Berufung

Freitag, 27. März 2009

Ich mache nur meinen Job, meint der verhartze Büttel und verordnet dem Kunden betitelten Bedürftigen einen drei Monate dauernden Notstandsspeiseplan.
Ich befolge nur Anweisungen, erklärt der Angestellte des Energieriesen und eröffnet einer verarmten Familie per Leitungsabklemmung ein Leben in der elektritzitätsbefreiten Steinzeit.
Ich tue nur meine Arbeit, rechtfertigt sich der Bedienstete einer Krankenkasse und verwährt einem leidenden Patienten die nicht im Leistungskatalog stehende, doch wirkungsvolle Behandlung.
Ich folge nur den vorgeschriebenen Prinzipien meiner Stellung, sagt der Personalchef und entkettet an einem Vormittag fünf Familienväter, schenkt ihnen die Freiheit der Arbeitsagentur.
Ich richte mich nur nach Anordnungen, entschuldigt sich die vermenschlichte Wanze und späht weiterhin im Namen ihrer Firma Mitarbeiter aus.
Aber ich handle nur nach Stadtverordnung, behauptet der Polizist und führt den bettelnden Obdachlosen mit kühler Miene ab.
Befehl ist Befehl, salutiert der Soldat und schießt präventiv auf alles, was sich bewegt, auch auf zivile Moorhühner.
Befehl ist Befehl, salutierten einst Soldaten mit Runenzeichen auf der Mütze und schossen Internierten in den Schädel.

Oh ja, wir leben in einer Welt der beruflichen Versessenheit. Trefflich ist es da, Gesetze, Anordnungen und Befehle zu haben, um seinen räudigen Beruf, seinen Dienst an der Verunmenschlichung, wenigstens in den schönsten Farben zu malen. Versessen sind sie auf Hehres wie Gesetz und Befehl, die ihr eigenes Gewissen betäuben, die eichmanniarisch wohlig schlafen lassen, mit dem zufriedenen Gefühl des ungebremsten Diensteifers im Traume. Bloß nicht Mensch bleiben, bloß nicht Mitleid oder Verständnis empfinden. Dafür sind Gesetze nicht gemacht. Maske auf und kalt sein, kalt wirken, Kälte fabrizieren, Eiszeit in die Gesellschaftsadern spritzen. Das Menschliche taub stellen, mit einem Eisspray betäuben, mit dem Eisspray der eigenen Herzenskälte, versteckt hinter Paragraphen und Anordnungsschreiben.

Ich aber, ein in ethischen Kategorien denkender Mensch; ich aber, Schreiber dieser bescheidenen Trauerrede, will diese Eiseskälte, will die Erbarmungslosigkeit der Berufsritter, den Frost ihres Tuns benennen. Ich aber, der über diese Gesellschaft schreibt, über die verlorene Menschlichkeit, über das Versteckspiel hinter Berufsmasken, bin moralisch dazu verpflichtet, diese verstümmelten Charaktere immer wieder anzumahnen, sie als Eichmänner im Kleinen zu demaskieren. Sie, lieber Leser, müssen schon verzeihen. Schließlich ist das mein Beruf, meine Berufung, sagt der Vater dieser Zeilen und legt den Finger in jene klaffenden Wunden, die die gesellschaftsimmanente Unmenschlichkeit bestialisch reißt.

27 Kommentare:

Anonym 28. März 2009 um 00:06  

Hallo Roberto,

wieder einmal fulminant formuliert.

Die "Berufung" geht ja mittlerweile soweit, dass manche "Eichmänner" ganz ihre anerzogenen "christlichen Werte" im Sinne des Großinquisitors Ratzinger, alias Papst Benedikt XVI, auslegen.

Wie ich diese Parallele sehe? Der dt. Papst hat nicht allein mit seiner Anti-Kondom-Haltung in Afrika weltweit für Aufregung gesorgt, nein, dieser bayrische Deutsche hat doch - wohlgemerkt in einer der ärmsten Regionen dieser Erde - gegen den "Mammon" und den "Materialismus" gepredigt.

Tja, und gleichzeitig wird in Deutschland Bettlern die Stütze kassiert, wenn die beim Betteln erwischt werden.

Tja, da bleibt einem die Spucke weg....ehrlich....

Und Jesus....sollte die Geschichte wahr sein...müßte sich bei solchen Zuständen noch einmal für die Sünden der Welt kreuzigen lassen...

Übrigens, nur noch als Ergänzung, bei dem Großinquisitor in Rom denke ich oft an die Bibelstelle die vor den "Pharisäern" und "Schriftgelehrten" warnt....

...die eben nun in Afrika Mitmenschlichkeit heucheln, und gleichzeitig gegen den "Materialismus" predigen...

Ist Benedikt XVI mit Horst Köhler verwandt? Mit dem Unterschied: Während Horst Köhler, der BP, in Deutschland frei und frech hinsteht und behauptet, "dass wir alle über unsere Verhältnisse gelebt haben" predigt Benedikt XVI das selbe in einem afrikanischen Land wo Menschen wirklich Hungers sterben....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

khamp 28. März 2009 um 01:15  

chapeau ! observé finement

Charlie 28. März 2009 um 01:16  

Wieder einmal trefflich geschrieben - der Text erinnert mich ein wenig an Wolfgang Borcherts "Dann gibt es nur eins".

Die Frage ist nur: Was würde heute geschehen, wenn mehr Menschen nein sagen würden?

Kurt aka Roger Beathacker 28. März 2009 um 01:49  

Dazu ein Literaturtip:

Guenther Anders.
Die Antiquiertheit des Menschen.

Gruss

Kurt

Kurt aka Roger Beathacker 28. März 2009 um 01:52  

Gerade erst bemerkt: Hier gibt es eine Leseprobe.

ben 28. März 2009 um 09:28  

Natürlich gibt es diese gesellschaftlichen Verwerfungen, die hier und in anderen Texten beschrieben werden. Sind aber die in der Presse oft bis zum letzten ausgeschlachteten Fälle wirklich immer die existierende Realität?
Gibt es auf der anderen Seite nicht genau so viele Fälle, in denen die Menschlichkeit siegt und über die eben nicht berichtet wird?

Ich bewege mich selbst in einem Arbeitsumfeld, in dem jeder Mitarbeiter mehr oder weniger in den Augen der Herrschenden dort eine Nummer ist und könnte diesem Artikel vorbehaltlos zustimmen.
Dies ist aber nur meine Wahrnehmung im Mikrokosmos, in dem ich mich jeden Tag viel zu lange aufhalte und der meinen Blick in diese Richtung schärft, das Lesen von Nachrichtenseiten und Blogs tun Ihr Übriges, um meine Eindrücke zu bestätigen.

Muss man nicht fragen, warum in vielen Fällen Menschen so handeln? Sind wir wirklich so geboren, dass wir nicht anders können oder welche Verhältnisse zwingen uns dazu?

Meine Überzeugung ist, dass die herrschende wirtschafliche Ideologie, alles und jedes dem Gewinn und dessen Maximierung unterzuordnen, viele Menschen in diese Richtung treibt. Bevor einem selbst der Geldhahn zugedreht wird, dreht man diesen doch lieber jemand anders zu (polit. Stichwort: Eigenverantwortung).
Das hat es und wird es irgendwie immer geben, aber die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten zwanzig Jahre Jahre haben den Druck auf jeden Einzelnen um ein vielfaches erhöht.
Das entschuldigt natürlich nicht die Verfehlungen jeden Falles, aber für mich ist es unter diesen Bedingungen eine natürliche Entwicklung, die ohne eine gesellschaftliche politische Änderung den entsprechenden Nährboden gefunden hat.

Allerdings glaube ich nicht daran, dass diese Fälle den generellen Zustand der Gesellschaft beschreiben. Ich hoffe nicht, dass es nur eine Hoffnung ist, die mich aufrecht hält...
;-)

Lizzie 28. März 2009 um 09:41  

Lieber Roberto,
danke für diesen und viele andere anspruchsvolle, motivierende, aufrüttelnde und betroffen machende Texte. Es tut gut, zu wissen, dass es da draußen in den irren Wirren des Internets Menschen gibt, die ähnlich achtsam und sensibel erkennen, was in der Welt vorgeht.

Ich weiß, dass (instutionalisierter) Glaube von dir auch kritisch gesehen wird, trotzdem möchte ich auf ein Bibelzitat hinweisen, dass mir sofort in den Sinn kam, als ich deine Worte las:

"Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten."
(Matthäus 24,12)

Peinhard 28. März 2009 um 10:08  

Günther Anders wies in der 'Antiquiertheit des Menschen' bereits darauf hin: auch das KZ-Personal habe nur 'seine Arbeit gemacht'. Natürlich ist es schön, sich dabei noch 'Hehres' einbilden zu können - aber ist nicht auch das längst überlagert von 'Hauptsache Arbeit'? Ob wir Granaten herstellen, als 'arge' Sachbearbeiter Konfirmationsgeschenke in 'geldwerte Vorteile' umrechnen, wertvolle Rohstoffe in Plastikmüll verwandeln, Lebensmittel zur Preistabilisierung vernichten oder gleich auf Menschen schiessen - machen wir alle denn nicht nur 'unsere Arbeit'...? Das 'Hehre' wie auch die 'Berufung' ist da auch schon längst obsolet. Es ist nur etwas, dem wir 'nun mal' nachzukommen haben - wenn wir nicht 'exkommuniziert' und/oder 'ausgehungert' werden wollen. 'Verantwortung zeigen' - das wäre in dieser Gesellschaft schon lange eigentlich nur noch der unbefristete Generalstreik. Ich würde daher als Titel deines Beitrags einen viel profaneren vorschlagen: 'Arbeit'.

Jochen 28. März 2009 um 10:11  

Danke für diesen Text. Er ist erstklassig.

Kurt aka Roger Beathacker 28. März 2009 um 10:37  

@ peinhard

dabei liegt ja das wirkliche Perfide in dem Umstand, dass wir bei "unserer Arbeit" oft genug gar nicht wissen (koennen) was wir (mit-)tun, d.h. welchen fuerchterlichen Zwecken die ganz harmlosen Dinge, die wir all-taeglich produzieren, dienen moegen. Irgendeine Schraube - ein ansich vollkommen "unkritisches" Bauteil - kann ebensogut in einem Fahrrad enden, wie in einem Maschienengewehr.

Anonym 28. März 2009 um 11:15  

Lieber Roberto, danke wieder für Ihren kritischen Text.

Ich kann Sie sehr gut verstehen, dass Sie, quasi als Gegenpol, hier in Ihrem Blog alles das „rauslassen“ was Sie als angestellter oder freier (?) Journalist beim Schreiben unterdrücken müssen.

Das, was wir täglich „bringen“ müssen in der Zeitung, die uns unsere „Brötchen“ verdienen lässt, bringt auch mich immer wieder in Kollision mit mir selbst: Da muss man verschweigen wo eigentlich Fakten hingehören. Da wird man dazu angehalten, möglichst im Sinne des Chefredakteurs zu texten. Oft gleichen die Texte eher einer fast schon unverschleierten PR für irgendeine Ideologie.

Ich habe etliche Kollegen erlebt, die eine Weile dagegen angekämpft haben – es dann aber schließlich aufgegeben haben – um ihre „Existenz“ beim Verlag nicht zu gefährden.

Meist mit nur scheinbarem Erfolg, denn wenn die Erträge nicht stimmen, schert sich kein Verleger um ihre Gewissens- und Existenznöte.

Nun zu Ihrem Text. Es ist sicher richtig und gut, immer wieder Missstände anzuprangern. Es ist allerdings viel einfacher, diese immer und immer wieder zu benennen als gegenzusteuern und das Nachdenken über eine andere Lebensphilosophie zu fördern.

Ich glaube, es stände Ihnen gut an, wenn Sie „weiter denken“ würden.

Wie soll sie aussehen die tägliche „Berufung“?

Welche Möglichkeiten sehen Sie für eine Gesellschaft, die den Versuch wagen soll alle die, von Ihnen beschriebenen Unwägbarkeiten abzuändern?

Meine Befürchtungen: Wir machen uns immer wieder „Luft“ und klagen an – aber können wir Wege beschreiben, die ein besseres Zusammenleben ermöglichen?

Oder bleiben wir in unserer permanenten Ratlosigkeit befangen?

Franktireur 28. März 2009 um 12:36  

Ich hatte mich vor einer Weile auch damit beschäftigt. Anlaß waren die Meldungen zu den Bahnkontrolettis, die Kinder und Jugendliche nachts im freien Feld aus dem Zug werfen, weil sie keine Fahrkarte haben...

http://www.franktireur.de/wordpress/2008/11/11/eichmann-lebt/

Ich weise deshalb darauf hin, da dies im Widerspruch steht zu manchen Kommentaren zu deinem Artikel, Roberto.
Ich sehe das nämlich genau so wie du. Es ist eine faule Ausrede, wenn ins Feld geführt wird, "man könne die Auswirkungen seiner Handlungen ja nicht überschauen". Das mag viellicht zu Beginn gelten, aber nicht, wenn man bereits Jahre mitmacht in einem System, über das genug Infos vorliegen, um für sich entscheiden zu können, ob man das mit seiner eigenen Ethik und Moral in Einklang bringen kann.

klaus baum 28. März 2009 um 12:42  

Ich dachte doch tatsächlich noch in den 60er Jahren, dieses "Ich führe doch nur aus" wäre verschwunden. Mittlerweile feiert es seine Wiederkehr. Geschichte wiederholt sich doch. Bei allem Glauben Hegels an den Fortschritt in der Geschichte, an die Zunahme der Bewußtheit der Menschen heißt es in der "Philosophie der Geschichte": Was wir aus ihr lernen, ist, daß wir nichts aus ihr lernen.

Roberto J. De Lapuente 28. März 2009 um 12:46  

Frank, Sartre schrieb mal sinngemäß, dass ein Jude jederzeit die Freiheit hätte. in einen Laden zu gehen, an dem "Juden verboten" steht. Konsequenzen hätte es gehabt, keine Frage. Aber die Möglichkeit Nein zu sagen zum Verbot, dieses revolutionäre Wörtchen "Nein", die war gegeben. Wenn heute die Bediensteten der Unmenschlichkeit Nein sagen würden, hätte es Konsequenzen, weil, und ich zitiere Marcuse zum tausendsten Male, "der Kampfs ums Dasein verewigt" wurde. Wir könnten folglich in einer Welt leben, in der jede existenzielle Notwendigkeit befriedigt sein könnte - das ist der Schlüssel, denn wenn jeder Mensch weiß, er hungert nicht, behält sein Obdach, Sicherheiten etc., seine Würde also, dann kann er auch Nein sagen und eine Konsequenz wie eine Kündigung beispielsweise mit Würde tragen. Und dieses stetige Hindeuten auf das Paradoxe des Kapitalismus, auf die Lebenslüge dieses Systems also, ist der konkrete Ansatz des Weiterdenkens. In einer solchen Welt kann ich die Freiheit wählen...

Kurt aka Roger Beathacker 28. März 2009 um 14:57  

"Ich dachte doch tatsächlich noch in den 60er Jahren, dieses "Ich führe doch nur aus" wäre verschwunden. Mittlerweile feiert es seine Wiederkehr."

Nein - es war wohl nie weg. Aber wo kein Klaeger da kein Richter.

Anonym 28. März 2009 um 15:50  

Zitat von: Charlie 28. März 2009 01:16

Wieder einmal trefflich geschrieben - der Text erinnert mich ein wenig an Wolfgang Borcherts "Dann gibt es nur eins".

Die Frage ist nur: Was würde heute geschehen, wenn mehr Menschen nein sagen würden?"

Eine mögliche Antwort:

Was geschehen würde oder
schon geschieht, ist hier nachzulesen:
Vorbereitung auf Unruhen seitens der Zivilbevölkerung in den USA
Die Gesetzgebung zur Errichtung von Internierungslagern an US-Militärbasen(...)
weiter hier:
http://zmag.de/artikel/vorbereitung-auf-unruhen-seitens-der-zivilbevoelkerung-in-den-usa

noch Fragen?

Caroline 28. März 2009 um 16:48  

Auch mich hat dieser Artikel wieder sehr berührt.

Tja, wie werden Menschen zu dem was sie sind und wie sich in der Gesellschaft bewegen ?

Mir ist der Artikel " ALG II - Töten per Gesetz ? " von Hajo Freese eingefallen. Er sieht die Verbindung zu der Analyse "Täter" des Sozialpsychologen Harald Welzer.

Der Artikel ist wirklich empfehlenswert und hier zu finden:

http://la-bora.de/wb/pages/posts/alg-ii-96-tF6ten-per-gesetz-hajo-freese--2009561.php

Anonym 28. März 2009 um 17:23  

Tja leider.

Fragt sich nur, wann das Finanzamt bei besagtem Herrn in Göttingen an die Tür klopft. Zusatzeinnahmen wollen schliesslich besteuert werden.

Jan Perlak 28. März 2009 um 19:49  

Man muss, glaube ich, ein Stück weit unterscheiden. Zwar könnten sicherlich viele Menschen protestieren z.B. gegen demütigende und schickanierende Vorgehensweisen in den Arbeitsagenturen. Sie können auch versuchen, jeglichen Spielraum zu nutzen, den das Gesetz zulässt. Wer das nicht tut, dem kann und soll man in der Tat einen Vorwurf machen. Allerdings sollte man auch bachten, dass sich das System diese Leute auf die ein oder andere Weise immer holt.

Wenn sich die Menschen flächendeckend weigern würden, in solchen Positionen tätig zu sein, die die inhumane Unterdrückung und Schändigung anderer Menschen zum Ziel haben (wie der Außendienst der Sozialämter, Inkasso-Unternehmen, Zwangsvollstrecker etc.), dann hat der Staat noch ganz andere Möglichkeiten. Er kann ja – welch seltsame Ironie – arbeitslose Menschen unter bekanntem Zwang der Leistungskürzung dazu verpflichten, in der ARGE zu arbeiten – um dort selbst anderen Menschen Leistungskürzungen aufzuzwingen.

In der Tat aber wäre ein gesellschaftlicher Widerstand gegen die kapitalistischen Unterdrückungssysteme schon die halbe Miete.

pillo 28. März 2009 um 21:09  

Ja, da sind sie wieder, die berühmten Sekundärtugenden. Man mische diese mit einer gehörigen Portion Angst um die eigene kleine, jämmerliche Existenz und heraus kommt eine toxische Verbindung, die in der Lage ist das gesamte gesellschaftliche Klima zu vergiften. Dann noch eine Brise Intoleranz, konservative "Werte" und religiösen Mummenschanz dazu geben, und die Situation für Minderheiten, "Volksschädlinge" und "Schmarotzer" wird lebensgefährlich. Jahre später wird der "anständige" Durchschnittsbürger wieder einmal ratlos vor der Geschichte stehen und sich fragen, wie das bloß geschehen konnte.

Anonym 28. März 2009 um 21:47  

lieber roberto,
liebe kommentatoren...

... nur allzugerne würde ich einen hilfreichen oder zumindest ergänzenden kommentar abgeben, doch die worte fallen mir schwer bei diesem thema, da es etwas ist womit ich mich schon sehr lange beschäftige, und bei mir zum teil schmerzhafte emotionen auslöst werden ...

wie ich finde, so ist aufmerksamkeit und wissen um die eigenen handlungen und deren auswirkungen ausschlaggebend für jedes halbwegs "bewusste leben"

da passen viele täglich zu beobachtende handlungen hinein, sei es das leute sich einem in den weg stellen, in gedanken versunken anrempeln, einem die vorfahrt nehmen, beim gassi gehen autos anpinkeln lassen, sich an der kasse vordrängeln, sich in einer unterhaltung mittels lautstärke hervorheben und anderen über den mund fahren, sich über dies und das zu beschweren es selber aber nicht besser machen ...



frank klein hatte es in seiner jugend nicht einfach, seit seiner einschulung hänselten ihn die klassenkameraden wegen seines leichten lispelns, was dazu führte das er anfing weniger zu reden, um irgentwann nur noch das nötigste zu sagen ...
dies half ihm leider nicht, denn er war zu dem zeitpunkt bereits der klassenboxsack, auf dem jeder rumhacken durfte ...
die lehrer sahen meist weg, und auch sonst gabe es wenig hilfe ...
nachdem etwa 9 jahre des mobbings, der täglichen drangsalierungen und jeden zweiten tag davon er verprügelt wurde ins land gegangen waren, wandte er sich an seinen lehrer, der ihm sagte: du provozierst sie doch mit deinem fehler, selbst schuld ...

damals wurde frank zudem noch mit der theorie konfrontiert das er ja immer die wahl hatte ...
die wahl zb. seine gefühle zu ignorieren und glücklicher zu sein, oder sie wahrzunehmen und daran zugrunde zu gehen ...
das war der tag, an dem er beschloss zu sterben ...

frank klein hatte jedoch nicht den mut selber hand an sich zu legen, und lies daher lediglich sein herz langsam aber sicher abstumpfen ...

anfang zwanzig fing er an jura zu studieren, da dies zwar keinen reichtum beschert, dennoch eine überduchschnittliche gutgestellte existenz ermöglichen könnte, und er sich vor allem an festgelegten regeln orienbtieren konnte, die keinerlei emotionale entscheidungen benötigten um seinen beruf auszuüben, zb als richter.

tiefmenschliche regungen brachten ihn zu einer kurzen affäre, welche aufgrund seiner immer mehr menschlich und eigenverantwortlich vernachlässigenden art zu leben eine tochter beschehrte, heiratete, eine fast glücklose ehe führte ...

seine frau hatte ihn zwar mehrmals verlassen, war aber immer wieder zurückgekehrt, da sie keine eigene existenz aufbauen konnte da sie u.a. viel zu früh schwanger wurde, nie einen beruf erlernt hatte und eh katholisch erzogen war ...

die jahre vergingen schnell, wärend sie sich abends meist betrank, ihre tochter inzwischen 13 und nur noch videospiele, video's und bücher verschlang, schloss frank klein sich meist im arbeitszimmer ein um akten zu lesen, um nach den regeln zu urteilen ...
viele urteile musste er schon fällen, einen über einen kaufhausdieb, ein paar wegen steuerhinterziehung, viele wegen gewalttätigen auseinandersetzungen, aber auch arbeitsrechtliche urteile ...
so ließ er einen steuerhinterzieher auf freiem fuss obwohl es um sehr grosse summen ging welche im sozialbudget des staates fehlten, verhalf einem anderen menschen zum verlust der eigenen freiheit da er dreimal schwarz gefahren war, und bestätigte die rechtmäßigkeit einer fragwürdigen kündigung ...
moralische bedenken hatte er keine, denn er musste ja nur regeln befolgen, und die nahm er sehr streng ...

eines tages fand er sich an einem grab, welches grade erst ausgehoben wurde ...
im sarg, seine eigene tochter die dieses emotionslose leben und die vernachlässigung nicht mehr ertragen konnte und sich das leben nahm, nachdem sie endlose male gebettelt hatte, heulte und nächtelang nicht schlafen konnte aufgrund der bauchschmerzen ...

dies war der tag, an dem frank klein langsam dämmerte, das er sich seiner familie gegenüber genauso verhalten hatte wie seinen "klienten" gegenüber, und er eine höhere verantwortung für die geschichte seines handeln's hatte als es ihm vorher bewusst war, denn er war ja selber opfer ...

wenige zeit später kam die scheidung ...

viele jahre mussten vergehen, bis er akzeptieren konnte, das er für sein leben und das seiner mitmenschen direkt verantwortlich ist ...
zwar hatte er nur geringfügigen direkten einfluss auf seine schlimme jugend, aber alles was er danach tat fing er an in zweifel zu ziehen, auch wenn er selten herr seiner eigenen handlungen war ...






... zu guter letzt:
ich habe nicht vor handlungen zu entschuldigen die moralisch fragwürdig sind ...
ich wollte nur einen fiktiven hinweis einstreuen wie man ethische grundsätze verleugnen oder verdrängen kann ohne es allzu sehr zu bemerken ...

davon mal abgesehen bin ich der festen überzeugung, das einem nicht allzu traumatisierten menschen meist bewusst ist was er oder sie tut, und daher ist das meiste nicht entschuldbar, wenn es moralisch oder ethisch unhaltbar ist ...
von menschlichkeit bzw unmenschlickeit möchte ich gar nicht erst reden, denn letzteres gibt es nicht, zumindest bei menschen nicht ...

lg,
e

Michel aus Lönneberga 29. März 2009 um 04:38  

Seht euch mal im Ausland um:

- die Franzosen entführen ihre Manager, um ihre Arbeitsplätze zu behalten / Boni zurückzubekommen und streiken häufig

- die Engländer haben dem Ex-Chef einer Bank das Auto zerdeppert

- den Amis geht auch langsam auf, dass da was nicht stimmen kann, und zwar geht soviel auf, dass mittlerweile sogar der amerikanische Finanzminister (Geithner) versucht, das Finanzcasino zu schließen

- Obama versucht, zwischen verschiedenen Interessen zu vermitteln:

Inland (angebl. Terroristen) / Ausland (auf Iran zugehen),

Finanzindustrie regulieren / nicht im JFK-Stil erschossen werden,

freie Marktwirtschaft erhalten / keine Revolution riskieren,

Bushs Mist rückgängig machen / nicht zu viele vor den Kopf stoßen

- die Russen haben sich schon seit längerem auf eine Krise vorbereitet: Armee ist da, Notrationen angelegt, russ. Regierung greift Oligarchen unter die Arme, damit die Amis nicht die russ. Industrie mit selbstgedruckten Dollars aufkaufen, russ. Minister philosophiert, dass 5% mehr Armut zu einem Prozent mehr Kriminalität führt...

- bei uns wird noch gepennt und vo n der Le yen regt alle mit ihrem angeblichen Kind erpor nografie-Massenmarkt auf...

- sobald es zu massenentlassungswellen kommt (bisher vorausgesagt ab mitte dieses Jahres) und dann viele plötzlich vor HartzIV-Sachbearbeitern sitzen, mit denen sie vorher nichtmal einen trinken gegangen wären, dann wollen wir mal sehen, was passiert.
Eigentlich wäre das genau das, wovor die Regierung am meisten Angst haben müsste.

- Wenn ich Merkel wäre, würde ich keine 2. Amtszeit anstreben.


ES KRACHT IM GEBÄLK!!!!!!!

Anonym 29. März 2009 um 17:06  

@Michel aus Lönneberga

Du schreibst:

"[...]ES KRACHT IM GEBÄLK!!!!!!![...]"

Die Eier & Tomaten, die Lafontaine also in Frankfurt erntete waren eigentlich für Angie bestimmt?

Es waren übrigens, in Frankfurt, keine Roland Koch Fans, die Lafontaine mit Merkel verwechselt haben wollen:

http://www.stattweb.de/baseportal/NewsDetail&db=News&Id=4879

Es ist wirklich traurig, wenn die Linke - egal ob Partei oder nicht - sich in Deutschland mal wieder gegenseitig zerfleischt - Angie und Guido W. reiben sich schon die Hände - nach der Wahl wird abgerechnet, aber wohl leider so wie wir alle nicht gerne hätte: "WIR ZAHLEN FÜR EURE KRISE!"

Bedankt euch bei den - parteipolitisch oder nicht - organisierten SPALTERN in den Demos....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

passenger 29. März 2009 um 20:18  

"Da einige Linksparteimitglieder und DGB-Gewerkschafter die Rufenden verbal und körperlich angingen, kam es vereinzelt zu Rangeleien."

Das ist eine glatte Lüge.

Ich stand genau vor dem Haufen 15-18jähriger in ihren schwarzen Klamotten.
Und die Rangeleien gingen von exakt DIESEN Leuten aus, nachdem Lafontaine das Mikro in die Hand genommen hat.

Anonym 30. März 2009 um 01:01  

@passenger

Vielleicht schreibst du mehr über diesen Vorgang? Wäre echt wünschenswert, und würde mächtig zur Aufklärung über diesen Vorfall beitragen.

Übrigens, ich sah heute Abend in der Landesumschau wie sich die Freiburger Polizei auf die Anti-NATO-Proteste vorbereitet.

Da waren Polizisten, die sich als Demonstranten - ja sogar als Clowns-Army - verkleidet haben, und andere Polizisten (ihre Kameraden) beim üben für den Ernstfall.

Nur so ein Gedanke von mir, die ihr gerne als Verschwörungstheorie abtun könnt, der mir kam als ich die detailgenau Nachrüstung von Polizisten auf Globalisierungskritiker im TV sah - Könnten die nicht auch als "Agent Provocateurs" in Demos eingeschleust werden? In Heiligendamm soll es ja bereits einen erwiesenen Fall gegeben haben, der sich als Polizist in Zivil unter Demonstranten gemischt hat, und zum Steinewerfen animiert haben soll.

Nur so ein Verdacht, aber der dt. staatstragenden Polizei traue ich mittlerweile - gerade in Hessen und Baden-Württemberg - so jede Schw.... zu....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Peinhard 30. März 2009 um 10:39  

"Könnten die nicht auch als "Agent Provocateurs" in Demos eingeschleust werden? In Heiligendamm soll es ja bereits einen erwiesenen Fall gegeben haben..."

Diese Taktik gibt es, seit es Demonstrationen gibt. Vielleicht sind Sie zu jung, oder haben aus anderen Gründen nie an zB den großen Demos gegen Rüstung und Atomkraft der 70er und 80er teilgenommen - sonst könnten Sie diesbezüglich mit großer Wahrscheinlichkeit auf 'eigene Anschauung' zurückgreifen...

Anonym 30. März 2009 um 12:23  

@Peinhard

"[...]Vielleicht sind Sie zu jung, [...]"

Genau dies ;-)

Im Ernst, ich konnte mir es nie vorstellen, dass bezahlte Polizisten in Zivil - auch in Westdeutschland - Demos unterminiert haben, aber dank Ihnen bin ich schlauer.

Und so etwas nennt sich Demokratie....in .de.

Kein Wunder, dass viele die ich kenne ins Ausland abhauen wollen, da die schlimme Zeiten für Deutschland befürchten.

War doch schon immer so:

Der "dreckige Rest" und die die zu arm waren blieben hier, die besten Menschen (z.B. Einstein, Hecker, Struve & Co.) hat man aus Deutschland vertrieben

Die USA profitierten schon immer davon, da die meisten dt. Emmigranten letztendlich dort landeten.....

Barack Obama wird's freuen ;-)

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

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