Wer schützt unsere Kinder?

Samstag, 8. August 2009

Der Deutschen liebste Hauspostille ist mal wieder in ihrem Element. Ein offenbar pädophiler Mann wurde gefasst, dessen widerlichen Missbräuche angeblich im Internet zu begutachten waren. Nicht dass man grundlegend daran zweifeln müßte, aber ein Grundzweifel muß beibehalten werden in Zeiten, in denen vorgeschobener Kindesschutz dazu missbraucht wird, Kontrollmechanismen einzurichten, in denen Sittlichkeitskodizes in Namen von Kindern verabschiedet werden, nach denen beispielsweise auch Homosexualität eingeschränkt gehört. Was nicht heißt, dass dieser "Pädophile der Stunde" eine Erfindung sein muß. Natürlich fragt jene Zeitung des kleinen Mannes schwermütig, wer uns wohl, unsere Kinder vor solchen Bestien beschützen möge - eine berechtigte Frage, die aber in jenen Blättern weniger von Sorge begleitet wird, als von Rachegefühlen und eiserner Härte.

Ja, wer beschützt eigentlich die Kinder? Wer beschützt sie vor einer verrohenden Medienkultur? Wer beschützt sie davor, dass Journalisten wieder von Dreckschweinen schreiben dürfen. Ganz unverhohlen, ganz ungeschminkt! Ja, der Mann hat eine verachtenswerte Straftat begangen - aber Journalismus hat nicht mit Beleidigungen um sich zu werfen, hat der Emotionalisierung solcher Verbrechen nicht Vorschub zu leisten. Dreckschwein! Man stelle sich das mal vor! So weit sind wir schon wieder! Wer behütet die Kinder eigentlich vor dieser kaltblütigen Unkultur? Wer hält seine schützende Hand über unsere Kinder, wenn die Lynch-Gesinnung des Stammtisches durch den Blätterwald rauscht? Es ist schon ein Hohn, dass ausgerechnet jene Tageszeitung immer wieder den Kinderbeschützer mimen will, sich für Kinder stark macht, gleichzeitig sich aber nur in den Mitteln von jenen unterscheidet, die Kinder so widerlich ausbeuten und missbrauchen. Sie beschreibt Missbrauchshöllen, denen Kinder ausgeliefert waren, arbeitet derweil fleißig am Aufbau neuer Gesellschaftshöllen, zu denen das Leid jener Kinder nochmals missbraucht und ausgebeutet wird.

Ein unangebrachter Vergleich? Mitnichten! Wenn eine Tageszeitung emotionalisiert, Täter als Dreckschweine bezeichnet, auch Gift und Galle erbricht über Menschen, die ihre Tat bereits gesühnt haben, Parolen zu härteren Strafmaßen verbreitet, als wären die hierzulande erlassenen Strafen unausreichend, lediglich spaßige Kurzurlaube, dann trägt das zu einer Barbarisierung der Diskussionskultur bei. Was am Ende dieser Fehlentwicklung steht, die sich gar nicht fehlerhaft entwickelt hat, sondern durchaus eine zielgerichtete Kampagne darstellt, das ist die Todesstrafe. Das Leben wird wieder antastbar. Einen Menschen zu töten, das ist immer schwierig, aber ein Dreckschwein, ein Schwein zu schlachten, es auszuweiden, das schlummert im Überlebenstrieb des Menschen. Dorthin führt eine solche Sprache, eine solche öffentliche Sprache, denn im Privaten kann man durchaus so reden, mal verbal unter die Gürtellinie boxen; wenn es aber gesellschaftsfähig wird, einen Straftäter zu animalisieren, ihn zum Nicht-Menschen zu machen, ihn auszugrenzen aus der eigenen Gattung, dann gleitet es ins Schlachthaus ab, dann ist die Hinrichtung zwar noch nicht Wirklichkeit geworden, aber sie ist nicht mehr auszuschließen, dann wird sie zur Option. Was dann juristisch noch keinen Alltag darstellen wird - so schnell ändern sich Gesetze nicht -, wird ins Moralische gehievt, wird ethischer Imperativ. Das Töten eines Dreckschweins mag juristisch belangt werden, aber der Täter wird ein Volkstribun, ein Held der Massen, ein moralisch einwandfreier Charakter sein. Und mit einiger exegetischer Fachfertigkeit, wird aus dem Mörder, aus diesem Statthalter der Moral, der nur getan hat, was der Staat (noch) versäumte, ein blühender Demokrat, eine Koryphäe neuer Demokratie. Aus der aufklärerischen Domäne, aus dem Attribut der Zivilcourage wird das Gegenteil, wird legitimierte Menschenverachtung - schwarze Zivilcourage.

Wer beschützt also unsere Kinder? Einerseits vor solchen, die nicht elektrische Stühle, sondern fachmännische Hilfe benötigen, um ihren sexuellen Trieb zu Lasten von Kindern zu bändigen? Und andererseits vor denen, die fachmännisch dabei helfen, der Rachejustiz, der Hinrichtungsmentalität zu ihrem Recht zu verhelfen? Die unseren Kindern eine inhumane, entmenschlichende Sprache angedeihen lassen, die den Nächsten - und auch ein verachtenswürdiger Charakter ist ein Nächster! - zum Vieh degradiert, zum reifen Schlachtvieh? Wer beschützt sie davor? Der Presserat, der sicherlich bald die Wortwahl, dieses besorgniserregende "Dreckschwein" anmahnen wird, hat sich als zahnloser Papiertiger erwiesen - der wird in den heiligen Hallen jener Postille nur ausgelacht. Er kann unsere Kinder, unsere Gesellschaft vor der Verrohung der Sitten nicht schützen.

Wir werden schutzlos in barbarische Zeiten hinübersegeln. So fängt es immer an, wenn barbarische Zeiten auf dem Programm des Weltgeistes stehen - erst verroht die Sprache, dann die Sitten, dann das öffentliche Leben, danach wird der rohe Mensch zum Inbegriff evolutionärer Weisheit verklärt. Nur der Roheste gewinnt, nur der Kälteste überlebt. Aufklärung adieu...

18 Kommentare:

Anonym 8. August 2009 um 10:12  

Sie haben schon Recht. Es sollte eigentlich undenkbar sein, Wörter wie "die Bestie", "des Perversen" usw. in einer Zeitung zu benutzen, zumal noch ohne Anführungszeichen. Statt "Staatsantwalt zum Täter" erdreistet sich BILD tatsächlich, "Staatsanwalt zur Bestie" zu schreiben. Die Schimpfwörter werden häufiger gebraucht als die simple Beschreibung "Täter". Wem fällt ein solcher Sprachgebrauch eigentlich nicht unangenehm auf? Auch wenn vielleicht die meisten Menschen wissen, dass die BILD-Zeitung nicht wirklich seriös ist, wird sie doch von vielen Menschen gelesen. Geradezu peinlich wird es, wenn BILD in der Überschrift von "schlimmster Kinderschänder" spricht.

Noch ein paar Jahre, und Wörter wie "Bestie" und "Dreckschwein" werden als ganz normal und nicht als bedenklich etc. begriffen.

Aber wir sollten nicht den Fehler begehen und das Ganze als eine unaufhaltsame, prozessartige Entwicklung begreifen. Die Richtung von BILD wird von dessen Chefredakteur Kai Diekmann bestimmt. Er alleine ist für solch "perverse" Artikel verantwortlich.

Manul 8. August 2009 um 11:26  

erst verroht die Sprache, dann die Sitten, dann das öffentliche Leben, danach wird der rohe Mensch zum Inbegriff evolutionärer Weisheit verklärt.

Wir haben doch schon längst diese Wandlung vollzogen, bloss die Verrohrung ist einfach noch nicht so drastisch wahrnehmbar. Mich erinnert unsere Welt schon seit Längerem an die Geschichte von Sodom und Gomorrha, denn unser ganzes Moralempfinden ist nur noch auf dem Kopf gestellt. Kinder erscheinen dann erst als schützenswert, wenn es um Kapitalverbrechen geht, aber die Situation sieht für viele Menschen ganz anders aus, wenn in ihrer Nähe eine KiTa aufgemacht wird. Da werden Gerichte bis in die obersten Instanzen bemüht, damit man ja nicht durch das Geschrei belästigt wird. Kinder haben schon wieder fast kleine Erwachsene zu sein, die vor der entgültigen wirtschaftlichen Ausbeutung nur noch durch Gesetze geschützt werden. Konsumenten sind diese Kinder längst und ihr Bildungsweg ist so gestaltet, dass sie entweder gleichgeschaltet ausgebildet werden, oder mangelhaft ausgebildet die Schule beenden, um anschliessend als billige Arbeitskräfte ausgebeutet zu werden. Den ganzen Kinderschützern fällt in diesem Zusammenhang aber kaum auf, dass dieses Land seiner Jugend inzwischen nur noch wenige Perspektiven bietet und dann auch nur jenen, die aus den 'richtigen' Familien stammen. So raubt die Gesellschaft den Jungen im Prinzip die Zukunft und das ist das Verbrechen, worüber keiner spricht.

Das ist halt die Kultur der Mittelmässigkeit, die versucht alles mainstream mässig in Stereotypen zu verpacken, der Einfahheit halber und viele dieser Stereotypen sitzen längst in den Köpfen drin, wie z.B. auch der viel zitierte Kinderschänder, der aber in Wirklichkeit oft der Onkel oder der Familienfreund ist und die betroffenen Familien beim Missbrauch eigentlich nur noch das Schweigen kennen. Auch die Individualisierung der Auswüchse und Probleme trägt viel dazu bei, dass Stereotypen gar nicht erst hinterfragt werden, denn bei einer Individualisierung ist klar, wer versagte: der Täter und nicht der Staat, der Hilfseinrichtungen krank spart, erfolgreiche Projekte nicht verfolgt und den Opfern noch nicht mal adäquate Hilfe anbieten kann (will). Nur logisch ist es dann, wenn Repression als einziges Mittel gesehen wird, um das alles zu beherrschen, aber daran sieht man, dass wir von der Barberei nicht sehr weit entfernt sind.

aebby 8. August 2009 um 11:46  

Sehr gut!

Ich werde Deinen Artikel ergänzend bei mir verlinken. Ich hatte heute ebenfalls zum Thema geschrieben.

antiferengi 8. August 2009 um 14:56  

@Manul
Das kam aus dem Herzen. Du solltest unbedingt einen eigenen blog machen. Oder gibts den schon?

Geheimrätin 8. August 2009 um 15:18  

Das Moorland ist weit

pax-japan 8. August 2009 um 15:35  

Wer schützt uns überhaupt? Uns alle? Oder sind Kinder das lebenswertere Leben, und wir, die älteren (oder gar ganz Alten, nur konsumierenden Säcke), lediglich der überflüssige Abschaum? Ist es nicht so, dass inzwischen jeder Mensch ein Preisschild trägt? Ganz nach dem Geschmack eines "Colonel" House, der einmal zu Woodrow Wilson meinte: "Man wird sie ihrer Rechte entkleiden, ihnen einen Verkehrswert zuweisen, der zum Zwecke unseres Profits eingeführt wird und sie werden nicht klüger sein als zuvor."
Ja, doch. Je jünger und saftiger der Mensch, desto besser. Dank Unerfahrenheit leicht zu missbrauchen - in jeglicher Hinsicht. Neben dem Establishment sind Kinder und Jugendliche die wertvollsten Menschen unserer Gesellschaft. Zwar wird hier noch lang nicht der Zirkus um die lieben Kleinen gemacht, wie in Kanada beispielsweise, aber der Schluss, dass es auch weniger wertvolle Zeitgenossen gibt, eventuell sogar völlig wertlose, liegt natürlich nahe.

Niemand scheint die schädlichen Auswirkungen zu bemerken, welche der ständige Umgang mit Geld und die völlige Ausrichtung aller Bereiche des täglichen Lebens am Profit zeitigen. Nehmen wir überhaupt noch wahr, wie wir zu Karikaturen unser selbst verkommen? Giergesteuerte, mitleidlose Vorteilserhascher, egozentrische Brotkrumenfresser.

Der Zauber um's Geld gehört zum Perversesten, was mit menschlichem Verhalten verbunden ist. Dabei haben die Wenigsten eine Vorstellung davon, wie es "geboren" wird, welchem Zweck es dient und welcher Natur ihre persönliche Rolle im Verteilungsprozess ist. Es wird ganz einfach nicht hinterfragt. Wie kann etwas als so wichtig für uns und unsere Gemeinschaft erachtet und trotzdem als so selbstverständlich hingenommen werden?
Da ist wohl irgendwie der Blick für's große Ganze abhanden gekommen...

erik-dietrich 8. August 2009 um 15:38  

Dieser Artikel trifft leider nur zu genau. Völlig unabhängig von einer derart verabscheuungswürdigen Tat, auf die eine sinnvolle "Strafe" zu finden mit schwerfällt - einzig intensive psuchologische Betreuung könnte sinnvoll sein -, die Art und Weise, wie (nicht nur diese Postille) solche Täter tituliert ist menschenverachtend und gefährlich. Weit von faschistoider Sprache, Volksverhetzung etc ist das nicht entfernt.
Speziell zu Manuel:
Wir befinden uns im Vereich des Menschenbildes generell (nicht nur bei Kindern) in einem präaufklärerischen, spätfeudalen Modell (siehe Herr Guttenberg, frühzeitige Einschulung, Pläne, die Schulzeit mit 14 enden zu lassen, Bildung gegen Kohle etc.) - nicht weniger beängstigend das.

klaus baum 8. August 2009 um 18:34  

Wenn es BILD wirklich um das Wohl der Kinder ginge, müsste man jenen Herrn, der jetzt durch xy dingfest gemacht werden konnte ...

Also, ich will darauf hinaus; Wenn BILD eine derartige Hetzjagd startet, wird jeder weitere Kinderschänder genötigt sein, sein Treiben so geheim wie möglich zu halten.

Ich will den Argumentationsstrang nicht weiter ausführen, aber in einer Gesellschaft, in der man Verfehlungen zugeben kann, wird die Zahl der Opfer geringer.

Welche Verbrechen sind nicht schon begangen worden, um eine Tat nicht bekannt werden zu lassen.
Der nächste Vergewaltiger wird wieder ein Kind umbringen, damit er von ihm nicht identifiziert werden kann.

xefix 8. August 2009 um 19:30  

Bild hat schon immer "so" geschrieben.

Erst seit bloggen möglich ist, gibt es korrigierende Worte!

Früher waren das, mangels Alternative, Grafitties.

Natürlich wortgewaltig attackiert von gleichem Blockwart-Journalismus dieses unsäglichen Blattes.

Bloggen ist aufklärend.

Und Roberto ist ein wohltuend-wütender, wortgewaltiger Aufklärer!

Labern ist nicht seine Sache.

Anonym 8. August 2009 um 19:38  

@Roberto J. de Lapuente

Ich erspar mir einen Kommentar, auch BildBlog hat dazu was geschrieben:

http://www.bildblog.de/9678/bka-da-koennte-ja-jeder-bitten

...man ist zwar gegen Kinderschänder, aber wie hier öffentlich jemand an den Pranger gestellt wird - via Medienkampagne - wird wohl, wenn es nach BildBlog geht, demnächst den Presserat beschäftigen...ohne Konsequenzen für das Hetzblatt...bis auf eine Rüge vom dt. Presserat....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser
(!!!Der echte)

Geheimrätin 8. August 2009 um 20:37  

@ Klaus Baum

das ist es doch, einer outet sich und wird gelyncht, einer offenbart sich und schon fällt die Meute über ihn her.

Wie es Opferschutz geben müsste, so müsste es Opferschutz für geständige Täter geben, fern der Geiermedien. Da die Täter bekanntermaßen oft selbst Opfer waren, brauchen sie endlich eine geeignete Therapie! Die gibt es kaum.

Andere Täter, die überführt werden, sich nicht freiwillig und aus eigenem Antrieb Hilfe suchen,sind noch viel schwerer zu therapieren. Sie sitzen oftmals nur ihre Strafe ab und lösen dabei nicht ihr Problem. Aber auch die zu lynchen wäre barabarisch und dumm. Denn die Ursachen für sexuelle Gewalt lassen sich nicht töten, nicht abschlachten und nicht lynchen.

Die Ursachen müssen in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext gelöst werden, der sich an der Seele des jeweiligen Menschen orientiert.

Daher sollte jedem der sich freiwillig outet, Schutz vor der Meute zugestanden werden und eine Therapie die wirklich hilft. Ebenso wie jenen, die sich nicht freiwillig outen und dennoch ihrer Taten überführt werden.

Im übrigen ist Kinderschänder nicht gleich Kinderschänder. Es gibt dergleichen auch welche, die glauben Kinder ständen zur freien Verfügung, auf einem Markt der bedient werden kann. Diese "Kategorie" ist meist sehr wohlhabend und angesehen und weiss wo sie wo sie ihre "Ware" beziehen kann, ohne dass die Meute Wind davon bekommt. Stoppschilder und dergeleichen mehr tun ihren Teil dazu, dass das auch so bleibt.

Jutta Rydzewski 9. August 2009 um 11:55  

Diesen Artikel, lieber Herr De Lapuente, unterschreibe ich uneingeschränkt. Ich gehe sogar noch den einen oder anderen Schritt weiter. In der Tat, Sie sprechen einen sehr wichtigen Punkt an: Die öffentliche Sprache. Offenbar schlüpft sie (die öffentliche Sprache) immer mehr in die Rolle des verbalen Scharfrichters, und fühlt sich dort auch zunehmend wohler. Ja, wer schützt uns (nicht nur unsere Kinder), vor dieser verderbten, hetzerischen, Hass erzeugenden, menschenverachtenden Sprache, wie sie nicht nur in der BILD und diversen BILD-Zweigstellen, sondern auch bei den Öffentlichen-Rechtlichen, z.B. durch den ZDF-Frömmler Peter Hahne, bereits vor Jahren Einzug gehalten hat, als dieser angepasste Oberschleimer, anlässlich der Tragödie von Erfurt, mit Schaum vor dem Mund, die Begrifflichkeit des Monsters von Erfurt in die öffentliche bzw. öffentlich-rechtliche Debatte einführte. Spätestens seitdem überkommt mich immer größte Übelkeit, wenn dieser "gute und anständige Deutsche" auf dem Bildschirm erscheint.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ich möchte hinzufügen: Schon über Antastbarkeit nachzudenken, hat bereits angetastet. Apropos nachdenken. Herr Kriseninterventionsstabilisierungseinfaltspinselminister Jung denkt mal wieder über eine Verfassungsänderung nach, wie er in der BILD am Sonntag (wo auch sonst) verlautbart und von Tagesschau.de verbreitet wird. Ich frage mich schon länger, mit welchem Körperteil dieser Mensch überhaupt denkt. Aber das nur mal so am Rande, zumal das Thema ein anderes ist ... oder vielleicht auch nicht? Denn schließlich ist staatlich legitimierter Mord, die Todesstrafe, mit etwas "gutem Willen" auch wieder einführen. Grundgesetz hin, Grundgesetz her. Das Grundgesetz, wonach das Leben das höchste Rechtsgut ist, stört doch ohnehin nur noch, ist überaus lästig, insbesondere für Bundesinnen und -verfassungsminister. Bei so genannten Terroristen, Piraten und anderem Gezumpele, ganz aktuell natürlich auch Kinderschändern, böte sich doch an, den Rechtsstaat (zunächst einmal partiell) abzuschaffen und das Feindstrafrecht einzuführen, wie es der deutsche Strafrechtler und Rechtsphilosoph, Günther Jakobs, schon vor über 20 Jahren angeraten hat. Alles braucht eben seine Zeit, man muss der Zeit nur die nötige Zeit lassen ... bis krankes Gedankengut zunächst in die Sprache, und dann irgendwann in praktisches Handeln umgesetzt wird.

mfg
Jutta Rydzewski

epikur 9. August 2009 um 13:27  

Manul hat vollkommen recht, erst verroht die Sprache, dann die Sitten, dann das öffentliche Leben und zuletzt die Gesellschaft als Ganzes. Genau deswegen ist es so immens wichtig, auf die Sprache und ihre Verwerfungen zu achten.

Die Nazis haben die Juden als Ratten und Unkraut diffamiert, die Hutus haben die Tutsis beim Völkermord in Ruanda als "Kakerlaken" bezeichnet, die ausgemerzt werden müssen und George W. Bush bezeichnete Moslems und die Taliban als Barbaren.So fängt es immer an.

Manul 9. August 2009 um 14:22  

@Antiferengi:

Es gab mal eins und es wird auch demnächst wieder eins geben ;) Ich muss nur Zeit finden es einzurichten und designmässig etwas anzupassen.

Geheimrätin 9. August 2009 um 14:41  

Ja die Verrohung der Sprache ist sicherlich eine wichtiger Aspekt. Und diese kann extrem destruktiv sein und anderen Menschen, gerade Kindern, schweren Schaden zufügen. Diese Art Sprache äußert aber nur die Verrohung der Gefühle. Und die Gefühle wiederum, gerade bei Kindern, reagiern sehr auf Sprache. Ist wie schlechte Musik. Werd mal mit einer für dich nicht zu ertragenden Musik den ganzen Tag beschallt. Ist wie Folter.

Nun gibt es aber auch noch diese andere Sprache, sorry wenn ich schon wieder drauf hindeuten muss, auf die sauber beschuhten. Die Sprache, die ja gerade Epikur immer wieder thematisiert. Das Neusprech. Und dieses Neusprech wird immer weiterentwickelt. Es wird feiner und subtiler und bald versteht es kein Mensch mehr, es klingt irgendwie beruhigend, alles wird gut und alles ist nur zu eurem Besten.

"Wir rufen nicht zum Lynchmord auf, wir morden still und leise und im Namen der Wirtschaft, wir sind keine Kinderschänder, wir lassen die kleinen zwar jeden Tag krepieren, verhungern und an Krankheiten verrecken (oh was ein böses wort!) für die wir die Medizin haben. Die könnten die zwar billigst selbst herstellen, aber die Lizenz dafür können wir ihnen leider nicht geben, der freie Markt hat seine eigenen Gesetzte.

Und mittels Gewinnmaximierung können wir der Gesellschaft dann auch wieder viel zurückgeben. Wir spenden Millionen für geschändetet Kinder aus Kamboscha. Diese Kinder, die auf dem freien Markt um die Welt verschachert werden, verkauft und vernichtet, um die kümmern wir uns in unseren Stiftungen, bezahlen die Therapie. Der Menschenwürde wegen...."

Anonym 9. August 2009 um 15:44  

Schon wieder ein hinsichtlich des Sprachgebrauchs fragwürdiger Artikel aus dem Springer-Verlag, zu besichtigen unter http://www.welt.de/politik/article4283363/Merkels-Konsenspolitik-erstickt-den-Wahlkampf.html. "Vier Jahre nachdem Gerhard Schröder mit einem denkwürdigen Auftritt in der Elefantenrunde die politische Bühne verließ, hat Angela Merkel mit ihrer aggressiven Konsenspolitik den Wahlkampf fundamental verändert. Allerdings hilft der Kanzlerin auch eine SPD, in der die entscheidenden Männer alt, müde, zart oder schwul sind." Was bitte soll hier das "schwul"?

Lebowski 9. August 2009 um 17:35  

"Ohne die geballte Medienmacht würde der Kinderschänder vielleicht noch immer frei herumlaufen. Auf der Suche nach dem nächsten Opfer.

Die erste Multimedia-Verbrecherjagd war ein voller Erfolg. Und hoffentlich nur ein Anfang."

http://www.bild.de/BILD/news/standards/kommentar/2009/08/07/kommentar.html

Hoffentlich! "Das Millionenspiel" muss keine Fiktion bleiben.

Lesefuchs 10. August 2009 um 15:01  

Für mich ist das Ganze nur eine willkommene Gelegenheit von den anderen "indirekten" Mördern abzulenken. Und je lauter man das macht, je eher ist der Michel abgelenkt.
Wer hinterfragt schon die Selbstmorde wegen Verzweiflung durch Armut, Arbeitsplatzverlust, Totalverlust der Ersparnisse o.ä.!
Solche "Bekennerschreiben" werden GARANTIERT nie in BLÖD & co. auftauchen, um zu vermeiden das auch der letzte Dödel das System durchschaut!

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