Unsachlich sachlich bleiben

Montag, 16. März 2009

Aberaber, Herr De Lapuente, hieß es kürzlich wieder. Auch wenn ich mich ratlos gab ob dieser Reaktion, so tat, als wisse ich nicht, was ein solches Aberaber bedeuten solle, war ich doch im Bilde. Stattgefunden hat dies vor einigen Wochen, beim Blutnehmen im Labor des Facharztes, den ich regelmäßig zum Aufsuchen gezwungen bin. Grund war die Sparpolitik Ulla Schmidts, die ja gerade Bayerns Fachärzte in die Enge treibt - so sagen jene jedenfalls - und die von mir gemachte Äußerung, wonach die gesamte Gesundheitspolitik dahingehend ausgerichtet wird, nurmehr sogenannten Leistungsträgern ein wohliges Dasein zu ermöglichen, während der ganze Rest, die menschlichen Unkostenfaktoren also, sehen soll wo er bleibt. Ja, so meinte ich weiter, sagen wir es doch in aller Direktheit: Die große Masse der Hilfebedürftigen kann, laut Weltbild dieser selbstverliebten Eliten, gut und gerne verrecken. – Aberaber, Herr De Lapuente!

Dabei pflichtete sie, die mir blutabnehmende Sprechstundenhilfe, durchaus bei, war inhaltlich gar nicht so different. Sie begründete ihr Aberaber nur spärlich, eben damit, dass ich so drastische Worte benutzte, aber freilich und ohne Umschweife natürlich vollkommen recht habe. Was ich aber dahinter vermutete war mehr, war durchaus an der Reaktion ablesbar. Ich habe vom Verrecken gesprochen, habe keine alltagsgebräuchliche Formel verwendet, nicht vom Von-dannen-Gehen in eine andere Sphäre, nicht vom Dahinscheiden oder In-eine-andere-Welt-hinübergleiten gesprochen, sondern die Realität in Worte gefaßt. Wenn man daran denkt, dass ein Patient, dessen fachgerechte Behandlung sich die Solidargemeinschaft nicht mehr leisten will, irgendwann einmal das Zeitliche segnet, dann ist es vielleicht erträglich, weil man sich einen weißen, gut gepflegten Raum vorstellt, weiße und saubere Bettlaken, eine Fachkraft, die den Leidenden pflegt; aber spricht man vom Verrecken, dann wird das ganze Elend offenbar, es wird vor dem geistigen Auge schier anfaßbar, denn man imaginiert sich einen armen Kauz, der in einer verwahrlosten Wohnung herumlungert, verschreibungsfreie Schmerzmittel schluckt, ungewaschen und stinkend vor sich hingammelt, und irgendwann, wenn er des Leides genug ausgehalten hat, aus dem Gestank seiner eigenen Unerträglichkeit in eine vielleicht andere Welt hinüberverreckt.

Ähnlich der Vorwurf heute, der wahrscheinlich weniger Vorwurf als Zurechtrückung des entstandenen Argwohns war. Besagte Fachärztin empfahl mir eine abendliche Veranstaltung zum Thema, eine Podiumsdiskussion, an der Markus Söder teilnehmen werde – ausgerechnet dieser Sozialdarwinist, meinte ich lapidar. Die gute Dame war verdutzt, meinte dann, dass er jetzt jedenfalls auf Seiten der Fachärzteschaft sei. Dafür vergißt man freilich auch, wie er einst von Ausländern und Erwerbslosen sprach, man ist selbst ja nicht betroffen gewesen, als Stoibers Wadenbeißer durch die Republik erbrach.

Nur zwei Beispiele, die symbolisieren sollen, wie mir immer wieder mein Umfeld begegnet. Man ist zwar einerseits entzückt, wenn Menschen offen sind, wenn sie durch Offenheit herzlich und freundlich sind, wenn sie aber in dergestalt offen sind, Tatbestände direkt beim Namen zu nennen, dann zieht man sich etwas irritiert zurück, versucht das Gespräch zu einem glücklichen Ende zu bringen. Natürlich ist mir bewußt, welche Absicht dahintersteckt: man möchte sachlich bleiben, möchte nicht ausfallend sein, wobei das Benennen sozialdarwinistischer Tendenzen keinen Ausfall darstellt, aber doch den Keim fehlenden Anstandes in sich trägt. Ein Anstand, der aber genau besehen, nichts als ein Bändigen freidenkerischer Denkansätze darstellt, weil er vorschreibt und unterbindet, das Selbsterdachtes zur Konfrontation führt. Wenn nun also einer in Szene rückt, der sich des allgemeinverbindlichen Anstandes befreit hat, zumindest wenn es um diese selbstverordnete politische Korrektheit geht, dann glaubt man sich auf dünnem Eise, zieht sich zurück, versucht anständig zu bleiben, nennt es euphemistisch aber „sachlich bleiben“.

Dabei ist das vermeintliche Sachlichbleiben eines jener Märchen der politischen Korrektheit, welches jeden gewinnbringenden Diskurs unterbindet. Sachlichbleiben bedeutet in den meisten Fällen eben auch, unsachlich, nicht bei der Sache zu sein. Wenn man aufgrund falscher Anstandsfloskeln einen Punkt nicht hinreichend sichtbar machen kann, wenn man beispielsweise das Dahinsiechen, das Verrecken in den eigenen Exkrementen als ein Von-uns-Gehen kennzeichnet, weil es in aller nüchterner Sachlichkeit angebracht erscheint, dann kann man den wirklichen Wesenszug der zu diskutierenden Sache gar nicht mehr erfassen. Wer die Dinge nicht mit den richtigen Worten ausstattet, der vergrößert, ganz nach dem berühmten Ausspruch Camus’, das Leiden in der Welt. Und wenn man jemanden, der jahrein, jahraus den parteisekretärlichen Sozialdarwinisten gemimt hat, nicht als solchen bezeichnen soll, weil es sich nicht schickt, dann versündigt man sich an der Wahrheit und schiebt die eigentliche Diskreditierung eines solchen madigen Charakters ins Unendliche, legitimiert sein windiges Auftreten sogar noch.

Nimmt man sich nicht in bestimmten Fällen einer direkten und unverblümten Sprache an, die die Jünger der Korrektheit als Anzeichen von Unsachlichkeit werten, so driftet man in Wahrheit selbst in die Unsachlichkeit ab. Wie kann man eine Sache beschreiben, die solcher Worte bedarf, wenn man solche Worte qua ihrem moralischen Vorbelastetsein, nicht benutzen soll? Lohnt es sich überhaupt über derlei Sachen zu diskutieren, wenn die Diskussion damit zwangsläufig immer an der Sache vorbeigehen muß? Muß man sich gar den Vorwurf gefallen lassen, man würde die Gosse in die Diskussion holen, wenn man die Dinge in aller drastischen Direktheit klassifiziert? Die Wahrheit auszusprechen, aufklärerische Gedankengänge in sein Umfeld zu tragen, darf sich nicht mit falscher Vornehmheit verquicken lassen – die Wahrheit braucht Worte, passende Worte, direkte und für jeden verständliche Worte. Wer den Kopf einzieht, weil ihm das „Verrecken“ zu derb ist, der zieht den Kopf vor der Wahrheit ein, der will nur, dass sich die Zustände ohne eigenes Zutun, vielleicht durch ein Wunder, ändern; wer einen windigen Sozialdarwinisten nicht als solchen entlarvt, vielleicht weil jener gerade der nützliche Idiot für die eigene Sache ist, der betreibt sein Demonstrationsgehabe ebenso auf falsche Prämissen bauend.

Wir sollten lernen, die Dinge wieder beim Namen zu nennen, damit wir wieder sehend werden...

13 Kommentare:

Geheimrätin 16. März 2009 um 15:42  

Millionen von Menschen krepieren auf unserer Welt täglich an Hunger und an Krankheiten die es nicht geben müsste, sie verrecken vor unseren Augen, Normalität?! Jean Ziegler war der erste der dieses Verrecken lassen Mord nannte.Mord.

Erst letzte Woche knöpfte mir mein Arzt, der doch eigentlich ein Humanist ist, 30 €uro für ein Gesundheitszeugnis ab, das ich für eine bestimmte Arbeit, die ich machen will brauche. Ich ärgere mich jetzt noch über mich selbst weil ich mir das einfach gefallen ließ und ihn nicht fragte ob ihm eigentlich bewusst sei, wieviel Knete diese 30 €uro für einen Hartzie wie mich sind..Stattdessen tat ich normal und legte sachlich meine letzte Kohle auf den Tisch...Wollte ja eh bald mal wieder Heilfasten...Am schlimmsten aber gings mir als ich während meiner Selbstständigkeit die Beiträge der KV nicht mehr zahlen konnte und dann aus der Versicherung rausflog. Vorher sogut wie nie beim Arzt gewesen, wurde ich nun fies krank. Nun finde mal einen "humanistischen Arzt" der dich behandelt! Erst die Knete auf den Tisch, dann schau mer mal, in meinem Fall waren das um die 100 Euro die ich hätte vorrauszahlen müssen...Ich hatte sehr große Schmerzen die kaum auszuhalten waren, das interessierte die Mehrzahl der weisskitteligen Eidbrecher jedoch nicht die Bohne. Tatsache. Erst die 5 Ärztin untersuchte und behandelte mich.

Anonym 16. März 2009 um 16:11  

Bravo! Wie so oft haben Sie mal wieder Klartext geschrieben. In meinem persönlichen Umfeld versuche ich nach Möglichkeit "Unsachlich" zu sein.
Das Problem: Das wollen die meisten nicht hören, ziehen sich zurück, wollen in Ihrer heilen Welt ungestört sein.
Am Ende ist man einsam, dabei kommt das schlimmste doch noch...

Calwer-Wildnis 16. März 2009 um 19:08  

Der Nagel ist wieder mal auf den Kopf getroffen. Das alles kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich will jetzt nicht auf Hitlerzeiten abheben, wo sich die Ärzte auch für allerlei hergaben, aber mit der Humanität haperte es zu allen Zeiten bei einigen dieser Herrschaften.

Das eigene Hemd ist eben auch da immer näher, als der Nächste. Ich mache genau das, was beschrieben wurde: Ohne Behandlung, die mir weitgehend verweigert wird, zu überleben. Noch ist es meistens irgendwie erträglich, aber wie lange noch? Ich weiss es nicht. Das Beste daraus machen, ist im Moment die Devise. Mein Mann ist leider nur wenig Stütze, weil er mehr zum Durchdrehen neigt bei dem allem, als ich. Aber Durchdrehen hilft eben nichts.

Du hast recht: Auf diese Art deutlich werden, das ist unbedingt nötig, sonst hat die Wahrheit keine Chance mehr.

Christian 16. März 2009 um 20:21  

Tja, Roberto, schon seit Shakespeare gilt: die Dinge beim Namen nennen, darf im bürgerlichen Trauerspiel eben nur der Narr.

tian 16. März 2009 um 20:31  

jaja die direktheit.
damit hatte mein arzt heute allerdings kein problem als er mir erzählt hat, dass wenn es so weiter geht er die praxis dichtmachen muss und nur noch notfälle versorgen kann. die kassen scheinen für den normalsterblichen nich mehr wirklich viel zahlen zu wollen.

Anonym 16. März 2009 um 20:33  

Lieber Roberto, einmal mehr ist mir hiermit aus der Seele gesprochen.
Doch sollte die Wahl des "Unsachlich bleibens", also die rechte Wortwahl, um die Ümstände und Personen ins Licht der Wahrheit zu rücken, wohl überlegt sein.
Das vielfach und meist unbedacht benutzte Schimpfwort, ein uns allen bekanntes Haustier, hat es sicherlich nicht verdient, auch wenn es sich im Schlamme suhlt und ab und zu wonnig grunzt, geschmäht zu werden mit Vergleichen mit dem von Dir erwähnten Personenkreis.
Auch Körperausgänge, selbst wenn der von mir Gemeinte selten die Sonne sieht, ist notwendig und nötig, was widerum auf oben genannten Personenkreis nicht immer, aber immer weniger zutrifft. Also auch dies leicht von den Lippen gehende Wort ist mit Bedacht zu wählen.
Jenseits dieser Wortwahl, meist kombiniert mit entsprechenden Attributen, ist es jedoch schwer, angemessene Beschreibungen zu formulieren, die dem ganzen derzeitigen, dekandenten Treiben auch nur annähernd gerecht werden.
Gruß und gute Nacht

Anonym 16. März 2009 um 20:44  

Zu Söder (CSU) sei nur angemerkt - es ist Wahlkampf und da gibt sich so mancher CDU/CSU-Mensch neuerdings sozial VOR der Wahl HINTERHER geht alles seinen gewohnten Gang.

Mehr dazu auch heute bei den "Hinweisen des Tages" von Nachdenkseiten.de.

Albrecht Müller bringt es sehr gut auf den Punkt, wie, aus Angst vor Sozialprotesten wegen der Krise, und dem gleichzeitigen Erstarken der Linkspartei nun alle neoliberalen Parteien von CDU/CSU/SPD/GRÜNEN/FDP sich neuerdings als "Jesuse" verkaufen wollen, während man der Linkspartei Sozialraub, Agenda2010 und andere soziale Grausamkeiten, sowie geplante neue Unterschieben will.

Wer dies nicht glaubt dem empfehle ich diverse anti-linke Bücher, die teilweise von CDU-Menschen geschrieben wurden - Weiter unten unter dem was Roberto de Lapuente über die Linkspartei geschrieben hat empfehle ich, als Linker, ein solches Machwerk, eines CDUlers der noch nie etwas von Nachdenkseiten gehört hat, und frei und frech leugnet, dass wir über 3 Millionen Arbeitslose haben.

Ja, er zitiert immer wieder die (offensichtlich getürkte) offzielle Arbeitslosenzahl von 3 Millionen Menschen - als aufmerksamer Nachdenkseiten-Leser, und kritischer Mensch könnte ich noch andere Beispiele aufzählen, aber dazu habe ich keine Lust.

Wer mag, der mag sich das Buch besorgen, und dort nachlesen....

Übrigens, ich mache es immer so, auch was der entsprechende weltanschauliche Gegner losläßt interessiert, und offenbart oft, dass oben erwähnte Täuschungsversuche nichts anderes sind als solche, d.h. der Schuß geht gegen die angeblichen Sozialstaatsparteien von CDU/CSU/FDP/GRÜNEN/SPD.....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Mir geht es jetzt mal nicht um die Linkspartei sondern darum wie das Volk - in Zeiten der Krise - von allen Parteien, in Berlin leider auch der Linken im Landesparlament, schamlos belogen wird. Ohne Linke wäre die Lügerei wohl noch offensichtlicher die Roberto de Lapuente immer wieder sehr eindrucksvoll als solche enttarnt.....Danke für, lieber Roberto!

Anonym 16. März 2009 um 22:16  

Nur ein Gedanke noch dazu, der mir beim recherchieren über die Werbung von Autofirmen mit angeblich umweltfreundlichen Produkten kam - Greenwashing genannt - Sollte man "unsachlich sachlich" von "Sozialwashing" reden, wenn die Herrschaften aus CDU/CSU/FDP/GRÜNEN/SPD mal wieder sich bei eiskaltem Sozialabbau als "soziale Parteien" verkaufen wollen? Das geschriebene gilt übrigens nicht nur für Parteien, auch bekennende Neoliberale, wie Prof. Dr. Sinn setzen auf "Sozialwashing".

Nach bestehen der Wahl wird eben weitergemacht wie bisher, der dumme Wähler/die Wählerin hat das "Sozialwashing" ja geschluckt....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 16. März 2009 um 22:49  

tja herr lapunte ...

... da muss ich ihnen mal wieder recht geben mit ihrem hinweis, das "politisch-korrekte" argumentationen gefahr laufen können unkonkret zu werden, und den eigentlichen elenden pudelkern hinter schönen worten und "positiv" beherrschten assoziationen verschleiern können ...

hmmm ...
mehrere fragen stellen sich mir grade;
- wer definiert politische-korrektheit,
- welche beweggründe stehen dabei im vordergrund ?
- und, ist diese "verschleierungsform" angebracht/notwendig ?


nun kann ich mir vorstellen, das wenn sie z.b. ein kriegsopfer interviewen, diese person ihnen einiges unterschlägt was sie erleiden musste, sie bestenfalls andeutet, insofern diese person diese erfahrungen emotional nicht verarbeitet hat, und sich vieleicht gänzlich schützen möchte/muss oder zu ihnen ungenügend vertrauen hat.
manches braucht halt zeit, speziell für direkt betroffene in extremen situationen, und hier finde ich eine kurzzeitige selbstbestimmte "zensur" für sowohl verständlich, wie auch sinnvoll, nur sollte sie am besten nicht von dauer sein ...



"zahlen" fallen mir zu dem thema grade ein ...
... wie viele menschen haben ihr leben verloren im dafur konflikt ?
200.000 plus 2,5 millionen ( millionen ! ) menschen sind auf der flucht bzw sind vertrieben* (*wiki).

zahlen sind extrem abstrakte herangehensweisen.
würde jeder einzelne mensch mit namen, herkunft, geschichte und leid aufgelistet werden, so würde es das menschliche (auf)fassungsvermögen warscheinlich sprengen ...

das allerdings wäre vieleicht gar nicht schlecht, denn wenn man die ersten leidensgeschichten erfahren/erlesen usw. hätte, so würde warscheinlich jeder normal denkende mensch, der noch empatie für wichtig hält und kultiviert, aufstehen und versuchen etwas zu ändern.



vielleicht ist genau das auch ein teil der antwort auf die frage; aus welcher überzeugung, mit welchem hintergedanken versucht man zu abstahieren bzw. "schönzufärben" ?



vielleicht,
vielleicht profitieren diejenigen die sich "politisch-korrekt" zu aussern versuchen nicht einmal davon, ausser das sie nachts etwas besser schlafen können, da sie sich dem gesamtumfang nicht sicher sind, ihn verkennen.
ob dies allerdings sinnvoll ist, steht auf einem anderen blatt.



bleibt für mich nochmal die frage; wer profitiert ?

merkt euch die gesichter, merkt euch die positionen die sie beziehen ...
hat zb. nicht die leuthäuser-schnarrenberger vor der wahl in bayern noch verlautbart, das die versammlungs(verbots)gesetze mit der fdp nicht machbar wären ?
und was kam nach der wahl ?
welches land ist der dritt grösste rüstungsgüterexporteur und damit kriegsgewinnler ?
wer wird u.a von der energiewirtschaft finanziert, vor während oder nach seiner amtszeit ?
wer sitzt im vorstand oder als berater bei versicherungskonzernen, und war maßgeblich für die kapitalgedeckte rente und deren gesetzliche durchsetzung verantwortlich ?
namen, bitte ...

... herr ober, zahlen bitte ...



lg,
e

Anonym 17. März 2009 um 02:04  

"Dabei ist das vermeintliche Sachlichbleiben eines jener Märchen der politischen Korrektheit, welches jeden gewinnbringenden Diskurs unterbindet. Sachlichbleiben bedeutet in den meisten Fällen eben auch, unsachlich, nicht bei der Sache zu sein. Wenn man aufgrund falscher Anstandsfloskeln einen Punkt nicht hinreichend sichtbar machen kann, wenn man beispielsweise das Dahinsiechen, das Verrecken in den eigenen Exkrementen als ein Von-uns-Gehen kennzeichnet, weil es in aller nüchterner Sachlichkeit angebracht erscheint, dann kann man den wirklichen Wesenszug der zu diskutierenden Sache gar nicht mehr erfassen. Wer die Dinge nicht mit den richtigen Worten ausstattet, der vergrößert, ganz nach dem berühmten Ausspruch Camus’, das Leiden in der Welt. Und wenn man jemanden, der jahrein, jahraus den parteisekretärlichen ...."

Es ist ein perfektes Beispiel für modernes Neusprech, das die Begriffe abstumpft, schwach macht und an der Realität vorbeigehen läßt. Damit als Folge der Kommunikation ein anderes Bild als das tatsächliche wahrgenommen werden kann und wird.
Das schlimme ist, das diese Form der Kommunikationsvereitelung keinen konkreten Befehlsgeber hat, nicht auf Anordnung beruht, sondern primär dem Wunschdenken des Linientreuen entstammt. Dieser kann sich mit einer verschleierten Sprache ein schöneres gerechteres Weltbild erhalten. Denn die Begriffe machen die Gedanken zu greifbaren Bildern und prägen die Wahrnehmung. Wer so redet, übersieht und will übersehen, er schafft sich seine eigene Realität, möglichst abseits unangenehmer deutlicher Bilder, begeht Realitätsflucht und ist empört und verstört wenn er durch die geschmähte deutliche Sprache, die schmutzigen Begriffe auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird.

Margitta 17. März 2009 um 10:13  

Lieber Roberto,

ein gutes Beispiel dafür - Wie sagt man mit vielen Worten möglichst nichts? - ist die Sendung "Anne Will - Amoklauf im Klassenzimmer - Was läuft falsch im Kinderzimmer?"

Heute morgen habe ich mich dazu durchgerungen mir diese Sendung anzusehen. Im Verlaufe der Sendung kam mir dann die Idee mal einen beliebigen Abschnitt mit zu schreiben. Diesen möchte ich mal hier wiedergeben.

Frage von Anne Will.
"Herr Baumgärtner, das sind dann möglicherweise Kinder die bei Ihnen auch zur Schule gehen oder auch in andere Schulen gehen die so was haben, wie es Herr Winterhoff beschreibt. Eine fehlende Konfliktfähigkeit, die mangelnde Frustrationstoleranz, Frau Bannenberg fügt hinzu, die Eltern mögen das möglicherweise gar nicht so unbedingt sehen, weil es eine Anfrage an sie selber ist. Können Sie da noch was sehen?"

Antwort von Herrn Baumgärtner:
"Also ähnlich wie es ja auch jetzt von Ihnen beiden (gemeint sind Herr Winterhoff und Frau Bannenberg) gesagt worden ist, nicht im engeren Zusammenhang mit einer solchen Tat, weil das einfach eine wirklich einmalige Situation, denke ich, auch ist und da jemanden in die Verantwortung nehmen zu wollen ist, denke ich, nicht angemessen. Aber in der Breite glaube ich schon, dass Erziehung und Bildung auch viel mit Beziehungen zu tun haben. Mit Beziehung im Elternhaus auf denen eine Erziehung gelingen kann, wenn die in Ordnung ist, die Beziehung, oder eben auch nicht gelingt. Und mit Beziehung auch in der Schule, das heißt, wenn es Pädagogen gelingt und sie die Aufgabe übernehmen können Beziehungen zu ihren Schülern aufzubauen. Dann lässt sich sicherlich in einer in größerer Zahl von Fällen im Vorfeld einfach ein anderes Verhalten erreichen, als wenn eben einiges wirklich in diesem engen Rahmen von fachlicher Information und von Leistungsanforderungen geht. Leistungsanforderungen perse sind ja erst einmal was Gutes. Sie können auch stabilisierend von Personen - ich war erfolgreich, ich habe etwas geschafft - beitragen. Insofern sind sie also nicht immer erst automatisch Anlass von Frustration und von Problemen. Aber wenn sie die Leistungsanforderungen eben nicht in ein Beziehungsgefüge irgendwo ihren Platz finden, in sehr vielen zusätzlichen Möglichkeiten wie Kommunikation stattfinden kann, dann glaube ich tatsächlich, dass die auch ihre Probleme dann wieder bringen, die dann auch wieder zu verschiedenen Gewaltaktionen und so weiter führen. Wie gesagt nicht jetzt in dem Rahmen, den wir gerade jetzt hier gesehen haben, aber auch in der Breite."

In dieser Form war die komplette Sendung. Sehr interessant und vielsagend war für mich allerdings die nonverbale Sprache der Gäste.

Geladen waren übrigens:
Brandenburgs Innenminister Jörg Schönborn
Kriminologin Britta Bannenberg
Jugendpsychiater Michael Winterhoff
Publizist Hajo Schumacher
Schulleiter des Lessing-Gymnasiums Winnenden Herr Baumgärtner
Vorsetzende des Elternbeirates Kathrin Kopriva

Die hohe Kunst mit VIELEN Worten NICHTS zu sagen, gut umgesetzt. Distanziertheit in Perfektion dargestellt. Das ist meine subjektive Wahrnehmung.

Liebe Grüße
Margita Lamers

Hans Wurst 19. März 2009 um 04:24  

Ausgezeichnet beobachtet, Margitta!
Mein Eindruck ist, wenn man mal damit begonnen hat, sich der medialen Volksverdummung zu entziehen, nachzudenken und die Wahrnehmung zu schulen, hat man beachtliche Erkenntnisgewinne.

Bringe ich allerdings solche zur Sprache, werde ich schnell einsam, wie das ja auch andere Kommentatoren andeuteten.

Übrigens habe ich letztens einen sehr schönen Ausdruck des Philosophen Odo Marquardt gehört:

Inkompetenzkompensationskompetenz

Wem wollten dazu nicht real existierende Personen einfallen?!

Margitta 19. März 2009 um 10:10  

@ Hans Wurst,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ich muss gestehen, mein Herz schlug höher als ich selbige entdeckte. Denn eine Reaktion auf das was mensch* so von sich gibt, bringt mich in meiner Entwicklung weiter.

*mensch steht anstelle von man. Ich suche schon seit langer Zeit nach einem anderen Wort für "man", da mir dieses gar nicht gefällt. Für mich lässt dieses "man" keine Nähe zu. Vor einigen Tagen wurde ich dann auf einem anderen Blog fündig. Der Verfasser dieses Blogs ersetzte ebnen dieses "man" mit "mensch". Es dauerte eine kleine Weile, bis mir dies bewusst wurde warum er an manchen Stellen "Mensch" in Kleinschreibung hielt. Nach dem "Aha-Effekt, übernahm ich es sofort in meinen Sprachgebrauch.

Bis zu nächsten Treffen
Liebe Grüße
Margitta Lamers

PS.: Ich freue mich über jede Rückmeldung, egal welcher Art, wenn diese konstruktiv ist.

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