Henkels Waschsalon

Sonntag, 22. November 2009

Eigentlich müßte sich Hans-Olaf Henkel in seine eigene Vision hineinstellen, müßte Bestandteil jener Hall of Shame werden, die er als Disziplinierungswerkzeug zu Markte trägt. Noch recht bei Sinnen, müßte er sich eigentlich dafür schämen, in der Berufung Schäubles zum Finanzminister "Merkels beste Entscheidung" zu wittern. Ebenso beschämend, dass der feine Herr vom Neosozialismus spricht, wobei er sicherlich weniger die Staatshilfen für Unternehmen und Banken meint, als das angestiegene Kindergeld. Gleichwohl begreift er seine Rolle als unabhängiger Denker zu unterstreichen, indem er erläutert, dass seine Verweildauer in einem Kabinett nur einige Wochen stattfände, immerhin könne ein Mann seines Formats keine faulen Kompromisse eingehen. Henkel, der Unbeugsame! Dass der Weg durch die Darmfloren dieser Republik aber sein tägliches Geschäft darstellt, so wie man sich in diesen Schichten generell ständig durch die Rosetten ins Miteinander schlüpft, muß ja nicht gesondert erwähnt werden.

Schon dafür prangerte Henkel in seiner umworbenen Schamhalle, in die alle hineingeworfen gehören, die sich bei Schweinereien erwischen ließen. Gauner, Steuerhinterzieher und Schmiergeldzahler sollten dort einen standesgemäßen Repräsentationsraum erhalten - ein Pranger für Seinesgleichen! Ein Kuriositätenkabinett zum Erhalt der weißen Weste, allerlei verschlagen dreinschauende Gestalten, mit lächelnder Fratze daherkommende Figuren, die einen ein Häuflein Kot als neueste technologische Entwicklung verkaufen wollen. Wenn Henkels Verweildauer im Kabinett auch kurz wäre, in diesem Kuriositätenkabinett wäre er heimisch genug, um auch guten Gewissens länger verweilen zu können. Und wenn dann Schulklassen durch die Niederungen der Verschlagenheit gelotst wurden, wenn ein Paar buckelige Staturen ihre Rolle als raffendes Kapital gemimt haben, um den Kinderchen weiszumachen, es gäbe da noch eine bessere Variante von Kapital, schaffendes Kapital, gutes Kapital mit integeren Damen und Herren an der Spitze, dann hat die Schameshalle ihren Dienst trefflich getan.

Im Sinne kapitalistischer Logik haben sich die verschlagenen Habgierigen aus den diesigen Räumlichkeiten der Hall of Shame nämlich nur folgender Sache schuldig gemacht: sie haben sich erwischen lassen. Und das ist es auch, was Leute wie Henkel ihren Mitkreaturen anlasten. Was sie getan haben ist bedenklich, aber nicht, weil es unmoralisch ist, sondern weil es unmoralisch wirkt, wenn es das Tageslicht erblickt. Solange diese Machenschaften Kinder der Nacht bleiben, existieren sie auch nicht, muß man sich keiner lästigen Fragen erwehren. Aber wenn der Morgen graut, während die Machenschaften noch auf den Tisch liegen, dann droht Ungemach. Ungemach sei die Sünde derer, die am Pranger gestellt sein sollen! Denn um wirklich krude Gestalten aus der Dunkelheit seiner Branche geht es Henkel sicher nicht. In der Hall of Shame ist kein Platz für Führungskräfte, die florierende Unternehmen führen, horrende Gewinne einfahren, aber gleichzeitig Personal abbauen und Löhne der verbliebenen Arbeitnehmer gleich mal präventiv senken. Das ist ja auch nicht beschämend. Wer so handelt, der zeigt lediglich Verantwortungsgefühl, für den ist die Hall of Fame zugedacht.

In Henkels Schameshalle sollen einige Geisterbahnfabrikate aufgestellt werden, die den Kapitalisten in feinen Zwirn unterstützen. Der gute Kapitalismus selektiert selbst, reiht die Schweine der Zunft selbst aus, damit die ehrenwerten Damen und Herren zurückbleiben. Ehrenwert ist aber nur, wer sich bei Schmiergeldzahlungen und Erpressungen, bei Gaunereien und Steuereinsparungen nicht erwischen läßt. Das alles liegt ja in der Wesensart des Menschen, hat Henkel kürzlich selbst noch erklärt - daher sollte man nicht zu schroff urteilen. Die Fingerfertigkeit liegt darin, sich bei der ungezügelten Wesensart nicht erwischen zu lassen. Denn in den Kreisen, in denen Henkel stolziert, gilt als eisernes Gesetz, dass der Widerstand gegen die Steuerzahlung ein Menschenrecht sei. Warum also Leute in die Schamhalle sperren, die Steuern hinterzogen haben? Ethisch betrachtet gibt es dafür doch gar keinen Grund, pragmatisch betrachtet jedoch schon - man rüffelt den Unhelden, stellt ihn als Kuriosität aus, und unterstreicht damit die Vorzüge anderer feiner Herren, die noch nicht erwischt wurden. Henkels Hall of Shame, ein moralindurchtränkter Waschsalon...

7 Kommentare:

Anonym 22. November 2009 um 13:17  

Der Faschist hat keine Glatze und grölt nicht!


Jedes Mal wenn ich Olaf Henkel bei einer Talk-Show sehe (ich gestehe diese morbide Gewohnheit), das höre, was er sagt, wie er es denn sagt und welchen Gesichtsausdruck und Körpersprache er dabei hat, geht mein inneres Kino los: vor meinem geistigen Auge sehe ich diesen Olaf Henkel eine schwarze Mütze mit Totenkopf tragend und an seinem Revers zwei ähnliche Runen.

Anhänger des 04.08.2009

Frank Benedikt 22. November 2009 um 13:46  

Mein wunderbarer Waschsalon ... ;-) "Hall of shame" finde ich wirklich 'tres amusant' mein Lieber.
Daß Du anscheinend aus der Rotzkotz-Phase wieder raus bist, finde ich gar noch besser :-)

Willkommen zurück auf dem Parcours, mon vieux!
Frank

Ralf-zwei.null 22. November 2009 um 14:02  

...Henkel, der Unbeugsame! Dass der Weg durch die Darmfloren dieser Republik aber sein tägliches Geschäft darstellt, so wie man sich in diesen Schichten generell ständig durch die Rosetten ins Miteinander schlüpft, muß ja nicht gesondert erwähnt werden...

Wow!
Mein lieber Scholli, das nenne ich mal trefflich aus meinem Herzen gesprochen. Nur, ich hätte das nicht so vornehm ausdrücken können, sicher aber das Gleiche gemeint...
Respekt, ehrlich!

maguscarolus 22. November 2009 um 14:56  

Diese ruhmstrotzende Altherrenriege, deren Vertreter (Henkel, Dohnany, Schmidt etc.) keine Gelegenheit auslassen, in Talkshows von der hohen Warte ihrer arroganten Lebenserfahrung herab das ganze Volk zu beschulmeistern, und dabei längst alles verloren haben, was im entferntesten die Bezeichnung "Realität" verdient, sollte endlich den Platz einnehmen, der ihr - allenfalls - zusteht: Ein Podest bei Madame Tussauds.

Anonym 22. November 2009 um 15:11  

Herr Henkel hat wieder mal abgesondert was er immer absondert, er bleibt sich und seinen neoliberalen Heilslehren einfach nur treu.
Jeder der sein diesbezügliches Wirken seit langem kennt kann doch darüber gar verwundert sein.
Henkel bleibt einfach Henkel!

klaus baum 22. November 2009 um 22:57  

Willkommen zurück auf dem Parcours

Calwer-Wildnis 23. November 2009 um 14:01  

Roberto - Du bist wieder unter den bloggern,und das ist wunderbar. Gratuliere zur überlebten Grippe.

Henkel ist einer der Widerlinge für mich, wegen denen ich glücklich darüber bin,kein Fernsehen mehr zu haben. Für den Übelkeitsbedarf eines Tages reicht es mir, von ihm in den schriftlichen Nachrichten zu lesen. Die allgemein übliche, menschliche Halsstarrigkeit wirkt sich bei ihm selbstverständlich auch aus, mit der Folge, dass er eben auf Dauer bei seinen widerlichen Aussagen bleibt.

Was mich immer wieder verwundert, ist jene Haltung derer, die eigentlich mehr als genug haben, gegenüber denen, die fast nichts besitzen. Offenbar machen Besitz und Geld keinen Menschen besser. Okay, Leiden und Elend machen das auch nicht unbedingt, aber es liegt immerhin eine Chance darin: Jene der Ungebundenheit.

Er muss sich an seine Vorurteile und vorgefassten Meinungen klammern, die im Neoliberalen wurzeln. Manche Menschen haben den Eindruck, dass sie ins Bodenlose stürzen, wenn sie den Stacheldrahtzaun um ihre Haltung ein wenig lockern. Solche wie Olaf Henkel gehören zu dieser Sorte wohl.

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