Knastbrüder

Montag, 1. September 2008

Es wird berichtet, dass in niederländischen Gefängnissen Heere von Unschuldigen einsitzen. Nicht, weil die Justiz geschlampt hätte und diverse Strafverfahren fehlerhaft begangen wurden, sondern weil sie willentlich hinter Schloß und Riegel sitzen wollen. Personal-Service-Agenturen verfügen über eine Reihe von Mitarbeitern, die allesamt bereit sind, "eine gewisse Periode auf Reisen zu gehen". Heißt: Gegen Geld tritt ein Ersatzmann die Haftstrafe an; der wirkliche Bestrafte lebt derweilen weiter in Freiheit. Es versteht sich von selbst, dass ein solcher Dienst keinem Schnäppchen gleichkommt; was sich aber weniger verstehen läßt: Die niederländischen Gefängnisse überprüfen nur selten die Identität der Häftlinge, wähnen sich in der Naivität, dass niemand freiwillig in den Knast ginge. Doch als dann die Staatsanwaltschaft die Identität von 10.000 Gefangenen überprüfen ließ, kam heraus, dass - neben 1.700 kleinen Identitätsfehlern wie falsch geschriebene Namen - 200 solcher "Stellvertreter", die sich unter falschen Namen zum Haftantritt meldeten, dort ihrem Erwerb nachkommen.

Warum sollte dies nur in den Niederlanden machbar sein? Weshalb könnte man sich das nicht auch für diese Bananenrepublik vorstellen? - Es drängt sich einem ja geradewegs der Gedanke auf, dass genau diese Methoden schon seit geraumer Zeit auch hierzulande praktiziert werden. Ist es denn anders zu deuten, wenn bestimmte Personen immer noch in Freiheit verweilen, obwohl man ihnen bei objektiver Betrachtung einen "kleinen Aufenthalt in Streifen" prophezeit hatte? Freilich könnte man nun einwenden, dass es nicht ein Ersatzhäftling war, der zur Stelle stand, sondern ein "kulanter" Richter, der die eine oder andere öffentliche Person vor größeren Unannehmlichkeiten bewahrte. Aber man beachte bitte in welchem Staat wir leben - heißt es nicht immer, dass die Richter nirgends so befangen... will heißen: nirgends so unbefangen und unabhängig urteilen wie in diesem Lande? Ein geschmierter Richter? In Deutschland? - Infamie!

Wenn man also staatstreu-naiv genug ist, um festzuhalten, dass deutsche Richter edel und gut sind, zudem unabhängig und an keines Menschen Geldbeutel hängen - außer an denen, die Steuern bezahlen -, muß doch erklärbar sein, warum bestimmte Personen - Namen werden nicht genannt - immer noch im Hartz ihren Kohl selbst von deren Ackermann holen dürfen, um ihn dann in Freiheit zu essern.
So bleibt also fraglich, weshalb ein Vorstandschef einer großen deutschen Bank und dessen geschäftlicher Busenfreund - Vorstandsvorsitzender eines Telekommunikationsunternehmens - weiterhin auf freiem Fuß sind, obwohl sie sich um Millionen von Euro bereichert haben, die ihnen gar nicht zustehen. Oder ein ehemaliger Staatsmann, der sich selbst als Vater des neuen Europa einstuft - und überhaupt meist selbstgerecht mit seinen ehemaligen Regimeteilhabern umspringt - und sein Ehrenwert höher bewertet, als die Verpflichtung, vor Gericht die Wahrheit sagen zu müssen, der sich also schlicht weigert, dieser staatsbürgerlich-rechtstaatlichen Pflicht nachzugehen. Von Beugehaft war seinerzeit gar die Rede - wie man aber gelegentlich sehen muß, rollt er noch immer frei durch die Lande. Sein damaliger Zögling, der heute die Staatssicherheit leitet, übrigens auch. Gar nicht erst zu reden von jenem Trottel, der mit Firmengeldern Prostituierte bezahlt hat und statt selbst in Haft zu sitzen, ersatzweise ein Haftsystem für jedermann ersonnen hat, bei dem es keiner Stahlgitter mehr bedarf - Stahl ist ja auch teuer, dank China.

Unsere Richter, wie schon erwähnt, sind über jeden Verdacht erhaben. Sie haben kein Interesse daran, der Gerechtigkeit nicht gerecht zu werden, sind frei und unabhängig und haben jene Gestalten, deren Namen hier nichts zur Sache tun, sicherlich dahingebracht, wo man sie hingebracht wissen wollte. Da man sie aber immer wieder in der Öffentlichkeit sieht, bietet es sich doch an anzunehmen, dass sie Stellvertreter nach Stadelheim, Stammheim oder Moabit geschickt haben. Dort hocken also auf engem Raum Stellvertreter, die sich als Staatsmänner und Vorstandsvorsitzende ausgeben, dort verharren also solche, die sich Nachnamen eines Gemüses geben oder eines deutschen Mittelgebirges. Denn wie, wenn nicht in dieser Weise, läßt sich sonst der Umstand erklären, diesen traurigen Gestalten ohne Anstand und Gerechtigkeitssinn immer noch begegnen zu müssen?

4 Kommentare:

Anonym 1. September 2008 um 13:07  

"[...]Unsere Richter, wie schon erwähnt, sind über jeden Verdacht erhaben. Sie haben kein Interesse daran, der Gerechtigkeit nicht gerecht zu werden, sind frei und unabhängig und haben jene Gestalten, deren Namen hier nichts zur Sache tun, sicherlich dahingebracht, wo man sie hingebracht wissen wollte. [...]"

Ich denke du meinst das ironisch, denn jedes Kleinkind weiß, dass Recht haben, und Recht bekommen zwei unterschiedliche Stiefel - auch in Deutschland - sind.

Nicht erst seit den geschilderten Personen ist mir das klar.

Ich habe einen juristischen Ratgeber, der in Buchform schon 2002 die Aussage - siehe oben - eines Rechtsanwaltes beinhaltet.

Tja, ist leider so, auch was Gerichte angeht sind wir in Deutschland schon längst einen Bananenrepublik geworden....nicht erst seit H...A...& Co. weiß ich, dass Recht in Deutschland käuflich sein dürfte...

Anonym 1. September 2008 um 13:24  

Das zeigt doch wieder mal, wie einfallsreich die Niederländer sind, wenn es um ihre Freiheit geht. Mag sein, dass man in DE auch schon auf die Idee gekommen ist, seine Knastzeit abzukaufen und andere sitzen zu lassen, aber ich bezweifle es. In DE besteht immerhin der Zwang (Die Pflicht), einen Ausweis zu führen. In den Niederlanden dagegen, besteht dieser Zwang nicht. (Das ist dort Teil bürgerlicher Freiheit, dass man sich erst dann über seine Personalien auslassen muss, wenn einem etwas konkretes vorgeworfen wird und nicht einfach so Ausweis zeigen auf der Straße, wie hier bei uns in DE)

Aus eigener Erfahrung weiß ich, welchen Probleme Niederländische Behörden oft begegnen, wenn sie dahinter kommen möchten, wen sie nun tatsächlich vor sich haben. Ich kenne Leute, die unter mehr als 50 verschiedene Namen bei der Amsterdamer Polizei geführt werden (alle falsch!) Vielleicht ist es deshalb dort möglich und hier bei uns eher nicht? Jedenfalls eine gute Idee, für all jene, die es sich leisten können.

Die meisten, so weiß ich aus eigener Erfahrung von mehreren Monaten im Amsterdamer Knast, können das jedenfalls nicht...-

Roberto J. De Lapuente 1. September 2008 um 13:33  

"In DE besteht immerhin der Zwang (Die Pflicht), einen Ausweis zu führen. In den Niederlanden dagegen, besteht dieser Zwang nicht."

Gerade deshalb! Wenn dem deutschen Büttel ein Zertifikat unter die Nase gerieben wird, in dem aufgeführt ist, dass der dem Büttel gegenüberstehende Einarmige zwei Arme hat, dann glaubt er zunächst an die Zweiarmigkeit des Einarmigen. Immerhin steht es ja im Zertifikat. Der Glaube an die Zweiarmigkeit geht dann solange, bis der Einarmige ein ärztliches Gutachten aufweisen kann, in dem erläutert wird, dass ein Arm fehlt.

Wenn sich also ein dünnes, kleinwüchsiges Mädchen aufmacht, einem JVA-Angestellten den Ausweis eines dicken Staatsmannes zu zeigen, dann hat zuerst der Ausweis Geltung - erst nachdem man diesen fünfmal auf Echtheit geprüft hat, weil der Angestellte vielleicht Zweifel hegt (vielleicht ist die Farbe des Ausweises verdächtig), wird die Aktenlage nochmal überdacht und eventuell festgestellt, dass das Mädchen vielleicht, aber nur eventuell und nach eingängiger Prüfung, nicht Staatsmann war und ist. Solange wird die Stellvertreterin in Haft genommen, denn es läßt sich nicht nachweisen, ob das Mädchen nicht vielleicht doch ein alter Mann ist, der früher mal herumregiert hat.

aebby 1. September 2008 um 20:51  

sehr gut :-))

zum letzten Kommentar: Die Prüfung könnte höchstens ergeben, dass sich der Staatsmann offensichtlich einer Abmagerungs- und Verjüngungkur unterzogen hat.

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