Ein Brief an eine Redaktion

Montag, 23. März 2009

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute wende ich mich an Sie, weil ich es nicht mehr ertragen kann. Das heißt, ich kann Sie, Ihr Radiokonzept, diese Masche der Anbiederung nicht mehr ertragen. Sicherlich werden Sie sich bereits nach diesen zwei Sätzen fragen, warum ich nicht einfach einen anderen Sender wähle, Ihren Sender nicht einfach verstummen lasse. Legitime Frage, ein Totschlagargument zwar, aber durchaus logische Fragestellung. Antwort: Was kann denn die von Ihnen gesendete Musik, die mir weitestgehend zuspricht, dafür? Sie kann doch nichts für die Dürftigkeit zwischendrin, zwischen den einzelnen Musikstücken. Und Sie werden hoffentlich in der Folge verzeihen, wenn ich mich einer direkten Wortwahl bemächtige, nicht herumlaviere und floskeliere, sondern gleich in medias res gehe. Mag sein, dass Sie diese Direktheit als unsachliche Herangehensweise betrachten, aber genau besehen, geht man damit der Sache gründlicher auf die Spur als durch nett stilisierte Phrasen, die so oder anders deutbar wären, und die der Sache niemals auf den Grund gehen können, weil sie sich in ihrer eigenen Vornehmheit selbst behindern; ich bin also folgend sachlich, was als unsachlich mißverstanden werden mag – die jeweilige Sichtweise steht Ihnen frei.

Was regt mich also auf? Was macht es mir mehr und mehr unerträglich, Ihren Radiosender zu hören? Nein, lassen Sie mich zunächst einmal lobend vorgehen. Die Musik, für die Sie nichts können, doch für deren Auswahl Sie verantwortlich sind (auch das erkenne ich als Leistung an), ist in großen Teilen angenehm, manchmal sogar hervorragend. Außerdem höre ich gerne die Kultursendung, die zwar freilich oft ein Who is Who Ingolstädter Spießbürgerlichkeit ist, aber dennoch ein hohes Maß an intellektuellem Anspruch zeitigt. Ebenso die Kirchensendung – Radio K1 -, die selbst ich, als Atheist, hervorragend und herausfordernd empfinde. Hier wird trefflich über Religiöses und Philosophisches berichtet, zudem kommen die Diskutanten dort nicht mit jenem Löffel daher, von dessen Weisheit sie gefressen zu haben behaupten – im Zweifelsfall lassen sie es offen, animieren den Hörer selbst zum Nachdenken. Und weiter? An dieser Briefstelle sitze ich bereits zwölf Minuten, beinahe dreizehn und es werden vielleicht sogar noch einige Minütchen mehr. Ich denke darüber nach, was ich Ihnen noch lobend bescheinigen kann. War das schon alles? Musik, Kultur und Religion? Es muß doch noch was geben, ich bin bester Absicht die Auflistung zu erweitern. Aber alleine mir fehlt eine Idee, daher lassen Sie uns weiterschreiten. Zum Stein des Anstosses also...

Direktheit wurde angekündigt, daher bediene ich mich dieser nun und benenne die Sache: Ihre Arschkriecherei, nicht Ihre persönliche, die Ihres Senders, die der Redaktionsmaxime, Ihre Arschkriecherei also, ist unerträglich geworden. Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, ob sie es geworden ist oder immer schon war. Möglicherweise bin ich es, der sich verändert hat, aber das sei an dieser Stelle nicht von Belang. Nachdem ich mich nun schon mehrmals darüber ärgern mußte, wie Sie die Zahlen der örtlichen Arbeitsagentur aufbereiten, wie sie hinter jeder noch so fadenscheinigen Zahl einen locker-flockigen Optimismus stellen, der leider viel zu selten kritisch begutachtet wird, kann ich Ihren Sender als nichts anderes als ein „Verlautbarungsorgan herrschender Zustände“ bezeichnen. So auch Anfang März, als Sie das riesige Heer von Kurzarbeitern als positives Zeichen werteten, dabei noch ganz werbetechnisch von einem „Service“ sprachen, den Menschen „in Anspruch nähmen“, gerade so, als wollten sie das großartige Servicepotenzial dieser Behörde recht in Szene setzen – von den Gängelungen, den Repressionsmaßnahmen und dergleichen Schweinereien mehr, die man natürlich nur erfährt, wenn man gelegentlich auf einem Behördenflur sitzen muß, sprechen Sie nicht; das käme besagter Serviceagentur freilich ganz ungelegen. Und dass ein Heer von mehreren Zehntausend Kurzarbeitern auch derart zu deuten wäre, dass im Falle nicht eintretender Aufträge aus diesen Kurzarbeitenden Erwerbslose würden, wollten Sie netterweise verdrängen – gute Laune ist um jeden Preis Maxime, scheint es. Überhaupt durchziehen solche „wirtschaftlichen“ Themen das Programm auch außerhalb der Nachrichten; scheinbar fühlt sich jeder Moderator dazu animiert, zu solchen Themen seinen vergorenen Senf dazuzugeben.

Und dann kürzlich, Sie berichteten von den Eichstätter Diensten, dies nicht zu knapp – welche Kriecherei, welch Werbeträgerschaft von Seiten Ihres Senders! Ich werde an dieser Stelle nicht mutmaßen, ob für eine so wohlwollende Berichterstattung bezahlt werden muß oder ob Sie vorauseilend eifrig am Werk sind, aber wundern würde mich die finanzielle Verbrüderung freilich nicht – Sie wären darin auch kein Einzelfall, jedes größere Medium arbeitet mittlerweile abhängig von Wirtschaftsinteressen. Jedenfalls sprachen Sie da ganz offen aus, was den dortig eingegliederten Ein-Euro-Arbeitskräften geboten wird: nämlich eine „sinnvolle Beschäftigung“ – als ob man ohne dieser Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung (so heißen diese Ausgeburten schikanösen Ausbeutungsdranges nämlich offiziell) nicht sinnvoll beschäftigt sein könnte; als habe ein Leben erst Sinn, wenn man für windige Mehraufwandsentschädigungen „lohn“-arbeiten darf. Zudem würde ich Ihnen einmal empfehlen das SGB II durchzublättern, vielleicht nebenbei auch ein wenig darin zu lesen. Den Paragraphen 16d lege ich Ihnen ans Herz, vielleicht als kurze Nachtlektüre. Darin heißt es, dass diese Form der Arbeitgelegenheit „kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts“ ist, was wiederum soviel heißt wie: Ein-Euro-Jobber haben kaum Rechte, viele Pflichten und können sich aus dieser miesen Situation nicht aus eigener Kraft herauswinden, sofern sie finanziell nicht dafür bluten wollen. Ein-Euro-Jobber, schon diese Bezeichnung ist irreführend, weil es sich eben gerade nicht um einen Job handelt, stehen außerhalb arbeitsrechtlicher Standards. Sie sind deshalb nicht „sinnvoll beschäftigt“, sondern ausgebeutet und aus der Statistik entfernt. Überallem haben Sie natürlich auch nicht vergessen, den heiligen Eifer der Eichstätter Dienste zu loben, die scheinbar alles aus reiner Selbstlosigkeit ins Leben gerufen haben.

Wissen Sie, ich will an dieser Stelle nicht zu sehr ausufern, die Blödeleien der Moderatoren sind zwar auch schwer zu ertragen, aber man kann darüber hinwegsehen, solange sie einigermaßen neutral sind. Ebenso Ihre spontanen (?) Aktion, den Dienst als Oberbürgermeister reinzuwaschen, als man einen Tag das Amt tauschte, den Redaktionsleiter zum OB, den OB zum Redaktionsleiter machte. Vom „Beruf“ des Oberbürgermeisters sprachen Sie da – alleine daran erkennt man ja die Plattheit. Wo lernt man denn den Beruf des Oberbürgermeisters? Wielange dauert die Lehrzeit? Aber darüber kann man hinwegsehen, denn ein halbwegs vernunftvoller Mensch erkennt die Masche dahinter, erkennt das Anbiedern an Macht (auch wenn es nur eine regionale Macht ist) und Institutionen, sieht sehr wohl, dass es eine reine Eine-Hand-wäscht-die-andere-Aktion war. Aber wie Sie sich den wirtschaftlichen und behördlichen Aspekten an den Hals schmeißen, wie Sie irgendwelche Meldungen nachbeten, die Sie dann auch noch so hinstellen, als seien wir der allgemeinen Sorglosigkeit verfallen, dies darf nicht unkommentiert bleiben. An dieser Stelle könnten Sie jetzt einwenden, dass es Ihnen als Medium nicht zusteht, beispielsweise Ein-Euro-Arbeitsgelegenheiten zu kritisieren, weil Sie ja nicht Politik machen, sondern ein Radioprogramm, daher neutral sein müssen. Ich würde Ihnen da nicht uneingeschränkt beipflichten, weil stillschweigende Toleranz (als Auswuchs des Neutralismus) gegen das Falsche, Inhumane, Entwürdigende immer den repressiven Mißstand stillschweigend gutheißt, eben zur „repressiven Toleranz“ (um den Begriff Herbert Marcuses zu bemühen) wird. Aber das lassen wir hier beiseite. Wichtig wäre nur: Wenn Sie neutral sein wollen, müssen Sie es beidseitig sein. Neutralität ist nicht, wenn Sie redaktionell aufbereiten, was Behörden oder Unternehmen Ihnen vor die Füße werfen, um dann eine Art berichterstattende Hymne auf den Informationsgeber und sein glorreiches Tun zu singen – denn damit rechtfertigen Sie Mißstände und unterdrücken den kritischen Geist in dieser Region. Sie tun dabei so, als würden Sie Berichterstattung betreiben, aber ich sage es Ihnen ganz offen, Sie betreiben ein gutes Stück Volksverdummung, Sie halten die Massen bei notwendiger Laune, statt sie nach besten Wissen und Gewissen zu informieren.

Sicher, so fair muß man schon sein, dieser Krankheit sind nicht Sie alleine verfallen. Viele Radiosender, gerade auch kleine Radiosender, betreiben ein ganz ähnliches Geschäft. Von den Zunftriesen ganz zu schweigen, die ja mit Meinungsmachern verbandelt sind, so wie beispielsweise Antenne Bayern, an dem der Axel Springer-Konzern beteiligt ist. Oder fragen wir doch mal ganz offen, nicht rhetorisch sondern neugierig: Ist Radio IN auch irgendwie mit solchen wie Springer verquickt? Wissen Sie, es wird heute immer schwieriger zu überblicken, wer mit wem und wann und wieso, daher sollte man schon einmal nachfragen.
Medien werden gerne als die vierte Macht im Staate bezeichnet. Das stößt mir übel auf, weil es etwas Legitimierendes hat, wenn man dies so ausdeutet. Medien dürften im Optimalfall keine direkte Macht sein, ihre Macht müßte sich darauf beschränken, den Menschen, den Zusehern, Zuhörern und Lesern objektives Wissen zu vermitteln, damit diese dann zur Macht innerhalb des Staates werden können. Aufklärung als Machtsäule, nicht der Berufstand des (Kampagnen-)Journalismus. Sie, Ihr Sender, hier stellvertretend für eine Schafherde, deren Schafe vornehmlich schwarz sind, betreiben aber ein Geschäft der Machtlegitimierung. Weil Sie unkritisch berichten, weil Sie aufgehört haben zu hinterfragen, weil Sie den herrschenden Zuständen nicht trotzig-frech, sondern devot-nachäffend entgegentreten, sind Sie zur Säule geworden und erlauben es, wenn auch zunächst nur regional begrenzt, dass sich allerlei Gestalten aus der regionalen Politik und Wirtschaft, ungehemmt und ohne Angst vor Mediendruck durch die Lande bewegen, ihre kruden Geschäftchen betreiben können. Das Treiben der Granden unserer Region wird durch die Kritiklosigkeit der hier ansässigen Medien – auch z.B. der Donaukurier leidet unter diesem Virus - abgesegnet, wird also legitimiert. Seien wir direkter: Diese Arschkriecherei, wie wir sie nun täglich aus dem Äther vernehmen, ist nicht neutral und informierend, sie ist parteiisch (nicht im Sinne von Parteipolitik) und konditionierend. Sie schärfen nicht den kritischen Geist Ihrer Zuhörer, Sie untertreiben jegliche Kritik, weil Sie alles so darstellen, als gäbe es keine Kritik auszuüben – es wäre wahrscheinlich nicht einmal Ihre Aufgabe, Ihre Hörer zu kritischen Denkern zu erziehen, aber es wäre Ihre Aufgabe im mindersten Falle wenigstens neutral zu berichten. Oder gar nicht, wenn Sie nicht dazu fähig sind, beide Seiten zu beleuchten.

Wie gesagt, ich könnte umschalten, könnte mir den gleichen Mist auf einer anderen Frequenz anhören. Aber ich glaube, man muß solche Entwicklungen verfolgen, muß auf dem neuesten Stand der Verdummung und Meinungsmache sein, darf also nicht wegsehen oder –hören. Daher werde ich gelegentlich weiterhin reinhören und Sie werden, so hoffe ich inständig, überhäuft mit Schreiben anderer Menschen, die Ihre Medienarbeit genauso kritisch sehen und Sie das auch in aller Direktheit wissen lassen. So jedenfalls, in dieser Aufmachung, sind Sie nichts weiter als das regionale Zentralorgan der herrschenden Kaste. Ein Sprachrohr für die Granden, dessen Aufgabe es ist, die Weisheiten und Lumpereien von „denen da oben“ so aufzubereiten, dass es „die da unten“ auch schlucken. Und schmecken soll ihnen dieses Geschluckte natürlich auch noch – freiheitliche Berichterstattung sähe anders aus, bloß, wie mir scheint, weiß man davon in Ihrer Redaktion wenig.

Viele Grüße,
...

Dieser Brief ging postalisch an die betreffende Redaktion. Die unterlegte Verlinkungen wurden natürlich nachträglich angebracht. Noch eine Anmerkung: Radio Galaxy Ingolstadt, im gleichen Hause wie Radio IN untergebracht, auch vom gleichen Geschäftsführer geleitet, ist via Mantelprogramm tatsächlich mit Springer verquickt. Es dürfte also nicht wundern, wenn da die Springeritis ins bürgerliche Programmkonzept rübergeschwappt ist.

13 Kommentare:

Anonym 23. März 2009 um 04:24  

"[...]Es dürfte also nicht wundern, wenn da die Springeritis ins bürgerliche Programmkonzept rübergeschwappt ist.[...]"

Sehr gute Idee, die hoffentlich Nachahmer findet.

Ich schaute vor kurzem einen Film mit Eddy Murphy und zappte in der Werbepause herum wobei ich auf folgenden Kontraste-Bericht stieß:

http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_19_03/beitrag_2.html

Lest es ganz, aber nur soviel:

Man verlangt seitens der Journalisten ernsthaft "mehr Eigenverantwortung" von den Besuchern "Der Tafeln e.V."

Im entsprechenden Blog wurde mehrmals die Menschenverachtung, Einseitigkeit und der Sozialrassismus dieses Beitrages angeprangert, ja sogar mit Einschaltung des "Presserates" gedroht.

Hoffentlich wurde es umgesetzt, denn mir kam es auch so vor, dass unsere sich selbsternennden "Eliten" nicht einmal die Lebensmittelversorgung von "Die Tafeln e.V" Arbeitslosen gönnen - zynischer Weise in einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen seit 1929.

Wahrscheinlich wird es wirklich Zeit hier "No" zu sagen....

Oder wollen die "Eliten", dass Arbeitslose (Hartz IV-EmpfängerInnen etc.) "eigenverantwortlich" verhungern?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Manul 23. März 2009 um 09:02  

Letztens habe ich einen Radiobericht über die Medien in Südamerika gehört, nach dessen Aussage ausländische, vornehmlich US-amerikanische, Medienkonzerne dort die Meinungshochheit praktisch haben. Mir kam in dem Zusammenhang ein interessanter Gedanke in den Sinn: hätte sich einer mal hingesetzt und hätte die Verbindungen der Medienkonzerne weltweit betrachtet (wofür mir selbst leider die Zeit und Musse fehlt), also von der Zeitung (oder Radio- und TV-Sender) an bishin zu den Eignern und Eignern von Eignern, dann würde man unter Umständen rausfinden, dass die Meinungshochheit weltweit im Prinzip nur von einigen wenigen Leuten abhängig ist, die dafür sorgen, dass nur das geschrieben und gesendet wird, was sie sich wünschen. Weltweit ist nämlich der Anteil an unabhängiger Presse am Abnehmen, in vielen Ländern gibt es kaum noch unabhängige Zeitungen, von Radio und Fernsehen ganz zu schweigen.

In dieser Konstellation ist es für eine(n) abhängige(n) Zeitung/Sender schwer neutrale Berichterstattung zu machen, denn inzwischen haben wir es oft mit echter Propaganda zu tun, die diesmal allerdings nicht staatlicher, sondern ökonomischer Natur ist, wo Wirtschafsmeldungen zu Propagandameldungen werden (und entsprechend viel gelogen wird). Ich glaube daher, dass es zwecklos ist sich ernsthaft über die Einseitigkeit der Medien aufzuregen, auch wenn es mich natürlich auch selbst wütend macht, dass ich jeden Tag auf Neue immer die selben Lügen lesen und hören und mir die Meldungen zusammen suchen muss, die natürlich keiner erwähnt, weil sie nicht propagandagerecht sind - ganz zu schweigen von den ewigen Diskussionen mit Menschen, die diese Lügen glauben, weil sie es oft nicht besser wissen. Solange aber die Medien fest im Griff des Geldadels sind, wird sich an diesem Status Quo leider nicht viel ändern und das Internet wird die einzige Möglichkeit bleiben.

Um Medien wieder zu demokratisieren, bedarf es eines Impulses seitens derer, die eigentlich den Demos vertreten sollen, was sie aber bekanntermassen nicht tun. Vielmehr ist sogar zu befürchten, dass die bisher relativ unausgegorenen Ideen das Internet zu kontrollieren, doch noch in unbeobachteten Moment hinterrücks Anwendung finden. Und dann... tja, dann müssen wir wohl wieder Flugblätter drucken und verteilen (was heutzutage dank Laserdrucker sich etwas einfacher gestaltet...).

Margitta 23. März 2009 um 10:08  

Lieber Roberto,

mit diesem Beitrag forderst Du mich einmal mehr dazu auf, meine Angst zu überwinden und meine Bedenken (welche letztendlich nur Entschuldigungen für MICH sind, dass was ich tun muss nicht zu tun)beiseite zu schieben und MEINEN Beitrag für eine bessere Gesellschaft zu leisten. Du unterstützt mich mit Deiner Art die Dinge an- und auszusprechen, darin eine Form zu finden, meinem Gegenüber meinen Standpunkt nahezubringen. Dafür meinen herzlichsten Dank.

Mancher Leser mag nun denken, was soll dieses Geschwätz, das hat doch nun garnichts mit dem Thema zu tun. Kann DIE ihre Ergüsse nicht für sich behalten?

Nun ja, nach meinem Empfinden ist es unabdingbar, - um am Aufbau einer besseren Gesellschaft mithelfen zu können - sich ersteinmal um seine eigene Entwicklung zu kümmern. Sich z.B. zu fragen, "WARUM" mache ICH das so? "WARUM" denke ICH, dass die Dinge so sind? "WARUN" macht MICH dies oder jenes so wütend? und so weiter und so fort.....

Sicherlich ist es einfacher die Schuld, dass sich nichts ändert, beim "Anderen" zu suchen. Dem "Andern" zu sagen, nun mach doch mal was! In dieser Falle steckte ich auch Jahrelang, bis ich dann endlich einsah, dass dieses Verhalten zu nichts führt.

Irgendwann stellte ich mir die Frage: WER ist der ANDERE? Bin ich nicht auch für "Andere" die/der "Andere"???

Ich jedenfalls habe mich, - nachdem ich mir diese Frage beantwortet habe, - darauf konzentriert, herauszufinden warum mich dies oder jenes ärgerte. Immer fand ich dadurch eine Seite an MIR, welche mir nicht gefiel und somit meinen Ärger hervorrief.

Da ich nun der Ansicht bin, dass Entwicklung auf dem Prinzip "Nehmen und Geben" basiert, gebe ich meine Erfahrungen auf diesem Wege weiter.

Ich verstehen Robertos "Brief an eine Redaktion", als SEINEN Weg, die Gesellschaft etwas besser und aufmerksamer zu machen. Wein Weg wird ein anderer sein. Dass viele "IHREN" Weg finden und gehen werden, ist mein Wunsch.

In diesem Sinne
Liebe Grüße
Margitta Lamers

Frank 23. März 2009 um 15:24  

Das Problem, das Roberto hier anspricht, ist ein systemimmanentes. Ich stamme aus dem Ruhrgebiet, und als dort der private Lokalfunk eingeführt wurde, gab es sozusagen ein Vorkaufsrecht für die Presse. Also schlug der WAZ-Konzern zu. Neben den Lokalfunksendern in den Städten wurde dann noch ein "Mantelsender" für NRW aus dem Boden gestampft, mit dem die Lokalsender Verträge eingehen mußten (Z.B. Musikauswahl/-lieferung betreffend, die sogenannte "Playlist"), was dazu führte, daß nur noch Einheitsbrei gesendet wurde. Dazu kamen dann noch "wissenschaftlich erarbeitete" Kriterien, wie z.B. die, daß Wortbeiträge nicht mehr länger als 3 Minuten am Stück sein dürfen, daß die Morgendsendungen mit Oldies zu beginnen haben, daß ein Verhältnis 20:80 (Wortanteil zu Musik) eingehalten werden müßte usw. usw. usw. - klar, das der nächste Schritt in die Richtung ging, "gute Stimmung" zu verbreiten (damit die Werbekunden auch Sinn darin sehen, Clips zu schalten). Ich denke, auf die Republik hochgerechnet wird das überall so gehandhabt. Also, was erwartest du, Roberto? Die tun nur ihren Job. Alle tun nur ihren Job. Das haben auch alle vor 1933 und danach getan, nicht wahr?
(Sorry, ich habe heute einen Anflug von Zynismus)

Roberto J. De Lapuente 23. März 2009 um 17:37  

Soll ich ehrlich sein? Was ich erwarte? Gar nichts. Aber gesagt will ich es haben.

Margitta 23. März 2009 um 18:49  

Da stimme ich Roberto zu!

Was in einem brennt, muss ausgesprochen werden, und dies laut, damit es gehört werden kann, sonst besteht die Gefahr, dass mensch daran erstickt.

Anonym 23. März 2009 um 20:00  

Hallo Roberto,

Keiner in diesem Land scheint den Einfluß des Bertelsmann-Konzerns zu kennen. Der fünftgrößte Medienkonzern der Welt mit hunderten Verlagen, Druckereien, Radiosendern, Fernsehsendern, Onlineauftritten,... Die derzeitige Gleichschaltung der Medien hat dort mE seinen Anfangspunkt. Der Rest ist "positive Rückkopplung". ^^

Anonym 23. März 2009 um 21:27  

Dieser ganze Bertelsmann- und Springer Moloch gehört in 1000-Teile zerschlagen. Solche Konzerne sind extrem meinungsbildend (im negativen Sinn) und für die Unfreiheit der Menschen genauso verantwortlich, wie es zu allen Zeiten die meisten Religionen sind und auch schon immer waren.

Pankefuchs 23. März 2009 um 21:28  

Faszinierend diese Wortwahl.
Leider schaffe ich es nicht, meine Finger im Tempo meiner Gedanken zu lenken.
Ein toller Beitrag. Aber - ich versuche bei allen Dingen die Geschehen, Beispiel auch Winnenden, immer die Ursache zu ergründen. Wie gesagt, ich versuche es.
Wo ist das Problem dieser Radio- und TV-Sendungen?
Da ist auf jeden Fall die Lenkung von oben zu nennen.
Aber wo endet letzten Endes heute jede Handlung?
Bei der Finanzierbarkeit. Vereinfacht gesagt:
Kein Verkauf - kein Usatz - keine Löhne - kein Leben!
Es beginnt, aus meiner Sicht in frühester Kindheit. Jeder will doch seinen Kleinen ein schönes Leben ermöglichen. Die Kinder sollen keine Sorgen haben. Also ebnet man ihnen, so man kann, das Leben.
Was ist die Folge dieser, leider erst im Nachhinhein, zu sehenden Maßnahmen?
Die Kleinen werden unkritisch, da sie sich selbst "keinen Schädel" machen müssen.
Dann kommen, früher oder später, die "besten Babysitter" zu Einsatz. TV und Computer!
Was werden sich die kleinen am liebsten im TV reinziehen?
Fun und Spass, oder Hochintellektuelles was erst nach 23 Uhr auf ARTE und co. kommt (wenn überhaupt)!
So geht es im Leben weiter.
Bei Small-Talk Ratgebern kommt der Rat sich alles anzusehen um mitreden zu können. Wenn man sich dann im Kollegenkreis als politisch sehr Interessierter und kritisch Denkender outed, kommt im günstigsten Fall Kopfschütteln oder Lächeln.
Ein Hauptproblem bei "Andersdenkenden" ist oft, dass man ja für seine 10 Jährige für 50€ nichts mehr zu kaufen bekommt (Geburtstag) und was sich Neues bei DSDS ereignet hat.
Und schon schließt sich wieder der Kreis.
Aber bei allem will ich mich mit Kritik an den Eltern zurückhalten. Ich selbst arbeite 8h und bin je Strecke knapp 1,5h unterwegs. Macht also knappe 11h pro Tag von zu Hause weg. Mann könne sich ja was Näheres suchen, aber ab 47 ist das nicht mehr so einfach. So hat dann schon seit langer Zeit der TV oder PC die Kontrolle, obwohl auch Sport vorhanden ist. Aber man will ja auch nicht 7 Tage die Woche Streß verbeiten.
Es ist jetzt zu merken, dass ich wieder vom Huntertsten zum Tausendsden komme!
Meiner Meinung nach beginnt die Misere, die sich am Ende auch in den Medien äußert, bereits in der Kindheit. Solange es den Kleinen gut geht, vielleicht zu gut, werden sie keine Lust haben NIVEAU zu konsumieren oder Dinge zu hinterfragen die sowieso da sind.
Man wird letzten Endes kaum etwas senden, was nicht gesehen oder gehört wird (Finanzen).
Wenn die Nike's am Fuß und die Addidasses an der Schulter kleben, ist das Leben o.K. - jeden Falls für die Meisten.
Also mein Rat an alle, die wirklich tolle Beiträge schreiben: Seht was Ihr bei Euren Kindern macht. Was nützt die größte Kritik in Foren, wenn im Privaten alles in Richtung FUN, SPASS und SORGLOSIGKEIT geht!
Aber schreibt trotzdem noch tolle Beiträge ;-)

epikur 23. März 2009 um 21:36  

Sechs große Medienkonzerne beherrschen weltweit den Großteil aller Medienerzeugnisse: Vivendi Universal, Time Warner, Bertelsmann, Viacom, News Corporation und die Walt Disney Gruppe. Kein Wunder, dass diese nur Propaganda senden. Von Meinungspluralität kann keine Rede sein. Frei ist die Presse nur für den, dem sie gehört.

Roberto J. De Lapuente 23. März 2009 um 21:38  

"Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde
jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unser Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte."


John Swinton, einstiger Redaktionsleiter und Personalchef der New York Times, im Jahre 1953

otti 24. März 2009 um 11:51  

Wenn sich die Medien nicht mehr als vierte Gewalt begreifen, sondern der obersten Gewalt, dem Reichtum, zuarbeiten, kann nur Unheil entstehen.

Erwähnenswert wäre dazu noch, dass auch die drei anderen Gewalten (Legislative, Exekutive, Judikative) in vielen Fällen eine unheilige Allianz bilden, anstatt sich gegenseitig verantwortungsvoll rechtsstaatlich zu kontrollieren.

Die auf der oben genannten Site rudimentär erörterten Machenschaften (Überbau) der 'Staatsgewalten' und von so genannten - verkrebsten - Organen der Rechtspflege sind dafür ein schlagendes Beispiel.

Auch bezeichnend:
www.rechtsverweigerung.de

Wie einer Bügerin wegen einer 'schönen Frau' das eigene Grundstück rechtswidrig teilweise überbaut werden konnte, ohne dass dieser Rechtsfrevel (Überbau) von 'unabhängigen' Gerichten aus der Welt geschafft wird.

In der Tat, unsere gesamte Gesellschaft ist verkrebst. Sei es die Finanzwirtschaft, die jetzt den Offenbarungseid zu leisten hat. Sei es die Politik ...

anobo 25. März 2009 um 15:10  

Hallo Roberto,

ein kleiner Blick auf Paul Sethe (http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Sethe):

Sein wohl berühmtester Ausspruch stammt aus einem Leserbrief im Spiegel vom 5. Mai 1965 „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ Dort hieß es auch: „Da die Herstellung von Zeitungen und Zeitschriften immer größeres Kapital erfordert, wird der Kreis der Personen, die Presseorgane herausgeben, immer kleiner. Damit wird unsere Abhängigkeit immer größer und immer gefährlicher.“ Er wisse, dass es im deutschen Pressewesen Oasen gebe, „in denen noch die Luft der Freiheit weht, (...) aber wie viele von meinen Kollegen können das von sich sagen?“

Heute kann man die 200 wohl durch eine Zahl kleiner 10 ersetzen...

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