Im Dreck

Sonntag, 13. Dezember 2009

In der Unterschicht, dort wo das karge Leben in fleckiger und dreckiger Blüte steht, wird das Dasein nicht zu knapp zur Kette. Eine Kette, die an der Existenz hält, die das Enteilen aus misslichen und betrüblichen Zuständen vorenthält. Das Leben wird zum bedrückenden Angekettetsein, zum Unverlassbaren - beharrlich liegt zuviel Dasein in der Luft, erschlägt einen die wuchtige Unabänderbarkeit der notdürftigen Existenz. Existieren als Bürde, nicht als Gnade. In der Unterschicht, wo das Leben brummt, brummt vor Sorge und Not, sich grämt vor Zukunftsangst und Unsicherheit, sich übergibt vor Druck und Ausgrenzung, dort ist Leben eine Serie ineinandergefügter Glieder, schier undurchtrennbar, stählern im Widerstand.

Ganz unten, in der Gosse, wo in maroden Wohnungen und engen Gemächern gehaust wird, wo selbst unbefristete Arbeitsverträge nicht länger als sechs Monate Geltung haben, wo Arbeitsvermittler zu alten Bekannten emporsteigen, entkommt man der Bürde des Atmens nicht. Die Gosse, heute mehr als Kloake, viel mehr als Mulde und Rinne. Sie zeigt sich in ruinierten Haushalten, in Wohnverhältnissen der untersten Sorte, in Lebensentwürfen, die niemand freiwillig für sich entworfen hat, die ihm jedoch entworfen wurden. In der Gosse, dort wo das Leben nach Angst stinkt, nach Hetze von denen, die Hochdruckreiniger als probates Mittel der Gossenspülung einzusetzen gedenken, wo Scheiße und Kotze gleich neben Erwerbslosen und Ausländern was gelten, in dieser Gosse wird zwar emsig gelebt aber sich simultan gegen die Fessel dieses Daseins kaum mehr aufgelehnt.

Im Abgrund, aus dem die Kacke nach oben dampft, in dem die Scheiße immer dann am Brodeln ist, wenn dem Untermenschen, dem Gammler, neue Widrigkeiten begegnen, läßt es sich effizienter sterben denn leben. Hält eine kostenintensive und zermürbende Krankheit Einzug, stehen überraschende Unkosten ins Haus, neigt sich zwei Wochen vor Monatsende das Lebensmittelgeld dem Tode zu, so wird das Leben zum Krebs. Im Schlund der Unterschicht atmet es sich streng. Hier hechelt man, japst man, röchelt man. Immer in Bedrückung, anhaltend in Verfolgung, sich unaufhörlich über die Schultern spionierend. Wer jagt mich heute? Wer scheucht die Trampel und Blödiane gegen mich, meine Nichtigkeit, meine Lethargie, meine Besitzlosigkeit, meinen ausländischen Akzent? Wer heftet mir augenblicklich einen sechseckigen Stern an die Brust und sei es nur mit geringschätzigen Blicken oder abfälligen Worten?

Ins Bodenlose fallend, wo Furcht und Knappheit wie Reichtümer sich stapeln, wo der Boden kein fester Grund, sondern eine stets enteilende Ebene ist, sind Beschaulichkeit und Erholung exotische und rare Tierarten. Das Herz pumpt quälend, der Kopf spult mühselig. Man ist seiner Tage leid, gäbe sie liebend gerne wie einen verbrauchten und verschlissenen Mantel ab, würfe sie mit Freuden davon, wie ein Kondom mit abgefülltem Reservoir. Die Existenz bleibt jene Last, jene Bürde, jenes Unternehmen, jener Mantel, jenes Reservoir, das man nie und nimmer verlassen kann. Ganz unten, in den Schluchten der Gesellschaft, in den Straßenschluchten sozialer Brennpunkte, gestaltet sich die Neuanschaffung eines Mantels zum persönlichen Katastrophenfall, zum Weltuntergang, zum unüberwindbaren Hindernis. Ohne Mantel, doch die löchrigen Taschen voller Spott von denen, die Mäntel für ihre Mäntel kaufen, kündigt sich die Apathie an. Die Welt wird einem zu einer beschissenen Zirkusnummer, zum höllischen Ort voll Beschissenheit, gefüllt mit beschissenen Wesen oberhalb des Untens. Beschissene Wesen, die einem deuten, dass nicht die gesellschaftliche Kluft an der Lebensfreude hindert, sondern die Schlaffheit, die Leistungsverweigerung, der Suff, das Sprachdefizit. Man nistet sich ins ungemachte Bett, tagein tagaus ungemacht und unausgeschüttelt, tagein tagaus mit derselben Bettwäsche behaftet, entflieht im Dunst aus Schweiß und Schlummer in Traumwelten. Traumwelten, die nur ein ödes Abbild der beschissenen Welt abgeben, billige Kopie vor geschlossenen Augenlidern sind. Traumwelten in vertrauter Beschissenheit, nur zwergenhafter als das Original, harmloser weil verschwommen und schemenhaft, doch ebenso nach Pest und Geschwür stinkend.

Erst als Bodensatz des Übermenschentums vermag man es, die menschliche Existenz in ihrer Einzigartigkeit zu erfassen. Einzigartig als Kette, als Bürde, als langsam versprühtes Gift. Unter der Oberfläche der ästhetischen Gesellschaft rumort das wahre, das hässliche, das scheußliche Leben. Das Leben als Notbringer und Leidensschenker, Leben als Quälgeist und Dämon, Leben als Pott voller Scheiße und Eiter. Wem derart Leben widerfährt, berichtet später vom wirklichen, vom schäbigen Leben. Ein Leben fern des Urlaubs und des Sonnenscheins, fern von Gejammere über gekappte Bonusgratifikationen und einbehaltenes vierzehntes Jahresgehalt, fern von Konsumplausch und Preisgeschachere. Im Matsch der feinen Leute, im bürgerlichen Dünnschiss, unter den Ärschen jener Gestalten, in der Unterschicht also, vollzieht sich Leben als Elend, als Schmerz. Des einen Würde setzt des anderen Bürde voraus. Der Dreck ist die Grundlage der Sauberen...

30 Kommentare:

Ralf-zwei.null 13. Dezember 2009 um 06:30  

Letztens las oder hörte ich irgendwo, dass es *gottseidank* keine sechseckigen gelben Sterne geben soll, sondern nur kleine gelbe Bierflaschen...

Dieses "Leben", welches Du hier so drastisch schilderst, ist doch grundgesetzwidrig, nicht?
Und die von den Gesetzgebern für die Mittelschicht geschaffene Rutschbahn in dieses "Leben" sorgt dafür, dass keiner mehr aufmuckt. Manchmal möchte ich schreien vor Wut, aber dann denke ich, was sollen denn die Nachbarn dazu sagen, die lassen mich vielleicht in die Klappse einliefern.

Wobei, die schlechteste Lösung wäre das wohl auch nicht...

Drastische, aber klare Beschreibung, die ich vollstens teile.
Danke, lieber Roberto J. De Lapuente! Dir und allen Lesern einen schönen dritten Advent!

Vogel 13. Dezember 2009 um 07:30  

Grüß Gott, Roberto,
hab´ beim AA schon kommentiert. Chapeau!
Vorschlag: Mit dem in eine Rundmehl kopierten Text (und dem Link) alles anmehlen, was nich schnell genug auf die Bäume kommt.
An alle: Ran an Eure Mehlaktionen!!

Allerbeste Grüße

PS.: Über einen Output aus meiner eigenen Aktion mit dem Text informiere ich gern.

Bernd Kudanek 13. Dezember 2009 um 08:29  

"Des einen Würde setzt des anderen Bürde voraus. Der Dreck ist die Grundlage der Sauberen..."

"in dieser Gosse wird zwar emsig gelebt aber sich simultan gegen die Fessel dieses Daseins kaum mehr aufgelehnt."

... und wer sich gegen diese Gewalt der falschen Freiheit auflehnt und gar noch Guerilla-Widerstand leistet, die Kreise der Sauberen stört, sie an der empfindlichsten Stelle, nämlich am zusammengeraubten Geldbeutel, wird als extremer Linksradikaler, als krimineller Chaot, als tollwütiger Haßbrenner von den Schergen der Sauberen gnadenlos gejagt ... auch oder gerade, weil er/sie das unabdingbare Menschenrecht - anders als die Jäger - auf seine/r Seite hat.

Anonym 13. Dezember 2009 um 09:00  

Als mir ab 2002 klar wurde, was Schröder et al vorhatten, weil der Sozialstaat angeblich zu üppig sei, wandte ich mich an die FAZ mit dem Hinweis, das der Langzeiterwerbslose in meinen Augen nicht vegetiere, sondern vor sich hinkrepiere.

Aber die (gruppendynamisch) gleichgeschalteten, aufrechten Demokraten und

nächstenliebenden Christen

- die sich zwar auf höchsten Niveau für das Ungeborene, aber wenig für das Geborene Leben einsetzen, außer vielleicht gegen Hunger der möglichst weit weg ist) -

hatten nie etwas Besseres zu tun als die Sülze von Eigenverantwortung und dem ausgeuferten Sozialstaat nachzubeten.

maguscarolus 13. Dezember 2009 um 10:15  

Jetzt frage ich, ob irgend jemand von denjenigen, die sich hier zu Wort melden, eine solche spätviktorianische Slum-Existenz selber kennt oder in Deutschland schon gesehen hat, oder ob nicht zwischen dieser Höllenvision und dem mit Hartz IV möglichen(!) Leben doch noch ein deutlicher, ein qualitativer Unterschied besteht.

Wie gesagt, ich frage, denn mir fehlt die eigene Anschauung solcher Lebenswirklichkeit

Potemkin 13. Dezember 2009 um 10:23  

Es ist historisch erwiesen: Wer ganz unten ist, der wehrt sich nicht mehr, schlägt im 'Ernstfall' Frau und Kinder, ist der klassische Nichtwähler. Und wer Obdachlose anzündet, verdrängt damit die panische Angst vor zukünftiger Nichtsesshaftigkeit. Wehren tut sich allenfalls die abgleitende Mittelklasse, meist allerdings mit kruden Ideologien und sektiererischem Gedankengut, das auf Besitzstandswahrung ziehlt. All dies ist unseren Machthabern durchaus bekannt, ist in den Gesetzesvorhaben 'eingepreist'. Deshalb wird auch unser Schulsystem so reformiert, dass die Unterschicht nur noch das lernen soll, was für das Funktionieren der latenten Klassengesellschaft unabdingbar ist. Irdendwie erinnert das fast an die Richtlinien für die slawischen Untermenschen: Das kleine Einmaleins, Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben, Erfurcht vor dem deutschen Herrenmenschen (Leistungsträger). Und dann noch die preiswerten Beruhigungspillen: Alkohol und TV.

Anonym 13. Dezember 2009 um 13:16  

Ein Problem bleibt aber schon übrig. Das ist die gern hingerotzte Aussage der international weniger gut betuchten. Natürlich ist mir bewußt, daß die Reise dahin geht, die Anpassung global weiter nach unten zu drücken.

Dennoch bleibt auf die Aussage anderen Ländern gehts schlechter nur die Aussage, das ist das Problem anderer Länder und deren Konzepten geschuldet. ABER:

Selbst der Arme in D lebt auf Kosten der Armut anderer Nationen.

Wenn ich mit so manchem am unteren Ende der Einkommensskala rede, dann sehe ich das diese ebenso wie die Drahtzieher die gleiche Mentalität an den Tag legen und der Meinung sind, erst mal ICH, dann die Anderen.

Genau an dieser Stelle wird es schwer mit Armen oder Benachteiligten noch zu kommunizieren oder ihnen gar zu helfen. Hat man erstmal erkannt das sie nichts als Dienstboten des Systems sind, wird das eigene Mitleidsgefüge arg ins Wanken gebracht.

fletcher2 13. Dezember 2009 um 13:51  

Dieses "Leben" ganz unten läßt uns auf den Tod warten, wie auf einen guten Freund. Viele Pläne, Wünsche und Hoffnungen des Lebens zerflossen wie Schnee auf warmem Boden. Was einem bleibt und gleichzeitig zermartert, ist die Angst und die Sorge um die Zukunft der Nachkommen. Das ist das Schlimmste - mehr als die Angst um die eigene Person.

Das "christliche" auf dieser Welt ist im Jahr 33 gestorben. Hier und da taucht mal eine mehr oder minder schlechte Kopie des "christlichen" auf. Das war es dann auch. Verändert, hin zum Besseren, hat sich nie wirklich etwas.

Christliches Denken findet man nur noch in den Herzen einiger Weniger, deren Hände und Füße gebunden und deren Mund verklebt wurde. Christliches Handeln gilt fast schon als Verbrechen - zumindest aber als das Werk von armen Irren.

Ein kleiner Trost: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Bernd Kudanek 13. Dezember 2009 um 15:05  

@maguscarolus

Ja, z. B. ich Schlimmling war solch ein "sozialschmarotzender" Hartz4-Unterschichtler vom 1. Januar 2005 bis 30.Juni 2008 und seit Juli 2008 nunmehr in Saus und Braus lebender (Klein-)Renten-Abzocker, der die junge Generation ausplündert.

Ach ja, gearbeitet bzw. meinen Chefs lieb und vor allem (zu) teuer auf der Tasche gelegen hab ich auch so an die 40 Jahre. Bis die letzte Firma 1996 großzügigerweise meinte, ich könne den gleichen Job doch (schein-)selbstständig und für sehr viel weniger Geld (vor allem ohne soziale Absicherung) erledigen. Und damit begann ein Abschnitt völlig neuen Lebensgefühls mit extremen Erfahrungen, die ich bei "gesicherter" Lebensplanung so nie erlangt hätte ... eine dieser erkenntnisreichen "Erfahrungen" ist das Verständnis für den nachfolgenden Demo-Slogan: "KRIMINELL IST DAS SYSTEM, NICHT DER WIDERSTAND".

Ich weiß also nur zu gut, wovon Roberto geschrieben hat.

Ralf-zwei.null 13. Dezember 2009 um 15:06  

@maguscarolus,

jetzt brauche ich nur noch den Satz, wonach in Bangladsh die Armut ja viel ärmer ist und dort tatsächlich Menschen verhungern, dann weiß ich alles.

You made my day... ;-)

Anonym 13. Dezember 2009 um 15:23  

Gewaltig stinkend ist es auch, wenn man mal aus seinem intellektuellen Kämmerlein auf die Straße tritt und dann mit den Schichten zusammengerät. Die Schicht, die arm und bedauernswert ist, hat auch Teilnehmer, die ihr bedauerliches Dasein mit schlagkräftigen Argumenten unterstreicht. Wenn Du am Boden liegst und Fäuste auf dich einprasseln, dann weißt Du was die sogenannte Unterschicht auch sein kann. Die anderen Schichten gucken übrigens unschuldig weg. Bedauerlicher Zwischenfall aber Spektakel genug, da ist das Leben versüßt an einem Nachmittag, wenn Unterschichtenfernsehen life miterlebt wird. Die Rutschbahn von der Mitte nach Unten wird nur in Gewalt enden. Das ist sicher. Und die satte Mitte ist sich dessen nicht bewusst, erst wenn das Blut auch aus ihnen heraustropft, aber wie konstatiert der gemeine Deutsche: Davon habe ich nichts gewusst.

Anonym 13. Dezember 2009 um 16:34  

"Im Dreck" - eine wirkliche eindringliche Beschreibung über die sozialen Tiefen dieser sogenannten Berliner Republik.
Dem ist kaum nocht etwas hinzuzufügen.
Nur, wo zum Teufel, ist hier der Notausgang?
Welcher Widerstand gegen diese Zustände könnte erfolgversprechend sein?
Wer, welche Gruppen, Schichten oder Klassen könnten Widerstand leisten, für Abhilfe sorgen?
Reichen noch so eindringliche Beschreibungen, Bestandsaufnahmen auf Dauer wirklich aus?

Bakunin

maguscarolus 13. Dezember 2009 um 19:05  

@Ralf-zwei.null

jetzt brauche ich nur noch den Satz, wonach in Bangladsh die Armut ja viel ärmer ist und dort tatsächlich Menschen verhungern, dann weiß ich alles.

You made my day... ;-)


den Satz kriegst du von mir aber nicht. Im übrigen würde auch der Blick auf die Zustände im "vielgelobten Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten" ausreichen, um deutsche Unterschichtprobleme zu relativieren, wenn man das will.

Ich verüble den Eliten in diesem Land ihre Unfähigkeit zu einer Wirtschaftspolitik für die Menschen. Staatliche Fürsorge via. Sozialsysteme kann unmöglich auch nur ansatzweise und vor allem nicht auf Dauer die Lebenssituation der "Unterschicht" so weit anheben, dass dadurch "Mittelschichtniveau" erreicht wird.
Der Staat ist aber nach meiner Vorstellung verpflichtet, die Wirtschaft so zu steuern, dass sie wieder den Menschen dient und dass nicht die Menschen durch Profitstreben der Wirtschaftsbosse entrechtet und prekarisiert werden.

Anonym 13. Dezember 2009 um 19:54  

@Anonym: die Frage nach dem Widerstand ist berechtigt. Ich glaube, die Zeit der großen Demos ist mehr oder weniger vorbei. Was kaum bedauerlich ist, denn das Plakate in die Luft halten und in Trillerpfeifen blasen ist doch ohnehin nur Folklore. Der Widerstand wird auf diese Weise nur in eine gesetzeskonforme und damit letztlich wirkungslose Bahn gelenkt. Er verpufft einfach. Der Demonstrant kommt nach 5 km Fußmarsch erschöpft nach Hause und meint, etwas getan zu haben.

Wenn das so weiter geht, dann sollte man sich ernsthaft Gedanken machen über andere, wirkungsvollere Formen des Protestes. Aber das Mobilisierungspotential unter Hartz4-Empfängern ist nahezu Null. Dafür sorgt der tägliche Kampf üms Überleben, die Schikane der Behörden und letztlich die absolute Resignation vieler Betroffener. Ein großer Teil der ALG2-Empfänger kommt sicher auch - noch - aus Schichten, die nicht gelernt haben, sich zu artikulieren und sich zu solidarisieren.

Es bleibt abzuwarten, was nun kommt. Die Regierung tut derzeit alles, um die vielen potentiell Erwerbslosen, also die Kurzarbeiter, in Lohn und Brot zu halten. Denn unter denen wären verdammt viele, die durchaus in der Lage sind, ihrem Protest Nachdruck zu verleihen. Und die Wut darauf, dass die Banker mit Mrd. gerettet wurden und weiter machen, wie bisher, während der Facharbeiter und Angestellte seinen Job und schliesslich seine Hoffnung verliert, die Wut auf diese Ungerechtigkeit wäre groß. Daraus könnte schnell eine gefährliche Situation entstehen.

Das Dumme ist, sobald der Wille zum Widerstand abkippt in die Resignation, ist die Sache gelaufen. Und das geht schnell.

Es stellt sich also in der Tat die Frage, wie man die Betroffenen mobilisiert und welche Form des Protestes man wählt, um den Druck erhöhen zu können, ohne gleich mit beiden Beinen im Knast zu stehen. Mit einem ginge ja noch. ;)

Robert Reich 13. Dezember 2009 um 20:01  

In einem der reichsten Länder der Welt von Armut sprechen zu müssen ist schon fast absurd. Aber die Verhältnisse hier mit jenen in den Slums von Indien oder Bangladesh oder sonstwo zu vergeichen, ist der bildliche Vergleich von "Äpfel mit Birnen". Wie lange wird es denn noch dauern, bis diese "Lebensverhältnisse" angeglichen sind? Die Auswüchse pre-faschistischer Verhaltensnormen zeigen sich doch schon sehr deutlich in der gequirlten Kacke, die täglich von Leistungsträgern in den privaten oder öffentlich-rechtlichen Bedürfnissanstalten abgesondert wird.Und alles klatscht Beifall, mit Hartz4 läßt sichs gut leben, blablabla. Es gibt schon Leute hier in diesem Land, die müssen überlegen: Kauf ich Medikamente oder was zu Essen.

Viele Grüße von Robert

Kai Ruhsert 14. Dezember 2009 um 09:08  

"Wer heftet mir augenblicklich einen sechseckigen Stern an die Brust ..."
Autsch - da ist er wieder, dieser unsägliche Vergleich. Gefolgt von dem Versuch, ihn rasch noch ein wenig zu entschärfen:
"... und sei es nur mit geringschätzigen Blicken oder abfälligen Worten?"
Die damals sechseckige Sterne an die Brust geheftet bekamen, hatten keine Freiheiten mehr; sie mussten täglich um Leib und Leben fürchten und waren wehrlos nackter Gewalt ausgesetzt; Gewalt, die übrigens meist von damaligen Unterschichtlern ausgeübt wurde.
Die Unterschicht von heute nutzt ihre Freiheiten nicht. Sie hat ihre Peiniger selbst ins Amt gewählt (oder ihnen durch Nichtwählen dazu verholfen) - und tut dies noch immer.

Roberto J. De Lapuente 14. Dezember 2009 um 10:06  

Ich glaube, lieber Kai, dass hier niemand einen Geschichtskurs benötigt. Wir wissen das, was Du da nochmals zu erklären versuchst hast, von ganz alleine. Jedoch ist der sechseckige Stern durchaus als Metapher zu gebrauchen, man darf sich keiner falschen Scham ausliefern und diese krude Form von political correctness aufrechterhalten. Sprechen wir nicht auch von Pyhrrussiegen und Waterloos? Der Gang nach Canossa und Cannae sind außerdem beliebt. Man muß sich in der Geschichte bedienen dürfen, das ist letztlich ein Kulturgut.

Sowieso, in einem solchen Text, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit hat, mehr Gossenlyrik sein soll als etwas anderes. Viele hier wissen ganz gut, wie es ganz unten aussieht. Schreibende, das nur nebenbei, sollten nicht beschreiben wollen, was sie selbst nie erlebt haben oder noch erleben. Daher ist der sechseckige Stern mehr als Metapher. Er wird manchmal faßbar, man spürt ihn, die Brandmarkung, das Stigma, die Bereitschaft vieler Menschen, einen am liebsten aus den Augen zu schaffen, in die Ferne zu schicken, in ein Auffanglager vielleicht.

Nein, Kai, das ist gefährliche Mahnung, weil sie diejenigen, die erleben müssen, in Schranken weisen will und literarische Freiheit zu unterbinden trachtet. Aber ich gebe Dir auch recht: Die Unterschicht ist mehr. Ich habe nur einen Teilaspekt thematisiert, die tiefe Depression, in der große Massen dieser Menschen stecken. Natürlich gibt es auch solche, die ihre "Freiheiten" nicht nutzen. Es fällt aber schwer, von Freiheiten zu reden. Man ist immer irgendwo angebunden, ganz unten noch mehr als oben. Ja, die Unterschicht ist mehr, sie ist ignorant, gefährlich, reaktionär und gewaltbereit. Jedenfalls breite Schichten. Von ungefähr kommt diese "Philosophie" aber auch nicht zustande.

Ich habe vor, mehrere solcher Texte zu eben jenem Thema zu schreiben. Die Gosse beschäftigt mich, sie ist ein ungeliebter Teil von mir, seit Beginn meines Lebens stand ich immer mit einem Bein im Dreck. Man muß es sagen dürfen, ohne die Keule der political correctness befürchten zu müssen.

Und noch was, Kai: Ja, die Unterschicht hat jene, die den Stern trugen, besondern gequält. Unterschicht ist mehr als erwerbslos zu sein, es bedeutet prekär zu leben, ob mit oder ohne Lohnarbeit. Zwischen diesen Polen, zwischen Arbeitenden und Nicht-Arbeitenden, vollzieht sich eine Kluft, die auch Qualen entstehen läßt. Der Hilfsarbeiter mit Stundenlohn von 5,50 Euro bezeichnet den Arbeitslosen als faules Schwein, würde ihn in ein Arbeitslager stecken. Auch das ist Unterschicht, ein Biotop zerrissener Wesen, die Feinde im eigenen Umfeld suchen, anstatt die wirklichen Menschenfeinde am Kragen zu packen.

Michel 14. Dezember 2009 um 13:30  

Unterschicht sind diejenigen, die nicht mal ansatzweise kapieren, welche Hebelchen sie drücken und ziehen müssen, um aufzusteigen, Karriere zu machen.... außen hui und innen pfui zu sein.

Auch wers System durchschaut, bleibt meist innerhalb der Möglichkeiten seiner Herkunft, wechselt vielleicht eine halbe oder eine Klasse höher oder eben auch tiefer.

Mal ganz klar, das System ist diskriminierend, auf Herkunft, Elternhaus, Geld und wirtschaftlich verwendbare (Un-)Bildung von Geist und Herz kommts an, flexible Moral und Abwesenheit von Moral sind hilfreich.


Klar macht die Unterschicht diejenigen zur Sau, die unter ihnen stehen, die sind halt so doof und brauchen einen Sündenbock.

Die Mittelschicht hingegen sucht die Ursachen des Scheiterns immer bei sich selber bzw. in der Person des Scheiternden selbst.

Die Oberschicht kennt kein Scheitern, sondern spielt Schach mit Mittel- und Unterschicht, aktuelle Strategie: divide et impera.


Apropos Armut:
Nur weil in Indien Bettler auf der Straße verhungern, müssen wir nicht die Hartzis hungern lassen.
Soziale Standards sind an den Möglichkeiten des jeweiligen Staates zu messen, nicht an den defizitären Möglichkeiten ANDERER Staaten.

Zu den Hartzis:
- Gesundheit
- Nahrung
- Wohnung
- Kulturbonus (2 Bücher / Tageszeitung pro Monat sollte schon drin sein)

Diese Grundrechte sind finanzierbar und sollten gefälligst auch finanziert werden.


Warum schreibt eigentlich keiner mal über die neue Asozialität gegenüber Durchschnittverdienern mit Kindern?
Demnächst: Kopfpauschale dank FDP-Gesundheitsminister Rössler: Es wird pro Kopf bezahlt, d.h. für eine 4-köpfige Familie verVIERfacht sich die Krankenversicherung.

Damit dürfte sich auch der Anteil von Unterschichtlern der unteren Abstufungen, von HartzIV-lern in regulären Beschäftigungsverhältnissen, deutlich erhöhen.

Wer möchte mal seinen Senf dazu abgeben?

Kai Ruhsert 14. Dezember 2009 um 14:43  

"Jedoch ist der sechseckige Stern durchaus als Metapher zu gebrauchen, man darf sich keiner falschen Scham ausliefern und diese krude Form von political correctness aufrechterhalten."
Der sechszackige Stern als Metapher für die Lage der heutigen Unterschicht? Ich mag mir nicht vorstellen, was in Überlebenden des Naziterrors vorgehen würde, wenn sie diese Zeilen lesen müssten.

Roberto J. De Lapuente 14. Dezember 2009 um 14:54  

Was mag wohl in Homosexuellen vorgegangen sein, die ein NS-Lager überlebt haben, als Mitte der Achtzigerjahre, damals als AIDS zur Schwulenseuche erklärt wurde, zeitgenössische Schwule mit dem rosa Winkel aufmarschiert sind? War das unstatthaft, Kai? Hätten Schwule der Achtzigerjahre sich zurückhalten sollen, obwohl man Zwangsquarantäne und Lagerhaltung aus konservativen Kreisen gefordert hatte, obwohl Volkes Meinung manipuliert wurde, die da lautete "Schwule sind Schweine"? Obwohl man Kennzeichungspflicht für Päderasten forderte?

Der sechseckige Stern steht als Metapher. Er steht für Brandmarkung, für Stigma, für ein Brandzeichen, das man Menschen unbemerkt einbrennt. Das mag gefallen oder nicht, aber der Ort politischer Korrektheit in diesem Sinne ist das nicht, zumal ich immer wieder klarmache: es geht um literarische Freiheit, denn der obige Text war auch literarisch inspiriert. Das mag gelungen sein oder nicht, aber das ist ein unantastbares Motiv.

Im übrigen mag ich mir auch nicht vorstellen, was in Leuten aus der Unterschicht vorgehen würden, wenn sie lesen müßten, dass es bestimmte Vorschriften gibt, wie über das eigene Leid zu klagen sei, dass es bestimmte Floskeln gibt, die Tabu sind, selbst wenn sie metaphorisch gemeint sind. Und am Ende landet derjenige, der der Metapher zustimmt oder der sie zuerst benutzt hat, auf dem Angeklagtenstuhl, Anklage: Antisemitismus. Als ob geleugnet und gutgeheißen worden wäre...

Kai Ruhsert 14. Dezember 2009 um 15:43  

"... es geht um literarische Freiheit, denn der obige Text war auch literarisch inspiriert. Das mag gelungen sein oder nicht, aber das ist ein unantastbares Motiv."

Solche Postulate machen eine Diskussion über den verantwortungsvollen Gebrauch künstlerischer Freiheit unmöglich.

Kai Ruhsert 14. Dezember 2009 um 16:15  

"Im übrigen mag ich mir auch nicht vorstellen, was in Leuten aus der Unterschicht vorgehen würden, wenn sie lesen müßten, dass es bestimmte Vorschriften gibt, wie über das eigene Leid zu klagen sei, dass es bestimmte Floskeln gibt, die Tabu sind, ..."

Ohne auf die Begriffswahl "Vorschrift" und "Tabu" einzugehen: Das wiederum ist mir ziemlich wurscht, denn diese Menschen führen immer noch ein komfortables Leben im Vergleich zu Opfern des Naziterrors. Schon wieder versuchst Du, Unvergleichbares nebeneinanderzustellen.

Roberto J. De Lapuente 14. Dezember 2009 um 16:24  

Verantwortung vor wem, Kai? Was ist verantwortungsvoller Gebrauch? Es ist also verantwortungslos soetwas als Metapher zu verwenden, auch dann, wenn der Autor in vielen, vielen seiner Texte immer wieder auf die Schweinereien von damals verweist, auf das Mitläufertum deutet, sich darüber sorgend, dass es immer wieder so oder anders und genauso menschenverachtend kommen kann. Nein, Kai, das ist zu einfach. Die Verantwortungs-Keule ist ein Totschlagargument. Es muß möglich sein, sich in der Geschichte zu bedienen, nicht nur um zu lernen, auch um sie zu verarbeiten. Terminologisch ebenso wie anders. Was hier betrieben wird ist die Einzigartigkeit der Unmenschlichkeit, so, als hätte es sich nur 1933 bis 1945 gegeben. Aber das daraus resultierende Leid ist mannigfaltig, das Repertoire an Unterdrückung, Ausbeutung, Mord, Totschlag etc. bietet mehr als 33 bis 45.

Kai Ruhsert 14. Dezember 2009 um 16:39  

Ich glaube, Du hast genug zum Thema gesagt, und danke Dir.

Lutz Hausstein 14. Dezember 2009 um 17:26  

Roberto, wie immer ein toller, sehr bildhafter Text! Vielleicht sollte es sich auch der eine oder andere Kommentator einmal vor Augen führen, der sich so stark an einzelnen Begrifflichkeiten entlanghangelt.

Ein Vergleich ist ein Vergleich. Es geht nicht darum, dass bestimmte Merkmale identisch sind, sondern dass strukturell ähnliche Denk- oder Handlungsmuster offenlegbar sind. Nicht mehr und nicht weniger.

Und genau das darf man bei diesem Text unterstellen. Ich könnte eine Vielzahl von Beispielen anbringen, welche jede einzelne Aussage Robertos bestätigen würden. Aus Kapazitätsgründen werde ich allerdings darauf verzichten.

Watawah 14. Dezember 2009 um 18:26  

@ Kai Ruhsert

Aber ich gestatte mir noch etwas dazu zu sagen.

"Die Verantwortungs-Keule ist ein Totschlagargument. Es muß möglich sein, sich in der Geschichte zu bedienen, nicht nur um zu lernen, auch um sie zu verarbeiten." Roberto

Sie, die Verantwortungs-Keule, ist ein Todschlagsargument vor allem dann, wenn wohl auf Vergleichsabhebungen oder Zitate so, sorry, überfallartig reagiert wird, aber eben nicht genau mit dieser Vehements, wenn es darum geht, die Ursachen für das damaligen Geschehen zu erkennen, zu sehen und zu bekämpfen.

Ja, zu bekämpfen.

Dazu müßte man aber wohl ersteinmal wissen, wo diese Ursachen liegen.
(Tip, es sind nicht die bösen Menschen allein, die sich da mal eben einen 'Sündenbock' gesucht haben).

Und die Zeichen stehen 'gut', daß es wieder genauso oder ähnlich wird, vielleicht oder sogar wahrscheinlich mit anderer Zielgruppe.

Macht es das besser? Darf man deshalb nicht warnen, wie soll man warnen, wenn man theoretisch ausschließt, daß das nie wieder geschehen wird, es aber praktisch nicht auszuschließen ist.

Wehret den Anfängen?
Änfängen?
Sie haben doch hier noch niemals aufgehört...

Wehret den Anfängen - ist das nicht das hinterlassene Vermächtnis, das was wirklich Vermächtnis ist!

Anonym 14. Dezember 2009 um 18:42  

@Roberto J. de Lapuente

Einen noch, ich las vor kurzem irgendwo folgenden bemerkenswerten Satz, den man sich ausdrucken, und an die Wand hängen sollte, damit man weiß wohin der neoliberale Hase in Deutschland läuft:

"Wir benötigen keine neuen KZs/Vernichtungslager in Deutschland, der soziale Tod reicht völlig, den wir durch Hartz IV & andere Reformen verursachen".

Ein Satz, der alles auf einen Punkt bringt, was ich schon lange über die unsozialen "Reformen" denke.

Man braucht heute keine pol. Gegner mehr wegzusperren, es reicht völlig die ins soziale Aus abzuschieben.

Wäre einmal interessant diesen Satz auf Sinnigkeit zu untersuchen. Es wäre wirklich bemerkenswert, wenn die CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNEN, und sonstigen "Eliten" aus Wirtschaft, Politik und Medien nicht von den "Reformen" betroffen wären, aber alle Gegner dieser "Reformen" aus dem linken Spektrum schon.

Wundern würde es micht nicht, und dies dürfte auch der Grund sein, warum es keine Proteste gibt, die Menschen, die protestieren könnten sind ins soziale Aus gedrängt worden - mit der Agenda2010, und zwar ganz ohne die, wie früher, wegzusperren.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Watawah 14. Dezember 2009 um 19:26  

@ Anonym 13. Dezember 2009 19:54

"Es stellt sich also in der Tat die Frage, wie man die Betroffenen mobilisiert...

Stellt sich nicht erst einmal die Frage Wogegen/Wofür?

Wogegen scheint recht schnell klar - gegen das, was jetzt ist, zu sein scheint.

Aber Wofür?

Für Arbeit für alle, für Vollbeschäftigung, für ausreichend Lohn aus Erwerbsbeschäftigung für das Leben?

Wofür?

Ist es nicht so, daß 15% - 20% (hochgerechnet) der (Welt-)bevölkerung ausreichen würden, alles zu produzieren, was die Menschen hier und heute brauchen?

Ist es nicht so, daß nur in der Produktion wirklich reale Werte geschaffen werden?

Ist es nicht so, daß alle anderen, egal ob Arzt, Rechtanwalt, Beamter, Dienstleister, Couponabschneider und Hartz4-Änfänger, ALLE nur von 'gesellschaftlichen Transfers' leben.

Es ist so, daß die Produktivität längst für alle reichen würde, weil es aber von uns immer noch zugelassen wird, die allermeisten es sogar für elemtar halten, daß einige wenige sich den 'Erfolg' der Leistungen anderer aneignen können, haben eben nur diese wenigen wirklich etwas davon.
Diese wenigen werden weniger, die aber immer mehr haben.
Diese werden nicht aufhören zu exisieren und uns ihre 'Gesetze' aufzuzwingen, wenn wir nicht endlich kapieren, was hier (schon lange und immer wieder) 'gespielt' wird.

Und das gehört mE erst einmal 'aufgeklärt' und in unsere (eigenen) Köpfe...

maguscarolus 15. Dezember 2009 um 09:10  

Heute in der ZEIT zum Thema "Im Dreck"!

Michel 16. Dezember 2009 um 23:22  

Glaube nicht, dass es übertrieben ist, von einem gelben Stern an der Brust der Unterschicht zu reden.

Stand mal in etwas älteren, schäbigen Klamotten an der langen Schlange der Aldi-Kasse an (als Student am Waschtag ;-) ), träumte so vor mich hin und hab nicht schnell genug Platz gemacht, als so ein Macho-Potenzpotz mit blitzblanken Schuhen und im Anzug durch die Schlange quer durchwollte.
Da hieß es dann plötzlich:
"Du Abschaum! Mach Platz!"


Manchmal reichen eben schon alte, ausgewaschene Klamotten, um als Unterschicht klassifiziert und herumkommandiert zu werden.

Übrigens ist es interessant, bei Aldi zu beobachten, wie sich Anzug-Typen (Manager, Bankster usw.) dort benehmen: mindestens im fetten BMW oder Mercedes vorfahren, vielleicht sogar etwas nobler: Alfa, Porsche oder Bugatti.
Dann hetzen sie - man ist ja wichtig und daher unter Zeitdruck - durch die Gänge, nehmen vier oder fünf Produkte aus den Regalen - für einen Einkaufswagen hat man keine Zeit. Zur Kasse kommt der Anzugträger am schnellsten mit einer Mischung aus Arroganz und Aggressivität, Befehlston: "Lassen Sie mich mal durch, ich hab nur 2 Teile!" - während er sich energisch unter Ellbogeneinsatz vorbei(ge)rangelt. Dann wird die Kassiererin in voller Lautstärke angeranzt: "Fräulein, ich habs eilig. Jetzt machen sie schon oder ich red' mal mit ihrem Chef. Dalli dalli."
Dann schon fast im Stechschritt aus dem Laden heraus und dabei noch eine Mutter mit Kinderwagen aus dem Weg schubsen, Kommentar: "Asozial!".

Kein Witz.
Sondern so erlebt.

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