In Vorleistung

Samstag, 5. Dezember 2009

Liebe Schwedische Akademie,

ich wende mich heute in etwas dreister Weise an Sie und bitte Sie schon vorab mir mein unmanierliches Benehmen zu vergeben. Ich bin mir sicher, Sie sind es nicht gewohnt, dass man Ihnen nicht katzbuckelig begegnet, daher bitte ich Sie, nicht zu verstört zu reagieren auf meine flegelhaften und vorlauten Zeilen.

Wie Sie vielleicht wissen - Sie wissen es sogar mit absoluter Sicherheit -, haben Ihre Kollegen des Nobelkomitees in diesem Jahr den amtierenden US-Präsidenten Obama mit dem Friedensnobelpreis gekürt. Ich fand diesen Einfall urig, geradezu originell, draufgängerisch, ordentlich mit Kühnheit gewürzt. Noch habe Obama nichts für den Frieden getan, hieß es aus dem Umfeld des Komitees, aber er habe es angekündigt. Das müsse man honorieren, man müsse vorab mit der Auszeichnung zur Hand sein, um seinen Plänen den rechten Odem einzuhauchen. Der Friedensnobelpreis war plötzlich ein Mutmacher. Das ist nicht nur eine Aufwertung des Preises, nachdem Schreibtisch-Cäsaren wie Kissinger schon die Ehre hatten - dem Komitee sei Dank! -, ihre Kriegsgelüste in Friedensmissionen umzukehren. Nein, es ist viel mehr: es ist der Fingerzeig in die Zukunft dieser Auszeichnung. Der Preis nicht als ideele Prämie für Geleistetes, sondern als beherzter Mutmacher und Aufputscher in Vorleistung.

Nun werden Sie sich fragen, werte Schwedische Akademie, was Sie mit den Machenschaften Ihrer Kollegen aus dem Komitee zu tun haben. Ich will es Ihnen ganz schroff mitteilen. Wissen Sie, ich schwinge die Feder mit großer Leidenschaft. Ob ich in diesem Metier könnerhaft herumkritzele, möchte ich nicht bewerten. Passion wiegt Qualität ja nicht auf, sie macht das Stümpertum höchstens für den Stümper selbst unsichtbar. Aber ich halte mich daran, dass das andere bewerten sollten. Sie, liebe Akademie, sind für die Literaturnobelpreise verantwortlich, benennen jährlich den neuen Laureaten. Ich wollte ja schroff sein, daher sei es schonungslos in ihre Gesichter geschmissen: Bitte verleihen Sie mir im nächsten Jahr den Nobelpreis für Literatur! (Ja, setzen Sie sich erstmal auf diesen Schreck. Kann ich fortfahren?) Sicher, ich habe noch kein Werk von Weltformat hinterlassen, aber so kleinlich sollten wir nicht sein. Sehen Sie die Vergabe an meine Person als Investition in die Zukunft. Wenn ich gewürdigt werde, würde mir das eine Menge Mumm einflössen. Ich würde mit grenzenlosen Engagement die Tinte verspritzen und früher oder später ein Meisterstück, vielleicht eine Dichtung oder ein Epos, in die literarische Welt werfen, was die apriorische Auszeichnung rechtfertigte. Werte Schwedische Akademie, ich bitte Sie letztlich gar nicht um den Preis, ich bitte Sie darum, mir ordentlich Mut zuzusprechen.

Natürlich, ich kenne Ihre Einwände bereits jetzt. Was wäre, wenn ich kein Meisterwerk hinterlassen würde? Würden Sie sich dann nicht lächerlich machen? Ich behaupte keck, dass Sie sich darum nicht sorgen sollten, deswegen machen Sie sich nicht lächerlich. Nicht, weil wir in einer schnellebigen Zeit leben und die Auszeichnung meiner Person bereits in drei Wochen wieder vergessen wäre - jedenfalls nicht nur deswegen. Vielmehr, weil es belanglos ist, ob sich die guten Ansätze erfüllen oder nicht. Das Nobelkomitee hat Obama Mut zugesprochen, aber herausgekommen ist ein US-Präsident, der das Schlachtfest im Mittleren Osten ausweitet, seine Bündnispartner zu mehr Durchschlagskraft nötigt. Muß sich das Komitee deshalb schämen? Mitnichten! Mut zugesprochen zu haben ist ein edles Motiv, vielleicht die menschlichste aller Eigenschaften. Schweine grunzen sich gegenseitig keinen Mumm in die Rüssel, Schafe blöken kein Kopf hoch! an ihresgleichen. Nur dem aufrechten Affen gelingt es, ausgiebig und mit vielen wohlgeformten Worten den Schneid zu stimulieren. Für Menschliches keine Scham! Wen imponiert es denn nicht, wenn man einen Menschen beobachtet, der am Bett eines Sterbenden sitzt und trotz aller Hoffnungslosigkeit drauf und dran ist, dem Totgeweihten mit Mut zu impfen. Er tut es in der Gewissheit, bald eine erkaltete Hand zu halten, aber er tut es, weil er Mensch ist, weil er es seinem Mitmenschen schuldig zu sein glaubt. Das Nobelkomitee darf sich nicht schämen, eine erkaltete Hand geküsst zu haben. Im Gegenteil, ich finde es lobenswert, einen so hoffnungslosen Fall dennoch betreut zu haben.

Liebe Schwedische Akademie, Sie sehen also, Ihre Angst wäre unbegründet. Entweder serviere ich Ihnen bald, innerhalb einer Frist von zwei bis fünfundzwanzig Jahren, einen Meilenstein der Literatur oder ich versinke in Vergessenheit und Sie dürfen sich dann brüsten, eine Hand gehalten zu haben, die schlussendlich doch erkaltet ist. Anders umschrieben: Entweder ernten Sie Lob für Ihren Weitblick oder Sie werden gehuldigt, weil Sie einem kleinen, unbekannten Schreiberling zu höheren Ehren geleiten wollten, weil Sie einer traurigen Gestalt, einem Schwermütigen, einem Melancholiker, einem, der das Leben meist für eine beschissene Veranstaltung hält, etwas Mut eingeflösst haben. An so einen kniffeligen Charakter kann man scheitern, aber dennoch die Hand ausgestreckt, Hilfe angeboten zu haben, rühmt Sie als Akademie umso mehr.

Und eines sei zum Schluss noch erwähnt: Scheitert der apriorische Literaturnobelpreis, versumpfe ich also in der Bedeutungslosigkeit ohne literarische Hinterlassenschaften, so geht nicht viel kaputt an dieser Welt. Blicken Sie doch auf den Friedensengel des Jahres: wenn er scheitert - und er ist gerade dabei, die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht zu erfüllen -, dann verbluten Legionen von Menschen. Ich würde nur am Wegesrand liegen bleiben, wer weiß wie. Möglicherweise besoffen, an der eigenen schreiberischen Begrenztheit zermürbt, vielleicht einfach nur an einer chronischen Erkrankung nagend, die in einer zukünftigen Gesellschaft nicht mehr behandelt wird. Aber gleichgültig in welcher Form ich am Wegesrand erbreche, ich stürze keine Menschenfluten in Blutmeere. Was Sie, liebe Akademie, in die Waagschale pfeffern würden, wäre ein mickriges Risiko. Ihre Kollegen vom Komitee haben da ein beträchtlich gefährlicheres Vabanquespiel initiert. Soetwas würde ich von Ihnen aber nie und nimmer verlangen. Risiken, so lehrt uns die Wirtschaftskrise - sollte sie jedenfalls -, müssen überschaubar sein. Ich wäre ein solch überschaubares Risiko für Sie. Haben Sie also Mut und sprechen Sie mir Mut zu, damit wir uns demnächst in Stockholm die Hände drücken dürfen.

In diesem Sinne,
bis zum nächsten Jahr,
Smoking trage ich prinzipiell keinen,
Ihr baldiger Laureat

38 Kommentare:

Anonym 5. Dezember 2009 um 02:43  

Kompliment für den Text!
Schickst du den auch wirklich als Brief oder ähnliches an die Akademie? Habe etwas ähnliches, sprachlich allerdings nicht so ausgereiftes, mal an rtl verschickt, wie erwartet kam aber keine eine Antwort.
Gruß
Swantje

Anonym 5. Dezember 2009 um 03:07  

Ich habe keine Ahnung, ob Obama den Friedensnobelpreis verdient hat.

Genausowenig, wie ich je eine Ahnung hatte, das jemals irgendjemand anderer ihn verdient hatte. Denn bereits die Nobelpreise in den weichen, den härteren und den harten Wissenschaften sind umstritten, (immer wieder fragt man, ob nicht der oder der ihn nicht auch verdient gehabt hätte) wie soll man da beurteilen ob der in Literatur oder Frieden angemessen vergeben wurde?

Allerdings meine ich nicht, das die Tatsache, das jemand der gegen Terroristen Krieg führt, ihn für den Friedensnobelpreis grundsätzlich ungeeignet macht.

Ich vertrete nicht die Ansicht, das jede kriegerische Auseinandersetzung grundsätzlich vermeidbar ist. Diese Ansicht ist nichts Großartiges, aber ich wage es sie zu vertreten

Ich bin auch nicht der Ansicht, das man mit Waffen keinen Frieden schaffen kann. Die Geschichte lehrt Gegenbeispiele. Der D-Day z. B. fand sicher von Seiten der Alliierten nicht unbewaffnet statt.

Anonym 5. Dezember 2009 um 05:41  

Lieber Roberto,

mal wieder unübertroffen - ich habe laut lachen müssen: Ein toller Start in den Tag. Also, falls das Nobel-Kommittee mich einberufen sollte (man weiß ja nie...), werde ich Ihre Nominierung mit nachdruck befürworten!

liebe Grüße
Saby

Bernd Kudanek 5. Dezember 2009 um 06:35  

Lieber Roberto,

allein für diese Glosse gebührte Dir ein Nobelpreis! Meine Stimme haste allemal! :)))

Gruß
bjk

Roberto J. De Lapuente 5. Dezember 2009 um 09:15  

Krieg gegen den Terror - das ist süß. Immer wieder drollig, wie man die Metaphern der herrschenden Kreise nachbetet. Die terroristischen Taliban waren übrigens sehr genehm für die USA, als sie vor 2001 das Land auf ihre Weise "befriedet" haben. Der chinesische Staatsterror wird nicht zum Weltthema - es ist eben immer Ermessenssache, wer gerade terroristisch ist und wer nicht. Allende war Terrorist, Pinochet nicht - jaja, immer wieder drollig, wie man nachbetet.

Anonym 5. Dezember 2009 um 09:34  

Wenn schon, denn schon. Auch ich werfe meinen Hut in den Ring.

Also ich bin da ganz bescheiden, mir ist es sogar egal, welchen der Nobelpreise mir zugesprochen wird.

maguscarolus 5. Dezember 2009 um 10:08  

Der Friedensnobelpreis ist der dubioseste unter allen Nobelpreisen und müsste eigentlich abgeschafft werden, oder dürfte erst, sagen wir mal, 100 Jahre nach dem Tod des Laureaten vergeben werden. Als Beleg – die Liste der Preisträger

z.T. ein Gruselkabinett!

@Anonym
Das Bild: "Ein Starker schützt selbstlos einen Schwachen". So möchten die US-Amerikaner gerne gesehen werden – irgendwie rührend naiv. Allzu klar ist doch bei genauerer Betrachtung aller US-Einsätze (inklusive D-Day und Berliner Luftbrücke), dass die US-Administration stets im eigenen nationalen Interesse gehandelt hat und dass es schon besonderer Umstände bedurfte, damit aus solchen Aktionen etwas nachhaltig Friedliches herauskam und keine Friedhofsruhe.
Die neueren Kriegseinsätze zeigen, dass die US-Interventionsstrategie ihre vorgeblichen Ziele inzwischen vollständig verfehlt, und nichts weiter mehr ist, als ein Subventionsprogramm für die Rüstungsindustrie.

Jutta Rydzewski 5. Dezember 2009 um 11:37  

@ Anonym 5. Dezember 2009 03:07

Zwei, drei Punkte möchte ich gerne näher "beleuchten":

" ... wie soll man da beurteilen ob der in Literatur oder Frieden angemessen vergeben wurde?"

Für die Literatur mag das zutreffen, für den Frieden ist eine objektive Beurteilung, wie ich meine, doch eher möglich. Das war wohl auch eine, wenn nicht sogar DIE Intention von Herrn De Lapuente, für seinen "Bewerbungsartikel".

"Allerdings meine ich nicht, das die Tatsache, das jemand der gegen Terroristen Krieg führt, ihn für den Friedensnobelpreis grundsätzlich ungeeignet macht."

Dazu müsste zunächst einmal geklärt werden, was Terrorismus überhaupt sein soll.
Bedauerlicherweise gibt es dafür noch keine völkerrechtlich verbindliche Definition, und es wird auch zukünftig keine geben. Und das hat "gewichtige" Gründe: Terror ist das, was jeder (Terrorist) darunter meint verstehen zu möchten oder das, was sozusagen in den eigenen Terrorkram hineinpasst. Dabei ist zu unterscheiden zwischen nicht staatlichen und staatlichen Terror. Der staatliche Terror, insbesondere der von den westlichen Wertegemeinschaftlern ausgeübte, befindet sich dabei ständig auf den Vormarsch. Er ist auch, insbesondere wenn er von demokratisch verfassten Staaten ausgeht, viel verwerflicher und mörderischer, kostet erheblich mehr Opfer (Irak, Afghanistan, Guantanamo, Abu Ghraib, Bagram usw. usw.) als der nicht staatliche, von dem man im Übrigen auch nichts anderes als Terror erwarten kann. Auch Deutschland beteiligt sich an terroristischen Aktionen, ist also Mittäter. Denken Sie z.B. an die über tausend CIA-Folter-Flüge über deutschen Luftraum. Darüberhinaus wird es noch mehr Terroristisches geben, bei dem Deutschland mitmacht, mitgemacht hat, ohne dass es die Öffentlichkeit (bisher) erfahren hat.

Einer der schlimmsten (westlichen) Terroristen ist sicherlich der Vorgänger von Obama. Aber nicht nur die USA betreiben Terrorismus, sondern die Russen, Chinesen usw. natürlich ebenfalls. Es gibt auch eine ganze Menge afrikanischer Terroristen, z.B. den Mugabe in Simbabwe. Eigentlich besteht die ganze Welt aus Terroristen und weil das so ist, und leider auch so bleiben wird, gibt und wird es auch zukünftig keine Terror-Definition geben. So verfährt jeder kleine oder große Bush, Mugabe usw. nach dem Motto: Es ist das Terrorismus, was ich bzw. wir dazu erklären. Kurzum, grundsätzlich sind immer die Anderen die Terroristen.

"Ich vertrete nicht die Ansicht, das jede kriegerische Auseinandersetzung grundsätzlich vermeidbar ist. Diese Ansicht ist nichts Großartiges, aber ich wage es sie zu vertreten"

Stimmt, ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Einsicht, dass Ihre Ansicht nichts Großartiges ist. Sie ist aus meiner Sicht nicht nur nichts Großartiges sondern grundsätzlich auch falsch. Natürlich IST jede kriegerische Auseinandersetzung grundsätzlich vermeidbar. Wenn es dennoch immer wieder zu Kriegen kommt, so fehlt es, schlicht und ergreifend, schon im Vorfeld von Kriegen, an Vernunft und dem Willen zum Frieden. Kant hat schon recht wenn er sagt: Der Friede ist das Meisterstück der Vernunft. Leider gibt es aber in der Politik, übrigens, zu allen Zeiten, keine Meister sondern Stümper und erbärmliche Kriegstreiber. Eine ganz kleine Clique, die es aber immer wieder schafft, die Menschen aufeinander zu hetzen. Grundsätzlich (ist ja eine Lieblingsvokabel von Ihnen) beginnt Terror da, wo die Vernunft abwesend ist. Übrigens, es gibt nicht nur den physischen sondern auch den psychischen Terror. Letzterer ist sogar in aller Regel die Vorstufe für Gewalt, Krieg,eben, für physischen Terror. Gerne hätte ich Ihnen noch einige Beispiele für psychischen Terror genannt (der übrigens auch ständig und sogar gewal(tä)tig auf dem Vormarsch ist), ich befürchte aber, das würde hier zu weit führen.

mfg
Jutta Rydzewski

Anonym 5. Dezember 2009 um 11:48  

Woher kennen wir das: "Krieg ist Frieden" und "Frieden ist Krieg". George Orwell: 1984. Wenn die US-Verteidigungsausgaben ein neues Allzeithoch erreichen, wenn die Truppen in Afghanistan so stark wie noch nie aufgestockt werden, wenn mehr Zivil- und Soldatenopfer als je zuvor in einem Monat festzustellen sind, ist dies Ausdruck eines besonders originellen Verständnis von Frieden.

Es ist erschreckend zu sehen, dass da manch einer tatsächlich noch lange drüber nachdenkt, ob der Friedensnobelpreis für Obama gerechtfertigt ist. Der Verstand setzt wohl bei einigen aus, wenn ihre tiefsitzenden Hoffnungen in eine Person enttäuscht werden.

Enrico C. 5. Dezember 2009 um 12:33  

Lieber Roberto,
für was willst Du denn, den Literaturnobelpreis? Damit Du, wie die Expreisträger, in Goldblatt-umhüllt und Ledergebunden, im Regal verstaubst? Nein, ich glaube nicht dass Dir das recht wäre. Erbreche dich lieber an unserem Wegesrand, so haben wir mehr davon.
Danke für deine Texte.
Gruß Enrico

Anonym 5. Dezember 2009 um 12:37  

Sie erquicken mit Ihren Beitregen taeglich meine Seele,
ein Genuss sie zu lesen

Mit freundlichem Gruss,
Frederike

Hotte 5. Dezember 2009 um 12:42  

So wird das leider nichts. Der Adressat müßte lauten:

Liebes NORWEGISCHES NOBELKOMITEE!

So und nun weg mit dem Brief und gute Reise!

fletcher2 5. Dezember 2009 um 13:12  

Lieber Roberto J. De Lapuente,

ich kann es ja nachvollziehen. Ja, das Alter macht ab und an Probleme. Gedanken wechseln die Hirnhälften langsamer, ja, manifestieren sich mit der Zeit in ihren eigenen, begrenzten Bereichen; aber keine Sorge, man lernt damit zu leben.

Was regen Sie sich so auf, wegen der Vergabe des Friedensnobelpreises an unser aller Herr Obama? Wer wäre in Ihren Augen ein besserer Kanditat? Auch ich habe mir lange überlegt, wer denn nun eventuell, vielleicht ein geeigneterer Kandidat gewesen sein könnte. Es fiel mir absolut nur noch Berlusconi ein. Wer in seinem hohen Alter die, oft kapriziösen, "Vorzüge" der jungen Weiblichkeit so geduldig ertragen kann, der kann in seiner tiefsten Seele nur ein Ausbund an Toleranz und Gutmütigkeit sein. Aber, ich schweife ab.

Sollte das Komitee denn etwa vielleicht Hugo Chavez oder Hu Jintao oder gar Mammud Ahmadinedschad die Ehre geben, der Weltfriedensstifter 2009 zu werden? Oder noch absurder, etwa Angela Merkel? Alle die auf oder rechts und links der Achse des Bösen liegen, ausgenommen von Frau Merkel, die liegt sowieso immer daneben, haben doch ihr moralisches Recht auf Anerkennung durch das Gute verwirkt.

Ihr Begehr, den Nobelpreis für Literatur abzustauben kann ich zwar begreifen, doch ganz erfassen werde ich ihn nicht. Gute Blogs sind rar; das weiß ich, aber daraus ein Begehr zu entwickeln, bedarf doch schon einiger Kühnheit. Vielleicht fassen Sie Ihre Werke in Buchform; feinstes Straußenleder mit Goldprägung; dann, und nur dann, könnte ich mir vorstellen, daß Sie bei der schwedischen Akademie Eindruck schinden.

Nur noch ein Satz zum Schluß, lieber Roberto. Seien Sie froh, daß es den Friedensnobelpreis noch gibt; denn dann ist der Friede, wenigstens in Schriftform, noch nicht endgültig verloren.

Anonym 5. Dezember 2009 um 13:40  

"Krieg gegen den Terror - das ist süß. Immer

wieder drollig, wie man die Metaphern der

herrschenden Kreise nachbetet. Die

terroristischen Taliban waren übrigens sehr

genehm für die USA, als sie vor 2001 das Land

auf ihre Weise "befriedet" haben. Der

chinesische Staatsterror wird nicht zum

Weltthema - es ist eben immer Ermessenssache,

wer gerade terroristisch ist und wer nicht.

Allende war Terrorist, Pinochet nicht - jaja,

immer wieder drollig, wie man nachbetet."

Antwort:

Ich schrieb heute morgen einem Bekannten: Da

der Blog-Autor stilistisch immer wieder auf

höchstem Niveau formuliert, bin ich mal

gespannt ob und wie ich gekontert werde.

Das die USA sogar mal Bin Laden in Sachen

Afghanistan unterstützt haben, daran dachte

ich heute morgen mal unterschwellig selbst.

Was zeigt das? Nun die USA haben ihn damals

für ihre Interessen gegen die Russen

eingespannt. Die USA haben viel schlimmere

Sauereien begangen, ohne daß ich deshalb

jemals zum Antiamerikanismus übergelaufen

wäre. Jeder Vorgang ist einzeln zu beurteilen.

So auch der jetzige Afghanistan Einsatz. Also

wenn die Taliban keine Terroristen sind, dann

weiß ich nicht wer? Wenn Afghanistan

strategisch so wichtig wäre, wieso ist man

erst nach 9/11 eingerückt? Worum kanns noch

gehen? Opium? Der Einstaz kostet soviel Geld,

das er alleine deshalb zu scheitern droht. Er

könnte auch scheiteren, weil der Westen

möglicherweise extrem human mit diesen

Terroristen umgeht, weil er zivile Opfer

vermeiden will. Die Taliban und andere

Terrortisten kümmert es nie, wenn sie die

Zivilbevölkerung zur Geisel nehmen. Und sich

mit ihr z. B. in einer Moschee verschanzen,

bzw. die Raketen in einem Wohngebiet

aufstellen.

Zum chinesischen Staatsterror vertrete ich

folgende Ansicht: Sicher wäre es korrekt die

Dinge ohne Wenn und Aber beim Namen zu nennen,

aber China hat die Bombe als Druckmittel.
Schon die ehemalige Sowjetunion, die

wirtschaftlich ein Zwerg war konnte nur Druck

ausüben durch ihre militärische Macht, aber

das reichte um die Welt in Schrecken zu

versetzen. China ist mittlerweile auch eine

wirtschaftliche Großmacht. Also die Politik

gegenüber China ist ein Bereich, in dem ich

als Außenstehender nicht mitreden kann. Es

geht nicht mit, aber es geht leider auch nicht

ohne (wie Nazan Eckes in anderem Zusammenhang

formuliert).

Wie das mit Allende genau war, weiß ich

momentan nicht. Natürlich waren wir damals in

Marburg als Studenten empört, als Pinochet

gegen ihn putschte. Ich meine aber gehört zu

haben, das Chile damals in eine schwere

Wirtschaftskrise geraten war, aber ich weiß

nicht, ob das reine Propaganda ist. Das kann

man ja herausbekommen! Ich lese gleich mal in

der Wiki nach. Pinochet allerdings war ein

Verbrecher. Aber Terrorist ist meine ich

anders definiert, obwohl es keine allgemein

akzeptierte Definition gibt.

Nicht daran gedacht hatte ich, daß wenn die

USA mal mit den Taliban kooperiert hatten, sie

indirekt mit Schuld sind an dem Massaker was

die Taliban damals veranstalteten und das man

wie gesagt hier nicht wiedergeben kann. Ja die

USA bzw. der Westen taten nicht nur Gutes,

sondern verfolgten auch ihre Interessen und

dabei kam es auch zu "Sauereien" ob geplant

oder ungeplant? Bei der jetzigen Verfolgung

der Interessen kommt es leider auch zu

tragischen Ereignissen. Das alles aber

unterliegt viel mehr als zu Zeiten des CIA

einer öffentlichen Kontrolle.

Was tun die USA denn jetzt in Afghanistan,

welche Interessen verfolgen sie? Kann ja sein,

daß sie strategische Interessen haben, aber

Wenn man sich gegen islamischen Terror

schützen will, kann man doch auch strategisch

vorgehen!

ninjaturkey 5. Dezember 2009 um 14:33  

Das nenne ich mal eine glasklare und bestechende Argumentation. Ich melde hiermit auch gleich Anspruch auf den Nobelpreis für Physik für meinen Sohn (8) an. Erst kürzlich hat er unter Einsatz seines Lebens und unserer Gesundheit im Papierkorb seines Zimmers Feuer gelegt (ist nix passiert) und damit in seinem zarten Alter gleich mehrere thermische und auch sonst energetische Naturgesetze bestätigt. Der kommt noch groß raus, das versichere ich Ihnen. Und um an dieser Stelle nicht zaghaft anzuhalten, sollte auch gleich noch eine Nobelauszeichnung in einer passenden Sozialwissenschaft für uns Eltern rausspringen, die wir trotz allem unmittelbar und gelassen gehandelt haben. Als angehende Dynastie von Nobelpreisträgern würden wir die Kohle sogar nicht, wie die meisten der Herren Wissenschaftler in weiteren sinnlosen Suchen nach Higgs-Teilchen oder einem Eigenheim verbraten, sondern zum Wohle des Gemeinnutzes und zur Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise hier in unserem Dorf investieren. BTW - dafür gibts dann einen in Wirtschaftswissenschaften, oder?

Michel 5. Dezember 2009 um 16:00  

Hermeneutisch oder auch komparatistisch gesehen ist die Verleihung des Friedensnobelpreises an einen Warlord hyperzynischste Realsatire.
Mehr Scheiße kann selbst Hollywood nicht gleichmäßig unterm Volk verteilen.

Wem bei solchen Verhältnissen nicht der Mageninhalt hoch- und die Stimmung runterkommt, ist selber ein Charakterschwein präsidentialer Größe oder hat sein Hirn vor langer Zeit mit einem Wahlzettel abgegeben.

Eine derartige Vergiftung verträgt eine Gesellschaft nicht lange, denn natürlich haben solche pressetechnisch inszenierten Rechtfertigungsmedaillen Auswirkungen auf die ohnehin schon schwer beschädigte durchschnittliche politische Urteilskraft der Wähler, vor allem in demokratischen Staaten.

Hier zeigt sich, dass das größte Geschenk der modernen Demokratie, die Freiheit und Offenheit und Flexibilität auch gleichzeitig ihr schwächster Punkt und damit erfolgsversprechendster Angriffspunkt sind.
Was nützt es, in Verkehrung und Persifilierung der wahren Umstände, einem Warlord mit Präsidententitel den Friedensnobelpreis zu verleihen, wenn das Stimmvieh auch wirklich jede medial Inszenierte Pervertierung der Zustände stillschweigend hinnimmt? Wenn eben trotz Offenheit, Freiheit, Redefreiheit und Flexibilität keine Kritik an den Zuständen veröffentlicht wird?
Wenn ein Friedensnobelpreis für einen Warlord zu einer nicht kritik- oder ächtungswürdigen sondern lobenswerten Tat wird?

Man stelle sich vor, man würde den ehemaligen sozialistischen Diktatoren Russlands den Friedensnobelpreis für den Einmarsch und die Befreiung der "unfreien sozialistischen Bruderländer" verleihen!*
Ein Friedensnobelpreis für die stalinistischen Säuberungen, mit denen fundamentalistische, staatsfeindliche Revolutionäre in Russland beseitigt wurden!*

Man stelle sich vor, man würde Hitler für seinen Einmarsch im Nachbarland Polen posthum den Friedensnobelpreis verleihen, weil damit ja die untereinander verfeindeten Regierungs- und Oppositionsparteien zum Frieden gezwungen wurden!* Haben die Nazis nicht auch Frieden in die eroberten Landstriche gebracht, indem sie Störenfriede internierten oder exekutierten?*
Stalin und Hitler werden hier in der Tat zu Figuren, an denen die Verleihung des Friedensnobelpreises an Obama vermessen werden muss.








*Klarstellung: die markierten Sätze sind polarisierende rhetorische Fragen, keineswegs Fakten und schon garnicht Meinung des Autors. Das Gegenteil ist wahr, Stalin und Hitler waren mit die schlimmsten Massenmörder der Geschichte, von den US-Vietnamkriegspräsidenten (Kennedy, Johnson, Nixon, Ford(?)) mal abgesehen. Obama bewirbt sich um Aufnahme. Vielleicht brauchen wir einen afrikanischen Diktator und Massenmörder, der auch mal einen Friedensnobelpreis für sich verlangt?

Michel: Gründe für die US-Kriege 5. Dezember 2009 um 16:04  

http://www.craigmurray.org.uk/archives/2009/12/obama_is_wrong.html

"[...]December 2, 2009
Obama Is Wrong On Both Counts

Obama loves his rhetoric, and his speech on the Afghan surge was topped by a rhetorical flourish:

"Our cause is just, our resolve unshaken".

He is of course wrong on both counts.

The occupation of Afghanistan by the US and its allies is there to prop up the government of President Karzai. Karzai's has always been an ultra-corrupt government of vicious warlords and drugs barons. I have been pointing this out for years,
http://www.dailymail.co.uk/news/article-469983/Britain-protecting-biggest-heroin-crop-time.html#ixzz0VS78HVR1

The CIA is up to its usual tricks again supporting the drug running of key warlords loyal to them. They are also setting up death squads on the Central American model, in cooperation with Blackwater.

Fortunately Karzai's rigging of his re-election was so blatant that the scales have fallen from the eys of the public and even the mainstream media. Politicians no longer pretend we are promoting democracy in Afghanistan.

Karzai comes directly from the Bush camp and was put in place because of his role with Unocal in developing the Trans Afghanistan Gas Pipeline project. That remains a chief strategic goal. The Asian Development Bank has agreed finance to start construction in Spring 2011. It is of course a total coincidence that 30,000 extra US troops will arrive six months before, and that the US (as opposed to other NATO forces) deployment area corresponds with the pipeline route.
[...]
This is utter nonsense. The large majority of post 9/11 terror incidents have been by Western Muslims outraged by our invasion of Afghanistan and Iraq. Put bluntly, if we keep invading Muslim countries, of course we will face a violent backlash. The idea that because we occupy Afghanistan a Muslim from Dewsbury or Detroit disenchanted with the West would not be able to manufacture a bomb is patent nonsense. It would be an infinitely better strategy to make out theoretical Muslim less disenchanted by not attacking and killing huge numbers of his civilian co-religionists.

Our cause is unjust.

We are responsible for the deaths of tens of thousands of civilians in Afghanistan and Pakistan, and for the further of radicalisation of Muslim communities worldwide. That threatens a perpetual war - which is of course just what the military-industrial complex and the security industry want. They have captured Obama.[...]"

Ralf-zwei.null 5. Dezember 2009 um 16:04  

Genau so macht das Wochenende Spaß!
Danke für diese noble Tat, lieber Nobelpreisträger in spe.
Ich habe da zwar keinen Einfluss und auch sonst nicht viel zu sagen, aber ich bin dafür!

Schönen Zweiten Advent Euch allen.

Matthias 5. Dezember 2009 um 16:06  

Lieber Roberto,

einfach immer wieder klasse, Deine Texte zu lesen. Kompliment!

Lachen könnte man, wenn nicht vieles worüber Du schreibst so traurig wäre, aber ich tu es trotzem nach dem Motto: Lache, wenn es nicht zum weinen reicht!

In diesem Sinne ein herzliches Dankeschön. You made my day

Matthias

potemkin 5. Dezember 2009 um 16:28  

Es gibt da einen fast noch absurderen Preis: Den Nobelpreis für Wirtschaft. Vermutlich wurde der geschaffen, um den leider nicht mehr vergebenen Nobelpreis für Astrologie zu ersetzen.
Da ich für Barak gelegentlich Reden schreibe, sitze ich gerade an einem Entwurf für seine Entgegnung auf die Laudatio. Ich denke da an eine eloquente Überleitung vom Erfinder des Dynamits zur Leistungsfähigkeit der amerikanischen Peacekeeper-Industrie, die zudem Arbeitsplätze auch in der Wirtschaftskrise sichert. Man muß nur dafür sorgen, das die Produkte möglichst schnell verbraucht werden, damit die Fließbänder nicht still stehen.

besorgte Bürgerin 5. Dezember 2009 um 16:50  

Sehr erhellender und ausgezeichnet geschriebener Artikel. Kompliment.

Und für alle, die noch nicht wissen wie Krieg und die dazu gehörige Propaganda-Maschine funktioniert hier ein Link zu einer ausgesprochen guten Dokumenation:
http://www.youtube.com/watch?v=11Gtk3cag3o

Jutta Rydzewski 5. Dezember 2009 um 17:19  

@ Vermutlich ist Anonym von 13:40 mit Anonym von heute Nacht 03:07 Uhr identisch ist.

Ich bedaure außerordentlich, dass nicht der Blog-Autor, auf den Sie offenkundig so gehofft haben, sondern nur wieder ich auf Ihre Fortsetzungsverlautbarung eingehe. Natürlich werde ich mich diesmal aufrichtig bemühen, es erheblich kürzer zu machen.

Sie sind wirklich putzig. Obwohl es für Terrorismus keine völkerrechtlich verbindliche Definition gibt, wenn es um bzw. gegen die Anderen geht, gibt es natürlich doch Terroristen. Handelt es sich dagegen um die westlichen "Wertegemeinschaftler", an der Spitze der oberste "Wertevermittler", die USA, so bezeichnen Sie deren Terrorismus als "geplante oder auch ungeplante Sauereien". Vielleicht ahnen Sie jetzt, warum sich gerade die westlichen "Wertegemeinschaftler", wiederum an der Spitze die USA, immer wieder mit Vehemenz gegen eine völkerrechtlich verbindliche Terrorismus-Definition wenden. Stellen sich vor, wenn eine Definition gem. der Fakten erfolgen würde, säßen die Terroristen nicht nur in irgendwelchen Bergen, sondern auch in komfortablen Präsidenten-Palästen oder (weißen) Häusern.

Übrigens, man/frau muss nicht zum Antiamerikanismus überlaufen, wie Sie das wiederum putzig beliebten auszudrücken, um zu erkennen, dass sich die USA und ihre NATO-Verbündeten größter Menschheitsverbrechen schuldig gemacht haben und immer noch machen. Andere Länder überfallen, dabei hunderttausende Tote und Millionen Flüchtlinge zu verursachen, neben den bekannten zivilisatorischen Schandorten Guantanamo, Abu Ghraib, Bagram, weitere Folterknäste rund um den Erdball einzurichten und zu betreiben bzw. betreiben zu lassen, DAS IST, Frau/Herr Anonym, Terrorismus der übelsten Sorte. Dagegen ist der Bin Laden ein Waisenknabe. Und diesen Mammut-Terrorismus auch noch damit zu begründen, man wolle den überfallenen und kaputt gebombten Ländern Freiheit und Demokratie bringen, ist an Zynismus nicht zu überbieten

Vielleicht denken Sie darüber einmal nach, aber beim Nachdenken sollten Sie die offenbar schon sehr tief verinnerlichte Propaganda vergessen, zumindest versuchen sie (die Propaganda) etwas beiseite zu schieben, und stattdessen den Rat von Immanuel Kant befolgen: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Ich hoffe, es ist noch nicht zu spät für EIGENständiges Denken.

mfg
Jutta Rydzewski

landbewohner 5. Dezember 2009 um 19:50  

wenn ich an meinen lateinunterricht zurückdenke, so war es cäsar der in seinem bellum gallicum gerne das verb pacare benutzte. befrieden durch erobern. ich glaube die ollen gallier hatten dauernd streit mit ihren weibern - bis cäsar kam. so muss man das bei obama und afghanistan etc. wohl auch sehen. drum roberto - keinen neid. aber meinetwegen kannst auch du den preis und die knete kriegen.

Anonym 5. Dezember 2009 um 20:56  

Meinen ganz persönlichen Literatur-Lob-Preis haben Sie!

Vielen Dank für Ihren Blog, der so oft hilft, vor Deppen nicht zu verzweifeln und insbesondere über die Kommentarfunktion zu sehen, daß es ander mit ähnlichen Standpunkten gibt.

Mein Preis ist rein ideeller Natur. Was will ein begabter Schreiber schon mit solch eitlem Tand?

Schönen Sonntag!

Anonym 5. Dezember 2009 um 23:07  

Ich will mich zunächst nicht weiter selbst verteidigen, sondern den weiblichen Blog-Teilnehmern illustrieren wie ihr Leben unter Taliban-Herrschaft aussehen würde.

Quelle Wikipedia:

Den UN zufolge begingen die Taliban während ihrer Gewaltherrschaft schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen. Nachdem sie die Kontrolle über Afghanistan erkämpft hatten, erließen die Taliban Edikte, die die Rechte der Frauen stark einschränkten. Sie betrafen die Bereiche Bildung, medizinische Versorgung, Kleidung und Verhalten in der Öffentlichkeit.
Mädchen war es verboten, zur Schule zu gehen. Viele Schulen wurden geschlossen, worauf die Mädchen, wenn überhaupt, nur noch im Privaten unterrichtet wurden. Frauen in Kabul durften nicht mehr ihre Berufe ausüben und saßen immer häufiger als Bettlerinnen in Burkas auf der Straße. Da durch die Wirren des Krieges allein in Kabul ca. 30.000 Frauen als Witwen ohne jegliche männliche Verwandtschaft lebten, hatten diese Frauen meist keine andere Chance, als zu betteln, um ein wenig Geld zum Überleben aufzutreiben. Dass die Restriktionen lebensbedrohend waren, verdeutlicht folgendes:
Laut den Physicians for Human Rights bekamen 53 Prozent der ernsthaft Kranken keine Behandlung. Zugang zu medizinischer Versorgung war vor allem den Frauen fast unmöglich. Es gab zur Zeit der Talibanherrschaft in Kabul ein einziges Krankenhaus, in dem Frauen behandelt werden durften. Allerdings war die Grundausstattung mangelhaft, Röntgen- oder Sauerstoffgeräte und Medikamente fehlten, fließendes Wasser war nicht vorhanden. Um überhaupt behandelt werden zu können, galt es für die Frauen, verschiedene Probleme zu meistern. Ohne männlichen Begleiter durfte eine Frau nicht behandelt werden. Da es männlichen Ärzten generell verboten war, Frauen anzuschauen oder zu berühren, konnten Frauen nur noch sehr eingeschränkt untersucht werden. Das Tragen der Burka war auch während der Behandlung Pflicht. Eine einfache Untersuchung oder ein Zahnarztbesuch war fast unmöglich, da der Schleier nicht hochgehoben werden durfte. Um die Einhaltung der Gesetze zu wahren, waren regelmäßig Taliban-Mitglieder in den Krankenhäusern anwesend. Falls sich Afghanen den Taliban-Gesetzen dennoch widersetzten, wurden schwere Strafen verhängt. Ärzten drohten Schläge, Berufsverbot und Gefängnisstrafen.
Sowohl in den Städten als auch auf dem Lande waren (und sind teilweise heute noch) die hygienischen Verhältnisse auf niedrigstem Niveau. Öffentliche Bäder waren, soweit noch vorhanden, Frauen generell nicht mehr zugänglich.
In den Städten trafen die Gesetze die Frauen besonders hart, da dort die westliche Orientierung vor der Taliban-Gewaltherrschaft am ausgeprägtesten gewesen war, Frauen in vielen Fällen regelmäßig gearbeitet und westliche Kleidung getragen hatten.

Anonym 6. Dezember 2009 um 11:54  

Prima Anonym.

Jetzt können sich viele Afghanische Frauen über ihre getöteten Söhne und Männer freuen und immer öfter betteln gehen, weil keiner mehr ihren Lebensunterhalt bestreitet.

Hör doch auf dir was vorzumachen. Solange die Taliban willfährige Helfershelfer der USA waren, waren sie willkommen, egal welcher Art ihre Herrschaft war.

Das Unterstützungsgeheische bei Feministinnen und Frauen dient doch bloß dem Fischen nach Unterstützung und Legitimation für einen Konflikt, der allen voran den USA eine wichtige geostrategische Position sichern soll.


"Eine einfache Untersuchung oder ein Zahnarztbesuch war fast unmöglich, da der Schleier nicht hochgehoben werden durfte."


Prima, dann können sie sich künftig den Zahnarztbesuch wie Millionen Amerikaner nicht leisten. Was hilfts wenn man kein Geld hat aber den Schleier lüften darf?

"Sowohl in den Städten als auch auf dem Lande waren (und sind teilweise heute noch) die hygienischen Verhältnisse auf niedrigstem Niveau."

SChon mal die Millionen Homeless in den USA nach hygienischen Zuständen abgefragt?

Nur mal zwei kleine Beispiele, die die Heuchelei Ihrer Argumentation für jeden ersichtlich machen.

Es gibt auf diesem Planeten hunderte Millionen Menschen die weder genug Wasser, noch genug Nahrung, noch genug Hygiene noch ärztliche Versorgung kennen. Das Westliche Modell sieht schlicht vor, das nur der eben jene bekommt, der sich dies leisten kann. Das gilt auch für Frauen Männer und Kinder in Afghanistan, wie auch für die Bevölkerungen westlicher Staaten. Kein Geld, keine Versicherung? Wenn du Glück hast gibts irgendwo kostenlose sozial Einrichtung engagierter Bürger ansonsten ... VERRECKE!

Der Kapitalismus ist mindestens so brutal wie man es den Taliban unterstellt. Machen Sie also mal halblang mit halbseidenen Entschuldigungen für eine Administration, die reine Machtpolitik auf dem Rücken der Menschen in Afghanistan seit Jahrzehnten betreibt.

Wenn einer zu verantworten hat, das fanatische Anhänger des Islam in Afghanistan absolutes Oberwasser bekamen, dann die USA, die mit Hilfe des CIA 120.000 und mehr Mujaheddins aus allen Ländern dorthin brachte, ausgebildet hat und unter Osama Bin Laden im Kampf gegen die Russen für einen Stellvertreterkrieg finanziert, ausgerüstet und zum kämpfen angehalten haben.

Michel 6. Dezember 2009 um 13:55  

Wer hat im letzten Jahrhundert die Taliban in Afghanistan gestärkt, um die Russen auszutreiben und das Leiden der Afghanen erst befördert?

Die USA.

Wer stützt jetzt ein absolut korruptes Regime aus Warlords, Drogenproduzenten und fundamentalistischen Islamisten und Taliban in Afghanistan?

Die USA.


Die aktuelle Lage der Frauen in Afghanistan ist wie üblich: beschissen. Die fundamentalistischeren Kräfte gewinnen an Macht, Dinge wie Vergewaltigung in der Ehe, Zwangsverheiratung von Kindern u.ä. sind wieder legal.

Es geht den USA mit nichten darum, westliche Werte, Menschenrechte oder Demokratie einzuführen, ja noch nicht mal darum, die Lebensbedingungen der Menschen überhaupt zu verbessern. Dazu müsste man nämlich das Land gezielt und geplant 10-20 Jahre lenken, verwalten, aufbauen und schrittweise in die Freiheit entlassen. Das kostet nicht nur sehr viel Geld und Zeit, sondern das bringt auch keinen Profit und darum geht es den USA und den hinter der US-Außenpolitik stehenden Öl-Multis.
Menschenrechte in Afganistan wie auch dieses "Terroristen!"-Geheule sind lediglich PR-Kampagnen, die dem westlichen Stimmvieh die Feldzüge im Nahen Osten sympathisch machen sollen.

Ganz konkret: bei den Afghanistan- wie auch den Irakfeldzügen geht es um Erdöl, Erdgas, Pipelines, Einflussgebiete, Macht und Geld, nichts anderes. Die paar Milliönchen, die der Westen für Menschenrechte und Bildung im Irak und in Afghanistan ausgibt, sind im Grunde genommen Werbemillionen, die höchstens im einstelligen Prozent- und Promillebereich Wirkung entfalten.

Oder haben die Taliban etwa nicht die Mädchen und Frauen schon wieder aus dem afghanischen Bildungssystem vertrieben?

Oder hat Karzei, der Präsident eines besetzen Landes, etwa nicht Vergewaltigung in der Ehe, Zwangsverheiratung und noch mehr parlamentarische Legalisierungen von Schwerverbrechen begangen?

Anonym 6. Dezember 2009 um 14:43  

Hallo Roberto,

in all der Trübsal und dem Elend gibt es auch noch gute Neuigkeiten zu vermelden:

Otto Graf Lamsdorf ist gestorben...

De mortuis nil nisi bene ?

Tja, das kommt auf den Toten an würde ich sagen !

PS: Die schlechte Nachricht ist, dass nun wahrscheinlich die Ölpreise steigen werden - der Teufel muss ja schließlich ordentlich einheizen !

Anonym 6. Dezember 2009 um 15:57  

So schlecht schreiben kann keiner wie Obama Frieden führen kann.
Der Preis sei dir gegönnt.

maguscarolus 6. Dezember 2009 um 16:25  

Lambsdorf, Lambsdorf, dein Papier!

Wie soll es nur ohne ihn weiter gehen?

Man muss die tränenreichen Nachrufe lesen. Hinterher ist der Magen leer.

Anonym 6. Dezember 2009 um 20:00  

Sehr geehrter Herr Roberto J. De Lapuente

Wir haben Ihren,naja wie soll ich es formulieren, Ihren "Antrag" für den Literaturnobelpreis aufmerksam gelesen und zur Kenntniss genommen.
Sie müssen uns aber bitte mit Nachsicht begegnen, dass wir Ihrer Bitte nicht nackommen werden. Denn anders als unsere norwegischen Kollegen, die Betonung liegt hier auf norwegischen, sind wir tatsächlich unbhängig. Wir richten uns streng nach objektiv-wissentschaftlichen Kriterien dabei, wen wir diesen heissbegehrten Preis zukommen lassen. Auf Vorschusslorbeeren war bei uns bis jetzt niemand angewiesen. Die Kategorie Literatur stellt hier keine Ausnahme dar. Nehmen sie doch als
Beispiel den Preisträger im Jahre 2006 Orhan Pamuk. Unsere Entscheidung beruhte ausschliesslich auf literaturwissenschaftlichen Erkenntnissen. So hatte die öffentliche Stellung dieses Herren in seinem Heimatland oder seine politische Einstellung überhauptnichts damit zu tun.

Herr De Lapuente Sie müssen uns schon vom Norwegischen Komitee differenziert betrachten. Überhaupt verstehen wir nicht diese Aufregung über die Nominierung des amerikanischen Präsidenten. Schliesslich ist er nicht der erste, dem diese Ehre zuteil wird.
Da hätten wier z. B.: Woodrow Wilson. Der hat ja immerhin einen Weltkrieg mitgemacht(entgegen seinen Versprechungen vor der Wahl)und nicht solche jämmerlichen Regionalkriege. Oder wie wäre es mit Henry Kissinger, auf den man als aufstrebender Diktator immer zählen konnte. Aber wem erzähle ich denn das. Sie sind doch sicherlich bestens über die Liste der Preisträger informiert. Darunter befinden sich ja auch Namen wie Dr. King, Nelson Mandela und Willy Brandt. Sie sehen das Komitee ist durchaus in der Lage auch die richtigen Kandidaten auszuzeichnen. Und wenn unsere norwegischen Kollegen in der Beratungsnacht wieder einmal einen zuviel hinter die Binde kippen, dann kommt eben sowas dabei heraus.
Das war schon immer so Herr De Lapuente, das sind schliesslich Politiker, und noch norwegische dazu.


Mit den besten Grüssen
Ihre Schwedische Akademie der Wissenschaften

Anonym 7. Dezember 2009 um 11:00  

Zu Menschenrechtsverletzungen durch die Taliban.

Also ich habe ja mit diesen Reaktionen auf die "Behandlung" der Frauen durch die Taliban
gerechnet und mir im Voraus überlegt wie diese
aussehen können. Ich wußte im Prinzip sehr wohl welche Antworten mich erwarten.

Ich gebe unten meine diesbezüglichen apriorischen Überlegungen so wieder, wie ich
sie unfrisiert niederschrieb:

Eins will ich aber noch zusätzlich sagen: Es ist ein Unterschied, ob der Staat wie inwestlichen Gesellschaften dem Elend "nicht
genügend entgegentritt" oder ob ein Staat einem Teil seiner Bürger, per "Gesetz" (so wie die Taliban den Frauen oder wie die Nazis den
Juden) mutwillig elementare Rechte vorenthält, bzw sie sogar gezielt vernichtet.

Insofern ist die Existenz von Armut und Elend in westlichen Gesellschaften, nicht mit den
durch die Taliban mutwillig begangenen Menschenrechtsverletzungen vergleichbar.
Mit HartzIV haben wir allerdings in der BRD eine Problematik die in Ansätzen systematisch die Würde und die Menschenrechte einer Gruppe von Menschen verletzt. Aber das ist noch nicht vergleichbar mit den Verbrechen der Nazis bzw der Taliban.

Ich überlegte mir, das folgende Reaktionen auf die Schilderung der menschenrechtsverletzenden
(das ist viel zu milde ausgedrückt)
Behandlung der Frauen kommen würden.

Die Punkte 2 und 7 schienen mit die wahrscheinlichsten "Ausflüchte" zu sein.


1. man tut das als Fälschung ab
(unwahrscheinlich)

2. Man prangert die Verbrechen des Westens an ohne auf die "geschundenen" Frauen einzugehen.

3. Man sagt, das war nur bei einigen Taliban, so sonst ist das ganz anders. Aber das ist
schon kritisch, da würde man was zugeben.

4. Das ist Vergangenheit und die heutigen Taliban sind ganz anders.

5. An diese Verhältnisse waren die Afghanen eben gewöhnt und die War-Lords sind ja auch nicht besser.

6. Überhaupt sind solche Verhältnisse auch heute noch zu finden.

7. Die Taliban waren eigentlich Kreationen der USA, die aus dem Ruder gelaufen sind.usw.

Anonym 7. Dezember 2009 um 19:56  

Ausflüchte?

Ich glaubs wohl ...

Wenn der Initiator einer Bedrohung die Bedrohung zum Grund für Agitation macht, sind das für SIE

AUSFLÜCHTE?

Ich glaub nicht das weitere Kommentare ihre einseitige Sichtweise auflockern kann.

Das Leiden der Armen im Westen ist genauso durch Gesetz fixiert.

Sicher gibt es Probleme in anderen Ländern, aber dort einen Krieg anzuzetteln ist keine Lösung sondern eine Verschärfung des Problems.

Die Probleme anderer Länder sind die Probleme anderer Länder.

Michel 1./2 8. Dezember 2009 um 16:45  

@ Anonym 7. Dezember 2009 11:00


"Eins will ich aber noch zusätzlich sagen: Es ist ein Unterschied, ob der Staat wie inwestlichen Gesellschaften dem Elend "nicht
genügend entgegentritt" oder ob ein Staat einem Teil seiner Bürger, per "Gesetz" (so wie die Taliban den Frauen oder wie die Nazis den
Juden) mutwillig elementare Rechte vorenthält, bzw sie sogar gezielt vernichtet."


Die Ausgangslage ist entscheidend:
Das absolute Ausmaß des Elends in der BRD ist im Verhältnis zu den Zuständen in Afghanistan wesentlich geringer. Wenn die BRD also dem Elend nicht genügend entgegen tritt, dann fällt das weniger auf, als wenn die afghanische Regierung mit gleicher Motivation nicht dem absolut wesentlich größeren Elend in Afganistan entgegen tritt, denn immerhin müssen wir von unserem sozialen Niveau in Deutschland erstmal "heruntergestoßen" werden, und das ist wesentlich höher als das soziale Niveau in Afganistan.

Zudem verdrehen sie Fakten.

Die BRD-Regierung tritt dem Elend in der BRD nicht "nicht genügend entgegen", wie sie formulierten, sondern sie produziert aktiv gezielt und absichtlich Elend: Die HartzIV-Gesetze beinhalten faktisch Instrumente zur Zwangsarbeit zu Hungerlöhnen. Diese Faktenlage produziert gezielt und absichtlich Elend. Absolut hat dieses deutsche Elend lediglich noch nicht das Niveau des afghanischen Elends erreicht, weil wir erstmal von unserem höheren sozialen Niveau, welches im 20.Jh geschaffen wurde, "heruntergestoßen" werden müssen, während die Afghanen in Afghanistan arm sind und auch im 20. Jh waren (im Vergleich zur BRD).

Genauso wie die BRD-Regierung mit den HartzIV-Gesetzen Armut produziert, produzieren die Regierungen Afghanistans und auch des Iraks Armut, indem sie, ähnlich wie die deutschen HartzIV-Gesetze, bestimmte Bevölkerungsgruppen von regulärer Erwerbstätigkeit ausgrenzen. In der BRD werden Arme, Arbeitslose und Geringqualifizierte ausgegrenzt, in Afghanistan und im Irak eben Frauen und vor allem alleinstehende Frauen, welche oft auch arm, arbeitslos (per Gesetz) und geringqualifiziert sind.
Was glauben sie denn, wie sich eine Witwe mit 4 oder 5 Kindern in Afganistan durchschlägt? Wenn alle arm sind, ist es schwer, sich auf milde Gaben zu verlassen. Also wird so eine Frau die niedrigsten, dreckigsten, schwersten Arbeiten übernehmen, ohne vor ihrem Arbeitgeber geschützt zu sein oder ihren Lohn auch nur irgendwie einklagen (vor Gericht oder durch "sozialen Druck") zu können. Als da wären:
- schwere körperliche Arbeit in der Landwirtschaft
- Prostition
- "Frauenarbeit": weben, nähen, haushaltsnahe Dienstleistungen (putzen, kochen...).

Michel 2./2 8. Dezember 2009 um 16:46  

Wobei die Auszahlung des Lohnes nicht garantiert noch einklagbar ist, die Höhe des Lohnes zum Überleben nicht mal in Afghanistan reicht, es keine Arbeitsschutzbestimmungen gibt und gewalttätige oder sexuelle Übergriffe des ausbeutenden Arbeitgebers nicht verhindert geschweige denn sanktioniert werden können.

Das erinnert schon ein wenig an die Zustände der Hartzis und 1-€-Jobber in der BRD, meinen sie nicht?

Noch kann man die resultierenden sozialen Zustände in der BRD nicht mit Afganistan oder dem Irak vergleichen, oder doch?
Auf struktureller, juristisch-wirtschaftlich-politischer Ebene sind sehr wohl Vergleiche möglich:

Die Ausgrenzung und grenzenlose Ausbeutung der schwächsten und schutzslosesten Bevölkerungsgruppen!

Das Ziel ist, abgesehen von ideologischer Verbohrtheit (relig. Erklärungen zur Minderwertigkeit der Frau, neoliberaler Ideenschwachsinn zur Unterbezahlung von "Minder-Leistungsträgern"), jeweils die Maximierung des Profits des Kapitalgebers. Hier in Deutschland sind das korrupte politische Machtcliquen, die auf Betreiben von Firmen- und Aktienbesitzer zur Schaffung faktischer Ausbeutungsverhältnisse in der BRD "ermutigt" (Erpressung/Bestechung/Überredung) werden, in Afganistan ist es zudem noch eine ausländischer Machthaber, nämlich die US-Ölindustrie, die ein militärisch besetztes Land mit Hilfe einer korrupten afghanischen politischen Machtclique auszubeutet.


Verschiedenheit der Ergebnis-Zustände heißt eben nicht Verschiedenheit der ergebnisproduzierenden Mechanismen.

Anonym 9. Dezember 2009 um 08:39  

Ich will mich wieder zunächst nicht verteidigen (wie immer sind mir wieder einige ungenaue Formulierungen unterlaufen, aber nicht in wesentlichen Punkten, deshalb drängt das nicht!) Nein ich will zunächst die Frage stellen: Wie soll es denn in Afghanistan nun weiter gehen? Wie soll die "Problematik" denn nun am sinnvollsten gelöst werden? und zwar so, daß z. B. die Frauen dann nicht stärker malträtiert bzw. massakriert werden wie es im Islam allgemein (in Abstufungen) üblich ist. Ich bin ja nicht der Ansicht, das der Westen es kann und auch nicht das Recht hat diesen Ländern von außen eine gänzlich andere Kultur aufzuzwingen. Das muß sich letztlich von innen heraus enntwickeln. Also was sollte geschehen? Ich meine das das Karzai Regime doch von den Taliban schnell überrannt wäre, wenn die Alliierten abziehen. Was passiert dann?

Anonym 13. Dezember 2009 um 17:02  

Zwei Überlegungen noch. Eine weitergehende Verteidigung, ist im Moment zu umfangreich. Es werden sich sicher noch Gelegenheiten ergeben. Afghanistan wird sicher weiter Thema bleiben.

1. Die USA verfolgen ja angeblich öl- und strategische ("böse") Interessen.
Warum haben sie dann dort erst nach 9/11 eingegriffen? Das dort Terroristen Unterschlupf geboten wurde war lange vorher vermutet. Warum haben sie zunächst nur die Auslieferung Bin Ladens verlangt?
Dann hätte es keinen "Angriff" geben müssen.

(A ja: Gäste liefert man nicht aus und außerdem ist nicht bewiesen, das Bin Laden ... War er überhaupt dort beim nicht vorhandenen Einwohnermeldeamt registriert? Ich sah mal ein Video wo sich einige Mullahs über die 3000 Toten lustig machten. Das ist übrigens auch ein Unterschied zur westlichen Kultur. In der Öffentlichkeit amüsiert man sich nicht über 3000 Tote. Im Islam wurde gejubelt. Wann werden dort die Massen mal gegen so etwas demonstrieren?)

Krieg ist im Westen nicht sehr populär, eine "Gutmenschen"-Öffentlichkeit (auch in Presse und Medien) hat man immer gegen sich. Also macht man nicht gerne Krieg zumal er grundsätzlich geächtet ist. Um ihn trotzdem zu rechtfertigen, müssen lange Reden gehalten werden. Krieg macht viel Scherereien und der kleinste Fehltritt kann "Karrieren" jäh beenden.

Mullah Omar (auch noch flüchtig)lehnte die Auslieferung und die Austrocknung des Terrorismus ab und dann mußten die Taliban irgendwann einsehen, daß die B58 Bomber stärker als "Allah akbar" waren. Nebenbei bemerkt der "Krieg" ist dort immer schnell "mit links" beendet (nahezu ohne Verluste für die Alliierten), aber dann kommt der Terror und insofern findet die Auseinandersetzung tatsächlich im Rahmen des Kriegs gegen den islamischen (ich erlaube mir, dies gegen alle offiziellen Lesarten so zu formulieren) Terrorismus statt.

Das macht die Sache ja so kompliziert und möglicherweise aussichtslos. Aber sie ist m. E. lebensnotwendig) Womit wir bei Punkt 2 wären:

Die Taliban sind in Pakistan der Bombe sehr nahe. Insofern muß man einen "Einsatz" in dieser Region auch strategisch sehen. Die Taliban bzw, islamische Extremisten dürfen nicht an die Bombe, denn dann werden sie die entweder einsetzen oder den Rest der Menschheit erpressen. Und eins sollte Einem klar sein. Die Bombe unterscheidet wenn sie explodiert nicht zwischen links und rechts. Da kommt niemand davon. Auch Männer nicht.

Flying Circus 30. Dezember 2009 um 09:44  

@Anonym (es wäre übrigens nett, wenn Sie sich einen relativ eindeutigen, anonymen Nick zulegen würden, "Anonym" ist so in etwa DER Standard-Nick. Das macht es unübersichtlich. Mein Nick ist ja auch nicht mein Realname ... sonst hätten meine Eltern einen merkwürdigen Sinn für Humor besessen!)

"Die Taliban bzw, islamische Extremisten dürfen nicht an die Bombe, denn dann werden sie die entweder einsetzen oder den Rest der Menschheit erpressen."

So wie ... China? Die USA? Die Sowjetunion?
Von China haben Sie's ja selbst gesagt, daß sie die Bombe haben und sich deshalb nach Belieben verhalten können.

Was Ihre Vermutungen darüber angeht, warum die USA erst nach 9/11 in Afghanistan eingefallen sind ... genaues weiß man eben nicht.

Ob Karzai im Amt bleiben könnte, wenn die westlichen "Verbündeten" abziehen? Vermutlich nicht. Die Frage ist doch: will die Bevölkerung (die Mehrheit), daß er im Amt bleibt? Oder wird hier gegen den Wille der breiten Masse jemand im Amt gehalten? Nach meiner Erinnerung lief bei seiner "Wahl" ja wohl nicht alles sauber. Er scheint ja auch in mehr als schmierigen Kreisen zu verkehren.

Halten wir also mal fest: die westliche Welt sorgt dort unten mit Bomben und Raketen dafür, daß ein Präsident, der auf zweifelhafte Weise ins Amt gelangt ist, im Amt bleiben kann. Zum Wohle der unterdrückten Frauen, natürlich!! Das sind dann wohl dieselben Frauen nebst ihrer Kinder, die sich jüngst in zwei Feuerbällen rund um zwei gekaperte Tanklaster in ihre Bestandteile auflösten. Zugegeben - DIE werden keine Probleme mehr mit Schulbesuch, mangelnder Zahnversorgung etc. mehr haben. Die Probleme wurden gelöst.

Nebenbei bemerkt, sich "a priori" eine Liste möglicher Entgegnungen aus dem Hirnkasten zu leiern und diese dann nachträglich (!!) zu posten, ist leicht sinnbefreit.

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