Eingeebnete Gegensätze

Mittwoch, 29. Juli 2009

Blickt man von oben hinab auf diese Republik, von einem Ausguck in den Wolken vielleicht, einer Plattform zur Begutachtung des bundesrepublikanischen Freigeheges, so möchte man beinahe annehmen, hier und da sei der Klassenkampf ausgebrochen. Man möchte es annehmen – aber wenn man ein Fernglas zur Hilfe nimmt, hinabblickt auf die Zustände dieser klassenkämpferischen Realität, so wird überdeutlich, dass man es nur annehmen möchte, nicht aber kann. Uns stechen sonderbare Protestangestellte ins Auge, von Unternehmen engagierte Arbeitnehmer, die ihr Engagement ausweiten, die Sache des Unternehmens und dessen Führungsriege zu ihrer eigenen werden lassen.

Bankangestellte pilgern an die Pforten ihres heiligen Schaffens, heben Pappschildchen hoch, auf denen sie nicht ihren Arbeitsplatz gesichert, verbessert oder besser bezahlt haben wollen, sondern den Verbleib ihres Managers fordern. Firmenmitarbeiter stimmen in das Geheul ihrer Herrin ein, fordern Zahlungen aus öffentlichen Kassen an jene Dame, die Tage zuvor noch mit Pelzmantel auftrat, jetzt aber über ihren Niedergang weint. Arbeiter von Porsche drohen Werksbesetzungen an, wenn man ihnen ihren gehaltvollen Messias nicht lasse, rascheln also mit der Anwendung klassenkämpferischer und revolutionärer Kampfmethoden durch den Blätterwald dieses Landes.

Es sind komische Klassenkämpfer, die uns landauf landab begegnen. Klassenkämpfer die keiner Klasse angehörig sind, außer jener, deren ihre Herren teilhabend sind. Die Interessen ihrer Herren, so glauben sie, seien ihre Interessen. Und prompt wird die Solidarität einiger dieser Klassenkämpfer mit Füßen getreten, deren Lohn beträchtlich gekürzt, wobei deren Arbeitsplätze deshalb keinen Funken sicherer seien. Der Dank der Herrin liegt darin, dass sie nur beträchtliche Lohnkürzungen verordnete, keine rigorosen – das Interesse der Herrin, das sollte jenen Revolutionären nun klar sein, war nicht das ihrige Interesse.

Müßig, immer wieder auf Herbert Marcuse zurückzufallen. Aber in diesen Tagen, in Tagen, in denen mehr denn je so getan wird, als läge das Interesse jeder gesellschaftlichen Gruppe im Fortbestand des Systems, so wie es sich uns seit Jahren präsentiert hat, in Zeiten also, in denen eine einige Einheitsfront vorgegaukelt wird, ist Marcuse kein Denker, auf den wir zurückfallen – nein, er weist uns voran, er beleuchtet das Hier und Jetzt, obwohl er nicht mehr, schon lange nicht mehr, unter uns, im Hier und Jetzt weilt.

Er schreibt im „eindimensionalen Menschen“, das war 1964 bzw. 1967 in Deutschland: „[...] der entscheidende Unterschied besteht in der Einebnung des Gegensatzes (oder Konflikts) zwischen dem Gegebenen und dem Möglichen, zwischen den befriedigten und den nicht befriedigten Bedürfnissen. Hier zeigt die sogenannte Ausgleichung der Klassenunterschiede ihre ideologische Funktion. Wenn der Arbeiter und sein Chef sich am selben Fernsehprogramm vergnügen und dieselben Erholungsorte besuchen, wenn die Stenotypistin ebenso attraktiv hergerichtet ist wie die Tochter ihres Arbeitgebers, wenn der Neger einen Cadillac besitzt, wenn sie alle dieselbe Zeitung lesen, dann deutet diese Angleichung nicht auf das Verschwinden der Klassen hin, sondern auf das Ausmaß, in dem die unterworfene Bevölkerung an den Bedürfnissen und Befriedigungen teil hat, die der Erhaltung des Bestehenden dienen.“

Wie läßt sich daran noch zweifeln, wenn wir von unserer Plattform herabblicken auf die Demonstranten unserer Zeit? Die angebliche Einebnung des Gegensatzes, und wir erinnern uns, dass man uns seit Jahrzehnten predigt, dass die Zeiten des Klassenkampfes passé seien, weil heute niemand mehr einer Klasse angehöre und jeder einen vollen Bauch habe, die Einebnung also, ist in Wahrheit nur dazu da, dazu ersonnen, dazu in die Köpfe der Menschen gepflanzt worden, um das Bestehende in der bestehenden Form zu erhalten. Ob sich Marcuse vorstellen konnte, dass diese Einebnung des Klassenkampfgedankens (des Gedankens, denn der Klassenkampf bleibt von Interesse, kann nicht einfach von der Bühne heruntergeworfen werden!), dieses inszenierte Angleichen aller Partikularinteressen an ein angeblich großes, alles vereinendes Ziel, in Demonstrationen enden würde, die den eigenen Herrn stärken und schützen sollen?

Die Einheitsfront will uns Glauben machen, dass die Ellenbogen eingezogen werden können, weil es keines Kampfes auf Gedeih und Verderb bedarf, weil sie eine humane, hilfsbereite, liebevolle Einheitsfront ist, die nur das Beste will für alle, für das gemeinsame Ziel. Ziele varieren, derzeit ist es die Bewältigung der Krise. Dabei erklärt man öffentlich, dass Herren und Diener, und Sklaven sowieso, ein gemeinsames Ziel am Horizont haben; dafür müssen Herren und Diener, und Sklaven sowieso, jeweils Opfer bringen. Wir werden zukünftig, so sagen die Herren, weniger spekulieren, unseren hemmungslosen Expansionsdrang etwas mildern; ihr werdet, so sagen es ebenso die Herren, denn die Diener haben nichts selbst zu bestimmen, die Sklaven sowieso nicht, länger arbeiten, weniger verdienen und anschmiegsamer, indem ihr auf Kündigungsschutz und dergleichen Eigensinnigkeiten verzichtet. Das ist der Deal der Einheitsfront, alle ziehen an einem Strang, und weil dieser Strang zum Allgemeingut geworden ist, nicht erst jetzt, sondern durch jahrzehntelange Einimpfung, glauben die Seilziehenden der Dienerseite, sie würden für ein gemeinsames Ziel ziehen, wenn sie zum Protestpersonal ihrer Herren umschulen.

Es dient aber dem Erhalt der Mißstände, der Erhaltung des Bestehenden, der – Marcuse sei nochmals zitiert – „Verewigung des Kampfes ums Dasein“. Wer seinem Herrn demonstrierend zur Seite steht, steht jenen Kreisen zur Seite, die seit Ewigkeiten Entsolidarisierung predigen, Steuererleichterungen für Milliardenvermögen fordern, entleerte Kassen damit bewirkt, Arbeitslosigkeit gefördert haben; wer in diesen Tagen kriechende Parolen auf seinen Herrn singt, der will, dass es so bleibt, wie es war. So bleibt wie einst, als es ihm relativ gut ging. Sein relatives Wohl über das derer stellen, die unter dem Erhalt des Bestehenden leiden, weiterleiden werden. Wer für den unternehmerischen Machthaber mit Gewehr bei Fuß steht, der toleriert den Erhalt der Armut, der toleriert soziale Mißstände, der toleriert die Ausbeutung der Dritten Welt, der toleriert den Raubbau an dieser Erde. Die postulierte Einheitsfront offenbart sich als Ellenbogenfront, als egozentrisches Jeder gegen Jeden, als Auswurf einer Ellenbogengesellschaft. Man zieht eben nicht an einem Strang, man steht an einem Ende des Seils, am anderen steht die Herrschaft und dazwischen, in das zu ziehende Seil hineinstranguliert, da sind diejenigen zu finden, denen der Erhalt des Bestehenden die Atemwege zuschnürt. Sich für seinen Herrn auf die Straße zu begeben, um für sein Wohl, das angeblich das Wohl aller ist, zu demonstrieren, kommt der Betätigung der gesellschaftlichen Garotte gleich.

Nun wendet man ein, die Protestierenden seien befangen, weil es um ihre Arbeitsplätze geht, weil die drohende Not sie natürlich nicht über den Tellerrand blicken ließe. Aber gleichermaßen müßten wir einem Mörder, der ertappt wurde, der sich mit Ausreden herauswinden, aus seiner Bredouille mit Ausflüchten befreien will, mit Verständnis gegenübertreten, weil er nur seine Haut retten will. Doch in solchem Momenten üben wir uns in Verachtung, sehen auf einen solchen Täter herab, deuten auf die Opfer und verlangen die Übernahme der Verantwortung besagter Tat. Selbst betroffen zu sein bedeutet nicht, sich mit der Ursache des Betreffs zu verbrüdern, um im Gefühl eines Burgfriedens, andere ebenso betroffen zu machen. Betroffen zu sein bedeutet, Verantwortung zu zeigen, endlich Nein sagen zu lernen.

20 Kommentare:

Tim 29. Juli 2009 um 02:24  

Ich muss grade an meine alten Kollegen von der PIN-Group denken, die GEGEN den Mindestlohn demonstriert hatten. Diese Trottel. Hätten sie sich auch sparen können, aufgrund der Organisation der PIN-Group hätte diesen Mindestlohn eh kaum jemand bekommen. (Das Verteilernetz der PIN bestand größtenteils aus Zeitungszustellern, wodurch das Kriterium "überwiegend Briefe" nicht erfüllt wurde.)

Systemfrager 29. Juli 2009 um 07:31  

Es ist - wieder einmal - die Lage so fantastisch gut geschrieben, und zugleich so unermesslich traurig - weil wahr. Aber es war doch immer so! Wenn man schon einen Zusammenbruch eines Regimes erlebt hat, weiß man genau:

Zuerst versuchen die Verlierer sich IM SYSTEM zu retten, erst wenn das scheitert, wenden sie sich GEGEN DAS SYSTEM.

Die nächsten Wahlen, auf den Punkt gebracht, werden die letzten Wahlen der Rentner und Angsthasen der BRD sein - und dann ist Schluss. (Deshalb werde ich nicht wählen gehen.)

Ein Blogger (Karl Weiss => karlweiss.twoday.net) hat es treffend beschrieben:

„Und dann werden wir da ankommen, wo die Herrschenden keinen Ausweg mehr sehen und wir nicht mehr so weiterleben wollen und den Tod weniger fürchten werden als dieses Leben. Dann ist der Zeitpunkt der Revolution gekommen – und niemand – niemand – wird uns mehr aufhalten können.“

Anonym 29. Juli 2009 um 07:38  

Lieber Roberto,

wieder mal treffend auf den Punkt gebracht!

Offenbar leuchtet den Betroffenen die Sonntagsredner-Phrase: „Wir sitzen doch alle im selben Boot“ nur allzu sehr ein – auch wenn natürlich die einen wie verrückt rudern und schwitzen und die anderen nur das Steuer halten und die Kommandos geben (ja, gelegentlich wohl auch mal die Peitsche schwingen und den einen oder anderen überflüssigen oder aufmüpfigen Ruderer ins Wasser schubsen).

Solange man selbst zu denen gehört, die immer noch weiterrudern dürfen, ist ja, Gott sei Dank, noch alles in Ordnung, nicht…?

Solidarische Grüße!
Saby

beobachter 29. Juli 2009 um 10:03  

alles wieder mal goldrichtig gesehen. zu bemerken wäre allerdings zu der einebnung der klassenunterschiede - die waren immer da. mallorca und finca ist nicht gleich ballermann, und h&m nicht edelboutique. also alles nur schein. eine fata morgana wie die zdf brd für ddr bürger.und alle die, die nun am gleichen strick ziehen wie ihre herrin, sind ja nur zum teil so dumm, daß sie herrin und anführer (dgb bonze) glauben schenken, in ihrem (unter)bewusstsein herrscht die panische angst davor selbst erwischt zu werden. und dann stellt sich die frage: warum?

Anonym 29. Juli 2009 um 10:49  

Lieber Roberto,
danke für diesen sehr guten Beitrag.

Robert Reich 29. Juli 2009 um 11:57  

Dank an Roberto, bezeichnend die Situation des "klassenkämpfenden Arbeitnehmers"!
Manchmal könnte man meinen, ArbeiterInnen in Deutschland sind allesamt ausgemachte Oppurtunisten. Mit dem System abgefunden! Wenn man nur mal nach Frankreich blickt, was sich gebeutelte Arbeitnehmer da einfallen lassen....
Aber wie ein bekannter Kabarettist unlängst sagte:"In Frankreich zündet man Autos an, in Deutschland wählt man FDP - beides ist sinnlos...." Klassenkampf scheint dem hiesigen Arbeitnehmer sowieso fremd geworden zu sein. Schon bei den unsäglichen "Hartz-Gesetzen" lies man die Opfer allein. Die Gewerkschaften mit Herrn Sommer an der Spitze haben damals zum Beispiel ihre Unterstützung für die 'Montagsdemos' versagt, jetzt trifft es den einen oder anderen der sich gedacht haben möge "mir kann das nicht passieren, wer arbeiten will findet auch welche..." Die ganzen parolen die dieser widerliche Journalismus mit samt Politik über die Massen ausschüttet zeigt halt Wirkung. »Jede Form von Arbeit ist besser als der Bezug staatlicher Hilfen« posaunt des IW Köln in die Welt. Jeder Art von Arbeit heisst dann aber, Wiedereinführung der Zwangsarbeit, Lohnkürzungen ab 2010 (Hundt) Ausweitung des Niedriglohnsektors. Na da muss doch jeder Arbeitnehmer tapfer für sein Elend kämpfen.

romano 29. Juli 2009 um 14:35  

Leute wie Marcuse fehlen heute. Einen so starken Bezug zur Welt, in der er lebte, wie es Marcuse in seinen Schriften explizit vollzog, muss man heute in der philosophischen Forschung lange suchen. Solcher Tobak wird heute eher noch als unwissenschaftlich abgetan. Man erkennt wohl die "himmelschreiende Ungerechtigkeit" (Habermas), aber man wendet sich dann schnell wieder den Fachfragen zu. Die Welt, in der wir leben, ist höchstens einen Exkurs wert und führt zu nicht mehr, als zur Anerkennung der "Sachzwänge". Marcuse sah sein tun wohl als Teil einer emanzipatorischen Praxis, zu der auch andere Aktivitäten gehören und darin sah er wohl überhaupt den Sinn des Denkens.
Es wäre auch egal, wenn der philosophische Betrieb zu einer Sondersparte unter anderen verkommen würde, in die sich die begeben, denen es halt Spaß macht, zu philosophieren, warum und über was auch immer. Sie verfehlte damit aber ihre eigenen Ansprüche auf das Ganze und das intrinsisch ethische Movens, das sie ausmacht.
Marcuse ist heute wohl aktueller als zu seiner Zeit. Dennoch wird er wenig beachtet und reproduziert. Zur Reproduktion gelangt im philosophischen Betrieb manchmel mehr anderes. Warum? Marcuse lehrt:
"Ihre (der etablierten Gesellschaft) Klassenstruktur und die perfekten, zu ihrer Erhaltung erforderlichen Kontrollen erzeugen Bedürfnisse, Befriedigungen und Werte, welche die Knechtschaft der menschlichen Existenz reproduzieren. Die 'freiwillige' Knechtschaft (freiwillig insofern, als sie den Individuen introjiziert ist), welche die wohlwollenden Herren rechtfertigt, kann nur durch eine politische Praxis gebrochen werden, welche die Wurzeln der Eindämmung und Zufriedenheit im Unterbau erreicht, durch eine methodische Loslösung vom Etablishment und eine methodische Weigerung, die auf radikale Umwertung der Werte abzielt. Eine solche Praxis umfaßt den Bruch mit dem Wohlvertrauten, den routinierten Weisen des Sehens, Hörens, Fühlens und Verstehens der Dinge, so daß der Organismus für die potentiellen Formen einer nicht-aggressiven, nicht-ausbeuterischen Welt empfänglich werden kann."
Oder:
"[D]as Klasseninteresse gebraucht die Massenmedien zur Werbung für Gewalt und Dummheit, zur Bestrickung der Zuhörer. Hierbei gehorchen die Herren bloß der Forderung der Öffentlichkeit, der Massen; das berühmte Gesetz von Angebot und Nachfrage etabliert die Harmonie zwischen Herrschenden und Beherrschten. Diese Harmonie ist in dem Maße vorgeformt, wie die Herren die Öffentlichkeit geschaffen haben, die nach ihren Waren verlangt, und zwar deshalb so eindringlich verlangt, weil sie in den Waren und durch sie ihre Frustration und die Aggressivität freisetzen kann, die aus jener erwächst. Selbstbestimmung, die Autonomie des Individuums, behauptet sich im Recht, seinen Wagen auf Touren zu bringen [...]." Beides aus: Versuch über die Befreiung, H.M. Schriften, Bd. 8.

lupo cattivo 29. Juli 2009 um 14:58  

Tut mir leid, ich kann es mir nicht verkneifen ;-)

Schon mal darüber nachgedacht, dass beide Seiten des immer wieder inszenierten Klassenkampfs in Wirklichkeit beide Opfer des SYSTEMS sind, wenn auch zu unterschiedlichen Bedingungen?
Dass sie nur benutzt werden, damit einer im jeweils anderen den Schuldigen bereits gefunden zu haben glaubt.... und gar nicht weiter nachdenkt, wer denn die wahren Schuldigen, wer die Gründer unseres Systems sind ?
Und genau dieser Gedanke wird hier weitergesponnen: Dass sich doch bitte das geringer entlohnte OPfer an das höher entlohnte Opfer wenden möge, dass es ihm mehr von seinem höheren Lohn überlasse...
Ein unmöglicher Gedanke für das System, denn in letzter Konsequenz würde dies den Klassenkampf beseitigen und die -immer noch- Opfer würden vielleicht beginnen nachzudenken, wessen Opfer sie sind, wer ihnen denn heimlich all diese Schulden aufgeladen hat....
Ist es der Unternehmer, der die sozialen Missstände verursacht, der den Staat ausplündert via private/public "partnership","sale&lease back", Derivat-Vorschlägen für das Staats-(i.e Bürger-) Vermögen, das sich auf diese Weise in Luft auflöst ? Ist der Unternehmer nicht auch Bürger desselben Staats ?
Wird der Raubbau an dieser Erde eher von den "Unternehmern" betrieben oder vielleicht eher auf Veranlassung der Finaziers dieser Unternehmer, deren Renditewünsche immer abenteuerlicher werden ?
Alle Opfer haben sinnigerweise ein gemeinsames Ziel: Ein System am Leben zu halten, in dem sie Opfer sind.

und was ist denn "das System" ? Wohin sind all die hunderte von Milliarden geflossen, die dem Unternehmer ebenso fehlen wie dem Arbeitnehmer und erst recht dem beiden gemeinsamen Staat.
Wann wollen wir endlich damit anfangen uns dafür zu interessieren, dass es z.B. ein Herr Knobloch ist, der erst die IKB und dann die HRE ausgeraubt hat, dass es einen Herrn Flowers gibt, der Sonderrechte geniesst und dass es in diesem Staat und allen Staate der vielgepriesenen "Demokratie nach westlichem Vorbild" wimmelt von solchen Figuren, die unerkannt Unternehmen, Bürger und Staaten ausrauben (dürfen) ?

Nein das alles darf man nicht diskutieren, da all diese Figuren vorgeben, jüdischen Glaubens und somit frei von jeglicher krimineller Neigung zu sein.
Jede andere Vermutung wäre ja Antisemitismus......

Anonym 29. Juli 2009 um 19:39  

Gibt es eine Kampagne für Wahlenthaltung mit dem Ziel wie in den USA die Schichten von der Wahl abzuhalten, die dem derzeitigen System gefährlich werden könnten.
Habe noch nicht gehört, dass die ARD dafür wirbt, dass Hartz IV - Empfänger zur Wahl gehen sollten. Weil nur so wird sich etwas ändern. Das Revolutionsgeblubber geht mir auf den Sack.
Da jeder weiss, dass die entsprechenden Schichten mit durchschnittlich 5000 Brutto im M onat sich niemals gegen das jetzige System wenden werden.
Auch in der Sowjetunion gab es eine Klasse deren Luxus durch andere erarbeitet wurde.
Wie muss Eigentum verteilt werden, damit der Markt demokratischer werde?
Hängt es nur am Eigentum?

Rainer 29. Juli 2009 um 21:27  

darf ich zitieren?: "...warum ein Revolutionär den Glauben an die Reformen nicht teilt; weil sie als kurzfristige Praxis eben leichter wie eine Lösung aussehen und weil sie aber, wenn man den Gesetzen auf den Grund geht, die Lösung nicht sein können; wenn man das Ziel mit dem "autonomen und verantwortlichen Menschen" definiert, dann hat man hier[...]die faktische Verbürgerlichung des Proletariats..."

beobachter 30. Juli 2009 um 06:05  

zu anonym
eine kampagne zur wahlenthaltung des "unteren drittels" ist wahrlich unnötig. mangels alternative haben diese menschen das wählen längst eingestellt. und nach den jüngsten verlautbarungen und taten der polit- und wirtschaftsmafia wirds nach den wahlen blutig werden, nicht nur für h4 empfänger, sondern für alle arbeitnehmer - daraus wird ja auch gar kein hehl mehr gemacht.wenn jetzt noch werbespots für die nocharbeitsplatzbesitzer mit auskömmlichen einkommen geschaltet werden, dann nur, um zumindest eine scheinlegitimation für die herrschende politik zu erhalten ohne gleich auf das rezept "wahlfälschung" zurückgreifen zu müssen. bei 10% wahlbeteiligung wäre die argumentation für eie gezielte massenausplünderung der normalbürger doch etwas schwierig.
einzige lösung wäre eben nur: wahlboykott und generalstreik - alles andere heisst: krieg gegen die bevölkerung.

Peinhard 30. Juli 2009 um 09:03  

"Wie muss Eigentum verteilt werden, damit der Markt demokratischer werde?"

Jeder müsste das gleiche 'Stimmrecht' haben... Nur sorgt 'der Markt' eben sofort wieder dafür, dass es dabei nicht bleibt.

"Hängt es nur am Eigentum?"

Nein, am ganzen Kladderadatsch aus Warenproduktion, Konkurrenz, Lohnarbeit etc - und eben auch am Eigentumsbegriff.

Lesefuchs 30. Juli 2009 um 09:50  

Guter Beitrag!
Aus meiner Sicht wird das Ganze sehr schön gesteuert. Die "Eliten" sind nicht so blöd wie sie dargestellt werden.
Warum wehrt man sich in D so kräftig gegen einen Mindestlohn oder die Erhöhung von HARTZ IV mit fadenscheinigen Begründungen?
Es ist für die derzeitige Situation unerläßlich eine UNTERSCHICHT zu haben. Wichtig ist die Masse in der Mitte ruhig zu halten. Das kann man nur, wenn man ihnen das Gefühl gibt noch relativ gut dran zu sein (eben gegenüber der Unterschicht). Würde man der Unterschicht mehr Geld geben und diese in den Stand der menschlichen Schicht (ohne Repressionen, Not und Finanzprobleme) heben, würde sich der Focus der Mittelschicht nach oben richten. Weil - SIE ist dann zur (relativen) Unterschicht mutiert! Die "menschenfreundlichen" gewählten Vertreter des Volkes werden alles daran setzen dieses System zu erhalten - wetten!
Frau Merkel ist strikt gegen die Erhöhung von HARTZ IV, weil es einen Unterschied von Arbeitenden und Nichtarbeitenden geben muß (!). Aber das etliche Arbeitnehmer jahrzehntelang eingezahlt haben und unverschuldet, einfach durch älter werden, zu Zwangs-Nichtarbeitern wurden, wird diskret ausgeblendet!
Das Transferleistungen keine Wohltätigkeiten des Staates sind, wird man auch nirgens lesen. Das ist das Geld was vom ARBEITENDEN VOLK erarbeitet wurde, also verdammt nochmal dem VOLK zusteht - egal auf welcher Seite es sich später befindet!!!
Und wenn ich dann noch lese, dass viele nicht zur Wahl gegen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. "Man kann ja doch nichts ändern"! Warum werden aber genau diese Leute schön oft in den Medien zitiert? Genau darum, damit sich diese Meinung im Hirn des Volkes einbrennt und alles bleibt wie es ist.
DAS SOLLTET IHR NICHTWÄHLER MAL IN ERWÄGUNG ZIEHEN!!!

andi1789 30. Juli 2009 um 11:41  

Da gerade die Leute, denen der gegenwärtige Turbokapitalismus wirklich die Existenz entziehen könnte oder bereits entzogen hat, für ihren Arbeitsplatz zu sterben bereit sind, fällt es mir sehr schwer, noch zu sehen, woher ein Klassenbewusstsein kommen soll. Man mag es für richtig halten, dieses einzufordern, aber wie soll es in die Köpfe gelangen? Arbeit gilt in unserer Gesellschaft als der einzige, zumindest aber wichtigste Lebensinhalt, ansonsten ist man als Mensch nicht anerkannt. Hat man keine Arbeit, ist man kein nützliches Mitglied unserer Gesellschaft, doch Arbeit wird immer knapper.

Für mich besteht folglich das Problem genau darin, dass nicht mehr genug Arbeit da ist, obwohl man diesen Umstand doch auch positiv werten könnte, führt er in der jetzigen Situation in eine Sackgasse. Nach Auffassung der Neokonservativen ist der einzig gangbare Weg, auf Teufel komm' heraus, Wirtschaftswachstum zu induzieren, in der Hoffnung, dass dann wieder mehr Arbeit gebraucht wird, flankiert von Privatisierungsmaßnahmen und Sozialabbau. Bislang hat es nicht funktioniert, denn wir sind prinzipiell seit über 30 Jahren auf diesem Kurs.

Gutmensch 2.0 30. Juli 2009 um 14:30  

Die Frage ist, ob der Prozess der Individualisierung noch aufzuhalten ist. Woher soll ein solidarisches Bewusstsein kommen, wenn man sich mit Fernsehen und anderen Formen von Hirnkleister zudröhnt und sich der Illusion des kleinen privaten Universums hingibt? Und die, die auf der Strasse sitzen, deren Heile-Welt-Blase geplatzt ist, dröhnen sich halt mit anderen Sachen zu.
Wo ist das Bewusstsein in den Favelas? Entweder, es lebt und erlebt die Gewalt, oder es flüchtet sich in die Versprechungen neuapostolischer Heilsbringer.

Peinhard 30. Juli 2009 um 15:34  

"Nach Auffassung der Neokonservativen ist der einzig gangbare Weg, auf Teufel komm' heraus, Wirtschaftswachstum zu induzieren, in der Hoffnung, dass dann wieder mehr Arbeit gebraucht wird, flankiert von Privatisierungsmaßnahmen und Sozialabbau. Bislang hat es nicht funktioniert, denn wir sind prinzipiell seit über 30 Jahren auf diesem Kurs."

Und selbst wenn es doch noch 'funktionieren' sollte - wofür es keine Anzeichen gibt, auch und gerade ein 'Green New Deal' könnte sich da als äußerst kontraproduktiv in mehrfacher Hinsicht erweisen - und auch noch 'global', dann würden wir wohl auch nur mit Karacho gegen die äußeren Schranken des 'Wachstums' stossen.

helmut-h 30. Juli 2009 um 20:47  

Ein hervorragender und zugleich beeindruckender Beitrag.
Ich habe mir sofort Herbert Marcuse aus meinem Regal geholt, und Seite 69 und 70 nochmal gelesen. Allerdings ist Peter Brückner auch lesenswert. Ich möchte hier auch auf neueres Buch aufmerksam machen: " Die Unbrauchbaren"!

Michel 31. Juli 2009 um 04:34  

@ Beobachter:

Finca und Mallorca sind zwar nicht dasselbe, scheinen jedoch dasselbe zu sein, jedenfalls für Leute, die nicht allzuviele Fragen stellen ;-P.
Was ich sagen will: der wirkliche Inhalt (Finca/Malle) ist nicht so entscheidend wie die Präsentation (Werbung) und das, was die Menschen glauben zu haben.

Wenn die Mode von H&M ähnlich genug aussieht wie die aus der Edelboutique, dann fühlt es sich an, als sei man auf demselben Level.
Seit neuestem sind z.B. enge Jeans, die wie Leggins die Beine umschließen in Kombination mit Stiefeln, gerne auch hochhackig oder ähnlichen Schuhen "in". Dass solche Jeans nur an ausgehungerten, knochigen, großen Frauen (Models) gut aussehen, ist den übergewichtigen Schwestern aus dem Kreuzviertel, deren fette Oberschenkel seitlich regelrechte "Satteltaschen" fettgefüllt ausbilden, noch lange nicht aufgefallen.
(Entschuldigt die sexistische Formulierung).
H&M ahmt zwar die Laufstegmode in Form und Stil nach, jedoch steht diese Laufstegmode der nicht-Laufsteg-förmigen Kundschaft eben nicht. Schwabbelige zellulitinöse Oberarme sehen in Spaghettiträgertops eben nicht so gut aus, aber Spaghettiträgertops sind genau das, was Frau im Sommer tragen soll.

Aber wie gesagt, die Werbung machts...



@ NICHTWÄHLER:

Wer nicht wählen geht, hat schon verloren und hilft im Prinzip nur den etablierten Parteien, die so wenigstens keine Prostestwähler fürchten müssen.

Wem die etablierten Parteien zu wieder sind, der möge doch bitte eine der nahezu 2 Dutzend anderen Parteien wählen, möchte da mal "Familienpartei" und "Piratenpartei" empfehlen.


@ Lupo Cattivo:

Ja, die Banker haben die Finanzkrise mitverursacht.

Nein, nicht alle Banker sind jüdisch und nicht mal alle Top-of-the-World-Banker sind jüdisch.

Ja, es gibt jüdische Banker, aber es gibt mehr christliche als jüdische Banker, auch auf der höchsten Ebene.

Und nein, die christlichen Banker werden nicht von den jüdischen Bankern ferngesteuert.

Ja, vermutlich kennen sich die meisten Top-of-the-World-Banker und vermutlich haben diese Banker auch gute Drähte zu vielen Spitzenpolitikern.

Nein, es sind nicht die Juden, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen.

Ja, in einem wettbewerbsorientierten und unregulierten System ist es sehr wahrscheinlich, dass sich Allianzen der Mächtigsten oder auch der Privilegiertesten bilden, die dann aufgrund ihrer Macht oder ihrer Privilegien nicht nur an der Macht und ihren Privilegien festhalten, sondern beide noch ausweiten.

Nein, die Unternehmer hängen nicht allein von den Finanziers ab, sondern viele Unternehmer betätigen sich selber als Finanziers.

Ja es ist so, dass zu dem Zeitpunkt, als die Trennung zwischen Geschäftsbanken und Investmentbanken aufgehoben wurde, das Casino-Spiel der Banken neue Dimensionen erreichte, weil ab da wirklich nicht mehr klar war, wer Banker/Finanzier(=privater Banker) ist und wer Unternehmer ist. Die Aufhebung der Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken gab Bankern/Finanziers und Unternehmern zuviel Macht, sie kontrollierten zuviele Glieder der Kette bzw. zuviele Bereiche der Wirtschaft und gestalteten sie allein nach ihren Wünschen mit einseitiger Bevorzugung von kurzfristigem Profit und gegen jeden gesunden Menschenverstand und gegen längerfristiges Denken um.

Michel 2/2 31. Juli 2009 um 04:35  

@ Gutmensch 2.0

Individuum und Gesellschaft.
Norbert Elias.

Zwischen dem Wohl für eine Gesellschaft und dem Wohl für ein Individuum besteht nicht so ein großer Unterschied, den was für ein Individuum gut ist und was auch für alle Individuen gut ist, ist gut für die Gesellschaft, denn sie besteht per Definition aus einer Menge an Individuuen.

Viele Individuen = Gesellschaft.

Nur scheint das leider vergessen zu sein, denn Differenzierungsprozesse (Arbeitsteilung und -unterteilung) und Spezialisierungsprozesse, sowie auseinanderklaffende Einkommen und daraus folgend räumlich getrennte Sozialräume (Edeldisko / Dorfdisko, Oberschichtenentertainment / Unterschichtenentertainment)
führen dazu, dass die Solidarität innerhalb einer Gruppe von Individuen auseinanderbricht.

Aus den Augen, aus dem Sinn.

Die Medien und die Politik mit ihren "divide-et-impera"- und Populismus-Spielchen tun ihr übriges dazu.

Verstärkt wird das Ganze dann noch durch den Effekt, dass kurzfristige Personalkostensenkungen (Verarmung von unten) in kurzfristige Quartalsgewinne münden und bei dem vorherrschenden kurzfristigen Denken nicht nur gewollt sondern durch die Bonus-Kultur auch noch gefördert werden.

Wer den unteren Angestellten der Firma 10% ihres Lohnes wegnimmt, ohne das Produktion oder Qualität leiden, kriegt einen Bonus.

Ausbeutung wird halt finanziell belohnt.

Langfristig geht das nicht gut.
Macht aber nix, denn da denkt keiner dran.
Und selbst wenn es langfristig nicht gut geht, kann man ja als gut ausgebildeter Manager immernoch auswandern und ein anderes Land ruinieren.

Wie gesagt, da momentan kulturell vergessen wird, dass eine Gesellschaft aus Individuen besteht und dass daher der Unterschied zwischen dem Wohl vieler Individuen und dem Wohl einer Gesellschaft nichtig ist, kann man davon ausgehen, dass es erstmal so weitergeht, bis es nicht mehr geht.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/165364/

helmut-h 31. Juli 2009 um 16:11  

Ich wünschte mir, Herbert Marcuse würde schon in den Schulen gelesen. Den Jugendlichen ihn und sein Denken im Untericht für politische Bildung näher bringen.
Wird es gehen gegen das Loyalitätsgebot der Lehrer? Was werden die Eltern sagen, wenn plötzlich Marcuse in den Schulen gelesen wird? Ihre Welt bräche zusammen! Sie wären verwirrt. Es wäre ein Anfang!

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