Im Rückschritt

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Was man dieser Tage häufig liest, ist der Fingerzeig gen muslimische Welt, in der mit der Religionsfreiheit von Christen nicht immer redlich umgegangen wird. Und weil dem so ist, sei auch eine Entscheidung wie jene, in der Schweiz fortan keinen Minarett-Bau mehr zu erlauben, keine islamophobe Niederträchtigkeit, sondern ein faires quid pro quo, eine Ausgleichssituation, die reglementiert und zurechtrückt, was auf anderer Seite an Ungerechtigkeit und Unfreiheit ausgeschüttet wird.

Kurzum, es ist eine Kultur der Rückschritts, die hier verteidigt wird. Man spricht sich dafür aus, hinter die Aufklärung zurückzugehen, die liberalen Gedanken der philosophes, die Lehren Kants toten Stoff sein zu lassen, damit man Gleiches mit Gleichem vergelten kann. Hinfort der Gedanke, dass auch weiterhin Werte hochzuhalten sind, selbst wenn diese Werte andernorts mit Füßen getreten werden. Es ist, als würde man mit Grund- und Menschenrechten am Marktstand sitzen, als würde man feilschen, wann Religionsfreiheit statthaft ist und wann nicht mehr. Ein ökonomisiertes Denken, das bereits in alle Lebenslagen Einzug gefunden hat, selbst unveräußerliche Menschenrechte werden ausbalanciert, auf einen Verkaufsstand gelegt, werden abgewogen und portioniert und auf Nutzen und Kosten analysiert.

Anstatt die eigenen Werte auf einen unantastbaren Altar zu heben, paßt man sich denen an, die wahrlich wenig Interesse an der Existenz anderer Religionsgemeinschaften haben - was freilich aber wiederum nicht für die gesamte islamische Welt zutrifft. Statt aufrechtzustehen, rückt man stückchenweise in die Rolle der Fundamentalisten, nimmt man also eine buckelige Haltung ein. Wenn sie sich nicht freiheitlicher geben, dann werden wir eben unfreiheitlich! Gerade so, als wären Grundrechte, Menschenrechte, unveräußerliche Rechte dazu da, um damit Rachefeldzüge zu gestalten. All jene Rechte wurden jedoch nicht dazu ersonnen, um sie als Würgeeisen zu missbrauchen - sie waren als unveräußerlich, unverkäuflich, immer geltend entworfen worden. Hundert Gramm Religionsfreiheit einzusparen, nur weil eine autoritärere Gesellschaft am anderen Ende der Welt kiloweise an derselben Handelsware spart, stand nicht auf der Charta.

Die Logik des Rückschritts übernimmt immer ungenierter das Ruder. Wir verstümmeln Freiheitsrechte, reden uns dabei auch noch ein, das sei eine vortreffliche Vergeltung an denen, die wenig oder keine Freiheiten anerkennen, merken dabei aber nicht, dass die Unfreiheit auch in unseren Gefilden dominanter wird. Blind stürmt man in diese Vendetta! Fortschrittlich rückschreitend gibt sich diese Gesellschaft, wenn sie ihre eigenen Engstirnigkeiten und die Preisgabe eigener Ideale als quid pro quo zu verkaufen versucht. Was als Weltpolitikum in Sachen Minarette geschieht, läuft innenpolitisch unter ähnlichen Vorzeichen. Dem Erwerbslosen werden Grundrechte amputiert, er kann sich beispielsweise nicht frei auf dem Bundesgebiet bewegen, hat Residenzpflicht. Der Aufschrei der Gesellschaft ist leise, aber eindeutig: wer alimentiert wird, der muß nicht reisen. Die Rache des Steuerzahlers, wenn man so will. Er zahlt, also will er auch eine Gegenleistung dafür - und sei es ein Grundrecht. Manchen dieser Apologeten kann es gar nicht schnell genug mit dem Rückschritt gehen - ein Rückschritt, den sie als Fortschritt bewerten.

Der Handel mit Grund- und Menschenrechten, ihr Missbrauch als Revanchepotenzial, als Racheborniertheit: unveräußerlich ist heute scheinbar nur noch die Dreistigkeit derer, die ihre Engstirnigkeit hinter vermeintlichen Argumenten solcher Sorte verstecken, sich dabei noch wie heldenhafte Demokraten fühlen. Und es zeigt, kein Grund-, kein Menschenrecht ist auf ewig gefestigt, es muß täglich neu errungen und installiert werden. Gefahr lauert nicht oder kaum von Außen, im Inneren sind jene heimisch, die am Fundament hämmern. Nicht nur sicherheitsgeile Politiker, auch die Völker selbst sind bereit, auf den Basar zu gehen, um über eigentlich unveräußerliche Rechte zu schachern. All das im siegestrunkenen Gefühl der Rache und erblindet durch Revanchesucht.

16 Kommentare:

Thomas Trueten 2. Dezember 2009 um 11:36  

Hallo Roberto,
ich denke Du solltest die notwendige Kritik an *jeder* Religion als "Opium des Volkes" nicht mit der reaktionären Abstimmung in der Schweiz in einen Topf werfen.

Die Verteidigung des Atheismus oder der Religionsfreiheit als Privatsache hat nichts mit der "Kultur der Rückschritts, die hier verteidigt wird" zu tun sondern mit demokratischen Rechten.

Der Maßstab dabei ist für mich auch nicht ein Land, in dem finsterste mittelalterliche Zustände herrschen sondern die hier erkämpften bürgerlich demokratischen Rechte.

Die Abstimmung drehte sich nicht in erster Linie über den Islam oder über religiöse Bauten. Es ging um eine Verfassungsänderung welche ganz *explizit* eine spezifische (religiöse) Minderheit diskriminiert.

Dieses Muster kennen wir ja aus der jüngeren deutschen Vergangenheit.

Wäre es um die Abstimmung über eine ähnliche reaktionäre - westlicher Prägung - Religion gegangen wäre das Geschrei bestimmter Leute groß.

So handelt es sich ja "nur" um Angstmache vor einem unerklärlichen Feindbild, das das man nicht versteht und nicht verstehen will und das spätestens seit dem "Krieg gegen den Terror" systematisch aufgebaut wird.

Sobald die Freiheit der Weltanschauung gewährleistet ist, kann auf der Grundlage auch sachlich über das Thema diskutiert werden.

Und davon sind wir - leider - weit entfernt. Nach der Abstimmung noch weiter.

Solidarische Grüße,
Thomas

Wolfgang 2. Dezember 2009 um 11:44  

Gratulation. Ein Artikel der mir aus der Seele spricht.

Einen weiteren Aspekt will ich noch einbringen. Der Wertekanon der europäischen Aufklärung ist ein Dreiklang, der umschrieben werden kann mit: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Im Deutschen Verständnis: Einigkeit (=Brüderlichkeit)und Recht (=Gleichheit) und Freiheit.

Die Freiheit der Entscheidung ist also eng verknüpft mit der Verantwortung der Entscheidung gegenüber dem anderen im Kantschen Sinn. Das ist gemeint mit Gleichheit. Sowie mit dem Anliegen der eigenen Entscheidung entwachse kein Nachteil für andere Mitglieder der Gesellschaft sondern diene dem Glück aller (Stichwort: Utilitarismus). Das ist die Brüderlichkeit.

In unserer postmodernen Gesellschaft wird der Fokus auf den Begriff "Freiheit" gelenkt der auch noch aus politischem Interesse mißbraucht wird. Dadurch erhalten wir einen Freiheitsbegriff der durch Egoismus, Machtmißbrauch und Konsumzwang geprägt ist. Schöner als Guido Westerwelle konnte noch niemand diesen Freiheitsbegriff definieren, Zitat: "Wenn jeder an sich denkt ist an alle gedacht."

Dadurch entsteht aus einer aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft eine "Diktatur der egoistischen Mehrheit". Wenn die Mehrheit keine Minarette will, dann gibt es eben keine Minarette. Wenn die Mehrheit der Meinung ist, Synagogen müssten brenne, dann brennen eben Synagogen. Der Hass einer difusen Mehrheit wird zur "gelebten Demokratie" verklärt.

Hart aber Fair, eine Sendung, die bereits bei der Sarrazin-Diskussion ihre komplette Ahnungslosigkeit zur Schau gestellt hat, fragt den auch vor der heutigen Sendung auf ihrer Hompage das geneigte Publikum: "Finden Sie es richtig über Fragen der Religion per Volksabstimmung zu entscheiden?". Gerade so, als ob unsere Demokratie ausschließlich ein Ranking-Instrument wäre. Lassen wir das Televoting entscheiden: Bist Du der Meinung, der Elektrische Stuhl solle wieder zu ehren kommen oder bist du eher für den Scheiterhaufen? Rufe JETZT an!

maguscarolus 2. Dezember 2009 um 11:46  

Leider, leider . . . ganz richtig analysiert. In der ganzen Breite und Tragweite.

Der Versuch, Unteilbares zu teilen führt notwendig zu dessen Zerstörung oder innerer Aushöhlung.

Häppchenweise Amputation, damit es nicht "so weh tut" oder gar nicht bemerkt wird.

Jutta Rydzewski 2. Dezember 2009 um 12:09  

In der Tat, lieber Herr De Lapuente, so ist es, volle Kraft zurück. Fragt sich nur, wie weit zurück wird es gehen? Natürlich, wenn unveräußerliche Menschenrechte geschliffen, also letztlich faktisch außer Kraft gesetzt werden, geht die Reise zurück ins Mittelalter. Von den Errungenschaften der Aufklärung (irgendwann) keine Spur mehr? Natürlich, wenn einer der unsäglichen, aktuellen Dampfplauderer, mit philosophischem Anstrich, ernsthaft davon faselt, den Sozialstaat abzuschaffen, und an dessen Stelle ein Barmherzigkeitswesen (auf freiwilliger Basis) einzuführen, und dieser "Zottelige" für seinen stinkenden Unrat, auch noch bundesweite mediale und "beifällige" Aufmerksamkeit erhält, ist das, in der Tat, zurück ins Mittelalter, sogar mit Lichtgeschwindigkeit. Ähnliches gilt für den (Un)Sinn und seine sarrazinischen, sozialrassistischen Spießgesellen, die sich damit verkündend verbreitern, wonach erst der Sozialstaat die so genannte Unterschicht möglich gemacht habe. Das soll ja heißen, wenn ich mal den ganzen formulatorischen Verschleierungs- oder besser Verdummungsschmutz weglasse, ohne Sozialstaat gebe es auch kein Präkariat, also keine Armut, kein Hartz IV und so.

Ich habe den Eindruck, dieser Schweizer Minarett-Blödsinn ist der Startschuss für das altbekannte Stück: Haut den Moslem. Auch bei "uns" waren DER Islam und DIE Moslems ja etwas in den Hintergrund getreten, und dafür das unnütze Präkariat in den Vordergrund. Nachdem auf Hartz IV und Co. nun erst mal genug herumgeprügelt worden ist, wird nun wieder das alte und beliebte Feindbild befeuert. Es geht ja schon los; das entsprechende ritualisierte ExpertenUNwesen meldet sich bereits vermehrt in den Medien, und wird auch schon wieder, bei Talkshows und Kolumnen, herzlich willkommen geheißen. Anstatt Sarrazin und Kollegen, gibt es jetzt wieder Broder und KonsortenInnen. Natürlich geht es dabei nicht voran, soll auch gar nicht. Neues ist selbstverständlich nicht zu erwarten, es wird sich lediglich im Kreis gedreht, nach alter Väter und Mütter Sitte gehetzt, verteufelt,vergiftet, und irgendwann ist alles wieder am Ausgangspunkt, so dass der ganze Mist von vorne losgeht. Nur die Reihenfolge wird je nach Bedarf neu bestimmt. Entweder erst die Hartzer und dann die Moslems oder umgekehrt. Es gibt aber bereits "Experten" die beides "ganz gekommt" miteinander verbinden, so dass die spalterische und von Hass geprägte Munition nie ausgehen wird.

Tut mir leid, mir kommt es bereits wieder hoch, und ich höre lieber auf.

mfg
Jutta Rydzewski

Kurt aka Roger Beathacker 2. Dezember 2009 um 14:29  

"denen [...], die wahrlich wenig Interesse an der Existenz anderer Religionsgemeinschaften haben"

Ich behaupte hier mal, dass kein wirklich glaeubiger Anhaenger irgendeiner Religion ein solches Interesse ueberhaupt haben kann.

Felix Klinkenberg 2. Dezember 2009 um 17:17  

lieber Thomas Trueten,
wie, wo, was Demokratie? wo ist der Ort den sie meinen?
Sie sprechen doch wohl nicht von dem Ritual, in bestimmten Zeitabständen seine Stimme ab geben ( wegschmeißen ) zu dürfen.

Anonym 2. Dezember 2009 um 21:54  

Hallo Thomas Treten

Und ich denke Du solltest die Opiumideologie wider die Religionen dieser Erde noch mal genauer betrachten.

Die fundamentalistische Opium Kritik gegen die Religiösität des Menschen hat einen eigenen Holocaust produtiert. Wollen Sie dahin zurück? Unter dem Deckmantel "humanitärer Werte" predigt der Atheismus seine eigenen Ideen gleich einer massiven Missionierung, die er natürlich den Religionen geradezu verbittet.


Wieviele Millionen wollen die Atheisten als neueste Heilsbringer der menschlichen Gesellschaften massakrieren? Wieviele bis klar wird das Religion als Institution zur Gesellschaft und zum individuellen Menschenrecht?

Möchten die kriegslüsternen Atheisten also kämpfen und irgendwann merken das sie mit ihrem Hass auf Religion nur das ihnen Fremde verabscheuten?

Kaum anders als der Kampf eines kahlgeschorenen Stahlkappentreters der Straße, prügelt der Atheist zwar nicht mit Fäusten auf den Religiösen, wohl aber mit fundamentalistischer Schreibe, die wie Gülle durch die modernen Medien gepresst wird.

Soviel zu notwendiger Kritik an jeder Religion. Kritisiert eure eigene Bewegung. Allerdings scheint mir bei dieser Klientel die übliche Balkenstörung vorzuliegen.

Roberto J. De Lapuente 3. Dezember 2009 um 08:20  

@ Anonym, 2. Dezember 21:54 Uhr:

"Die fundamentalistische Opium Kritik gegen die Religiösität des Menschen hat einen eigenen Holocaust produtiert. Wollen Sie dahin zurück? Unter dem Deckmantel "humanitärer Werte" predigt der Atheismus seine eigenen Ideen gleich einer massiven Missionierung, die er natürlich den Religionen geradezu verbittet."

Eben darum. Ich selbst bin Atheist, verleugne das nie, versuche aber keinen Religiösen zu überzeugen. Was mir an den religiösen Atheisten aufstößt, ist der Drang die eigene Gottlosigkeit zum Lebensentwurf für alle machen zu wollen. Das ist nichts anderes als Mission. Wenn ich heute lese, dass ein hoher Katholik Schwule angreift, sie als Beleidigung Gottes verunglimpft, dann kann ich dafür kein Verständnis aufbringen. Hier wird Religion zum Pulverfass. Der Atheismus kann zu einem ebensolchen werden und wurde es schon oft - ich bin gegen Pulverfässer, nicht gegen Weltanschauungen.

Thomas Trueten 3. Dezember 2009 um 11:32  

Schon interessant, wie manche Menschen versuchen, das Gesagte im Mund umzudrehen.

Da bin ich ja froh, daß ich hier keinen religiösen Atheismus sondern einen materialistischen Propagiert habe...

maguscarolus 3. Dezember 2009 um 11:34  

Ein ganz guter Artikel zum Thema im SPIEGEL – man staune!

Artikel

Anonym 3. Dezember 2009 um 11:39  

Es gehört wohl dazu, daß ein Mensch sich gegen eine Lebensweise und gegen Ideen, die seinen konträr sind, eben sich negativ bewertend und verurteilend äußert.

Das ist einfach das Resultat von Überzeugungen. Genau das ist es ja nicht was das Problem ausmacht. Es geht trotz unterschiedlicher Meinung eben nebeneinander her ganz gut, wenn eben alle diese Bereitschaft sich erarbeiten und tiefen Respekt beibehalten vor dem Anderen. Nicht weil die Lebensanschauung des anderen unbedingt als gleichwertig gesehen wird, sondern weil der Nächste eben genauso Mensch ist und die Grenze für eigene Handlungen eben die Menschlichkeit sind.

So könnte sich ein Mensch gegen die homosexuelle Lebensweise als lästerlich aussprechen, aber wenn es darauf ankommt gilt dem Menschen Respekt, Hilfe und Menschlichkeit zu zollen.

Oder würden Sie einen kapitalisten vor ihrer Türe verhungern lassen, weil sie seine politische Einstellung widerlich finden? Das ist doch der entscheidende Punkt! Nicht Religion, sondern unterschiedliche Anschauung entzweit.

flavo 3. Dezember 2009 um 16:02  

Die Geschwindigkeit des Rückschrittes zeigt nur die Größe der Illusionen des Fortschrittes.
Die Nutznießer der Fortschritte, jener mit emanzipativem Charakter, auf freie Lebensplanung abzielende, menschliches Scheitern anerkennende und mildernde Fortschritte, gehen heute gedaucht durch die Gassen, weil sie zu forsch angeschrieen werden von den Emanziaptionsinhibierern. Du bist bis zum Gegenbeweis eine faule Sau, deren Wert unter Menschen gegen Null geht. Den Beweis deiner Legitimität bist du schuldig. Bis du stirbst. Wie im Sozialen hat sich auch im Religiösen das abstrakte Denken in ein Ungetüm aufgestaut, das sinnlos kreiselnd durch die Geschichte trabt, den Schnellschuß zur Methode erhoben hat, die Oberfläche zur Arbeitsfläche gemacht hat und die Uneinsichtigkeit, die Borniertheit und das Ressentiment zur Tugend. Und da die Halbbildung der Modernisierung wenig Tiefe erreichte, entzieht die Angst und die Missgunst der freien Gedankenschwärmerei mit Leichtigkeit den Boden.
Die Subjekte irren inmitten von Gefahren umher: der Fremde, der Konkurrenzstaat im Ausland, das Konkurrenzunternehmen im Nebendorf, der Religionsfanat, die Schwärme von Faulen und Besoffenen, der unhygienische Schmutz, der Bazillen im fernen Osten, das giftige Essen, die hässliche Kunst. Die Neugier und Interesse am anderen, die Fähigkeit zum Wohlwollen und zum Verständnis ist in manchen Subjekten noch in ungeahnter Ferne, ihre Frustrationstoleranz erpicht sich schon den Kurswechsel, wenn das Auge von unerhörten Umrissen betroffen wird. Angstfarbe übertüncht die gewohnte Behäbigkeit. Die Geliebten Kapitalisten kann man nicht hassen, hat man ihnen doch das ganze Leben untergeordnet, in der Hoffnung einen Platz im freigeschalteten Aufzug nach oben zugeteilt zu bekommen. Der ist nunmehr außer Dienst. Die Tür öffnet sich nicht mehr, vielmehr fühlt man sich in neuer Tiefe, weil oben unzählige Stockwerke dazu gekommen sind.
Im Unten gesellt sich allerlei und die letzten Bande der Nation laufen Gefahr zu reißen, der Sinn kommt abhanden, zum unbefriedigten Leben kommt nun noch die Toleranzforderung dazu, das Geben bei Knappheit an Material und Sinn. Das wird schwierig. Die Religionsfanat glücklich zu sehen im Glauben und und selbst zermürbt im Unsinn. Gleichsam der Seitenhieb, nachdem von oben ein Schlag herabkam. Gleich arm, noch ärmer und glücklich. Und wollen auch noch was. Geld und Symbole. Das Minarett im Dorf, die Ungewissheit der Zugehörigkeit, die Gefahr der Spaltung, heiratet ein Moslem des Nachbarns Tochter, die Angst sich kulturell erklären zu müssen, im Naheverhältnis zu fernen Sinnspuren brutaler Talibaneros. Da regt sich der Kampfesgeist: auf in den Kampf unten gegen unten. Da sind wir noch stolz auf den Kampf von oben.

Anonym 3. Dezember 2009 um 17:17  

Thomas Trueten hat gesagt...

Schon interessant, wie manche Menschen versuchen, das Gesagte im Mund umzudrehen.

Da bin ich ja froh, daß ich hier keinen religiösen Atheismus sondern einen materialistischen Propagiert habe...


Ist es nicht immer so, das das Gemeinte wenn das Gesagte widerlegt ist, etwas gänzlich anderes war? :-)

In jedem Falle wüßte ich nicht, welche Worte ich verdreht habe. Evtl. haben Sie auch schwer verständlich formuliert, oder ich habe es schlecht verstanden. Gehen Sie doch nicht vom schlechtesten aus, daß ich nämlich bewußt eine Aussage verdreht hätte.
Auch solche kleinen Dinge zeigen deutlich auf des Menschen Herz. Wenn denn ein Mensch mit solch einer Einstellung dem Religiösen Tamtam aus seiner Sicht folgt, unterstellt er bevorzugt dem Führungspersonal die böseste Absicht. Aber eben dies muss nicht immer die Erklärung aller Mißstände sein, sie kann es im Einzelfall unwarscheinlich aber in der Mehrheit der Fälle? Eher nicht, oder was sagt Ihnen Ihr menschenempfinden?

Die meisten Menschen sind von sich aus gutmütig und herzlich geblieben. Meistens bleibt es so, solange sie ohne Angst leben können. Erst die Angst ist das was eine Schlinge um den Hals der Menschen legt und sie lähmt.
Wer aus Angst nun nicht mehr tätig wird, nicht aufbegehrt, aus der Angst zerstört zu werden, ist der also schuldiger Täter oder Opfer der Umstände?

In meinem Glauben sind wir Menschen alle Täter und alle Opfer. Das ist die Sicht, die sich aufdrängt. Der ehrbare katholische Priester, der in festem Glauben an sein Tun für seine Gemeinde arbeitet, der aufrechte Rabbi oder Immam, denen die Menschen am Herzen liegen, sind die wirklich der Wurzel übel? Oder sind es die Institutionen, die an automation leidend in autarken Zellen unabhängig in entfremdeter Weise Entscheidungen treffen über Fälle, Zahlen, Daten und Themen, die vom Wesen her dem Menschsein alleine aus diesem Grunde entfremdet sind, weil es eben institutionelle Entscheidungen sind?
Wo ist die Schuld einer Religion, wenn sie sich eben nicht von den Herrschenden unterschied, sondern den Herrschenden das Herrschen und sich selbst das Teilhaben ermöglichte?

Wer genau hinschaut erkennt in der Religion die Schuldsysteme, die heute aber auch in Medizin (du bist, krank also dann selbst Schuld, mit besserem Lebenswandel wäre das nicht passiert!) oder in der Wirtschaft (Hättest du dein Unternehmen besser geführt, hättest du bessere Zahlen gehabt, hätte die Bank dir den Kredit gewährt!) oder auch im Arbeitsleben (Wenn du dich richtig angestrengt hättest, hätte man jemand anderen und nicht dich gefeuert!) oder in der Werbung/Konsum (du bist Niemand, wenn du nicht Besitz hast!) vertreten sind.

So ist es doch allernorts. Schuld und Angst sind die Mittel der Macht. Wer ist Schuld wenn sich alle Macht dieser Mittel bedient?
Sind wirklich die Institutionen der Religionen Zentren alleinigen Machtmißbrauchs?
Auch ich erkenne die Schuldhaftigkeit einer Person, die sich auf die Göttlichkeit seiner Inspiration beruft und dann Tod und Verwüstung produziert.
Aber was ist daran nun anders, als sich heute auf die Menschenrechte, die Demokratie oder den Markt berufend massenhaften Tod und Verwüstung zu bringen?

Anonym 4. Dezember 2009 um 14:09  

Schade, dass die meisten mittlerweile gar nicht mehr merken, daß die Ökonomisierung von ALLEM auch eine Religion ist. Und das die Wertelosigkeit die Ursache vieler unserer gesellschaftlichen Übel von Heute sind: Bildungsnotstand, Unbezahlbare Krankenkassenbeiträge kontra gesponserte Impfung für alle; Banken retten und Kleinbetriebe pleitegehen lassen; Löhne die zum Leben nicht reichen; manche arbeiten bis zum Umfallen - andere sind "aussortiert"...

Ich selbst glaube an Jesus, und mein bester Kollege an Allah. Er bekommt jeden seiner religiösen Feiertage frei, und ich meine. Und natürlich geht er dazu in eine Moschee. Es geht also, und das ist gut so. Es geht, weil wir unseren Gott mit dem Herzen sehen :-)

Aber muß seine Moschee hier Türme haben? Solange Leute in der Türkei aus dem Fenster geworfen werden, weil sie christl. Bücher drucken, solange man im Iran hingerichtet wird, solange man man nicht mal ein Kreuzanhänger tragen darf, wenn man nach Saudi-Arabien einreist....nein, das ist nicht "Auge um Auge". Es ist: bis hierher und nicht weiter. Grenzen setzen ist doch erlaubt, oder?

Wertelosigkeit endet in Wertlosigkeit - darüber kann man in der Halbzeitpause mal 15 min drüber nachdenken - schafft Ihr schon.

a.m.g. 4. Dezember 2009 um 17:53  

wenn man immer vom islam spricht, könnt ich kotzen. was ist der islam? frauen werden im islam unterdrückt sagt man. aber in afrika gibt es matriachale gesellschaften, in denen die frau dominiert. diese gesellschaften sind muslimisch. in afrika gibt es auch christen, die mit drei frauen in ehe leben. der islam und das christentum gibt es nicht. die zeigen uns nur die autoritären formen des islam. die anderen nicht. kein sufismus und so.

Anonym 4. Dezember 2009 um 21:43  

"Wertelosigkeit endet in Wertlosigkeit - darüber kann man in der Halbzeitpause mal 15 min drüber nachdenken - schafft Ihr schon."

Aha.
Weils irgendwo die Todesstrafe gibt, werden demnächst bei uns die Insassen hingerichtet

Weil irgendwo das Militär auf Zivilbevölkerung ballert, darf die Bundeswehr das auch.

Weil irgendwo die Polizei jeden verprügeln und verhaften darf, foltern bis er IRGENDWAS gesteht, darum macht das die deutsche Polizei demnächst auch.

Wie blöde kann man eigentlich sein? Erst darauf berufen, das hier angebliche Werte des WESTENS das Sagen hätten, dann darauf berufen, das "Die da" andere Gesetzte haben und deren solche kopieren für die Anwendung in eigenem Lande.

Gehts noch?

Ich bin selbst Christ, aber bei so etwas muss ich einfach auch mal sagen: Weniger beten, mehr denken!

Minarette sind ein Bauvorhaben, müssen ganz klar den Vorschriften fürs Bauen in unserem Lande entsprechen, ins Stadtbild passen und sollten dort hingestellt werden, wo es im Einvernehmen mit den Bürgern passiert. Ansonsten hat hierzulande jede Religion das Recht auf ihre Wahrzeichen. Das ist ein Menschenrecht und somit unveräußerlich.

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