Man diskutiert nicht mit Henkern

Dienstag, 1. Dezember 2009

Zum Vorwurf, ich hätte mich der unsachlichen Polemik schuldig gemacht, weit unter der Gürtellinie, inhaltslos versteht sich. Die von mir Angegriffenen würden keinen Spielraum erhalten, ja würden sogar undemokratisch behandelt, würden kein Forum für ihre Positionen eingeräumt bekommen.

Polemik sicher. Als solche war der Text mehr oder weniger gedacht. Was Kritiker dieser Polemik immer wieder ansprechen: Demokraten sollten immer gesprächsbereit sein. Aber das ist ein fataler Irrtum. Es gibt eine Schwelle, die zu überschreiten man nicht bereit sein darf. Man kann mit den Thesen Sarrazins und Konsorten nicht pflichtschuldigst und in gebotener Ehre umgehen, weil sie beleidigend, ehrabschneidend, menschenverachtend und als erste Instanz quasi, ein erster Schritt hin zum Blutigen sind. Wer anfängt mit solchen Menschenschlächtern im demokratischen Hemdchen zu disputieren, der legitimiert bereits deren Positionen, auch wenn er es nur unbewusst tut. Man diskutiert dann plötzlich, wie wir es bei der deutschen Presse im Falle Sarrazins erleben durften, ob nur der Stil der Äußerung daneben war - das engstirnige Weltbild aber bleibt unangestastet, die hell- bis mittelbraune Einfärbung sowieso.

Indes bin ich sowieso nicht bereit, über Integration auf Augenhöhe mit dem Mainstream zu diskutieren. Mein Vater war das, was man als integriert bezeichnen könnte. Ausländer, "der Andere", "einer von denen" blieb er zeit seines Lebens. Das ist letztlich nur eine beliebte, weil liberal schimmernde Form in diesem Lande, Ausländer auszugrenzen: man unterstellt ihnen, sie seien nicht integriert, damit man auch ganz ungeniert und hinterm Feigenblatt demokratischer Diskussionskultur mit den Fingern auf sie zeigen darf. Diffamierung im demokratischen Korsett! Man kann, ich hatte einmal in einem früheren Text darauf hingewiesen und auch Pispers hat einst Ähnliches von sich gegeben, man kann auch friedlich nebeneinander leben, man muß nicht miteinander und integriert sein, damit eine Gesellschaft sich friedlich gestaltet. Das bedeutet aber auch, dass man moslemische Lebensentwürfe tolerieren muß, ohne auch nur im Ansatz daran Kritik zu üben. Und es bedeutet eben nicht, dass man damit Ehrenmorde oder Demokratiefeindlichkeit tolerieren müßte, ganz einfach darum nicht, weil nicht jeder Moslem Ehrenmörder oder Antidemokrat aus Leidenschaft ist. Verbrecher gibt es indes in jeder Nationalfarbe, was manche muslimische Jammergestalt als Ehrenmord schönzureden versucht, prangert in deutschen Farben gehalten als Familiendrama von den Aufmachern dieses Landes. Der Moslem Ehrenmörder, der Deutsche Familiendramatiker! Ehrenmord und Tyrannis, das ist das Abendlanduntergangsszenario das man malt, wenn man sich wieder einmal vor einer allzu offenen Gesellschaft ängstigt.

Sicher, ich habe schuppiges Schmierhaar und den Zottelbart thematisiert. Das ist es wahrscheinlich, was man mir als "unter die Gürtellinie" vorgeworfen hat. Freundlich war das nicht, das gebe ich zu, aber die von mir Angegriffenen waren weniger freundlich. Anders betrachtet aber, sind es genau diese Herrenmenschengestalten, die über die Ungepflegtheit der Minderwertigen spotten, die aber selbst ungepflegt durch die Lande stolpern, dabei in ihrer unnachahmlichen Arroganz nicht einmal wahrnehmen, dass sie nicht anders wie die von ihnen Gescholtenen stinken. Es ist doch ein Witz dieser Gesellschaft, das Menschen wie Kurt Beck Waschen und Rasieren empfehlen, während sie Sturzbäche Schweißes ausscheiden, sosehr, dass der einst weiße Hemdkragen gelblich und speckig leuchtet. Das muß man zum Thema machen dürfen, man muß die Doppelmoral dieser Riege selbstherrlicher Gestalten, knallhart und ohne Rücksicht auf vermeintliche Gürtellinien anprangern dürfen. Insofern ist die Polemik nicht einfach nur spaßiger Anreiz, sie transportiert Inhalte, weil sie das doppelmoralistische Gebaren lächerlich macht, damit auch den Doppelmoralisten, der sich besser vorkommt, als er letztlich ist, der sich als Pfau verkauft, während er derselbe Mistkäfer ist, wie die von ihm Drangsalierten.

Kurzum: Der öffentliche Diskurs läßt kaum Raum, sich "sachlich" mit den Hetzern auseinanderzusetzen. Aber auch deren Positionen lassen keinen Raum. Ich will nicht argumentieren, warum Türken oder Moslems generell doch nicht so schlecht sind - denn damit sind wir schon beim Punkt, ich müßte die Türken rechtfertigen, ihre Existenz in Deutschland gutreden, sie quasi entschuldigen. Und dazu kann man, gerade als Demokrat, nicht bereit sein. An oberster Stufe kommt die Erkenntnis, dass türkische Menschen Mitbürger und Nächste sind - Sarrazin und Partner rücken aber davon ab, spalten, tun so, als seien diese Menschen uns total entgegengesetzt. Auf dieser Ebene ist Diskussion letztlich eine undemokratische Sünde, denn sie führt immer auf Pfade, die man ethisch gar nicht betreten darf. Ob auch nur ein Körnchen Wahres an den Thesen Sarrazins ist, ist zunächst unerheblich. Zuerst kommt das Bekenntnis zum Nächsten. Wenn es ausbleibt, ist jede mögliche Wahrheit irrelevant und jede Diskussion ein Abdriften in Schamlosigkeit.

Und selbst wenn Körnchen am Ende wahr sind, wie beispielsweise der Vorwurf, manche Araber würden die deutsche Sprache nicht erlernen (wollen), muß damit noch nichts gesagt sein. Man kann auch mit einem Araber, der nur bruchstückhaft das vorherrschende Idiom spricht, wunderbar menschlich zurechtkommen, friedlich in harmonischen Zuständen leben. Sprache ist kein Allheilmittel. Ich verstehe meine deutschen Mitbürger sprachlich in den meisten Fällen problemlos, aber mir fällt es schwer mit ihnen in Frieden zu leben - das trifft zumindest bei vielen zu. Wenn jemand wie Sarrazin und seine Kollegen eindeutiges Deutsch sprechen, ich sie verstehend, dann resultiert daraus keine Harmonie, wenn das von mir Verstandene letztlich nur plumpe Hetze gegen schwächere Gesellschaftsgruppen ist. Sprache sprengt mindestens so sehr, wie sie gelegentlich zu verbinden vermag - eine Art linguistischer Hustensaft ist sie jedoch nicht.

Die Polemik ist doppelt inhaltsvoll, ich spreche zumindest von jener Polemik, die ich unlängst veröffentlichte. Sie macht die Doppelmoral zum Sujet und entblößt die irrwitzigen Gestalten in ihrer Abgehobenheit. Andererseits erklärt sie zwischen den Zeilen, dass eine thematische Auseinandersetzung mit fanatischen Geiferern und Aufwieglern nicht relevant ist. Man diskutiert mit seinem Henker auch nicht sachlich über die Hinrichtung, man unterhält sich nicht mit ihm, wo genau er den Axthieb platzieren möchte, welchen Halswirbel er bevorzugt zertrümmert. Es gibt eben Szenarien, in denen nicht mehr "sachlich" diskutiert werden kann, weil die Sache selbst einen Affront darstellt. Tut man es am Ende doch, läßt man sich herab in den Affront, macht man sich zum Laufburschen der Hetzer. Man diskutiert, wie gesagt, nicht mit seinem Henker - mit den Henker meiner Mitmenschen, diskutiere ich auch nicht über das Wie jenes Handwerks.

Letztlich gibt es eben viele Wege, mit dem Henker umzuspringen. Entweder man nutzt die Öffentlichkeit des Schafotts um dem Kerl ordentlich eines auf die Schnauze zu geben oder man steht am Galgen und spottet, bemächtigt sich jenes Humors, den gelegentlich Menschen aufbringen, wenn die Situation hoffnungslos erscheint. Die Polemik ist nicht selten Galgenhumor, letzte Bastion des Todgeweihten; der Polemiker selbst wähnt sich unter einer Schlinge...

23 Kommentare:

Anonym 1. Dezember 2009 um 15:42  

Ich verstehe Ihre Aussagen sehr gut.

Ich selbst sagte einem Bekannten. Ich hasse es, den Aussagen Sarrazins Wahrheitsgehalt zuzusprechen, weil ich weiß, das ein Hetzer dahinter steckt.

Aber die Problematik bleibt!
(Integration ist übrigens der falsche Begriff.)

Was, wenn nun jemand (der auch noch nie anderweitig der Menschenverachtung schuldig geworden ist) nur sachlich zu bedenken gegeben hätte, das die Kultur eines türkischen Elternhauses es möglicherweise verhindert, das die Kinder in dieser Gesellschaft eine bessere Chance bekommen? Außerdem muß man bedenken, das eine solche partielle Chancenlosigkeit, wenn sie denn besteht, einfach auch eine große Belastung für die Gesellschaft ist. Es ist auch ein Unterschied, ob jemand im späteren Leben unverschuldet in Not gerät oder ob die Weichen im Elternhaus systematisch falsch gestellt werden. Wenn es um deutsche Kinder gehen würde, würde ich sofort vorbehaltlos sagen. Denen muß dann geholfen werden, auch gegen die Familie. Ich weiß das solche an Selbstzerfleischung grenzende Überlegungen den Sarrazins et al zu einer "Ehre" verhelfen, die sie nicht verdienen. Aber die sachliche Problematik bleibt, wenn sie denn besteht und ich habe das Gefühl da besteht was.

Roberto J. De Lapuente 1. Dezember 2009 um 16:08  

Hilfe kann so oder so nur immer so gestaltet sein, dass man sie freiwillig ergreifen kann, gegen die Familie geht es sowieso nicht, erst dann, wenn natürlich geltendes Recht angegriffen wird innerhalb der Famlie. Es darf aber grundsätzlich bezweifelt werden, dass die muslimische Herkunft Menschen an ihrem weiteren Lebenslauf hindert - das ist eine der Märchen der aktuellen Spenglers, natürlich verbunden mit der Aussage, dass es der Gesellschaft Kosten auferlegt, die horrend seien. Neinnein, so einfach können wir es uns nicht machen, der Fremde hat keine schlechteren Erziehungsmethoden, weniger Anstand, weniger Drang ein Leben in Ruhe und Frieden zu leben. Die Installation dieses Märchens in der verkappte Rassismus unserer Tage...

PeWi 1. Dezember 2009 um 16:17  

Ich habe den Artikel genossen und schon wird in einem Kommentar wiederum ein Mäntelchen über alles gelegt. Ich habe eine nichtdeutsche Schwiegertochter und werde manches Mal rasend, wenn ich höre, wie sie auf Ämtern behandelt wird. Der Mainstream will keine Integration, sondern Unterwerfung unter das Deutschsein.

Anonym 1. Dezember 2009 um 16:43  

Sehr geehrter Herr De LaPuente,

dieser tolle Beitrag heute ist aus meiner Seele abgekupfert, könnte ich jetzt behaupten, doch tue ich dies rein als Zeichen der höchsten Anerkennung.

Meine Seele wird ein solches Meister-Machtwort nicht mit einem Copyright belegen, zumal der Mensch drumherum sich nie trauen würde, so offen zu eifern.

Bleibt noch anzufügen, was ich so gerne zeichne, wenn dieses Thema mich berührt: Einen Regenbogen! Jeder Mensch, jede Gesellschaft, jede Interaktion hat ihre angeborenen, erlernten, gewählten und aufgedrückten "Farben" und Dunkelbereiche im Spektrum des Lebens.

Alle zusammen ergeben reinstes Weiß, das wird immer so sein. Jeder einzelne bestimmt jedoch für sich, in welchen Farben er für sich leuchten will, welche der angeborenen oder anerzogenen Farben er unterstreicht und welche er unterdrückt. Welche Farben er bei anderen gutheißt und welche er bekämpft, durch eine Phasendrehung der rezipierten Chromatik versucht zu neutralisieren. Jede Freundschaft, Clique, Arbeitswelt hat ihr Spektrum und ihre Intensität, ihre Kontraste.

Die Welt ist bunt, und das ist gut so. Ich will ja auch nur zu einem Teil mit meiner deutschen Umwelt, meinen deutschen und spanischen Wurzeln resonieren, so wie ich es halt für mich für richtig erachte.

"Jedem sein eigener Horizont", möchte man ausrufen. Schließlich bestimmt jeder selber, wie sehr er sich einengen und entfalten möchte, welche Widersprüche er in seinem Leben und Wirken akzeptiert oder überwindet.

Dass allerdings in höher gestellten, Macht ausübenden Positionen immer mehr ihren Horizont kollabierenden Dumpfbacken das Heft in die Hand bekommen, ist ein so ärmliches Signal von oben nach unten, dass ich mich oft frage, ob deren Neid, die anderen Mneschen so "bunt" und "hell" zu sehen nicht der Antrieb ist, diese Farbvielfalt unterdrücken zu wollen.

"Kein Geld in der Tasche, aber glücklich, das darf doch nicht wahr sein!" höre ich diese Dumpfbacken hinter ihrer Stirn deräsonieren.

Mit Machtmenschen kann man nicht reden, man muss sie meiden. Kein Wunder also, dass sie irgendwann nur noch unter sich sind und anfangen zu spinnen, in ihren isolierten Farbspektren, die meiner Meinung nach sehr viel mehr Dunkelbereiche haben als bei toleranteren Menschen, die sich leichter adapti vin neue Situationen einfinden können. Menschen, die alles haben, haben nichts mehr, was noch eine Herausforderung für sie darstellt. Sie machen sich den Tag wie sie wollen, sei es durch Aktionismus oder durch Unterdrückung anderer, selten sit auch etwas echt kreatives dabei, das der Erwähnung lohnt.

Ist Euch auch aufgefallen, dass, obwohl es so viel mehr Reiche geben soll, die Anzahl an Wohltätern nicht zu wachsen scheint? Zumindest höre ich nicht von einer Vergrößerung deren Zahl...

Seid "bunt", das Leben will doch gar nichts anderes von Euch. Macht Flecken und pinselt die Welt an mit Euch und Euren tollen Wesenszügen. Dunkle Farben und Terpentindenker werden bald ganz alleine im Grausumpf übrig bleiben, auch das ist eine Selektion, sagen wir mal "Selbsthenkung".

Nein, reich sein wird heute wirklich nicht belohnt, Reiche können sich nur selbst belohnen. Wie absurd die Seite dieses "Wohlstands" ist, wenn man es sich recht bedenkt.

Ich fühle mich nach dieser Erkenntnis viel besser. Ihr seid alle eingeladen, es auch zu spüren.

Bernd Kudanek 1. Dezember 2009 um 16:43  

Lieber Roberto,

neidlos muß ich anerkennen, daß Du auch bei schwierigen, emotional aufgeladenen Themen wie das obige stets Du selbst bleibst. Und zwar immer in angemessener, stilsicherer Diktion. Wer da ein Unterschreiten der Gürtellinie zu sehen meint, attestiert solches vermutlich auch bei Heinrich Heine, Karl Kraus, Kurt Tucholsky und Bertolt Brecht.

Polemik ist ja nicht per se schlecht - im Gegenteil! Sie ist gerade heute bitter nötig, um durch Massenverblödung der Medien abgestumpfte Menschen überhaupt erst einmal aus ihrer (politischen) Lethargie zu reißen!

Satz für Satz, Wort für Wort gehe ich mit Deinem obigen Beitrag konform. Hab ihn wieder in meinem Forum verlinkt.

herzlichst
Bernd

landbewohner 1. Dezember 2009 um 16:56  

wer ausnahmen zur regel erklärt, will hetzen. drum würd ich lieber mit 2 nicht deutsch sprechenden "nichtintegrierten" arabern 2 wochen urlaub machen als mit sarazzin und konsorten auch nur einen halben kaffee trinken.
und 5 zu henkende wären ja wohl besser beraten, wenn sie den henker aufhängen würden statt mit ihm zu diskutieren.

Anonym 1. Dezember 2009 um 17:48  

Ich bin ebenfalls der Meinung, dass bestimmte Themen nicht diskutabel sind. Über die Gleichberechtigung von Mann und Frau muss ich nicht diskutieren (u.a. auch nicht darüber, ob ein kleines türkisches Mädchen den Schwimmunterricht oder den Sexualkundeunterricht besuchen "darf" oder nicht). Über das Wahlrecht von Arbeitslosen muss ich auch nicht diskutieren etc. etc.

Die "Toleranz" vieler Menschen ist eigentlich eher ein Deckmäntelchen für Ignoranz und Wurstigkeit gegenüber dem Mitmenschen.

Ich habe eine moralische Standortbestimmung und ich mische mich ein ! Ich sehe nicht weg und bin doch ach so tolerant, wenn einem Menschen Unrecht geschieht.

Toleranz für andere Meinungen hin oder her - Sarrazin und Co. sind A...löcher und hätten bestens in die Nazi-Zeit gepasst ! Thilo hätte sein Interview halt dann dem Stürmer gegeben und es wäre um Juden und nicht um Türken, Araber und andere "Untermenschen" (wie z. B. auch Hartz-IV-Empfänger) gegangen. Denn auch heute gibt es das doch wieder - "Untermenschen". Die Parallelen sind unübersehbar ! Die Betroffenheitsveranstaltungen gegen Nazi-Deutschland sind doch an Verlogenheit nicht mehr zu überbieten. Ich könnte permanent kotzen, wenn gewaltsam auf das ziehen von Analogien verzichtet wird und die Politik herumheult, dass sich die Nazi-Zeit nie wiederholen darf. Wir sind gerade dabei, dieselbe Art von Menschenverachtung wieder hoffähig zu machen ! Nur weil sich die Protagonisten geändert haben, gibt es keine Analogie ? Bullshit !

Anonym 1. Dezember 2009 um 18:37  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

die Doppelmoral treffend entlarvt, auch dem Rest Ihres Textes stimme ich völlig zu - Nur ein Punkt habe ich zu bemängeln:

Sie beziehen sich bei der Doppelmoral nur auf die Körperpflege dieser Menschen, und ignorieren die Doppelmoral, die unsere "Eliten" auch bei der Bevormundung der Unterschichten zeigen.

Frei nach dem Motto:

Ich selber saufe massenhaft Bier, sogar noch vor der Glotze, und gönne es den anderen nicht, die sollen gefälligst Arbeit suchen statt uns zu ähneln.

Sehnsüchtig warte ich noch auf einen Text von Ihnen der auch hier die zynische Doppelmoral bei der Bevormundung der Betroffenen durch unsere "Eliten" als Doppelmoral entlarvt.

Ansonsten wieder fulminant formuliert.

Danke, ich lese hier immer wieder gerne Ihre Texte, und empfehle die an Nachdenkseiten weiter, die nach ihrem Ermessen diese Texte dann posten - bei http://www.nachdenkseiten.de.

Noch was:

Mich stört auch, dass z.B. hier bei mir die Diakonie einen Fahrradreparaturbetrieb mit 1-Euro-Jobbern betreibt, und manche - als Konsumenten - dort Kunde sind, obwohl die genau wissen, die sind hier via arbeitszwangähnlichem Beschäftigungsverhältnis angestellt, die uns unsere Fahrräder reparieren. Es ist sicher kein Einzelfall, und ein wunderbares Beispiel für die Doppelmoral auch bei den Normalbürgern in Deutschland selbst. Im "Schwarzbuch Markenfirmen" las ich einmal, vor Jahren, wie wir Dinge konsumieren, die durch Arbeitszwang und Kinderarbeit im Ausland produziert wurden, dank Rot-Grün und Schwarz-Rot sind diese Dinge - siehe mein Beispiel - auch bald wieder in der EU normal, und kein Kunde regt sich darüber auf....

Ich hätte ja noch verständnis dafür, dass manche einfach zu arm sind, um in einen echten Fahrradreparaturbetrieb zu gehen - auf obiges Beispiel bezogen -, aber ich vermute einmal stark es sind gerade die die Geld haben, die einen solchen billigen Service in Anspruch nehmen.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 1. Dezember 2009 um 19:01  

Apropop Broder, weil hier jemand sich auf Broder bezieht, der ist ein Polit-Schwätzer, und hat in dem von mir erwähnten Buch "Feindbild Moslem" sogar ein Extra-Kapitel, mit Entlarvung seiner islamfeindlichen und rassistischen Äußerungen erhalten....

Jutta Rydzewski 1. Dezember 2009 um 19:21  

Zu Anonym 1. Dezember 2009 15:42

Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber was und so wie Sie es in Ihrem Beitrag zum Aussdruck gebracht haben, ist exakt das, was mich immer besonders hoch auf die Palme bringt. Warum und weshalb möchte ich Ihnen gerne erklären, um Ihnen auch die Möglichkeit zu geben, natürlich nur wenn Sie möchten, das Eine oder Andere deutlicher und klarer zu machen.

Bei Ihnen erkenne ich das hinreichend bekannte einerseits und andererseits. Übrigens, exakt so argumentieren auch die Sarrazins, Buschkovskys, Sloterdijks und Konsorten.

Einerseits bekunden Sie vorgeblich einem Bekannten gegenüber, die Aussagen Sarrazins zu hassen, weil Sie wissen, dass dahinter ein Hetzer steckt. Aber andererseits bleibt die Problematik. Ja, was denn nun, und welche Problematik? Etwa die Problematik, dass die falschen Familien Kinder kriegen, und dabei die türkischen Familien natürlich noch falscher als die deutschen Hartz IV-er sind?

Was wollen Sie denn jetzt, GANZ KONKRET, zu bedenken geben? Was verhindert denn nun "möglicherweise" die Kultur eines türkischen Elternhauses GANZ KONKRET? Ist es eigentlich so schwer zu kapieren, dass JEDES Elternhaus es grundsätzlich mit Ihren Kindern gut meint? Was soll überhaupt die Unterscheidung in türkische und deutsche Kinder? Genau das tuen die Sarrazins ebenfalls, auch wenn es diese Bande von Sozialrassisten mit aufgesetzten Formulierungskunststückchen, mehr oder weniger gut, meistens schlecht, zu kaschieren versuchen. Was soll das überhaupt heißen, wenn Sie sagen: "Denen muß dann geholfen werden, auch gegen die Familie." Wie wollen Sie "Denen" denn "helfen". Ist es für Sie eigentlich undenkbar, dass JEDER Mensch, egal welcher Nationalität, Kultur, Religion, oder welcher nebensächlicher Unterscheidungen auch immer, in aller Regel ein auskömmliches und friedliches Leben führen möchte, ohne viel Ärger und Stress? Dass JEDER Mensch (die paar Durchgeknallten auf allen Seiten lasse ich jetzt mal außen vor), Freude, Spaß und Vergüngen haben möchte, und schlicht und ergreifend gar keinen Bock auf den ganzen Mist hat, der von den Sarrazins und Konsorten ständig verbreitet wird? Ist das so schwer zu kapieren? Wer macht sich denn gerne selbst Probleme? Sie oder Ihr Bekannter? Wer will für seine Kinder denn nicht das Beste? Glauben Sie tatsächlich, dass es dabei so große Unterschiede zwischen den Menschen gibt? Die "normalen" Menschen selbst kämen sicherlich ganz gut miteinander klar, ganz egal wo auf dieser Welt. Wenn es da nicht die verbrecherischen Spalter und Hetzer geben würde, von denen sich immer wieder breite Bevölkerungsschichten verführen lassen. Diese kleine Clique von erbärmlichen Verbrechern, die leider die Macht dazu haben, schaffen es immer wieder, dass die Menschen aufeinander losgehen und sich gegenseitig massakrieren.

Ich empfehle immer wieder und auch immer öfters Kant: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Dazu brauchen Sie zu alleralleralllerallerallerletzt schräge und völlig kaputte Typen wie Sarrazin und Co., die sich offenbar täglich zu vermehren scheinen. Gehen Sie an die Dinge, das Leben und die Menschen ganz normal heran, ohne die vergifteten Ratschläge von diesen Pseudo-Intellektuellen. Denken Sie immer daran, der "Andere" will in aller Regel nichts anderes wie Sie selbst auch, und Sie werden schnell sehen, wie prima das klappt ... auch mit den Türken.;-) Übrigens, so habe ich auch die Intention des Artikels von Herrn De Lapuente verstanden. Mit Typen wie diesen Sarrazins lohnt sich keine Diskussion, jedes Wort wäre vergebliche Liebesmüh. Die Typen wollen auch gar nicht diskutieren, sondern lediglich ihren stinkenden Mist abladen. Und sie werden es solange tun, wie es Stellen bzw. Medien gibt, die ihnen diesen Mist abnehmen.

mfg
Jutta Rydzewski

Amelia 1. Dezember 2009 um 19:38  

Über bestimmte Dinge kann man nicht diskutieren, bestimmte Positionen entziehen sich jeder "Erwägung", weil eben nicht alles relativ ist, weil es immer noch so etwas gibt wie eine Haltung. Genau so ist es. Ich habe dadurch vor kurzem etwas vernichtet, was ich für eine gute Freundschaft hielt, weil es einfach nicht mehr ging.

Dieser Freund, eigentlich der Typ sanfter Intellektueller, begeisterte sich für Sarrazin, hielt "Kultur und Religion" der Türken für schuld an allem Möglichem, fand, dass die Reichen in Deutschland alle zu schlecht behandelt würden, meinte, es gebe "fundamentale Unterschiede" zwischen Mann und Frau (obwohl er zugibt, dass er selbst seinem Männerbild nicht entspricht und ich nicht dem typischen Frauenbild) etc. etc. Er wurde mir sehr böse, weil ich ihm ständig ins Wort fiel und ihn mit einem riesigen Schwall von Argumenten widerlegte. Er fand das unfair, weil ich meine Überlegenheit ausnutzte, wie er meinte, weil ich seinen Argumenten keinen Raum gab, obwohl er doch auch das Recht zu seiner Meinung habe in einer fairen Diskussion etc. etc...

Ich konnte mir seine Argumente aber nicht in voller Länge anhören, weil ich sie alle kannte, nichts Originelles dahinter, nur das, was mir als übliche (intellektuell verpackte) Hetze der Sarrazins, Sinns etc. mittlerweile bestens vertraut ist. Er ist eben extrem stolz auf seine Belesenheit, während ich sehr vieles, was ich von angeblich "klugen Menschen" lese, einfach nicht mehr glaube, weil es mit meinem Wissen über die Realität nicht übereinstimmt. Diese Diskrepanz wurde mir in der Finanzkrise so richtig bewusst, weil ich mich aus beruflichen Gründen mit der Finanzwelt recht gut auskenne, den Crash und viele der Folgen sehr früh vorausgeahnt habe - aber bei all den "klugen Menschen" aus der neoliberalen Szene fand man zur damaligen Zeit dazu nichts.

Zuerst hatte ich meinem Bekannten gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil ich das Gefühl hatte, mich ihm gegenüber unhöflich und dominant verhalten zu haben, aber dieses Gefühl lässt nach. Manchmal ist Haltung wichtiger als gutes Benehmen, Feingefühl, soziale Kompetenz, weibliches Einfühlungsvermögen etc. etc. etc. (alles Dinge, an denen ich es aus seiner Sicht vermutlich mangeln ließ). Trotzdem tut es mir immer noch weh. Ich wollte nicht, dass es so kommt. Ich will auch keine unsympathische Rechthaberin sein. Aber ich kann - und will - diesen Bruch nicht mehr kitten.

Peinhard 1. Dezember 2009 um 21:31  

@Anonym den ersten:

Für jedes Kind, das 'in dieser Gesellschaft eine bessere Chance bekommt' fällt 'in dieser Gesellschaft' notwendigerweise ein anderes hinten runter. In diesem Gerede von 'besseren Chancen' steckt bereits so viel Nebel, so viel affirmativer Quark von 'Glückes Schmied' und der allgegenwärtigen 'Eigenverantwortung', so viel Ablenkung von der beschämenden und längst nicht mehr hinnehmbaren Tatsache, dass diese Gesellschaft eben nicht für jeden eine 'Chance' bietet - noch nicht einmal eine 'Chance', geschweige denn einen 'Platz'.

Und das setzt sich dann auch gleich fort mit den 'unverschuldet in Not geratenen', die eben auch sofort auf ihr Gegenstück deuten - die 'selbstverschuldet' in Not geratenen, die nicht ausreichend willigen, fleissigen, womöglich unbequemen Zeitgenossen. All das deutet immer nur auf den Einzelnen und 'heiligt' so nebenbei die Verhältnisse, lenkt ab von der Kritik, die wir dringender denn je bräuchten - und die um so weniger geleistet wird, je unhaltbarer die Zustände werden.

Und so macht man sich eben wirklich schon dadurch mit diesen gemein, dass man diese Floskeln widerkäut. Das grenzt nicht nur an Selbstzerfleischung, das ist sie tatsächlich schon. Man entschuldigt das, was nicht nur einen selbst, sondern uns alle immer mehr zu zerfleischen droht, und man ist bereits denen auf den Leim gekrochen, die die 'Sachzwänge' eines bewußtlosen und immer inhumaneren Systems in vorderster Reihe exekutieren.

bnny 1. Dezember 2009 um 21:59  

...und überhaupt, "Integration" in WAS bitteschön? In einen herbeifantasierten "deutschen Volkskörper"?

Die deutsche Gesellschaft ist eine aus Individualisten, Millionen von einzelnen Zellen mit tausenden von gegensätzlichen Überzeugungen und Lebenszielen.

Vielleicht kann man sich in eine Inuit-Gemeinschaft integrieren, oder in ein afrikanisches Dorf.

"Integration" in eine freie, demokratische und individualistische Gesellschaft von 80 Millionen kann NUR bedeuten deren Gesetze anzuerkennen.

...halt, vielleicht gibt es doch ein verbindendes Element, den Schlüssel zur deutschen Gesellschaft, der aus unzivilisierten Barbaren gute Deutsche macht: Arschkriechen, Arschkriechen und nochmals Arschkriechen. OK, bis in die höheren Etagen wird es Herr Yilmaz mit Arschkriechen nicht schaffen (im Gegensatz zu seinen deutschen Kollegen). Aber es würde sein aufbrausendes Temperament und sein überholtes Männlichkeitsbild disziplinieren, UND DAS KANN JA NUR POSITIV SEIN, ODER?

klaus baum 1. Dezember 2009 um 23:17  

bei mir hat die lust zu schreiben mächtig nachgelassen, weil ich merke wie müßig es ist, gegen die herrenmenschenunmoral argumentativ anzugehen. deshalb das rarararargagagamamamaa auf meiner seite.

Ralf-zwei.null 2. Dezember 2009 um 06:26  

Absolute Zustimmung, besonders zu den Kommentaren der beiden Damen. Respekt!

Für mich schließt sich hier wieder einmal der Kreis. Es ist alles Gedöns, um von den wahren Missverhältnissen in dieser kranken Gesellschaft abzulenken, und um vor allem EINES ZU VERHINDERN:

DASS DAS VOLK ERKENNT UND SICH ERINNERT, DASS ES DEN SCHLÜSSEL FÜR VERÄNDERUNG SELBST IN DER HAND HÄLT!

(Ich meine, ich hätte das bei Jens Berger gelesen...)

Die Großschreibung bitte nicht chat-like als Gebrüll auffassen. Mir ist dieser Punkt nur sehr wichtig...

Heinzi 2. Dezember 2009 um 10:53  

@Amelia

Trennung ist das Ziel der Protagonisten. Ist die Zersplitterung in Dafür und Dagegen nicht also ein gewolltes Resultat? Grabenproduktion für kommende Grabenkämpfe?

Wer seine Freundschaften so sehr davon abhängig macht, was politische Agenda des Individuums ist, hat nicht verstanden wie diese Dinge entstehen. Es geht nicht per se um einen Überzeugungsdiskurs sondern um die Analyse in charakterlicher Persönlichkeitsprägung. Darum dem Nächsten, der sich an Hetze beteiligt deutlich zu machen, warum er es tut. Abgenzung gegen ein Feindbild, Abgrenzung vor dem ANDEREN, dem FREMDEN. Eben jene Grenzziehung von ICH und das Andere, das entfernte aus meinem Ichkonzept. Der Religiöse, der Gutgläubige, der Dumme, der Untermensch, der Versager, der stinkende Ausländer, der schlecht Deutsch sprechende ect.
Alle diese Eigenschaften will der Fremdenfeind für sich nicht gelten lassen, aus Angst vor dem Versagen, aus Angst vor der eigenen Schwäche und anderen Gründen.

Wer wenn nicht derjenige, der sich über diese infantile, instinktive Haltung zu anderen Menschen erhoben hat, wird eine Bewußtseinsveränderung bei den Tätern hervorrufen können?

Heinzi

Amelia 2. Dezember 2009 um 13:06  

@Heinzi: Grundsätzlich hast Du natürlich recht, ich versuche das auch bei Menschen, die mir erstens etwas weniger nahe stehen und die zweitens nicht ganz so festgefahren in ihrem Wahn sind. Aber er wirft mir ja gerade vor, dass ich sein empfindliches Ego durch meine Besserwisserei beschädige, dass ich seine Meinungen, die so wichtig für sein Selbstvertrauen sind, nicht respektiere etc... Ihm scheint das absolut wichtig zu sein, als eine Art Gegengewicht dazu, dass er sich im Alltag als Verlierer fühlt. Zudem scheint es ihn ohnehin zu belasten, dass er mich für so "klug" hält und er sich mir gegenüber deswegen unterlegen fühlt... Ich würde es aber nie wagen, ihm all das ins Gesicht zu sagen, da ich nie die Neigung hatte, ihn als Verlierer abzustempeln, ganz im Gegenteil. Ich fand es eigentlich immer gut, dass er sich dem allgemeinen gesellschaftlichen Druck nicht komplett unterworfen hat, sondern versucht hat, seinen eigenen Weg zu gehen - so lange, bis wir diese Diskussion hatten. Wie soll ich ihn noch in seinem Selbstvertrauen stärken, wenn er versucht, es auf eine Haltung aufzubauen, die ich überhaupt nicht unterstützen kann? Aber ich glaube, es ist generell umso schwieriger, zynische Haltungen bei anderen Menschen zu akzeptieren (und geduldig dagegen anzuarbeiten), je näher sie einem gefühlsmäßig stehen. Vor allem, weil ich solch eine Haltung Mitmenschen (wie z.B. Türken oder Arbeitslosen) gegenüber eben nicht - so wie er - als "intellektuelle Fingerübung" ansehe, sondern als etwas, das mir wirklich Seelenschmerzen und schlaflose Nächte bereitet.

Heinzi 2. Dezember 2009 um 14:24  

Zeige genau diesen Punkt auf, daß es eben eine Selbstbetrug ist sich auf Kosten anderer, auf Kosten eines Feindbildes als etwas besseres zu fühlen, sich dadurch stärker zu machen weil man andere Erniedrigt. Zeige auf das dies auch nur ein Selbstbetrug ist und die wirkliche Stärke eines Menschen eben jene ist, seine eigenen Stärken und Schwächen zu akzeptieren und öffentlich dazu zu stehen.

Amelia 2. Dezember 2009 um 15:36  

Aber was will man Leuten, die nach "intellektueller Reinheit" streben und deswegen rechtsesoterischen Idealen hinterherrennen, denn wirklich sagen? Das reale Leben ist anstrengend, besteht aus Mittelmaß und nicht aus Großartigkeit, ist voller Enttäuschungen, es tut manchmal weh, es ist nie perfekt, es ist manchmal dumm und bekloppt, man fühlt sich oft einsam und unsicher, und all das wird vermutlich immer so bleiben.

Vielleicht habe ich auch zu viel Angst vor solchen Fanatikern, weil schon meine Eltern so waren, und ich nicht gegen sie angekommen bin. Der Realist steht immer ein wenig auf verlorenem Posten, weil er weniger zu bieten hat als die Verfechter "ganzheitlicher" Heilslehren (egal, ob diese neoliberal, rassistisch oder was auch immer sind).

Felix Klinkenberg 2. Dezember 2009 um 17:03  

Sie sind tatsächlich ein Humanist.
Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass sie die *LIBERTE*EGALITE*FRATERNITE*
der Französischen Revolution gleich-gewichtet hoch halten.

Anonym 3. Dezember 2009 um 17:05  

Leuten wie Sarazzin gehört SOFORT die staatliche Alimentierung entzogen. Ich sehe es nicht ein solche Schmarotzer mit meinen Steuern durchzufüttern.

Wenn er solche Meinungen vertreten möchte, soll er erst mal selber für seinen Lebensunterhalt sorgen und uns nicht mit seinen Golfclubs weiter auf der Tasche liegen!

Cantabile 7. Dezember 2009 um 01:22  

"... was manche muslimische Jammergestalt als Ehrenmord schönzureden versucht, prangert in deutschen Farben gehalten als Familiendrama von den Aufmachern dieses Landes."

Diese Aussage habe ich nun schon mehrfach gehört und gelesen, sie klingt originell und findet deshalb oft auch Beifall, ist aber sachlich falsch.

Ehrenmorde finden überwiegend im Einverständnis mit der Familie statt, wenn sie nicht sogar von der Familie bzw. mehreren Mitgliedern der Familie geplant werden. Auch Frauen der betreffenden Familie befürworten die Tat, die von Männern (außer Ehemännern oft auch Vätern oder Brüdern) an weiblichen Mitgliedern der eigenen Familie begangen wird. Wer einen Ehrenmord begeht, der tut dies in der Annahme, sich damit in Übereinstimmung mit seiner Gesellschaft (also dem Kulturkreis seiner ursprünglichen Herkunft) zu befinden. Das Opfer dagegen steht im Bewusstsein der Täter allein und außerhalb der Gesellschaft.

Das "westliche" Familiendrama wird in der Regel von allen geächtet, auch von der Familie des Täters. Der Täter (in der Regel ein Mann, der seine - gewesene - Frau oder Freundin ermordet) handelt aus ohnmächtigem Hass aus narzisstischer Verletzung, aber er handelt allein, und er weiß selbst genau, dass er sich mit seinem Handeln außerhalb der Gesellschaft stellt.

Wer so tut, als seien Ehrenmord und westliches "Familiendrama" praktisch das Gleiche, der beschönigt Ehrenmorde.

Schlange 9. Dezember 2009 um 12:46  

@ Amelia
Ich bewundere und verstehe Ihre Haltung gegenüber dieser Person vollkommen. Heinzi impliziert mit seinen Kommentaren, dass es Ihnen möglich wäre, diesen Menschen zu "retten", ihn gleichsam auf den "tugendhaften Pfad" zurückzulenken, wenn Sie sich nur genug anstrengen, was insbesondere in seinem letzten Kommentar deutlich wird!
Mal abgesehen davon, dass ein derartiger Versuch ein gewisses Maß an Allmachtsphantasien des "Helfers" voraussetzt - es wird nicht funktionieren! Die Manipulation dieses Bekannten scheint ja gerade darin zu bestehen, Ihnen mit seinen "intellektuellen Fingerübungen" empörte Gegenargumente zu entlocken, ohne (wie anscheinend sonst) darauf zu achten, Ihre intellektuelle Überlegenheit zu tarnen, um Ihnen anschließend genau diese Überlegenheit vorwerfen, Ihnen damit Schuldgefühle verursachen und Sie so "bestrafen" zu können. In diesem Spiel können Sie nur verlieren, es war also die richtige Entschiedung, sich dauerhaft zu entziehen!

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