Eingebundene Opposition

Freitag, 11. September 2009

Die Todesstrafe ist sinnlos. Sie bewirkt nichts. Statistische Werte beweisen, dass auch die Todesstrafe Verbrechen nicht reduzieren kann, geschweige denn ganz vereiteln. Selbst wenn die Todesstrafe vollstreckt, rege genutzt wird: Mord und Totschlag bleiben in der Gesellschaft verankert. Daher ist sie nutzlos, sie erzielt keine Wirkung, belässt alles beim Alten. Was nutzlos ist, kann ebenso gut unterlassen werden, macht nur unnötige Diskussionen und Rechtfertigungen, vergeudet wertvolle Arbeitskraft, verschwendet gesellschaftliche Liebesmüh'. Verschwendung kann sich eine Gesellschaft nicht leisten - zu muntere, ausufernde Diskussionen ebensowenig. Aus diesem Grund: Die Todesstrafe muß weg!

So oder ähnlich rechtfertigen Gegner der Todesstrafe aus aller Welt ihre Aversion gegen das organisierte Meucheln. Sie greifen die Funktionalität auf, werfen die Funktionslosigkeit in den Disput, betreiben die Enthebelung der Strafe durch sogenannte sachliche Auseinandersetzung. Und deren Sache ist: die Todesstrafe bringt nichts, ist fruchtloses Mittel des Rechtsstaates und daher grober Unfug. Das wirft natürlich die Frage auf, wie sachliche Gegner der Todesstrafe denken und handeln würden, würde die Todesstrafe eben doch Wirkungen zeitigen. Wäre sie vertretbar, könnte man sie tolerieren, wenn Gewaltverbrechen dadurch beträchtlich reduziert würden? Würden Organisationen, die sich heute dem Kampf gegen die Todesstrafe verschrieben haben verschwinden, oder würden sie am Ende für eine humanere Form des staatlichen Tötens einstehen, um ihrem Anspruch auf Menschlichkeit genüge zu tun?

Was jene Gegner betreiben, ist das Spiel der herrschenden Positionen. Sie greifen nicht auf ethische Kategorien zurück, weil diejenigen, die das Primat der Todesstrafe in Händen halten und verteidigen, keinerlei ethische Bedenken haben. Es sind die Herren des Funktionalismus, Menschen, die Kosten und Nutzen abwägen, kaltes Kalkül anwenden, den Sinn einer Sache nicht an idealistischen Werten, sondern am materiellen Nutzen orientieren. Um in einer Diskussion auf Augenhöhe zu stehen, so nehmen die Gegner der Todesstrafe an, müssen sie deren Kategorien berühren. Sie dürfen nicht in ethischen Gewässern herumdümpeln, weil sie sonst nicht als gleichberechtigte Gesprächspartner akzeptiert würden, unverstanden blieben, womöglich sogar als religiöse Spinner abgestempelt wären. Einen Menschen deswegen nicht zu töten, weil er Mensch ist, weil die oberste Maxime des menschlichen Handelns sein muß, Leben nicht einzuschläfern, es leben zu lassen, auch wenn dieses wiederum selbst Leben beseitigt hat: dies kann den Kalkulatoren dieser Welt nicht einleuchten. Weil dem so ist, greifen die Gegner dieser Denkart zur Sprache jener Denkart. Sie bedienen sich der Sprache der herrschenden Gedanken und glauben damit eine Diskussion anstoßen und weitertreiben zu können.

Vielmehr machen sie sich damit aber angreifbar. Denn solche Diskussionen behandeln nicht mehr die ethische Zweifelhaftigkeit des organisierten Tötens, sondern vielmehr, wie funktionell die Vorgehensweise ist. Die Verteidiger der Giftspritze, des elektrischen Stuhles, des Nackenschusses oder der Schlinge können somit in ihren eigenen Gewässern fischen. Sie müssen sich nicht über ihre ethische Verkrüppelung Gedanken machen, sie dürfen sich diskutierend der Wirksamkeit zuwenden; sie müssen nicht zum Umdenken bewegt werden, sondern können darüber nachdenken, wie der Todesstrafe größerer gesellschaftlicher Nutzen abzuwürgen ist. Die Gegner, die als aktiver Part ins Gespräch einleiteten, erlauben den Befürwortern Passivität. Die Passiven indes lehnen sich zurück und drängen mit ihrer Besonnenheit die Gegner ins Abseits, zur passiven Zuschauerrolle, nötigen die Kritiker dazu, das Objekt ihrer Kritik rein kalkulierend zu betrachten. Die radikale, das heißt, an die Wurzel gehende Kritik, bleibt aus. Sie wird in den engen Maschen der Logik der herrschenden Zustände verheddert; Sachlichkeit bleibt ausgeklammert, weil die Sache nur aus Sicht der Befürworter, nicht aber aus Sicht der Gegner benannt wird. Was Sache ist, entscheiden jene, die den Diskurs mit ihrer verstümmelten Logik vorbestimmen.

Was anhand der Todesstrafe beispielgebend war, betrifft viele Bereiche unseres Lebens. Sachlichkeit spannt sich in Denkart, Jargon und Handlungen der Machthaber; Sachlichkeit bedeutet, sich herrschender Sachmittel zu bedienen, um direkt oder indirekt die Richtigkeit der herrschenden Gedanken zu untermauern. Sobald der Diskurs außerhalb des Rahmens stattfindet, wenn also zum Beispiel Gegner der Todesstrafe mit ethischen Bedenken oder radikaler noch, mit ethischer Rigorosität auftreten, dann unterstellt man Unsachlichkeit, dann sagt man den Gegnern nach, sie würden sich nicht sachdienlich mit der Sache auseinandersetzen. Was für die Todesstrafe galt, gilt dieser Tage für den Einsatz in Afghanistan. Man muß an den edlen Absichten vieler Menschen, die zwar gegen kriegerische Besatzung eingestellt sind, die sich aber gleichzeitig lediglich für ein gemäßigteres Auftreten der Bundeswehr aussprechen, gar nicht zweifeln. Natürlich sind es keine Freunde des Maschinengewehrs, aber indem sie die Sprache und die Denkweise der herrschenden Gedanken annehmen, werden sie angreifbar. Der Einsatz in Afghanistan wird legitim, weil sie die Möglichkeit attestieren, die Bundeswehr könne besonnener auftreten - die Kritik am Einsatz selbst ist perdu. Das Ob verschwunden, das Wie diktiert die öffentliche Diskussion.

Gegnerschaft an herrschenden Gedanken, Institutionen, Sprachstilen etc. hat immer radikal zu sein. Erst wenn man die Wurzeln abklopft, kann wirkliche Veränderung bewirkt werden. Sobald man den Duktus derer aufgreift, die das Meinungsdiktat absegnen, gibt man seine radikale Position auf und wird zum Rädchen des gut geölten Getriebes. Man wirkt dann oppositionell, ist aber Teil des Apparates. Wenn Todesstrafengegner über das Ob und nicht über das Wie zur Geltung kommen wollen, dann ist deren ethisches Motiv zur radikalen Grundlage ihres Protests zu erheben. Die Bewahrer des Todes mögen damit zunächst wenig anfangen können, aber sie können die Gegner zumindest nicht für deren Zwecke einspannen. Die Ethik zu verwerfen, weil die Diskussion nur zustandekommt, wenn man in herrschenden Kategorien sophistisch tätig wird, kann demnach als unethisches Handeln bewertet werden, weil man damit die radikale Kritik verlässt, um einer entgegenkommenden Kritik anheimzufallen. Aber Mißstände wie Todesstrafe oder Krieg dürfen nicht entgegenkommend kritisiert werden. Die Kritik hat fundamental zu sein, muß außerhalb des vorgesteckten Sprechrahmens verbleiben, darf sich mit den Werten der Besitzstandswahrer nicht vermengen. Geschieht dies doch, ist die Kritik erstickt - dererlei Beispiele gibt es zuhauf: man nehme als prominentestes Beispiel die Grünen, die ihren radikalen Ökologismus zugunsten des engen Rahmens, der Hausordnung des Bundestages, aufgaben.

Wenn Opposition Kosten-Nutzen-Analysen heranzieht, um die Todesstrafe der Todesstrafe zu überstellen, dann ist sie keine Opposition mehr - dann ist sie Teil des Regiments. Wenn Kriegsgegner auf Vernunft pochen und zur Besonnenheit ermahnen, dann mögen die Absichten edel sein, aber oppositionell ist es nicht mehr, dann ist es bestenfalls Ausdruck liberalen Herrschaftsdenkens. Solche Kritiker werden jedoch gelobt, weil sie in realpolitischen Bahnen dächten. Und genau hier zeigt sich die Arroganz der herrschenden Sprache. Realpolitik! Was reale Politik ist, was sie zu sein hat, entscheiden jene, die die Gesellschaft lenken. Radikale Gegnerschaft ist in dieser Logik niemals realpolitisch, selbst dann nicht, wenn sie durch ihr Handeln reale Wirkungen hervorbringen würde. Anarchistische Projekte, gerade auch solche des Horst Stowasser, die in radikaler Opposition zur hiesigen Gesellschaft stehen, bestätigen es nachdrücklich, dass auch jene, die angeblich nicht realpolitisch denken, ganz reale Politik für ihre jeweilige Polis betreiben können. Der Zweck darf nicht die Mittel heiligen, der Zweck muß mit zweckdienlichen Mitteln erkämpft werden. Frieden durch Krieg ist Hohn, so wie Freiheit durch Besatzung oder Abschaffung der Todesstrafe mittels Funktionsanalysen Witze irrgeleiteten Denkens und gezielter Manipulation sind.

Oppositionell zu denken - und damit ist nicht die Opposition des Bundestages gemeint, die ja im Rahmen feststeckt -, bedeutet sich einer Sprache zu bedienen, die die Wurzeln antastet, die nicht an Schwammigkeit und fehlender Aussage leidet. Versucht man Opposition in der herrschenden Ausdrucksweise zu verwirklichen, so verwirklicht man nur einen erweiterten Arm der Regierung. Wer, um Gehör zu finden, auf herrschende Kategorien zurückgreift, hat das kritische Denken verlassen.

13 Kommentare:

mo 11. September 2009 um 11:52  

hallo herr de lapuente,

der entscheidende punkt ist für mich das hier:

"Sachlichkeit spannt sich in Denkart, Jargon und Handlungen der Machthaber; Sachlichkeit bedeutet, sich herrschender Sachmittel zu bedienen, um direkt oder indirekt die Richtigkeit der herrschenden Gedanken zu untermauern. Sobald der Diskurs außerhalb des Rahmens stattfindet, wenn also zum Beispiel Gegner der Todesstrafe mit ethischen Bedenken oder radikaler noch, mit ethischer Rigorosität auftreten, dann unterstellt man Unsachlichkeit, dann sagt man den Gegnern nach, sie würden sich nicht sachdienlich mit der Sache auseinandersetzen."

und so sehr ich auch Ihre beschreibung des ist-zustands unterschreibe, so halte ich doch die heranziehung von ethischer rigorisität als hauptsächliches mittel gegen die skizzierte sachlichkeit für zu kurz gegriffen.

diese art - hm, "diskursfigur" - ist tatsächlich recht verbreitet - ich habe das vor ein paar jahren anläßlich der sog. "folterdebatte" mal so formuliert:

(...) "die sog. objektive (objektivierende, objektivistische) position wird als alleinige "rationale, vernünftige und sachliche" position bezeichnet - "ernsthaft" ist dabei noch eine steigerung - und dieses vorgehen zwingt zum unausgesprochenen schluß, dass alle anderen möglichen positionen also "irrational, unvernünftig, unsachlich und unernst" sind.

wenn Sie also der meinung sein sollten, dass es absolut nicht okay ist, wenn irgendwo vom irgendwem gefoltert wird und die dabei erlangten "erkenntnisse" z.b. von behörden dieses staates ohne ganz direkte beteiligung genutzt werden, sind Sie also in den augen dieses autors quasi als ernsthafte/r gesprächspartnerIn disqualifiziert.

Sie sind nicht objektiv genug, sprich: Sie lassen sich womöglich zu sehr von Ihren (empathischen) gefühlen leiten."



- wird aber kaum jemals einmal auf ihre materielle quelle hin untersucht. und damit ist hier der menschliche körper als "agens aller politischer bewegung", wie klaus theweleit es mal ausdrückte, gemeint. ohne ein tieferes verständnis dessen, wie unsere körperlichen - und damit auch "psychischen" - (un-)möglichkeiten sich bis in die letzten winkel der historischen und aktuellen gesellschaftsformationen widerspiegeln, ist nach meinem verständnis heute keinerlei emanzipative bewegung mehr möglich.

und bezgl. der von Ihnen thematisierten falle der "sachlichkeit" habe ich vor längerer zeit mal versucht, einen möglichen ansatz zu skizzieren, um etwas deutlicher herauszuarbeiten, was für eine wahrnehmungskonstellation eigentlich dahinter steckt. übrigens eine, die ethische positionen zwangsläufig nicht ernst nehmen kann, weil die betreffenden wahrnehmungsfähigkeiten wie bspw. empathie schwer geschädigt sind. von daher ist die berufung auf solche positionen meiner meinung nach schlicht wirkungslos, was sich durch einen blick in die sog. "realpolitik" täglich bestätigen lässt.

der herrschenden antisozialität und ihren teils schon soziopathischen protagonistInnen lässt sich so sicher nicht wirkungsvoll begegnen. solche leute brauchen spürbare grenzen, weil das mit das einzige ist, wodurch sie sich beeindrucken lassen. wie diese grenzen dann aussehen könnten und vor allem, wer sie ziehen soll, ist eine andere diskussion.

antiferengi 11. September 2009 um 12:40  

Lieber Roberto.
Dies war (meiner Ansicht nach) einer deiner besten Texte überhaupt. Den Weg zurückzufinden, - zu dem was in früheren Zeiten mal als Ethik angesprochen wurde, und nun im Dickicht eines technokratisierten Realitätsempfindens untergegangen ist. Wenn wir das nicht schaffen, -ist auch alles andere umsonst.

HAL9002 11. September 2009 um 12:49  

Hervorragend argumentiert!!!
Dennoch bleibt ein möglicher Angriffpunkt an der Argumentation übrig: Ab einem gewissen Punkt muss es den Brückenschlag zw. ethischer Grundsatzentscheidung und realer Umsetzung geben(?).
Bei einem Thema wie Todesstrafe kann konsquent sein. Beim Thema Krieg theoretisch auch noch. Was aber bei Thema wie "soziale Gerechtigkeit".
Der Knackpunkt ist doch nicht die Artikulation der ethischen Grundsatzentscheidung (ok, auch dies), sondern deren Umsetzung. Schröder, Fischer, Obama sind gute Beispiele für dieses Scheitern, das umso dramatischer ausfällt, je höher die Ansprüche waren. Wer ist eigentlich von Adenauer, Kohl oder Helmut Schmidt enttäuscht?

HAL9002 11. September 2009 um 12:54  

Sorry - habe den Knackpunkt überlesen

"Oppositionell zu denken ...."
Was ja nicht bedeutet, niemals etwas umsetzen zu wollen, was aber durchaus bedeuten kann, lieber einen eigenen Rahmen zu stecken, als sich den vorgegebenen Meinungen im Vorraus zu unterwerfen,
oda?

Systemfrager 11. September 2009 um 13:27  

Ich füge nur hinzu:
Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt - so Wittgenstein.

Anders formuliert:
Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Freiheit nach innen, und die Grenzen meines Denkgefängnisses nach draußen. Gerade deshalb müssen wir die Sprache (der Herrschenden) ändern - ein neues Paradigma wagen:

Es ist nicht mehr möglich, im Namen des Realismus diejenigen zu verdammen, die eine grundlegend andere Gesellschaft entwerfen. ... Die Blockierungen lassen sich nicht durch punktuelle Maßnahmen überwinden, sondern nur durch eine Neugestaltung und eine Umwälzung des Ganzen. (André Gorz)

klaus baum 11. September 2009 um 14:18  

>>Wer, um Gehör zu finden, auf herrschende Kategorien zurückgreift, hat das kritische Denken verlassen.<<

Es sei denn, er greift die herrschenden Kategorien auf und unterzieht sie einer "Tiefen"-Analyse. Das Argument der "Realpolitischkeit" ist irrwitzig. Realpolitisch wäre im 3. Reich gewesen, die Juden nicht nackt, sondern im Anzug zu vergasen. Dieses krasse Beispiel führt zu der Frage, wer setzt die Grenzen des Realen fest? Der Begriff des Realpolitischen ist verräterisch, denn er besagt, wir werden von mächtigen Interessen beherrscht, zum Beispiel von dem Interesse der unbeschränkten Bereicherung. Und weil es schon genügend Reiche mit Macht gibt, sagt uns der Realitätssinn, gegen die kommen wir nicht an. Deutlich wird das, dass sich die Politik noch nicht einmal zu einem Minimum an Vermögenssteuer durchringen kann. Oder noch anders gesagt: Der Irrsinn ist so mächig in dieser Welt, das wir ihn nicht ändern wollen.

klaus baum 11. September 2009 um 14:21  

Nachtrag: In Diktaturen, insonderheit im Totalitarismus, ist eine Metareflexion des und der Herrschenden verboten. BBC-Hören im 3. Reich wurde mit der Todesstrafe geahndet.

Rebecca Evan 11. September 2009 um 14:45  

Hatte mir nur den ersten Absatz durchgelesen und fühlte mich schon genötigt zu kommentieren. Erster Gedanke: Heuchlerei.

Als ich nun doch weiterlas, weil ich weiß das bei Roberto immer etwas tieferes, grundliegendes folgt, kams genauso wie ich es begrüße.

Dennoch bleibt mir die Todesstrafe eine Strafe die keine ist. Denn Strafe kann nur sein, wenn der Bestrafte sie auch spürt. Die Todesstrafe ist in meinen Augen eine Erlösung für die Täter; eine Erlösung von dem ewig andauernden Rache-, Wut- und Trauergefühl der Hinterbliebenen von Opfern.

Beiden, weder Opfern noch Tätern ist damit geholfen. Gerecht ist eine solche Strafe, aus vorgenannten Gründen, absolut nicht.

Ich bin prinzipiell gegen die Todesstrafe, weil man sich mit der Ausführung solcher selbst zu einem Täter macht und eben "NIEMAND" das Recht hat einen anderen Menschen zu töten, auch dann nicht wenn die subjektive Empfindung dies verlangt.

carlo 11. September 2009 um 15:21  

Chapeau!
Da kann ich mich dem antiferengi nur anschließen.
Nur am Rande: Setz doch die Subheadline

"Die herrschenden Gedanken sind weiter nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse; also der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft."

unter die Artikelüberschrift und mach einen Flyer daraus. (kleiner, bescheidener Vorschlag, besser wäre ein Plakat!)
salud
carlo

Calwer-Wildnis 11. September 2009 um 17:14  

Was hilft es einem Täter, wenn er die Strafe, welche ihm auferlegt wurde, zu spüren bekommt - dies aber genau das ist, was er sowieso sein Leben lang kannte?
Die Todesstrafe ist für manche Täter nicht nur eine Erlösung von den Gefühlen der Hinterbliebenen ihrer Opfer, sondern auch von einem, bei manchen Tätern vorhandenen übermächtigen, kriminellen Drang.

Viele - auch säkulare - Ethiken beruhen im Grunde auf den Schriftwerken der Bibel. Leider wurde das, was darin angedacht ist - an Vorgaben vorhanden wäre - nie wirklich umgesetzt. Zu anstrengend, zu radikal mutet es den Menschen an. Rachegedanken und Todesstrafe etc., waren und sind einfacher anzuwenden. Deshalb wurde das über 2000 Jahre lang schon vorhandene Werk nie ernstlich zu Ende gedacht. Es wurde so lange daran herumgedeutelt, bis es wertlos erschien - in den wesentlichen Aussagen - und damit lebbar für die meisten Leute in Gesellschaft, Kirchen und Politik, ohne, daß sie sich damit auseinandersetzen mußten.
Dass Todesstrafe nichts bewirkt, ausser den Tod selber, ist für mich ein Argument unter mehreren. Das Wichtigste ist immer noch jenes, dass der Mensch nicht töten soll - es nicht darf - wenn er nicht alles andere auch verderblich kontaminieren will. Das schliesst ein, dass auch kein Mensch getötet werden darf, der selber getötet hat.
Der Zweck heiligt bei uns zum Beispiel schon längst die Mittel - gerade im sozialen Umgang mit den Menschen. Wir sind längst abgedriftet in diese Richtung. Folglich wäre es auch schon lange an der Zeit, dies zu ändern.

Eine Diskussion zu diesen Themen ist für mich dann sachlich, wenn sie besonnen, ohne Hetzereien, ohne neue Racheideen und weitere unnötige Anschuldigungen geführt würde. Jeder andere Umgang damit ist eine weitere Verkehrung und Irreführung, die gerade jener Sachlichkeit entbehrt, welche sie so gerne vorschützt.

Geheimrätin 11. September 2009 um 18:40  

why do you kill someone who killed someone to tell them that killing someone is wrong

Marlies 11. September 2009 um 19:11  

Gegen die Todesstrafe war ich schon immer. Sie ist einfach barbarisch und einer Gesellschaft unwürdig, die sich für zivilisiert hält. Und im Fall des Justizirrtums lässt sich nichts mehr berichtigen.

Übrigens ist mir schon oft aufgefallen, dass auch die Atomlobby so argumentiert. Immer kommt irgendwann ein Hinweis, dass sie die "sachlichen Argumente" hätte. So wird impliziert, dass die Gegner unsachlich, einfach nur emotional sind und nicht denken können.

Das geht schon seit den Anfängen der Diskussion so, ich fand's schon immer perfide.

Frank Benedikt 12. September 2009 um 03:10  

Ach, Roberto ...

Todesstrafe sollte doch wirklich kein Thema mehr sein. Die ist moralisch wie logisch komplett falsch, aber das wirst auch Du ihren Verfechtern nicht beibringen können :-(

Statt langer Diskussion einfach nur ein Clip aus meiner Jugend, der der Sache eine absurde Komponente hinzufügt:
http://www.youtube.com/watch?v=S3ggFF3pCno

Gute Nacht
Frank

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