürt.

...wie wird es erst sein, wenn man erst ein mal aufgehört hat das seinen Kindern zu erzählen - was ich denke, heute bereits unter der heranwachsenden Generation vielfach der Fall ist.

Ich möchte alle hier auf folgende zwei Links verweisen und ja, das dortige Niveau wird die meisten abstoßen und mitunter schockieren. Dennoch möchte ich euch diesen kleinen Ausflug in diesen Ausschnitt heutiger "Jugend"-"Kultur" nicht vorenthalten. Bitte die beiden Lieder einfach mal vollständig anhören und vor allen Dingen auf die Texte achten, auch wenns weh tut. Die Videokommentare sind auch immer sehr aufschlussreich. Mir fällt dazu nichts ein, kommentiere es daher auch nicht.

http://www.youtube.com/watch?v=FWsQQgbKkjc

http://www.youtube.com/watch?v=GudF24MYqgU&feature=related

Anonym 29. Januar 2010 um 09:23  

Stimmt, wenn ich meine Statements zu unserer Gesellschaft abgebe oder auf das bedingungslose Grundeinkommen zu sprechen komme, werde ich des öfteren schief angekuckt.
Ich fühle mich von dieser Gesellschaft verarscht und betrogen weil man mir eben in der Kindheit und in der Jugend etwas anderes versprochen hatte.
Ja man sagt mir nach ich sei in Spinner. Aber ich fühle mich mehr als Mensch als all die anderen die mir Spinnertum vorwerfen.
"Der Weg zum Olymp, dachte ich immer als Kind, ist für jeden geharkt. Warum hat man mir das nur gesagt, warum hat man mir das nur gesagt.
(Witt / Bayreuth 3 / Ich spreng den Tag)
http://www.youtube.com/watch?v=Lu16rYTabGA

Jutta Rydzewski 29. Januar 2010 um 09:33  

So ganz unter uns, lieber Herr De Lapuente, sozusagen von Spinner zu Spinner:

Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben.

Das ist leider nicht von mir sondern von Mark Twain.

mfg
Jutta Rydzewski

Banana Joe 29. Januar 2010 um 09:36  

Lieber Roberto,

Du nennst Dich einen Spinner? - Gut!

Ich gebe es zu! Auch ich bin ein Spinner mit Leib und Seele! Der Weltfremde, emsig vor sich her spinnend, weist auf den Dreck und den Unflat hin, er sieht, was derjenige, der im Alltagstrott steckt, in seiner Alltagsblindheit nicht mehr erkennt.

Und manchmal ist er selbst unflätig und macht Dreck. Ich mache das gelegentlich so: wenn der Alltag und die graue Realität in dieser Bananenepublik zu sehr an der Seele nagt, dann packe ich eine Banane und einen gelben Sack ein und laufe damit an einen Platz meiner Wahl. Egal ob das Ziel die Arge, das Arbeitsgericht oder der Marktplatz ist - Hauptsache die Füsse vertreten und kräftig durchatmen...

...dort angekommen packe ich die Banane aus und und knabbere genüsslich daran. Es schmeckt mir besonders gut, wenn die gelbe Schale kräftige schwarzen Flecken hat, dann ist das die ideale schwarz-gelbe Banane für mich und meinen Personal Smartmob.
Während ich so esse, schwenke ich in der anderen Hand den gelben Sack. Die Schale wandert anschliessend in den gelben Sack und den werfe ich in die nächstgelegene schwarze Tonne. Weg ist die schwarz-gelbe Schale, weg ist die Banane, politisch fast korrekt entsorgt!

Danach gehts mir wieder richtig gut und ich kann weiterspinnen... ;-)

Vielleicht sehen wir uns ja mal zufällig beim "Personal Smartmob"?!?

Es grüsst
Banana Joe
(dem Robertos Zeilen mit dem Titel "Weigerung, allzu heimisch zu werden" sehr gefallen)

PS: Die Story ist mir heute unter der Dusche eingefallen und vielleicht hatte jemand schon ähnliche Gedanken?
PPS: Lieber Roberto, vielleicht kann Dir meine kleine Bananen-Story nützlich als Vorlage für eine "richtige" Geschichte -in gewohnt brillianter Qualität- sein?!?

Peinhard 29. Januar 2010 um 11:35  

"Das Leid in dieser Welt, jedenfalls das materielle Leid, wäre in beinahe allen Fällen zu beheben - wenn diese Welt es nur möchte."

Sie 'möchte' es schon irgendwie - zumindest dürfte eine Mehrheit wenigstens nicht direkt widersprechen. Solange sie aber darauf besteht, dies unbedingt im Rahmen der bestehenden Wirtschaftsordnung schaffen zu wollen - von der sie eben im Zweifelsfall offensichtlich dann doch weit weniger lassen will als von Hunger und Not - wird es nicht nur weiterhin ein Lippenbekenntnis bleiben, sondern sich im Gegenteil sukzessive weiter verschlimmern. Aus Geld mehr Geld machen zu wollen korreliert eben immer weniger mit tatsächlichen Bedürfnissen. Es steht ihnen im Gegenteil immer öfter und immer offensichtlicher diametral entgegen.

Anonym 29. Januar 2010 um 12:15  

@Banana Joe, Roberto

Derzeit hängen doch wieder Deutschland-Fahnen aus. Ist wieder Fußball-Saison? Wie wäre es mit einer realistischen Version der Deutschland-Fahne unter Merkel/Westerwelle? So mit einer wirklich fetten Banane statt Adler im Deutschland-Wappen?

!Ich meine so eine Jux-Fahne sogar irgendwo einmal aushängen gesehen zu haben!

Man sollte die umsonst verteilen, und an Mitbürger mit der Verpflichtung aushändigen die gut sichtbar an die Balkone, Autos und Fenster zu hängen - ganz besonders in Berlin.

Bin man gespannt wie die dem Ex-Bimbeskanzler, und seiner Ziehtocher TINA Merkel gefallen.

TINA soll heißen, dass Frau Merkel bekennende Thatcheristin ist. Die Ex-Premier von GB meinte immer "There is no alternative" zu ihrer Marktgläubigkeit - Frau Merkel ist da auch nicht besser, aber leider - wie einst Honecker im Sozialismus - in der Endphase des Neoliberalismus gelandet.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Ajax 29. Januar 2010 um 14:42  

Ja lieber Roberto, auch wenn wir in Zukunft nicht bei allen Themen einer Meinung sein werden, manchen geht es schon seit fast 6 Jahrzehnten so wie Dir.

Aber ich ich kann vielleicht einen Trost geben: Man bleibt jung dabei!

Koch bekommt bestimmt die Managerkrankheit.

Der Spruch von Mark Twain ist natürlich wie alles von Menschen solchen Kalibers wunderbar.

Anonym 30. Januar 2010 um 11:32  

Jeder der sich in dieser Gesellschaft zu heimisch macht, unbedingt dazugehören WILL, unterdrückt damit gleichzeitig und vorsätzlich seinen Willen und seine Fähigkeit zum Gebrauch der eigenen Vernunft!
Will man aufklären, der Wahrheit nachforschen, so muss man sich ganz einfach - zumindest mental! - außerhalb von dieser Gesellschaft ansiedeln, denn nur von außen sind all die Ungeheuerlichkeiten, unter denen wir zur Zeit leben, ungeschminkt sichtbar.
Nur notwendige Distanz schafft die notwendige Klarheit der Gedanken, der Sicht.

Bakunin

Anonym 30. Januar 2010 um 13:21  

@Bakunin

Geb dir völlig recht - Nicht umsonst fordern manche neuerdings eine zweite Aufklärung (Aufklärung 2.0), die erste sollte dabei gleich mit verteidigt werden, denn Kants oberstes Motto scheint vielen in Deutschland heute nichts mehr zu gelten.

Wie es hieß:

"Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

Wir hier tun es ja, aber die anderen Nachfahren Kants eben nicht - in Deutschland.

Im Gegenteil, die stehen gerade in Richtung neoliberaler Gegenreformation völlig auf dem Level: Da denk ich drüber nicht nach - hab schon genug mit meiner Familie und meiner Arbeit am Hut.

Kant dreht sich ob seiner dt. Mitbürger im 21. Jahrhundert sich im Grabe um, wenn er nicht schon längst ein Dauerkreisel ist.

Soll aber nicht heißen, dass ich jede Art von Aufklärung 2.0 gut finde, es gilt auch dort seinen eigenen Kopf zu benutzen, um nicht auf Pseudo-Aufklärer wie diesen - http://www.feuerbringer.com - reinzufallen.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 30. Januar 2010 um 13:23  

Noch was:

Man könnte ja solche Aufklärer wie feuerbringer.com auch folgend testen:

"Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" bzw. "Linkenhass"

Wenn ja, dann Pseudo-Aufklärer, der zwar auch ab und an Recht haben könnte, aber in Punkto Menschenfeindlichkeit gegenüber Moslems und "Linken" eben nicht.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Saperaud 30. Januar 2010 um 22:56  

Hier klingt für mich Erich Fromm nach "Die Normalsten sind die Kränksten, und die Kranken sind die Gesündesten [...] glücklich der, der ein Symptom hat." Merkwürdig dabei ist mir unter den Kommentaren, wie selbstgerecht teilweise die Selbstgerechtigkeit der Anderen beurteilt wird. Mit der Zerrissenheit der allgemeinen wie der persönlichen Menschenkrüppelei auf eigenes Recht und eigene Würde zu pochen, sozusagen anständig sein für sich selbst und darüber auch für andere, das ist nicht leicht durchzuhalten, wenn man sich am Ende nicht genauso anhören will wie der Geist gegen den man da aufbegehrt. Zu den Werkzeugen die einem vor so einer Entwicklung bewahren können gehört vor allem jene sympathische Selbstehrlichkeit, die ich bei Herrn Lapuente meist lese und die bei aller Enttäuschung nicht den Edelmut aus dem Blick verliert. Die sich also der Knute von Koch und Konsorten vor allem dadurch verweigert, sich von ihr nicht zum Scheusal erziehen zu lassen. Das hat dann seine eigene Würde, die sich selbst dennoch unablässig die Frage nach der eigenen Ohnmacht stellt. Der Meister dieser Methode war dabei Tucholsky und eine Zeit muss schon ziemlich schändlich sein, solche Kämpfernaturen in den Selbstmord zu treiben.

Was schreibt Albert Camus in "Der Mensch in der Revolte" im Essay Revolte und Kunst auf Seite 295 über die Romane und deren Verhältnis zur Realität? Ich zitiere mal den Teil an den mich der Post erinnerte (der Vollständigkeit halber der ganze Absatz):

"Der Widerspruch liegt darin, daß der Mensch die Welt, wie sie ist, zurückweist, ohne aus ihr entfliehen zu wollen. In Wirklichkeit hängen die Menschen an der Welt, ihre große Mehrheit wünscht nicht, sie zu verlassen. Weit entfernt davon sie immer zu vergessen, leiden sie im Gegenteil daran sie nicht genug zu besitzen; sonderbare Weltbürger, Verbannte in ihrer eigenen Heimat. Außer in strahlenden Momenten der Fülle ist jede Wirklichkeit für sie unvollendet. Ihre Handlungen verlieren sich für sie in andere Handlungen, kehren mit unerwarteten Anblick zurück, um sie zu richten, fliehen wie das Wasser des Tantalus einer noch unbekannten Einmündung zu. Die Mündung zu kennen, den Lauf des Stroms zu beherrschen, das Leben als Schicksal in die Hand zu bekommen, das ist ihre wahre Sehnsucht. Doch diese Vision, die sie in der Erkenntnis zumindest mit sich selbst ausgliche, kann nur, wenn überhaupt, in jenem flüchtigen Moment auftauchen, den wir Tod nennen: dort vollendet sich alles. Um einmal aus der Welt zu sein, muß man für immer das Sein aufgeben.“

Auch keine Sache die einen sich selbst gegenüber wachsamen Geist entbehren kann, mithin eine ungesunde Sehnsucht die einige zu Attentätern und andere zu Mönchen oder gar Predigern macht. Das lebendigste Denkmal hat dabei den Brians der Welt merkwürdigerweise noch Monty Python gesetzt. Immerhin: besser gut gelacht als schlecht verzweifelt.

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