Der Burgfrieden lauert

Freitag, 17. Juli 2009

Tapferkeitsorden für deutsche Krieger. Allgemeine Anerkennung für gefallene deutsche Jungs. Öffentliche Bewunderung bewaffneten Heldenmutes. Ein Bundespräsident, der Uniformen kleidsam findet und sie gerne öfter bei öffentlichen Auftritten sehen möchte. Deutsche Presse die immer kriegstreiberischer schreibt und den bereits entflammten Krieg als alternativlos hinstellt. Bundeswehr-Häscher, die auf Arbeitsämtern junge Männer mit der Gewalt deren Perspektivlosigkeit shanghaien. Provinzielle Stadtfeste (wie neulich in Ingolstadt), die mit Bundeswehr-Werbestände aufwarten, flankiert von überdimensionalen Feldjägern, die ihre Schusswaffe in die Menge hineinräkeln. Truppeneinsatz für Musiker - ganz wie einst Marlene Dietrich oder wie Johannes Heesters auf anderer Seite.

Man möchte es gerne lapidar abtun, es durch ein Paar Worte des Trostes entkräften, darüber hinweggehen, aber es scheint kaum möglich. Dieses Land ist drauf und dran, seine Traditionen zu reanimieren. Es ist kein Preußen als Namensgeber nötig, um preußische Liebhaberei ins Leben zurückzuholen; der geschliffene Marschschritt, der gewichste Stiefel und der blankpolierte Uniformknopf liegen dieser Nation im Blut, liegen den hiesigen Eliten im Charakter. Deutschland hat seinen Platz in der Welt zu verteidigen, und sei es auch nur als Propagandamasche für das Inland. Es ist so oder so dienlich für diejenigen, die in Zeiten der Krise Angst haben müssen, ihren sozialen Posten zu verlieren. Wo sich bekriegt wird, da werden Einflussbereiche wankender Eliten gefestigt, da wird die rumorende Burg befriedet. Die kriegerische Gesellschaft nach Außen kann, wenn sie gut gegossen, fein gehegt und gepflegt, regelmäßig gedüngt wird, eine friedlich gewordene Gesellschaft im Inneren werden - zumindest eine Zeit lang.

Man muß annehmen, dass nach den Bundestagswahlen zweierlei geschieht. Einerseits wird nach und nach das Ausmaß an sozialen Schweinereien sichtbar werden, das notwendig wurde, um gestürzten Milliardären wieder zu ihren standesgemäßen Positionen zu verhelfen, andererseits muß das dann gärende, brodelnde, vielleicht hie und da explodierende Gemüt der Masse kanalisiert werden. Um den Vorgang der Mehrwertbildung nicht zu gefährden, damit die inzestuöse Elite aus Politik und Wirtschaft nicht ihres Standes verlustig geht, bedarf es einer Spielwiese unzufriedener Strömungen. Afghanistan, Irak und auch der Iran, der nun immer häufiger als möglicher Gegner genannt wird, werden zur blühenden Spielwiese ausgebaut - blühend verwüstet, spielend ausgeblutet, Krieg für Frieden. Dazu muß die Volksgemeinschaft beschworen werden, was sie faktisch heute schon wird. Der Burgfrieden rückt an oberste Stelle, wird Priorität in einer Gesellschaft, in der zwischen Armen und Reichen immer größere Welten liegen - die Armut verbündet sich nicht, um gegen den Reichtum zu Felde zu ziehen, sie verbündet sich mit dem Reichtum, zieht sich auf eine befriedete Burg zurück, um gegen andere arme Schweine, weit weg auf einem anderem Kontinent, Frontverläufe zu bilden. Der Burgfrieden wird das größte Projekt der neuen Koalition sein, egal aus welchen Lagern sie sich zusammensetzt; er wird der nicht erwähnte Punkt des Koalitionsvertrages sein, gelingt dieser pervertierte Frieden, lösen sich die meisten anderen Sorgen von Politik und Wirtschaft von alleine.

Wir leben in aufgeklärten Zeiten, heißt es oft. Dabei deutet man auf die tumben Jubelarien hoffnungserfüllter Menschen, die im Januar 1933 einer besseren Zukunft ins Auge zu schauen meinten. Oder man belächelt das Deutschland des Burgfriedens 1914, meint feststellen zu müssen, dass es heute unmöglich wäre, verschiedenste gesellschaftliche Gruppierungen auf den nationalen und alles vereinenden Geist zu beschwören. Diese Arroganz ist das Narrativ unserer Zeit, die sich aufgeklärt zu nennen erdreistet, aber Schritt für Schritt zur abgeklärten Unaufgeklärtheit drängt. Sehen wir uns alleine ein unpolitische Person an, wie eben jene, die bald in Afghanistan das Truppenhäschen mimen will: Pazifistin sei sie, gibt sie eindrucksvoll zu Protokoll, aber sie habe Verantwortung innerhalb der Gesellschaft qua ihrer sozialen Position. Der alles vereinende Geist der Nation hat eine angebliche Pazifistin zur verantwortungsvollen Kriegsdienstleisterin erhoben, hat sie dazu verleitet, aus Friedensmotiviation heraus, den Krieg auf ihre Weise zu unterstützen. Wielange wird es wohl dauernd, angesichts einer angeblich drohenden Atommacht Iran, bis mancher unpolitische Zeitgenosse seinem unbedarften Intellekt ein Armutszeugnis ausstellt, um kurz darauf seinen persönlichen Kriegskredit zu unterzeichnen? Dann zieht man ganz unpolitisch, pragmatisch wie man ist, ins politischste aller Ereignisse: in den Krieg. Jeder auf seine Weise, jeder mit seinen Mitteln. Der eine singt für Truppen, der andere baut Sprengsätze an Fließbändern, dieser legt Feldgrau an, jener streitet am Stammtisch für den Krieg: die uniformierte Gesellschaft uniformiert nur einige Wenige tatsächlich, aber die Gesamtheit der Menschen wird im Kopf uniformiert, marschiert im Geiste mit, legt in der Phantasie Gewehre an.

Der Krieg liegt hierzulande auf der Straße - so oder so. Entweder wird man Krieg gegen die eigenen Mitbürger führen, wird per Militär Demonstrationen auflösen und hartnäckige Oppositionelle zur Strecke bringen. Oder aber man vereidigt das ganze Volk auf neue Kriege im Ausland, in denen die Bundeswehr keine Randerscheinung mehr sein soll, sondern ein maßgeblicher Faktor in Fragen des Blutes und des Eisens. Davor hatten die Gegner der Remilitarisierung, bis 1955 und darüber hinaus, panische Angst. Mit Franz-Josef Strauß am Ruder, schien es so, als würde doch wieder Krieg vom deutschen Boden ausgehen. Niemand hätte gedacht, dass der harte Hund Strauß ein Schulknabe ist im Vergleich zum biederen Technokraten Jung; jahrzehntelang konnte man die Kritiker der Remilitarisierung mundtot machen, indem man auf die humanitären Einsätze des Heeres verwies und auf die fehlende Kriegsgeschichte dieser Armee. Spät wird man ihnen beipflichten müssen, viel zu spät werden sie zu ihrem Recht kommen, werden nochmals Ansehen erhalten - und wir dürfen es ausbaden oder im Blutbad ersaufen.

30 Kommentare:

Rainer 17. Juli 2009 um 09:52  

Oh, wie Recht Du haben könntest, bitter Recht: denn der Krieg ist nicht nur das größte Politikum, nein, hervorquellende Gedärme und abgerissene Gliedmaße, tote Frauen und Kinder gelten jenen als Weg einer Erneuerung die ihre Ordnung gefährdet sehen. Und es sind nicht die Toten in Afgahnistan oder dem Irak die die bundesrepublikanische Ordnung im Falle wieder herzustellen in der Lage sind, nein: es werden die Toten hier sein.
Der Hindukush als mental-emotionales Übungsfeld für den Einsatz im Inneren.

antiferengi 17. Juli 2009 um 13:29  

Beängstigend, aber real.
Eine vom Ehrgeiz zerfressene Nation, welche anscheinend gar nicht anders kann als ständig machtbasierend an vorderster Weltfront mit zu agieren um den Wohlstand einer Timokratie zu ihrer eigenen Daseinsberechtigung erhalten zu wollen, - zu müssen.
Das große Feld der einflußlosen Menschenmassen wird als Handlungsmasse gesehen. Bereit dazu jedes Ziel als Erhalt des eigenen Wohlstandes zu akzeptieren, und auch noch jeden Quark begeistert zum Fahneneid umzugestalten, und am Schluss so weit zu sein zu rufen:
Wohl an, - mit wehenden Fahnen.
Schwertzeit, Beilzeit, Schilde bersten,
Windzeit, Wolfzeit bis die Welt vergeht
- nicht einer will des andern schonen.

Und die anderen behalten auch danach noch die Krawatte an.

Peinhard 17. Juli 2009 um 14:45  

"...verpflichten sich, ihre militärischen Fähigkeiten schrittweise zu verbessern." (Lissabon-Vertrag)

Dazu gehört natürlich auch, gerade im zumindest ehemals 'friedensbewegten' Deutschland, das 'Volk' einzubeziehen und vorzubereiten. Dazu kann sogar der ansonsten gepredigte sog. 'Individualismus' (der ja eh nur ein sozialer Massensolipsismus ist) zugunsten einer 'Idee der Nation' wieder etwas vernachlässigt werden - die Gefahr, das daraus so etwas wie Solidarität entstehen könnte, besteht ja wohl auch nicht (mehr). Auf denn also, zu neuen (alten) Ufern der gleichgeschalteten Konditionierung. Ich warte auch schon darauf, dass die militärtechnischen Jubelsendungen ihr Nischendasein bei N24 und n-tv verlassen und - zumindest zunächst - ihren Platz auch bei RTL und ProSiebenSat1 einnehmen. Und dise 'unsere Überlegenheit' muss sich doch dann auch mal beweisen dürfen... :(

Dominik Hennig 17. Juli 2009 um 14:50  

Touché! Der beste Beitrag, den ich seit langem zur fröhliche Urständ feiernden Re-Militarisierung dieser Republik gelesen habe! Wie gerne hätte ich das auf einem libertären Blog gefunden!

Dazu noch ein 20 Jahre altes libertäres Zitat von Stefan Blankertz, dem einzigen noch zitierfähigen deutschsprachigen Theoretiker der Libertären, nachdem sich alle anderen qua Rechtsdrall desavouiert haben (und entweder Kriegsverbrechen oder Rassismus und Homophobie im Namen des Liberalismus gutheißen):



„Das Recht, die eigene Freiheit gegen Angriffe zu verteidigen, ist ein elementares Menschenrecht. In der Bundeswehr zu dienen, bedeutet jedoch mehr als einfach Verteidigung der eigenen Freiheit: es bedeutet Dienst an einer politischen Struktur. Stimmt der Wehrpflichtige mit den Zielen und der Politik der Struktur überein, gibt es keine Schwierigkeiten. Seiner Freiheit wird kein Abbruch getan. Er hat sich dafür entschieden. Wenn ein Wehrpflichtiger allerdings nicht mit den imperialistischen Zielen und der Abschreckungsstrategie der NATO einverstanden ist, sieht es anders aus. Denn Wehrdienstverweigerung ist nur aus „Gewissensgründen“ möglich, nur überzeugten Pazifisten erlaubt. Und auch Verweigerer werden zu einem Dienst am Staat, im Auftrage des Staates gezwungen, dem Ersatz- oder Zivildienst. Das offenbart die Vorstellung aller Etatisten: Jeder Mensch ist verpflichtet, dem Staat zu dienen, notfalls für ihn zu sterben. Der Schritt zum faschistischen Arbeitsdienst ist geringer als demokratische Politiker uns glauben machen wollen. Die volkstümliche Beschimpfung von Verweigerern und besonders von Totalverweigerern als „Drückeberger“ zeigt tatsächlich Reste faschistischer Staatsideologie.

Ob wir nun den Wehrdienst verweigert haben oder nicht, ob wir mit der NATO-Politik einverstanden sind oder nicht, wir zahlen für die Rüstung und die Durchführung jener Politik […] Dagegen gibt es keine legale Verweigerung. Mit jeder Mark, die wir an direkten oder indirekten Steuern zahlen, helfen wir, die NATO zu finanzieren. Da Freiheit nur durch Freiwilligkeit verteidigt werden kann (alles andere führt zu Selbstwidersprüchen), sind die Reden der etablierten Politiker pure Demagogie.

Militärdienst und Steuern für die Rüstung sind die Staatsfunktionen in ihrer reinsten Form: Zwang wider Vernunft und Wissen zu Krieg, Kriegsvorbereitung und Kriegsfinanzierung. Ob feudalistisch, monarchistisch, aristokratisch, demokratisch, nationalistisch, faschistisch, rassistisch, sozialistisch, kommunistisch – Staat und Krieg waren historisch Identitäten, sind es heute und werden es immer bleiben. Dennoch verbreiten linke Kriegsgegner gern, es sei private Industrie, die Krieg und Imperialismus brauchen und unterstützen würde. Tatsächlich ist es eine unheilvolle Situation, daß der Staat mit den Steuergeldern der Rüstungsindustrie die Forschung finanziert und Aufträge garantiert; die Konzerne aber ziehen die Profite daraus und aus dem Handel mit Waffen in andere Länder. Unbestreitbar sind die Vertreter der Rüstungskonzerne an Aufrüstung interessiert und wehren sich gegen Beschränkungen im Waffenhandel. Wenn solche Beschränkungen bestehen, findet die Industrie Mittel und Wege, sie zu umgehen. Doch es heißt, Ursache und Wirkung zu vertauschen, wenn die Konzerne als Urheber von Aufrüstung und Imperialismus gesehen werden: Sie selbst sind vom Staat „produziert“. Sie existieren nur darum, weil der Staat sie finanziert.

Der Staat eignet sich die Körper seiner jungen Bürger an, befiehlt ihnen, sich zum Töten ausbilden und im Ernstfall töten zu lassen; und er eignet sich privates Eigentum an, um Kanonen bauen zu lassen. Kampf gegen Kriegsgefahr und Imperialismus ist Kampf gegen die etatistische Ideologie, daß der Staat ein Anrecht auf die Arbeitsleistung seiner jungen Bürger hat; gegen die Forderung des Staates, daß alle Bürger seine Verteidigungs-Bemühungen und die Profite der Rüstungsindustrie finanzieren.“

Stefan Blankertz „Politik der neuen Toleranz. Plädoyer für einen radikalen Liberalismus“, 1988, auf S.119

Marco 17. Juli 2009 um 15:09  

Die Kritik am Neo-Militarismus ist notwendig und berechtigt, aber das:

"(...) der geschliffene Marschschritt, der gewichste Stiefel und der blankpolierte Uniformknopf liegen dieser Nation im Blut (...)"

ist ein rassistisches Erklärungsmuster. Und so harmlos es daherkommt, es ist geeignet, den gesamten Beitrag zu diskreditieren. Weg damit!

Dominik,

ja, es ist schon etwas schade, in welche Richtung sich die libertäre Szene entwickelt (nicht dass ich etwas dagegen hätte, sich mit intelligenten Rechten und intelligenten Linken auszutauschen, aber bei EF bildet sich in der Tat zunehmend ein "rechter" Schwerpunkt). Aber, da liegt's halt auch an uns Ex-Rechtsliberalen, Jetzt-Anarcholibertären mal grundsätzlich gegenzuhalten. Beschweren alleine bringt ja nix. ;)

Roberto J. De Lapuente 17. Juli 2009 um 15:37  

"...ist ein rassistisches Erklärungsmuster. Und so harmlos es daherkommt, es ist geeignet, den gesamten Beitrag zu diskreditieren. Weg damit!"

Das kann einen nur sauer aufstoßen, wenn man sich als Teil einer Nation fühlt, wenn man glaubt, man sei Mitglied dieser höchst künstlichen Einrichtung, die sich unlängst als Nation in die Geschichtsbücher schrieb. Was daran letztlich rassistisch ist, ist schwer nachvollziehbar, weil einerseits die jüngere deutsche Geschichte bewiesen hat, dass dieses Kunstgebilde Nation immer fröhlich zum Schlachten fuhr, weil andererseits eine antinationalistische Position nichts mit Rassismus zu tun hat. Oder provozierender gesagt: Diese Passage kann nur sauer aufstoßen, wenn man sich als Nationaljünger betrachtet, als deutscher Nationalist, der sich dann zudem noch als eigene Rasse begreifen möchte.

Roberto J. De Lapuente 17. Juli 2009 um 15:43  

Zumal, und das sollte noch angemerkt sein, der besagte Satz unzureichend zitiert wurde. Er lautete:

"...liegen dieser Nation im Blut, liegen den hiesigen Eliten im Charakter."

Damit darf sich das Mitglied des Kunstgebildes, der Angehörige der deutschen Nationalrasse, fein zurücklehnen und alle Schuld auf seine Eliten schieben. Denn es entspricht dem Charakter der hiesigen Eliten, sich ins Kriegerische zu begeben, wann immer Profit blüht, wann immer ihre Position in Gefahr ist.

Peinhard 17. Juli 2009 um 16:30  

Das anarcholibertäre Traktat darf oder muss aber auch kritisiert werden in seiner konstuierten Gegensätzlichkeit von 'Staat' und 'Privat', die vielmehr eine Einheit bilden und immer gebildet haben. Es zieht auch nicht nur der Staat seine Bürger zu irgendwelchen Wehrdiensten heran, auch in Friedenszeiten ist ihm der Bürger nicht viel mehr als 'Kanonenfutter' - nur dann eben für die Privatindustrie, der er, gezwungen unter anderem durch die Aufrechterhaltung der Eigentumsverhältnisse, zur 'Verwertung' zur Verfügung zu stehen hat. Der Zwang, sich zu 'verdingen' verletzt eine wirkliche Freiheit nach Maßgabe der Freiwilligkeit ganz ebenso wie die Wehrpflicht - nur kommt sie als 'stummer', 'unpersönlicher' Zwang daher. Letztlich ist die Alternative 'Privat statt Staat' nichts anderes als die Umkehrung von 'Staat statt Privat' - beide (wie natürlich auch alle Zwischenstufen) verlassen nicht den gemeinsamen geistesgeschichtlichen Boden des Liberalismus seit Hobbes mit seinem Kampf aller gegen alle - und das ist es, woran bisher auch alle darauf aufbauenden 'Gesellschaften' und ihre 'Bürger' zu leiden hatten und haben.

Anonym 17. Juli 2009 um 17:03  

Hallo Roberto J. de Lapuente,

fulminanter Text, und gerade passend in einer Zeit, wo eine engagierte Afghanin selbst die militaristische Kriegspolitik - nicht allein Deutschlands, sondern auch der USA und der NATO - als solche in einem hochaktuellen Buch geiselt:

"Ich erhebe meine Stimme - Eine Frau kämpft gegen den Krieg in Afghanistan" von Malalai Joya (der Name selbst ist ein Pseudonym, der von einer afgh. Freiheitskämpferin entlehnt wurde).

Mehr dazu auf der Homepage des Piper Verlages:

http://www.piper-verlag.de/sachbuch/buch.php?id=13464&page=suche&auswahl=a&pagenum=1&page=buchaz&PHPSESSID=fe832542edd4523513d9ddefbeeea435

Wer das Geld dazu, der soll sich dieses Buch, dass mit den Lügen der Taliban, ebenso wie mit denen der Regierung Karsai und der USA bzw. der NATO als Kriegslügen aufräumt besorgen - Es ist ein echter Augenöffner über die Informationssperre, die unsere kriegstreiberischen westl. Länder über die wahren Ausmaße des Terrors (von ALLEN Kriegsparteien, nicht allein den Taliban) an der afgh. Zivilbevölkerung betrieben und betreiben.

Die wichtigsten Verbündeten, eben die Regierung Karsai in Afghanistan sind selbst Kriegsverbrecher - Malalai Joya nennt die sogar Faschisten, was ihr den Ausschluß aus dem afgh. Parlament einbrachte....

Ich kann das Buch nicht ganz beschreiben, wie bereits erwähnt lest es selbst.....

Übrigens, auch bei Obama ist Malalai Joya oberskeptisch, und dies aus gutem Grund, da er die Kriegspolitik der Bush-Regierung nicht als Kriegsverbrechen verurteilt hat, und weiter in Afghanistan - incl. republ. US-Verteidigungsminister - Krieg führen läßt.

Interessant auch, die junge Frau schreibt - unter Pseudonym - aus Afghanistan selbst, weil die seit ihrem Ausschluß aus dem afgh. Parlament ihres Lebens nicht mehr sicher ist - nicht durch die Taliban, sondern die Warlords und Karsai incl. Taliban ist diese Frau gefährdet, weil die einfach nur die Wahrheit über den Krieg in ihrem Land ausspricht, ohne Furcht.

G. G. 17. Juli 2009 um 18:18  

Sie haben es auf den Punkt gebracht. Vielen Dank.

Doch wie können wir überleben?

Manul 17. Juli 2009 um 21:28  

... und es gibt viel mehr Menschen, als man glaubt, die das auch gut finden und die auch darüber applaudieren, dass die deutsche Rüstungsindustrie eine der effizientesten weltweit ist. Wen interessiert da schon, wer diese Ausrüstung und Waffen bekommt.

Ja Deutschland militarisiert sich zusehends. Falscher Heldenkult und Tapferkeitsmedalien sind nur ein Synonym davon - richtig beänstigend finde ich es, dass inzwischen selbst auf kleinen Stadtteilfesten der obligatorische Bundeswehrstand nicht fehlen darf. Die Präsenz ist einfach unübersehbar geworden und das ist für mein Geschmack viel zu viel Militärpräsenz.

Michel 18. Juli 2009 um 00:09  

Okay, es ist ein bischen neben dem Thema, aber zum Thema "Eliten" passt es hervorragend, insbesondere zum Themenkomplex "Eigentümerfamilien Porsche und Piech", Oberschichten-Filz, Ausbeutung der Unterschicht, Steuergeschenke für diejenigen, die schon viel haben...:


"
[...]
Nun sieht VW seine Chance gekommen und will bei Porsche einsteigen. 49,9 Prozent der Anteile wollen sich die Wolfsburger Manager sichern. Bis zu 4 Mrd. EUR soll der Deal kosten.
Nutznießer werden die Familien Porsche und Piech sein. Knapp 3 Mrd. EUR würden ihnen nach Abzug der fälligen Steuern bleiben.

Doch wozu hat man Freunde, andere würden sagen Erfüllungsgehilfen, in der niedersächsichen Landesregierung? So soll jetzt mit Billigung von CDU-Ministerpräsident Wulff von VW-Finanzplanern eine Konstruktion entwickelt werden, mit der die Familien Piech und Porsche um die Zahlung der rund 1 Mrd. EUR fällige Steuern herumkommen.
Dazu sollen massiv Steuerschlupflöcher genutzt und bspw. neue Firmen gegründet werden, um die Milliarden aus dem Deal zwischen zu parken. Ein VW-Manager dürckt es so aus:

"Das ganze ist legal, aber wir greifen tief in die Steuertrickkiste."

CDU-Ministerpräsident Wulff, dessen Bundesland Niedersachsen mit 20,26 Prozent an VW beteiligt ist, kennt das Vorhaben und hat zusammen mit dem VW-Aufsichtsrat den Aktivitäten zugestimmt.

Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein CDU-Ministerpräsident unterstützt einen Plan, der nichts anderes vorsieht, als dem Finanzamt 1.000.000.000 EUR vorzuenthalten, auf Kosten der Steuerzahler.
[...]
"

http://www.informelles.de/2009/07/16/niedersachsen-will-piech-1-mrd-steuern-schenken/

(via Fefes Blog: http://blog.fefe.de/)


Ich denke, wir sind schon viel weiter, als Herr De Lapuente die Situation beschreibt. Wir werden längst von einer Oligarchie regiert, die sich Posten zuschachern, die Unterschicht ausbeutet, Steuern (legal) nicht bezahlt, dem Volk nach dem Maul redet und der Wirtschaft nach Bedarf Geld und andere Hilfestellungen zuschiebt usw.

Anonym 18. Juli 2009 um 00:13  

Die Zeichen der Zeit - ich mag die Floskel eigentlich nicht sonderlich, aber der Artikel führt sie einem vor Augen. Aufgeklärt ist nicht das Volk, das war es vielleicht nie, bzw. tragischerweise nur zu Teilen, sondern schlimmer: die Eliten sind aufgeklärter. Ich komme nicht davon ab, dass dahinter ein ganz gezieltes Vorgehen steckt, viel gezielter als jemals in der Geschichte zuvor. Und es läuft genau darauf hinaus, was dieser Artikel wieder gibt: Remilitarisierung, das Ablenken der Aggression in fernere Gefilde. Es wird an Feindbildern gearbeitet, es wird für die Bundeswehr geworben, es wird vor der eigenen Haustür betrogen, belogen und ausgenommen, dass sich die Balken biegen.

Ich glaube wohl nicht, dass irgendwelche Rothschilds und Freimaurer dahinter stecken, aber sehr wohl zielgerichtete Impulse aus der globalisierten Elite, die längst weiß um eine Zukunft, in der es nicht mehr für alle reicht. In der es nicht mehr für alle reicht, weil sie selbst mit dafür gesorgt haben und sorgen.

Ich denke, die sogenannten Elite hat aus genau dem Grund auch panische Angst. Noch könnte es immer noch anders für sie ausgehen. Dass sich eben nicht das einstellt, was ihnen genehm ist, sondern dass das "Volk" sie entlarvt und "absetzt" - diplomatisch ausgedrückt. Wir befinden uns in eine höchst labilen Phase, was kaum jemand wahrnimmt, aber bei all den Dummheiten, die mir täglich zu Ohren kommen, gibt es doch eine für die Elite brandgefährliche Tendenz. Ich staune selbst ein wenig, wenn ich hie und dort die mögliche, drohende Mehrwertsteuer-Erhöhung erwähne, mit der höchstwahrscheinlich die Milliarden für die ach so "systemrelevanten" Banken finanziert werden soll. Das ist etwas, wo sofort jeder merkt, dass da am eigenen Geldbeutel gezerrt wird. Darauf reagieren die Zuhörer, und zwar recht klar.

Ich denke, es gibt berechtigte Hoffnung.

Anonym 18. Juli 2009 um 10:17  

@Manul

Du schreibst:

"[...]Ja Deutschland militarisiert sich zusehends. Falscher Heldenkult und Tapferkeitsmedalien sind nur ein Synonym davon - richtig beänstigend finde ich es, dass inzwischen selbst auf kleinen Stadtteilfesten der obligatorische Bundeswehrstand nicht fehlen darf. Die Präsenz ist einfach unübersehbar geworden und das ist für mein Geschmack viel zu viel Militärpräsenz[...]"

In Frankreich sieht es, im Verein mit Deutschland, auch nicht besser aus. Bei uns gibt es jedes Jahr in einem Nachbarort ein Stadtfest, dass dieses Jahr dadurch "glänzte", dass die deutsch-französische Brigade in voller Montur - zum Jubiläum dieser Brigade - durch die Feststraße marschierte.

Ein kleines Häufchen Friedensbewegter demonstrierte entrüstet gegen diesen Marsch durch die Ortschaft während eines jahrzehntelang stattfindenden Stadtfestes, dass bisher immer ohne Militär auskam, die Mehrheit der Bürger beklatschte diesen militärischen Aufmarsch sogar noch, und es gab auch eine Messe für die Soldaten.

Ich lebe übrigens im badischen Teil von Baden-Württemberg, dass eigentlich eine andere Tradition hat, eine rebellische, aber davon merkte man an diesem Tag nix, die Bürger hier sind so etwas von geschichtsvergessen, dass Öttinger denen sogar einen Nazi-Verbrecher als Widerstandskämpfer verkaufen kann, wenn er Marine-Richter im NS-Staat war.

Traurig, aber leider wahr.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Peinhard 18. Juli 2009 um 10:52  

@Anonym 0:13

Aber was, denkst du, würde oder könnte passieren...? Mit der Absetzung geschweige denn der Ersetzung der 'Eliten' wäre ja wenig oder nichts gewonnen. Ein paar Leute würden ihre Pfründe verlieren, aber solange die wunderbare Maschine Marktwirtschaft mit ihren 'Sachzwängen' weiterläuft, würden sogar sowas wie 'Selbstverwaltungen' nur wieder auf (dann Selbst-) Ausbeutungen hinauslaufen. Im Grunde wäre das nur eine neue, weitere Stufe - von der Diktatur über die (parlamentarische Schein-) Demokratie hin zur völligen Verinnerlichung dieser 'Sachzwänge', die gar keine Regierung mehr bräuchte.

Die strukturelle, anonyme Gewalt, die dieser ganzen Veranstaltung innewohnt bliebe nicht nur unangetastet, sondern würde sich sogar ein weiteres mal verschärfen. Und wenn ich sehe, wie 'verroboterisierte' und 'verhausschweinte' Leuts in politischen Foren (zB im Forum der Tagesschau) sogar selbst noch Vorschläge machen, wie man sie noch effektiver ausbeuten könne (zB aktuell 'Man könnte auch früher anfangen zu arbeiten' als Reaktion auf die 'Rente mit 67') - dann könnte ich schon wieder alle Hoffnung fahren lassen...

Anonym 18. Juli 2009 um 11:20  

Ergänzung:

Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass der Marsch, den ich hier schildere, von einem Schlachtfeld des 1. Weltkrieges im Elsaß nach Baden ging, und eben auf beiden Seiten des Rheins als neue deutsch-französische Freundschaft gefeiert wurde, während die Friedensbewegung hier kritisierte, dass es eine schöne Freundschaft ist, die eine Brigade feiert, die in Afghanistan im NATO-Kampfeinsatz steht.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Patte 18. Juli 2009 um 17:56  

@Roberto:
Ich muss Marcos Einwand leider zustimmen (was die Gesamtheit deines Artikels betrifft: volle Zustimmung):

"im Blute liegen"...das ist nichts anderes als würde ich ein paar egoistische und geldgierige Juden herausgreifen und pauschal sagen: 'Den Juden liegt es im Blut, Geld zu scheffeln und nur für sich zu arbeiten." Oder anders ausgedrückt: "Den Türken liegt es im Blut, Frauen zu schlagen." Stellt euch den Aufschrei vor, würde das hier im Blog stehen - zurecht käme der Aufschrei dann. Und nur weil dort "den Deutschen liegt es im Blut" steht, ist es nicht besser. Gleicher Schutz für alle. Sonst landen wir in der Doppelmoral. (By the way, die gleich Qualität hätte es, würden Anti-Deutsche in bezug auf die NS-Zeit vom "deutschen Tätervolk" zu schwafeln...)

"Das kann einen nur sauer aufstoßen, wenn man sich als Teil einer Nation fühlt, wenn man glaubt, man sei Mitglied dieser höchst künstlichen Einrichtung, die sich unlängst als Nation in die Geschichtsbücher schrieb. Was daran letztlich rassistisch ist, ist schwer nachvollziehbar, weil einerseits die jüngere deutsche Geschichte bewiesen hat, dass dieses Kunstgebilde Nation immer fröhlich zum Schlachten fuhr, weil andererseits eine antinationalistische Position nichts mit Rassismus zu tun hat. Oder provozierender gesagt: Diese Passage kann nur sauer aufstoßen, wenn man sich als Nationaljünger betrachtet, als deutscher Nationalist, der sich dann zudem noch als eigene Rasse begreifen möchte."

Vielleicht schreibst du ja mal einen Artikel über Nationen auf der Welt (gerade du als jemand mit ausländischen Vorfahren) und darüberhinaus was du von Anti-Deutschen und ihren Positionen hälst? :-) Würde mich interessieren. Man muss nicht "Nation" sagen, "Volk" ist ähnlich gelagert. Meine These: Würde man Nationen "abschaffen", käme das einer Selbstverleugnung und Geschichtstilgung gleich (jede Nation hat schließlich ihr "Erbe", und ohne Nation gäbe es auch kein kollektives Gedenken der Nazi-Opfer!), zu bedenken geben sollte man jedoch, dass Nationen sich immer aus mehreren Identitäten speisen (es gibt nicht DIE "deutsche Identität", sondern mehrere, auch Gerald Asamoah - als Beispiel für einen Eingewanderten - hat eine, die meisten merken es bloß nicht). Discuss (an anderer Stelle). :)

Roberto J. De Lapuente 18. Juli 2009 um 18:32  

Ja, aber versteht Ihr denn nicht, dass ein Unterschied zwischen Nation, so wie ich den Begriff gebrauche, und wie ihr ihn gebraucht besteht? Ich hätte besser schreiben können "die Idee der Nation", denn Nation sind für mich keine Menschen, weil sich Menschen nicht unter Abstraktionen subsummieren lassen. Die Idee der Nation generell, aber gerade auch die Idee der deutschen Nation, ist eine blutige Idee, eine militärische Idee - speziell hierzulande, weil man Nation als Blutverwandtschaft begriff, nicht wie in anderen Nationenideen, als historische Zusammengehörigkeit.

Der Idee der Nation liegt das Militärische im Blut. Das ist nichts Rassistisches, es ist schlicht und ergreifend die verkürzte Wiedergabe trauriger Wahrheit. Eine deutsche Nation gibt es für mich nicht, weil es immer nur die Idee einer deutschen Nation gibt. Und - nochmal: Diese Idee ist militärisch gewesen hierzulande, das fing in Sedan an, wurde dann in Kolonien kanalisiert, trat 1914 wieder hervor, blieb bis dahin relativ präsent bis 1945 und wurde zur Remilitarisierung wieder aktuell - wie es heute aussieht, siehe oben.

Anonym 18. Juli 2009 um 18:43  

@Roberto J. de Lapuente

Ich versteh schon, als Deutscher der sich nichts auf den Zufall der Geburt einbildet, aber ob andere in Deutschland - in Zeiten des Rechtsrucks - dies verstehen ist fraglich.

Ich stimme dir völlig zu, denn genauso habe ich es auch gelernt war die "deutsche Nation" angeht.

Übrigens, wir Deutschen feiern ja die Varusschlacht, als der deutsche Nationalheld Hermann der Cherusker, Arminius, seinen römischen Freund und Vorgesetzen Varus verriet.

Die Hermansstatue zeigt mit dem Schwert nach Frankreich, ein wahres Sinnbild für den typisch deutschen Nationalismus nach 1871 - den dieser "Nationalheld" sollte den Franzosen zeigen: Euch geht es wie Varus, wenn ihr uns Deutschen auf den Wecker geht.

Es gibt noch eine andere, weniger militaristische Version dieses dt. Nationaldenkmals, ein nachdenklicher Held, der sich auf sein Schwert stützt, aber dank dt. Militarismus und Nationalismus damals hatte diese - nicht provozierende Version - nie eine wahre Chance.

Übrigens auch deswegen nicht, weil die Geldgeber dieses Denkmals nach 1871 die dt "Eliten" waren, deren Urenkel uns heute wieder terrorisieren dürfen.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Patte 18. Juli 2009 um 20:02  

@Roberto:

"Der Idee der Nation liegt das Militärische im Blut."

Quatsch. Ideen sind immer etwas Gedachtes, dem menschlichen Geiste entspringendes und jeder neu auf die Welt gekommene Mensch bringt andere Ideen (welche natürlich durch Sozialisierung etc. geprägt sind) ein, Ideen sind nicht determiniert und Nationen schon gleich gar nicht. Nationen sind nicht künstlich ("unnatürlich"), sie sind historisch gewachsen, sie sind menschlich, weil sie menschlichen Ideen von Zusammengehörigkeit, Projektionsbedürfnissen usw. entspringen. Die Ideen von Nationen können pervertiert werden, jedoch: Nationen (Völkern) ist ein verachtendswerter Nationalchauvinismus NICHT immanent. Wer sowas sagt oder im Kern ausdrücken will, der sollte es - wenn schon, denn schon - auch auf andere, am besten alle Völker anwenden, damit er am Ende keine einseitige Kritik betreibt.

Was ist denn mit dem Zeitalter, als die Welt noch nicht aus "Nationalstaaten", sondern nur kleinen Stammesgesellschaften bestand (wo es auch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl gab und die "Stammes-Idee" anstelle der "Idee der Nation" gab)? Willst du diesen Stämmen etwa auch etwas zutiefst "chauvinistisches" unterstellen? (ja, sie haben untereinander viele blutige Schlachten geführt, und?)

Ich bin auch kein Freund der amerikanischen Innen- und Außenpolitik (die amerikanische Nation wurde sogar auf Genozid gebaut), aber mir würde es nicht im Traum einfallen, alle Amerikaner zu beleidigen, indem ich sage: 'Der amerikanischen Nation liegt das Ausbeuten fremder Staaten, der Kapitalismus und der Imperialismus im Blut', dann müsste ich meinen ganzen amerikanischen friedensliebenden, sozialistisch eingestellen Freunde beleidigen, ihnen grundsätzlich misstrauen und sie verurteilen, weil so ein Satz impliziert, dass meine Freunde sich noch so sehr bemühen könnten, sie würden eine "gute" amerikanische Nation niemals hinbekommen. Und wende das mal auf Deutschland an...

Anderes Beispiel: Was ist mit der deutschen Verfassung? (nur ein Stück Papier?) Die müsstest du ablehnen, wenn du die deutsche Nation ablehnst. Beides geht nicht, sonst beweist du keine Konsequenz. Du kannst es natürlich auch umbenennen, aber damit landest du dann eben in der angesprochenen Selbstverleugnung. Es ist eben keine "französische", sondern eine "deutsche Verfassung". Das Deutsche Grundgesetz.

Du solltest "das Deutsche" nicht den Nazis und Rechtskonservativen überlassen, indem du dich auf solche Argumentations-"Sackgassen" einlässt, Roberto. Finde ich.

Anonym 18. Juli 2009 um 23:44  

Patte schreibt:

"[...]Was ist denn mit dem Zeitalter, als die Welt noch nicht aus "Nationalstaaten", sondern nur kleinen Stammesgesellschaften bestand (wo es auch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl gab und die "Stammes-Idee" anstelle der "Idee der Nation" gab)? Willst du diesen Stämmen etwa auch etwas zutiefst "chauvinistisches" unterstellen? (ja, sie haben untereinander viele blutige Schlachten geführt, und?)[...]"

Lieber Patte,

genau diesen Chauvinismus gab es aber auch bei Stämmen, nicht nur bei Nationen, die trieben es nur in weitere Ausmaße.

Hinweis gefällig?

Schau mal bei "Little Big Man" vorbei, da sind alle Cheyenne "Menschenwesen", die anderen nicht - Also wenn das kein typischer Stammes-Chauvinismus ist, was dann?

Übrigens, sogar Schimpansen neigen zur Ausgrenzung von Artgenossen, und Nationenbildung - ergo Chauvinismus, so sieht es die Evolutionisbiologie.

Die menschliche Natur ist eben diesen Chauvinismus nicht zu teilen, sondern ihn zu verdammen, was eben manchmal geschieht und manchmal nicht.

Dein Urteil von "Stämmen" als "edle Wilde" ist übrigens selbst stark Nationalismusverdächtig.

Wo gab es je "edle Wilde", wenn nicht bei den frühen nationalistischen Ideologien?

Ich denke man sollte hier sehr vorsichtig sein, auch du, um nicht das Geschäft der Rechtsextremen und des Alltagsrassismus zu betreiben.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Noah Sow, oder so ähnlich, eine schwarze Deutsche sieht es übrigens ähnlich was die Ideologie vom "edlen Wilden" angeht, und das Buch von ihr lege ich jedem ans Herz der mal was vom typisch dt. Alltagsrassismus gegenüber fremd aussehenden erfahren will. Wie schon erwähnt: Noah Sow ist dt. Staatsbürgerin, was aber nicht verhindert hat, dass sie täglich mit Pro- und Negativvorurteilen über Schwarze belästigt wird, von dt. dies nicht besser wissen.

Michel 19. Juli 2009 um 04:00  

"Quatsch. Ideen sind immer etwas Gedachtes, dem menschlichen Geiste entspringendes und jeder neu auf die Welt gekommene Mensch bringt andere Ideen (welche natürlich durch Sozialisierung etc. geprägt sind) ein, Ideen sind nicht determiniert und Nationen schon gleich gar nicht. Nationen sind nicht künstlich ("unnatürlich"), sie sind historisch gewachsen, sie sind menschlich, weil sie menschlichen Ideen von Zusammengehörigkeit, Projektionsbedürfnissen usw. entspringen. Die Ideen von Nationen können pervertiert werden, jedoch: Nationen (Völkern) ist ein verachtendswerter Nationalchauvinismus NICHT immanent."


1. Doch, Nationen sind künstlich und es ist meist eine politische und militärische Angelegenheit, wo die Grenzen zwischen zwei Nationen gezogen werden.
Frankreich, Schweiz, Österreich, Italien und Sizilien gehörten einst zum hl. röm. Reich dt. Nation, aber niemand käme auf die Idee, diese Länder heute zu Deutschland dazuzurechnen.
Das Königreich Bayern war lange weder deutsch noch sonstwas, sondern eben bayrisch - heute ist es deutsch.

Nationen sind künstliche Gebilde und der ganze Unsinn von wegen "sprachliche und historische und rassische Gemeinsamkeiten" ist Blödsinn.
Österreichisch ist ein für Deutsche noch irgendwo verständlicher Dialekt, genauso wie Schwitzerdeutsch und Niederländisch vor allem für viele Norddeutsche.
Auch genetisch dürften sich die Deutschen nicht allzusehr von Österreichern, Schweizern oder Niederländern unterscheiden.
Auch historisch haben wir durchaus einiges gemeinsam, manchmal standen wir sorgar unter gemeinsamer Oberherrschaft.

heute wird dir hingegen jeder Österreicher, Schweizer oder Niederländer erklären, er sei Ös / Schw / Niederl.

Nationen sind künstlich, geschaffen meist durch Krieg oder politisches Verhandlungsgeschick, seltener durch Heiraten.

Ach ja, wie ich schonmal festgestellt hatte, ist es wieder zeitgemäß, Darwinismus als "Überleben des Stärkeren" zu interpretieren,
(das ist übrigens falsch, Überleben des am besten an die Umwelt angepassten")
und auch sonst allen möglichen Schwachfug auf Gene / Rasse zurückzuführen
(siehe "Finanzgier ist angeboren", u.a. mit der Schaeffler-Frau und Deutschlands Disziplinpädagogen Bernhard Bueb).

Schon als Eva Herman mit ihrem "Nicht-alles-an-den-Nazis-war-schlecht" oder als der Papst ein paar Holocaustleugner wieder heimholte, hätte man aufhorchen sollen.

Die Blut-Boden-Eisen-Ideologie ist wieder in. Mist.

Peinhard 19. Juli 2009 um 08:46  

Ich kann natürlich nur für mich sprechen, nicht für Roberto:

"Der amerikanischen Nation liegt das Ausbeuten fremder Staaten, der Kapitalismus und der Imperialismus im Blut"

würde ich wiederum auch umformulieren in

"Der Idee der Nation liegt das Ausbeuten fremder Staaten, der Kapitalismus und der Imperialismus im Blut"

Denn die historische Gleichzeitigkeit des Aufkommens von 'Nation', 'Kapitalismus' und damit des 'Imperialismus' und des 'Ausbeutens fremder Staaten' ist keine Koinzidenz, sondern tatsächlich eine 'logische Einheit'.

Und das deutsche Grundgesetz ist natürlich letztendlich nur ein Stück Papier - das wiederum die 'Nation' vorraussetzt. Ich hätte oder habe einiges daran auszusetzen, denn tatsächlich ist es eine kapitalistische Verfassung. Was aber nicht heisst, dass ich nicht auf ihre positiven Seiten poche und sie verteidige, solange die Dinge so liegen wie sie liegen. Ganz genauso verhält es sich übrigens auch mit den berühmten 'Menschenrechte', die, insbesondere wenn man sich den Teil der sogenannten 'sozialen Menschenrechte' betrachtet, ebenfalls nur 'Menschenrechte im Kapitalismus' sein können.

Jeder 'Sozialismus', der meint diese Dokumente so beibehalten zu können oder gar zu müssen, kann nur ein 'merkwürdiger' Sozialismus sein - ein Abkömmling des Kapitalismus wie eben der auch der 'real existierende'.

Patte 19. Juli 2009 um 16:03  

@Anonym:
Danke für deine Unterstellung. Von "edlen Wilden" (und damit Rassismus) habe ich nirgendwo geschrieben (das hast du dir zusammenphantasiert), noch habe ich negiert, dass nicht auch Stämme kriegerisch waren! (guck dir meine eine Klammer an) Es erfolgte also keine Glorifizierung.

@Michel:

"1. Doch, Nationen sind künstlich und es ist meist eine politische und militärische Angelegenheit, wo die Grenzen zwischen zwei Nationen gezogen werden.
Frankreich, Schweiz, Österreich, Italien und Sizilien gehörten einst zum hl. röm. Reich dt. Nation, aber niemand käme auf die Idee, diese Länder heute zu Deutschland dazuzurechnen."

Was dafür spräche, dass "nationen" keine festen Gebilde sind, sondern sich verändern können. Und weiter? Mehr sagst du nicht mit deiner Theorie.

"Nationen sind künstliche Gebilde und der ganze Unsinn von wegen "sprachliche und historische und rassische Gemeinsamkeiten" ist Blödsinn."

Ich muss gerade an mich halten, dir nicht irgendein Schimpfwort entgegenzuschmettern...mit keiner Silbe habe ich von "rassischen" Gemeinsamkeiten gesprochen! Das ist doch wohl der Gipfel, mir sowas zu unterstellen. Lass deine Phantasie mal bitte untersuchen.

"Auch genetisch dürften sich die Deutschen nicht allzusehr von Österreichern, Schweizern oder Niederländern unterscheiden."

Jetzt bringst du die "Genetik" ins Spiel, ich fasse es nicht! Kein Mensch sprach von "Genetik".

"heute wird dir hingegen jeder Österreicher, Schweizer oder Niederländer erklären, er sei Ös / Schw / Niederl."

Und du würdest also genau wie Roberto ohne zu zögern z.B. folgenden Satz sagen/schreiben: "Es liegt den Schweizern im Blut, ihr Geld zu horten (oder ähnliches)"???

"Ach ja, wie ich schonmal festgestellt hatte, ist es wieder zeitgemäß, Darwinismus als "Überleben des Stärkeren" zu interpretieren,
(das ist übrigens falsch, Überleben des am besten an die Umwelt angepassten")"

Stimmt, aber von Darwin habe ich ja auch nirgendwo gesprochen. Paranoia deinerseits?

Patte 19. Juli 2009 um 16:03  

@Peinhard:

"Der amerikanischen Nation liegt das Ausbeuten fremder Staaten, der Kapitalismus und der Imperialismus im Blut"

würde ich wiederum auch umformulieren in

"Der Idee der Nation liegt das Ausbeuten fremder Staaten, der Kapitalismus und der Imperialismus im Blut""

Bitte nicht ablenken (und umformulieren)! Würdest du diesen Satz mit den "Amerikanern" (oder wahlweise ein anderes Volk) nun auch so sagen, wie ich es vorformuliert hatte? Ja oder Nein?

"Denn die historische Gleichzeitigkeit des Aufkommens von 'Nation', 'Kapitalismus' und damit des 'Imperialismus' und des 'Ausbeutens fremder Staaten' ist keine Koinzidenz, sondern tatsächlich eine 'logische Einheit'."

'Nation' kommt vom lateinischen 'natio', was soviel wie "geburt, herkunft, volk" bedeutet. Schon gewusst?

"Und das deutsche Grundgesetz ist natürlich letztendlich nur ein Stück Papier - das wiederum die 'Nation' vorraussetzt."

Darauf wollte ich hinaus, mehr nicht.

"Ich hätte oder habe einiges daran auszusetzen, denn tatsächlich ist es eine kapitalistische Verfassung."

Falsch, ihre UMSETZUNG oder Interepretation ist kapitalistisch. Nirgendwo steht geschrieben, dass diese Verfassung nicht auch irgendwann das Recht auf Nichtarbeiten o.ä. erhalten könnte. Schau dir mal Artikel 20 an: Was steht da? Tatsächlich - "Sozial".

"Was aber nicht heisst, dass ich nicht auf ihre positiven Seiten poche und sie verteidige, solange die Dinge so liegen wie sie liegen."

Damit verteidigst du aber auch immer automatisch "das Deutsche" an der Verfassung. Es ist schließlich nicht irgendeine Verfassung, sondern nun einmal "die deutsche Verfassung". Und solange du das verteidigst, wirst du auch Nationen nicht "überwinden" können (warum auch). Nation ist das, was du draus machst.

"Ganz genauso verhält es sich übrigens auch mit den berühmten 'Menschenrechte', die, insbesondere wenn man sich den Teil der sogenannten 'sozialen Menschenrechte' betrachtet, ebenfalls nur 'Menschenrechte im Kapitalismus' sein können."

Auch im Namen der Menschenrechte wird heute noch viel Schindluder betrieben, das bestätigt ja nur meine These, dass wirklich alles pervertiert werden kann: Menschenrechte, Nationen, selbst im Namen deiner Familie kannst du viel Dummes anrichten, wenn dir jahrelang erzählt wurde, du müsstest sie immer verteidigen gegen deine "bösen" Nachbarn (um nochmal auf das Stammes-Beispiel zurückzukommen).

"Jeder 'Sozialismus', der meint diese Dokumente so beibehalten zu können oder gar zu müssen, kann nur ein 'merkwürdiger' Sozialismus sein - ein Abkömmling des Kapitalismus wie eben der auch der 'real existierende'."

Ich bin selbst Anhänger des "Sozialen", aber du solltest dir auch sagen lassen, dass selbst im Namen des "Kommunismus" und des "Sozialismus" genau wie auch der "Nationen" viel Unrecht geschehen kann. Ich sage doch auch nicht: dem Sozialismus ist immanent, dass er alle "gleich" macht...

Ihr habt noch immer nicht die entscheidende Frage beantwortet: was tritt an die Stelle der "Nationen", wenn man sie abschaffen sollte? Wenn man also die "Völker" bzw. ihr "Bewusstsein ALS Völker" abschafft...

Anonym 19. Juli 2009 um 18:00  

@Patte

"[...]Anonym:
Danke für deine Unterstellung.[...]"

Wo denn?

"[...]Von "edlen Wilden" (und damit Rassismus) habe ich nirgendwo geschrieben (das hast du dir zusammenphantasiert), noch habe ich negiert, dass nicht auch Stämme kriegerisch waren! (guck dir meine eine Klammer an) Es erfolgte also keine Glorifizierung.[...]"

Irgendwie hab ich da aber was anderes gelesen, und mir ging es nicht darum, dass Stämme kriegerisch waren sondern darum, dass deine Stämme nicht die Heiligen waren für die du die offensichtlich hälst.

Übrigens, sogar im Gebirge Afghanistans kannste heute noch nachvollziehen, dass Stämme eben auch chauvinistisch und nationalistisch sind - Man braucht dazu gar nicht in die Vergangenheit zu gehen, sondern einfach mal die Paschtunen und die Taliban besuchen.

Insofern du einen solchen Besuch unbeschadet überstanden hast, haste deine Meinung evtl. geändert.

Anonym 19. Juli 2009 um 18:02  

"[...]Ihr habt noch immer nicht die entscheidende Frage beantwortet: was tritt an die Stelle der "Nationen", wenn man sie abschaffen sollte? Wenn man also die "Völker" bzw. ihr "Bewusstsein ALS Völker" abschafft...
[...]"

Was besseres evtl.? Was stellst du dir den vor, wenn eine Welt ohne "Nationen" existerieren würde? Der Alptraum eines jeden Nationalen, das anarchistische Chaos vielleicht? Würde mich einmal interessieren ;-)

Peinhard 19. Juli 2009 um 21:51  

@Patte

"Bitte nicht ablenken (und umformulieren)! Würdest du diesen Satz mit den "Amerikanern" (oder wahlweise ein anderes Volk) nun auch so sagen, wie ich es vorformuliert hatte? Ja oder Nein?"

Nein - aber nur deshalb, weil es eben kein Spezifikum der us-amerikanischen Nation allein ist.

"'Nation' kommt vom lateinischen 'natio', was soviel wie "geburt, herkunft, volk" bedeutet. Schon gewusst?"

Großes Latinum. :D Ethymologie ist zwar oft hilfreich, erklärt aber mitnichten alles.

"Falsch, ihre UMSETZUNG oder Interepretation ist kapitalistisch. Nirgendwo steht geschrieben, dass diese Verfassung nicht auch irgendwann das Recht auf Nichtarbeiten o.ä. erhalten könnte. Schau dir mal Artikel 20 an: Was steht da? Tatsächlich - "Sozial"."

Och, is ja 'n Ding. Und jede entwickelte kapitalistische Nation hat auch tatsächlich immer so etwas wie eine 'Sozialstation' - und? Ihr Vorhandensein zeigt doch eher an, dass mit der jeweiligen Gesellschaftsform etwas nicht stimmen kann - nach 3 Jahrhunderten ununterbrochener 'Wohlfahrtssteigerung'. Und wie sollte oder würde denn wohl ein 'Recht auf Nichtarbeiten o.ä.' ausgestaltet sein, solange diese Verfassung gilt?

"Damit verteidigst du aber auch immer automatisch "das Deutsche" an der Verfassung. Es ist schließlich nicht irgendeine Verfassung, sondern nun einmal "die deutsche Verfassung". Und solange du das verteidigst, wirst du auch Nationen nicht "überwinden" können (warum auch). Nation ist das, was du draus machst."

Verzeihung, aber jetzt wird's ganz drollig. Kann man das dann vielleicht auch vom Kapitalismus sagen? Kommt drauf an, was ich draus mache...? Ein bisschen mehr Geschichtsbewusstsein täte wohl ganz gut.

Daneben bleibt es mir auch unbenommen, im 'hier und jetzt' wenigstens auf meine spärlichen verbrieften Rechte zu pochen - und trotzdem den ganzen Kanon insgesamt überwinden zu wollen. Da ist kein Widerspruch.

"Auch im Namen der Menschenrechte wird heute noch viel Schindluder betrieben, das bestätigt ja nur meine These, dass wirklich alles pervertiert werden kann: Menschenrechte, Nationen,[...]"

Wieder tust du so, als wären diese Begriffe entweder irgendwie aus dem Nichts gewachsen oder als wären sie quasi 'Naturkonstanten', die man nur 'entdecken' musste. Beides trifft aber nicht zu, sondern sie stehen in einem ganz bestimmten historischen und geistesgeschictlichen Kontext. Und wenn du dir die sozialen Menschenrechte mal wie vorgeschlagen anschauen tätest, würdest du unweigerlich feststellen müssen, dass es dort zB Passagen gibt, die sich klar erkennbar auf Lohnarbeit beziehen. Kommt es da auch wieder nur drauf an 'was man daraus macht'...?

Im übrigen bin ich eben kein Anhänger 'des Sozialen'. Mach dir doch mal bitte klar, in welchem Kontext die Rede vom 'Sozialen' überhaupt nur Sinn macht. Ich bin vielmehr für die Abschaffung dieser Kategorie wie auch für die Abschaffung der 'Menschenrechte'. Indem wir sie nämlich am besten so überflüssig und selbstverständlich machen, dass die Rede davon gar nicht mehr verstanden wird...

"Ihr habt noch immer nicht die entscheidende Frage beantwortet: was tritt an die Stelle der "Nationen", wenn man sie abschaffen sollte? Wenn man also die "Völker" bzw. ihr "Bewusstsein ALS Völker" abschafft..."

Vielleicht(!) ein kosmopolitisches Bewusstsein mit vielleicht regionalen Bezügen...? Was habe ich denn bitte mit einem Bayern mehr zu schaffen als mit einem Niederländer? Oder Argentinier? Für die 'gemeinsame Geschichte' gilt in etwa das oben gesagte - es gibt vor allem eine individuelle Geschichte, und es gibt auch eine 'Menschheitsgeschichte'.

Patte 19. Juli 2009 um 22:15  

@Anonym:
"und mir ging es nicht darum, dass Stämme kriegerisch waren sondern darum, dass deine Stämme nicht die Heiligen waren für die du die offensichtlich hälst."

Wo habe ich geschrieben, dass ich sie für heilig halte? Quatsch. Das unterstellst du mir, entspricht aber nicht der Wahrheit.

@Anonym:
"Was besseres evtl.?"

Das ist doch das Problem: was ist denn das "bessere"? ;-) Wenn man etwas abschaffen will, sollte man schon konkret wissen, was an die freie Stelle tritt. Nicht das am Ende wieder die Barbarei triumphiert. :-)

"Was stellst du dir den vor, wenn eine Welt ohne "Nationen" existerieren würde?"

Ich kann es mir gar nicht vorstellen, weil es schon bei den allerersten Menschen (in der Steinzeit) einen Hang dazu gab, Kollektive zu schaffen und sie mit Ideen und Projektionen zu beladen. Im Jetzt nennt sich das "Nation" und ist natürlich größer, aber nicht "von Natur aus böse oder gut". Nation ist, wie alles andere auch, was der Mensch draus macht. Eine Abschaffung würde ja nur bedeuten, dass man sich wieder in kleinere Staaten zusammenfasst und dann wieder bei kleineren Stämmen landet, ein regressives Verhalten. Hätten wir ohne Nationen alle modernen Entwicklungen? Natürlich könnte man sagen: "Nationen haben aber auch gewaltige Kriege hervorgebracht", das ist korrekt. Aber Kriege gab es schon weit vor den großen Nationen. Manchmal sind durch Kriege erst Nationen entstanden, indem sich ihre Identität bündelte (z.B. die Griechen in den Perserkriegen). Menschliches, allzu menschliches...

Wie will man Generalstreiks auf die Beine stellen oder möglichst ganzheitlich dem Holocaust mahnen, wenn man dazu keine deutsche Nation mehr hätte? Stellt euch das doch mal vor, das wäre doch absurd. Ihr könnt euch die nationalen 'Rosinen' nicht einfach so herauspicken, wenn es euch gerade passt, das will ich damit sagen. ;-)

Peinhard 20. Juli 2009 um 10:37  

@Patte

"Hätten wir ohne Nationen alle modernen Entwicklungen?"

Was verstehst du denn darunter? Die moderne Arbeitssklaverei, die Schrecken der gewaltsamen Modernisierung selbst - in Europa über Jahrhunderte, in Russland China etc im Zeitraffer, oder das wunderbare Gefühl, unter 153 Sorten Deo wählen zu können? Sicher gibt es auch Positives, aber wo ist das Paralleluniversum, an dem man zeigen könnte, dass gerade die nicht auch anders hätten entstehen können?

"Manchmal sind durch Kriege erst Nationen entstanden, indem sich ihre Identität bündelte (z.B. die Griechen in den Perserkriegen)."

Verzeihung, aber das ist ahistorischer Unfug. Die - aus heutiger Sicht griechischen - Stadtstaaten mögen zwar durch die Perserkriege eine Art Schulterschluß vollzogen haben, aber vom Begriff der 'Nation' keine Spur, der gehört in der Tat eben der 'Moderne' an. Das ist nichts als eine unzulässige Rückprojektion heutiger auf damalige Verhältnisse.

"Wenn man etwas abschaffen will, sollte man schon konkret wissen, was an die freie Stelle tritt. Nicht das am Ende wieder die Barbarei triumphiert."

Welche größeren 'Barbareien' als die von Nationen - bestimmt nicht zuletzt der deutschen - hervorgebrachten fallen dir denn da grad so ein...?

Wie will man [...] möglichst ganzheitlich dem Holocaust mahnen, wenn man dazu keine deutsche Nation mehr hätte?

Der Holocaust ist doch wohl ganz im Gegenteil das beste Argumente, um mit dem gefährlichen Schwachsinn 'Nation' zu brechen.

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